Max Seeck – The Ice Coven

Max Seeck – The Ice Coven

The disappearance of a famous blogger does not seem to be a too interesting case for Jessica Niemi and her team of Helsinki police. After a big music business event, she did not come home and has since vanished into thin air. Her roommate also cannot contribute anything to Lisa Yamamoto’s whereabouts. When the body of a Ukrainian prostitute in Manga clothing is washed ashore, the investigators do not link the two events immediately, but, bit by bit, they untangle the complex web and soon find themselves confronted with a network of ill doings which goes far beyond the city limits. While working on the most challenging case of her career, Jessica is still mourning the loss of her former boss and friend while Erne’s successor openly hates and threatens to expose her, thus destroying her carefully constructed life.

Already in the first case for Jessica Niemi, Max Seeck masterfully crafted a highly complex plot which was great to follow as a reader. “The Ice Coven”, too, seems to be not too mystifying at the beginning but then it slowly unfolds its whole potential and turns into a high-paced thriller. The short chapters add to the suspense which rises and only climaxes at the very end even though long before you were fooled to believe you know what is going on.

Apart from the crime story, the book’s most outstanding element is the protagonist. Being familiar with the first instalment, you already know her backstory, the things she hides from her colleagues and the demons that haunt her. Still, there are some white spaces to be discovered in further stories which I am eagerly looking for.

A multi-layered thriller which is hard to put down once you started.

Sarah Goodwin – Stranded

Sarah Goodwin – Stranded

Maddie wants to flee from the ghosts that haunt her life after her parents‘ death. Together with seven others, she takes part in a TV experiment in which they have to stay isolated from the world on an island off the Scottish coast for a year. Equipped with cameras and just the most necessary items, the group has to survive in the unfriendly environment. It does not take too long for them until the first conflicts arise. Who does not contribute enough to the community, who is working harder, how can daytime be used in the most useful way? The issues for quarrelling are manifold and Maddie soon finds herself the main target of the male participants. She has always been an outsider, is she just unable of integrating into or group? She tries hard but with lowering food supplies, tension grows and annoyance ultimately turns into blind rage which sets free basic instincts of survival.

Even though Sarah Goodwin’s thriller “Stranded” follows quite a classic scheme, I was totally gripped by the story and hardly could put down the book. The reader follows the first person narrator Maddie thus sharing not only her insecurities and thoughts but also wondering if you can trust her assessment of the situation and feeling hesitant about the other characters’ behaviour and actions behind Maddie’s back. You know from the prologue that things will turn out nasty and that not everybody will survive, thus tension is set high from the start and does not lower at any point keeping you spellbound.

Even though I personally would never take part in such a challenge, I found the setting enthralling. It is well documented what atrocious surroundings in which a bunch of people are threatened by starvation and lose hope of rescue can make of human beings. They turn into animals, it is just a question of when and degree of how horrible the situation becomes. The author does not wait too long for the first small escalations; the characters are well chosen to quickly provide enough room for conflict.

Despite her isolated and overprotective upbringing, Maddie is fairly well equipped for survival. This she needs to be as all kinds of aggressions are addressed to her by her fellows. Her survival instinct kicks in and she is willing to fight back – not matter what it takes. Yet, the other characters are not drawn one-dimensionally either, especially Zoe shows that at times, you are in conflicting situations where you are forced to take sides even though you do not want to and you have to choose maybe the wrong one just because it is the one with the upper hand.

There is no human abyss left out and thus, you only wait for the next escalation level until you reach the ultimate one. Full of suspense, a thriller which definitely deserves this label.

Judith Merchant – Schweig!

Judith Merchant – Schweig!

