Dave Eggers – Bis an die Grenze

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Dave Eggers – Bis an die Grenze

Josie steht vor den Trümmern ihres Lebens. Eine Klage hat ihr ihre Zahnarztpraxis geraubt, von ihrem Mann ist sie getrennt und wenig hält sie mehr an der Vergangenheit und in der Heimatstadt. Kurzerhand packt sie die beiden Kinder, den 8-jährigen Paul und die 5-jährige Ana und flieht mit ihnen nach Alaska. Mit einem Camper möchte sie den Bundesstaat erkunden und in der Weite des Landes zur Ruhe kommen. Doch die Reise ist beschwerlicher als gedacht und aus dem Abenteuerurlaub wird bald schon der Kampf ums Überleben: Überleben der Erinnerungen, Überleben gegen bösartige Menschen, Überleben von Naturgewalten.

Konnte mich Dave Eggers in der Vergangenheit mit „The Circle“ und „A Hologram for the King“ begeistern, war dieser Roman auch für mich als Hörerin eine Herausforderung. Zwar ist der Plot durchaus interessant und bietet einige spannende Momente, aber die Figurenzeichnung war unsäglich. War Mae Holland in „The Circle“ bereits naiv bis dümmlich, übertrifft Josie sie noch um Welten. Die studierte Zahnärztin, von der man rationales und bedachtes Handeln erwarten sollte, bringt sich und die Kinder immer wieder in größte Gefahr durch ihr blödsinniges und gedankenloses Handeln. Man möchte sie anschreien und ihr zurufen, wie absurd dumm sie sich verhält und wünscht sich geradezu, dass Paul und Ana nicht länger in ihrer Obhut bleiben dürfen.

Was als Selbstfindungstrip angekündigt war, ist eine Tour de Farce einer kopflosen Frau, die vor dem Leben davonrennt und bei all den gestellten Aufgaben nichts lernt. Dass ihr Sohn mehr verstand zu besitzen scheint als sie, ist erschreckend. Leider leidet darunter das Hörvergnügen, denn man kann sich kaum auf die Handlung konzentrieren, ist man so damit beschäftigt, denn nächsten Ausfall dieser Mutter zu verarbeiten.

Adi Alsaid – Let’s Get Lost

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Adi Alsaid – Let’s Get Lost

Ein Road Trip der etwas anderen Art. Leila lässt in einer amerikanischen Kleinstadt ihren Wagen testen und lernt so Hudson kennen, der sofort von dem Mädchen fasziniert ist. Es wird die schönste Nacht seines Lebens, die jedoch auch einen jahrelang gehegten Traum zerstören wird. Leilas Reise geht weiter und unterwegs sammelt sie Bree auf. Die Mädchen finden sich sofort sympathisch, doch die kleine Ausreißerin Bree kann vom Diebstahl nicht lassen und so landen beide im Gefängnis. Für Elliot wird die Begegnung mit Leila zur Realisierung einer nur dem Fernsehen gekannten Geschichte und Sonia hatte schon aufgegeben, ihr Leben in Trümmern, aber Leila kommt ihr zu Hilfe. Vier Menschen, vier Geschichten und vier Begegnungen, die das Leben verändern. Doch wer ist Leila eigentlich und warum hat sie sich auf den Weg nach Alaska zu den Polarlichtern? Auch Leilas Leben wird durch diese Reise verändert werden.

Eine überzeugende Geschichte über das Erwachsenwerden. Die vier Figuren, denen die Protagonistin begegnet sind sehr verschieden, was immer wieder neue Aspekte in den Roman bringt und vier letztlich eigenständige Geschichten entstehen lässt. Alle vier sind an einem wichtigen Punkt ihres Lebens und benötigen genau den einen Impuls benötigen, um weiterzugehen und ein Kapitel abzuschließen. So auch die Protagonistin, die jedoch lange Zeit erstaunlich blass bleibt. Man erfährt sehr viel über die Figuren, mit denen sie interagiert, von sich selbst gibt sie jedoch nichts preis und mehr und mehr fragt man sich, was es mit ihr auf sich hat. Dieses Mysterium wird im letzten Kapitel recht überraschend, aber überzeugend gelöst.

