Beatrice Hitchman – Petite Mort

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Beatrice Hitchman – Petite Mort

Ein Stummfilm aus dem Jahr 1913, den man eigentlich bei dem Brand in den Pariser Pathé Studios verloren glaubte, wird nach 50 Jahren in erstaunlich gutem Zustand aufgefunden. Nachdem die Zeitungen darüber berichten, meldet sich eine Frau, die etwas zu dem mysteriösen Film sagen kann: Adèle Roux, damals jung und auf die große Karriere im Film hoffend, kam sie nach Paris, doch endete sie zunächst als Näherin, bevor der Regisseur André Durand sie zur Assistentin seiner Frau und seiner Geliebten machte. Unschuldig hofft Adèle so auf den Durchbruch, doch stattdessen wird sie in eine unheilvolle Dreiecksbeziehung gezwungen, gleichermaßen zu André wie auch zu seiner Frau hingezogen. Das Ehepaar glaubt sie unter Kontrolle zu haben, doch Adèle kann heimlich eine Rolle in dem Film „Petite Mort“ ergattern und als sie zu eigenwillig wird, muss sie für ihr Verhalten bezahlen.

Schon das Konstrukt der Erzählung legt nahe, dass mit dem doppelten Erzähler einiges verheimlicht und beschönigt wird. Adèle berichtet über ihr Leben, vor allem die Zeit bei den Durands, doch wir haben nur ihre Perspektive und können nie sicher sein, dass die ältere, abgeklärte Dame auch wirklich die Wahrheit erzählt. Was sie erzählt, fesselt die Journalistin Juliette ebenso wie den Leser, denn es bietet alles, was eine gute Geschichte braucht: Glamour, Geheimnisse, heimlichen Sex, Liebe und Rivalitäten auf unterschiedlichen Ebenen. Man ahnt, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann, der Film ist schon fast in Vergessenheit gerückt, als die Handlung plötzlich ungeahnte Wendungen nimmt und zu einem völlig überraschenden Abschluss geführt wird.

Der Roman ist eine Hommage an das Kino längst vergangener Zeiten, wenn auch so mancher Aspekt heute ebenso aktuell zu sein scheint wie vor hundert Jahren: der Umgang von Regisseuren mit Schauspielerinnen hat sich offenbar nur unwesentlich weiterentwickelt und so ist Beatrice Hitchmans Krimi aus dem Jahr 2013 heute aktueller denn je. Dank der cleveren Anlage, ihres Schreibstils und der überraschenden Wendungen gelingt es ihr auch, nicht in Kitsch und Klischee zu verfallen, sondern in dichter Atmosphäre interessante Charaktere zu schaffen, die die Geschichte tragen. Es bleibt jedoch ein Gefühl, dass die Autorin nicht nur ein Buch über das Kino schrieb, sondern dieses schon im Auge hatte für ihre Geschichte.

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Anders de la Motte – Sommernachtstod

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Anders de la Motte
Sommernachtstod

Als der kleine Billy vom Hof seiner Eltern in Nordschweden verschwindet, ist die Aufregung im ganzen Ort groß. Tagelang wird nach dem Jungen gesucht, doch es findet sich keine Spur. Lediglich einen Verdächtigen gibt es, der bereits wegen anderer Vorfälle aus der Dorfgemeinschaft verstoßen wurde. Das Verschwinden kann nie aufgeklärt werden und auch als Erwachsene wird seine Schwester Veronica immer wieder daran erinnert, auch wenn sie bereits direkt nach der Schule geflüchtet ist. Als in der Therapiegruppe, die sie leitet, ein junger Mann auftaucht, der berichtet, dass er immer noch unter dem spurlosen Verschwinden seines damaligen Freundes leidet, reißt die alte Wunde wieder auf, aber auch Hoffnung keimt: könnte dieser Mann vielleicht selbst Billy sein? Wird der unheilvolle Sommer von 1983 endlich zuendegehen und es Antworten auf all die offenen Fragen geben?

