Elisabeth Norebäck – Das Schweigemädchen

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Elisabeth Norebäck – Das Schweigemädchen

Als eine neue Patientin zu der Psychotherapeutin Stella Widstrand kommt, traut sie ihren Augen nicht: Isabelle sieht aus wie ihre Tochter heute aussehen würde, genau so hätte sich Alice entwickelt, wenn sie nicht vor zwanzig Jahren verschwunden wäre. Stellas Umfeld glaubt nicht daran, vor allem nachdem sie einige Jahre zuvor schon einmal nach der vermeintlichen Wiederentdeckung ihrer Tochter völlig aus der Bahn geworfen worden war. Ihre Familie macht sich Sorgen, Stella ist völlig durch den Wind, verwirrt und abwesend und offenbar ist ihr nicht klar, auf welchem Weg sie sich wieder befindet. Das weiß sie in der Tat nicht, denn jemand möchte unbedingt den Kontakt zwischen Isabelle und Stella verhindern.

Elisabeth Norebäcks Debütroman kann auf der ganzen Linie überzeugen und hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es gelingt der Autorin, viele Spuren zu legen, so dass man lange Zeit verunsichert bleibt und nicht weiß, welchen Reim man sich auf die Vorgänge machen soll. Wird Stella tatsächlich bedroht, hat sie doch eine Psychose, die Wahnvorstellungen auslöst und die sie alles falsch deuten lässt? Am Ende folgt eine saubere und glaubwürdige Auflösung, die keine Frage unbeantwortet lässt.

Die Handlung folgt im Wesentlichen den Ereignissen um Stella. Durch das Fehlen der Perspektiven der Figuren um sie herum, ist man auch als Leser eingeschränkt in dem, was man weiß und kann nur Stellas Deutungen folgen. Mit dem Risiko, auch ihren Denkfehlern oder Fehleinordnungen zu folgen. Gelegentlich werden Abschnitte über Isabelle eingeschoben, die junge Studentin, die nach dem Tod des Vaters psychologische Unterstützung sucht. Es würde zu viel verraten hier ins Detail zu gehen, aber vom Ende her gesehen, sind diese Abschnitte ungemein clever gestaltet und tragen entscheidend zur Spannung bei.

Fazit: ein stimmiger Skandinavien-Krimi, der geschickt mit den Ängsten und Sorgen der Figuren und der Leser spielt.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Weitere Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Internetseite der Verlagsgruppe Random House.

Dominic Selwood – Das Feuer der Apokalypse

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Dominic Selwood – Das Feuer der Apokalypse

Eigentlich will Ava Curzon, nachdem sie der Geheimdienstarbeit den Rücken gekehrt hat, in Ruhe ihrer archäologischen Arbeit nachgehen. Als man sie jedoch um Mitarbeit in einem komplexen Fall bittet, wird ihr Jagdinstinkt geweckt. Ein russischer Oligarch scheint auf der Suche nach einer mysteriösen Ikone zu sein und eine Prophezeiung von Rasputin wirft mehr Fragen auf als sie Antworten gibt. Haben sie es mit religiösen Fanatikern zu tun oder sind die Männer auf der Spur einer Jahrtausende alten Offenbarung?  Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der Ava mehr als einmal ins Fadenkreuz ihrer mächtigen Gegner bringt.

Dominic Selwoods Roman bietet all das, was man von einem Verschwörungs- und Geheimdienstthriller erster Güte erwarten kann: unerschrockene Ermittler, sich gegenseitig misstrauende und bekämpfende Dienste, Verschwörungen biblischen Ausmaßes, Geheimbünde und Orden, sowie alte Weissagungen und Mysterien, die nur darauf warten endlich entschlüsselt zu werden. Das alles wird in hohem Tempo erzählt und kulmuniert in einem furiosen Finale.