Barbara Vine – The Birthday Present

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Barbara Vine – The Birthday Present

Ivor Tesham ist 1990 ein aufstrebender Abgeordneter der Tories. Margaret Thatcher regiert das Land und dem attraktiven jungen Politiker steht eine glänzende Karriere bevor. Das einzige, was er nicht hat, ist die glückliche Familie. Dafür aber eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die seine Leidenschaft für Rollenspiele beim Sex teilt. Zu ihrem Geburtstag will er ihr eine besondere Freude machen und eine Entführung inszenieren – doch dabei läuft etwas schief und Hebe sowie ein weiterer Mann sterben, ein dritter wird schwer verletzt. Ivor hat Angst um seine Karriere und meldet sich daher nicht bei der Polizei. Doch es gibt Menschen, die von der Affäre wissen und so macht sich der kaltblütige Politiker erpressbar.

Die Geschichte wird rückblickend aus Sicht von Ivors Schwager erzählt, weshalb Ivor seine Geschichte nicht selbst erzählen kann, bleibt zunächst unklar. Der Schwager ist ein braver Familienvater und spart nicht mit der Analyse der Diskrepanz zwischen Ivors tatsächlichem Verhalten und dem öffentlichen Bild des konservativen Politikers mit reiner Weste. Er ist immer wieder schockiert, wie abgebrüht Ivor Entscheidungen vor dem Hintergrund seiner Karriere trifft und dabei die Menschen völlig aus den Augen verliert.

Neben Ivor spielt Hebes Freundin Jane, die ihr regelmäßig Schützenhilfe beim Betrug leisten musste, eine wesentliche Rolle. Der Abstieg der jungen und intelligenten Frau ist grausam mit anzusehen. Einerseits versucht sie ihre Cleverness zu nutzen, dann scheitert sie wiederum an ihrer Menschenkenntnis und der Gutgläubigkeit, die bisweilen regelrecht naiv wirkt. Sie ist für mich – neben zahlreichen anderen – das Hauptopfer der Geschehnisse zu denen sie nichts beigetragen hat, die aber ihr Leben zerstörten.

Machtbesessenheit, Gier und Egoismus sind die Triebfedern des Romans, der gnadenlos mit seinen Figuren umgeht und sie für ihre Fehltritte zahlen lässt.

Paula Hawkins – Into the Water

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Paula Hawkins – Into the Water

Welcher böse Fluch lastet auf dem Fluss nahe Beckford, der bereits mehrere Frauenleben zu verantworten hat? Erst im Frühling fand die erst 15-jährige Katie dort den Tod, nun auch Nel, die Mutter von Katies bester Freundin Lena. Nel war besessen von dem sogenannten „Drowning Pool“, der immer wieder Frauen angezogen hat. Allerdings ist dieses Mal die Lage etwas anders, Nel hat mehrfach vor ihrem Tod versucht ihre Schwester Jules zu erreichen, die beiden hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr. Jules hat die Anrufe registriert, aber nie entgegengenommen. Sie ist sich allerdings sicher, dass Nel niemals Selbstmord begangen hätte. Vieles passt in dem Ort nicht zusammen und je tiefer Jules und die beiden Polizisten Sean Townsend und Erin Morgan nachforschen, desto mehr Verbrechen kommen sie auf die Spur.

Dieses Buch ist in der Hörversion eine echte Herausforderung. Gelungen sind die unterschiedlichen Sprecher, die den einzelnen Charakteren, die jeweils abwechseln aus ihrer Sicht die Geschehnisse erzählen, ihre Stimme verleihen und so ein wenig helfen, den Überblick zu behalten. Insgesamt erschienen es mir aber viel zu viele Figuren, die gerade zu Beginn nicht einfach zu unterschieden waren und deren Verhältnis zueinander ebenfalls nicht immer ganz klar war. Leider leiden sie fast aller unter Charakterzügen, die sie nicht gerade besonders liebenswert machen, was ich ebenfalls nicht einfach finde, man möchte ja doch so etwas wie Empathie gegenüber den Figuren empfinden.

Die Geschichte an sich ist komplex und immer mehr Nebenstränge entwickeln sich, die jedoch nicht alle besonders glaubwürdig sind und für mich zum Teil sehr konstruiert wirken. Insbesondere Jules Verhalten erscheint mir absurd, steht aber vielen anderen diesbezüglich in nichts nach. So richtige Spannung kam leider nie auf, dafür war die Erzählung oftmals zu sprunghaft und konfus und kaum auf das Wesentliche fokussiert. Auch wenn am Ende alle Zusammenhänge aufgeklärt und der Fall quasi gelöst ist, stellt sich kein befriedigendes Gefühl bei der Story ein.

