Patrick Hoffman – Clean Hands

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Patrick Hoffman – Clean Hands

Elizabeth is used to a high working load and stress, but this situation might bring her down. One of her young lawyer’s phones has been pickpocketed and he had neither security nor lock on it – but highly sensitive data on their current case. The best woman to take care of such a mess is Valencia Walker, former CIA officer and fixer of unsolvable cases. Indeed, she and her team can track the phone down immediately, but nevertheless, some blackmailing takes place. While Valencia sets everything in motion to stop any more harm from occurring, Elizabeth wonders why she is doing all this and if she shouldn’t just give all up, not knowing what else there is to come.

Patrick Hoffman’s mystery novel seems to be quite obvious from the start: a young and inexperienced lawyer who is threatened and therefore sells his boss. Then, some young and rather stupid men who are simply lucky and can seize a chance when it presents itself in front of them. Quite naturally, things become a bit complicated and tricky for Valencia and her team and then – you realise that this isn’t the point of it at all.

The story advances at quite some high pace with some parentheses every now and then which provide some more depth and insight and which slow the plot down a bit so that you can take a breath before it regains speed. The number of characters makes it a bit hard at times not to lose the thread, but overall, I can only conclude that the plot is brilliantly crafted and none of what happens could be foreseen from the beginning.

Even though it is clearly fiction and I don’t tend to be prone to believing any conspiracy theories about governments or any agencies carrying out secret missions in the homeland, there are some aspects of the story which at least made me ponder about the probability. That’s what I totally appreciate in a good novel: being hooked from the start and having something lingering in my mind after the last page.

André Aciman – Find Me/Finde mich

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André Aciman – Find Me/Finde mich

Die ruhige Zugfahrt, die Samuel nach Rom zu seinem Sohn Elio führen soll, wird durch die Ankunft einer jungen Frau mit Hund, die sich zu ihm setzt, jäh gestört. Was der Professor nicht ahnt, ist, dass diese Begegnung sein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Vorsichtig beginnt das Gespräch mit Miranda, doch bald schon merken sie beide, dass sie sich viel zu sagen haben, ebenso viel aber auch gar nicht gesagt werden muss, weil sie sich blind verstehen, fast so als würden sie sich schon ewig kennen. Sie könnte seine Tochter sein, Zurückhaltung ist geboten, doch am Ende des Tages werden sie gemeinsam durch Rom schreiten. Elio wird gleichermaßen durch eine zufällige Begegnung bei einem Konzert in einer Pariser Kirche von Amors Pfeil getroffen und genau wie sein Vater findet auch er den Mut, scheinbar vorhandene Schranken zu ignorieren und dem Herzen zu folgen.

„Find me/Finde mich“ führt die Geschichte fort, die André Aciman in „Fünf Lieben lang“ begonnen hat. Wieder geht es um die Liebe und wieder sind die einzelnen Kapitel nur lose miteinander verwoben und auch in diesem Roman schreibt der Autor über Grenzen, die die Figuren wahrnehmen, die sie jedoch überschreiten, ohne Rücksicht darauf, wie ihr Umfeld reagieren wird. Die beiden ersten, langen Kapitel sind detailreich, emotional, intensiv und lassen damit die beiden kürzeren etwas verblassen.

„Die Liebe ist einfach“, sagte ich. „Was zählt, ist der Mut zu lieben und der Mut zu vertrauen, und nicht jeder hat beides.

„Tempo“ und „Cadenza“, die beiden ersten Kapitel, weisen viele Parallelen auf: beide Male eine zufällige Begegnung, beide Male eine unmittelbare Vertrautheit, zwei ungleiche Partner, die sich zu einander hingezogen fühlen und merken, dass sie jetzt mutig sein müssen, wenn sie nicht wollen, dass diese einmalige Begegnung verpufft und nur Erinnerung bleibt. Beide Male sind es auch die Beziehungen zwischen Vater und Sohn, die ganz wesentlich für die Entwicklung der Charaktere sind. Samuel gibt Elio das Vertrauen, das er benötigt, um offen mit seiner Liebe umzugehen. Michel hat diese tiefe Verbundenheit zu seinem Vater ebenfalls gespürt, wenn ihre auch durch ein Geheimnis, von dem nicht einmal die Mutter etwas ahnt, für immer besiegelt wurde.

