Jane Harper – The Dry

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Jane Harper – The Dry

Zwanzig Jahre lang war Aaron Falk nicht mehr in Kiewarra, den kleinen Ort im australischen Outback, in dem er aufgewachsen ist. Doch nun wurde sein Jugendfreund Luke, dessen Frau und ihr Sohn erschossen aufgefunden. Alles deutet auf einen erweiterten Suizid hin. Doch nicht nur diese schreckliche Tragödie beschäftigt die Menschen; als sie Aaron sehen, kocht auch wieder die Gerüchteküche um den Mord an einem Mädchen zwanzig Jahre zuvor hoch. Luke war damals Aarons Alibi und beide wussten, dass ihre gegenseitigen Entlastungen Lügen waren. Offenbar weiß davon aber noch jemand etwas. Aaron hat Zweifel an Lukes Selbstmord und beginnt Fragen zu stellen, was nicht von allen gerne gesehen wird.

Jane Harpers Debüt „The Dry“ (unter demselben Titel inzwischen auch auf Deutsch erschienen), ist ein atmosphärisch düsterer Thriller im australischen Nirgendwo zur Zeit einer Jahrhundertdürre, der den Menschen bereits an den Nerven zehrt. Hier liegt für mich die größte Stärke des Romans, man spürt förmlich, wie die Stimmung am Zerreißen ist und kurz vorm Kippen steht. Geradezu wartet man auf ein furchtbares Gemetzel, dem noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Der Kriminalfall lässt einem lange auf falschen Spuren wandern und die Tatsache, dass man auch nicht weiß, ob man Aaron Falk trauen kann oder ob er selbst an einem Mord beteiligt war, erhöht die Spannung zudem. Erst langsam nähert man sich der Wahrheit, die dann ganz andere Aspekte zu bieten hat als man zunächst vermuten sollte und mit diesen Überraschungen kann die Autorin bei mir wirklich punkten.

Ein Thriller, wie man ihn sich wünscht. Aufgrund Harpers gelungenem Setting finde ich hier auch die Hörbuch-Version besonders empfehlenswert, da man das Flirren der Hitze und die Anspannung der Figuren geradezu greifen kann.

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Joakim Zander – Der Freund

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Joakim Zander – Der Freund

Klara musste ihren geliebten Großvater beerdigen, ihre Freundin Gabriella ist wie immer an ihrer Seite. Doch Gabriella ist abgelenkt, irgendetwas belastet sie. Am nächsten Morgen wird sie vor den Augen Klaras in ihrer Kanzlei verhaftet. Diese agiert schnell und kann eine geheime Nachricht der Freundin entdecken: sollte Gabriella etwas geschehen, muss Klara einen geheimen Informanten in Brüssel treffen. Dieser ominöse Mensch ist ein Praktikant der schwedischen Botschaft in Beirut. Jacobs Zeit dort ist geprägt von Langeweile im Büro und umso mehr Aufregung durch seinen Freund und Liebhaber Yassim. Dieser gibt kaum etwas von sich preis, verschwindet immer wieder für Wochen spurlos und trifft sich mit zwielichtigen Personen. Jacob ahnt selbst, dass mit Yassim etwas nicht stimmt, als er von einer mysteriösen Frau kontaktiert wird, die behauptet, dass Yassim ein Terrorist sei, weiß er nicht mehr, was er glauben soll. Doch dass er sich in größte Gefahr begeben hat, wird Jacob nicht erst klar, nachdem seine Wohnung verwüstet wurde und sein Leben bedroht wird. Helfen kann ihm wohl nur die Frau, die er Monate zuvor im Fernsehen bewundert hat: Gabriella.

Band drei von Joakim Zanders Reihe um Klara Walldéen knüpft nahtlos an die beiden Vorgänger an und ist in ebensolchem Tempo geschrieben. Auch in der Thematik bleibt sich Zander treu, ohne sich zu wiederholen oder zu langweilen. Einmal mehr dreht sich die Handlung um das Pulverfass Naher Osten und den Terror, der von dort ausgeht. Dieses Mal lehnt er sich an die Attentate von Paris am 13. November 2015 an, die er geschickt in die Geschehnisse rund um Jacob in Beirut und Klara zwischen Stockholm und Brüssel einbaut.