„The Girl on The Train“ konnte mich insgesamt überzeugen, Paula Hawkins aktueller Roman jedoch ist mir zu schwach, um mit dem Vorgänger mithalten zu können.

Thomas Brussig – Beste Absichten

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Thomas Brussig – Beste Absichten

Frühjahr 1989, bei seinem Streifzug durch Ostberlin trifft der Erzähler zufällig auf eine Kellerband, die Seuche. Er kann den Jungs und der Sängerin Silke mit ihrem Türproblem aus der Patsche helfen und wird fortan zu ihrem Manager ernannt. In Anlehnung an den großen Beatles Erfinder wird er fortan nur noch Ebstein genannt. Bald schon kann er der Band Auftritte vermitteln, was ohne Spielerlaubnis in der DDR nicht ganz einfach ist, aber in den Fresswürfeln geht immer was. Es läuft gut für die Band, doch zunehmend verwandelt sich die Welt um sie herum und mehr und mehr Menschen ergreifen die Flucht. Mit einer kühnen Idee machen sie sich ebenfalls auf nach Prag zur deutsche Botschaft. Jedoch nicht, um in den Westen auszureisen, sondern um den Flüchtlingen ihre Autos billig aufzukaufen diese mit Gewinn in der Heimat zu verscherbeln. Der Plan geht auf und bald schon hat Ebstein eine Masse Geld angehäuft – doch mit dem Zusammenbruch des Landes bricht auch die Band auseinander und es dauert Jahre, bis sie wieder alle zusammen auf der Bühne stehen – jedoch nicht mehr in einem DDR Fresswürfel, sondern auf einer wirklich großen Bühne.

Thomas Brussig bedient einmal mehr sein Lieblingsthema: das Ende der DDR. Es ist erstaunlich wie es dem Autor gelingt, dieses immer wieder zu variieren und einen ganz neuen Roman zu schaffen. Der leicht wiederzuerkennende lockere Ton, der von Stefan Kaminski wie auch schon in „Das gibts in keinem Russenfilm“ gekonnt umgesetzt wird, kann auch in diesem Roman überzeugen.

Insgesamt eine unterhaltsame Geschichte mit einem sympathischen Protagonisten und Erzähler, der durch die Handlung trägt und glaubwürdig sowohl in der DDR wie später auch in der wiedervereinigten Bundesrepublik agiert. Das notwendige Quäntchen Cleverness ermöglicht ihm den Erfolg, eine gute Beobachtungs- und Analysegabe lassen ihn die Veränderungen vom Sozialismus zur Demokratie passend beschreiben. Daher insgesamt: kurzweilige Unterhaltung, die gerade in der Hörbuchform besonders gut wirkt.

Amos Oz – Judas

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Amos Oz – Judas

Shmuel Ashs Eltern können dem Sohn wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten das Studium nicht länger finanzieren. So richtig kommt er auch gerade mit seiner Abschlussarbeit über Judas und die Juden nicht voran. Eine Anzeige in der Jerusalemer Universität bringt ihn so im Herbst 1959 in das Haus des kranken Gershom Wald, dem er nachmittags Gesellschaft leisten soll. Ebenfalls im Haushalt lebt Atalja Abrabanel, die zwar deutlich älter ist als er, Shmuel aber sogleich fasziniert. In den kommenden Monaten wird der junge Student nicht nur das Verhältnis von Wald und Atalja ergründen, sondern sich auch politisch und philosophisch mit der Staatsgründung Israels auseinandersetzen und seiner selbstgewählten Frage, ob Judas wirklich der Verräter, zu dem ihn die Geschichte gemacht hat, oder ob er doch der erste Christ war, der Jesus erst in die Position gebracht hat, die Grundlage für eine neue Religion zu schaffen.

