Patricia Highsmith – A Suspension of Mercy

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Patricia Highsmith – A Suspension of Mercy

Natürlich hat er schon darüber nachgedacht seine Frau zu ermorden, mehrfach sogar, auf vielfältige Weise, aber letztlich ist das ja sein Job. Sydney Bartleby ist Drehbuchautor für Mystery Serien und muss sich daher schon von Beruf wegen mit dem Ableben der Menschen beschäftigen. Als Alicia sich entschließt, kurzfristig auf eine längere Reise zu gehen, nutzt er die Chance, den perfekten Mord zu inszenieren und seine Schreibblockade zu lösen. Am Tag nach dem Verschwinden Alicias beseitigt er frühmorgens unter genauer Beobachtung seiner Nachbarin einen Teppich und auch ansonsten bemüht er sich möglichst auffällig unauffällig zu sein, was die Polizei, Freunde und seine Schwiegereltern auf den Plan ruft und ihn zum Verdächtigen Nummer 1 macht.

Patricia Highsmith ist ohne Frage eine der begnadetsten Krimiautorinnen des 20. Jahrhunderts – und das funktioniert sogar gänzlich ohne Mord. Leider ist sie über ihren Ripley Roman hinaus dem breiten Publikum nur wenig bekannt, dabei schafft sie es immer wieder hochinteressante Figuren zu konstruieren, die über das Spannungsmoment hinaus ihre Romane bereichern, wie sie eindrucksvoll in „Carol oder Salz und sein Preis“ oder auch in „Der Schrei der Eule“ beweist. Auch Sydney Bartleby ist faszinierend in seinem Spiel mit den Mitmenschen zu beobachten.

Die gescheiterte Ehe der beiden Künstler ist der Ausgangspunkt des fatalen Treibens. Bartlebys Manipulationen zeigen wahrlich, dass er das Zeug zum Krimiautor hat, nicht nur ist er kreativ im Erfinden möglicher Tode, nein, jeder Schritt ist geplant, das vergessene Manuskript, das leichtfertig als Tagebuch gedeutet werden könnte, ebenso wie die Besuche bei der neugierigen Nachbarin oder die falschen und widersprüchlichen Aussagen zu Alicias Verbleib. Das Katz-und-Maus-Spiel steigert sich immer weiter, bis es zu dem unweigerlichen Unglück kommen muss – das jedoch völlig anders ausgeht als erwartet. Hier zeigt sich die Patricia Highsmith’s wahres Talent, wenn sie auch mit ihrem Leser spielt.

Heute vermutlich eher als cosy crime klassifiziert, hat der inzwischen über 40 Jahre alte Text jedoch nichts an Unterhaltungswert verloren.

Yann Ollivier – En attendant Boulez

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Yann Ollivier – En attendant Boulez

Ça ne fait pas longtemps que Jade Valois fait partie de l’équipe et la seule raison de l’accepter était qu’elle savait parler le chinois. Et maintenant, c’est sa chance : dans la Philharmonie, une pianiste chinoise a été tuée et l’affaire est délicate comme le gouvernement chinois se mêle immédiatement. La jeune Han Li devait présenter la première d’un œuvre exceptionnel par Entertainment Inc : « Chopart », un projet crée uniquement par les algorithmes et attendu avec grand intérêt par le public culturel. Que sait l’intelligence artificielle créer ? Mais d’abord, ce sont les humains qui sont au centre d’intérêt de la jeune policière car le meurtre de la pianiste est seulement le début d’une série d’assassinats au monde de musique.

Le titre déjà indique qu’on va parler de la musique, le compositeur et chef d’orchestre Pierre Boulez est bien connu comme un enfant terrible à cause de ses polémiques. Boulez a joué un rôle important dans le développement de la musique électronique, dans le roman de Yann Ollivier, cela avance encore, c’est seulement le logiciel maintenant qui devient créateur et qui remplace l’homme.

