Romy Hausmann – Perfect Day

Romy Hausmann – Perfect Day

Als man ihren Vater, einen angesehenen Philosophie Professor, verhaftet und beschuldigt, der brutale Schleifenmörder zu sein, der zehn Mädchen entführt und getötet hat, kann Ann das nicht glauben. Nach dem Tod ihrer Mutter hat er sich liebevoll um die Tochter gekümmert, war immer für sie da. Außerdem hätte sie ja etwas davon merken müssen! Die Polizei scheint sich sicher zu sein, andere Spuren verfolgen sie erst gar nicht und auch Ludwig, Anwalt und Freund des Vaters, kümmert sich nur halbherzig um dessen Verteidigung. Als Ann zufällig die Mutter eines der Mädchen kennenlernt, führt sie dies auf eine andere Spur, die die Ermittler schon vor Jahren ignorierten, dabei sind die Indizien eindeutig. Als es in einem bayerischen Dorf zu einer Entführung eines Mädchens kommt, macht sich an mit dem befreundeten Journalisten Jakob auf dorthin. Ihr Vater im Gefängnis kommt nun unmöglich als Täter infrage.

Romy Hausmann erzählt ihren Roman aus Sicht der verzweifelten Tochter, die offenbar alleine an die Unschuld ihres liebenswerten Vaters glaubt. Unterbrochen wird die Handlung durch Protokolle, in denen der Mörder offenbar Jahre später in Interviews über seine Beweggründe berichtet sowie eine Innenschau in diesen, wenn es zu den Taten kommt. Man erhält so Einblick in die Gedankenwelt ohne dass schon viel offengelegt wird.

Sowohl das Szenario wie auch die zusätzlichen Informationen des Täters sind spannend angelegt. Durch die persönliche und vor allem emotionale Involvierung der Protagonistin weiß man, dass ihr Blick getrübt und verfälscht sein kann, dass sie nur sieht, was sie sehen will, da sie nicht objektiv nach einem Schuldigen sucht, sondern sich rasch in ihr Gedankenkonstrukt verbeißt. Aber man hat ja noch einen zweiten Blick, dem man als Leser versucht, weitere Details, kleine Anhaltspunkte zu entlocken, um den Mörder zu entlarven.

Leider wurde für mich vieles davon durch für mich gänzlich unglaubwürdige Zufälle und eine doch stark überzogene Hauptfigur verleidet. Die Handlung kommt eigentlich immer nur durch unerwartete Glücksfälle voran, selten ist etwas glaubwürdig motiviert; im passenden Moment geschieht immer etwas, das den nächsten Schritt auslöst. Auch dass sich genau jene Figuren immer begegnen, die sich zwingend begegnen müssen, wirkt nicht authentisch – mal davon abgesehen, dass die Polizei offenbar keine Veranlassung sieht, sie ernsthaft in die Schranken zu weisen, wenn sie überall rumplatscht und sich einmischt. Natürlich haben wir es mit einer Superheldin zu tun, die schlimmste Situationen und Verletzungen meistert, um sich drei Minuten später in den nächsten Kampf zu begeben. Was ich bei James Bond augenzwinkernd hinnehmen kann, wirkt hier einfach überzogen.

Guter Ansatz, leider für mich nicht überzeugend ausgearbeitet. Auch das letztliche Motiv, das am Ende aus dem Hut gezaubert wird, kann nur halbherzig die Taten erklären. Fazit: durchaus spannend erzählt, aber auf der Plotebene doch auch mit großen Schwächen.

Ruth Ware – Das Chalet

Ruth Ware – Das Chalet

Danny und Erin warten in dem französischen Luxus-Chalet auf die nächste Gruppe von Gästen: ein britisches Start-up, das dort die Neuausrichtung der Firma diskutieren und gleichzeitig entspannen will. Doch schon bei der Ankunft wird deutlich, dass es große Spannungen gibt und die Gruppe in zwei Lager zerfällt, die sich zwischen den beiden Gründern und Mehrheitseigentümern Topher und Eva aufspalten. Nur Liz scheint irgendwie nirgendwo dazuzugehören, es ist auch nicht klar, weshalb die ehemalige Mitarbeiterin überhaupt zu dem Trip mitgekommen ist. Die ohnehin angespannte Stimmung wird herausgefordert als erst Eva von einem Ski-Ausflug nicht zurückkommt und dann eine Lawine das Chalet von der Außenwelt abschließt. Doch statt zusammenzuhalten und sich gemeinsam der Situation zu stellen, ereignen sich mysteriöse Todesfälle, die nur eins bedeuten können: unter den Anwesenden ist ein Mörder.

