Taylor Jenkins Reid – Daisy Jones & The Six

taylor Jenkins Reid Daisy Jones and The Six
Taylor Jenkins Reid – Daisy Jones & The Six

Eine Stil-Ikone und eine famose Band. Sie haben die Musik Ende der 70er geprägt. Jeder wollte sie live sehen, alle haben sie bewundert. Doch wer war Daisy Jones und wie kam sie zu der Band, mit der sie die beste Platte des Jahrzehnts, vielleicht des Rock’n’Roll überhaupt aufgenommen hat? Eine Tochter geht auf Spurensuche nach dem Mythos, der das Leben ihrer Eltern bestimmte. In Interviews zeichnet Julia Dunne, Tochter von Frontman Billy und seiner Frau Camila, auf, woran sich Daisy, die Bandmitglieder von The Six sowie Produzenten und enge Vertraute erinnern. Daisys Jugend als reiches aber vernachlässigtes Mädchen, das schon mit 14 auf dem Sunset Strip allerlei Drogen ausprobierte und gleichermaßen Männerbekanntschaften pflegte. Dank ihres Aussehens und Charismas hatte sie es leicht, überall eingelassen zu werden. Ihr eigentlicher Traum war es jedoch immer Musik zu machen, ihre einzigartige Stimme war prädestiniert für die Bühne, doch ihre Texte waren noch nicht so weit. Das Potenzial erkannte man bei Runner Records, wo man zuvor schon The Six unter Vertrag genommen hatte, denen auch das gewisse etwas noch fehlte: Daisy Jones. Erst gemeinsam konnte eine Legende entstehen.

Fängt man an, Taylor Jenkins Reids Buch zu lesen, ist man sogleich gefesselt von der Welt der Rockstars und dem ausschweifenden Leben der 70er Jahre. Auch Daisy Jones kann man sich bildlich vorstellen, wie sie mit ihrer Mähne und dem wegen des exzessiven Tabletten- und Drogenkonsums immer leicht abwesend wirkenden Blick fasziniert. Dass es diese Person gar nicht gegeben haben soll, ist schier unvorstellbar, so lebendig wie sie beschrieben wird. Der Aufstieg der Band, die zunächst ganz klassisch als Schülerkombo von zwei Brüdern und Freunden gegründet wurde und sich dann langsam einen Namen machte, ist ebenfalls reine Fiktion. Hätte es sie gegeben, wäre es aber vielleicht genau so gelaufen, wie die Autorin es schildert.

Man kennt die ganzen Geschichten der Rockstars und ihrer Groupies: der Rausch der Musik und der Bewunderung, wenn sie auf der Bühne rocken; die Aftershow Partys mit Alkohol, Drogen und Mädchen; die Tour – heute hier, morgen dort und manchmal weiß man auch noch wo man gerade ist – und die Fernsehauftritte, die sie zu Legenden werden lassen. All das kann man geradezu hautnah miterleben. Aber es gibt auch eine andere Seite. Billy, Sänger, Songschreiber und Kopf der Band ist verletzlich und verliebt in Camila, die er schon jung heiratet und mit der er drei Töchter hat. Das ausschweifende Leben hat er nach einem harten Entzug ihr zuliebe aufgegeben, denn sie ist es auch, die ihm die Inspiration zu seinen Liedern liefert. Das Doppelleben zerreißt ihn fast, Rockstar und fürsorglicher Vater sind zwei Welten, die sich kaum kombinieren lassen.

Daisy Jones hingegen nimmt alles, was das Leben ihr bietet, oftmals ohne lange über die Folgen nachzudenken. Doch sie ist clever und lässt sich nicht ausnutzen, ganz im Gegenteil, ihr Selbstbewusstsein wird von manchen bewundert, anderen macht es geradezu Angst. Nur sie ist es auch, die Billy etwas entgegensetzen kann, was ihre Zusammenarbeit nicht leichter macht. Beide wollen nur eines: Musik machen, aber wenn zwei starke Egos aufeinanderprallen, noch dazu, wenn die Menschen dahinter gänzlich verschieden sind, wird dies zum Parceforceritt, der von allen so einiges abverlangt.

Auch wenn die anderen Bandmitglieder nur in der zweiten Reihe stehen, bekommen sie hier das Wort, zeigen die Schattenseiten des Ruhms und Erfolgs und das, was dieser kostet. Sie sind es jedoch vor allem auch, die die Menschen zeigen, die hinter den bejubelten Ikonen stehen, mit all ihren Sorgen, Ängsten und manchmal ganz banalen Gedanken.