Diese literarisch saubere Struktur wird durch das musikalische „Capriccio“, Kapitel drei, unterbrochen. Das Kapitel folgt dem, was der Titel ankündigt: ein Ausbruch aus der Norm, der erwartbaren Struktur, das eigensinnig das Gegenteil berichtet: Elios früherer Geliebter, Oliver, erkennt plötzlich, dass er sich nicht für die richtige Liebe entschieden hat, dass seine Wahl für ein bürgerliches Leben falsch war und er nur das Leben eines toten Mannes führt. Kapitel vier, „Da Capo“ kehrt zurück an den Anfang, den Moment, als die eigentliche Geschichte begann.

Erzählerisch wie sprachlich schlichtweg wundervoll. Um bei den Metaphern aus der Musik zu bleiben: ein großes Stück, das viele Variationen eines einzigen Themas aufweist, mal beschwingt, mal melancholisch daherkommt, ausbricht und wieder zurückkehrt. Es kommt mit zarten Noten wie sie Streichinstrumente leise produzieren, die einem förmlich die Vibrationen der Saiten erleben lassen, und ebenso mit großem Paukenschlag. Man muss am Ende einen Schritt zurücktreten, um das Ganze in Augenschein nehmen zu können und sich nicht in den einzelnen Teilen zu verlieren und noch den Nachhall dessen, was man gelesen hat, spüren zu können.

Julie Clark – The Flight

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Julie Clark – The Flight

Everything had been planned meticulously for months. Taking the trip to Detroit and then vanishing somewhere in Canada. But when Claire Cook wakes up on the morning which will free her finally from her abusive husband, she learns that he has altered their plans, she is to go to Puerto Rico. All the strategy, fake passport, preparations were in vain. Eva, another woman, as desperate as Claire, runs into her at the airport and makes an offer: trade tickets. Both of then need a new start and have powerful people on their heels. None of them has anything to lose anymore and so they decide to step in each other’s shoes. When Claire lands in California, she finds out that the plane she was supposed to be on crashed which makes her a free woman with a new identity. But the new life she has hoped for for months, does not feel right somehow and one questions lingers at the back of her mind: what did Eva run from?

“The Flight” belongs to those books that you open and cannot put down anymore. It the brilliantly told story of two women who are desperate to an extent where they feel that there is nothing to left to lose anymore and who would take any risk since they know this could be their only and last chance to get their own life back. While we follow Claire’s first days in her new life, Eva’s last months before the meeting at the airport is narrated providing insight in her tragic story.

Full of suspense you simply keep on reading to find out if the women could escape. Yet, apart from this aspect, there is also some quite serious undertone since, on the one hand, we have Claire stuck in a marriage marked by psychological and physical abuse and a controlling and mighty husband who considers himself above the law. On the other hand, Eva’s life has totally derailed because of her background where there were no rich parents who could afford expensive lawyers or knew the right people and therefore she was paying for something her boyfriend actually was responsible for. This surely raises the questions to what extent women still much likelier become a victim of false accusations and endure years of assault because they do not find a way out of their lamentable situation. Additionally, can it be true that with money and power you can put yourself above the law and get away with it?

A great read that I totally enjoyed and which certainly will make me ponder a bit more after the last page.

