Hala Alyan – Häuser aus Sand

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Hala Alyan – Häuser aus Sand

In Jaffa ist sie aufgewachsen, doch sie wurden vertrieben und so wird Nablus die neue Heimat für Salma und ihre Familie. Ihre Kinder könnten kaum verschiedener sein, die in sich gekehrte Widad und die beiden modernen, lebhaften Mustafa und Alia. Kurz vor Alias Hochzeit liest Salma im Kaffeesatz und weiß, dass ihrer Tochter ein bewegtes Leben bevorsteht. Die Vorhersehung wird sich bewahrheiten, Alia, die den besten Freund ihres Bruders, Atef, heiratet, wird mit ihm und den Kindern Riham, Karam und Souad immer wieder von Neuem beginnen, vor Krieg flüchten und das Leben in einem anderen Land neuordnen müssen. Auch ihre Kinder werden in gewisser Weise zu Nomaden werden und Alias Enkel werden schließlich vor all den Einflüssen und Kulturen, der unterschiedlichsten Länder, in denen sie gelebt haben, kaum mehr wissen, wo sich ihre Wurzeln befinden.

Hala Alyan hat in ihrem Debut Roman einer Familie eine Stimme gegeben, deren Geschichte jedoch typisch ist für die vieler aus dem Nahen Osten. Über Generationen immer weiter über die Erdteile zerstreut, wegen Krieg und Vertreibung zu Flucht und Neubeginn in der Fremde gezwungen und mit jeder Generation ein Stück weiter vom eigentlichen Ursprung entfernt.

Der Aufbau des Buches hat mir unheimlich gut gefallen, es ist nicht nur die Geschichte Alias, auch wenn sie Dreh- und Angelpunkt der Handlung bleibt. Wir erleben mehrere Generationen: Kinder, die andere Werte und Ideale als die Eltern vertreten, sich entfernen und doch immer wieder zueinander finden. Es sind immer nur Momentaufnahmen, dazwischen fehlt vieles, aber das ist nicht wichtig, es ist der Moment, der zählt.

Neben der Geschichte der Familie ist der Roman auch hochpolitisch – politische Entscheidungen sind es, die die Yacoubs immer wieder vertreiben: aus Jaffa, aus Nablus, aus Kuweit, aus den USA, aus dem Libanon. Aber es sind nicht diese politischen Entwicklungen, die thematisiert werden, sondern ihre Auswirkungen auf die Menschen, das erzwungene Nomadentum, die Entwurzelung, der Sprachenmischmasch, der zwangsweise über die verschiedenen Wohnorte und Lebensläufe entsteht und die Kommunikation schon zwischen Großeltern und Enkeln erschwert. Der Roman ist keine Anklage, eher ein Zeugnis, das mahnend dasteht und für sich selbst spricht.

Als Manar am Ende wieder in Jaffa steht, dem Sehnsuchtsort ihrer Ur-Großmutter und eine Verbindung spürt, die sie nicht einordnen und schon gar nicht mit ihrer Familiengeschichte in Zusammenhang bringen kann, schließt sich der Kreis. Ein rundes Buch mit starken Figuren und überzeugend vor dem Hintergrund der Geschichte des Nahen Ostens der letzten Jahrzehnte erzählt.

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Sophie Daull – Adieu, mein Kind

Adieu mein Kind von Sophie Daull
Sophie Daull – Adieu, mein Kind

Am 9. Januar 2014 beginnt Sophie Daull zu schreiben. Eine Woche nachdem sie ihre Tochter mit nur 16 Jahren begraben musste. Sie will die letzten Tage nachzeichnen, die vier Tage im Kampf gegen den Tod und die Tage danach bis zur Beerdigung. Sie wird vier Monate brauchen alle Erinnerungen niederzuschreiben. Von der Annahme einer belanglosen Grippe, ärgerlich so kurz vor Weihnachten, über die zunehmenden Schmerzen, die Abweisung der Ärzte im Krankenhaus bis hin zum dem unvermeidlichen Tod, den Vorbereitungen auf die Beisetzung und das Loch, das folgt, wenn man einen geliebten Menschen verliert.