Seine Protagonistin entwickelt er hierbei überzeugend weiter. Klara ist nicht die fehlerlose Superheldin, der alles spielend gelingt. Nach den letzten Erlebnissen bekam sie ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, trank zu viel, um sich zu betäuben. Auch der Tod des Großvaters wirft sie aus der Bahn und ihre Gefühlswelt hat sie gar nicht unter Kontrolle. Doch merkt man, wie sie geradezu von den Erfahrungen profitiert, dadurch reifer wirkt als in vorherigen Bänden. Ähnlich verhält es sich mit Georg Lööw, ihrem Partner in der Krise und offenbar am Ende auch im Privatleben. Jacob als neue Figur ist ebenfalls vielschichtig und authentisch angelegt. Strebsam und doch verunsichert; einerseits emotionsgeleitet und dann doch wieder rational-zweifelnd. Sich mit ihm zu identifizieren und seine Zwickmühle nachzuvollziehen, macht einem Joakim Zander sehr leicht.

Die kurzen Kapitel mit schnellen Ortswechseln sorgen für ein hohes Tempo in der Geschichte. Die zeitversetzte Handlung, die vom Ende und dann wieder vom Anfang an erzählt wird, erhöht die Spannung zudem. Der Roman entbehrt nicht einer gewissen Komplexität, die die Wirklichkeit glaubwürdig widerspiegelt und bestimmte real nicht aufzulösende Spannungen und Verwicklungen in der internationalen Diplomatie und Politik ebenfalls als solche stehenlässt. So erfüllt Joakim Zander einmal mehr voll die Erwartungen an einen anspruchsvollen Thriller und bleibt derzeit einer der besten schwedischen Autoren im Genre.

 

Ein Dank geht an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autor finden sich auf der Verlagsseite.

Simon Lelic – The House

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Simon Lelic – The House

Finding a house in London is more or less impossible; therefore, Sydney and Jack are happy when they finally get one. It is not what they have dreamt of, but, with the time, they became realistic about what is possible and accepted the offer. Soon after they move in, strange things start to happen and they become more and more alert: is the house haunted or is somebody playing tricks on them? Is it because they interfered with the neighbour? His daughter confided herself in Sydney and awoke bad memories in her: just like Betsi, Sydney was suffering under her father’s temper and violence throughout her childhood. Unable to find help, she ran away at the age of 14 and left her younger sister with the situation at home alone. A bad conscience makes Sydney support the young neighbour, but obviously, her father is going to stop this. Or is the threat coming from somewhere completely different? No matter what is behind, soon Sydney and Jack find themselves in danger and even start losing faith in each other.

Simon Lelic’s novel starts a bit as a surprise, it’s not the typical third person narrator we have, but a kind of diary entries or letters that the two protagonists write to each other. So we have Jack’s and Sydney’s perspective in alternation which makes it quite lively and authentic, especially since you get the impression of the highly stressful situation they are in and which has gone out of control. The way they write reflects their emotional state, it is repetitive, not well organised and thought through but rather like a stream of consciousness just coming out of their mouth.

The plot itself has many surprises to offer, at first you are with the protagonists, not knowing what is happening and always trying to make sense of what they write. Then, slowly, you realise that Sydney and Jack have hidden some useful and important information from you, too, and you start getting sceptical about actually trusting them. As the novel moves on, you have to adjust your idea of the characters and the action again and again which I liked a lot since you could never feel absolutely secure about it.

 

“The House” really deserves the label “thriller”. Quite often, you feel a cold shiver running down your spine when again something strange happens in the house. The characters’ actions are all credibly motivated and the plot itself is convincingly constructed. The strongest aspect for me was the psychological construction behind the story; knowing what Sydney went through, you can understand her reaction when she finds out about Betsi’s life at home. But also Sydney’s mother – even though she is a rather tragic figure – can be understood in her way of behaving. So, the novel is not just playing on your nerves with a thrilling plot, but also offer some insight in emotionally induced actions and decisions.

