Pierre Martin – Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer

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Pierre Martin – Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer

Nachdem sie schwerverletzt einen Einsatz überlebt hat, fährt Isabelle Bonnet ins beschauliche Fragolin im Hinterland der Côte d’Azur. Dort hofft sie nicht nur auf Entspannung, sondern auch auf Klärung der Umstände des Unfalls, bei dem ihre Eltern einst ums Leben kamen. Doch ein Mord an einer jungen Frau und das Abtauchen des englischen Hausbesitzers erfordern ihre Unterstützung. Als Assistenten erhält sie den kauzigen Apollinaire, der jahrelang ins Archiv der Polizei verbannt war. Zusammen richten sie ihr provisorisches Büro ein und ermitteln in der verschworenen Dorfgemeinschaft. Daneben bleibt jedoch noch ausreichend Zeit, um private Angelegenheiten zu verfolgen und ungewollt lernt Isabelle auch die Männer der Region kennen.

Band eins der Krimireihe um Kommissarin Isabelle Bonnet. Pierre Martin, das bislang nicht gelüftete Pseudonym eines deutschen Autors, bedient sich der gängigen Versatzstücke für leichte Krimis in der französischen Provinz: ein Ortsfremder Ermittler, die zunächst abweisende Dorfgemeinschaft, die auch im Mord zusammenhält, Landschaftsbeschreibungen und regelmäßiger Genuss der regionalen Speisen. In dieser Hinsicht ist der Roman keine große Überraschung und kann die Erwartungen voll erfüllen.

Die Ermittler haben einen gewissen Charme, so dass man ihnen gerne bei der Spurensuche folgt. Die Figuren wirken insgesamt authentisch und das Ambiente ist dem Autor ebenfalls gut gelungen. Der Fall hat ungeahnte Entwicklungen, verzichtet aber auf spektakuläre Action und brutale Details. So entsteht ein perfekter leichter Krimi für heiße Sommertage.

Martin Walker – The Templars‘ Last Secret

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Martin Walker – The Templars‘ Last Secret

Rural France, St Denis in the Périgord region. Police officer Bruno this time has company: the Justice Ministry has send Amélie Plessis to get insight into basic police work. Before they can really get to know each other, they are called to the Commarque castle where a young woman was found dead. She seems to have been about to write some graffiti on the wall when she fell down. But soon they detect traces of foul play. The place of the crime scene does not seem to have been chosen by coincidence and soon Bruno and Amélie have to realise that they are not dealing with a simple murder case here, killing out of love or the like, but they are in the middle of an international plot of terrorism which threatens the lovely and peaceful region.

In his tenth case, we meet Bruno as we already know him from former novels: down to earth, a weakness for good food and the landscape and in order to solve his cases, he relies on his knowledge of the human nature and his good contacts in the region. Another woman enters the bachelor’s life, but this time she does not immediately win his heart, they have a rather professional relationship which turns over to some kind of friendship and liking. Both protagonists seem to be quite authentic and drawn from life.

The case is much more complicated than most of the others before. This time, the cause does not lie within the region or the people from the Périgord, but Martin Walker constructs a complex case of well-known Templar legends which are always attractive to a lot of people due to the mysteries around the order and any unanswered questions – not to talk of the Holy Grail – combined with international terrorism and threats as we, sadly, have witnessed in the last few years in Europe. I especially liked the development of the plot which made absolutely sense from an investigative point of view and was in no way farfetched in its extent.

All in all, exactly what I would expect in a novel from the Bruno series: an interesting case of murder embedded in the beautiful French countryside with hints at its food and culture.

Michel Bussi – Beim Leben meiner Tochter

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Michel Bussi – Beim Leben meiner Tochter

Ein Hotel am idyllischen Strand, wie gemacht für die junge Familie Bellion mit der bezaubernden Tochter Josapha. Doch dann beginnt der Alptraum: Mutter Liane wollte sich nur kurz auf das Zimmer zurückziehen; als Vater Martial eine Stunde später nach ihr sieht, ist sie verschwunden und im Zimmer eindeutig Spuren eines Verbrechens. Niemand hat die hübsche Französin weggehen sehen. Der Ehemann steht unter Verdacht, obwohl er selbst die Polizei informiert hat. Ein weiterer Mord auf der Insel La Réunion zieht die Schlinge um Martials Hals enger. Als die Polizei ihn verhaften will, flüchtet er mit dem Kind. Eine Hetzjagd beginnt. Was hat der Mann vor und wo ist der Leichnam seiner Frau?