Wie gewohnt routiniert erzählt Ruth Ware auch ihren neuesten Thriller und erfüllt mit diesem genau die Erwartungen, die ich hatte: Die Story beginnt harmlos und entwickelt sich dann langsam zu einem spannenden Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man keiner Figur trauen kann, denn alle haben ihre kleinen und großen Geheimnisse. Der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar, aber es ist nicht nur die Frage, wer da ein perfides Spiel treibt, die einem das Buch nicht mehr weglegen lässt, sondern noch viel mehr jene nach dem Warum.

Die Abgeschiedenheit des Chalets hoch in den Alpen bietet die perfekte Kulisse für den Thriller, die junge hippe Gruppe des Start-Ups erfüllt zunächst auch alle Klischees, die die Sympathien herausfordern. Es scheint als sei das im Raum stehende Übernahmeangebot das Moment, das sie auseinanderdividiert, bald jedoch wird deutlich, dass noch viel mehr dahintersteckt und dass das Beziehungsgeflecht komplexer ist als vermutet. Als Mordmotiv würden zig Millionen aus dem Deal ja allemal ausreichen, aber das wäre hier bei weitem zu kurz gedacht.

Die Handlung wird im Wechsel aus zwei Perspektiven erzählt, die zunächst verwundern. Zum einen von Erin, die als Mitarbeiterin des Chalets Außenseiterin der Gruppe ist und diese mit einem gewissen Abstand betrachten und analysieren kann und der man aufgrund ihrer zuvorkommende und hilfsbereiten Art auch gerne glaubt. Bis ihre Figur Fragen aufwirft, viele Fragen, große Fragen. Nicht minder sieht dies bei der zweiten ich-Erzählerin Liz aus, deren Anwesenheit ebenfalls verwundert und die ein natürlicher Störkörper zu sein scheint. Sie passt in keiner Weise zu den anderen, aber hätte sie wirklich ein Motiv, ihnen was Böses zu wollen?

Die Autorin hat ihren Stil gefunden, der mir immer wieder gefällt und mich bestens unterhält. Wenn man mehrere ihrer Romane gelesen hat – z.B. „Hinter diesen Türen„, „The Death of Mrs Westaway„, „The Lying Game„, „The Woman in Cabin 10“ – weiß man worauf man sich einlässt und was einem erwartet, auch „Das Chalet“ ist diesbezüglich keine Überraschung, was ich allerdings keineswegs negativ sehen würde.

Anne Nørdby – Eis. Kalt. Tot.

Anne Nordby – Eis. Kalt. Tot.

Eine Leiche wird in Kopenhagen aus dem Wasser gezogen. Der Kopf fehlt und auch ansonsten ist der Mann schrecklich zugerichtet. Kommissarin Kirsten Vinther stürzt sich mit Feuereifer auf den Fall, ihren neuen Kollegen Jesper Bæk beäugt sie dabei mit Vorsicht, er wirkt unnahbar und sie kann nicht herausfinden, weshalb er aus der Provinz in die Hauptstadt versetzt wurde. Unterstützt werden sie von der Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen und bald merken sie, dass sie auch jede Hilfe gebrauchen können, denn sie haben es mit einem bestialischen Serientäter zu tun, der seine Opfer präpariert und ausstellt. Seine zweifelhaften Kunstwerke entlehnt er dabei der Grönländischen Sagenwelt, Marits Heimat, weshalb sie auch schnell die Verbindung herstellen kann. Doch was will er ihnen damit sagen? Und was verbindet die Opfer, von denen immer mehr auftauchen?