Natürlich ist die riesige Verschwörung nicht ganz glaubwürdig und auch die Anzahl der Schutzengel, die die Protagonistin Ava benötigt, und das Tempo, mit dem sie sich von einem ins nächste Land bewegt und sofort auf die nächste Spur stößt, kratzen bisweilen an der Grenze der Glaubwürdigkeit. Aber dies sollte nicht der Maßstab sein, denn es ist nun einmal ein Buch, das unterhalten will und das gelingt dem Autor ohne Frage. Ava trägt die Handlung und begleitet den Leser durch ihre Schatzsuche. Besonders gut gefallen hat mir die ausgewogene Mischung zwischen biblisch-historischen Exkursen, die die aktuellen Geschehnisse einordnen und ihnen Plausibilität verleihen, und dem rasanten Tempo der Verfolgungsjagd bzw. dem Wettlauf zwischen Ava und dem Oligarchen. Nie kommt ein Moment des Durchatmens und Sacken-Lassens, immer weiter peitsch Selwood die Handlung voran und liefert ein Puzzleteilchen nach dem nächsten.

Mir war der Autor bis dato nicht bekannt, der Roman hat mich aber neugierig gemacht, dass ich den zweiten Teil einer Reihe gelesen habe, war mir gar nicht aufgefallen, denn er hat auch so wunderbar funktioniert. Thematisch und vom Genre kann sich Selwood direkt neben Dan Brown und Steve Berry einordnen und mit „Das Feuer der Apokalypse“ steht er den ganz großen Erfolgen der beiden Megaseller in gar nichts nach.

Catherine Ryan Howard – Ich bringe dir die Nacht

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Catherine Ryan Howard – Ich bringe dir die Nacht

Nichts hat Alison weniger erwartet als Besuch von der Polizei. Von der irischen Polizei und das, wo sie seit zehn Jahren in den Niederlanden lebt. Nach den schrecklichen Vorfällen war sie geflohen und hat sich mühsam ein neues Leben aufgebaut und versucht zu vergessen. Doch jetzt beginnt alles scheinbar von Neuem. Der so genannte Kanalkiller von Dublin hat wieder zugeschlagen, aber eigentlich sitzt dieser doch im Gefängnis? Sie selbst hatte auch keine Zweifel mehr an der Schuld ihres Freundes Will, nachdem dieser die Morde an den Studentinnen gestanden hatte. Doch nun werfen die neuerlichen Tötungen Fragen auf und Will möchte reden, aber nur mit einer einzigen Person: mit Alison. Ist er womöglich doch unschuldig?

Catherine Ryan Howards zweiter Krimi war einer der erfolgreichsten Titel im angloamerikanischen Raum 2018. Es braucht nur wenige Seiten, um dies nachvollziehen zu können: die Autorin packt einem vom ersten Moment und man ist derart gefesselt von der Geschichte, dass man den Roman kaum beiseite legen möchte. Ein Thriller, der zwar durchaus bekannte Muster zeigt, aber dennoch überraschen kann und unerwartete Wendungen aufbietet.

Auf zwei Zeitebenen werden die Ereignisse der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Interessant dabei bleibt, dass manche der Figuren doch so zweideutig und vage bleiben, dass man bis zur letzten Seite nicht sicher ist, ob man ihnen trauen kann oder ob sie ein falsches Spiel spielen. Die Protagonistin Alison bleibt dabei als 19-jährige Studentin etwas unbedarft und naiv und ist auch zehn Jahre später nicht viel weiter. Nichtsdestotrotz trägt die Figur die Handlung überzeugend und man kann ihr emotionales Hin-und-Hergerissen-sein sehr gut nachvollziehen.

Der Fall ist plausibel konstruiert und clever spielt die Autorin mit den Wissenslücken und voreiligen Deutungen der Figuren, um so nicht nur ihre Charaktere in zweifelhaftem Licht erscheinen zu lassen, sondern auch dem Leser einige Fährten zu legen, denen man bereitwillig folgt.