Peter Høeg – The Susan Effect

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Peter Høeg – The Susan Effect

Susan Svendsen is everything but an ordinary woman. And she and her family are in danger. She is offered a bad deal by the Danish government: use her special ability to provide them with an important information to have all charges against her dropped. Thinking of her twin kids, she has to agree and thus brings herself and her family even more in danger. But what is it about her gift? In Susan’s presence, everybody feels relaxed and comfortable, people cannot keep from sharing their best concealed secrets with her and she is to exploits this for the government. But the politicians have not counted on her intelligence and survival instinct and a most unfair battle begins.

Peter Høeg has made special women his protagonist before. Individuals with a supernatural sense and an extraordinary will to survive. In his latest novel, Susan is equipped with a skill that allows her to manipulate the people unperceivably which in itself is quite remarkable. But what make the character even more interesting is the combination with a straight down-to-earth intellect which does not accept anything outside the world of natural sciences. Susan can explain anything with her knowledge of physics and chemistry or biology, other fields such as music or religion just don’t reach her. This makes her contradictory and ambiguous in a very fascinating way.

The story itself is a fast-paced thriller which combines political complotting with action-packed chases and quite high number of cruel murders. However, the author never forgets his characters and their complicated relationships. The emotional facet blends in smoothly and thus adds to the cleverly constructed plot.

Underlying the whole story is a scenario which nowadays might still be considered something of the faraway future: parts of the planet will not be inhabitable due to climate change. How will we, how will our politicians react to this? If just a limited number of persons can be saved, who will be the selected few? As in other novels before, Høeg creates an extreme setting in which his characters are brought to the edge and have to make hard decisions, decisions about life and death. It seems to be a topic he liked, to play with how human being react in extreme situations. Thus, he provides us with the opportunity the think it through ourselves. Definitely a thriller with a lot of food for thought.

Shari Lapena – A Stranger in the House

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Shari Lapena – A Stranger in the House

When Tom Krupp comes home late that evening, he is astonished: the door is not locked. And his wife apparently is in the middle of cooking. Her cell phone and her handbag are there, but where is Karen? When none of their friends have heard anything of her either, he calls the police who seem to be at his house immediately: there was an awful accident and the victim could be his wife. Tom is preoccupied and relaxed at the same time. But just as the police he wonders what his wife was doing in that part of town. When a couple of days later a dead body is discovered, Karen’s accident and the murder are quickly linked. Yet, the woman cannot remember anything from that day, she’s suffering from amnesia since the accident. More and more evidence hints at her and Tom has to find out that his wife is everything but not the woman he thought she was. However, he does not know yet that the real danger might come from somewhere completely different.

I already liked Shari Lapena’s first novel “The couple next door”, but “A stranger in the House” is much more thrilling and elaborate than her first book. First of all, there is so much the characters hide and only reveal when they are forced to. All of them have their secrets, some minor, some major, and this keeps you alert all the time. Especially since you never know whom you can actually trust.

First of all Karen. It is obvious quite from the start that she has some buried secrets from her past and that she deliberately lied to her husband. Nevertheless, she is good at playing roles – also with the reader so until the very last pages. You cannot be sure of who she is and what she is capable of. Second comes Tom. He seems to be a nice and trustful guy, easy to delude perhaps. I was taken by surprise that he also has something kept from his wife which will play a major role in the development of the case. Third Brigid, their neighbour and close friend of Karen. I didn’t like her from the start. She is that nosy observer across the street who is meddling all the time and sticking her nose in other people’s matters. That her role takes some interesting turn came rather as a surprise to me.

Even though the reader gets a much better picture of what happened than the police, there is still enough in the dark to keep you from knowing for sure. Since there were so many unexpected twists and turns, I wasn’t completely certain what to believe was the truth until the very end. The plot was cleverly constructed and to me absolutely convincing in all respects.

To sum up, a thriller which keeps you alert and reading on.