Jason Starr – Seitensprung

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Jason Starr – Seitensprung

Schon länger kriselt es in der Ehe des Immobilienmaklers Jack Harper und seiner Frau Maria. Als ihm ein alter Kumpel die Dating App Discreet Hookups empfiehlt, kann er schließlich nicht widerstehen und meldet sich an. Schnell lernt er dort eine Frau kennen, die ihn offenbar versteht und sich in einer ähnlich verfahrenen Ehe zu befinden scheint. Sie vereinbaren ein Treffen, doch als Jack am Townhouse der mysteriösen Unbekannten ankommt, macht er eine böse Entdeckung: Sophie Ward wurde ermordet. Er versucht noch, sie wiederzubeleben und wählt dann erst den Notruf, nicht ahnend, dass er selbst nun als Hauptverdächtiger bei der Polizei gilt. Während Jack noch darüber grübelt, wie er seine Frau den nicht erfolgten Seitensprung beibringen kann, zieht sich die Schlinge um seinen Hals langsam zu und die Illusion, dass er Maria die Situation erklären könnte, muss er schon bald begraben, als er nämlich vor verschlossener Wohnungstür steht, zu der seine Schlüssel nicht mehr passen. Er beginnt zu verzweifeln, denn er kann nur noch mit ansehen, wie sein komplettes Leben – Ehe, Beruf, einfach alles auseinanderbricht und ihm zugleich die Polizei seine Version nicht glauben will. Doch dies ist nur der Anfang einer unheilvollen Serie von Ereignissen.

Jason Starrs Romane sind vielfach ausgezeichnet worden, neben seinen Krimis ist er in den vergangenen Jahren vor allem in der Zusammenarbeit mit Marvel und deren Comic-Universum erfolgreich gewesen. „Seitensprung“ ist die Rückkehr zum Spannungsgenre. Neben der clever konstruierten Handlung hat mich vor allem die Figur des Protagonisten überzeugt. Jack Harper ist sicher kein Held, Starr verpasst ihm mit dem Beruf des „Immobilienmaklers“ auch ein besonders zweideutiges Profil, dass er darin zudem nicht erfolgreich ist, komplettiert das Bild nur noch. Als trockener und geläuterter Alkoholiker und gescheiterter Rockstar, hat er jedoch eine interessante Vergangenheit, die maßgeblich zu seinem Abstieg beiträgt. Schritt für Schritt entgleitet ihm das Leben, mit jedem neuerlichen Rückschlag verliert er mehr die Kontrolle und seine ansonsten unterdrückten Aggressionen übernehmen. In seiner Verzweiflung weiß er sich nicht zu helfen und verschlimmert seine Lage, egal was er tut, bis er schließlich den Tiefpunkt erreicht und nur noch der Suizid als Lösung im Raum steht.

Die Spannung entsteht nicht nur aus der Frage, wer den Mord begangen hat, sondern vor allem daraus, welche falsche Entscheidung Jack als nächstes treffen und wie diese ihn weiter in die Tiefe ziehen wird. Seine Angst, sich nicht mehr aus dem Chaos befreien zu können, nimmt zunehmend mehr Raum ein und schließlich muss er sich fragen, ob er nicht derjenige ist, der sich etwas vormacht, vielleicht ist er ja doch schuldig und hat die Tat nur verdrängt. Obwohl er nur wenig offenkundig Sympathisches an sich hat, ist man doch irgendwie auf seiner Seite, allein schon, weil man wie er die große Ungerechtigkeit der falschen Beschuldigung empfindet. Am Ende ist doch als ganz anders als man dachte und auch wenn man irgendwann vorhersehen kann, wie sich die Ereignisse tatsächlich zugetragen haben, tut dies der Spannung keinen Abbruch, denn nur, weil man weiß, wer die Fäden zieht, ist das noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autor und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Elizabeth Gilbert – City of Girls

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Elizabeth Gilbert – City of Girls

