Dale Peck – Night Soil

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Dale Peck — Night Soil

Judas Stammers lives a peaceful life with his mother. He does not know anything about his father; only when he dies and leaves him masses of books and money does he actually notice this person. His mother is a potter and to their astonishment, her pots sell for an unbelievable amount of money that they actually do not need since their ancestors were coal magnates and founders of the Academy, a private school that also Judas attends. His mother often leaves him alone and the fact of being an outsider makes Judas ruminate a lot about life, his personality and also the history of the place he lives in.

I admittedly did not really get into the novel. Somehow for me, the narration did not completely make sense. I guess this was due to the fact that Judas narrates the long history of his family with masses of enumerations which made me lose the red threat. I found his personality quite interesting, but whenever I had the impression that the novel gets more fascinating and focuses on his development, the plot turned to something different. The end of the novel what highly noteworthy, the philosophical treatise about the parable – but how does this connect to the rest? To finish with something positive: I found many parts hilarious, I liked Judas style of narration, the way he puts his words, the comparisons, but this unfortunately could not counterbalance the weaknesses of the plot that I perceived.

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Holly Bourne – Am I Normal Yet?

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Holly Bourne – Am I Normal Yet

Alles, was Evelyn, genannt Evie, möchte, ist normal sein. Zur Schule gehen, Freunde haben und zum ersten Mal einen Jungen küssen. Einmal wöchentlich geht sie noch zu ihr Therapeutin Sarah, ansonsten hat sie ihr Leben wieder gut im Griff. Die Medikamente kann sie langsam reduzieren und in Amber und Lottie findet sie am neuen College auch schnell zwei gute Freundinnen. Sie hat sogar ihr erstes Date, das jedoch etwas anders verläuft als gedacht. Auch das zweite ist eher ein Reinfall. Alles macht den Anschein als wenn Evie eine völlig durchschnittliche 16-Jährige wäre. Doch in ihrem Kopf rasen die Gedanken: kann sie ihren Freunden sagen, dass sie an OCD leidet und regelmäßige Panikattacken erleidet aus Angst, sich mit irgendwelchen Keimen zu infizieren? Nein, sie würden sicher nicht verstehen, weshalb sie permanent Desinfektionsmittel mit sich herumträgt und sie nur Glück hat, wenn sie bestimmte Dinge sechs Mal wiederholt. Die Therapie schlägt gut an und Evie kann zunehmend die Dosis reduzieren, doch sie merkt, dass ihre Gedanken sich zunehmend wieder stärker um ihr obsessives Verhalten drehen und ihr ein Rückfall droht. Aber der darf nicht kommen, sie will nicht versagen, sie will normal sein, daher darf niemand merken, wie schlecht es ihr tatsächlich geht.

Holly Bournes Roman hat zahlreiche Preise gewonnen und es auch auf die Shortlist unzähliger weiterer geschafft, was sich sehr leicht nachvollziehen lässt, denn es ist ihr gelungen ein Jugendbuch über eine psychische Erkrankung zu schreiben, das weder die Krankheit verharmlost, noch einfache Antworten gibt und dabei auch viele lustige Seiten aus dem Leben der Mädchen zeigt. Ihre Geschichte wirkt durch und durch authentisch und glaubwürdig, was sie nicht nur wegen der Thematik aus der Masse der Coming-of-Age-Romane abhebt.

Es ist vor allem die junge Protagonistin und Erzählerin, die die Geschichte trägt. Evie ist einerseits völlig normal und ist mit den Dingen beschäftigt, die Gleichaltrige ebenso umtreiben: Freundschaften, erste Liebe, Schule und die Familie. Sie ist nicht nur ihre Krankheit, auch wenn diese regelmäßig in ihr Leben eingreift und es verkompliziert. Vor allem die Sorge, als „gestört“ abgestempelt zu werden, hält sie davon ab, offen mit ihrer Situation umzugehen. Ein Erlebnis mit einem Klassenkameraden, der ebenfalls an Angststörungen leidet, scheint auch zu unterstreichen, dass trotz aller Fortschritte der Gesellschaft in den letzten Jahren psychische Erkrankungen ein Stigma bleiben.