Anders de la Motte arbeitete selbst als Polizist, bevor er sich dem Schreiben zugewandt hat. Auch wenn die Polizeiarbeit in seinem Krimi „Sommernachtstod“ einen bedeutenden Raum einnimmt, steht sie jedoch nicht im Mittelpunkt, da die Nachforschungen hauptsächlich von Veronica wieder aufgenommen werden. Die Handlung verläuft parallel auf zwei Zeitebenen, so erfahren wir, was damals in dem unheilvollen Sommer geschah und was sich aktuell in Veronicas Leben abspielt. Dazwischen finden sich mysteriöse Liebesbriefe, deren Bedeutung sich jedoch erst ganz zu Ende enthüllt und die vieles noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Insgesamt ist der Krimi sauber konstruiert, bietet eine Reihe von Fährten, die man mit der Protagonistin verfolgen und wieder verwerfen kann und am Ende wird der Fall sauber und glaubwürdig gelöst. Ich fand ihn nicht übermäßig spannend, auch wenn es einige für Veronica kritische Situationen gab, war doch zu deutlich, dass sie das Rätsel wird lösen müssen und daher immer wieder einen Ausweg wird finden können. Zwar hat der Autor versucht, die Figur nicht eindimensional zu zeichnen, indem er ihr eine psychologisch relevante Vorgeschichte zu den aktuellen Ereignissen zuschrieb, jedoch wirkte diese für mich nicht nur sehr konstruiert, sondern auch völlig überflüssig. Das Enthüllen darüber, was genau zwischen ihr und ihrem Ex geschehen war, wird künstlich in die Länge gezogen, was jedoch nur begrenzt zusätzliche Spannung bietet. Hiervon abgesehen, ein runder, recht typischer skandinavischer Krimi, der sehr gut die ländlich-dörfliche Gegend und die damit verbundene Kultur der Gemeinschaft verdeutlicht und dies überzeugend in die Handlung einbaut und als leichte Sommerlektüre bestens geeignet ist.

Russel D. McLean – Ed‘s Dead

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Russel D. McLean – Ed‘s Dead

Jen Carter führt eigentlich ein recht ruhiges Leben, gelegentlich, nein, eher meistens ist sie zwar genervt von den Kunden, die in der Glasgower Buchhandlung, in der sie arbeitet, dumme Fragen stellen, aber insgesamt passt das alles. Ihr Freund Ed hingegen hat nun endgültig das Maß überspannt als er sie in seine Drogendeals verwickelt, weshalb sie ihm unmissverständlich das Ende der Beziehung erklärt. Nur wenige Tage später überrascht sie in ihrer Wohnung einen vermeintlichen Einbrecher, mit einem Messer bewaffnet setzt sie sich zur Wehr – und bringt Ed dabei versehentlich um. Statt der Polizei ruft sie Eds Mitbewohner Dave an, der sich um die Beseitigung der Leiche kümmert. Doch was wollte Ed eigentlich in ihrer Wohnung? Die Frage ist schnell beantwortet, als Jen ihren Wandschrank genauer untersucht: dort hatte Ed seine Einkünfte und Vorräte gelagert. Im Verbrechen vereint, teilen Dave und Jen die Hinterlassenschaften, nicht ahnend, welche Folgen das für sie haben wird.

Russel D. McLean arbeitete mehrere Jahre als Buchhändler im schottischen Dundee, bevor er zu schreiben begann. In seiner Reihe um den Ermittler McNee sind bereits fünf Bände erschienen, darüber hinaus gibt es mehrere Standalones, die alle in seiner Heimat spielen und sehr viel Lokalkolorit aufweisen, wie auch die Geschichte um Jen Carter.