Heiligabend, ein Tag, den man eigentlich entspannt mit der Familie verbringen sollte. Auch bei Esther laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern einen Abend wie im Bilderbuch verbringen kann. Das ist ihr Anspruch, weniger ist nicht akzeptabel. Aber sie muss vorher noch etwas erledigen, einen Besuch, vor dem sie sich fürchtet. Bei ihrer Schwester, die in einem einsamen Haus knapp eineinhalb Stunden entfernt lebt. Sie weiß, dass es ihr nach der Trennung von ihrem Mann schlecht geht, umso wichtiger ist es, dass sie als ältere Schwester sie besucht und sich kümmert. Sie hat sich immer schon um Schnecke gekümmert, wie sie sie liebevoll seit Kindheitstagen nennt. Sie weiß aber auch, dass sie wieder in Streit geraten werden. Und so kommt es auch, doch es bleibt nicht beim Streit, die Lage wird völlig eskalieren.

Judith Merchant lässt ihre beiden Protagonistinnen frei aufeinander losgehen. Es ist der Kampf zwischen zwei Schwestern, die geübt sind im Kämpfen. Von klein auf haben sie nichts Anderes getan. Für den Leser scheint die Lage klar, obwohl abwechselnd die beiden Perspektiven präsentiert werden, nimmt man schnell Position ein und hofft, dass die Lage vielleicht doch nicht völlig aus dem Ruder läuft, auch wenn von der ersten Seite an klar ist, dass das der Fall sein wird.

Bald schon bekommt die Klarheit jedoch Risse, das Verhältnis der Schwestern differenziert sich und die Fronten sind bei weitem nicht mehr so eindeutig, wie sie vorher schienen. Wie so oft gibt es zwei Wahrheiten, zwei Sichtweisen und Kategorien wie richtig und falsch greifen nicht mehr. Man beginnt zu zögern, zu hadern: wem will man mehr glauben, welche Sichtweise ist überzeugender? Als Leser gerät man zwischen die beiden, versucht sich für eine Seite zu entscheiden und weiß doch nicht, was richtig ist.

Perfekt orchestriert die Autorin die Eskalation, immer, wenn man denkt, gerade die Lage zu fassen zu bekommen, präsentiert sie ein neues Puzzleteilchen, das nur zu einer weiteren Eskalationsstufe führt und die Beziehung der beiden Frauen komplexer gestaltet. Ein Drama in zig Akten, das in einer Tragödie endet, bei der alle irgendwie schuldig und unschuldig zugleich sind, aber auf jeden Fall alle zum Verlierer werden.

Ein Psychothriller, der unter die Haut geht. Mit minimaler Ausstattung – zwei Frauen, ein Haus, ein Wintertag – ein Maximum an Emotion und psychologischer Kriegsführung.

Wolfgang Kaes – Das Lemming-Projekt

Wolfgang Kaes – Das Lemming-Projekt

Die andalusische Provinz hat sich von der großen Immobilienkrise 2008 nie wirklich erholt. Die jungen Menschen ziehen entweder weg oder müssen sich mit gering bezahlten Jobs unter ihrer Qualifikation begnügen. So auch der Historiker Alejandro, der in einem IT Unternehmen online Content durchsucht und alles löscht, was unter Hass, Gewalt oder Pornografie fällt. Sie alle arbeiten dort im Akkord, doch eine seiner Kolleginnen scheint zunehmend unter der Arbeit zu leiden; sie erhält, genauso auch Alejandro, immer wieder verstörende Bilder, die sich persönlich betreffen. Bei Alejandro ist es ein Foto, das er als Kind zu Hause gesehen hat. Als Maria sich das Leben nimmt, beginnt er nachzuforschen und stößt dabei nicht nur auf ein gut gehütetes Familiengeheimnis, sondern auf die Verwicklung von staatlichen Institutionen, Kirche und einer nebulösen Untergrundorganisation, die als Reconquista 2.0 das vermeintlich von Ausländern übersäte und unter einer jüdischen Weltelite leidende Land zurückerobern möchte.