Mit den langweiligen Kommilitoninnen in Vassar konnte Vivian nicht viel anfangen, mit dem Studium ebenso, weshalb sie nach nur einem Jahr hochkant rausfliegt. Ende der 1930er Jahre wissen die bürgerlich-konservativen Eltern nicht viel mit ihr anzufangen, weshalb sie das Landei zur Tante nach New York schicken. Peg unterhält dort ein Theater und schnell schon taucht Vivian in die Welt der Revue-Mädchen und vor allem das Nachtleben der Großstadt ein. Sie lernt einen ganz anderen Lebensstil kennen, von dem ihre Eltern entsetzt wären, hätten sie auch nur den geringsten Schimmer. Mit ihrem ausgesprochenen Nähtalent kann sie sich auch schnell einen wichtigen Platz erobern und als sich die berühmte britische Bühnenschauspielerin und Freundin Pegs, Edna Watson, wegen des Kriegs ankündigt, verspricht nochmals eine neue Zeit anzubrechen – mit allen schönen und nicht so schönen Seiten.

Elizabeth Gilbert hat keinen Roman verfasst, sondern eine Hommage an das wilde Manhattan der 1940er Jahre, wo man das Kriegstreiben in Europa noch ignorieren konnte und das Leben in vollen Zügen genoss. Das zwielichtige Schauspielhaus, das statt großer Tragödien leichte Revuen mit noch leichter bekleideten Mädchen bot, die regelmäßig den Tag zur Nacht machten und die nach Prohibition und Weltwirtschaftskrise Anfang des Jahrzehnts scheinbar alles nachholen mussten, ist eine ganz eigene kleine Welt innerhalb des Großstadttrubels. Was außerhalb dieser kleinen Familien geschieht, spielt keine Rolle, denn innerhalb der Wände des Theaters findet sich schon das pralle Leben mit all seinen komischen und tragischen Momenten.

Genaugenommen erzählt Gilbert eine klassische coming-of-age Geschichte eines Landeis, das völlig naiv und unbedarft in die Großstadt gerät und dort auch prompt noch in ein Milieu, wo man es mit bürgerlichen Konventionen besonders locker nahm. In Pegs Theater findet sich noch der letzte Rest der längst vergangenen schillernden 20er Jahre, die Zeit scheint fast stehengeblieben. Erwartungsgemäß tappt Vivian in so manche Großstadtfalle, bevor schließlich der unweigerliche Skandal kommt, der sie zurück zur Familie treibt, wenn auch nur kurz. Dann wird aus der Geschichte des Erwachsenwerdens jene einer unabhängigen Frau, deren Denken wie auch Kleidung nicht den gängigen Erwartungen entspricht und die ihren eigenen Weg wählt und so lebt, wie sie es sich wünscht, egal, was die Menschen um sie herum darüber denken. Sie brauchte die Erfahrungen aus den jungen Jahren, um zu jener Grande Dame zu werden, die sie am Ende ihres Lebens ist.

Ohne Frage ist Elizabeth Gilbert eine wundervolle Erzählerin, die einem sogleich in die Glitzerwelt des Lily Playhouse eintauchen lässt. Man begleitet Vivian auf dem bisweilen steinigen Weg vom Mädchen zur Frau und verzeiht ihre Naivität gerne, denn letztlich hat sie ein gutes Herz. Viele herrlich komische Situationen und wundervoll pointierte Formulierungen lassen einem immer wieder schmunzeln. Einzig die Rahmenhandlung wirkt doch etwas bemüht und ist eigentlich völlig überflüssig. Darauf hätte ich gut verzichten können, denn diese hat kaum mehr zur Figur von Vivian beigetragen und für mich das Ende auch unnötig hinausgeschoben.

So wild das Treiben im Theater, so lebendig wird auch der Roma erzählt. Die Begeisterung des jungen Mädchens für diese schillernde Welt kann einem auch als Leser direkt packen und fesseln.