Kein Thriller, der an die Grenzen der Nervenanspannung geht, aber der Schreibstil hält die Ungeduld und Vorahnung konstant oben und lässt sowohl das Setting wie auch die Figuren authentisch und glaubhaft wirken. Es braucht keine brutalen Szenen mit detailreichen Schilderungen von Verletzungen und dem Aussehen der Leichen, um spannungsreich gut zu unterhalten.

Ein herzlicher Dank geht an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autorin und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Emelie Schepp – Nebelkind

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Emelie Schepp – Nebelkind

»Keren«. Sie las weiter. »Griech. Myth. Bei den alten Griechen galten die Keren als Todesdämonen oder genauer als Dämonen der gewaltsamen Todesarten.

 

Staatsanwältin Jana Berzelius hat wieder Alpträume, schon seit ihrer Kindheit begleiten sie diese, doch sie kann sie nicht deuten. Ihr neuester Fall scheint sie noch viel stärker heraufzubeschwören – kann sie vielleicht der Ursache endlich auf die Schliche kommen und die Erinnerungslücken ihrer Kindheit schließen? Ein hoher Mitarbeiter des Amts für Migration wurde in seinem Haus erschossen, auf den Überwachungskameras sieht man nur ein Kind, das aber unmöglich der Täter sein kann. Nur kurz darauf wird auch der Junge erschossen aufgefunden und zwei Dinge stellen die Ermittler vor Rätsel: wieso vermisst niemand den 9-Jährigen und weshalb hat er das Wort „Thanatos“ in seinen Hals eingeritzt? Jana hat vielleicht eine Erklärung, die sie jedoch unmöglich teilen kann: sie selbst trägt ebenfalls den Namen einer Todesgottheit unter ihren Haaren und hält dies seit Jahrzehnten versteckt.

„Nebelkind“ ist der Auftakt der Serie um die schwedische Staatsanwältin mit ungewöhnlicher Kindheit. Der Fall verwickelt die Juristin unmittelbar in ihre eigene Geschichte und beantwortet ihr zahlreiche Fragen. Die eingeschobenen Träume sind zunächst nicht einzuordnen, im Laufe der Handlung wird das Bild jedoch zunehmend klarer und gemeinsam mit der Protagonistin lüftet man den Schleier um ihre Herkunft.

Insgesamt ein solider Thriller, der einen komplexen Fall behandelt, der zahlreiche Nebenschauplätze mit sich bringt und auch so manche tote Spur legt und damit die Spannung stetig aufrecht hält. Überzeugend hat die Autorin jedoch die Spuren gelegt und löst das komplizierte Gebilde sauber auf. Weniger als der Kriminalfall lebt der Roman jedoch von den Figuren. Jana Berzelius ist ganz sicher eine sehr außergewöhnliche Figur, die mit den inneren Rissen und ihren zwei Seiten leben muss: einerseits die korrekte Staatsanwältin, die für Recht und Ordnung sorgt, andererseits der Mensch, der nie Liebe erfahren hat und seinen Emotionen folgt, um persönliche Gerechtigkeit zu erzwingen. Auch die anderen Ermittler wurden mit individuellen Stärken und Schwächen ausgestattet, die sie menschlich und auch facettenreich erscheinen lassen.

Un-Su Kim – Die Plotter

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Un-Su Kim – Die Plotter

Eine Wahl für sein Leben hatte er nie. Raeseng ist schon in der Bibliothek bei Old Raccoon aufgewachsen und dort ganz selbstverständlich in das Metier eines Auftragskillers eingeführt worden. Doch die Lage in Seoul verändert sich, Wahlen stehen an, die Regierung schwächelt und es scheint als wenn unter den Plottern, die seit Jahrzehnten im Land entscheiden, wessen Tage gezählt sind, ein Machtkampf ausgebrochen ist. Auch Raeseng bemerkt, dass seine Arbeit kritischer wird und dass auch er selbst ins Visier der Plotter geraten zu sein scheint – eine Bombe in seiner Wohnung ist da doch recht eindeutig. Er forscht nach und kommt einer kleinen, aber interessanten Gruppe auf die Schliche, die ihn auf ihrer Liste stehen hat.