Die Protagonistin trägt die Handlung locker. Jen ist nicht auf den Mund gefallen, was der Geschichte neben der Krimihandlung auch immer wieder eine Menge Komik verleiht. Dass sie sich von der braven Buchhändlerin zur meist gesuchten Mörderin Schottlands entwickelt, ist zwar etwas ungewöhnlich und sicher nicht ganz glaubwürdig, aber durchaus nachvollziehbar durch den Plot motiviert. Jen plant ihr Handeln nicht, sondern schlittert tatsächlich von einer Katastrophe in die nächste. Schmankerl am Rande sind ihre wiederholten Vergleiche mit literarischen Figuren und bekannten Romanen, die auch die Kapitelüberschriften liefern und so ihr Profil als Leseratte unterstreichen.

Neben der toughen Hauptfigur konnte mich der Autor vor allem mit seinem lockeren und ironischen Ton schnell packen. Viel Situationskomik und Wortwitz lassen einem immer wieder schmunzeln und gerade die weniger repräsentativen Ecken Glasgows hat McLean clever mit eingebaut und verleiht dem Roman so ein eigenes Flair. Gelungene Mischung aus Krimi und Komik, die nicht ganz ernstzunehmen ist.

Alfred Bodenheimer – Ihr sollt den Fremden lieben

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Alfred Bodenheimer – Ihr sollt den Fremden lieben

Der Züricher Rabbi Gabriel Klein ist zu einer Fernsehsendung eingeladen. Da all der Trubel zu viel Aufregung ist, lässt er versehentlich sein Handy liegen. Spät in der Nacht bemerkt er das Missgeschick und eilt erneut zum Sender; wer rund um die Uhr sendet, wird ihm ja auch zu später Stunde noch sein Handy zurückgeben können. Gerade als das Taxi ihn vor dem Studio absetzt, schießt ein Auto aus der Ausfahrt. Als sich Klein nähert, sieht er den bekannten Moderator Kim Nufener schwerverletzt am Boden liegen. Ungewöhnlicherweise ist auch unmittelbar ein Krankenwagen zugegen, doch das nutzt nichts, Nufener verstirbt. Als sich kurz darauf Lajser Morgenroth, ein jüdischer junger Mann, den Gabriel viele Jahre auf seinem Weg begleitete, bei ihm meldet, ahnt dieser, dass er erneut in einen Mordfall verwickelt wird. Lajser war Kims Partner, doch Kim hatte die Beziehung medienwirksam kurz zuvor aufgelöst – und Lajser ist nun der Hauptverdächtige. Als er Gabriel beichtet, dass er am Tatort war und vermutete, dass Kim einen neuen Partner hat, gerät der Rabbi in einen Konflikt.

Der unorthodoxe Rabbi kann mich auch in diesem vierten Band mit seiner charmanten und eigenwilligen Art überzeugen. Zum Leidwesen der Polizei ermittelt er einmal mehr auf eigene Faust und wie auch schon zuvor hilft ihm sein Wissen um das jüdische Leben im entscheidenden Moment. Überzeugender ist der Protagonist jedoch dadurch, dass er nicht zu schnellen Schlüssen neigt und zwar göttlichen Beistand sucht, jedoch menschlich agiert und seinem Herzen folgt und so auch schon einmal geltende Vorschriften lebensnah auslegt.

Der Fall erweckt zunächst den Anschein sehr einfach konstruiert zu sein. Dass es kein Mord aus Eifersucht war, liegt auf der Hand, das wäre nun doch arg zu schlicht. Aber die Liste mit Namen, die Lajser bei Kim findet, weist schnell in eine sehr eindeutige Richtung, die wahrlich ausreichend Motiv für einen Mord liefert. Doch weit gefehlt, Bodenheimer hat sich etwas gänzlich Anderes ausgedacht und kann damit wirklich überraschen. Das Agieren der Figuren ist glaubwürdig motiviert und der Fall wird durch die Komplexität zunehmend authentischer.

Ebenso gelingt es dem Autor einmal mehr theologische Auslegungen mit einem Krimi zu verquicken ohne dass dies an irgendeiner Stelle dröge oder gar gezwungen wirken würde. Als Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Universität Basel, ist er fachlich versiert, als Krimiautor weiß er dies zu nutzen und gekonnt einzusetzen, um seine Roman so aus der Masse der Erscheinungen hervorzuheben. Wie auch in „Kains Opfer“ bleibt für mich nur das Fazit eines rundherum gelungenen Romans.