Amos Oz, einer der großen Erzähler Israels hat einmal mehr ein monumentales Werk geschaffen, das Christian Brückner erwartungsgemäß überzeugend in elf Stunden Lesezeit umsetzt. Die Länge weist schon daraufhin, dass es nicht nur die Geschichte eines Studenten ist, der sich als Gesellschafter seinen Unterhalt verdienen muss. Wie immer bei Amos Oz findet sich hier sehr viel mehr. Vordergründig eine Liebesgeschichte: Shmuel will Atalja für sich gewinnen, doch sie ist zunächst abweisend, waren schon so viele junge Männer vor ihm im Haushalt und begehrten sie. Der alte Wald hingegen diskutiert die politische Lage des Landes, die Staatsgründung durch Ben Gurion, die Frage nach der Ein- oder Zweistaatenlösung, der Umgang mit den Arabern, die verschiedenen, sich zum Teil widersprechenden Strömungen im noch jungen Land. Und natürlich die Frage nach der Rolle Judas für das Christentum. Immer wieder arbeitet Shmuel an seiner Arbeit, die den Moment der Aufspaltung von Judentum und Christentum behandelt und sich in der Person des Judas Iskariot realisiert.

Mit nur drei Figuren ist der Roman einerseits sehr konzentriert gehalten, auch die Beschränkung auf nur den einen Winter 59/60 als Handlungszeit, der zwar durch Rückblenden in Shmuels Kindheit ergänzt wird, im Wesentlichen jedoch auf diesen Ausschnitt fokussiert, stützt dies. Auf der anderen Seite holt Amos Oz jedoch sehr weit aus und schafft so extreme Gegensätze, zwischen denen die drei Figuren und der Leser hin und hergerissen werden. Judas – ist er der Verräter, der dem Christen den Messias genommen hat oder sollte er als wesentlicher Gründer der Religion eher verehrt werden? Ist eine Aussöhnung zwischen jüdischen und arabischen Israelis möglich, ein friedliches Leben in einem Land oder doch eher die klare Trennung in zwei autonomen Staaten?

Der Roman findet sich auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2017, Mirjam Pressler erhielt 2015 den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Übersetzung mit der Begründung, dass die deutsche Ausgabe nämlich gerade nicht nach einer Übersetzung klingt. Weitere Auszeichnungen wie der Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2015 unterstreichen die literarische Relevanz des Romans und des Autors, dem es immer wieder gelingt Fakten und Fiktion überzeugend in seinen Romanen zu verbinden.

Yasmina Reza – God of Carnage

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Yasmina Reza – God of Carnage

Zwei 11-Jährige geraten in Streit, dabei schlägt der eine dem anderen einen Zahn aus. Die Eltern der beiden treffen sich nun, um den Fall zu besprechen. Veronica und Michael, sie engagierte Schriftstellerin und er Besitzer eines Gemischtwarenladens, sind empört über die Gewalt, die man ihrem Sohn angetan hat. Alan und Annette, er erfolgreicher Anwalt und sie Verwalterin des Familienvermögens, möchten die Sache möglichst unaufgeregt hinter sich bringen. Freundlich begegnet man sich, immerhin ist man ja zivilisiert und kann Konflikte besprechen. Doch die Diskussion entwickelt sich anders als erwartet und auch den wohlerzogenen Erwachsenen werden Streithähne, die ihren Kindern in nichts nachstehen und ebenso unsachlich wie aggressiv die gegnerische Partei beschimpfen und sogar attackieren.

Yasmina Rezas Stück, das eigentlich in Paris angesiedelt ist, wurde für die amerikanische Version etwas adaptiert, so sind beispielsweise die Namen dem US Milieu angepasst worden. Das Hörbuch ist ein live Mitschnitt einer Aufführung des „The James Bridge Theater“ in Los Angeles vom Juni 2016.

Im Vordergrund steht die Entwicklung des Konflikts. Zunächst schützen die Figuren sich durch ihre gesellschaftlichen Masken, ihre Berufe definieren sie und schnell entsteht ein Ungleichgewicht. Wer ist erfolgreicher und wichtiger? Ein Blick in die Lebensläufe verstärkt das Konfliktpotenzial, Michael fühlt sich nicht männlich genug neben dem hart verhandelnden Anwalt und brüstet sich mit der Geschichte um den Familienhamster, den er ausgesetzt hat. Aber auch die Ehen stehen auf tönernen Füßen und bald schon offenbaren sich Risse, die wiederum zu neuen Koalitionen zwischen Männern und Frauen führen. Kann dieser Abend für irgendjemanden gut ausgehen?