Der Journalist Wolfgang Kaes ist für seine intensiven Recherchen bekannt, mit denen er bereits mehrere ungelöste Fälle aufklären konnte. Immer wieder legt er auch mit seinen Büchern den Finger in Wunden und verbindet so spannende Unterhaltung mit journalistischer Arbeit und Aufklärung. Auch sein aktueller Thriller fügt sich in dieses Schema und greift gleich mehrere heiße Eisen an: die zweifelhafte Rolle der katholischen Kirche unter Franco, die scheinbar bis heute lieber unter den Teppich gekehrt als aufgeklärt wird; im politischen Spektrum eher rechts angesiedelte Bewegungen, die mit gezielter Propaganda nach schlichten Gemütern suchen, die auf ihre simplen Erklärungsmuster hereinfallen und sich leicht instrumentalisieren lassen; die Macht der Internet-Konzerne, die mit ihren Algorithmen steuern, was die Massen zu sehen bekommen und so nicht unwesentlich die öffentliche Stimmung beeinflussen und eine neue Macht darstellen – all dies vor dem Hintergrund der prekären Situation junger Spanier, die gerade in den provinziellen Gebieten kaum mehr Zukunftschancen haben.

„Das Geheimnis des Facebook-Erfolgs ist die Sehnsucht der Menschen nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auch Sehnsucht kann eine Sucht sein. Weltweit erliegen ihr rund 2,7 Milliarden Nutzer, die wie die Lemminge ein paar Meinungsführern und Heilsbringern hinterherhecheln.“

Alejandro weiß wenig über die Firma, für die er arbeitet, auch seine Kollegen kennt er kaum, die Vorgaben sind strikt und der Druck ist groß. Er ist ein moderner Sklave, der sich ob mangelnder Alternativen fügen muss. Seine Arbeit wird eigentlich in dritte Welt-Ländern erledigt, wo Arbeitskräfte willig und billig sind, so weit ist es inzwischen mit Spanien auch gekommen. An wen er bei CleanContent bzw. dem Mutterkonzern ThinkContent geraten ist, ahnt er noch nicht.

Doch mindestens genauso zweifelhaft ist die „Fromme Bruderschaft der Heiligen Agatha“, die als Wohltäter in der Öffentlichkeit auftritt und sich verlorener Kinderseelen annimmt, nur um diese in ihren Erziehungsanstalten gefügig zu machen, zu quälen und zu missbrauchen. Doch wer würde die bescheidenen Kirchenmänner hinterfragen, die sich ganz in den Dienste Gottes gestellt haben?

Viel spanische Geschichte findet Eingang in den Thriller, belegt aber auch, dass sich manches strukturell immer wieder wiederholt, lediglich die Medien sind andere. Und dass es einzelne mutige Menschen braucht, die sich dem Treiben entgegenstellen, für Werte wie Gerechtigkeit einstehen und bereit sind, ihr eigenes Leben für die Wahrheit und das Ende des Schweigens zu riskieren. Einmal mehr eine perfekt orchestrierte anspruchsvolle Lektüre, die thematisch komplex und dennoch spannungsreich gestaltet ist.

Yassin Musharbash – Russische Botschaften

Yassin Musharbash – Russische Botschaften

Gerade ist die Journalistin Merle Schwalb beim „Globus“ befördert worden, ihre Recherchen haben sie zu den top Investigativjournalisten der Republik gemacht. Zufällig wird sie Zeugin eines Unfalls, wie sie vermutet, ein Mann stürzt vom Balkon und ist sofort tot. Doch der Polizeibericht spricht eine andere Sprache, was ihre Neugier weckt. Das Opfer war offenbar russischer Staatsbürger und hat geheime Informationen an deutsche Sicherheitsdienste weitergegeben. Mit einem Kollegen der Norddeutschen Zeitung, der scheinbar an derselben Geschichte nur von einem anderen Ende her arbeitet, schließt sich Merle zusammen, denn offenkundig haben sie brisantes Material in Händen: eine kryptische Liste mit Namen von Menschen, die, so scheint es, aus Russland gezielt Geld für Desinformation bekommen haben. Darunter auch die Chefs der beiden Zeitungen. Es kann Merles größte Story werden – oder ihr Untergang.