Greer Hendricks/Sarah Pekkanen – The Wife Between Us

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Greer Hendricks/Sarah Pekkanen – The Wife Between Us

Vanessa ist ein psychisches Wrack. Nach der Scheidung von Richard kommt sie nicht mehr auf die Füße. Aber sie muss die junge Frau warnen, die geradewegs ins Verderbern rennt und ebabsichtigt, ihre Nachfolge anzutreten. Sie kennt Richard nicht so, wie sie ihn kennt. Auch zu ihr war er charmant und nett. Anfangs. Doch dann hat er sich in einen Kontrollfreak verwandelt, der keinen ihrer Schritte unbeobachtet ließ. Und nun hat er wieder eine junge Frau gefunden, die er bezaubern kann und die für ihn die perfekte Ehefrau spielen soll. Nellie fühl sich beobachtet, irgendetwas ist seltsam, auch die Anrufe, bei denen offenbar jemand am anderen Ende der Leitung ist, jedoch nie ein Wort sagt, beunruhigen sie zunehmend. Langsam wird ihr ihr eigenes Leben unheimlich. Und noch eine dritte Frau beobachtet die Szenerie, doch was ist ihr geheimer Plan?

Sarah Pekkanen arbeitet bereits seit Jahren als Autorin und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, Greer Hendricks war mehrere Jahre Lektorin bei Simon & Schuster und ist ausgebildete Journalistin. Für „The Wife Between Us“ arbeiteten die beiden Frauen erstmals zusammen und herausgekommen ist ein clever konstruierter Krimi, der immer wieder überraschen kann.

Der Roman beginnt ohne viel Vorgeplänkel, unmittelbar ist man in der Geschichte, die alternierend die Vanessas Erlebnisse nach der Trennung von Richard und Nellies Vorbereitungen auf die Hochzeit mit ebendiesem erzählt. In welchem Verhältnis die beiden Frauen stehen, glaubt man recht schnell zu wissen, einzig der Moment des Zusammentreffens und der Offenbarung von Vanessas Leid stehen noch aus. Doch dann zeigt sich, dass der Roman deutlich geschickter aufgebaut ist, als es zunächst den Anschein macht und die leichte Verschiebung der Erzählung lässt einen neuen Blickwinkel zu.

Durch die raffinierte Erzählkonstruktion wird ein bizarres und gefährliches Abhängigkeitsverhältnis geschildert, in dessen Zentrum ein charmanter Mann steht, der durch geschickte Manipulation die Kontrolle über seine junge Frau gewinnt und nicht nur ihren Alltag überprüfen und lenken kann, sondern der sie auch psychisch unbemerkt nach und nach in eine Abhängigkeit bringt, aus der sie allein so einfach nicht mehr ausbrechen kann.

Dies ist kein ganz neues Thema, bisweilen auch etwas durchschaubar und leicht vorherzusehen. Es ist tatsächlich die Anlage der Erzählung, die die Schwächen hier locker ausgleicht und so zu dem überzeugenden Ergebnis führt. Dass es am Ende noch eine weitere Überraschung gibt, war allerdings nicht abzusehen, wäre für mich auch nicht mehr erforderlich gewesen.

Insgesamt ein runder Roman, der eine neue Variante einer bekannten Geschichte erzählt. Den beiden Autorinnen ist hier ein kleines Kunststück gelungen, indem sie einen völlig unerwarteten Aufbau geschaffen haben, der sich erst langsam entfaltet und dadurch überzeugen kann.