Zoe Beck – Die Lieferantin

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Zoe Beck – Die Lieferantin

Der Verlust ihres Bruders durch illegale Drogen bringt Ellie Johnson auf eine neue Geschäftsidee: sie wird ebenfalls ins Drogengeschäft einsteigen, aber mit sauberer Ware, die über eine App geordert und durch Drohnen ausgeliefert wird. Niemand soll sich mit den kriminellen Banden Londons mehr abgeben müssen, sondern ungefährlich seine Substanzen erwerben können. Gleichzeitig nutzt sie die Gewinne, um Drogenabhängigen kostenlose Hilfsangebote zu unterbreiten. Das Geschäft läuft gut, doch der Regierung sind Drogen und ihre Folgen ein Dorn im Auge und eine drastische Verschärfung der Gesetzeslage ist geplant. Auch den Unterweltbossen gefällt Ellies Geschäft nicht, stört es doch ihre eigenen massiv. Eine Verknüpfung unglücklicher Umstände lässt die angespannte Lage explodieren und auf Ellie wird ein Kopfgeld ausgesetzt.

Zoe Beck hat seit einigen Jahren einen festen Platz in der deutschen Krimilandschaft. „Die Lieferantin“ spielt einmal mehr in London und greift aktuelle politische Themen mit auf. Der Brexit hat das Land zum Zeitpunkt der Handlung bereits verändert, die wirtschaftlichen Spannungen wirken sich unmittelbar aus und nach der Zeit der Aufputschmittel, die den Menschen die Illusion grenzenloser Leistungsfähigkeit bescherte, ist nun das Verlangen nach Betäubungsmitteln, die einem die Flucht aus der Realität ermöglichen groß. Diesen Markt über neue Technologien zu bedienen und so auch neue Zielgruppen zu erschließen, passt ebenfalls.

Allerdings wird dieser überzeugende Handlungsrahmen für meinen Geschmack nicht ganz überzeugend mit Leben gefüllt. Die Figuren bleiben mir insgesamt zu blass und wenig überzeugend. Ellie ist recht eindimensional und nur bezogen auf ihr Geschäft skizziert, dass sie den Tod ihres Bruders nicht verkraftet hat oder andere Gefühlsregungen sind kaum zu erkennen. Auch Mo, ihre Programmiererin, wird nur schemenhaft umrissen, ihre Situation als dunkelhäutiges Adoptivkind, ihre gescheiterte Beziehung – die Figur tritt völlig hinter die rassistischen Übergriffe zurück und kann sich nie entfalten. Ein zweiter Erzählstrang um den Restaurantbesitzer Leigh, der unter Schutzgelderpressern leidet, wirkt insgesamt sehr konstruiert und wenig glaubwürdig. Ein braver Gastronom, der locker einen Erpresser ermordet und kaltblütig einbetoniert? Zu wenig glaubwürdig. Auch der Zufall, dass sich genau diejenigen Personen begegnen, die ins Fadenkreuz einer Verbrecherbande geraten, ist in einer Großstadt wie London nicht ganz plausibel.

Dass Zoe Beck überzeugend formuliert und man den Roman so gerne liest und es ihr durch kleine Cliffhanger am Ende der Kapitel immer wieder gelingt, auch die notwendige Spannung aufzubauen, lässt das Gesamtbild etwas positiver wirken. Inhaltlich jedoch war das für mich ihr bislang schwächster Roman.

Mary Kubica – Don’t you cry

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Mary Kubica – Don’t you cry

Als Quinn eines morgens in das Zimmer ihrer Mitbewohnerin Esther kommt, findet sie den Raum verwaist, das Fenster aber weit geöffnet. Sie wundert sich, ist jedoch noch nicht direkt beunruhigt. Als sie dann jedoch einen seltsamen Brief findet, aus Esthers Unterlagen entnehmen kann, dass diese ihren Namen ändern wollte und offenbar eine Anzeige für eine neue Mitbewohnerin geschaltet hat, fragt Quinn sich jedoch schon, wie gut sie Esther tatsächlich kannte. Sie beginnt tiefer zu forschen und mit jeder neuen Entdeckung steigert sich Quinns Angst, dass Esther etwas Schlimmes zugestoßen sein könnte oder diese selbst etwas Schlimmes plant. Aber nicht nur Ester ist in Gefahr, mit ihren Fragen gefährdet Quinn sich selbst ebenfalls.