Unter dem Pseudonym Anne Nørdby veröffentlicht Anette Strohmeyer ihre Skandinavien Thriller. „Eis.Kalt.Tot.“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe um Marit Rauch Iversen und ihre speziellen Fähigkeit der Gesichtserkennung. Diese steht jedoch nicht ganz so sehr im Vordergrund des ersten Bandes wie die Mythen der autonomen dänischen Insel. Diese sind Ausgangspunkt und Schlüssel für das Ermittlerteam, um dem Täter auf die Schliche zu kommen. Doch der Weg dorthin ist weit und ausgesprochen spannend.

Die Leichen werden als sogenannte Tupilait inszeniert, groteske spirituelle Mischwesen, halb Mensch halb Tier. Wegen ihrer unsichtbaren Mächte und Fähigkeiten sind sie sehr gefürchtet, in Kopenhagen stoßen die seltsamen Gebilde aus menschlichen und Tierkörper eher ab. Viel erfährt man nebenbei über den Glauben der Grönländer, der ihnen das Leben in der kargen Einöde ermöglicht hat, da die Sagen immer auch Warnungen waren, die letztlich ihrem Schutz dienten. Marit mag schon lange in Europa leben und rational denken, ganz lösen kann sie sich jedoch von den alten Geschichten nicht und sie verlässt sich immer auch auf ihre Intuition, die sie mehr als einmal zurecht warnt.

Das Ermittlerduo Kirsten und Jesper ist recht konträr aufgebaut, was zu einigen Spannungen führt, aber so auch die menschlichen Unzulänglichkeiten der beiden durchscheinen und sie authentisch wirken lässt. Der Fall ist komplex und eröffnet erst nach und nach durch akribische Polizeiarbeit sein ganzes Ausmaß. Es sind keine Zufälle, sondern Beharrlichkeit und konsequentes Spurenverfolgen, dass sie letztlich auf die richtige Spur führt.

Ein überzeugender und fesselnder Thriller, der perfekt in den Winter passt mit dem kalten und abstoßenden Klima, in dem die Handlung angesiedelt ist. Interessante Figuren, die Lust auf mehr Fälle machen.

Ruth Ware – Hinter diesen Türen

Ruth Ware – Hinter diesen Türen

Als Rowan die Stellenanzeige sieht, erkennt sie die Chance ihrem Londoner Leben zu entfliehen. Statt der Kita und dem täglichen Stress mit den Kolleginnen könnte sie auf einem herrschaftlichen Landsitz in Schottland die Töchter eines vermögenden Architektenpaars betreuen. Sie hat nicht zu hoffen gewagt und dann erfüllt sich der Traum. Doch der stellt sich bald schon als Alptraum heraus und Rowan findet sich im Gefängnis wieder. Dort schreibt sie sich alles von der Seele, was sich in den nur wenigen Tagen bei der Familie zugetragen hat und so dramatisch endete.

Ruth Ware konnte mich bereits mit mehreren spannenden Romanen hervorragend unterhalten, auch „Hinter diesen Türen“ konnte die hohen Erwartungen erfüllen. Interessant ist die Gestaltung der Handlung als Brief an einen Anwalt, man erhält als Leser nur die subjektive Perspektive der Protagonistin und weiß, dass es schlimm enden wird. Schon durch dieses Setting wird die spannende Frage aufgeworfen, was geschehen ist. Durch geschicktes Foreshadowing werden immer wieder kleine Andeutungen geboten, die einem spekulieren und mitfiebern lassen.

Geradezu klassisch für einen Krimi oder Thriller ist der Handlungsort. Das alte Haus mit geheimen Räumen und gespenstiger Vergangenheit, die als Legenden und Mythen von den Dorfbewohnern gepflegt wird. Nächtliche Geräusche, die sich nicht deuten lassen, führen bei Rowan schnell zum nervlichen Ausnahmezustand. Im krassen Gegensatz dazu die hochmoderne Technik, mit der die Architekten das Haus ausgestattet haben, die jedoch auch wie von Geisterhand gesteuert scheint.