Mein dritter Roman von Michel Bussi konnte leider nicht das halten, was ich mir von ihm versprochen hatte. Waren die beiden Vorgänger – „Die Frau mit dem roten Schal“ und „Das verlorene Kind“ – geprägt von Hochspannung, fehlte mir diese hier etwas. Auch wenn durch schnelle Wechsel und parallel verlaufende Handlungsstränge versucht wird, das Tempo der Handlung hoch zu halten und die Verfolgungsjagd durchaus immer wieder Spielraum für vielerlei Ausgänge lässt, konnten mich vor allem die Figuren nicht überzeugen.

Zunächst die Tochter Josapha. Immer wieder übernimmt schlüpft an als Leser in ihren Kopf und erfährt eine verstörende Diskrepanz zwischen der Innen- und Außensicht. Ein kleines Mädchen, das gerne spielt wird plötzlich zur scharf analysierenden Tochter, die kleinste Details beobachtet und die richtigen Schlüsse zieht. Dies passte für mich in keiner Weise zusammen. Der Perspektivenwechsel war meines Erachtens insgesamt völlig überflüssig für die Handlung. Auch Martial konnte bei mir nur wenig Sympathiepunkte erreichen. Es ist offenkundig, dass er nicht der Mörder ist und mehr hinter der Geschichte steckt, aber dadurch, dass Bussi uns als Leser zu lange von der Auflösung fernhält, kann man für sein Agieren und sein Leid nicht wirklich Mitgefühl aufbringen. So erscheint vieles, was er tut, irrational. Auch die Polizisten sind mir dieses Mal zu eindimensional, um authentisch zu wirken. Gelungen hingegen war die Einbettung der Insel im Indischen Ozean in die Handlung. Sehr viele spezifische Eigenarte der Bewohner und der Topographie fließen mit ein, wodurch der Roman eine ganz eigene Atmosphäre erhält und die Handlung nicht beliebig an einen anderen Ort verlegt we5rden könnte.

Zwar lösen sich am Ende alle Fragen und das Konstrukt der Geschichte war tatsächlich recht interessant ausgedacht, aber insgesamt packt der Roman zu wenig, um wirklich zu überzeugen.

 

Barbara Vine – The Birthday Present

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Barbara Vine – The Birthday Present

Ivor Tesham ist 1990 ein aufstrebender Abgeordneter der Tories. Margaret Thatcher regiert das Land und dem attraktiven jungen Politiker steht eine glänzende Karriere bevor. Das einzige, was er nicht hat, ist die glückliche Familie. Dafür aber eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die seine Leidenschaft für Rollenspiele beim Sex teilt. Zu ihrem Geburtstag will er ihr eine besondere Freude machen und eine Entführung inszenieren – doch dabei läuft etwas schief und Hebe sowie ein weiterer Mann sterben, ein dritter wird schwer verletzt. Ivor hat Angst um seine Karriere und meldet sich daher nicht bei der Polizei. Doch es gibt Menschen, die von der Affäre wissen und so macht sich der kaltblütige Politiker erpressbar.

Die Geschichte wird rückblickend aus Sicht von Ivors Schwager erzählt, weshalb Ivor seine Geschichte nicht selbst erzählen kann, bleibt zunächst unklar. Der Schwager ist ein braver Familienvater und spart nicht mit der Analyse der Diskrepanz zwischen Ivors tatsächlichem Verhalten und dem öffentlichen Bild des konservativen Politikers mit reiner Weste. Er ist immer wieder schockiert, wie abgebrüht Ivor Entscheidungen vor dem Hintergrund seiner Karriere trifft und dabei die Menschen völlig aus den Augen verliert.

Neben Ivor spielt Hebes Freundin Jane, die ihr regelmäßig Schützenhilfe beim Betrug leisten musste, eine wesentliche Rolle. Der Abstieg der jungen und intelligenten Frau ist grausam mit anzusehen. Einerseits versucht sie ihre Cleverness zu nutzen, dann scheitert sie wiederum an ihrer Menschenkenntnis und der Gutgläubigkeit, die bisweilen regelrecht naiv wirkt. Sie ist für mich – neben zahlreichen anderen – das Hauptopfer der Geschehnisse zu denen sie nichts beigetragen hat, die aber ihr Leben zerstörten.