Nina LaCour – We Are Okay [dt. Alles okay]

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Nina LaCour – We Are Okay

Winterferien an ihrem College in New York, doch im Gegensatz zu allen anderen bleibt Marin auch über die freien Tage im Studentenwohnheim, auch wenn sie dort ganz alleine sein wird. Nur ihre Schulfreundin Mabel wird sie für wenige Tage besuchen kommen. Sie haben sich seit Marins überstürzter Flucht aus San Francisco im Sommer nicht mehr gesehen und offenbar möchte Mabel wissen, was damals geschah und weshalb ihre beste Freundin für Wochen völlig vom Erdboden verschwunden war. Die erste Begegnung fühlt sich komisch an, das vertraute Zusammensein stellt sich einfach nicht ein, bis Marin schließlich beginnt zu erzählen. Sie erinnern sich an ihre gemeinsamen letzten Monate in der Schule und den Sommer, der so vielversprechend begann, dann aber ein schreckliches Ende nahm, das Marin immer noch nicht verarbeitet hat.

Nina LaCour gelingt es, einem als Leser sofort in die Geschichte hineinzuziehen. Die Kälte des Wintersturms, die Einsamkeit im Wohnheim, es braucht nie viel, um eine ganz besondere, fragile Atmosphäre zu schaffen, die nur darauf wartet, sich durch das Aussprechen der Ereignisse des letzten Sommers entweder zu lösen oder die Protagonistinnen in den finalen Abgrund zu stürzen. Diese Spannung, nicht zu wissen, welches Ende die Erzählung nehmen wird, hält sich durch die Geschichte und lässt einem dieses wundervolle Gefühl von bitterer Süße empfinden, die sowohl anzieht wie auch abschreckt.

Das Setting bietet den perfekten Rahmen für ein emotionsgeladenes Buch, dass jedoch fernab von Kitsch oder übertriebener Gefühlsduselei ist. Zusammen mit Marin durchwandert man nochmals die unheilvollen Momente und kann die Einsamkeit, die sie empfunden haben muss, kaum von sich fernhalten. Ihren Vater kennt sie nicht, die Mutter starb als sie noch ein Kleinkind war und so blieb nur der Großvater, der sie bedingungslos liebte, aber auch seine dunklen, verborgenen Seiten hatte, die sich schlagartig öffnen und vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Ein Buch über Trauer, Zuneigung, Freundschaft und das erwachsen und unabhängig Werden, mit all seinen leichten Momenten und den schweren. Die melancholische Stimmung passt hervorragend zu den Protagonistinnen und den Ereignissen, die in ihren Köpfen Kreise drehen.

Cristina Alger – The Darlings

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Cristina Alger – The Darlings

The Darlings are one of new York’s most famous families. Carter Darling’s investment company makes tons of money, mother Ines is still the most stunning woman at all gala events and their two daughters Merrill and Lily have found perfectly fitting husbands and fulfil their roles of the clever and the beautiful also impeccably. When one of Carter’s business partners commits suicide, the family has to face a crisis they have never seen before and, first and foremost, they have to admit that some things are just not what they pretended them to be: Carter is not the honest businessman, Ines is not the wife who still loves him after all those decades together, and family does not come first, when they feel threatened. What starts with one man taking his life, ends in one of the biggest finance scandals New York has ever seen and the Darlings are at the very centre of it.

Cristina Alger’s novel is a combination of a highly complex financial fraud thriller and a very personal family drama in which almost all characters are put to a test: what are their values, how far are they willing to go to protect their loved ones, how much more important can money be than the lives of people? The mechanics of both, the financial world and a family with their closest friends, are laid open and show the darkest corners of human nature.

Admittedly, “The Darlings” is not a fast paced thriller which keeps you alert all the time. Even though the plot covers just a couple of days and actually moves quite quickly, the author chose to rather go into depths with her characters which I liked a lot since it gives a lot more insight in their thoughts and makes their decision-making a great deal more comprehensible. The sheer number of characters wasn’t easy to manage at the beginning and understanding the connection between them took some time, but in the end, it was all very cleverly connected and set up and no questions was left unanswered. This might be difficult for some readers who prefer a speedy thrill, yet, for those who like stories about human beings and their nature, it is a great read.