Ein berauschendes Buch, das einem geradezu wie unter Drogen mitreißt und hineinkatapultiert in die Welt der Rockmusik. Reids Beschreibungen der Songs – ja, man hört sie geradezu vor dem inneren Ohr und kann dabei die Figuren visualisieren, wie sie vor einer Kamera sitzen und im lockeren Interview plaudern. Es hat ein bisschen was von Musikfernsehen als es dieses noch in der Form gab, die auch diesen Namen verdient hat. Stars, die sich entspannt aufs Sofa fläzen und in Erinnerungen schwelgen, einem daran teilhaben lassen und so einen Blick in diese schillernde Welt erlauben.

David Foenkinos – Lennon

Lennon von David Foenkinos
David Foenkinos – Lennon

John Lennon, ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn. Als Kopf einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten wurde er weltberühmt, seine Musik hat Millionen von Menschen begeistert und ist heute noch genauso populär wie in den 1960ern. Aber nicht nur sein musikalisches Schaffen, sondern auch sein Privatleben fasziniert. Wer war die Frau an seiner Seite, die – so die globale Meinung – für das Ende der Beatles verantwortlich war? David Foenkinos lässt John Lennon selbst erzählen. In mehreren fiktiven Sitzungen bei einem Psychoanalytiker berichtet er von seiner Kindheit, den Anfängen der Beatles und der Faszination von Yoko Ono.

„Wir waren auch einsam. Einsam unter Millionen von Menschen. Wir lebten wie in einer Blase.“

David Foenkinos hat eine eher untypische Biographie geschrieben. Die Fakten sind recherchiert und belegt, aber die Ausgestaltung ist der Versuch sich dem Innenleben Lennons zu nähern, seine Psyche zu ergründen und vor allem die andere Seite des Stars darzustellen. Wer war der Mann, der mit „Imagine“ oder „Give Peace a Chance“ Hymnen für die Ewigkeit geschrieben hat?

Die ersten Sitzungen sind geprägt von Johns Kindheit in Liverpool. Die Mutter zu jung, der Vater auf See und damit mehr abwesend als präsent, wird er viel alleingelassen und zwischen den Erwachsenen hin und her geschoben. Erst als seine Tante Mimi dem Treiben ein Ende setzt und ihn endgültig bei sich aufnimmt, verläuft sein Leben in geregelten Bahnen. In den ersten Jahren mit der Band glaubt keiner an den großen Durchbruch, die kleinen Erfolge werden ausschweifend gefeiert und mit allerlei Drogen entfliehen sie der Realität. Dass sie plötzlich zum globalen Phänomen werden und überall hysterisch kreischende Mädchen auf sie warten, überfordert die vier Jungs vollends.  Doch so schnell wie ihr Aufstieg war, so schnell knirscht es auch zwischen ihnen und die Risse können immer weniger gekittet werden. Zunehmend entfernen sie sich voneinander und so kommt es zwangsläufig zur Auflösung.

„The guitar’s all right, John, but you’ll never make a living out of it.“

Diesen Satz hört John Lennon schon früh. Eine Karriere wie die seine ist eine Ausnahme und weder planbar noch absehbar. Foenkinos gelingt es den Menschen hinter dem Star hervorzubringen und ich fand vor allem den Fokus auf seine Herkunft und die unsäglichen Familienverhältnisse ungemein interessant. Hätte er diese Feinfühligkeit und Sensibilität entwickeln können, wenn er nicht unter diesen Umständen aufgewachsen wäre? Auch seine Faszination von Yoko Ono erklärt sich erst durch die Abwesenheit von Liebe und Verlässlichkeit in jungen Jahren. Dass Gefühl endlich nicht mehr allein zu sein auf der Welt, muss für ihn überwältigend gewesen sein.

David Foenkinos verleiht ihm einen leicht zynischen Ton, der für den erwachsenen Lennon sehr gut passt. Mit einer gewissen Bitterkeit, aus der auch viel Bedauern spricht, blickt er auf die Zeit der Beatles und das verdrießliche Ende, das die Band genommen hat. Gleichzeitig lässt er ihn aber auch reflektiert erscheinen, vor allem in Bezug auf sein Verhalten zu seinem ersten Sohn Julian und dessen Mutter Cynthia. Ob Lennon dies wirklich war, wird wohl nicht mehr geklärt werden können, aber Foenkinos Interpretation seines Charakters lässt dies durchaus möglich erscheinen.