Machtbesessenheit, Gier und Egoismus sind die Triebfedern des Romans, der gnadenlos mit seinen Figuren umgeht und sie für ihre Fehltritte zahlen lässt.

Denzil Meyrick – Tödliches Treibgut

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Denzil Meyrick – Tödliches Treibgut

Eigentlich ist Glasgow sein Revier, aber im entlegen Küstendorf Kinloch wird eine abscheulich zugerichtete Frauenleiche angespült und vor Ort sind keine geeigneten beamten, um den Fall zu lösen. DCI Jim Daley wird also in die Provinz abkommandiert, wo man den Fremden scharf beäugt. Jeder scheint auf dem Laufenden zu sein und mehr als die Polizei zu wissen. Da es nicht bei einer Leichte bleibt, muss Verstärkung angefordert werden. Mehrere Leichen, ein internationales Drogenkartell, korrupte Beamte – bald schon weiß Danley nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Und da rauscht auch noch seine frustrierte Gattin mit dem blasierten Schwager an. Seine Eheprobleme sind nicht gerade förderlich bei der Lösung des komplexen Falles.

Der erste Roman aus Meyricks Serie um DCI Jim Daley, die nun erstmals in deutscher Sprache erscheint. Zwei Dinge kann man ganz klar ehrauslesen: 1. Der Autor kennt seine Heimat und die Bewohner sehr gut. Akkurat zeichnet der die Figuren, die geprägt sind von ihrer Umgebung am Rande Großbritanniens. 2. Der Autor war selbst Polizist in Strathclyde, bevor er anfing zu schreiben und kann vor allem sehr plastisch darstellen, wie es den jungen Constables ergeht.

Der Fall entwickelt ungeahnte Komplexität, die jedoch nach und nach sauber wieder aufgelöst und glaubwürdig zu Ende geführt wird. Ein paar Handlungspunkte waren etwas vorhersehbar, aber das ist in der Gesamtschau vernachlässigbar. Der Protagonist kann überzeugen, kein Superheld, sondern menschlich mit nachvollziehbaren Schwächen aber genauso liebenswerten Charakterzügen. Insgesamt lebt der Krimi ganz eindeutig von der Atmosphäre, die authentisch für einen kleinen Ort wirkt: jeder kennt jeden, alles spricht sich schnell rum, Unangenehmes wird unter den Teppich gekehrt, und ein Glas Alkohol mehr geht auch immer. Alles in allem eine durchaus ansprechende Serie, die vielleicht im Original durch die sprachliche Umsetzung des Schottischen Dialekts noch einen Tick besser sein dürfte.

James Patterson – Gefahr am Airport

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James Patterson – Gefahr am Airport

Gemeinsam zwei Wochen in Griechenland ausspannen, den Alltag vergessen und es sich gutgehen lassen. Matt Bates und sein Freund Chaz Shoeman treffen sich am Airport von London, um gemeinsam in den Urlaub zu fliegen. Doch am Terminal kommt ihnen eine Gruppe Scheichs seltsam vor und nur kurz darauf wird der Verdacht der Ex-Militärs bestätigt: eine Gruppe von Islamisten hat einen Anschlag vorbereitet, der mit einer Geiselnahme beginnt und in der Zündung einer chemischen Bombe enden soll. Das Sicherheitspersonal kann nicht mehr eingreifen, Matt und Chaz sind nicht nur auf sich allein gestellt, sondern halten auch das Leben unzähliger Unschuldiger in ihren Händen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

James Patterson ist eine feste Größe im Krimigenre, seine Serien um Alex Cross oder den Women’s Murder Club sind legendär. Seit einiger Zeit gibt es auch die knackigen Bookshots, Kurzkrimis, die ohne viel Nebenhandlung auskommen und auf guten 100 Seiten in aller Kürze eine spannende Geschichte für zwischendurch erzählen.