Sophie Daulls Geschichte ist tatsächlich kein Roman, sondern ein Tatsachenbericht über die letzten Tage mit ihrer Tochter Camille und die ersten Wochen ohne sie. Fassungslos liest man von der Hilflosigkeit der Eltern, die den Kampf der Tochter zu Hause mitansehen müssen und die keinerlei Unterstützung erfahren, sondern mit einem Paracetamol Rezept in der Hand regelrecht aus der Klinik geworfen werden. Die Todesursache bleibt auch nach der Obduktion diffus, vermutlich Bakterien, aber das spielt eigentlich schon keine Rolle mehr.

Sie muss feststellen: „Für uns gibt es keine Bezeichnung. Wir sind weder Verwitwete noch Waisen. Es gibt kein Wort für Eltern, die ihr Kind verloren haben.“ Im Internet findet sie den Vorschlag „Lebender Toter“, der die Leere, die die Eltern empfinden, das geradezu Zombie-hafte Dasein, recht treffend beschreibt, die Tage ganz ohne Erinnerung.

Sophie Daull hat sich all ihre Trauer von der Seele geschrieben. Bemerkenswert daran ist, dass sie schon vorher einmal vom Schicksal schwer getroffen wurde, im Buch wird dies in einem Nebensatz erwähnt: im Februar 1985, als sie 20 Jahre alt war, fand sie ihre Mutter vergewaltigt und mit unzähligen Messerstichen ermordet von ihrem damaligen Lebensgefährten. Diese Erfahrung, sagt die Autorin in einem Interview, habe sie überhaupt nur in die Lage versetzt, den Tod ihrer Tochter zu ertragen. Das Schreiben half ihr nicht nur loszulassen, sondern auch die Erinnerung davor zu bewahren, damit sich nicht alles im Vergessen auflöst.

Ein ungewöhnlicher Bericht einer starken Frau, die diesen ihrer Mutter widmete. Beide Male war es das Theater, das die Schauspielerin rettete und das ihr wieder neuen Mut gab, um weiterzuleben.

Danielle Thiéry – Was die Nacht verbirgt

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Danielle Thiéry – Was die Nacht verbirgt

Ein bestialischer Mord wird der Pariser Kommissarin Edwige Marion und ihrem Team übertragen: eine Frau wurde getötet und ihr Körper ist von unzähligen Schnittwunden übersät. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass auch ihre Organe regelrecht zerlegt wurden. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord, wieder ein weibliches Opfer, dessen Körper in ähnlicher Weise gezeichnet ist. Was will der Täter ihnen sagen? Steckt ein Code hinter den Schnittwunden? Doch Kommissarin Marion beschäftigt noch etwas ganz anderes: es gibt sehr belastende Parallelen zwischen den Fällen und ihrem Freund Benjamin, der offenbar mit den Opfern kurz vor ihrem Tod gesehen wurde. Das kann nicht sein – oder hat sie einem Psychopathen vertraut?

Danielle Thiérys Krimi „Was die Nacht verbirgt“ ist der Auftakt der Reihe um Edwige Marion, von der im Original bereits 13 Romane erschienen sind, die jedoch nicht alle auch ins Deutsche übersetzt wurden. Die Reihe war zunächst bei Piper erschienen und wird nun jedoch beim Aufbau Verlag in neuem Gewand veröffentlicht.

Der Fall klingt zunächst nach einem recht typischen Thriller mit einem bestialischen Serienmörder, der reihenweise Frauen ermordet und seine unverkennbaren Spuren hinterlässt. Allerdings leidet die Spannung ein wenig darunter, dass man als Leser mit dem Holzhammer schon sehr früh auf die notwendigen Zeichen gestoßen wird; keine subtilen Indizien, die man leicht überliest, sondern in großen Lettern hervorspringende Ausrufezeichen. So hat man ab etwa der Hälfte problemlos ziemlich genau einen Überblick darüber, wie die Zusammenhänge sich darstellen dürften.

Dass man als Leser so schnell hinter den Komplott kommt, die Ermittler jedoch ewig im Dunkeln tappen, liegt an der Anlage der Figuren. Dies ist insgesamt durchaus stimmig: ein Team von unfähigen eitlen Gockeln, die lieber ihre Erkenntnisse für sich behalten und weitere Opfer riskieren als ihre Arbeit ordentlich zu machen, ist geradezu prädestiniert, die Auflösung des Falls zu verschleppen. Leider macht sie das durch die Bank unsympathisch und kaum erträglich.

