Julie Clark – The Flight

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Julie Clark – The Flight

Everything had been planned meticulously for months. Taking the trip to Detroit and then vanishing somewhere in Canada. But when Claire Cook wakes up on the morning which will free her finally from her abusive husband, she learns that he has altered their plans, she is to go to Puerto Rico. All the strategy, fake passport, preparations were in vain. Eva, another woman, as desperate as Claire, runs into her at the airport and makes an offer: trade tickets. Both of then need a new start and have powerful people on their heels. None of them has anything to lose anymore and so they decide to step in each other’s shoes. When Claire lands in California, she finds out that the plane she was supposed to be on crashed which makes her a free woman with a new identity. But the new life she has hoped for for months, does not feel right somehow and one questions lingers at the back of her mind: what did Eva run from?

“The Flight” belongs to those books that you open and cannot put down anymore. It the brilliantly told story of two women who are desperate to an extent where they feel that there is nothing to left to lose anymore and who would take any risk since they know this could be their only and last chance to get their own life back. While we follow Claire’s first days in her new life, Eva’s last months before the meeting at the airport is narrated providing insight in her tragic story.

Full of suspense you simply keep on reading to find out if the women could escape. Yet, apart from this aspect, there is also some quite serious undertone since, on the one hand, we have Claire stuck in a marriage marked by psychological and physical abuse and a controlling and mighty husband who considers himself above the law. On the other hand, Eva’s life has totally derailed because of her background where there were no rich parents who could afford expensive lawyers or knew the right people and therefore she was paying for something her boyfriend actually was responsible for. This surely raises the questions to what extent women still much likelier become a victim of false accusations and endure years of assault because they do not find a way out of their lamentable situation. Additionally, can it be true that with money and power you can put yourself above the law and get away with it?

A great read that I totally enjoyed and which certainly will make me ponder a bit more after the last page.

Valerie Keogh – The Three Women

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Valerie Keogh – The Three Women

Sie sind beste Freundinnen seit Beginn ihres Studiums, doch nun zwanzig Jahre später wird die Freundschaft auf eine schwere Probe gestellt. Ein verhängnisvoller Abend, als sie nur ihren Abschluss feiern wollten, holt die Polizistin Beth, Staatsanwältin Megan und Agenturinhaberin Joanne wieder ein. Es war nur eine falsche Annahme, eine kleine Lüge, doch diese hat den Lebensweg aller drei Frauen bestimmt. Eine unbedarfte Bemerkung bringt alles ans Licht und nun müssen sich die drei Freundinnen dem stellen, worauf sie ihr Leben aufgebaut haben: Lügen.

Der Psychothriller beginnt eher gemächlich, das Verhältnis der Frauen scheint eher unentspannt, dafür, dass sie beste Freundinnen sein sollen. Auch die Reaktionen ihrer Partner wirken etwas überzogen. Doch dann plötzlich entfaltet der Roman sein ganzes Drama und wird zu einem überzeugenden Thriller, der einem die Geschichte nur so um die Ohren fliegen lässt. Ein Ereignis jagt das nächste und kaum glaubt man das Ausmaß der Katastrophe zu überblicken, setzt Valerie Keogh noch eins drauf. Eine unerwartete Entdeckung, die neugierig auf mehr von der Autorin macht.

Patricia Dixon – #MeToo

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Patricia Dixon – #MeToo

Als Billie einen langen Brief von ihrem Ex-Freund erhält, kehrt sie nach über einem Jahr auf einer griechischen Insel zurück nach Manchester. Stan sitzt im Gefängnis, verurteilt wegen einer Vergewaltigung, die er angeblich nicht begangen hat. Billie hat ihn nie als gewalttätig erlebt, aber wer weiß, was das Beziehungsende und ihre Flucht mit ihm gemacht hat? Stan bittet sie, mit einem Privatdetektiv zusammenzuarbeiten, der ebenfalls Zweifel an der Darstellung des Opfers hegt, doch bislang konnten sie noch keine stichhaltigen Beweise finden. Billie stimmt zu und nimmt über eine Opfergruppe Kontakt zu Kelly auf. Als diese ihre Sicht der Geschehnisse schildert, kommt sie ins Grübeln. Dieselbe Geschichte, detailgenau, aber in zwei völlig widersprüchlichen Versionen. Wer sagt die Wahrheit, der verzweifelte Ex im Gefängnis oder die junge attraktive Frau, die sichtlich von den Erlebnissen gezeichnet ist?

Patricia Dixon bringt in ihrem Psychothriller die Problematik der Stunde hervorragend auf den Punkt: was zwischen zwei Menschen geschieht, spielt sich häufig verschlossen vor Außenstehenden in den eigenen vier Wänden ab. Vermeintlich eindeutige Belege sprechen vielfach eine unklare Sprache und lassen sich in dieser oder jener Weise deuten. Das Leid von vielen Frauen, denen über Jahre nie Glauben geschenkt wurde, soll keineswegs in Zweifel gezogen werden, aber es ist auch eine Realität, dass gerade auch das Gegenteil passiert: falschen Anschuldigungen wird schnell geglaubt, weil sich niemand dem Vorwurf schuldig machen möchte, ein Opfer nicht ernstgenommen zu haben.