Die Kinderbetreuung gerät in den Hintergrund und doch, irgendetwas stimmt mit den Mädchen nicht. Merkwürdige Szenen spielt Rowan immer wieder im Kopf durch, auch die Andeutungen bezüglich Maddie lassen sie stutzen. Aber können Kinder hinter einer so perfiden Verschwörung stecken?

Alles wird nur aus Rowans Sicht erzählt. Wieso glaubt die Polizei ihr ihre Unschuld nicht? Dem Leser erscheint sie als sympathische junge Frau, die eigentlich nur das Beste für die Kinder will. Womöglich, weil auch sie nicht die unschuldige Nanny ist, die sie uns zunächst verkaufen will. Denn ihre Fassade bekommt bald schon Risse, die sich zu Abgründen weiten.

Ein Roman, in dem nichts ist, was es scheint. Gespickt mit vielen Spukszenen, die an klassische Gothic Horror Geschichten erinnern und zusammen mit dem cleveren Spannungsbogen einen runden und unterhaltsamen Thriller ergeben.

Julia Dahl – The Missing Hours

When Claudia wakes up, she cannot remember the past hours. When she looks in the mirror, she hardly can recognise the girl she sees. Obviously, something really bad has happened, her body can tell it, she, however, does not know what it is. She is afraid that somebody at her dorm might see her in that state, luckily it is spring break and most of her fellow students at NYU are gone, just one boy seems to be there. When Trevor sees her, he knows that the girl needs help, yet, the girl is Claudia Castro, super rich and an Instagram famous artist. But that doesn’t count, when somebody is in need, you help. And that’s what Trevor does – not knowing in what a mess all this is going to end.

“The Missing Hours” is a dark novel about the one of the nastiest crimes imaginable. Julia Dahl opens the plot with the big question about what might have happened, once this is answered, the next question follows: why? But then it becomes much more interesting to observe what the experience does to Claudia. She has been assaulted, that much is obvious, and quite often, there are only two options: either the victim withdraws completely blaming herself for what has been done to her or she fights her assailant. The author interestingly chooses to go both ways turning the novel into an intense and gripping read.

The plot is mainly driven by emotion – (unrequited) love, hatred, vindictiveness, but also despair and loneliness. The characters go through challenging times and emotions that they are unable to control, too young and unexperienced they make choices which turn out to be totally wrong, but in their state of being blinded by their feelings, the cannot respond in any other way. It is easy to understand what they do and why they do it, even if you know that nothing good can come from it.

On the other hand, the novel also raises the question about who is there when you are in need. Quite normally, it should be your family, but things are complicated with Claudia’s parents and her sister is about to give birth and surely has other things to care about. Sometimes a stranger can be your saviour, not being too close might be the best for a complicated situation.

What I really liked about the novel is how the protagonist’s conflicting thoughts are conveyed. She feels ashamed, blamed herself, is worried about what might people think of her even though she obviously is the victim. She is educated, knows exactly what to do in such a case and yet, decides not to do what is recommended. As a reader, you can see why she acts in that way and is nevertheless struggling with her choice.

A fast paced thriller which has a lot more depth than one might have expected.

Hillary Rodham Clinton/Louise Penny – State of Terror

Hillary Rodham Clinton/Louise Penny – State of Terror

Unerwartet hat der neue amerikanische Präsident Williams seine schärfste Kritikerin zu seiner Außenministerin gemacht. Ellen Adams hat schnell verstanden, weshalb, indem sie für den Posten ihr Medienimperium aufgibt und an seiner Seite arbeitet, kann er sie besser kontrollieren und geschickt Fallen stellen, um sie öffentlich zu demütigen. Als eine Serie von Bombenanschlägen Europa erschüttert, sind sie jedoch gezwungen, zusammenzuarbeiten, denn im Auswärtigen Amt ging zuvor eine Warnung ein. Ausgerechnet aus dem Iran, dem verhassten Erzfeind. Schnell erkennen Williams und Adams, dass die Bedrohung vielleicht nicht unbedingt aus dem Mittleren Osten kommt, auch wenn dort mit Bashir Shah ein gewiefter Physiker sitzt, der im Verdacht steht, eine Atombombe zu bauen und meistbietend an Schurkenstaaten oder Terrororganisationen zu verhökern.  Die Zeit läuft ihnen davon und das bei einer diffusen Bedrohungslage, bei der die Grenzen zwischen Freund und Feind fließend sind.