J’ai bien aimé le personnage principal, Jade Valois, une jeune femme qui grâce à ses connaissances du chinois et de la musique classique peut résoudre ce cas complexe. Yann Ollivier a parfaitement dessiné le monde de la musique classique et il ne faut pas longtemps pour s’y perdre. Ce qui m’a intéressé avant tout, c’était une petite action secondaire : le problème du copyright si le créateur n’est pas un être humain.

Caroline Mitchell – Silent Victim

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Caroline Mitchell – Silent Victim

Eigentlich ist das Leben von Emma und Alex perfekt, beide sind in ihrem Job erfolgreich und mit Jamie haben sie einen bezaubernden Sohn. Als Alex die Chance erhält beruflich aufzusteigen und dafür in seine Heimatstadt Leeds zurückzukehren, können sie auch endlich Emmas gruseliges Haus loswerden. Doch bevor sie das Anwesen verkaufen können, muss Emma im wahrsten Sinne des Wortes noch eine Leiche ausgraben, denn vor Jahren hat sie ihren Stalker erschlagen und heimlich begraben. Doch als sie jetzt zur Stelle zurückkehrt, ist kein Leichnam zu finden – wie auch, Luke ist ausgesprochen lebendig und sinnt auf Rache.

Caroline Mitchell erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen, so dass sich dem Leser erst langsam enthüllt, was geschehen ist. Die Spannung liegt jedoch hauptsächlich darin, inwieweit die Figuren sich gegenseitig täuschen und wem sie Glauben schenken wollen, vor allem Emmas Ehemann gerät in die Mühle von Lügen und Geheimnissenund weiß bald nicht mehr, wem er noch trauen kann.

Der Spannungsaufbau hat mir gut gefallen, die Handlung löuft stetig auf einen Höhepunkt zu, der die finale Entscheidung herbeiführen wird. Am meisten hat mich Emmas Geschichte als Schülerin, die von ihrem Lehrer heimtückisch verführt wird, gefallen, leider erscheint mir auch sehr glaubwürdig, wie ihr als Opfer nicht geglaubt wird und sie dadurch gleich doppelt gestraft wird und ihr Peiniger sie in der Hand hat. Auch Lukes Rückkehr ist insgesamt überzeugend gestaltet.

Die Figurenzeichnung war jedoch nicht ganz stimmig für meinen Geschmack. Emma ist überzeugend, aber Alex war für mich nicht ganz glaubwürdig, zum einen scheint er ein knallharter Geschäftsmann, als Ehemann wirkt er aber schwächlich bis dümmlich und kann seine Position in keine Hinsicht vertreten. Mal sorgt er sich vorgeblich um seine Frau, dann handelt er aber völlig widersinnig. Auch Emmas Schwester hatte so manche Unstimmigkeit aufzuweisen. Hinzu kommt leider auch die manchmal unglückliche Übersetzung, die den Text etwas holpern lässt, weil die Wortwahl sich einfach undeutsch anhört. Insgesamt lesenswert und spannend, aber mit kleinen Schwächen.

Rafik Schami – Die geheime Mission des Kardinals

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Rafik Schami – Die geheime Mission des Kardinals

Die italienische Botschaft in Damaskus erhält eine widerliche Lieferung: in einem Ölfass findet sich die Leiche des Kardinals Cornaro. Er war vorgeblich zur Einweihung einer Kirche in Syrien, doch schnell schon hat Kommissar Zakaria Barudi Zweifel daran. Zudem wirft der Tote weitere Fragen auf: warum wurde sie nicht an die vatikanische Botschaft geliefert, schließlich war der Kardinal Mitglied der Kurie? Und weshalb hat man ihn zudem entehrt, indem man seinen Ring an den falschen Finger aufzog? Barudi erhält Schützenhilfe aus Italien, Kommissar Mancini wird heimlich mit ihm die Ermittlungen leiten, denn offenbar war der Kardinal noch in einer geheimen Mission unterwegs, die man in Rom unbedingt vertuschen möchte. Kurz vor seiner Pensionierung steht Barudi nochmals ein komplizierter Fall ins Haus und das in einem Land, in dem sich gerade alle Kräfte formieren für die Geschehnisse, die bald die Weltnachrichten beherrschen werden.