Mary Kubicas neuester Thriller spielt mit der Frage, was wir vor anderen verheimlichen und wieviel wir bereit sind, über uns selbst preiszugeben, was unwillkürlich irgendwann zu notwendigen Offenbarungen führen muss. Die Hauptgeschichte um Quinn, die versucht die Geheimnisse ihrer Mitbewohnerin zu ergründen dient hierbei als geschicktes Mittel, um immer wieder Verunsicherung zu schaffen und die Protagonistin nackter Angst auszusetzen. Parallel dazu verläuft ein zweiter Handlungsstrang, dessen Funktion sich jedoch erst spät erschließt. Zunächst scheinen die beiden völlig unverbunden und auch im Ansatz völlig verschieden, denn im ländlichen Michigan hadert ein junger Mann mit dem Schicksal seiner Familienkonstellation, was eher traurige denn spannende Momente bietet.

Interessanterweise wird das Buch in Deutschland unter dem Label „Thriller“ vermarktet, im englischsprachigen Raum jedoch als „novel“ klassifiziert. Die Ausgangsfrage um das Schicksal Esthers und die Erklärung für all die Mosaiksteinchen ihres Lebens bieten durchaus eine gewisse Spannung und können das Buch tragen, ein besonders hoher Psychothrill war für mich jedoch nicht zu erkennen. Das qualifiziert das Buch in keiner Weise ab, es ist unterhaltsam zu lesen und man fiebert schon mit der Protagonistin mit, jedoch werden hier gegebenenfalls durch die Zuordnung Erwartungen geweckt, die der Roman für mein Empfinden nicht halten kann.

Alles in allem, für mich ein kurzweiliger Roman, der eher auf Spannung als auf tiefere Charakterstudien setzt und damit auch durchaus fesseln kann.

Karin Slaughter – Pretty Girls

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Karin Slaughter – Pretty Girls

Zwei Frauen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnte: Claire und ihr Ehemann Paul leben dank eines enormen Einkommens das Luxusleben der Oberschicht von Atlanta. Lydia hat sich nach der Drogenabhängigkeit und der viel zu frühen Schwangerschaft langsam ins Leben zurückgekämpft und führt mit ihrer Tochter ein bescheidenes Dasein. Pauls Tod nach einem nächtlichen Überfall führt die beiden wieder zusammen. Fast 20 Jahre haben die Schwester nicht mit einander gesprochen, das Verschwinden ihrer Schwester Julia hatte damals die Familie zerbrochen. Doch nun bringt ein grausamer Fund in Claires Haus sie wieder zusammen: offenbar war der gute Ehemann nicht der, für den Claire ihn fast zwei Jahrzehnte gehalten hat. Je tiefer sie in sein zweites Leben eintaucht, desto mehr muss sie erkennen, dass sie mit einem Monster verheiratet war. Doch die beiden Frauen ahnen noch nicht, welches grausame Verbrechen auf das Konto des smarten Architekten geht.

Unbestreitbar ist Karin Slaughter eine der weltweit erfolgreichsten Thriller Autorinnen, ihre Serien um Will Trent und Sara Linton gehören mit zu den meist verkauften des Genres. „Pretty Girls“ ist ein Standalone Thriller, der ebenfalls nicht mit Spannung und Brutalität geizt. Zunächst die Frage, was die beiden Frauen verbindet und weshalb Lydia über Pauls Tod dermaßen erleichtert ist, doch dies wird rasch aufgelöst. Etwas länger die Frage, weshalb Claire verurteilt wurde und mehrere Monate eine Fußfessel tragen musste. Man ahnt, dass die Figuren hinter der augenscheinlichen Fassade noch mehr zu bieten haben und wird nicht enttäuscht. Keiner ist der, für den man ihn zu beginnt hält.