Ein herzlicher Dank geht an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu den Autorinnen und dem Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Matthias Wittekindt – Die Tankstelle von Courcelles

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Matthias Wittekindt – Die Tankstelle von Courcelles

Ein Provinznest im Osten Frankreichs. In den 1970ern wachsen die Kinder in der dörflichen Gemeinschaft auf, befreunden sich, zerstreiten sich, raufen sich wieder zusammen. Gemeinsam gehen sie zur Schule, gemeinsam werden sie das Abitur meistern, um dann in Paris die große weite Welt kennenzulernen. Lou ist eine von ihnen, immer schon etwas mutiger als andere Mädchen, immer schon etwas abgebrühter. Kurz bevor die letzten Prüfungen anstehen, arbeitet sie in der Tankstelle ihres Stiefvaters in der Nachtschicht. Zwei LKW-Fahrer kommen ihr seltsam vor, doch die beiden sind so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen waren. Ein kurz darauf ankommender PKW mit zwei Männern wird dann aber deutlich ungemütlicher; da einer der beiden bereits betrunken ist, will sie ihm keinen weiteren Alkohol verkaufen. Als sie beginnen zu randalieren, zieht sich Lou in den hinteren Raum der Tankstelle zurück. Kurz darauf sind beide Männer tot. Brutal ermordet. Und sie werden nicht die letzten Leichen in dem französischen Dörfchen bleiben.

Matthias Wittekindt war mir bislang als Autor nicht bekannt, allerdings habe ich einige seiner Hörspiele gehört, die mich eigentlich immer begeistern konnten. Dass „Die Tankstelle von Courcelles“ auf der Krimibestenliste vom Mai 2018 gelandet war, bot dann genügend Anlass, den Roman zu lesen. Leider jedoch konnte er die Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Lange hält sich Wittekind mit der Kindheit Lous und ihrer Freunde in den 70er Jahren auf, ohne dass tatsächlich etwas Berichtenswertes geschieht. Es gibt Unfälle, wie sie überall geschehen, auch ein verlassenes mysteriöses Zelt sorgt für eine Menge Gesprächsstoff im Ort. Die Freundschaften der Kinder und später Jugendlichen entwickeln sich in diese und jene Richtung, mal sind sie enger, mal lockerer. Das Erwachsenwerden und die dazugehörigen Theorien um die Welt, befeuert vom neuen Lehrer des Dorfes, entzweit auch so manche alte Verbindung. Der Roman schleppt sich so dahin, kündigt jedoch stetig ein großes Ereignis an, das jedoch auf sich warten lässt.

Der Doppelmord selbst wird tatsächlich recht unspektakulär geschildert und schnell von den Ermittlungen abgelöst, die jedoch auch keine wirkliche Zielgerichtetheit erkennen lassen. Es kommt zu keiner Auflösung, der Täter wird nicht gefunden, die Spekulationen bleiben. Und schon bewegt sich die Handlung weiter, sprungartig bis in die Gegenwart. Dazwischen noch schnell ein weiterer nicht ganz eindeutiger Tod eines der Jugendlichen und Lous ungeklärtes 10-tägiges Verschwinden.

Hätte es nicht zwischendurch ein paar Tote gegeben, hätte ich die Genrezuordnung „Krimi“ gänzlich angezweifelt. Die normalerweise unabdingbare Spannung fehlte mir gänzlich, auch war oft nicht klar, wer eigentlich die Rolle des Protagonisten übernehmen soll, einerseits Lou, das ist recht offenkundig, dann wiederum rückt der örtliche Gendarm Ohayon in den Fokus, nur um sich kurze Zeit später wieder zurückzuziehen.

Zusätzlich erschwert wurde die Geschichte durch einen Erzählton, der wohl mit „lakonisch“ am besten beschrieben ist. Knappe Sätze, kaum Ausschmückung, bisweilen fast lustlos schildert der Erzähler die Ereignisse. Man hört regelrecht die Seufzer, ach ja, doch, da wird noch was passieren. Das etwas einsilbige Erzählen ermüdet bisweilen, hat jedenfalls keine spannungserzeugende Wirkung, ganz im Gegenteil.

Ich kann den begeisterten Stimmen nicht beipflichten. Ein vor allem sprachlich ungewöhnlicher Roman, der vielleicht ein wenig zu viel wollte, um zu überzeugen.