Rafik Schami ist ein begnadeter Erzähler und enttäuscht auch in seinem aktuellen Roman nicht. Der christliche Syrer, der vor nunmehr fast 40 Jahren aus seiner Heimat fliehen musste, lässt auch in „Die geheime Mission des Kardinals“ kritische Töne gegenüber dem noch herrschenden System anklingen und die Melancholie, mit der er offenkundig sehnsüchtig auf seine Heimatstadt blickt, fließt ebenso aus jeder Zeile. Ein komplexer Kriminalfall wird von seinem cleveren Kommissar gelöst, aber dieser ist müde geworden ob der unsäglichen Lage. Man hofft, dass es dem Autor nicht ebenso geht und er stetig weiterhin öffentlich das Wort ergreift.

Mit Barudi hat Rafik Schami einen liebenswerten, kauzigen Kommissar geschaffen, der über genügend Erfahrung verfügt, sich nicht mehr in jeden Kampf zu stürzen und mit einer gewissen stoischen Haltung das syrische System von Geheimdienst und Polizeiapparat betrachtet. Er verzweifelt nicht mehr an den Machenschaften und ist mit sich und seinem Leben im Reinen, was ihn konzentriert an dem Fall arbeiten lässt. Sein italienischer Amtsgenosse ist noch weitaus impulsiver, auch wenn diesen ebenfalls Jahrzehnte unermüdlichen und vergeblichen Kampfs gegen die Mafia realistisch haben werden lassen.

Neben diesen beiden Figuren, die alleine die Geschichte schon lesenswert machen, lässt Schami die komplexe politische und religiöse Lage in Syrien einfließen und liefert ein erhellendes Bild über die sich zuspitzende Situation im Jahr 2010 kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Bewundernswerterweise vereinfacht er nicht, sondern zeigt genau die Zweischneidigkeit auf, denen die Menschen immer wieder ausgesetzt sind und die Facetten der Konfliktparteien, aus schwarz und weiß werden so Grauschattierungen, die jedoch leichtgängig in die Handlung einfließen und vieles an Barudis Arbeit nur verdeutlichen, ohne jedoch der Geschichte den Platz zu stehlen.

Man freut sich als Leser immer besonders, wenn Sprachfertigkeit und eine gute Story aufeinandertreffen und dies zudem meisterhaft in den komplizierten Alltag eingebettet werden. So bleibt neben der Unterhaltung noch viel mehr und lässt ein Buch aus der Masse der jährlichen Neuerscheinungen deutlich hervortreten.

Martin Barkawitz: SoKo Hamburg: Die tote Unschuld

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Martin Barkawitz: SoKo Hamburg: Die tote Unschuld

Aus der Reihe: so viel Unfug in nur einer Geschichte… Im Hamburger Stadtpark wird die Leiche der jungen Julia Sander gefunden. Für den leitenden Ermittler ist klar: ein Serienmörder treibt sein Unwesen, für Oberkommissarin Heike Stein jedoch liegt der Schlüssel zum Mörder bei der Getöteten. Zusammen mit Kollege Ben Walken wird ihr der Fall übertragen, doch schnell schon legt sich die Polizistin mit mächtigen Männern an und wird zurückgepfiffen. Weitere Schüsse fallen, die Opfer sind jedoch lediglich verletzt, nach dem präzisen Schuss auf Julia Sander eher untypisch für einen Profi. Eifrig ermittelt Heike Stein weiter, auch gegen ihre Vorgesetzten.

Das Hörbuch besticht gleich durch mehrere Auffälligkeiten: Inkompetenz und Sinnfreiheit bei den Ermittlern, eine nicht nur unsympathische, sondern auch hochgradig dümmlich-naive Protagonistin, völlig überflüssiges Liebesgedöns (dem es auch noch an Glaubwürdigkeit fehlt) und ein Fall, der gar nicht gelöst wird, sondern sich selbst einfach auflöst. Man ist gefesselt von so viel Nonsens und wartet gebannt auf den nächsten Ausreißer.