Ebenso wie ihr Mann, der bereits zwei Politthriller auf den Markt geworfen hat, hat sich die ehemalige Außenministerin Hillary Rodham Clinton nach Ende der politischen Karriere jener der Literatur verschrieben. Dazu hat sie sich mit Louise Penny eine routinierte und erfolgreiche Autorin gesucht, mit der die Geschichte für meinen Geschmack überzeugend umgesetzt wurde. Es ist ein klassischer Thriller im Politikmilieu, der mit der Angst vor einer unbekannten Gefahr spielt und die bekannten Akteure des politischen Spiels einbindet. Dass damit auch der Mythos des einsamen amerikanischen Helden, der sich und seine Familie hinter die Interessen des Landes stellt, bedient wird, war zu erwarten und sehe ich nicht als Makel, denn die Handlung ist spannungsgeladen, wird mit hohem Tempo erzählt und schließlich schlüssig gelöst.

Ellen Adams zeichnet sich durch einen scharfen Verstand und schnelle Auffassungsgabe auf. Indem man ihren Mann zum Opfer des gesuchten Atombombenbauers macht und auch ihr Sohn bereits in den Händen islamistischer Terroristen war, hat sie auch ganz persönliche Motive, sich den Agitatoren der Krisenregion entgegenzustellen. Als Figur sicherlich in mancher Hinsicht überzeichnet – die ganze Familie einzubinden, derart hoch zu pokern und geschickt die Herrscher in ihrem Sinne zu manipulieren – andererseits sind das die meisten Helden in diesem Genre und bekanntermaßen ist auch ein James Bond halbtot in der Lage, alleine die Welt zu retten.

Die Handlung integriert geschickt die politischen Verschiebungen der letzten Jahre und wirkt dadurch glaubwürdig und durchaus real vorstellbar. Dass in geheimen Laboren Atombomben oder auch andere Waffen, egal ob atomar, biologisch oder chemisch, hergestellt werden könnten, um Rache an der westlichen Welt zu nehmen, dürfte niemand ernsthaft in Zweifel ziehen.  

Der Thriller wurde vielfach harsch kritisiert. Die Argumente sind durchaus nachvollziehbar, die Abrechnung mit dem ehemaligen Präsidenten – Parallelen zu realen Personen sind vermutlich rein zufällig – erfolgt nicht gerade subtil, letztlich ist er es sogar, der entscheidend zu dem Chaos und der Bedrohung beigetragen hat. Ich fand die Seitenhiebe oftmals köstlich und amüsant, da passte jedes Wort.

General Whitehead seufzte. „Bashir Shah ist wieder auf freiem Fuß? Das ist in der Tat ein Problem.“

„Und zwar ein größeres, als Sie glauben. Angeblich haben wir dafür unseren Segen gegeben.“

„Wir?“

„Die ehemalige Regierung.“

„Das ist unmöglich. Wer wäre denn dumm genug… Ach. Vergessen Sie, dass ich gefragt haben“

Die Außenministerin ist die überragende Figur und damit wohl eher von Wunschtraum Clintons. Aber mal ehrlich: wer greift nicht auch zu Literatur, um das zu durchleben, was man im echten Leben nicht hat oder nicht ist? Warum sollte ihr es dann nicht auch als Autorin gestattet sein, die Figur, die gewisse Ähnlichkeit zu ihr aufweist, etwas aufzuhübschen? Mich hat’s nicht gestört.

Das Wissen Clintons aus dem inneren Zirkel der Macht gepaart mit Pennys Schreibtalent – eine spannende und gelungene Kombination, die gerne fortgesetzt werden darf.

