Tamara Colchester – The Heart is a Burial Ground

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Tamara Colchester – The Heart is a Burial Ground

What can a daughter learn from her mother? Four generations of women of one family suffer from their respective mother’s way of life, the choices they made and the future they planned for their kids. The first generation is embodied by Caresse Crosby, Harry Crosby’s wife, a young American who freed herself from Puritan Bostonian convictions and was looking for freedom and a life for the arts in Europe. Her daughter Diana grows up in Paris between all the famous people of the so called “Lost Generation” and never had to chance to just be a girl, too much was projected in her. Diana’s daughters Elena and Leonie found ways of opposing their mother by opting for very traditional models of love and life. Elena’s young children, one even unborn, are now the fourth generation who grows up with a heavy legacy.

The novel oscillates between times and places. We meet the Parisian It-crowd of the twenties when Caresse and Harry have their big time and Diana is just a girl. Then we jump to Caresse’s last days in Italy, decades after she has lost her husband and when her grand-daughters are already grown-up women. Another 20 years on, Diana’s life is coming to an end. Yet, no matter what point in time in general or in the characters’ life, the core question is always the same: what do you expect from life and how much love do you need?

Alternating the setting surely makes the novel lively, on the other hand, the development of the characters suffers from this non-linear or non-chronological arrangement. Even though you can make out especially Diana’s development, her daughters, for example, remained a bit a mystery for me. What I found intriguing, however, was the highly complex mother-daughter relationship which becomes very clear in every constellation: on the one hand, unconditional love and the hope that the daughter can break away from conventions and find love and happiness in life, on the other hand, the fact that they cannot live up to their own ideals and that wishes are not fulfilled makes them also reproachful and mean in their later life.

It is quite interesting to see that the author Tamara Colchester herself is a descendant of this family. This raises the question of how much fiction and how much reality you can find in the text. No matter the answer, it’s a novel about strong women and the choices we make in our lives.

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Lawrence Osborne – Denen man vergibt

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Lawrence Osborne – Denen man vergibt

David und Jo verlassen die Fähre, die gerade in Marokko angelegt hat. Sie sind auf dem Weg zu einer 3-tägigen Party bei Freunden am Rand der Wüste. Doch der Weg dorthin ist beschwerlich und David hat zu viel getrunken. Es passiert, was passieren muss: Mitten in der Nacht überfahren sie einen jungen Mann. Unentschlossen, was zu tun ist, packen sie die Leiche in ihr Auto und nehmen sie mit zum Anwesen von Richard und Dally, die sicherlich wissen, was zu tun ist. Die Polizei wird verständigt, doch auch diese hat wenig Interesse an einem Fall, in den Ausländer verwickelt sind und ein namenloser Fossilienverkäufer hat ebenfalls keine Priorität. David und Jo erholen sich dank Alkohol und Drogen schnell von dem Schreck, doch am nächsten Tag taucht die Familie des Toten auf und verlangt nach Wiedergutmachung. Während Jo sich weiter der ausgelassenen Feier hingibt, muss David den Vater des Jungen begleiten, an ein unbekanntes Ziel mit unbekanntem Ausgang.

Lawrence Osbornes Roman kommt einem vor wie aus der Zeit gefallen. Erschienen 2012 im Original unter dem Titel „The Forgiven“ und 2017 in der deutschen Übersetzung, hat man von der ersten Seite an den Eindruck, ein Werk der 1920er in den Händen zu halten. Würden die Figuren nicht immer wieder ihr Handy benutzen, ließen sie sich auch kaum in der Gegenwart verorten. Erzählstil, Setting, Themen – vieles erinnert an die Roaring Twenties und ihre großen Autoren wie F. Scott und Zelda Fitzgerald, E.M. Forster, Ernest Hemingway, Edith Wharton oder auch die später schreibende Patricia Highsmith.

Das Setting des Romans ist das zunächst augenscheinlichste Moment. Fernab des Alltags treffen sich eine Gruppe von Schönen und Reichen in dem Anwesen der beiden Homosexuellen Richard und Dally, um dort ausgelassen mehrere Tage eine rauschende Party im Stile eines Gatsby zu feiern. Es mangelt an nichts; das Personal, ausschließlich aus Marokkanern bestehend, umsorgt die Gäste rund um die Uhr und erfüllt jeden Wunsch. Der Alkohol fließt reichlich und bald schon werden die Konventionen, die man mit dem Übersetzen nach Afrika hinter sich gelassen hat, vollends vergessen. Einzig störend wirken der Wüstenwind und die Gluthitze. Hier kommt Osbornes große erzählerische Stärke zum Vorschein: die Beschreibung des aufkeimenden Windes, der den Wüstensand überall verteilt:

„Über Nacht war der Sand zu einem ernstzunehmenden Gegner geworden. Einem Gegner, der so klein, so heimtückisch war, das sie ihn nicht bekämpfen konnten. Nichts erbost mehr als ein ungleicher Kampf. Die Frauen beklagten sich, die Männer bissen auf die Zähne und baten das Personal um Hilfe.”

Keine alltagsweltlichen Probleme können die Figuren belasten, aber in der Fremde sind sie plötzlich ihrer Macht beraubt und müssen sich auf die Marokkaner verlassen. Diese beobachten mit ausdrucksloser Mine das Treiben und die Oberflächlichkeit der in ihren Augen Ungläubigen – Alkohol, Drogen, Homosexualität, Ehebruch. Erst der Unfall scheint die Verhältnisse umzukehren: die mit Verachtung gestraften Landsleute sind plötzlich an der Macht zu bestimmen, welche Strafe der Engländer bekommen soll. Und das Personal erwartet von der Familie, dass sie den Mord gerecht ahnden werden.

