Han Kang – The Vegetarian

Yeong-hye und ihr Mann leben ein bescheidenes und unauffälliges Leben in Seoul. Sie haben sich wenig zu sagen und arrangieren sich mit den Gegebenheiten des Alltags. Ein Alptraum veranlasst Yeoung-hye, Vegetarierin zu werden. Ihren Mann irritiert dies zunächst, bei einem wichtigen Geschäftsessen blamiert ihn dies auch, aber viel stärker reagiert Yeong-hyes Familie auf diese Entscheidung. Bei einem Familienessen kommt es zum Eklat. Ihr Schwanger indessen ist fasziniert von dieser Frau, die sich nach dem einschneidenden Erlebnis immer mehr zurückzieht und an Gewicht verliert. Der Künstler sieht in ihr das perfekte Motiv, doch ist seine Kunst sehr avantgardistisch für die Zeit und den Ort, weshalb auch hier nur kurze Zeit die Illusion von Perfektion herrscht. Im abschließenden Teil des Buches erleben wir Yeong-hyes Schwester, die über die Entwicklung der jungen Frau nachdenkt und die Ursachen in der Familie findet. In der Psychiatrie, in der sie wegen akuter Gefährdung und völliger Nahrungsverweigerung untergebracht ist, unternimmt sie einen letzten Versuch, zu ihr vorzudringen.
Auch wenn es einen roten Faden gibt, so besteht das Buch doch aus drei gänzlich verschiedenen Geschichten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Gemeinsam haben sie die Einsamkeit, die die Figuren spüren, das nicht verstanden werden von ihrer Umwelt und den Eindruck, das falsche Leben zu leben und an einem Punkt zu sein, an dem sie alles hinterfragen. Das Buch ist außergewöhnlich, die Sprache unglaublich stark in ihrer oftmals reduzierten, fast unpoetischen Art. Dies steht dann wieder im Kontrast zur inspirierten künstlerischen Kraft des Schwagers, der in der Welt mehr als die Oberfläche erkennen und hervorbringen kann. Dafür hat das Buch völlig zurecht den International Man Booker Prize erhalten. Auch erhält man einen Einblick in eine doch sehr fremde Kultur und die dort vorherrschenden Konventionen, die die Menschen sehr stark in ihrem Leben leiten und auch beschränken.

Was mich jedoch beim Lesen gänzlich überfahren hat, war die Brutalität in diesem Buch. Die Autorin beschönigt nicht und wenn ihre Figuren Gewalt ausgesetzt sind, setzt sie auch den Leser dieser aus. Physisch wie auch psychisch müssen alle drei Protagonisten leiden und oftmals trifft es einem eher unvermittelt und dafür umso härter. Psychische Erkrankungen fast bis zum Suizid, explizite Sexszenen, unverhohlene Gewalt – drei Dinge, die mich etwas überrascht haben, aber durchaus im Kontext des Buches stimmig sind.
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