Danielle Thiéry – Was die Nacht verbirgt

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Danielle Thiéry – Was die Nacht verbirgt

Ein bestialischer Mord wird der Pariser Kommissarin Edwige Marion und ihrem Team übertragen: eine Frau wurde getötet und ihr Körper ist von unzähligen Schnittwunden übersät. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass auch ihre Organe regelrecht zerlegt wurden. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord, wieder ein weibliches Opfer, dessen Körper in ähnlicher Weise gezeichnet ist. Was will der Täter ihnen sagen? Steckt ein Code hinter den Schnittwunden? Doch Kommissarin Marion beschäftigt noch etwas ganz anderes: es gibt sehr belastende Parallelen zwischen den Fällen und ihrem Freund Benjamin, der offenbar mit den Opfern kurz vor ihrem Tod gesehen wurde. Das kann nicht sein – oder hat sie einem Psychopathen vertraut?

Danielle Thiérys Krimi „Was die Nacht verbirgt“ ist der Auftakt der Reihe um Edwige Marion, von der im Original bereits 13 Romane erschienen sind, die jedoch nicht alle auch ins Deutsche übersetzt wurden. Die Reihe war zunächst bei Piper erschienen und wird nun jedoch beim Aufbau Verlag in neuem Gewand veröffentlicht.

Der Fall klingt zunächst nach einem recht typischen Thriller mit einem bestialischen Serienmörder, der reihenweise Frauen ermordet und seine unverkennbaren Spuren hinterlässt. Allerdings leidet die Spannung ein wenig darunter, dass man als Leser mit dem Holzhammer schon sehr früh auf die notwendigen Zeichen gestoßen wird; keine subtilen Indizien, die man leicht überliest, sondern in großen Lettern hervorspringende Ausrufezeichen. So hat man ab etwa der Hälfte problemlos ziemlich genau einen Überblick darüber, wie die Zusammenhänge sich darstellen dürften.

Dass man als Leser so schnell hinter den Komplott kommt, die Ermittler jedoch ewig im Dunkeln tappen, liegt an der Anlage der Figuren. Dies ist insgesamt durchaus stimmig: ein Team von unfähigen eitlen Gockeln, die lieber ihre Erkenntnisse für sich behalten und weitere Opfer riskieren als ihre Arbeit ordentlich zu machen, ist geradezu prädestiniert, die Auflösung des Falls zu verschleppen. Leider macht sie das durch die Bank unsympathisch und kaum erträglich.

Was einem dennoch am Ball hält, ist der der Schreibstil der Autorin, der durchaus fesseln kann und bei dem sie auch eine geschickte Dramaturgie an den Tag legt. Gestört wird dies nur durch zahlreiche unsägliche Übersetzungsnachlässigkeiten. Die Figuren stecken immer wieder in ihren Baskets und ziehen sich die Blousons aus, der Täter bewegt sich mal in einem Campingwagen, dann wieder in einem LKW, was letztlich aber immer dasselbe Auto ist. Wenn man fließend Französisch spricht, lassen sich so manche Holprigkeiten leicht erklären, dennoch ist es ärgerlich.

Alles in allem, bleibe ich zwiegespalten: einerseits hat der Krimi eine gewisse Spannung und man bleibt grade dran, andererseits sind doch auch unübersehbare Schwächen, die ihn weit hinter den Erwartungen zurückstehen lassen.

Jacques Attali – Meurtres, en toute intelligence

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Jacques Attali – Meurtres, en toute intelligence

Automne 2018. Quand la commissaire Fatima Hadj est convoquée à l’hôtel de Crillon à Paris, elle pense encore à un meurtre plus ou moins habituel. Le PDG d’une entreprise américaine a été assassiné, mais à l’intérieur de la chambre, il n’y a aucune empreinte. L’enquête se concentre vite sur les collaborateurs qui sont venus à Paris avec le PDG afin de finaliser la fusion avec une entreprise française. Mais, tous les suspects étaient assis à une table dans le restaurant à l’heure de l’assassinat. C’est un concurrent alors qui a éliminé le PDG ? Et quel type de logiciels produisent-ils chez la firme Boromir Technologies ? Et pourquoi une fusion avec une entreprise qui est spécialisée en drones ? Peu de jours après, Fatima va avoir compris non seulement la relation entre le logiciel et les drones, mais aussi que cet assassinat était évidemment juste le début d’une série d’attaques.

