Axel Hollmann – Asphalt

Julia Wagner schlägt sich durch. Mehr schlecht als recht. Seit sie ihren Job beim LKA an den Nagel gehängt hat, versucht sie sich als Fotojournalistin. Der große Coup scheint ihr gekungen als sie einen ambitionierten Lokalpolitiker mit zu jungen Prostituierten vor die Linse bekommt. Aber die Zeitungen wiegeln ab. Fast abgebrannt hat sie plötzlich ein anderes Problem: ihr Exkollege und Exliebhaber Frank quartiert sich bei ihr ein. Ein Undercover-Einsatz ging schief und eine Gruppe Rocker trachtet ihm nach dem Leben. Seinen Kollegen haben sie bereits grausam hingerichtet. Doch warum sollte. Julia ihm helfen? Er hat sie schon einmal belogen. Kann sie ihm dieses Mal vertrauen? Als Franks Tochter entführt wird, muss Julia alles auf eine Karte setzen und begibt sich in Lebensgefahr.

Der Thriller bietet durchaus einiges an Spannung. Rasant geht die Handlung voran, das Tempo ist durchweg hoch. Ein in sich insgesamt glaubwürdiger Fall, der mehr auf die zwischenmenschlichen Aspekte und Gewissensbisse setzt. Kleine unlogische Fehler kann man da getrost übersehen. Gut gefallen hat mit die Protagonistin. Starrsinnig, immer mit dem Kopf durch die Wand, aber mit gutem Herzen. Bisweilen im Handeln impulsiv und geradezu dämlich, bleibt sie sympathisch – wenn auch nicht immer ganz glaubwürdig. Erzählt wird aus ihrer Perspektive, weshalb sie den Leser recht schnell für sich einnehmen kann. Die fehlende Objektivität wird so durch eine gebrochene Figur ersetzt, die liebevoll mit vielen Ecken und Kanten gezeichnet wurde.
Fazit: spannend, die Unterhaltung lebt jedoch von der „rotzigen“ Protagonistin.
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Daniel Carinsson – Goldregen

Ein Bild versetzt die Öffentlichkeit in Aufruhr: zahlreiche Leichen mit Gewichten beschwert wurden in einem See oder Fluss versenkt. Der Ort bleibt unklar, es könnte überall auf der Welt sein, daher ist die Besorgnis auch nur begrenzt. nicht so bei Musikmanager Adam Wischnewski. Er erkennt, dass sich das Drama unweit seiner österreichischen Heimat abspielen muss, denn die Opfer tragen die traditionellen Kostüme einer berühmten Roma Band. Mit einer eilig hergezauberten Tarnung begibt er sich nach Ungarn, um dem Treiben der Rechtspopulisten dort nachzuforschen. Doch so einfach wie er dachte ist die Lage nicht und schon bald ist auch er in Gefahr von mehreren Seiten.

Ein Thriller in einem eher untypischen und sicher vielen Lesern unbekannten Milieu. Daniel Carinsson gelingt es, eine alte europäische Kultur ins Zentrum zu rücken und von Vorurteilen zu lösen ohne zu beschönigen. Die Gratwanderung zwischen einer Kriminalgeschichte mit kulturellen Aspekten ist ihm überzeugend gelungen. Beschreibende Passagen, die Einblicke in die Musik und Denkweise der Roma geben wechseln sich mit teils rasanten, teils brutalen Passagen ab und geben dem Thriller einen ganz eigenen Rhythmus. Ein Plus ist das Glossar, das dem Leser Orientierung bietet und mit notwendigen Hintergrundinformationen versorgt. Einzig die Tatsache, dass es der zweite Band einer Reihe ist und sich der (wenn auch hier nicht im Zentrum stehende) Handlungsstrang um Adam und Mirijam nur begrenzt erschließt, ist ein kleiner Wermutstropfen.