Sehr gut gelungen ist der Autorin auch, den Club der der Freundinnen zum einen sehr unterschiedlich zu gestalten und sie zum anderen mit essentiellen Fragen nach der Rolle von Frauen und Mädchen auseinandersetzen zu lassen: welche widersprüchlichen Erwartungen haben Jungs an sie und inwieweit wollen sie gefallen und sich selbst und ihre Ideale dafür hintenanstellen. Es kommt tatsächlich etwas unerwartet, die Feminismus-Debatte in einem Jugendbuch zu finden, aber es wirkt weder gezwungen noch wäre es unpassend, denn die Mädchen finden in ihrem Alltag bereits unzählige Beispiele für kritische Situationen, in denen junge Frauen offenkundig benachteiligt werden und dies zum Teil auch selbst fördern und aufrechterhalten. Auch diese Diskussionen werden völlig altersgemäß und aus dem Blick von 16-Jährigen geführt.

Der Originaltitel des Buches „Am I Normal Yet“ geht noch etwas offensiver an die Thematik als der deutsche „Spinster Girls- Was ist schon normal?“, was ich eigentlich besser finde. Ein rundherum gelungener Roman, der nicht nur jugendliche Leser überzeugen dürfte.

Lena Gorelik – Mehr Schwarz als Lila

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Lena Gorelik – Mehr Schwarz als Lila

Sie waren immer zu dritt, Alex, Paul und Nina genannt Ratte. Drei Freunde, die sich alles erzählten, den Kummer teilten und sich trösteten. Sie haben ihre eigenen Spiele, die niemand sonst versteht und die sie nicht teilen. Doch dann kommt der neue Referendar und plötzlich sind da vier. Alex freut sich auf jede Stunde bei ihm, Paul teilt mit ihm die Interessen für Kunst und Ratte verbringt mehr und mehr Zeit mit S. Immer mehr entfernen sie sich, aus dem festen Molekül der Freundschaft werden wieder Atome, andere Moleküle. Doch eine Klassenfahrt wird sie wieder zusammenschweißen, bis das Unglaubliche passiert, das Ungehörige, über das jeder sprechen wird und das die letzten Wochen und Monate in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Lena Gorelik findet in „Mehr Schwarz als Lila“ ebenso die Stimme von Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenen, wie ihr das auch schon in „Null bis unendlich“ überzeugend geglückt ist. Dieses Mal sind es die widersprüchlichen Emotionen, das Zueinanderfinden und sich verlieben, das die jugendlichen Protagonisten ehrausfordert. Die Erwachsenen taugen dabei auch nur bedingt als Vorbild: Alex‘ Vater trauert immer noch seiner Frau nach, die seit inzwischen fast zehn Jahren tot ist. Alex muss ohne Mutter groß werden, ohne jemandem, mit dem sie über das sprechen könnte, was sie verwirrt, ihr Papagei ist da nur ein schwacher Ersatz. Auch „Johnny“ wie sie den Referendar privat nennen, ist selbst noch mehr auf der Suche als dass er Hilfe bieten könnte.

Die Ich-Erzählerin Alex spricht nicht nur zum Leser, sondern sie spricht auch den Menschen an, den sie zu lieben glaubt. Es dauert etwas, bis man durschaut, dass sie ihren Lehrer damit meint. Auch das Zeitkonstrukt erschließt sich erst beim Lesen, beginnt sie doch damit, dass Paul verschwunden ist, warum dies geschah, muss jedoch erst rückblickend aufgelöst werden. Beides lenkt jedoch nicht von der emotionalen Achterbahn der 17-Jährigen ab, die ihre Gefühle nur schwer einordnen kann und so fokussiert auf sich ist, dass vieles um sie herum geschieht, ohne dass sie sich dessen bewusst wäre. Diese Blindheit für die Umwelt ist so typisch für das Alter und doch so singulär eingefangen in diesem Roman.

Klingt die Geschichte fast banal, hundertfach erzählt in immer wieder neuen Varianten desselben Stoffes, ist Lena Goreliks Roman doch viel mehr als ein durchschnittliches Jugendbuch über die erste Liebe. Es ist vor allem die sprachliche Versiertheit der Autorin, die den Roman aus der Masse der Coming-of-Age-Jugendbücher hervorhebt, denn ihre Protagonistin geht vorsichtig mit der Sprache um, analysiert sie beim Erzählen und drängt immer wie das Was hinter das Wie zurück.