Neben den Geheimnissen, die die einzelnen Figuren mit sich tragen, bleibt natürlich der Fall, der immer wieder mit Überraschungen aufwarten kann und sich zunehmend ausweitet. Insgesamt ist dies alles in sich stimmig und glaubwürdig, für mich aber letztlich doch etwas zu viel des Guten. Über weite Teile hielt ich das Doppelleben für durchaus möglich, aber ab einem gewissen Punkt erschien mir manches zu sehr konstruiert, um es für real zu halten. Der Showdown wie immer in hohem Tempo erzählt, die Figuren unter enormem Druck und einmal mehr erspart die Autorin dem Leser keine Grausamkeit, die man von einem Menschen eigentlich nie erwarten würde. Alles in allem ein Thriller, der dem Genre voll gerecht wird.

Kanae Minato – Geständnisse

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Kanae Minato – Geständnisse

Am letzten Schultag des Semesters kündigt Lehrerin Moriguchi ihren Achtklässlern an, dass sie nach den Ferien nicht zurückkommen wird. Kein Wunder, denken sich die Kinder, hat die alleinerziehende Mutter doch erst ihre Tochter durch einen tragischen Unfall verloren. Doch wie sie ihnen erläutert, war der Tod des Kindes kein Unfall, sondern Mord und sie hat ihre ganz eigene Rache an den beiden Schuldigen geplant, die sich auch im Klassenraum befinden. Mikuzi, die Klassensprecherin erzählt die Geschichte etwas anders. Auch der beschuldigte Naoki, seine Mutter und Schwester, die die Folgen der Lektion der Lehrerin mitansehen müssen, sowie der zweite Verdächtige, Shuya, kommen zu Wort. Jeder hat einen etwas anderen Blick auf die Geschehnisse. Und jeder gibt einen ganz anderen Grund für sein Handeln, der jedoch dem außenstehenden Betrachter zunächst verborgen bleibt und die Dinge in einem immer wieder neuen Licht erscheinen lässt.

Der Titel des Romans, „Geständnisse“, ist bei Kanae Minato Programm. Nacheinander offenbare sich die Figuren. Immer mehr Abgründe werden sichtbar und führen den Leser an seine Schmerzgrenze. Kaum hat man sich einen Reim auf die Geschehnisse des unheilvollen Tages gemacht, muss dieser ob der neuen Erkenntnisse schon wieder revidiert und adaptiert werden. Geradezu verstörend wirkt die brutale und kaltblütige Macht, die die Figuren in ihren Bann reißt und zu unsäglichen Taten anstiftet. Aber man erkennt auch, welch ein Druck auf den Japanern lastet. Das Gesicht für die Außenwelt, die Selbstdarstellung, ist so viel wichtiger als der Seelenzustand und die hinter der Fassade lauernden Abgründe, die sie schließlich alle ins Verderben stürzen.

Die Autorin gilt in Japan als Meisterin des iyamisu, einer literarischen Unterform des Thrillers, der insbesondere die dunklen Seiten der menschlichen Natur behandelt. Dies gelingt ihr in Geständnisse in der Tat meisterlich. Was die Figuren antreibt, ist ganz unterschiedlich. Ebenso wie sie mit Druck umgehen und gar mit der Angst vor dem drohenden Tod. Es sind vor allem die Beweggründe, die einem zwischen Faszination und Erschrecken auf die Seiten starren lassen. Man kann sich dies alles vorstellen, aber wie kann kein Mensch dafür so weit gehen?