Was einem dennoch am Ball hält, ist der der Schreibstil der Autorin, der durchaus fesseln kann und bei dem sie auch eine geschickte Dramaturgie an den Tag legt. Gestört wird dies nur durch zahlreiche unsägliche Übersetzungsnachlässigkeiten. Die Figuren stecken immer wieder in ihren Baskets und ziehen sich die Blousons aus, der Täter bewegt sich mal in einem Campingwagen, dann wieder in einem LKW, was letztlich aber immer dasselbe Auto ist. Wenn man fließend Französisch spricht, lassen sich so manche Holprigkeiten leicht erklären, dennoch ist es ärgerlich.

Alles in allem, bleibe ich zwiegespalten: einerseits hat der Krimi eine gewisse Spannung und man bleibt grade dran, andererseits sind doch auch unübersehbare Schwächen, die ihn weit hinter den Erwartungen zurückstehen lassen.

Liam Callanan – Paris by the Book

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Liam Callanan – Paris by the Book

The sudden disappearance of her husband is nothing new to Leah Eady, he has done it again and again in the almost two decades they have spent together. He needs some time-out for his writing, to gather his ideas. But this time, things are different. She cannot find his “away-note”. He never leaves without a short letting them know that he’d be back again soon. When Robert does not show up again after weeks, Leah and her two daughters are devastated. Some clues lead her to believe that he could be in Paris and thus the three of them head for the French capital. Sometimes things just happen and later you cannot recollect what exactly was the decisive moment, so Leah finally finds herself in Europe owning a lovely bookshop. The longer they stay there, the more they adapt to their new life, a life without Robert. But every now and then, he shows up again. They see him in a picture, they imagine having crossed him in the streets. But: is he even still alive?

The book sounded so lovely that I had to read it. A bookstore in Paris, a kind of extraordinary love story, the frequent allusion to Albert Lampoisse’s short film “The Red Balloon” – these are the perfect ingredients for a great feel-good bitter-sweet story. Yet, it did not completely catch me.

Somehow there were too many breaks in the story, I never knew exactly where it was going too and thus it turned a bit lengthy at times. The characters unfortunately lived too much in the books they read and films they watched to ever find themselves really in Paris and therefore the charm of the town got completely lost.

I liked the way the protagonist and her struggle with the situation are portrayed. Even though I think the construction of their relationship is too awkward to be authentic, the moment of not knowing what happened to her husband and being responsible for two teenagers while coping with your own emotions – that’s all but easy. Figuring out how to survive might lead to extreme decision like going to Paris and starting anew.

All in all, there were lovely passages, but to sum it up: it is too long for the story that’s been told.

Adélaïde Bon – La petite fille sur la banquise

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Adélaïde Bon – La petite fille sur la banquise

Adélaïde n’a que neuf ans quand un jour de mai un homme l’approche. Elle rentrait seule d’une fête d’école, c’était la première fois qu’elle était sans ses parents et c’est la chance que l’homme a saisie. Quoique ses parents l’accompagnent immédiatement à la police, personne ne comprend que ces quelques minutes seront la cause pour la destruction de sa vie. Pour des décennies, elle aura des problèmes à accepter son corps, elle ne pourra jamais se réjouir d’être ensemble avec un homme, elle sera hantée par des cauchemars. Des heures et des heures de psychothérapie seront nécessaires jusqu’à ce qu’elle même comprenne ce qui se passait ce jour-là. Il faudra plus de 20 ans à la police de trouver l’homme, un Italien qui a violé plus de 30 jeunes filles et ainsi détruit plus de 30 vies.

 Adélaïde Bon raconte sa vie avec un viol pour lequel elle n’a pas de mots. Tout ce qui se passe après – ses années de troubles alimentaires, ses tentatives de suicide, son inaptitude de sentir quelque chose, son errance professionnelle – ce sont les réactions typiques pour un état de stress post-traumatique. Mais ce n’est non seulement sa souffrance qu’on vit aussi comme lecteur, mais avant tout le fait que ni sa famille ni ses ami(e)s ne comprennent ce qui se passe avec elle.

Que ce viol soit toujours lié à une certaine honte du côté des victimes, qu’on essaye plutôt de cacher et de ne pas parler de ce qui s’est passé au lieu d’accuser le coupable, c’est incroyable. Mais cela montre que les livres comme celui-ci sont absolument nécessaires. Non seulement pour comprendre ce qui se passe dans une fille violée, mais aussi pour montrer qu’on n’est pas seule à subir une telle chose et pour donner un nom aux choses qui arrivent.