Maya Angelou – I Know Why the Caged Bird Sings

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Maya Angelou – I Know Why the Caged Bird Sings

Marguerite und ihr älterer Bruder Bailey werden schon als kleine Kinder von den Eltern weggeschickt und wachsen bei der Großmutter und dem behinderten Onkel in Arkansas auf. Die ländliche Gegend ist geprägt vom Rassismus gegenüber den Schwarzen, davor schützt auch der relative Reichtum der Großmutter nicht und schon in jungen Jahren müssen die beiden Geschwister lernen, dass sie in diesem Land nur Menschen zweiter Klasse sind. Unerwartet können sie die lieblose Zuflucht bei der Großmutter beenden und wieder zu ihrer Mutter, die Marguerite wegen ihrer Schönheit immer bewundert, ziehen. Dort jedoch wird das Mädchen vom Freund der Mutter vergewaltigt und soll vor Gericht aussagen. Zu sehr eingeschüchtert kommt es so nur zu einer geringen Strafe des Mannes, der jedoch unmittelbar nach dem Urteil der Selbstjustiz zum Opfer fällt. Auch als Jugendliche wird das Leben nicht einfacher, zwar entwickelt sich Marguerite nach einer Phase des Verstummens ob der grausamen Erlebnisse zu einer belesenen und intelligenten jungen Frau, aber weiterhin begleiten Rassismus und offener Hass auch innerhalb der Familie ihren Weg. Verwirrt von ihren Gefühlen glaubt sie schließlich lesbisch zu werden; um dieses abzuwenden, bittet sie einen Nachbarsjungen sie zu entjungfern, was prompt in der Schwangerschaft des Teenagers endet.

Maya Angelou, geboren 1928 und eines der Gesichter des Civil Rights Movements, verarbeitet in dem Roman ihre Erlebnisse als Kind und Jugendliche. „I Know Why the Caged Bird Sings“ ist der erste von sieben Bänden ihrer Autobiographie und steht repräsentativ für das Leben vieler Schwarzer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie war mit Martin Luther King ebenso befreundet wie mit Malcolm X und wurde Anfang der 1980er Jahre zu einer der ersten schwarzen Frauen mit einer Professur.

Der Titel ist einem Gedicht von Paul Laurence Dunbar entnommen, das beschreibt, wie der verletzte Vogel sich dennoch in seinem Käfig auflehnt und nach Freiheit begehrt; sein Schrei ist nicht einer der Freude, sondern ein Gebet an den Himmel geschickt und aus tiefstem Herzen kommend. So wie der Vogel ist auch die junge Marguerite gefangen in einer Gesellschaft, die ihr nicht die Möglichkeiten gibt, von denen sie träumt, sondern brutal immer wieder vorführt, welche Rolle man für sie vorgesehen hat. Angelou lässt nichts aus an Hass und Gewalt, die das Mädchen miterleben muss. Auch die Folgen dieser Erlebnisse, wie etwa das Verstummen des Mädchens für mehrere Jahre, werden sehr deutlich nachgezeichnet. So wie sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Stimme wiedererlangt, wird sie auch zu einer Stimme für die Unterdrückten werden und ein Leben lang ihren Kampf für Gerechtigkeit kämpfen.

Leider steht Maya Angelou meist im Schatten Harper Lees und Toni Morrisons, wenn es um weibliche Stimmen im Kampf gegen den Rassismus in den USA geht. Völlig zu Unrecht, denn die Tatsache, dass ihre Romane autobiographischer Natur sind verleihen ihnen noch mehr Aussagekraft. Auch sprachlich kann sie mit ihrem direkten und in diesem Roman noch etwas naiven Stil überzeugen, trifft sie doch genau den Ton der jungen Marguerite, die ihren Platz im Leben erst noch finden muss.

Carol Rifka Brunt – Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

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Carol Rifka Brunt – Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird; die Krankheit, die er hat, hat zwar inzwischen einen Namen, aber man ist noch weit davon entfernt, ihren tödlichen Verlauf abbremsen oder gar aufhalten zu können. Noch ein letztes Bild will der Maler Finn erschaffen, von seinen beiden geliebten Nichten Greta und June. New York Mitte der 80er Jahre. Dass ihr Onkel sich mit AIDS infiziert hat, weiß June lange Zeit nicht, es ist auch egal, sie liebt ihn abgöttisch. Und wenn sie nicht die Zeit bei ihm verbringt, streift sie durch die Wälder der Vorstadt. Doch mit dem Tod Finns ist da eine Leere, die sie mit nichts füllen kann. Bis sie Nachrichten erhält. Toby, Finns Lebensgefährte, den sie nie kennenlernen durfte, denn ihm geben ihre Eltern die Schuld an Finns Krankheit. Die gemeinsame Trauer verbindet sie und eine zarte Freundschaft im Verborgenen entsteht.