Koreanische Literatur ist häufig etwas härter als der durchschnittliche deutsche Krimi, auch „Die Plotter“ erfüllt in dieser Hinsicht alle Erwartungen. Menschenleben sind nichts mehr als Spielfiguren in einem Schachspiel, die bisweilen an die falsche Stelle rücken und dann aus dem Spiel entfernt werden. Ein ewiger Kampf ums Überleben, der am Ende nur einen Sieger kennen kann.

Zunächst erscheint der Auftragskiller als Protagonist eher unnahbar in seiner Abgeklärtheit und Kühle. Aber im Laufe der Handlung entwickelt Raeseng immer mehr Profil und vor allem zeigt sich seine menschliche Seite. Er ist keineswegs so gefühllos, als dass er unhinterfragt jeden Auftrag nach Vorgabe ausführt und sich keine weiteren Gedanken um seine Opfer macht. Gerade dieser humane Zug wird ihm schließlich zum Verhängnis, zeigt aber auch, dass man zwar in ein Milieu hineingeboren werden, aber trotzdem so etwas wie Mitgefühl entwickeln kann. Seine Neigung zur Literatur ist glaubwürdig motiviert, aber doch so außergewöhnlich für seinen Berufsstand, dass es die Figur umso interessanter macht.

Die Handlung ist in gewissen Maße abzusehen, die Erinnerungen Raesengs bringen diese auch weniger voran als dass sie zur Profilschärfung des Protagonisten dienen. Das Trio, das Raeseng letztlich ausmacht, hat auch eine recht unerwartete Note, in diesem Punkt kann der Roman sich wahrlich aus der Masse hervorheben: ein Mangel an Überraschungsmomenten kann man Un-Su Kim sicher nicht vorwerfen und derart eigene, ausgefeilte Charaktere findet man auch eher selten. Insgesamt ein stimmiger und außergewöhnlicher Thriller.

Michael Molsner – Die verbrannte Quelle

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Michael Molsner – Die verbrannte Quelle

Auf den deutschen Außenminister wird kurz nach der Wende ein Anschlag verübt, der erstaunliche Ähnlichkeiten zum Entführungsfall von Hanns Martin Schleyer hat. Doch das Ziel war tatsächlich nicht der Minister, sondern Paul Purr, Handelsattachée in Tel Aviv, der bei ihm im Auto saß. Aus Sicherheitsgründen darf dieser nun eine Reise nach Israel mit dem Abgeordneten Dr. Schwenkert nicht antreten, dieser wird daher von dem Regisseur und Journalisten Jan Ziel begleitet, dessen Vater als einer der obersten Chefs im BKA den Fall um Purr untersucht. Dank Ziels Beobachtungen und zwei weiteren Anschlägen auf Attachées, die mit Purr an einem Treffen zur Vorbereitung von Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien teilgenommen hatten, ergibt sich bald eine konkrete Spur, in die die lokalen Geheimdienste unmittelbar verwickelt sind.

Michael Molsners Polit-Thriller klingt nach einer spannenden Lektüre, die auch trotz der fast 30 Jahre seit der Erstveröffentlichung noch brisant und aktuell erscheint. Die Konflikte im Nahen Osten haben sich verschoben, die Bündnisse sind andere, aber nach wie vor ist die Lage fragil. Doch der Roman ist ein herrliches Beispiel für ein grandios auf ganzer Linie gescheitertes Buch, bei dem der einzige Reiz darin besteht, wie bei einem schlimmen Unfall nicht hinschauen zu wollen, aber durch eine unbestimmte Macht doch fasziniert von dem Grauen zu sein und den Blick nicht abwenden zu können.