J’admire l’auteure pour son courage de raconter son histoire ouvertement et je lui remercie pour offrir à beaucoup d’autres au moins un peu le sentiment de ne pas être la seule et de leur donner le courage de se défendre.

Jacques Attali – Meurtres, en toute intelligence

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Jacques Attali – Meurtres, en toute intelligence

Automne 2018. Quand la commissaire Fatima Hadj est convoquée à l’hôtel de Crillon à Paris, elle pense encore à un meurtre plus ou moins habituel. Le PDG d’une entreprise américaine a été assassiné, mais à l’intérieur de la chambre, il n’y a aucune empreinte. L’enquête se concentre vite sur les collaborateurs qui sont venus à Paris avec le PDG afin de finaliser la fusion avec une entreprise française. Mais, tous les suspects étaient assis à une table dans le restaurant à l’heure de l’assassinat. C’est un concurrent alors qui a éliminé le PDG ? Et quel type de logiciels produisent-ils chez la firme Boromir Technologies ? Et pourquoi une fusion avec une entreprise qui est spécialisée en drones ? Peu de jours après, Fatima va avoir compris non seulement la relation entre le logiciel et les drones, mais aussi que cet assassinat était évidemment juste le début d’une série d’attaques.

Jacques Attali sait très bien de quoi il parle. Ancien conseiller spécial du président de la République et expert en économie, il connait bien la fragilité de celle-ci et il sait très bien lier l’économie non seulement au progrès technologique mais aussi à la menace globale par des groupes de terroristes. Ainsi, il a créé une histoire complexe comme la réalité.

A début, on songe lire un roman policier plus ou moins typique : un assassinat, plusieurs suspects avec des mobiles diverses – l’argent, le prestige, le pouvoir, même l’amour – et un lieu de crime qui n’offre pas top d’idées à la commissaire. Mais au moment où le président de la République lui-même se mêle, c’est bien clair qu’il y ait beaucoup plus que simplement le meurtre d’un homme d’affaires américain.  Le personnage de Fatima m’a plu beaucoup. D’un côté, elle n’est pas du tout le commissaire ordinaire : homme cinquantenaire, alcoolique ou toxicomane, divorcé avec des enfants qu’il ne voit jamais. Elle, Fatima, est plutôt jeune, s’occupe de ses deux enfants, elle est parfois impulsive et vite enragé, éprouve la concurrence quand une autre femme apparaît et avant tout – elle est amoureuse sans pouvoir vivre cet amour.

L’aspect des drones et des logiciels et de tout ce qui est possible dans notre monde plein de technologie aujourd’hui – c’est vraiment un sujet important et menaçant. On peut bien imaginer une telle histoire se produire en réalité ce qui rend le roman encore plus intéressant. Comme citoyen moyen, on ignore ce qui se passe dans les firmes spécialisées et dans les laboratoires militaires – mais c’est nous qui sont les victimes quand quelque chose échoue.

Emmanuel Carrère – D’Autres Vies Que La Mienne

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Emmanuel Carrère – D’autres vies que la mienne

Es sind zwei einschneidende Erlebnisse, die den Autor Emmanuel Carrère dazu bringen, den Roman „D’autres vies que la mienne“ zu verfassen: erst erlebt er bei dem verheerenden Tsunami 2004, wie ein befreundetes Ehepaar seine Tochter verliert, dann stirbt seine Schwägerin an Krebs und hinterlässt drei kleine Töchter. Irgendwer fordert ihn auf, er sei doch Autor, weshalb schreibt er nicht die Tragödien auf, die sich vor seinen Augen abspielen? Er wird Jahre brauchen für die Aufzeichnungen, emotional ist dies sowohl für ihn wie auch für seine Gesprächspartner kein leichtes Unterfangen. Das Buch erzählt wahre Geschichten, daher auch passend der deutsche Titel: „Alles ist wahr“.

Emmanuel Carrère beginnt seinen Bericht denn mit dem tatsächlichen chronologisch passenden Ausgangspunkt in Sri Lanka 2004. Die Erlebnisse der Überlebenden gehen einem nahe. Ohne dass der Autor selbst direkt von der Welle betroffen gewesen wäre und einen geliebten Menschen verloren hätte, wird das Leid und die Trauer derer, die nicht so viel Glück hatten, doch förmlich greifbar. Man ahnt noch nicht, dass dies noch einer der leichteren Berichte im Buch sein wird.