Carol Rifka Brunts Debutroman, der im den USA mit Lobeshymnen überschüttet wurde, ist ein leiser Roman, der die Nuancen der teils widersprüchlichen, teils harten Gefühle im Umgang mit Verlust und Trauer, aber auch mit AIDS in unglaublicher Weise umzusetzen vermag. Auch wenn das Thema Sterben im Vordergrund steht, haucht sie ihren Figuren so viel Leben ein, dass sie authentisch und glaubwürdig wirken und keinerlei Spuren von Stereotypen oder Klischees aufweisen.

Der Umgang mit AIDS war in den 1980ern, als man wenig darüber wusste und lediglich die Bedrohung wahrgenommen hat, alles andere als entspannt. Dies zeichnet die Autorin im Roman überzeugend nach, die Verzweiflung ob der Hilflosigkeit schlägt in Hass und Ablehnung um, was sich alles in der Figur Toby sammelt. Dieser hat gar keine Chance als Mensch wahrgenommen zu werden, zu stark ist die Projektion der Krankheit auf ihn. Erst durch die langsame Annäherung mit June entfaltet er sein Wesen, das von einer unheimlichen Zerbrechlichkeit ist und die Empathie für ihn nur noch verstärkt.

Aber es ist auch ein Coming-of-Age Roman, in dem ein junges Mädchen erwachsen werden, sich von den Eltern lösen muss und gezwungen wird, Position zu beziehen. Der Verlust eines geliebten und nahestehenden Menschen stößt diesen Prozess an, sie ist am Ende nicht mehr das Mädchen, das sich unbekümmert in den Wald in ihre Traumwelt flüchten kann. Innerhalb nur weniger Wochen werden alle Beziehungen auf eine Probe gestellt und sie müssen eine neue Basis finden, auf der sie weiterhin funktionieren können.

Die Autorin hat eine poetische Sprache gefunden, die sowohl zu den Gesprächen über Kunst wie auch zu den Empfindungen in der Natur passt und diese mit vielen Zwischentönen wiedergibt. Dieser leise und feinfühlige Ton gleitet durch die Handlung und unterstreicht die feinsinnige Figurenzeichnung.

Ein rundum gelungener Roman, den man nach dem Lesen nicht einfach weglegt, sondern der noch nachwirkt.

Ryan Ruby – The Zero and the One

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Ryan Ruby – The Zero and the One

Owen is full of fear. He hates flying, maybe because he hasn’t done it quite so often. But there was no way of avoiding his best friend’s funeral, he has to go to New York to attend the service. How could he end on this plane? Owen Whiting has fought his way from his non-academic family up to Oxford where he spends his first months mostly alone and an outsider. Only when Zach approaches and befriends him do things change. The young American has seen something in Owen that was hidden to the others, Owen is his equal, he can share his thoughts and is ready to transgress the boundaries of life. Still, Owen cannot fully comprehend how it all could have ended like this, maybe he will find answers across the ocean.

“The Zero and the One” keeps the secrets about Zach for quite some time; the structure of narrating the events surrounding the funeral and disrupting them with narratives of the past, postpones the clear picture and the full understanding of the events repeatedly. The beginning was rather slow, nevertheless I liked Owen’s background story, his family, his own expectations of life and his fight for a higher education. After the boys have met, the focus shifts a bit and the whole novel becomes a lot more philosophical. Their treasure hunt for the not so famous author of “The Zero and the One” already provides some suspense, however, it is only in the third part that the action really accelerates and Ryan Ruby can surprise the reader. Never would I have imagined such a story as the one that lies beneath it all.

To some extent, it is a classic coming-of-age novel, on the other hand, we also have quite a typical story of an ambitious young person from a poor background who suddenly enters a completely new sphere where he does not fit in at all and where intelligence and thirst for knowledge just aren’t enough. Thirdly, there is a psychological thrill particularly towards the end which I found most intriguing and fascinating. Zach is the character who can enthral the reader and who is not easily tangible, but here, the protagonist has to offer much more than some well-known cliché.

For quite some time I thought “The Zero and the One” was a good and entertaining novel. The closer I got to the climax and the end, the more I was drawn into it and spellbound.