Unweigerlich stellt man sich die Frage, ob dies ein typisch japanisches, oder eher asiatisches Phänomen ist und ob eine solche Geschichte von einem Europäer oder Nordamerikaner in derselben Weise hätte verfasst werden können. Diese sehr eigenen Figuren kamen mit zuletzt in Han Kangs „The Vegetarian“ unter, auch bei der Koreanerin war das Handeln der Figuren nach unseren Maßstäben eher verstörend, aber offenbar in der östlichen Welt völlig stimmig. Das Phänomen der „Hikikomori“ etwa, der Menschen, die sich aufgrund des schulischen und gesellschaftlichen Drucks immer weiter zurückziehen und sich schließlich gänzlich von der Außenwelt abschotten, ist sicherlich in dieser Weise in Europa nicht denkbar, zu individualistisch und hedonistisch streben wir nach Selbstverwirklichung, die sich an den eigenen Normen bemisst.

Kanae Minato reißt allerhand Fragen auf: Schuld und Rache als vorderste, aber auch der Umgang mit einer todbringenden Erkrankung, konkret dem AIDS Virus, dysfunktionale Familienstrukturen, Verlustängste und der Wunsch nach Anerkennung durch diejenigen, die einem wichtig sind. An den Abgründen der menschlichen Seele siedelt sie diese Fragen an, so dass sie keine simplen Antworten dulden können.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Internetseite der Verlagsgruppe Random House.

Darcey Bell – Nur ein kleiner Gefallen

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Darcey Bell – Nur ein kleiner Gefallen

Stephanie ist froh, nach dem Umzug in die Vorstadt und dem Tod ihres Mannes endlich wieder eine Freundin gefunden zu haben. Emily ist das, was man unter einer perfekten Frau versteht: groß, schlank und attraktiv arbeitet sie erfolgreich in der Modebranche und kümmert sich dennoch liebevoll um ihren Sohn Nicky und den Ehemann Sean. Als Emily Stephanie bittet, Nicky von der Schule mit nach Hause zu nehmen, bis sie abends zurückkehrt, ist dies nicht ungewöhnlich, ihre beiden Söhne sind befreundet und haben viel Spaß miteinander. Doch Emily erscheint nicht und ist auch am nächsten Tag wie vom Erdboden verschluckt. Sean weilt derweil in England und kann Stephanies aufkeimende Sorge nicht teilen. Doch Emily bleibt verschwunden und als man einige Tage später eine Leiche findet und die DNA abgleicht, steht fest: die perfekte Karrierefrau und Mutter ist tot. Oder doch nicht?

„Nur ein kleiner Gefallen“ folgt im Muster anderen erfolgreichen Romane der letzten Jahre: Girl on the Train und Gone Girl lassen grüßen. Wir bekommen als Leser nur selektive Informationen, machen uns ein Bild und trara: leider waren alle Annahmen falsch, denn das entscheidende Wissen hat uns gefehlt. Auch wenn das Schema sich inzwischen ein wenig abgenutzt hat, kann der Thriller doch fesseln, wenn man sich auf das Spiel einlässt. Man ist vorsichtig bei den Figuren, weiß man doch nicht, welche Geheimnisse sie vor uns verbergen und was im Laufe der Handlung noch ans Licht kommt. Darcey Bell hat das durchaus sehr gelungen umgesetzt.

Die Figuren sind sehr verschieden, am spannendsten natürlich Emily, die lange Zeit wenig greifbar bleibt und dann aber zunehmend an Format und Charakter gewinnt. Etwas enttäuscht war ich von Stephanie, der Inbegriff der intellektuell begrenzten Bloggermom, deren Leben so überschaubar komplex ist wie das einer Amöbe, sie aber permanent an den Rand des Zusammenbruchs befördert. Ich hatte die Hoffnung, dass hier eine große Überraschung kommen könnte. Sean blieb auch eher der genügsame Ehemann, der eigentlich keine Partnerin, sondern eine Hausangestellte brauchte und dem es an jeder Cleverness fehlte, es mit den Frauen aufzunehmen. An dieser Stelle wären ein paar mehr Überraschungen toll gewesen, die Figuren sind so etwas schablonenhaft.

Trotz der schwächelnden Figuren ist der Thriller unterhaltsam zu lesen, spannend allemal und mit zahlreichen immer neu hinzukommenden Aspekten, so dass man dranbleiben möchte, um zu sehen, wer im großen Finale als Sieger den Ring verlässt.