Die Geschichte seiner Schwägerin Juliette und ihres Kollegen Étienne sind vielschichtiger und noch greifbarer. Hat der Tsunami weltweit einen Schrecken eingejagt, sind dies nun die Geschichten des Alltags, die sich um uns herum abspielen. Juliette und Étienne sind schon als junge Menschen vom Krebs getroffen und tragen offenkundige Zeichen der Krankheit mit sich. Das bringt sie einander näher, denn sie teilen ein Schicksal und können miteinander mit einer Offenheit sprechen, die sie zu keinem anderen Menschen finden. Dies gibt ihnen aber auch die Stärke, ihren Beruf als Richter in einer ganz bestimmten Weise zu verstehen und das Leben, das ihnen wieder geschenkt wurde, nützlich zu verbringen: sie kämpfen für diejenigen, die alleine für ihre Rechte nicht einstehen können.

Als sich abzeichnet, dass Juliette nicht mehr lange wird leben können, beginnt der am schwersten zu ertragende Teil des Buches. Ihr Mann Patrice berichtet von ihrem Kennenlernen, wie sie ihre Familie gegründet haben, von der Verbindung, die trotz aller Widersprüche zwischen ihnen bestand und von den schlimmen Tagen und Stunden am Ende von Juliettes Leben. Wie sich die Familie und Étienne verabschiedet haben, die Beerdigung und den drei Töchtern, die mit dem Verlust ebenfalls klarkommen müssen.

Diese Passagen gehen nicht spurlos an einem vorbei. Es ist bewundernswert, wie Carrère es schafft, die Gefühle von Patrice wiederzugeben ohne voyeuristisch zu wirken. Er schlachtet das Schicksal nicht aus, sondern findet die richtigen Worte, um der Zuneigung und gleichsam dem Schmerz Ausdruck zu verleihen.

Anne Idoux-Thivet – L’atelier des souvenirs

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Anne Idoux-Thivet – L’atelier des souvenirs

Alice a fini ses études en sociologie qui la mènent nulle part professionnellement. Alors elle quitte Paris pour retourner dans la Meuse où elle peut habiter l’ancienne maison de sa grand-mère. Là aussi, il n’est pas facile de trouver un poste n’importe quel, alors elle finit par offrir des ateliers d’animation dans deux maisons de retraite. Toute contente qu’il y ait des pensionnaires intéressés à ce qu’elle propose elle commence son travail sans savoir ce qui l’attend là. Au fil des semaines, Alice et aussi les retraités commencent à se mêler dans la vie les uns les autres et une amitié exceptionnelle est formée.

« L’atelier des souvenir » est la lecture parfaite pour le printemps : c’est un roman léger, plein de vivacité et d’affection. Il est un peu doux-amer, car au début, la petit Alice est plutôt timide et triste, elle se sent non seulement seule et abandonnée, mais elle a des doutes concernant ses études et ses connaissances. C’est le contact avec les retraités et aussi avec les enfants à qui elle donne aussi des cours plus tard, qu’elle retourne dans la vie et devient de plus en plus vive.

A part cela, il y a une histoire d’amitié, plusieurs histoires d’amour et comme il s’agit d’un cour d’écriture, beaucoup d’histoires courtes diverses. J’ai vraiment adoré lire ce livre.

Nadja Spiegelman – Was nie geschehen ist

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Nadja Spiegelman – Was nie geschehen ist

Die Geschichte ihrer Familie, genauer gesagt, die Geschichte ihrer Mutter und ihrer Großmutter hat Nadja schon immer fasziniert, zu viele weiße Stellen, Ungereimtheiten und unglaubliche Begebenheiten hat sie gehört, weshalb sie als Erwachsene beginnt, nachzufragen, zu forschen und sie aufzuschreiben. Entstanden ist das Bild einer Frau, die nie geliebt wurde, die Außenseiterin in der eigenen Familie war und früh die Flucht ergriffen hat. Doch es gibt auch eine andere Seite, die Geschichte der Großmutter, die ebenfalls unter ihrer eigenen exzentrischen Mutter gelitten hatte. Mehrere Generationen Frauen, die nie ausgesprochen haben, was geschehen war und sich nun in diesem Buch ihrer Vergangenheit stellen.