Yassin Musharbash ist Journalist der Wochenzeitung „Die Zeit“, kennt also die Arbeit seiner Protagonistin aus eigener Erfahrung. Auch das Thema Fake News und gezielte Beeinflussung der Öffentlichkeit durch Steuerung der Nachrichten beschäftigt nicht erst seit Donald Trumps erstem Wahlkampf die Medien, die oftmals Täter und Opfer zugleich sind und daher auch immer wieder der Kritik ausgesetzt sind. Die Zusammenarbeit mit John Le Carré, für den der Autor als Rechercheur arbeitete, hat sicherlich auch seine Spuren in dem Politthriller hinterlassen.

Was dem Roman hervorragend gelingt, ist die journalistische Arbeit darzustellen. Wie akribisch und aufwändig Nachforschungen sein können, die manchmal dann doch im Sand verlaufen, Quellen, die mal mehr mal weniger glaubwürdig sind, Zufälle, die zu nützliche Informationen führen und auch immer der Druck durch die Konkurrenz, die eigenen Vorgesetzten und unter Umständen auch eine reale Gefahr, je nachdem, mit wem man sich gerade beschäftigt.

Man hat keine Zweifel daran, dass ein Fall wie in dem Thriller erzählt, sich so zutragen könnte. Die Verstrickungen von Politik, Wirtschaft, Medien, dazu Geheimdienste und Individualinteressen sind kaum mehr zu überblicken. das meiste finde im Verborgenen statt, nur selten erfährt die Öffentlichkeit durch aufsehenerregende Ereignisse wie der Vergiftung Skripals oder dem Tiergartenmord von diesen Vorgängen. Die Entwicklung der Geschichte, das langsame Zuspitzen und sich annähern an die Urheber der ominösen Liste folgt einem überzeugenden Spannungsbogen, auch die „Seiteneinschläge“, die die Arbeit der Journalisten behindern, sind dramaturgisch passend platziert.

Was mir etwas fehlte, war der Zugang zur Protagonistin, eigentlich ist eine junge und ehrgeizige Frau gut dafür geeignet, die Sympathien der Leser zu gewinnen, Merle blieb mir aber fremd. Dies lag womöglich daran, dass der Autor sie immer wieder mit Vor- und Nachnamen adressierte, was eine Distanz schafft. Sicherlich muss ei eine gewisse Abgebrühtheit und Nervenstärke mitbringen, um in ihrem Job zu bestehen, leider erscheint sie aber dadurch etwas emotionskalt und abgeklärt, dass ihre Recherchen mit echten Menschen zu tun hat und diese Dinge auch Auswirkungen auf diese haben – immerhin gibt es einen Toten! – lässt sie unverhältnismäßig kalt. Das jedoch der einzige Schwachpunkt für mich.

Tammy Cohen – The Wedding Party

Tammy Cohen – The Wedding Party

All her life Lucy has dreamt of the perfect wedding. It took her 18 months to plan everything to detail so that her nuptials to Jason would be the most spectacular moment. The wedding party arrives on the beautiful Greek island of Kefalonia already a couple of days prior to enjoy themselves and to prepare for the big day. Yet, from the start, things do not run as smoothly as expected. Lucy’s sister Jess appears with a stranger in tow, her parents behave strangely and her wedding planner Nina is asking repeatedly for the pay of the last bill which Lucy simply couldn’t settle as she has been overspending and is totally broke. It is only her best friend Shelly who supports her unconditionally. But this is only the beginning, with the strange woman Vivian, a doomy omen seems to have arrived at their luxurious hotel threatening not only to destroy the best day of her life but her whole family.

I have been a huge fan of Tammy Cohen for years and thus was looking forward to reading her latest novel. Again, she did not disappoint me but created a gripping plot which had me struggle to put the book down once I had started. Brilliantly crafted, suspense is high from the beginning as you know that something absolutely terrible is going to happen, yet, the big question is: what?