Unangefochtenes Highlight sind die kriminalistischen Methoden der Sonderkommission Mord. Eine einzige Tote führt sofort zur These des Serienmörders. Das Ermittlungsteam ist bevorzugt im Alleingang unterwegs und statt sich mit den naheliegenden Aspekten – dem Umfeld der Toten und vor allem ihrer Wohnung – zu beschäftigen, werden erst einmal die abwegigen Spuren verfolgt. Zeugen werden alle Erkenntnisse in den Mund gelegt, manchen stellt man sich auch gleich mehrfach vor (offenbar nimmt man an, dass alle Menschen so doof sind, wie die beiden Kommissare) und nachdem man den Hauptschuldigen endlich auf dem Tablett serviert bekommt, geht man erst einmal gemütlich essen, es besteht sicherlich kein Grund zur Eile.

Heike Stein ist interessant gezeichnet, besonders hat mir ihr Geläster über das in Bezug auf Männer angeblich wenig wählerische Opfer gefallen, bevor sie gleich mit dem nächstbesten Unbekannten in die Kiste steigt. Sie hat den Intellekt einer altklugen 9-Jährigen und geht einem damit gehörig auf die Nerven. Nicht dass ihr Kollege besser wäre, der so überzeichnet als gutmütiger Vorstadt-Papa daherkommt, dass man seine Reduktion auf die Funktion als Chauffeur für Heike Stein dankbar hinnimmt, um nicht noch mehr von seinen Sorgen um seine Rasenkanten zu hören.

Die Gefahr, dass Spannung aufkommen könnte, besteht zu keinem Zeitpunkt. Als Leser weiß man ohnehin früh, wie sich alles zugetragen hat und der Autor macht sich gar nicht erst die Mühe, eine komplizierte Auflösung zu konstruieren. Nein, der Täter läuft der Polizei zufällig in die Arme, wie praktisch! Fall gelöst, alles super.

Erschreckenderweise scheint es von dieser Serie noch über weitere 20 Fälle zu geben, die müssen jedoch ohne mich gelöst werden.

Dror Mishani – Die schwere Hand

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Dror Mishani – Die schwere Hand

Der Mord an Lea Jäger wird zur Zerreißprobe für die Polizei in Cholon. Die Frau war einige Jahre zuvor vergewaltigt worden und hatte ihren Peiniger angezeigt und ins Gefängnis gebracht. Dessen Familie schwor Rache. Ein Nachbar will einen Streit gehört haben und danach habe ein Polizist das Haus des Opfers verlassen. Für Avi Avraham eine eindeutige Spur, bei seinen Kollegen jedoch stößt dies auf erheblichen Widerstand, gegen die Kollegen ermittelt man nicht und so stürzten sie sich auf den Sohn der Ermordeten, dessen Alibi nach und nach immer größere Löcher aufweist. Sein neuer Job als Leiter der Ermittlungen fordert alles von Avi, doch er hat verbündete und so kommen sie bald einer noch ganz anderen Spur auf die Fährte.

Beim zweiten Roman nach „Vermisst“, den ich von Dror Mishani gelesen habe, kann mich der Protagonist deutlich mehr begeistern. Avi Avraham tritt als entschiedener Polizist auf, der sich nicht von der konzentrierten und akribischen Arbeit abbringen lässt und auch die zunehmenden Widerstände aushält. Einmal mehr ist der Fall jedoch ausgesprochen komplex konstruiert und bietet gänzlich unerwartete Entwicklungen, die erkennen lassen, dass der Autor als Professor für Kriminalliteratur nicht nur Versatzbausteine verwendet, sondern etwas Neues schaffen kann.