Nadja Spiegelman ist die Tochter von Art Spiegelman, der seinerseits für „Maus“ den Pulitzer Prize gewonnen hat, einem Comic, der ebenfalls die Familiengeschichte erzählt. In diesem Kontext ist es nicht mehr ganz so verwunderlich, dass eine junge Frau eine doch schmerzliche Biographie ihrer Mutter vorlegt, die noch lebt und sich ihrer eigenen Geschichte stellen muss. Dadurch, dass Spiegelman die Lebensgeschichte mit ihrer eigenen verwebt, zeigt sie immer wieder Parallelen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart auf, die auch durch unterschiedliche Länder und Zeiten stabil sind.

Vieles in Spiegelmans Familiengeschichte ist auch für den Leser schmerzlich und man fragt sich, wie Familienmitglieder auf diese Weise miteinander umgehen können. Vor allem das wiederkehrende Motiv der Mütter, ihre Töchter auf ihr Aussehen und ihre Essgewohnheiten zu reduzieren ist augenfällig. Auch die Dichotomie zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, wenn es um den Körper geht, fand ich eher seltsam gelöst in der Familie, was auch zu erheblicher Unsicherheit der jungen Frauen führte. Vor allem Françoise leidet unter der Ablehnung und fehlenden Zuneigung ihrer Mutter. Die ältere Schwester wurde immer bevorzugt, was die jüngere durch extreme Leistungen versucht zu kompensieren, um so Aufmerksamkeit zu erringen.

Ein weiterer Aspekt der Erzählung schwebt über dem gesamten Bericht und stellt vieles immer wieder in Frage: wie historisch korrekt sind die Erinnerungen, die die Menschen haben? Haben sich die Ereignisse wirklich so zugetragen oder wird durch die Zeit und die eigene Perspektive das Erlebte verfälscht und fügt sich zu einem stimmigen Bild, das womöglich gar nicht der Realität entspricht? Immer wieder steht Nadja vor diesem Problem: Einzelne Aspekte passen zeitlich und örtlich nicht, das Gesamtbild ist nicht stimmig und Mutter und Großmutter erinnern dasselbe Ereignis gänzlich verschieden. An dieser Stelle stritt Erzählen an Erinnern – dies kann versöhnen und das eigene Leben für die jeweilige Person erträglicher machen.

Faïza Guène – Millénum Blues

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Faïza Guène – Millénium Blues

À la fin des année 1990, Zouina est encore une jeune fille quand elle devient témoin comment le mariage de ses parents les épuise et trouve la fin. C’est grâce à sa copine Carmen qu’elle n’est pas perdue complètement. Zouina grandit, voit la coupe du monde en France, la chute du World Trade Center et fait partie d’un accident routière de Carmen pendant lequel une jeune femme et mère est tuée. Elle tombe amoureuse et enceinte et se rend compte que le rapport avec son conjoint n’est pas sain du tout. Carmen et Zouina – deux filles qui grandissent ensemble, qui partagent le bonheur et le malheur toujours en trouvant consolation dans les chansons d’ABBA.

J’adore les romans de Faïza Guène parce qu’elle arrive de raconter ses histoires avec un ton comme une amie avec laquelle on est assise quelque part avec un café. On s’amuse ensemble, on souffre ensemble – comme dans la vie ordinaire. Déjà son roman début « Kiffe kiffe demain » montrait qu’elle connait le langage de la rue et qu’elle ne tourne pas autour du pot pour éviter des mots indicibles.

Zouina est une jeune fille, puis une jeune femme, « moyenne » – tel le jugement de la conseillère en école. Elle n’a ni de talents extraordinaires ni de faiblesses extrêmes. Elle est une femme comme toi et moi ce qui la rend bien sympathique dès le début. Elle respecte ses parents, les adore aussi, mais quand-même et analyse critiquement leur comportement et leur relation. Son relation avec Eddy est loin d’être bonne pour elle – mais elle l’aime, alors quoi faire ? Il réduit son estime d’elle jusqu’à zéro, elle s’en rend compte, mais toujours elle reste avec lui. Il faut plus pur elle pour terminer avec lui.

Quoique tout n’aille pas de meilleure façon possible, à mon avis, « Millénium Blues » est un livre positif. Ce sont avant tout les petites phrases insérées qui motivent le protagoniste et les liseurs de faire le mieux de la vie :

Il vaut mieux regarder devant soi que se retourner sur l’endroit où l’on a trébuché.

Et

Il faudrait célébrer la vie qu’on nous donne à vivre et ne pas en faire n’importe quoi.

Une femme ordinaire qui fait le mieux de sa vie qui trouve son bonheur au moment où elle regarde sa vie de près.