Daniel Silva – Der Geheimbund

Daniel Silva – Der Geheimbund

Ein paar Tage Urlaub in Venedig hat Chiara ihrem Mann Gabriel Allon, dem Chef des israelischen Geheimdienstes, abgetrotzt. Doch kaum sind sie in der Lagunenstadt angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Papst ist tot und sein Privatsekretär Luigi Donati hat berechtigte Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignisse, weshalb er Gabriel, einen alten Freund des gerade Verstorbenen, um Hilfe bittet. Das Verschwinden des wachhabenden Schweizergardisten befeuert die Befürchtungen, dass der Pontifex ermordet worden sein könnte und bald schon stoßen Gabriel und Donati auch auf den Grund: der Papst hat offenbar das Evangelium nach Pilatus gefunden, das die Geschichte um Jesus‘ Kreuzigung neu erzählt. Ein mächtiger Orden jedoch, der schon lange Bande mit Europas Rechtsextremen flicht, will die Entdeckung verheimlichen und nicht nur das: die Mitglieder des Helenenordens greifen nach dem Pontifikat.

Im zwanzigsten Fall für den jüdischen Chefagenten geht es ans Eingemacht der religiösen Geschichte. Nicht nur spielt die Handlung im Herzen der katholischen Kirche, die schicksalhafte Verbindung zwischen Christentum und Judentum, die schwärzesten Zeiten der Geschichte sind das Leitmotiv des Romans. Daniel Silva hat mit „Der Geheimbund“ einmal mehr einen spannenden wie anspruchsvollen Thriller geschrieben, der einen actionreichen Plot mit Geschichte kombiniert und bestens unterhält.

Es sind die klassischen Zutaten, die Silva verwendet: ein mysteriöser Mord, eine geheimnisvolle Untergrundorganisation, die verschwiegenen Mauern des Vatikans, eine alte Schrift, die die Geschichte neu schreiben könnte. Zeitdruck durch das angesetzte Konklave und die Befürchtung, dass die höchste Position auf Erden an Rechtsextreme fallen könnte, befeuern das hohe Tempo der Erzählung.

Die Verflechtungen und Unterwanderung der Kirche – bei denen man sich schon fragt, inwieweit hier überhaupt Fiktion vorliegt – wird clever konstruiert und wirkt authentisch. Interessanter jedoch waren für mich die Empfindungen der jüdischen Agenten beispielsweise in München, Ort einer der schlimmsten Nachkriegstragödien, die so einfach hätte verhindert werden können. Oder auch die Frage, wie die beiden Weltreligionen zueinander stehen; einerseits der Vorwurf, dass die Juden den christlichen Messias getötet haben, andererseits das Schweigen des Vatikans zur Zeit des Holocaust.

Für mich vielleicht bislang der gelungenste Roman der Reihe, da er insbesondere den feinen Humor und Ironie des Protagonisten immer wieder Raum für realweltliche Anspielungen bietet:

« Was wäre schlimmer, als erleben zu müssen, wie die Ersparnisse meines Lebens in Rauch aufgehen?»

« Wie wär’s mit einer globalen Pandemie? Mit einem neuartigen Grippevirus, dem wir Menschen hilflos ausgeliefert sind? »

« Eine Plage? »

« Lachen Sie nicht, Cesare. Das ist nur eine Frage der Zeit. »

Ein herzlicher Dank geht an die Verlagsgruppe Harper Collins für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autor und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Claire McGowan – I Know You

Claire McGowan – I Know You

When teenager Casey Adams leaves for Los Angeles, she hopes that her job as a nanny with a Hollywood film maker will be the first step in a career. Yet, David is hardly at home and his wife Abby is not only frustrated as she does not get any acting offers anymore but also totally unable to cope with her two kids, 5-year-old Madison and baby Carson. All is left to Casey who herself struggles with the tasks being young and unexperienced with kids. Things develop in the worst imaginable way ending in a family drama. Twenty years later in England, Rachel finds herself accused of the murder of her boy-friend’s wife. All evidence is against her, why did she run when she accidentally stumbled over the body in the woods and not call the police? Rachel has a reason to stay away from murder as she knows how death row feels.

Claire McGowan has created another highly suspenseful and complex psychological thriller. Casey’s and Rachel’s story alternate, it only takes a couple of pages to realise how they are linked and why the two plot lines are connected over such a long time and two quite unalike places. Both murder cases are interesting to follow even though they could hardly be more different and the fact that there is a common ground gives it a little extra of suspense.