„Die schwere Hand“ überzeugt vor allem durch die psychologischen Aspekte. Die vergewaltigten Frauen leiden seit Jahren unter den Traumata, die das Erlebte bei ihnen hinterlassen hat. Mishani lässt dies geschickt in die Handlung einfließen, um ihr Verhalten glaubwürdig zu motivieren und zugleich bricht er sie nicht auf Eindimensionalität herunter, sondern schildert gerade die Vielschichtigkeit, die hierdurch entsteht. Aber nicht nur die Frauen leiden darunter, auch an ihren Partnern geht das Ereignis nicht spurlos vorbei und kann zu dramatischen Reaktionen führen. Eine runde Geschichte, die restlos überzeugt.

Eric Ambler – Epitaph for a Spy

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Eric Ambler – Epitaph for a Spy

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gönnt sich Josef Vadassy seinen ersten Urlaub seit vielen Jahren. Lange lebte der Sprachenlehrer in England, die zunehmend schwierige politische Lage brachte ihn schließlich nach Paris und nun an die Côte d‘Azur. Der gebürtige Jugoslawe mit ungarischem Pass will seine geliebte Kamera testen, auf die er lange gespart hat. Als er jedoch seine entwickelten Bilder abholen will, wird er verhaftet. Auf den Bildern waren nämlich nicht nur Eidechsen, wie er angab, sondern auch Aufnahmen von militärischen Einrichtungen, was den Mann mit der ungeklärten Nationalität sehr verdächtig macht. Offenkundig hat jemand die Kameras vertauscht und wenn er kein Spion ist, dann muss es einer der anderen Gäste sein. Der französische Geheimdienst zwingt ihn zur Zusammenarbeit und droht mit der Deportation, die unweigerlich im Tod enden wird. Josef Vadassys Ermittlertätigkeiten sind mehr als dilettantisch und statt dem wahren Täter auf die Spur zukommen, scheint er viel eher sein eigenes Grab zu schaufeln.

Eric Ambler gehört zu den Erfindern der Spionageromane, die sich insbesondere durch einen hohen Grad an Realismus auszeichnen. „Epitaph for a Spy“ (in der ersten Übersetzung „Die Stunde des Spions“, in der späteren „Nachruf auf einen Spion“) war sein dritter Roman, den er 1938 verfasste und der die angespannte Lage auf den europäischen Kontinent authentisch einfängt. Kein Urlaubsgast kann einfach mehr die französische Riviera genießen, alle beobachten argwöhnisch die Mitbewohner und stellen Vermutungen über deren Hintergründe und Motive an.

Der Roman folgt erwartungsgemäß einem sehr klassischen Setting und sowohl die Figuren wie auch das Setting sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Der über allem drohende Weltkrieg macht die Hotelgäste nervös. Die schweizer Besitzerin führt offenbar mit dem deutschen Schimler oder Heimberger – weshalb benutzt er zwei Namen? verdächtig! – etwas im Schilde, die Geschwister Skelton werden plötzlich küssend am Strand gesehen, die Liste der Verdächtigen wird immer länger, je näher Vadassy sie kennenlernt. Auch wenn die Geschichte klar ein Spionageroman ist, muss man doch immer wieder über die Unfähigkeit des Protagonisten, aber auch über das seltsame Vorgehen der scheinbar korrumpierten Polizei schmunzeln. Allein schon der Gedanke eine Person wie Vadassy ermitteln zu lassen, erscheint absurd. Doch die wahre Verstrickung zeigt sich erst am Ende der Geschichte und alle Fragen lösen sich sauber auf.

Unterhaltsamer Krimi aus längst vergangener Zeit. Eher mit humorvollen Passagen und auch durch die politischen Anspielungen überzeugend als durch eine hochspannende und komplexe Story. Erwartungen dennoch voll erfüllt.

Jenna van Berke – Weiße Nacht/Moa Graven – Die Puppenstube

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Jenna van Berke – Weiße Nacht/Moa Graven – Die Puppenstube

Doppelrezension, da zwei glücklicherweise kurze Krimis. Eigentlich haben sie beide nicht die Zeit für eine Rezension verdient, aber da es nun mal auch diese Bücher gibt, hier die nicht-amtliche Warnung.