Eliza Robertson – Demi-Gods

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Eliza Robertson – Demi-Gods

Summertime in the early 1950s. Willa and her older sister Joan would like to have a relaxing time at their summer home together with their mom. But the mother has a new lover, Eugene, and to the girls‘ surprise, Eugene has invited his two sons to spend the summer with them. Kenneth and Patrick are slightly older than the girls immediately attract their attention. No, they definitely are not like brothers and sisters, Joan and Kenneth quickly fall for each other. For Willa and Patrick things are not that easy. Over the next years, they regularly meet and between Willa and Patrick a strange connection is formed. On the one hand, the boy can arouse feelings in her, but on the other, what he is doing to her repels her and she senses that his behaviour is far from being normal and acceptable. But what is there she can to about it? It will take years until she can free herself.

“Demi-God” – according to the Merriam-Webster definition, it is a mythological being with more power than a mortal but less than a god or a person so outstanding as to seem to approach the divine. For all female members of the family, the male counterparts are somehow demi-gods, at least in so far as they cannot refrain from their attraction. The mother is charmed by Eugene, Joan falls for Kenneth and also Willa has a special liking for Patrick. It is not quite clear what makes those three that outstanding, but their appeal is obvious. They can exert power over the women in different ways, but it is only Patrick how openly abuses this.

Before coming to this, what I liked especially about the novel was the atmosphere. You can sense immediately that Eliza Robertson is great at creating certain moods and you actually can feel this carefree time of being young during summer holidays when the days seem endless, when the sun is shining and when there are no worries and fears. I also appreciated her characters, first of all the mother who is neither completely stereotypical but nevertheless clearly represents a certain kind of woman of her time. In the focus of the novel are the girls and their relationship. It is not always easy to be sisters, at times they can confide in each other, at others they can’t. Yet, there is something like unconditional love between them, if one needs the other, she can surely count on her.

In this nice and loving ambiance now enters the evil that can be found in human beings. To name it openly, the novel is about sexual abuse, about menacing and exerting power over a weaker person. Willa is first too young, then unsure of how to react and how to qualify what happens to her. It is not the all bad and awful situation – this is what makes the novel especially impressive. It only happens at single instances, partly, she isn’t even sure if she did actually refuse it or even contributed to it happening. This makes it even more awful, because the girl is left alone with her feelings and worries. She plays normal and hides what has happened. It does not take much to imagine that there might be millions of girls out there suffering from the same abuse and feeling helpless and powerless.

Thus, the novel takes up a very serious topic and hopefully some readers might recognize that what Willa is going through is far from acceptable and can find a way of seeking help if they are in need.

Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

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Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

Ein letztes Mal wollen die Brüder Botho und Arno van Dijk in das belgische Dörfchen Doel fahren, wo einst ihre Großeltern lebten. Das Dorf wird bald nicht mehr sein, der Hafen wird ausgebaut und die Bewohner mussten weichen. Doch die Jungen haben noch ihre Kindheitserinnerungen dort, jeden Sommer haben sie an der Küste verbracht. Angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass von ihrer Kindheit nicht mehr viel geblieben ist. Die Menschen sind weggezogen oder gestorben und auch ansonsten erkennen sie nicht mehr viel wieder. Doch dann werden Botho und Arno eingeholt, der eine spricht zum ersten Mal über das, was nie gesagt wurde und doch sein ganzes Leben bestimmt hat. Der andere macht sich auf das Mädchen nochmals zu treffen, die vielleicht seine Partnerin fürs Leben hätte werden können. Der Schritt nach vorne im Leben beginnt zunächst für beiden mit vielen Schritten zurück in die Vergangenheit.

Stefan Ferdinand Etgeton hat keinen leichten Roman geschrieben. Die beiden Brüder tragen ein schweres Erbe, das jedoch völlig verschieden ist, sie aber jeweils daran hindert, das Leben zu leben, das sie leben wollen. Mit Anfang 30 sind sie eigentlich erwachsen und doch verharren sie noch in der Jugend. Der Zeitpunkt, sich den Dämonen zu stellen, scheint gekommen und damit werden sie recht typische Vertreter ihrer Generation: immer geht es automatisch weiter und das Leben findet in einem so hohen Tempo statt, dass für Innehalten keine Zeit bleibt. Bis der Tag gekommen ist, an dem die essentiellen Fragen gestellt werden: wer bin ich? Wo komme ich her? Wer will ich sein?