Eine durch und durch glaubwürdige Aufführung bieten die vier Figuren. Man kann sie sich bildlich vorstellen, vor allem nachdem langsam die Masken fallen und die Schwächen offenkundig werden. Eine sehr genaue Milieustudie der besseren Gesellschaft, die jedoch nur an der Oberfläche den Schein waren kann während es darunter brodelt und die Explosion nur eine Frage der Zeit ist.

Martin Suter -Elefant

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Martin Suter – Elefant

Der Genforscher Roux hat großen vor, nachdem sein ehemaliger Chef ihn um die verdienten Meriten gebracht hat. Glowing Animals sind schon lange keine Sensation mehr, er plant jetzt jedoch einen Elefanten zum Leuchten zu bringen. Das Versuchstier ist auch schon gefunden, ein Zirkus in Finanznöten fragt nicht so genau nach, welche Züchtung ihre Tiere da genau austragen. Doch es kommt zu Komplikationen, der Embryo entwickelt sich nicht richtig, vor allem der Wuchs bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Ob es überhaupt lebensfähig sein kann? Monate später findet der Obdachlose Schoch plötzlich in seiner Wohnhöhle einen unerwarteten Besucher: er traut seinen Augen kaum: ein leuchtender, rosa Minielefant. Doch das Tier scheint krank zu sein. Er sucht Hilfe bei der Tierärztin Valerie, die ebenfalls sofort von dem Tierchen fasziniert ist. Doch wo kommt es her? Sie bringt Schoch und den Minielefanten, den sie Sabu taufen, in eine leerstehende Villa. Sie ahnen, dass es besser ist, den Elefant zu verstecken und sie liegen völlig richtig, denn Forscher Roux lässt sich so leicht nicht austricksen.

Martin Suter erzählt in zwei Handlungssträngen zeitversetzt, zum einen den Beginn der Forschungsarbeiten rund um den rücksichtslosen Roux und den Elefanten im Zoo Pellegrini, die für die Versuche herhalten müssen, sehr zum Leidwesen des burmesischen Pflegers Kaung. Dieser sowie der betreuende Tierarzt schmieden einen Komplott gegen die Forschung. Zum anderen sind wir Monate später bei Schoch und seinem neuen Haustier. Neben den Beobachtungen des Miniaturelefanten kommt hier ach die persönliche Note mit ins Spiel: warum ist der offenbar gebildete Mann auf der Straße gelandet? Und weshalb lebt er dort als Eigenbrötler, wo er offenbar derart empathiefähig ist? Langsam nähern sich die Erzählungen an und man erfährt, wie der Elefant bei Schoch landen konnte.

Auch wenn es die Thematik vermuten lässt, ein wirklich der Genforschung kritisch gegenüberstehendes Buch ist „Elefant“ nicht. Dies scheitert schon allein am niedlichen Ergebnis des Versuchs, den man sich bei Gert Heidenreichs Erzählstimme auch wirklich lebendig vorstellen kann. Etwas, das im Nu alle Herzen erobert taugt nicht als Feindbild. Die ganz persönlichen Geschichten der Figuren stehen ebenfalls hinter dem Elefanten zurück, so dass das Dasein als Obdachloser nicht wirklich thematisiert wird. Tierhaltung im Zirkus, überhaupt der Umgang mit Tieren, wird immer wieder auf unterschiedliche Weise angerissen, bleibt aber letztlich zu peripher, um hier eine wirkliche Aussage zu hinterlassen.

Man wundert sich fast, wie die Geschichte es schafft, einem als Leser zu fesseln. Ein wenig Spannung baut sich durchaus auf, gegen Ende hin wird der Roman sogar regelrecht actionreich. Die Figuren sind es jedoch nicht, diese sind weitgehend stereotyp gezeichnet und kommen über ein-zwei Wesensmerkmale nicht hinaus. Auch wühl der Roman an keiner Stelle wirklich auf oder löst beim Rezipienten Empörung aus. Vielleicht ist es doch einfach der rosa Elefant, der eine so niedliche Stimmung verbreitet, dass man ihn und den Roman liebhaben muss.