Lucy just wants her wedding to be perfect, not necessarily for herself, but much more for her Instagram followers and colleagues. She seems to be doing everything right except for spending money she does not have and not telling her husband-to-be about it. Her sister, on the contrary, is more on the rebel side of life not caring too much about outer appearances and following her own ideals. That she might spoil her sister’s wedding by bringing a total stranger does not really occur to her, it is just her way of having a bit of fun. Their parents, too, seem to have fallen apart, even though the girls do not have a clue why this might be. Just for the sake of the wedding, they all try at least to play their assigned role for a couple of days longer.

Even though it could be a carefree week under the sun, smaller and bigger secrets surface one after the other leading to an increasingly dense atmosphere among the party and opening up all doors for speculation about what might happen. From the police interviews interjected, you can only guess so much, but this is this theorising that makes reading the novel great fun.

Wonderfully depicted characters who all have their flaws and shortcomings mixed with a lot of drama and suspense – a perfect summer read.

Alex Michaelides – Die verschwundenen Studentinnen

Alex Michaelides – Die verschwundenen Studentinnen

Der Anruf ihrer verstört wirkenden Nichte Zoe bringt die Psychotherapeutin Mariana zurück an ihr ehemaliges College in Cambridge. Tara, Zoes Freundin ist bestialisch ermordet worden. Zoe musste bereits als Kind den Verlust ihrer Eltern ertragen, nur wenige Monate zuvor kam Marianas Mann bei einem Schwimmunfall ums Leben; ein Trauerfall, den beide noch nicht ganz verarbeitet hatten. Doch nun geht die Angst in der berühmten Universitätsstadt um. Ein exzentrischer Professor lenkt Marianas Aufmerksamkeit auf sich, nicht nur, weil Zoe ausgesprochen negativ auf ihn reagiert, sondern auch, weil er fast guruhaft hübsche Studentinnen um sich schart, eine davon war Tara. Als eine zweite junge Frau aus dem erlesenen Zirkel ebenfalls ermordet wird, ist für Mariana die Schuld des Dozenten offenkundig. Nur leider steht sie mit ihrer Meinung ziemlich alleine da.

Vor zwei Jahren hat Alex Michaelides mit seinem Debütroman „Die stumme Patientin“ bereits für Aufsehen gesorgt. Sein zweiter Thriller – mit bemerkenswert ähnlichem Cover ausgestattet – ist für mich sogar noch ein Stück überzeugender. Wieder steht im Zentrum die Frage danach, was einen Menschen zu einem brutalen Mörder macht. Die Erfahrungen des Autors aus seiner Arbeit als Psychiater waren sicherlich auch dieses Mal entscheidend für die Gestaltung der Figuren. Die Hauptfigur ist wieder vom Fach und nähert sich dem Täter entsprechend weniger aus polizeilicher denn aus psychoanalytischer Sicht und zeigt einmal mehr, wie anfällig der Mensch doch sein kann, für scheinbar perfekt zusammenpassende Puzzleteilchen.

Als geübter Krimi- und Thrillerleser ist man naturgemäß skeptisch, wenn einem der Täter so klar auf dem Serviertablett präsentiert wird. Zwar scheint der beliebte Professor durchaus einiges zu verbergen zu haben und die Spuren, die auf ihn hindeuten, sind überzeugend platziert, Alex Michaelides liefert jedoch auch noch einige Nebenfiguren, die schnell stutzen lassen – der aufdringliche Doktorand Fred, der junge Portier Morris, vielleicht sogar der Forensiker Julian – und denen man im Laufe der Handlung schlichtweg alles zutraut. Geschickt werden Fährten gelegt, die einem auf Abwege bringen, bevor man – ebenso wie Mariana –  vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen kann und sich verrennt.

Spannend und temporeich erzählt mit einer starken Protagonistin, die die Handlung trägt und den Leser in ihrer Neugier auf den Fall schnell mitreißen kann.