Zuerst mit Jenna van Berke in die USA, wo sich Litza von ihrem gewalttätigen Mann trennt und dann die absolut naheliegende Idee ergreift, in einem ostfinnischen Dorf eine seltene Robbe zu erforschen, die nur dort in einem See vorkommt. Also Sachen packen und auf Nach good old Europe. Dort sind Jan und Lisa schon, als Ermittler lösen sie sie Fälle im gefährlichen Ostfriesland und gerade haben sie sich ebenfalls entschieden, sich doch lieber zu trennen und wegen akuter Einsamkeit melden sich beide unabhängig voneinander bei Dating Plattformen an – man ahnt schlimmstes…

Kaum in Finnland, stolpert Litza über den hochattraktiven Parkranger Niilo, der sie mit auf seine einsame Insel nimmt und ihr von dem mysteriösen Robbensterben berichtet, das die Region erschüttert. Bald ist außer dem Ranger nicht mehr viel zu erforschen…. Unterdessen häufen sich bei Lisa und Ja komische Vorkommnisse: eine Frau, die scheinbar verwirrt ist und nicht spricht, eine andere wird tot auf dem Friedhof abgelegt und dann auch noch ein Mann ermordet – und niemand vermisst sie. Naja, mal abwarten, am einfachsten zu Hause, also packen sie die Überlebende einfach ein und nehmen sie mit zu Jan.

Während man in Ostfriesland halbherzig ermittelt, kämpft Litza mit finnischen Gepflogenheiten wie Nacktbaden und Saunieren, was natürlich der attraktive Mann erleichtert. Warum war sie eigentlich dort? Ach, ist auch egal, oder nö, einfach mal nachts allein mit dem Kanu auf dem nebligen See rumschippern, was sollte man sonst auch tun in der Einsamkeit? Oh oh …. Gefahr! Und in Ostfriesland wird dann die stumme Frau entführt und mal eben noch ein Bauernpaar erschlagen, ach so, ja danke, da liegt ja dann auch die Lösung auf dem Präsentierteller, was die Ermittlung deutlich vereinfacht.

Fälle gelöst, Liebe gefunden – Friede, Freude, Eierkuchen. Spannung ist eher nicht so angesagt, in Finnland fehlt vor lauter Ranger-Anschmachten schlichtweg die Zeit dafür, in Ostfriesland soll sie durch die Vorkommnisse auf dem Hof aufgebaut werden, doch hier beschränkt sich die Autorin auf ziemlich platte Gewalt, die nicht für Kribbeln sorgt, sondern schlichtweg abstoßend ist und nicht überzeugt, vor allem, da einem die Figuren nicht wirklich packen und man so wenig Empathie für sie entwickelt. Daneben so viel unlogische Details und eine wenig plausible Handlung – zwei Mal Daumen runter.

Gabriella Ullberg Westin – Der Schmetterling

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Gabriella Ullberg Westin – Der Schmetterling

Nach zwanzig Jahren in der Hauptstadt kehrt Kriminalinspektor Johan Rokka in die nordschwedische Provinz zurück. Doch Zeit zum Ankommen bleibt ihm nicht, denn am Heiligabend geschieht ein brutaler Mord: die Ehefrau eines bekannten Fußballers und Schulfreundes von Rokka wird von einem verkleideten Weihnachtsmann brutal vor den Augen der beiden Kinder ermordet. Das Ziel scheint klar gewesen zu sein: der Gatte. Doch dann wird im Blut der Frau eine tödliche Menge Rohypnol gefunden und auch ein nur kurze Zeit zurückliegender Schwangerschaftsabbruch wird festgestellt. Hatte die unscheinbare Frau etwas zu verbergen? Ein zweiter Mord an der Trabrennbahn wirft jedoch noch ganz andere Fragen auf und das kleine Team sieht schweren Feiertagen entgegen.