Jacques Attali sait très bien de quoi il parle. Ancien conseiller spécial du président de la République et expert en économie, il connait bien la fragilité de celle-ci et il sait très bien lier l’économie non seulement au progrès technologique mais aussi à la menace globale par des groupes de terroristes. Ainsi, il a créé une histoire complexe comme la réalité.

A début, on songe lire un roman policier plus ou moins typique : un assassinat, plusieurs suspects avec des mobiles diverses – l’argent, le prestige, le pouvoir, même l’amour – et un lieu de crime qui n’offre pas top d’idées à la commissaire. Mais au moment où le président de la République lui-même se mêle, c’est bien clair qu’il y ait beaucoup plus que simplement le meurtre d’un homme d’affaires américain.  Le personnage de Fatima m’a plu beaucoup. D’un côté, elle n’est pas du tout le commissaire ordinaire : homme cinquantenaire, alcoolique ou toxicomane, divorcé avec des enfants qu’il ne voit jamais. Elle, Fatima, est plutôt jeune, s’occupe de ses deux enfants, elle est parfois impulsive et vite enragé, éprouve la concurrence quand une autre femme apparaît et avant tout – elle est amoureuse sans pouvoir vivre cet amour.

L’aspect des drones et des logiciels et de tout ce qui est possible dans notre monde plein de technologie aujourd’hui – c’est vraiment un sujet important et menaçant. On peut bien imaginer une telle histoire se produire en réalité ce qui rend le roman encore plus intéressant. Comme citoyen moyen, on ignore ce qui se passe dans les firmes spécialisées et dans les laboratoires militaires – mais c’est nous qui sont les victimes quand quelque chose échoue.

David Lagercrantz – Verfolgung

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David Lagercrantz – Verfolgung

Auch wenn es Alternativen gegeben hätte, Lisbeth Salander ist stur genug, um eine Haftstrafe von acht Wochen abzusitzen. Aufgrund ihrer Vorgeschichte landet sie nicht in irgendeinem Gefängnis, sondern in Flodberga, dem Hochsicherheitstrakt für Frauen. Schnell gerät sie dort ins Visier von Benito Andersson, der heimlichen Herrscherin über den Laden. Eigentlich will Lisbeth sich von allem fernhalten, als jedoch ihre Zellennachbarin bedroht wird, mischt sie sich ein – mit entsprechenden Folgen. Dabei hat Lisbeth eigentlich gerade andere Dinge im Kopf, sie scheint der Frage, weshalb ihre Kindheit so verkorkst war, war sie nun einmal war, ein Stück näher gekommen zu sein. Doch das neu erworbene Wissen birgt Gefahren in sich, nicht nur für Lisbeth, sondern vor allem Holger Palmgren muss für Lisbeths Nachforschungen bezahlen: ihr langjähriger Mentor wird ermordet. Doch die junge Frau wäre nicht die, die sie ist, wenn sie sich von so einem Zwischenfall entmutigen lassen würde. Im Gegenteil, jetzt muss sie erst recht handeln.

Nachdem der vierte Band der Millennium Serie leider schon nicht mit den ersten drei geschrieben von Stieg Larsson mithalten konnte, setzt sich dies auch im fünften Band fort. David Lagercrantz hat ein schweres Erbe übernommen, dem er jedoch nicht gerecht werden kann. Zu seiner Verteidigung muss man jedoch sagen, dass – sofern man das erste sehr zähe Dritte überwunden hat – durchaus ein spannender und guter Krimi entstanden ist. Wenn auch keine würdige Fortsetzung.