Ruth Lillegraven – Tiefer Fjord

Ruth Lillegraven – Tiefer Fjord

Als das nächste Kind in der Notaufnahme deutliche Spuren von häuslicher Gewalt aufzeigt, reißt bei dem Arzt Haavard der Geduldsfaden. Wie lange soll er noch tatenlos mitansehen, wie Kinder vor seinen Augen leiden müssen, oftmals mit dem Leben bezahlen und niemand etwas unternimmt? Auch seine Frau Clara ist schockiert ob des neuerlichen Falles, schon lange versucht sie einen Gesetzentwurf zum Schutz misshandelter Kinder durchzubringen, doch wieder einmal wird ihr Vorhaben abgeschmettert. Haavard beginnt seine Beobachtungen zu sammeln und hat bald schon eine Liste mit eindeutig verdächtigen Eltern zusammen. Doch genau diese wird ihm zu Verhängnis, denn jemand nimmt die Sache, vor der die Öffentlichkeit die Augen verschließt, in die Hand und ausgerechnet Haavard war gleich zwei Mal in unmittelbarer Nähe, als brutal Rache geübt wurde.

Die norwegische Autorin Ruth Lillegraven wurde bereits mehrfach für ihre Bücher ausgezeichnet, „Tiefer Fjord“ ist ihr erster Thriller, der nicht nur wegen der brutalen Thematik nahegeht, sondern auch clever konstruiert wurde und so unerwartete Überraschungen und Wendungen bietet. Auch die Einblicke in den Politikbetrieb sind überzeugend integriert, da sie nebenbei der Krimihandlung mit informativen Hintergründen mehr Tiefe verleihen.

Man kann die Wut der Figuren nachvollziehen. Immer wieder erleben zu müssen, wie scheinbar alle staatlichen Institutionen versagen, wenn es um den Kinderschutz geht, kann niemanden kaltlassen. Das Motiv des Mörders liegt auf der Hand, moralisch kann man ihm durchaus folgen, auch wenn das gewählte Mittel jenseits aller Legalität ist.

Haavard erscheint zunächst als liebender Vater und engagierter Arzt, doch bald schon bekommt das perfekte Image Risse und reißt ihn von dem gerade errichteten Sockel. In seiner Ehe kriselt es schon lange, weshalb er sich heimlich mit seiner Kollegin trifft, fest davon überzeugt, dass Clara davon nichts ahnt. Doch diese ist deutlich aufmerksamer und vor allem cleverer darin etwas zu verbergen. Die pflichtbewusste Beamtin des Justizministeriums erscheint zunächst etwas blass, offenbart im Laufe der Handlung jedoch unerwartete Abgründe.

Ein Psychothriller, der seinen Namen verdient. Komplexe Figuren, deren Handeln jedoch überzeugend durch ihre Erlebnisse motiviert ist und die widersprüchliche Emotionen aushalten müssen, was sie authentisch und glaubwürdig wirken lässt.

President Bill Clinton/ James Patterson – The President’s Daughter

President Bill Clinton/James Patterson – THe President’s Daughter

Matthew Keating wanted to serve a second term as POTUS, but his mission against one of the evilest terrorists went disastrously wrong and cost him the presidency. Now, he is doing more or less nothing apart from fishing and not so much enjoying himself. When his daughter Mel is abducted by IS terrorist Asim Al-Asheed who wants to revenge his wife and daughters, ex SEAL Matt takes it personal. Since the official agencies totally fail to rescue the girl, he decides to become active himself to get her back. He is still well-connected and secretly sets up a small team to do what a father has to do.

The second cooperation between former President Bill Clinton and well-known crime writer James Patterson is a fast-paced mixture of political and spy thriller which also gives deep insight in how the different national agencies work with and against each other. The thriller brilliantly shows that politics can be a nasty business where personal agendas at times conflict with national interests and ethics. Also, since the end of the Cold War, the lines between confronting enemies have become blurred and the world is a much more complex place with several stakeholders all acting and interfering simultaneously.