Salman Rushdie – Quichotte

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Salman Rushdie – Quichotte

Sam DuChamp, author of spy novels still waiting for any to succeed, attempts to write the book that has never been written before and which centres around Ismail Smile, sales executive with Smile Pharmaceuticals Inc. When Smile discovers Salma R, a highly popular TV show host – surely some pun must be intended here -, he immediately falls for her and decides to make her fall in love with him, too. First, he writes letters, then, he goes on the long journey to New York, accompanied by his teenage son Sancho, whom he only imagines. Just like Cervantes’ Quichotte, he has a quest in front of him that he is willing to complete. Sam DuChamp also has to travel, however, not to find love but to find answers for questions concerning his very own family.

“Maybe this was the human condition, to live inside fictions created by untruths or the withholding of actual truths. Maybe human life was truly fictional (…)”

In his 14th novel, Salman Rushdie is playing with fact and fiction within a fictional novel and cleverly demonstrates what we do in our so called real life to re-narrate reality, to shape it according to our needs and longings to make it take the form we would like it to have. Especially when it comes to the author’s family, we get a typical example of a family history which is told in a certain way and shaped by omission and half-truths, something that is all but unusual. Pop-culture in the form of TV has for many years created another variety of reality, everybody knows how easy it is to edit film material to get a certain message across and how easily nowadays pictures can be photoshoped to have somebody appear in a desired way. Fake news and alternative news have become a widely accepted accessory phenomenon of factual news, thus, our assumed reality is full of fiction and we are simply a part of it.

It is not just this intelligent and highly entertaining interplay between fact and fiction that makes the novel an outstanding read, it is also the masses of references to classic literature, pup culture, film, music, current issues like racism or the opioid crisis that turn the read into a roller coaster ride. His letter writing protagonist on his quest through seven valleys compulsorily seems to have fallen out of time completely – yet, that’s exactly what makes Salma R become interested in him.

Rushdie does not show the slightest respect for any limits of genre, his Quichotte is a road novel as well as a chivalric romance, popular literature and documentary of current America, philosophical essay and modern version of a great classic novel. He is most certainly known for finding literary ways of criticising the world around him in which he also succeeds with his latest novel. Apart from the plot, his witty and playful narrator adds to the humorous tone and earned him a well-deserved place on the shortlist of the 2019 Man Booker Prize.

Jonathan Galassi – Die Muse

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Jonathan Galassi – Die Muse

Homer Stern ist in den 1960er Jahren in New York eine feste Größe im Verlagswesen, mehrere Nobelpreisträger nennt er sein „Eigentum“ (als solches empfindet er sie nämlich) und schon seit vielen Jahren pflegt er eine intensive Hass-Freundschaft mit Sterling Wainwright, seinem größten Rivalen, der ausgerechnet Ida Perkins, unangefochtene Nummer 1 unter den Poeten, unter Vertrag hat. Diese hat auch Paul Dukach, Lektor bei Homer Stern, seit seiner Jugend fasziniert und es gibt nichts, das er nicht über die Frau weiß. Die Jahre gehen ins Land und irgendwann erhält Paul endlich die Chance, Miss Perkins persönlich in einem venezianischen Palazzo zu treffen. Mit Scheu und Respekt tritt er der Frau gegenüber, die ihm unglaubliche Dinge erzählen wird, die all das übertreffen, was es an Gerüchten und Mutmaßungen über sie gibt.

Immer, wenn man ein neues Buch aufschlägt, geht damit die Hoffnung einher, einen großen Roman in den Händen zu halten, eine Geschichte, die einem so überwältigt, dass man nicht mehr aufhören möchte zu lesen und gleichzeitig nichts mehr fürchtet, als die letzte Seite zu erreichen, die diesem großen Vergnügen ein Ende bereitet. Jonathan Galassi hat einen solchen Roman erschaffen. Viele Jahre bei Farrar, Straus & Giroux haben den Autor jedes Detail des Verlagswesens kennenlernen lassen, er hat Jeffrey Eugenides und Jonathan Franzen entdeckt, aber auch ohne diese Referenzen merkt man dem Roman an, dass er weiß, wovon er schreibt. Seine Protagonisten tragen eindeutige Züge von Roger W. Straus Jr. und James Laughlin, die wie Patriarchen über ihre Verlage herrschten. Einzig Ida Perkins, die unnahbare und elektrisierende Autorin, ist reine Fiktion.