Daniel Silva – Der englische Spion

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Daniel Silva – Der englische Spion

Ein unglaublicher Anschlag: die Exfrau des britischen Thronfolgers wird auf hoher See ermordet. Der Anschlag trägt die Handschrift eines Mannes: Eamon Quinn, der beste Sprengstoffexperte, den die IRA jemals hatte. Die britische Regierung steht unter Zugzwang und erhält Hilfe vom israelischen Geheimdienst, denn niemand anderes als Gabriel Allon, designierter neuer Chef des Dienstes, hat mit Quinn noch eine Rechnung offen. Zusammen mit Christopher Keller, einem ehemaligen SAS Offizier, begibt er sich auf die Suche, nicht ahnend, mit wem sie sich außer Quinn noch angelegt haben, denn dieser arbeitet auf fremde Rechnung.

Band 15 aus Daniel Silvas Reihe um den israelischen Agenten Gabriel Allon bietet alles, was man von einem Krimi im Agentenmilieu erwarten kann: rasante Ortswechsel, immer neue Spuren, globale Verwicklungen, Spionagetechnik auf höchstem Niveau und manchmal auch einfach brutale Gewalt ohne Rücksicht auf Verluste. Dies macht es nicht immer ganz einfach dem Hörbuch zu folgen, denn die Handlung ist komplex und zu lange Hörpausen lassen einem schnell mal die Details vergessen.

Im Fokus stehen die beiden Agenten Gabriel Allon und Christopher Keller, wobei insbesondere ersterer sehr vielschichtig gezeichnet wird und erfreulicherweise ohne stereotype Zuschreibungen auskommt. Bedingt durch seine persönliche Geschichte ist er gebrochen, hat Dämonen, die ihn verfolgen und manchmal an den Rand der Handlungsfähigkeit bringen. Dies macht ihn authentisch und vor allem menschlich. Er ist nicht der Superheld, dem kein Anschlag, keine Verletzung etwas anhaben kann, sondern muss auch Niederlagen hinnehmen und immer wieder aufstehen und sich neu für den Kampf rüsten.

Sibylle Berg – Wunderbare Jahre

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Sibylle Berg – Wunderbare Jahre

Sibylle Berg geht auf Reisen und erlebt dort so allerhand. Im Kosovo ist sie als Journalistin und beobachtet wie mit Flüchtlingen im Grenzgebiet umgegangen wird. Bayreuth zeigt sein wundersames Gesicht durch unsägliche Garderobe. Eine Kreuzfahrt bringt tausende von Menschen unfreiwillig auf engsten Raum. Südafrika ist schon lange nicht mehr wild und aufregend. Auch Los Angeles bietet nicht den Glamour, den man erwarten könnte. Ob er in Cannes gefunden werden kann? – Fehlanzeige. Eine weitere Reise zu Wasser, auf einem Containerschiff dieses Mal, gestaltet sich auch nicht besser als die erste. Ob das Leben noch mehr zu bieten hat? Vielleicht wissen es indische Schamanen, die die Zukunft voraussagen können.

Das Hörbuch ist eine Ansammlung von Essays über das Reisen und die Eindrücke und Erlebnisse der Autorin. Die Länge variiert ebenso wie der Ton. Es überwiegt jedoch eine scharfe Beobachtung gepaart mit etwas distanziert-sarkastischem Kommentar. Die Reisen fanden zwischen Mitte der 1990er und 2016 statt, oftmals werden sie am Ende ergänzt durch Fakten, die das Thema ergänzen und abrunden, wie etwa die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren bzw. die Anzahl von terroristischen Taten bezogen auf den aktuell präsentierten Ort. In der Gesamtschau ein abwechslungsreicher Rundumschlag, jedes Thema wird unter einem anderen Fokus beleuchtet.

Der Titel mutet etwas zynisch an, „wunderbar“ war an den Jahren der Reisen eigentlich wenig, noch weniger, wenn man die Postskripta, die nur wenig Positives zu liefern haben, sondern geprägt sind von grausamen Fakten und erschreckenden Entwicklungen bezüglich Terror, Mord und Gewalt im Allgemeinen. Schon Matthias Claudius wusste: „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ und so wie sein Herr Urian erkennt, dass die Menschen überall auf der Welt ebenso verrückt wie zu Hause sind, so erkennt auch Sibylle Berg, dass vielleicht die Schweizer Ruhe dem rastlosen Umherirren vorzuziehen ist.