First and foremost, the novel lives on the protagonist Matt Keating who tries to free his daughter. Even though we first meet him in the role of the president, his former occupation as a member of the US SEALs is a much more formative aspect of his character. When he learns of is successor’s unwillingness of helping to liberate his daughter, he reactivates his knowledge and connections to rescue her on his own. Admittedly, I doubt how realistic this might be, however, it certainly makes a good action-loaded plot. The daughter, too, is a tough cookie, even though raised in a rather comfortable position, she is courageous and has a strong will to survive which gives her more power than was to be expected.

What I found most interesting, however, was not just the war between the terrorist and the USA but how China meddles and how conflicting interests endanger civilians which are nothing more than collateral damage. Ironically, it is a private affair that leads to the downfall of the current president – highly likely in our times.

Great entertainment which surely also works quite well on the screen since it incorporates the core virtues of bravery, persistence, teamwork and love.

Gustaf Skördeman – Geiger

Gustaf Sköderman – Geiger

Gerade hat sie die Töchter samt Familien verabschiedet, als bei Agneta das Telefon klingelt. Nur ein Wort wird gesagt, „Geiger“, und dann wieder aufgelegt. Agneta weiß, was zu tun ist: sie nimmt die Waffe, die sie seit Jahrzehnten versteckt hat und erschießt ihren Mann, bevor sie sich auf ihre weitere Mission begibt. Polizistin Sara Nowak kennt die Familie gut, ihre ganze Kindheit hat sie dort verbracht und war immer etwas neidisch auf die Mädchen und deren berühmter Vater. Von allen wurde er nur Onkel Stellan genannt und war in den 70ern und 80ern der größte Fernsehstar Schwedens. Jetzt ist er tot und seine Frau auf der Flucht, doch warum?

Gustaf Sköderman hat sich bereits als Regisseur und Drehbuchschreiber einen Namen in seiner schwedischen Heimat gemacht, „Geiger“ ist der Auftakt zu einer Thriller-Trilogie, auf deren historischen Hintergrund er schon vor vielen Jahren durch einen Zeitungsartikel gestoßen war. Was als Familiengeschichte beginnt, wird schnell zum Politthriller, denn der anonyme Anruf weckt die deutschen Sicherheitsbehörden, die seit Jahrzehnten auf ein Lebenszeichen gewartet haben und immer vermuteten, dass der Ost-West-Konflikt des Kalten Krieges noch lange nicht vorbei ist.

Der Markt der Nordic Noir Bücher ist inzwischen unüberschaubar, quasi täglich strömen neben den etablierten bekannten Namen auch neue Autoren auf den Markt und buhlen mit bekannten Mustern um die Gunst der Leser. Erstaunlicherweise wird man aber selten enttäuscht und auch „Geiger“ konnte mich von der ersten Seite an packen. Die Geschichte entfaltet sich im bekannt skandinavischen gemächlichen Tempo, nimmt dann aber mit zunehmender Komplexität des Falles auch an Fahrt auf bis hin zu einem filmreifen Showdown.

Der Autor macht ein inzwischen längst vergessenes Thema der europäischen Geschichte zum zentralen Punkt der Handlung. Zahlreiche Spione wurden zur Zeit des Kalten Krieges auf beiden Seiten der Mauer platziert, viele auch als Schläfer, die Jahrzehnte lang unbehelligt ein unauffälliges Leben führten. Schweden kam als neutralem Staat eine besondere Rolle zu, die letztlich jedoch nicht so unbeteiligt war, wie es schien. Auch kratzt er am Image der Politikerriege, denn diesen kommt eine mehr als zweifelhafte Rolle im Roman zu. Auch wenn ich einige Aspekte für etwas zu viel des Guten hielt und etwas weniger dick aufgetragen auch eine spannende Geschichte ergeben hätte, insgesamt doch ein Thriller, der die Erwartungen erfüllt und zur Abwechslung auch mit interessanten und widersprüchlichen Frauenfiguren aufwartet.