Viele Themen werden fast nebenbei angerissen, sind aber für die zentrale Frage dessen, was die Persönlichkeit bestimmt, von wesentlichem Belang. Missbrauchserfahrungen aus der Kindheit, die nie verarbeitet wurden und nicht zwangsweise aber doch häufig in Suchtverhalten und einer gewissen Lebensunfähigkeit enden. Das Verhältnis von Eltern und Kindern, das dann problematisch wird, die Erwartungen der einen Seite und die Träume der anderen auseinanderklaffen. Das Verharren im was-hätte-sein-können, das lähmt und einem daran hindert das zu tun, was man eigentlich tun möchte.

„Das Glück meines Bruders“ – man fragt sich am Ende, wer von den beiden das Glück gefunden hat und worin es besteht. Es scheint als würde die Ausgangskonstellation umgekehrt und der geerdete Botho mit dem bürgerlichen Job als Lehrer gerät in die Rolle des Verlorenen, des Suchenden, dem alle Bezüge zur Realität fehlen, während Arno sich in einer funktionierenden Beziehung mit geregelter Arbeit und einem offenbar hohen Maß an Zufriedenheit wiederfindet.

Wie fragil ist das Glück, das wir empfinden, wenn es durch einen Besuch an einem Ort der Vergangenheit zerbrechen kann? Und wie stabil ist unser Selbstbild – oder ist es doch nur eine gesellschaftliche Rolle, die wir annehmen und die uns gerade passt, vielleicht aber irgendwann zu eng wird? In einer Zeit, die von schnellem Wandel geprägt ist, in der von uns allen erwartet wird, dass wir flexibel und mobil sind, unsere Zelte hier ab und anderer Stelle wieder aufbauen und uns immer wieder auf Neues einstellen sollen, wird die Frage der Identität möglicherweise viele Menschen in einen ähnlichen Strudel stürzen wie Etgetons Protagonisten. Dies könnte tatsächlich eine der Hauptfragen unserer Gesellschaft werden. Bemerkenswert, wie man ein solches Thema doch in einem lockeren und oftmals unterhaltsamen Ton umsetzen kann.

Danya Kukafka – Girl in Snow

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Danya Kukafka – Girl in Snow

No morning routine for janitor Ivan: on his tour around the high school premises he finds the body of Lucinda Hayes, golden girl and now dead. It does not take long to identify possible murders: Ivan first of all, it hasn’t been long since he’s out of prison. Cameron Whitley, the boy from next door who has been stalking Lucinda for quite some time. Jade Dixon-Burns, a slightly overweight outsider who openly hated Lucinda. Mr O. the art teacher who was seen with Lucinda’s diary. Officer Russ Fletcher’s first murder case comes to a very bad moment, his wedding is all but ok and additionally, Ivan is his wife’s brother and Cameron his former partner’s son. How can he objectively investigate this case?

Danya Kukafka has chosen a well-known topic for her debut novel: the murder of the popular teenage girl. Even though many have written about this, she manages to create something new and singular. She provides us with the narrators who tell the story from their point of view and thus slowly unfolds the tragedy of all the three of them – it is not that much the victim herself whom we feel sorry for in the end but much more those three. The author succeeds in creating outstanding characters who really have to tell a story which I found actually from one point on much more interesting than the question who committed the deed.

Let’s start with Jade. From the outside she seems to be the hateful reclusive teenager who is difficult to love due to her negative attitude. Yet, behind this surface, we find a thoughtful girl who has experienced domestic violence, who has to work several jobs in her free time and who lost her best friend Zap to Lucinda. They were really really close, almost could read each other’s thoughts but when they get older and the interest in the opposite sex arises, Zap rejects her mercilessly and in a most offending way which leaves scars forever. Jade has never been popular, often was the victim of bullying, but this rejection breaks something in her. And makes her especially sensitive for other people’s emotions.

Russ, on the other hand, is caught in a conflict. He has a bad conscience for what he has done years before – he always backed his partner, even when he knew that this was not right and when in doing so he was hurting others, especially Cameron and his mother. Is this the point to correct a mistake? However, his mind is also dancing around his wife Inés and how he never really understood her. Do they actually know each other? He doesn’t have a clue about her past in Mexico and doesn’t know how she spends her days. He wanted to make her happy and give her the chance to stay in the USA, but can this, what they have, still be called love? Was it ever love?