It is easy to comprehend Casey’s feeling of exhaustion as she is not really prepared for her job as a nanny. Working for a glamorous family sounded great only on paper, reality hits her hard, but she has a good heart and tries to do what is best for the kids. It takes some time for her to understand the underlying mechanics of the family, that David and Abby’s relationship is going down the plughole and that all she can do is make sure the kids are all right. Until they aren’t anymore. Being accused of multiple murder, nobody wants to believe her, that is the hardest part of the story because you can easily empathise with her despair in telling them about her innocence without being heard. Yet, there are some gaps in her story and the question is looming if she can actually be believed.

Rachel on the other hand, is a lot stronger but nevertheless also a prime suspect whom everybody turns their back to when the police start to question her. She is also alone and tries to prove her innocence. It is obvious that somebody tries to frame her, the big question is just: who would want to do such a thing and why?

A great read that I totally adored. Two wonderful protagonists who are multifaceted in their character traits and a suspenseful plot which brilliantly links the two stories.

Nicole Trope – The Mother’s Fault

Nicole Trope – The Mother’s Fault

Even though Beverly is rather young for a mother, she has done the best in raising her son Riley the past eight years. Partners have been in the picture but whenever they got too close, she withdrew in her cocoon. But now, Ethan does not seem to accept her decision and by sending expensive toys tries to win Riley’s favour. However, Beverly is mistaken, the anonymous presents are from somebody else, somebody who has been searching her and who is watching her now, waiting for the best moment to strike. Somebody who knows her past and above all, the secret she has successfully hidden for years. Finally, her luck seems to come to an end and she is not only threatened to be exposed but also to lose the most precious thing of her life: her son.

Nicole Trope has wonderfully plotted the action in her thriller so that the reader is immediately gripped. By alternating the chapters’ focus, we are presented with different points of view that fuel speculation about who is this unnamed observer, what is this person up to and, first and foremost, what is Beverly hiding? I totally adored hypothesising about these questions, running in the wrong directions while the conflict slowly unfolds and heads towards a climax.

Beverly is a character you are fond of instantly. She is a lot younger than the other mothers and feels inferior not only due to her age but also senses that she needs to do better than the fellow moms to avoid being looked down on. Being a single parent is hard enough, for her, the pressure put on her from the outside makes it even harder. She only wants the best for Riley and is willing to put her personal luck second which is quite a compassionate attitude. That she becomes the focus of a villain seems unfair even though you are aware from the beginning that she, too, has some secrets which might be rather nasty.

A brilliantly crafted psychological thriller with some unexpected turns that kept me riveted from the beginning to the end.

Max Seeck – The Ice Coven

Max Seeck – The Ice Coven

The disappearance of a famous blogger does not seem to be a too interesting case for Jessica Niemi and her team of Helsinki police. After a big music business event, she did not come home and has since vanished into thin air. Her roommate also cannot contribute anything to Lisa Yamamoto’s whereabouts. When the body of a Ukrainian prostitute in Manga clothing is washed ashore, the investigators do not link the two events immediately, but, bit by bit, they untangle the complex web and soon find themselves confronted with a network of ill doings which goes far beyond the city limits. While working on the most challenging case of her career, Jessica is still mourning the loss of her former boss and friend while Erne’s successor openly hates and threatens to expose her, thus destroying her carefully constructed life.

Already in the first case for Jessica Niemi, Max Seeck masterfully crafted a highly complex plot which was great to follow as a reader. “The Ice Coven”, too, seems to be not too mystifying at the beginning but then it slowly unfolds its whole potential and turns into a high-paced thriller. The short chapters add to the suspense which rises and only climaxes at the very end even though long before you were fooled to believe you know what is going on.

Apart from the crime story, the book’s most outstanding element is the protagonist. Being familiar with the first instalment, you already know her backstory, the things she hides from her colleagues and the demons that haunt her. Still, there are some white spaces to be discovered in further stories which I am eagerly looking for.

A multi-layered thriller which is hard to put down once you started.