Zunächst gibt es einige Mysterien, die sich für mich nie gelöst haben: wieso haben Vater und Sohn unterschiedliche Namen? Das war zur damaligen Zeit eher ungewöhnlich. Bei dem jungen Journalisten wird stets betont, dass er im polnischen Krakau aufgewachsen sei und daher Leid und Armut kennt. Und wie kann sein Vater da unmittelbar nach der Wende als oberster Personenschützer im BKA arbeiten? Die Zentrale des BKA wurde auch kurzerhand von Wiesbaden nach Bonn verlegt und die Mitarbeiter dort ermitteln ganz entspannt auch mal im Ausland. Ziels Vater bekommt auch direkt einen Termin in der Knesset beim israelischen Außenminister und plaudert entspannt mit diesem – warum auch nicht, in dieser Position hat der Israeli für einen deutschen Beamten, der eigentlich auch nichts weiter von ihm will, natürlich immer Zeit. Dazu passt auch, dass sie dann bei Eilat ins Tote Meer steigen wollen. Israel ist ja nicht groß, dass wird allerdings sportlich.

Wahrscheinlich soll das dem Leser aber gar nicht auffallen, denn der Autor hat einen Ton, der einem schnell vermittelt, dass er einem für völlig bescheuert und noch dazu ungebildet hält. Quasi jeder Handlungsfortschitt wird mit einer belehrenden Erläuterung versehen: in Israel sprechen zwei Frauen eine fremde Sprache: das ist Ivrit, Neuhebräisch. Im Radio laufen im Dezember keine Weihnachtslieder: Die Israelis sind Juden oder Moslems und feiern deshalb die Geburt Jesu nicht. Bei einer Hausdurchsuchung erklären die Polizisten: „Wir suchen Abhörgeräte, sogenannte Wanzen“. Seite um Seite fragt man sich: meint er das ernst oder will er nur die Sendung mit der Maus kopieren?

Ein besonderes Highlight auch die Frauenfiguren. Hier treten zwei besonders in den Vordergrund, zum einen eine Ermittlerin des BKA, zum anderen eine ehemalige deutsche Nonne, die mit einem saudischen Prinzen verheiratete ist und vor diesem mit Hilfe des Attachées flieht. Die BKA Frau tritt zum ersten Mal bei einem Verhör auf, wo sie nur geifert und rumschreit und keine einzige sinnvolle Frage zustande bringt. Als sie den Raum verlässt, können die Herren endlich ordentlich die Arbeit machen. Beim Feldeinsatz in Israel ist sie es dann auch, die mit dem Dietrich die Tür nicht aufbekommt und etwas belämmert den Einsatz verpasst:

»Also, ich weiß nicht, wie ihr das immer mit euern Dietrichen macht. Meiner hat überhaupt nicht gegriffen!«

Viel unglaubwürdiger kann jemand in dieser Position kaum sein, es sei denn man wollte bewusst erkennen lassen, dass Frauen grundsätzlich hierfür nicht geeignet sind. Dass die endlich erlöste Ehefrau sich weiterhin in Palästina aufhält und wild mit allen ermittelt und sich in keiner Weise vor dem ach so brutalen Ehemann und seiner Kavallerie schützt, erscheint auch nur wenig plausibel.

Bei der Begegnung Jan Ziels mit einer Gruppe von Nonnen fällt dann auch ein sprachliches Highlight, bei dem sich der Mageninhalt sehr drängend in die falsche Richtung bewegt:

„Gleich zu Beginn verliebte er sich in die Regionaloberin, Schwester Candida. Es entzückte ihn, daß sie so hübsch war!“

Der Klappentext war ansprechend. Viel mehr Positives findet sich leider nicht. Allerdings bot es viel Gesprächsstoff, da ich beim Lesen meinem Mann immer wieder vom neuesten Knaller berichtete, wobei er die entscheidende Frage wiederholt aufgeworfen hat: warum liest du das überhaupt?

