Max Seeck – Feindesopfer

Max Seeck – Feindesopfer

Just am Tag des 50-jährigen Jubiläums seiner Firma wird Eliel Zetterborg durch einen Messerstich ins Herz ermordet. Verdächtige gibt es viele, denn der Unternehmer war hart zu sich und anderen und hat rücksichtslos alles der Firma untergeordnet. Da Jessica Niemi vom letzten Einsatz noch regenerieren muss, wird Jusuf die Ermittlung übertragen und er hat schnell schon den richtigen Riecher: ausgerechnet ein Puzzle in der Wohnung des Opfers kann der Schlüssel zur Lösung sein. Ein weiterer Hinweis auf einem Foto jedoch führt sie zu einem zweiten Opfer – sollte es sich etwa um eine ganze Serie von Rachemorden handeln?

Der dritte Band der Serie um Jessica Niemi, die Polizistin mit dem feinen Gespür für Zwischentöne setzt die parallele Handlung ihres persönlichen Familienhorrors und eines aktuellen Kriminalfalls fort. Auch wenn sie in „Feindesopfer“ nicht ganz im Zentrum steht, ist es wieder einmal ihr Blick für Details und das untrügliche Gefühl, dass die Puzzleteile doch noch nicht so zusammenpassen, wie es scheint. Dies sorgt einmal mehr für zahlreiche Wendungen, wenn man schon längst glaubt, den Täter gefunden und den Hergang erkannt zu haben.

Wie bereits in den beiden vorherigen Geschichten „Hexenjäger“ und „The Ice Coven“ (dt. Teufelsnetz) besticht der Autor durch komplexe Figuren, die nicht in die gängigen Schemata der Kriminalkommissare passen. Dadurch, dass Jessica Niemi ein wenig in den Hintergrund tritt, können die anderen Mitglieder des Teams etwas mehr Raum einnehmen und sich ebenfalls entfalten. Einerseits bringen alle ihre individuellen Stärken mit ein, die in der Gemeinschaftsarbeit letztlich zum Ziel führen, andererseits offenbaren sie auch ihre kleinen und großen Schwächen, die Unzulänglichkeiten und Sorgen, die sie menschlich und glaubwürdig erscheinen lassen.

Der Fall mutet zunächst recht simpel an, immer mehr Faktoren verkomplizieren die Ermittlung jedoch und erlauben es gerade am Ende, wenn man sich schon am Ziel wähnt, nochmals unerwartet viel Spannung aufzubauen. Es braucht keinen Kommissar Zufall, akribische Kombination der vorhandenen Fakten, immer wieder zu hinterfragen, ob alles verstanden und richtig interpretiert wurde – es ist kleinschrittige Polizeiarbeit, die zum Täter führt. Und dann wird man als Leser an eine Begebenheit erinnert, die man schon längst vergessen hatte und die nochmals ein ganz neues Licht auf alles wirft. So schafft es Max Seeck auf den allerletzten Seiten nochmals einen grandiosen Punkt zu setzen und seinen Platz unter den nordischen Thrillerautoren zu festigen. Eine Thrillerreihe, in der schlichtweg alles passt.

Horst Eckert – Schwarzlicht

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Horst Eckert – Schwarzlicht

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Walter Castorp wird nur wenige Tage vor der wichtigen Landtagswahl tot im Swimmingpool seines Hauses aufgefunden. Vincent Veih erhält so seinen ersten Fall als neuer Leiter des KK11, was keine dankbare Aufgabe ist: nicht nur der Medienrummel ist erwartungsgemäß enorm, sondern auch der politische Druck, der auf dem Polizisten lastet. Eigentlich bräuchte er alle Energie für den Fall und seinen neuen Job, aber sein Privatleben fordert ebenfalls Tribut: seine Freundin Nina ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und seine Mutter, eine Ex-RAF Terroristin, plant eine große Ausstellung und wird gleichzeitig vom Verfassungsschutz wegen neuer Vorwürfe observiert, was ihr gar nicht gefällt und was ihr Sohn richten soll. Unter diesen Umständen dauert es erwartungsgemäß nicht lange, bis die Ermittlungen zu einem Ding der Unmöglichkeit werden.

„Schwarzlicht“ ist der erste Fall für den Düsseldorfer Kommissar mit kriminellen Vorfahren. Aus der Reihe sind inzwischen zwei weitere Bände erschienen: „Schattenboxer“ (2015) und „Wolfsspinne“ (2016). Das Setting und die Anlage der Figur Vincent Che Veih hat mich neugierig gemacht, denn beides verspricht solide Krimiunterhaltung, leider konnte der Roman nicht ganz meine Erwartungen erfüllen, da für mein Empfinden das Privatleben, vor allem die Frauengeschichten Veihs, sehr viel Raum einnehmen und seine Ermittlungsweise im besten Fall als unorthodox, genauer aber als illegal und damit überzeugend bezeichnet werden kann.

Was den Fall angeht, war er komplex angelegt, aber diese vermeintliche Komplexität hat sich letztlich als Versuch herausgestellt, alle möglichen Nebenszenarien mit einzubauen, was die Handlung den roten Faden verlieren lässt und eher zusammengestrickt als plausibel wirken lässt. Man kann sich vorstellen, dass ein ranghoher Politiker in dunkle Geschäfte verstrickt ist, aber gleichzeitig schwarze Kassen, enge Kontakte ins Prostitutionsmilieu, zu dubiosen Bauunternehmern, daneben noch Affären und eine lesbische Ehefrau und in Verwaltung und Polizei dicke Freunde, die alles mitvertuschen – vielleicht ein bisschen zu viel für einen einzigen Roman.

Der Protagonist ist mir zu viel Django und zu wenig Polizist. Auch seine Familiengeschichte, die sowohl RAF-Terroristen wie Nazi-Schergen bietet, ist vielleicht etwas zu überladen. Dass er ohne mit der Wimper zu zucken freimütig Insiderinformationen an die Presse weitergibt, nur um eine Journalistin zu beeindrucken und sie ins Bett zu zerren, macht ihn auch nicht sympathischer. Ein viel zu großes Ego lässt für ihn auch jede gute Zusammenarbeit mit Kollegen schwierig werden, was aber für den Superhelden nur am Rande ein Problem ist.

Die vermeintlich komplexe Handlung wird so zu einem nur begrenzt authentischen Mischmasch vielfältiger Themen, die als Konsequenz auch einige Längen aufweist und immer wieder den Fall aus den Augen verliert.