„Homer in seinem Büro hatte mehr als nur ein wenig Ähnlichkeit mit Heinrich dem Achten. Oder mit Josef Stalin. »Zeit, dass sich was ändert«, gehörte zu Homers häufigen und gefürchteten Ansagen;“

Mit ganz viel Liebe zeichnet Galassi seine Figuren und ebenso entspringt jeder Zeile über Idas Gedichte ein überschwängliches Loblied, das nur von einem wahrhaftigen Literatur Aficionado in dieser Weise aufs Papier gebracht werden kann. Nach nur wenigen Zeilen steckt man mitten im Geschehen, verliert sich in der Arena der Verlagswelt und amüsiert sich zugleich köstlich dank des herausragenden Erzähltalents und vor allem dem trefflichen Formulierungen Galassis.

„Paul (…) schwebte auf Wolken der Verzückung, gepeitscht von den wechselnden Winden der Ansprüche und Selbstverliebtheiten seiner überlebensgroßen Autoren, aber besänftigt von dem Privileg, ihre Bücher ans Licht der Welt bringen zu dürfen.“

Die schäbigen Räumlichkeiten der Verlage – herrlich beschrieben: das altersschwache Linoleum, das regelmäßig samt seiner Dreckschicht poliert wurde, so dass die Besucher und Mitarbeiter auf einem Gemisch aus Glanz und Schmiere liefen – stehen der tiefgründigen Literatur diametral gegenüber. Ebenso wollen die literarischen Verleger, die noch echte Literatur machen, nichts mit den großen Massen-Ramsch-Verlagshäusern zu tun haben. Ganz besonders hat mich jedoch das Kapitel über die Frankfurter Buchmesse begeistert, die er schlicht grandios beschreibt.

Es liegt vermutlich an der Thematik, die einem sofort dem Buch verfallen lässt. Und wenn sich dann Seite um Seite Galassis Wortgewalt entfaltet, ist es völlig um einen geschehen. Wäre mir nur ansatzweise so viel Talent in die Wiege gelegt worden, würde ich noch hunderte Seiten von dem Roman schwärmen.

Taffy Brodesser-Akner – Fleishman steckt in Schwierigkeiten

taffy brodesser-akner fleishman steckt in schwierigkeiten
Taffy Brodesser-Akner – Fleishman steckt in Schwierigkeiten

Als Toby Fleishman morgens wach wird, checkt er zunächst die neuen Nachrichten auf seiner Dating App. Seit seine Frau Rachel sich von ihm getrennt hat, lernt er die schönen Seiten des Single Daseins kennen und offenbar ist ein Arzt jenseits der 40 noch attraktiv, besonders für junge Frauen. Doch er wird jäh unterbrochen als er merkt, dass seine Kinder Solly und Hannah in der Wohnung sind, offenbar hat Rachel sie Mitten in der Nacht dort abgeladen, dabei wäre er erst am Wochenende wieder mit der Betreuung dran gewesen. Das allein ist seltsam genug, doch auch Tage später lässt sich die Mutter nicht mehr blicken, ist auch nicht zu erreichen. Ihre Assistentin blockt ebenfalls jeden Anruf ab und langsam wird für Toby das Leben als alleinerziehender Vater etwas schwierig, denn der Leberexperte hat eine Patientin mit seltenem Syndrom, die im Sterben liegt, während sein Freund Seth plant seine viel zu junge Freundin zu ehelichen. Doch das ist erst der Anfang.