Dov Alfon – A Long Night in Paris

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Dov Alfon – A Long Night in Paris

When an Israeli IT specialist is abducted at Charles de Gaulle airport, this is not given too much attention at first. But since it can serve as a great story to redirect public interest from the latest of the Prime Minister’s misconducts, suddenly this incident turns into the top issue. And as it turns out, the case of the abducted Israeli becomes one of the most complicated and deadly warfares on French ground. While the newly appointed head of the Israel Special Section 8200 Abadi is fighting Chinese killers with a clear and uncompromising mission in the French capital, his deputy Oriana Talmor is struggling in Tel Aviv with their own people who appear to be much more interested in their personal agendas than in the country’s security. A long day and an even longer night lies in front of this seemingly mismatched pair.

Dov Alfon certainly knows what he is writing about and there are some interesting parallels between his own life and his protagonist Abadi. Both grew up in France which their parents left when they were still school boys. He did his military service in the IDF’s technological intelligence unit before becoming an awarded journalist. To sum up, “A Long Night in Paris” is a fast-paced spy novel which is highly complex in its plot and gives a lot of insight in what is going on behind the closed doors of one of the world’s most famous and most secretive services.

The story is simply addictive. Once you’ve started you can’t put the book down since you’re hooked and you want to know how all the different dots connect. What I liked most about it was the fact that it is not by surprising coincidences that the plot advances but by the doing of very intelligent characters. They are not only well-trained soldiers, but also the elite which is demonstrated breath-takingly. Even under the highest pressure, they keep calm and can control the situation.

Oriana Talmor is certainly a very interesting character. It is rare to have a female protagonist in a spy novel (who is not just the seductive sidekick of the big enemy), and in my impression she is well-balanced between the intelligent soldier and the human being who is sensitive and to whom also self-doubts aren’t unknown. This was especially shown in the scene where she motivates her female duty sergeant Rachel to continue her career as an officer.

The 2017 book sensation from Israel luckily now also available in other languages and without a doubt a novel that can compete with John Le Carré’s or Daniel Silva’s novels.

Mads Peder Nordbo – The Girl Without Skin

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Mads Peder Nordbo – The Girl Without Skin

Journalist Matthew has left his Danish home after with wife and their unborn daughter died in an accident. In Greenland he tries to make a new start. When an old, in ice conserved body is found, he believes to have found the story of his life: a new iceman just like Ötzi might be the scoop of his career. But it soon turns out that the body isn’t several hundred but only forty years old. His first deception leads him to old Greenland murder cases that were never solved. Four men had been killed and sliced open. When he starts to investigate, he doesn’t know what kind of hornets’ nests he is stirring up with his questions.

At first, “The Girl Without Skin” attracted me since the description sounded like a typical Scandinavian thriller set in the Greenland ice. As it turns out, there is much more to it than just brutal murders that need to be unravelled. Apart from the suspense and the clever story about these long time unsolved cases, it gives insight in a hardly known culture and the way the small community works – which is even worse than any of the violent killings.

I liked how the story slowly unfolds, one thing leads to another and you end up somewhere completely other than expected. All steps are well motivated and the highly complex case is solved satisfactorily. There is just one aspect that was a pity a bit: the protagonists, the Danish journalist, and his Greenlandic female helper resembled by far too much Stieg Larsson’s characters. The fearless investigative reporter who is eagerly ready to risk his life for a story and the inscrutable tattooed woman who is said to be a murderer and who easily hacks into official and highly protected computers – we have read that before. However, the parallels did not diminish any of the story’s appeal and suspense.

Michaela Kastel – So dunkel der Wald

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Michaela Kastel – So dunkel der Wald

Vor Jahren schon wurden sie entführt und leben nun als Kleinfamilie fernab anderer Menschen im Wald. Jeder Fluchtversuch ist sinnlos, Paps würde sie aufhalten und dann droht ihnen das, was so viele andere Mädchen zuvor auch erlebt haben: sie bezahlen mit ihrem Leben für den Ungehorsam. Doch Ronja kann und will nicht mehr, aber Jannik kann sie nicht auf ihre Seite ziehen, obwohl er genauso gelitten hat wie sie. Doch dann ergibt sich die Chance und sie packt die beiden Kleinen ein, irgendjemand wird ihnen helfen. Doch statt der Hilfe erleben sie die Wut des Ersatzvaters, der Ungehorsam als unverzeihliche Sünde erachtet. Es kommt zur Eskalation und nur durch den Tod können sie sich befreien. Doch die Freiheit, die sie sich vorgestellt haben, wartet auch da nicht…