War ich bei den bisherige Bookshots begeistert davon, wie es einem Autor, der für komplexe Handlungen bekannt ist, gelingt, sich auch auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei dennoch zu unterhalten, so blieb „Gefahr am Airport“ hinter den Erwartungen zurück. Die beiden Protagonisten Matt und Chaz bleiben mir zu vage, vor allem wird nie klar, was genau in ihrer Vergangenheit vorgefallen ist, dass die unehrenhafte Entlassung veranlasste. Die Handlung an sich ist glaubwürdig, gerade vor den Geschehnissen der vergangenen Tage in Manchester hat man sicher keine Zweifel an der Möglichkeit eines solchen Anschlags in London. Jedoch ist es für mich eher weniger überzeugend, dass zwei Männer sich gegen ein so großes Himmelfahrtskommando erfolgreich durchsetzen. Für Actionfans mögen gerade die letzten Kapitel auf dem Weg zur bevorstehenden Explosion besonders spannend sein, mir hätte hier ein wenig mehr Tiefe besser gefallen als doch recht banale Action.

Alles in allem, ein überzeugendes Grundkonstrukt, jedoch mit einigen Schwächen umgesetzt.

Paula Hawkins – Into the Water

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Paula Hawkins – Into the Water

Welcher böse Fluch lastet auf dem Fluss nahe Beckford, der bereits mehrere Frauenleben zu verantworten hat? Erst im Frühling fand die erst 15-jährige Katie dort den Tod, nun auch Nel, die Mutter von Katies bester Freundin Lena. Nel war besessen von dem sogenannten „Drowning Pool“, der immer wieder Frauen angezogen hat. Allerdings ist dieses Mal die Lage etwas anders, Nel hat mehrfach vor ihrem Tod versucht ihre Schwester Jules zu erreichen, die beiden hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr. Jules hat die Anrufe registriert, aber nie entgegengenommen. Sie ist sich allerdings sicher, dass Nel niemals Selbstmord begangen hätte. Vieles passt in dem Ort nicht zusammen und je tiefer Jules und die beiden Polizisten Sean Townsend und Erin Morgan nachforschen, desto mehr Verbrechen kommen sie auf die Spur.

Dieses Buch ist in der Hörversion eine echte Herausforderung. Gelungen sind die unterschiedlichen Sprecher, die den einzelnen Charakteren, die jeweils abwechseln aus ihrer Sicht die Geschehnisse erzählen, ihre Stimme verleihen und so ein wenig helfen, den Überblick zu behalten. Insgesamt erschienen es mir aber viel zu viele Figuren, die gerade zu Beginn nicht einfach zu unterschieden waren und deren Verhältnis zueinander ebenfalls nicht immer ganz klar war. Leider leiden sie fast aller unter Charakterzügen, die sie nicht gerade besonders liebenswert machen, was ich ebenfalls nicht einfach finde, man möchte ja doch so etwas wie Empathie gegenüber den Figuren empfinden.

Die Geschichte an sich ist komplex und immer mehr Nebenstränge entwickeln sich, die jedoch nicht alle besonders glaubwürdig sind und für mich zum Teil sehr konstruiert wirken. Insbesondere Jules Verhalten erscheint mir absurd, steht aber vielen anderen diesbezüglich in nichts nach. So richtige Spannung kam leider nie auf, dafür war die Erzählung oftmals zu sprunghaft und konfus und kaum auf das Wesentliche fokussiert. Auch wenn am Ende alle Zusammenhänge aufgeklärt und der Fall quasi gelöst ist, stellt sich kein befriedigendes Gefühl bei der Story ein.

„The Girl on The Train“ konnte mich insgesamt überzeugen, Paula Hawkins aktueller Roman jedoch ist mir zu schwach, um mit dem Vorgänger mithalten zu können.

Denzil Meyrick – Die Mädchen von Strathclyde

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Denzil Meyrick – Die Mädchen von Strathclyde

Constable Jim Daley ist noch recht neu bei der Polizei von Glasgow und zum banalen Streifendienst verdonnert. Eigentlich träumt er ja davon, irgendwann einmal bei der Kripo Mordfälle lösen zu können. Ein Anruf eines besorgten Nachbarn liefert ihm auch schon eine Leiche: Tracey Greene wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Was zunächst den Anschein eines goldenen Schusses einer sich prostituierenden Drogenabhängigen erscheint, stellt sich rasch als heimtückischer Mord heraus. Schon der dritte innerhalb kürzester Zeit in Glasgow. Jim erhält seine Chance und hat schon bald eine Verbindung zu einem stadtbekannten Obdachlosen im Visier. Dass diese Verbindung noch viel mehr beinhaltet, als das Zusammentreffen zweier gesellschaftlicher Außenseiter, ahnt er noch gar nicht.