Taffy Brodesser-Akners Roman ist auf der Longlist des diesjährigen Women’s Prize for Fiction Longlist nominiert und wurde insgesamt von den Kritiken sehr positiv aufgenommen. Die Journalistin der New York Times hat in ihrem Debut eine ganze Bandbreite von Themen in einem ausnehmend humorvollen Ton umgesetzt und ihr ist so durchaus ein unterhaltsamer, wenn auch kritischer und bisweilen nachdenklich stimmender Blick auf unsere moderne Welt gelungen, der mich restlos begeistern konnte.

Gemeinsam haben alle Figuren, dass sie ein Leben führen, dass von außen gesehen geradezu perfekt anmutet: sie gehören zu Oberschicht Manhattans, weder an Geld noch an beruflichem Erfolg mangelt es, die Kinder sind weitgehend wohlgeraten und eigentlich gibt es nicht den geringsten Grund zur Unzufriedenheit. In dem Moment jedoch, in dem die Fassaden fallen, wird deutlich, dass kaum einer von ihnen das Leben führt, das er oder sie gerne hätte. Seth ist der immer aktive und attraktive Junggeselle, der das Nacht- und Kulturleben voll ausschöpft, aber in Wirklichkeit vom biederen Familiendasein träumt. Libby, eigentliche Erzählerin und seit Jugendtagen mit Seth und Toby befreundet, arbeitet freiberuflich als Journalistin, hat aber seit Monaten keinen Satz aufs Papier gebracht. Rachel hat vor der Trennung erkannt, dass Toby nicht der Mann ist, der ihr das Leben bietet, von dem sie immer geträumt hat und dass sie selbst dafür verantwortlich ist, das entsprechende Einkommen zu generieren, was sie aber letztlich in den völligen Abgrund stürzt.

Toby ist mit der aktuellen Situation wenig zufrieden, alleinerziehend mit vorpubertären Kindern, ist sein Gleichgewicht in Schwanken geraten, denn zuvor war für ihn alles Bestens: er hatte keine großen beruflichen Ambitionen, sein Job im Krankenhaus mit den Patientenkontakten erfüllt ihn, wenn ihm danach war, spazierte er in aller Ruhe durch den Central Park nach Hause und genoss sein Leben – auf Kosten aller um ihn herum.

Es sind vor allem die oberflächliche Dating Kultur, die mit Aufkommen von entsprechenden Apps noch groteskere Züge angenommen hat, sowie der New Yorker Kampf um den schönen Schein: Job, Haus, Familie, Aussehen – alles ordnet sich diesem unter. Gerade die Frauen geraten dabei jedoch unter die Räder, wie an der abwesenden Rachel, aber auch an Libby deutlich wird. Neben der Organisation des Familienlebens – und vor allem der richtigen Kinderkontakte und den perfekten Partys – müssen sie zugleich in einer immer noch von Männern dominierten Berufswelt bestehen. Dass sie dabei auch noch attraktiv aussehen sollen und die angesagten Yoga-Kurse besuchen müssen goes without saying.

Der Autorin gelingt es, mit einer weiblichen Erzählerin das männliche Weltbild Tobys hervorragend zu transportieren: die böse Exfrau, die ihn allein mit den Kindern zurücklässt; die pubertierende Tochter, die einfach aufreizende Bilder von sich online postet (die erschreckende Ähnlichkeiten zu jenen seiner jungen Bettgenossinnen aufweisen); seine Assistenzärztin, die seine Essenseinladung ausschlägt – irgendwie verhalten sich die weiblichen Menschen um ihn herum nicht mehr planmäßig und er muss sich plötzlich anpassen. Dabei kommt er trotzdem irgendwie charmant und liebenswert daher, was das Lesen zu einer großen Freude macht. Es ist ganz sicher keine Abrechnung mit den Männern dieser Welt, aber, wie der Titel bereits andeutet, das Leben wird schwieriger für sie.