Gabriella Ullberg Westins Debut um den Ermittler Rokka konnte mich recht schnell überzeugen. Die Handlung hat ein hohes Tempo und verliert sich nicht lange in Nebensächlichkeiten. Recht typisch für viele skandinavische Krimis sind die Morde rücksichtslos und brutal und die Figuren sind keineswegs die unschuldigen Bilderbuchmenschen im schwedischen Idyll, die keiner Fliege was zuleide tun können.

Der Fall ist recht komplex und die Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgelöst. Insgesamt vielleicht ein wenig zu viel Verstrickungen und nicht unbedingt erwartbare Bekanntschaften, aber der Krimi ist spannend und lässt einem über kleine Schwächen leicht hinwegsehen. Das Setting ist ebenfalls überzeugend eingebaut, der schwedische Winter bringt seine eigenen Tücken mit viel Schnee, der die Ermittlungen auch nicht gerade leichter gestaltet. Im Zentrum steht Johan Rokka, der bei mir als Protagonist nicht unbedingt Sympathiepunkte sammeln konnte, aber facettenreich gestaltet ist und durchweg überzeugt. Seine enge Verbindung zu einer ganzen Reihe von Verdächtigen und die vielen Andeutungen nebenbei, dass auch er Geheimnisse mit sich trägt, bieten auf jeden Fall genügend Raum für weitere Fälle, die die Figur sicher noch interessanter werden lassen. Ein solider Krimi, der von der Autorin noch einiges erwarten lässt.

P.B. Vauvillé – Ein kunstvoller Mord

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P.B. Vauvillé – Ein kunstvoller Mord

Die Pariser Kunstszene ist in heller Aufregung als eine der berüchtigtsten Performance Künstlerinnen heimtückisch vergiftet wird. Nicht nur der Mord an sich, sondern die Tötung während einer geheimen Inszenierung ist rätselhaft. Rosa Kontrapunkt war live dabei und die ältere Artistin ist sichtlich mitgenommen, jedoch hält das sie und ihren Sohn Quentin Belbasse nicht davon ab, selbst Ermittlungen zu tätigen. Auch Lieutenant Brossard erkennt, dass es ohne die beiden wohl schwierig werden wird, hinter die Fassaden der Kunst zu blicken und Zugang zu den eigensinnigen Menschen zu bekommen.

Der zweite Band der Reihe um das Privatdetektivgespann aus Mutter und Sohn verspricht eine interessante Kombination aus Krimi und Kunst zu werden. Der Fall hat tatsächlich auch einiges zu bieten, wenn auch die Kunst eher von der sehr speziellen Sorte ist und letztlich ganz andere Aspekte im Vordergrund der Ermittlungen stehen. Insgesamt glaubwürdig und nachvollziehbar konstruiert, aber mir fehlte es doch etwas an Spannung und die Figuren hätten etwas mehr Persönlichkeit haben können, um mit gänzlich zu überzeugen.

Für mich reiht sich der Roman in die Riege der cosy crime Storys ein: nicht die ganz große Spannung, dafür mehr Lokalkolorith. Davon hätte es mir durchaus etwas mehr sein dürfen, man liest es gerne, aber der Funke wollte nicht recht zünden. Die Künstlerszene wird immer wieder angerissen, aber ihr Protest bleibt etwas zu oberflächlich. Auch kann mich die Rolle von Quentin nicht ganz überzeugen, welcher Polizist würde sich von einem Zivilisten einfach so in die Arbeit pfuschen lassen und die Ermittlungsergebnisse teilen? So richtig erschließt sich mir nicht, wie diese Zusammenarbeit zustande kommt. Ganz klar punktet die Geschichte mit den vielen Spuren und Verwicklungen, die der Fall zu bieten hat. Hier hat das Autorenpaar sich eine sehr clevere und komplexe Konstellation ausgedacht, für die sich der Krimi die Sterne verdient.