Ein knackiger Kurzkrimi, der interessanterweise im Jahr 1986 angesiedelt ist. Handys, Internet, jede Form der modernen Kommunikation entfällt und auch anstelle von Computern sind noch Schreibmaschinen im Einsatz. Eine angenehme Abwechslung im Genre, die von Denzil Meyrick auch glaubwürdig und in die Zeit passend umgesetzt wird.

Aufgrund der Kürze kommt der Krimi weitgehend ohne groß Schnörkel und Nebenhandlungen aus, sondern bleibt recht fokussiert auf den Fall. Die Lösung findet sich entsprechend zügig, aber nicht unglaubwürdig übereilt. Die Spuren sowie das Motiv sind für mich überzeigend und die Handlung insgesamt glaubwürdig. Alles in allem, ein für die Länge passabler Fall, der bei der Figurenzeichnung etwas an Format hätte gewinnen können.

Jérôme Leroy – Der Block

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Jérôme Leroy – Der Block

Eine Nacht in Paris. Zwei Männer lassen uns an ihren Gedanken teilhaben. Antoine Maynard, Schriftsteller, Intellektueller und Ehemann der bald wichtigsten Frau im Land wartet auf ihre Rückkehr. Im Fernsehen betrachtet er die aktuellen Meldungen zu den seit Wochen anhaltenden Aufständen. Schon 752 Tote. Das wird der Partei in den laufenden Verhandlungen helfen. Er erinnert sich zurück an seine Anfänge, einerseits intelligenter Schüler, der die meiste Zeit mit Bücher verbrachte, gleichzeitig aber auch Karriere als brutaler Einheizer der extremen Rechten, der Jagd auf Muslime, Schwarze und Juden gleichermaßen machte. Doch der rechte Pöbel ist salonfähig geworden und am Ende dieser Nacht werden sie gleich mehrere Ministerien besetzen. Begleitet bei seinem Aufstieg hat ihn Stéphane Stankowiak, Stanko, der neue Leute rekrutierte und für den Straßenkampf ausbildete. Aber Stanko ging einmal zu weit und heute Nacht ist die Order ausgegeben, ihn zu lynchen. Beide Männer warten auf ein Zeichen, das die Grübeleien beendet und doch können sie sich vor den Erinnerungen nicht schützen. Individuelle Erinnerungen, die den fatalen Aufstieg einer extremen Partei beschreiben.

Man muss bei der Besprechung des Buchs eigentlich von hinten anfangen. Das Nachwort des Autors ist wichtig bei der Einordnung seines Romans, den er selbst als „Roman noir“ bezeichnet und somit die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt und die gesellschaftskritische Relevanz verdeutlicht. Die Fiktion versucht möglichst nah an der Realität zu bleiben, da sie diese zum wesentlichen Inhalt hat – aber wie kann man über eine extreme politische Partei schreiben, ohne juristische Konsequenzen gleich mit einzukalkulieren? Ein schmaler Grat, der Jérôme Leroy zweifelsohne gelungen ist. Man erkennt den Front National, obwohl er entsprechende Modifikationen vorgenommen hat. Es sind aber auch nicht die ganz prominenten Gesichter der Partei, die ihm Roman handeln, sondern zwei fiktive Nebenerscheinungen, die in dieser Weise real sein könnten oder auch nicht.

Die beiden Ich-Erzähler könnten verschiedener kaum sein, umso interessanter aber, wie sie den Weg zu dieser Partei und dort offenbar eine Ersatzfamilie gefunden haben. Antoine, als Autor wenig beachtet trotz der erzielten Erfolge. Sein Talent im Umgang mit der Sprache und seine Liaison mit der Lieblingstochter des „Alten“, in den 80ern und 90ern unangefochtene Nummer 1 der Partei, macht ihn wertvoll für die Bewegung, kann er doch sprachlich passend neue Zielgruppen erschließen. Interessiert an Geschichte und bedingt durch seine eigene Familie ist er bestens vertraut mit den Geschehnissen in der Welt und doch ist die Partei für ihn attraktiv – womöglich aber liegt hier der besondere Reiz in seiner Ehefrau, für die er seinen Beruf und sein Leben opfert und die heute die Nummer 1 ist und bald auch im Land die wichtigste Person sein wird.