Michaela Kastels Thriller greift den grausamsten Alptraum aller Eltern auf: die Entführung des Kindes, jahrelange Ungewissheit und der schlimmste vorstellbare Missbrauch durch einen Psychopathen, der die Kinder manipuliert und einschüchtert, so dass diese gar nicht mehr an die Welt außerhalb der Kleinfamilie abgeschieden im Wald glauben. Die Autorin spart die furchtbarsten Szenen aus, deren Beschreibung ist auch gar nicht erforderlich, man weiß und kann es sich lebhaft vorstellen, was hinter den verschlossenen Türen geschieht. Das Grausame besteht nicht in den physischen Taten, sondern in dem, was diese mit den Seelen der Kinder machen, wie diese sich entwickeln und was sich nach der vermeintlichen Befreiung von ihrem Täter erst als Folgen offenbart.

Der Thrill ist ohne Frage gegeben, der Roman lebt jedoch nicht wie so oft vom Kampf zwischen Polizei und Täter, auch wenn dieser geschildert wird, sondern davon, wie die Kinder plötzlich selbst drohen Täter zu werden. In Ronja zeigt sich die jahrelange Qual besonders deutlich: sie weiß eigentlich, was richtig und falsch ist, aber das verschobene Weltbild erlaubt ihr und Jannik jedoch nicht, das Richtige zu tun. Zu sehr wurden sie indoktriniert als dass sie an die Menschen jenseits ihrer kleinen verqueren Familie glauben könnten. Zu groß die Angst, selbst als Täter wahrgenommen zu werden, obwohl sie doch Opfer sind. Dass ihre Eltern sie suchen oder gar vermissen könnten, daran glauben die beiden schon lange nicht mehr.

Die größte Überraschung ist ohne Frage, dass der eindeutige Täter schon früh im Roman aus dem Leben scheidet und die unmittelbare Bedrohung eigentlich gebannt zu sein scheint. Doch dann beginnt der tatsächliche Thriller erst. Eine interessante und sicher ungewöhnliche Konstruktion, die „So dunkel der Wald“ klar von anderen Romanen abhebt und mich nicht nur überraschen, sondern vor allem überzeugen konnte.

Megan Collins – The Winter Sister

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Megan Collins – The Winter Sister

It’s been sixteen years since her sister Persephone was murdered. Sylvie has created herself a new life, far away from home, but now she has to return to her hometown and confront her seriously ill mother. It doesn’t take long until all that happened that winter night comes back to her, especially when she meets Ben, her sister’s boyfriend, her sister’s murderer. Yet, Ben insists in his innocence. But can she trust him? And what about her mother who always refused to tell the girls who their respective fathers are and who also refused to talk about that night. Is it time now to open Pandora’s box and let the truth out?

Megan Collins’ debut is at the first glance a typical murder case: an 18-year-old girl is strangled and the murderer has been running free for sixteen years. However, at the second glance, it is much more a story about family relationships, about secrets and about love and trust. The small family of three females lived on secrets and lies, had they ever been open and honest with each other, the death of one daughter could have been prevented. Yet, that’s how human beings are, sometimes they lack the necessary courage to do what is right and thus risk to lose all they love.

The novel is well-created, even though at a certain point it is quite obvious how all the dots are linked, I found it full of suspense. Telling the story through Sylvie’s eyes gives you a certain bias at the beginning, but the missing pieces and gaps add to the thrill and the big questions marks Sylvie herself feels can also be experienced by the reader. Collins’ biggest strength is certainly the creation of the characters who all act convincingly and appear quite authentic. I am looking forward to read more from the author.