Last comes Cameron. He is strange and odd. He is talented in drawing but his obsession with Lucinda is not only weird but morbid. He observes her, spends hours in the evening and night outside her house looking into her window. He even breaks into the Hayes’ house one night and watches her sleeping. He is a bit creepy, but he is also the boy whose police officer father was accused of murder a couple of years back and who has been living only with his mother. As soon as the suspicion falls on him, everybody remembers what his father was suspected of. Cameron does not know what his father has done or hasn’t, but he strongly fears that there is something bad running in his veins. This keeps him from thinking clearly in this situation. And the fact that he has seen the body, doesn’t help to rescue him from being the prime suspect for the reader, too.

The development of those three narrators who tell the story alternatingly gives the novel much more depth than I had expected. Apart from the big question of who is the murder, there are many smaller questions circling around the characters which keep the suspense constantly high. It is not a typical murder novel you cannot put aside due to the high pace and high suspense, no, it rather slowly unfolds and provides you with a complex psychological network of emotions and memories.

Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

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Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Samantha Kingstons Leben ist perfekt: sie gehört zur angesagten Clique der High-School, hat mit Rob einen Freund, um den sie viele beneiden, ist hübsch und reich. Der 12. Februar soll alles perfekt machen: morgens die Valentinstagsgrüße in der Schule und abends wird sie endlich mit Rob schlafen. Alles beginnt ganz normal: die Schule hat nichts Ungewöhnliches zu bieten, dann bereitet sie sich mit den Freundinnen auf eine Party vor. Doch der Abend endet anders als geplant: bei einem Unfall kommen sie ums Leben. Doch am nächsten Morgen wacht Sam wieder auf. Es ist nochmal der 12. Februar und sie kann ihren letzten Tag nochmals erleben und vielleicht was ändern. Sieben Mal wird sich dies für sie wiederholen.

Das Grundkonzept ist eher ungewöhnlich, wenn auch nicht wirklich innovativ, allerdings hat die Autorin genug Humor, die Protagonistin selbst auf „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hinweisen zu lassen. Ansonsten bietet der Roman alles, was das Young Adult Herz begehrt: die High-School mit ihren typischen Alltagssorgen, die von allen bewunderte Mädchen-Clique, die erste große Liebe, viel Gerede über Klamotten und Schminke. Und natürlich der obligatorische erhobene Zeigefinger, dass man doch bitte nicht gemein, sondern nett zu den Mitmenschen sein soll und sich für die Außenseiter einsetzen muss. Alle Stereotypen erfüllt, Leser des Genres werden es danken.

Was jedoch auffällt, ist die Figurenzeichnung, wobei ich mich gefragt habe, ob ich einfach zu alt bin, um die Figuren so wahrzunehmen, wie sie sein sollen. Für mich ist die Protagonistin einfach ein verwöhntes Gör, dem es viel zu gut geht und die in ihren Egotrip sieben Mal erfolgreich durchzieht und dafür auch noch belohnt wird. Vermutlich soll sie cool und bewundernswert wirken, dabei wirken ihre Kleidungsbeschreibungen auf mich eher billig bis nuttig und dass sie sich permanent darüber beklagt, dass sie von den Eltern zu kurzgehalten wird (man bedenke: sie bekommt im Jahr nur zweimal 500 Euro zum Kleidershoppen!), macht sie auch nicht gerade sympathischer. Da ihre Empathiefähigkeit nur gering ausgebildet ist, braucht sie auch mehrere Anläufe um zu verstehen, dass sie genau das ist, was ein anderes Mädchen ihr vorwirft: ein Miststück. Selbst als ihr langsam aufgeht, dass ihr Verhalten vielleicht eher suboptimal ist, wird ihr Handeln immer noch von dem Gedanken geleitet, möglichst selbst zu profitieren oder zumindest kein ganz so schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen. Das macht das Lesen zu einer gewaltigen Quälerei, da man permanent den Gedanken hegt, dass die Welt einfach eine bessere wäre, wenn sie endlich tot wär. Dass die anderen ihr da in nichts nachstehen, macht es kaum besser.

Alles in allem ein Buch, dass hervorragend auf die zu liefernden Klischees abgestimmt ist, durch besonders widerwärtige Figuren besticht und weiter nichts zu bieten hat, was für eine Leseempfehlung sprechen würde.