Das extreme Gegenteil davon ist Stanko. Spross einer geradezu typischen Arbeiterfamilie. Als Jugendlicher schon hat er die Untreue der Mutter beobachtet, zugesehen, wie sein Vater die Arbeitslosigkeit im Alkohol ertränke und war bald schon Opfer eines Pädophilenrings geworden. Entwurzelt mit wenig Bildung hat er schnell den Weg zu radikalen Schlägertrupps gefunden. Trotz aller Bemühungen Antoines seinen Intellekt ein wenig zu fördern, ist Stanko doch immer der primitive Arbeiter fürs Grobe geblieben. Und jetzt braucht und will man ihn nicht mehr.

Verwundert schaut man aus Deutschland auf das Nachbarland und den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Front National. Wer, mit auch nur einem Funken verstand, kann diese Partei unterstützen? Jérôme Leroy gibt Antworten in seinem Roman:

„On nous cache tout. On nous dit rien. Man verheimlicht uns alles. Man sagt uns gar nichts, singt Jacques Dutronc. Genau dieses primitive Ressentiment treibt, unausgesprochen, den Durchschnittsfaschisten an“

Das Gefühl von den Regierenden nicht ernstgenommen zu werden und Wesentliches verheimlicht zu bekommen, lässt den kleinen Mann zu denjenigen rennen, die Wahrheit und Ehrlichkeit versprechen. Die große Masse jedoch bleibt passiv-apathisch in ihrem Alltag gefangen. Schon lange interessieren sie sich nicht mehr für das, was über ihr eigenes Heim hinausgeht. Sicherlich extrem formuliert, aber in der Aussage nicht zu verachten:

„Du fragst dich in dieser Nacht wirklich, was eher deinen Respekt oder dein Opfer verdient: eine Gesellschaft, in der neun von zehn Paaren, wenn sie aus dem Kino kommen, zuerst ihr Handy wieder einschalten, bevor sie miteinander sprechen, oder eine Gesellschaft, in der eine junge, verschleierte Frau fähig ist, sich an einem Grenzposten selber in die Luft zu jagen, im Namen ihres Volkes und ihres Glaubens?”

Wer kurz vor der Präsidentschaftswahl am 23.4. und 7.5.2017 verstehen will, weshalb der FN mit seiner Anführerin Marine Le Pen durchaus eine Chance hat, sollte zu Leroys Roman greifen. Und wer endlich einen Anstoß braucht, nicht mehr nur zuzuschauen, was sich in Europa gerade an extremen Parteien widerstandslos formiert, sollte dieses Buch ebenfalls lesen.

Daniel Silva – Der englische Spion

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Daniel Silva – Der englische Spion

Ein unglaublicher Anschlag: die Exfrau des britischen Thronfolgers wird auf hoher See ermordet. Der Anschlag trägt die Handschrift eines Mannes: Eamon Quinn, der beste Sprengstoffexperte, den die IRA jemals hatte. Die britische Regierung steht unter Zugzwang und erhält Hilfe vom israelischen Geheimdienst, denn niemand anderes als Gabriel Allon, designierter neuer Chef des Dienstes, hat mit Quinn noch eine Rechnung offen. Zusammen mit Christopher Keller, einem ehemaligen SAS Offizier, begibt er sich auf die Suche, nicht ahnend, mit wem sie sich außer Quinn noch angelegt haben, denn dieser arbeitet auf fremde Rechnung.

Band 15 aus Daniel Silvas Reihe um den israelischen Agenten Gabriel Allon bietet alles, was man von einem Krimi im Agentenmilieu erwarten kann: rasante Ortswechsel, immer neue Spuren, globale Verwicklungen, Spionagetechnik auf höchstem Niveau und manchmal auch einfach brutale Gewalt ohne Rücksicht auf Verluste. Dies macht es nicht immer ganz einfach dem Hörbuch zu folgen, denn die Handlung ist komplex und zu lange Hörpausen lassen einem schnell mal die Details vergessen.

Im Fokus stehen die beiden Agenten Gabriel Allon und Christopher Keller, wobei insbesondere ersterer sehr vielschichtig gezeichnet wird und erfreulicherweise ohne stereotype Zuschreibungen auskommt. Bedingt durch seine persönliche Geschichte ist er gebrochen, hat Dämonen, die ihn verfolgen und manchmal an den Rand der Handlungsfähigkeit bringen. Dies macht ihn authentisch und vor allem menschlich. Er ist nicht der Superheld, dem kein Anschlag, keine Verletzung etwas anhaben kann, sondern muss auch Niederlagen hinnehmen und immer wieder aufstehen und sich neu für den Kampf rüsten.