Hier beginnt der zweite, spannungsgeladene Aspekt des Romans. David wird nicht entführt, er begleitet die Männer freiwillig an den unbekannten Ort und weder kann er sie verstehen noch weiß er, was dort geschehen wird. Wie der Protagonist ist auch der Leser plötzlich herausgerissen aus der unbeschwerten Leichtigkeit der Feier hinein geworfen in eine lebensbedrohliche Situation. Vieles kann man sich vorstellen und hier holt einem der Autor bei der stärksten Frage des Romans ab: welche Erwartungen haben wir an das Handeln dieser nach westlicher Norm unzivilisierten Wüstenmänner und wie ausgeprägt sind auch im 21. Jahrhundert unsere Vorurteile?

Zwei Kulturen treffen aufeinander: einerseits die Gläubigen Marokkaner, die nur in Form von Bediensteten an der Party teilnehmen oder als Rache suchende Familie des Opfers auftreten; andererseits die Globetrotter, die das schöne Leben kennen und pflegen und ihrem Hedonismus freien Lauf lassen. Die gegenseitige Verachtung wird von Osborne nicht subtil, sondern ganz offen thematisiert und die Angst vor dem nicht abzuschätzenden Handeln der Familie weicht mehr und mehr der Empörung über das Handeln der Partygäste. Am Ende wird die Haltung sehr prägnant auf den Punkt gebracht und lässt einem als Mitglied dieser Kultur durchaus beschämt zurück:

„Aber er hatte ihm nie auch nur eine einzige Frage zu den Berbern gestellt, die für ihn offenbar ausschließlich Teil einer unveränderlichen Kulisse waren. Lebendes Inventar sozusagen. Natürlich äußerte er ihretwegen Bedenken und war wie jedermann heutzutage darauf konditioniert, ihnen zu misstrauen. Doch in Wahrheit war ihm jedes Wort über sie zu viel. Natürlich galten sie als Reservoir des Terrorismus, was sie dann wiederum doch für hitzige Diskussionen interessant machte.”

Ein wirklich beachtenswerter Roman in klassischer Tradition, der den großen Vorgängern in nichts nachsteht.

Zelda Fitzgerald – Himbeeren mit Sahne im Ritz

Rezension, Kurzgeschichten
Die Roaring Twenties in den USA gleichermaßen wie in Frankreich. Zelda Fitzgerald hat das bewegende und bewegte Jahrzehnt in ihren Kurzgeschichten festgehalten. Jedoch gibt es eine Besonderheit: die Autorin schreibt über Frauen. Junge Frauen, denen die Männer nichts zutrauen und die sich über sie erheben, Frauen, die ihren Weg gehen und ihrem eigenen Kopf folgen, statt die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen. Sie gehen tanzen, schauspielern, verwirklichen sich beruflich, träumen von Männern und geben alles für sie auf. Auf den großen Bühnen der Welt ebenso zu Hause wie in der amerikanischen Provinz. Frauen, die bereit sind, alles zu geben, für ein Leben nach ihrem Maß. Elf Mal legen sie Zeugnis ab, was Frauen schon vor 100 Jahren für ein selbstbestimmtes Dasein gewagt haben.
Zelda Fitzgerald – oft nur als Frau des bekannten F. Scott Fitzgerald wahrgenommen – zeigt, dass das Autorenpaar auf Augenhöhe die Kunst des Schreibens beherrschte. So komplex F. Scott seine Charaktere wie den unvergessenen Great Gatsby zeichnete, so vielfältig und unterschiedlich gelingt es auch Zelda in den Kurzgeschichten das Spektrum an selbstbewussten Frauen darzubieten. Sie sind mutig, anpackend, selbstbewusst, unbeirrbar, zielstrebig und zugleich begehrenswert, attraktiv, talentiert und werden bewundert. Flapper Girls, die sich auch in Paris finden ließen, die den Männern in nichts nachstanden und das Leben in vollen Zügen zu genießen wussten.
Die Geschichten sind allesamt ein Spiegelbild der 20er Jahre und lassen den Weg verfolgen, den auch Zelda und ihr Ehemann gingen. Die Handlungsorte sind im Wesentlichen in den USA und Frankreich zu finden, wo das Paar zu Hause war.  Vieles, was wir über die Frauen in den Geschichten lesen, stammt wohl auch aus Zeldas unmittelbarem Umfeld bzw. direkt aus ihrem eigenen Leben. So hat sie, ebenso wie ihr Gatte, ihre eigenen Erfahrungen als Vorlage für das literarische Werk genutzt und kann als Dokument der 1920er Jahre gelesen werden. Sprachlich bisweilen raffiniert formuliert, mal starke Gegensätze aufbietend, mal verdächtiges Understatement, das durch die Handlung mehr als widerlegt wird. Es macht nicht nur Spaß, den Frauen zuzusehen, sondern auch zu lesen, wie Zelda Fitzgerald sie verbal in Szene setzt.

Unbedingt erwähnt werden muss das wunderschöne Cover des Buches. Im Allgemeinen für mich eine unbedeutende Nebensache, hat Manesse es hier aber geschafft, ein hochattraktives Titelbild zu schaffen, das unheimlich gut die Zeit einfängt und Freude beim Betrachten macht. Das Nachwort von Felicitas von Lovenberg sollte ebenfalls nicht vergessen werden, bringt sie die Geschichten nochmals auf einen Nenner und ordnet sie prägnant und informativ in ihren Kontext ein. 
Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seite der Verlagsgruppe RandomHouse.