Dan Brown – Inferno

Robert Langdons vierter Fall führt den Historiker einmal mehr nach Italien. Wie er dort hingekommen ist, weiß er jedoch nicht mehr. Auch nicht wer die Frau ist, die ihn verfolgt und erschießen möchte. Schon gar keinen Reim kann er sich auf die Frage machen, warum man ihn aus der Welt schaffen möchte. Unterstützung erhält er von der geheimnisvollen Sienna, die selbst etwas zu verbergen zu haben scheint, aber mit einem scharfen Verstand und einer ordentlichen Portion Mut mit Langdon den Kampf gegen die bösen Mächte aufnimmt. Die Amnesie lässt Langdon nur langsam die einzelnen Puzzelstücke der vorausgegangenen Tage wieder zusammensetzen, bald ist jedoch klar, dass der Widersacher in Anlehnung an Dante Alighieris Divina Commedia ein Inferno über die Menschheit bringen wird, um diese drastisch zu dezimieren.

Ein typischer Dan Brown Krimi. Langdon entwickelt einmal mehr Superkräfte und kann auch halbtot noch sprinten wie ein junger Bursche. Sein kunsthistorisches Wissen löst so manches Rätsel und nebenbei darf der Leser sich an Vorlesungen zu Literatur, Architektur und Kunst im allgemeinen erfreuen. Nachdem „The Lost Symbol“ schon schwer an Überzeugungskraft nachgelassen hat, kann auch „Inferno“ nicht mehr wirklich vom Hocker reißen. Die Elemente sind bekannt, der Hergang der Geschichte schematisch und absehbar und leider nicht mehr so begeisternd wie die beiden ersten Bände der Reihe.

Nichtsdestotrotz gute Unterhaltung für vergnügliche Stunden. Die Idee der Amnesie ist ganz clever, auch die Auflösung durchaus überraschend, ich denke hier lohnt sich ein zweites Lesen tatsächlich, um mit dem Wissen des Endes den Verlauf der Story nochmals zu betrachten. Auch ist das Problem der Überbevölkerung ist neu als Element, bisher waren die globalen Krisen und medizinisch-ethische Frage ja nicht in Langdons Spezialthemen.

Nicht der ganz große Wurf, aber durchaus empfehlenswert.

****/5

Kylie Brant – Knochenzeichen

Ein grausamer Leichenfund beordert die Foensikerin Cait nach Oregon. In einer Höhle wurden die Knochen von mehreren Menschen gefunden. Vor Ort gibt es keine Vermissten und die Knochen sind blitzsauber, doch Cait und ihrer Mitarbeiterin gelingt es, seltsame Zeichnungen auf den Knochen zu finden. Zusammen mit dem Outdoor-Spezialisten Zach Sharper macht sie sich mit der Umgebung vertraut. Aus der anfänglichen Zuneigung entwickelt sich eine spannungshaft Anziehung, die beinahe die Professionalität Caits herausfordert.
Spannender Thriller, der mittels Technik und Forensik gelöst wird. Die Figuren sind facettenreich gezeichnet und ihre Charaktere sind erfreuliche Abwechslungen in der Masse der Ermittler. Die Autorin verzichtet auf einfache Klischees und motiviert Verhaltensweisen und Andersartigkeit glaubhaft.
Gute Unterhaltung, durchgehend spannend mit überraschendem, aber glaubhaftem Ende.

Andreas Franz (Daniel Holbe) – Tödlicher Absturz

Eine unglaubliche Serie erschüttert die Frankfurter Finanzwelt. Karl von Eisner scheint in der Silvesternacht brutal seine junge Gespielin ermordet zu haben und stürzt sich wenige Tage später als die Presse über ihn herfällt von einem Hochhaus. Eine Geschäftspartnerin wird mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne entdeckt und ihr Mann erhängt sich. Drei Suizide innerhalb weniger Tage sind zu viel um an einen Zufall zu glauben. Das neue Jahr beginnt für Julia Durant mit einem kniffligen Fall, bei dem Strippenzieher ihr schnell begegnet, sie aber lange im Dunkeln tappt.

Daniel Holbe hat die Serie um Julia Durant fortgeschrieben. Als Neueinsteiger in die Serie bleibt leider so manche Randbemerkung rätselhaft, nichtsdestotrotz ist die Geschichte in sich geschlossen und auch als Standalone ein ordentlicher Krimi. Da sich für den Leser der Fall schon weit vor dem Ende auflöst, schleppt sich der Krimi leider etwas bis zum finalen Showdown, der enttäuschenderweise ziemlich schematisch und unkreativ geraten ist. Macht akzeptable Unterhaltung ohne jedoch den ganz großen Wurf darzustellen.
Es ist schwierig Figuren zu beurteilen, deren Entwicklung man nicht kennt. Basierend nur auf diesem Roman finde ich Julia Durant nicht gerade sympathisch. Speziell im Zwischenmenschlichen redet sie leider schon immer, bevor sie ihr Gehirn einschaltet. Permanent knallt sie allen eins vor den Latz, wird dafür aber mit Herzausschütten belohnt, was sich mir so gar nicht erklärt, denn Empathie scheint für sie ein Fremdwort zu sein. Alle anderen bleiben neben ihr zu blass, um einen Eindruck zu hinterlassen.
Solider, wenn auch durchschnittlicher Krimi.

Antje Wagner – Schattengesicht

Eine Frau kommt ins Gefängnis. Sie hat einen Mord begangen. Wie konnte das geschehen? Im chronologischen Rückwärtsgang zeichnet Antje Wagner das Leben von Milana Helmholtz nach; ein Leben im Verborgenen, immer auf der Flucht, gezeichnet vom Abgrund des Lebens. Doch es gibt auch Zeiten der Hoffnung – die jedoch immer jäh zerstört werden und mehr als eine Leiche fordern. Immer an ihrer Seite sind Polly und Vincent, deren Identitäten lange Rätsel aufwerfen und doch für Milanas Weg bestimmend sind. Die Lösung findet sich in Milanas Kindheit und lässt den Leser mit einem beklemmenden Gefühl zurück.

Dramaturgisch schickt die Autorin den Leser auf die Suche nach Erklärungen und löst nur sehr zögerlich die Verknüpfungen. Eine Mörderin, für die man schon zu Beginn Sympathie empfindet, ist eher ungewöhnlich, auch werden weder Motive noch Ablauf verschwiegen und doch entsteht eine fesselnde Spannung, die den Lesers ins Buch zieht. Hier stellt sich weder die Frage, wer es getan hat noch ob die Polizei dahinter kommt. Das Was und Warum rücken in den Vordergrund und es sind keine einfachen Erklärungen, mit denen der Leser sich zufriedenstellen muss, sondern ein Roman, der sich immer weiter steigert und am Ende ein fast verstörend trauriges Gefühl hinterlässt, das auch nach dem Zuklappen des Buches nicht weggeht.

Einer der für mich stärksten Psycho-Thriller seit langem, auch wenn die Genre Einordnung wirklich schwierig ist.