Am meisten hat mich zu Beginn gestört, dass Lisbeth Salander so gar nicht die Figur ist, wie man sie kennt. Aus der eher zurückgezogenen, defensiven Frau macht Lagercrantz eine aktive Haudrauf-Insassin, die unüberlegt und blind agiert. Das passt in keiner Weise zu der Figur, wie man sie kennengelernt hat. Auch Mikael Blomkvist wird über lange Zeit nur als Aufreißer charakterisiert, das, was ihn eigentlich auszeichnete, kommt erst viel zu spät zum Tragen.

Tatsächlich wird man etwas entlohnt, wenn man nicht vorzeitig aufgibt – das ist aber nicht Sinn und Zweck eines Krimis. Unabhängig von der etwas verunglückten Figurenzeichnung, stehen zwei Krimifälle im Zentrum. Den um die junge Frau aus Bangladesh fand ich etwas zu oberflächlich und bemüht, um mich zu überzeugen; der zweite um Leo Mannheimer hingegen hatte nennenswert mehr Tiefgang und war für die Geschichte auch deutlich besser motiviert. Hier hätte Lagercrantz aber auch etwas mehr die Hintergründe ausbauen können, wie man es beispielsweise im ersten Teil der Millennium Serie sehen konnte.

Fazit: durchwachsen. Sehr schwacher Start, je näher man dem Ende kommt, desto besser wird der Roman allerdings, so dass es im letzten Drittel doch fast ein wenig an die echte Millennium Trilogie anknüpfen kann.

Katrine Engberg – Krokodilwächter

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Katrine Engberg – Krokodilwächter

Eine junge Frau wird in Kopenhagen ermordet. Julie wurde in ihrer WG überfallen und durch zahlreiche Messerstiche verstümmelt. Was wie ein grausamer, aber doch recht normaler Mord beginnt, erhält schnell eine seltsame Note: Die Vermieterin Julies, Esther de Laurenti, die im selben Gebäude wohnt und die Studentin natürlich kannte, ist gerade dabei einen Krimi zu schreiben und der Mord an Julie entspricht genau dem Szenario, das sie sich ausgedacht hatte. Die Ermittler Jeppe Kørner und Anette Werner schließen die ehemalige Professorin als Täterin aus, aber es muss eine Verbindung geben. Er hat Zugang zu dem unveröffentlichten Manuskript und wer wollte sich an Julie oder Esther rächen?

Katrine Engberg ist in Dänemark keine Unbekannte, als Tänzerin und Regisseurin hat sie sich bereits einen Namen gemacht, nun wagt sie sich auch ins literarische Fach und konnte mich mit ihrem Debut restlos überzeugen. „Krokodilwächter“ steht den großen skandinavischen Krimis in nichts nach: ein komplexer Fall, der sich im völlig durchschnittlichen dänischen Milieu abspielt; zwei Ermittler, die keine Superhelden sind, sondern auch mit ihren privaten Problemchen zu kämpfen haben und dennoch den Fall zielgerichtet und mit menschlichen Maß lösen.

Viele vermeintliche falsche Fährten legt Engberg aus, immer wieder findet sich das Ermittlerduo an einem toten Ende und muss von Neuem beginnen. Interessant ist jedoch, dass keine der Spuren wirklich ins Nichts führt, sondern dass es der Autorin gelingt, am Ende alle Fäden zu einem stimmigen und glaubwürdigen Gesamtbild zusammenzufügen. Dabei verzichtet sie auf allzu detaillierte und grausame Mordbeschreibungen, was jedoch durch kleine Szene, die ihr eigenes Gruselpotenzial haben, ganz locker aufgewogen wird. Besonders gut gefallen hat mir die Verortung des Romans in Kopenhagen, wenn man die Stadt ein wenig kennt, findet man vieles davon im Roman wieder. Und es ist durchaus nicht von der Hand zu weisen, dass Dänemark ein kleines Land mit wenigen Bewohner ist, was zu so mancher unliebsamen Begegnung führen kann. Handlung und Setting spielen so immer wieder Hand in Hand.

Ein vielversprechender Auftakt einer neuen Serie, der vermutlich nicht nur in Dänemark begeisterte Leser findet.