Die Protagonistin ist hervorragend geeignet, um zwischen die Stühle zu geraten. Einerseits kennt sie Stan seit Jahren, aber sie hatte auch gute Gründe ihn zu verlassen, auch wenn bei ihr der Fall etwas anders lag, aber sie wurde ebenfalls Opfer einer Gewalttat und hat von ihm nicht das Verständnis für ihre emotionale Ausnahmesituation erhalten, das sie gebraucht hätte. Andererseits hat sie ihn als Partner nie in der ihm vorgeworfenen Weise erlebt, wieso sollte er sich in so kurzer Zeit so grundlegend ändern? Kelly wiederum wirkt zunächst wie ein traumatisiertes Opfer, aber einige ihrer Verhaltensweise lassen doch aufhorchen. Schon früher gab es ähnliche Anschuldigungen ihrerseits, auch ihr Lebensstil und ihr beruf wollen nicht richtig zusammenpassen und sie scheint geradezu besessen von Selbsthilfegruppen zu sein, sie sucht pro Woche gleich mehrere auf. Hat sie da vielleicht genau das gehört, was sie sich jetzt zu eigen macht?

Als Leser nähert man sich zusammen mit Billie langsam dem, was man für die Wahrheit halten kann. Mal schlägt das Pendel mehr in diese, mal mehr in jene Richtung aus, geschickt streut die Autorin immer wieder Zweifel an beiden Seiten, so dass man wirklich lange Zeit nicht sicher sein kann, die tatsächlichen Geschehnisse zu durchschauen. Obwohl es sich um einen Thriller handelt, gelingt es Patricia Dixon auch bei guter Unterhaltung und hoher Spannung die Thematik differenziert zu beleuchten und keineswegs die eine oder andere Seite entscheidend zu bevorzugen, schwarz und weiß sind letztlich oft einfach zu wenige Farben in der Debatte.

Jason Starr – Seitensprung

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Jason Starr – Seitensprung

Schon länger kriselt es in der Ehe des Immobilienmaklers Jack Harper und seiner Frau Maria. Als ihm ein alter Kumpel die Dating App Discreet Hookups empfiehlt, kann er schließlich nicht widerstehen und meldet sich an. Schnell lernt er dort eine Frau kennen, die ihn offenbar versteht und sich in einer ähnlich verfahrenen Ehe zu befinden scheint. Sie vereinbaren ein Treffen, doch als Jack am Townhouse der mysteriösen Unbekannten ankommt, macht er eine böse Entdeckung: Sophie Ward wurde ermordet. Er versucht noch, sie wiederzubeleben und wählt dann erst den Notruf, nicht ahnend, dass er selbst nun als Hauptverdächtiger bei der Polizei gilt. Während Jack noch darüber grübelt, wie er seine Frau den nicht erfolgten Seitensprung beibringen kann, zieht sich die Schlinge um seinen Hals langsam zu und die Illusion, dass er Maria die Situation erklären könnte, muss er schon bald begraben, als er nämlich vor verschlossener Wohnungstür steht, zu der seine Schlüssel nicht mehr passen. Er beginnt zu verzweifeln, denn er kann nur noch mit ansehen, wie sein komplettes Leben – Ehe, Beruf, einfach alles auseinanderbricht und ihm zugleich die Polizei seine Version nicht glauben will. Doch dies ist nur der Anfang einer unheilvollen Serie von Ereignissen.

Jason Starrs Romane sind vielfach ausgezeichnet worden, neben seinen Krimis ist er in den vergangenen Jahren vor allem in der Zusammenarbeit mit Marvel und deren Comic-Universum erfolgreich gewesen. „Seitensprung“ ist die Rückkehr zum Spannungsgenre. Neben der clever konstruierten Handlung hat mich vor allem die Figur des Protagonisten überzeugt. Jack Harper ist sicher kein Held, Starr verpasst ihm mit dem Beruf des „Immobilienmaklers“ auch ein besonders zweideutiges Profil, dass er darin zudem nicht erfolgreich ist, komplettiert das Bild nur noch. Als trockener und geläuterter Alkoholiker und gescheiterter Rockstar, hat er jedoch eine interessante Vergangenheit, die maßgeblich zu seinem Abstieg beiträgt. Schritt für Schritt entgleitet ihm das Leben, mit jedem neuerlichen Rückschlag verliert er mehr die Kontrolle und seine ansonsten unterdrückten Aggressionen übernehmen. In seiner Verzweiflung weiß er sich nicht zu helfen und verschlimmert seine Lage, egal was er tut, bis er schließlich den Tiefpunkt erreicht und nur noch der Suizid als Lösung im Raum steht.

Die Spannung entsteht nicht nur aus der Frage, wer den Mord begangen hat, sondern vor allem daraus, welche falsche Entscheidung Jack als nächstes treffen und wie diese ihn weiter in die Tiefe ziehen wird. Seine Angst, sich nicht mehr aus dem Chaos befreien zu können, nimmt zunehmend mehr Raum ein und schließlich muss er sich fragen, ob er nicht derjenige ist, der sich etwas vormacht, vielleicht ist er ja doch schuldig und hat die Tat nur verdrängt. Obwohl er nur wenig offenkundig Sympathisches an sich hat, ist man doch irgendwie auf seiner Seite, allein schon, weil man wie er die große Ungerechtigkeit der falschen Beschuldigung empfindet. Am Ende ist doch als ganz anders als man dachte und auch wenn man irgendwann vorhersehen kann, wie sich die Ereignisse tatsächlich zugetragen haben, tut dies der Spannung keinen Abbruch, denn nur, weil man weiß, wer die Fäden zieht, ist das noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autor und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Wendy Clarke – The Bride

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Wendy Clarke – The Bride

There nothing in Alice’s life that didn’t go completely wrong in the last couple of weeks: her employer laid her off, her father didn’t want to see her and now, her partner leaves her because he is having a baby with another woman. After days in bed, she gets a message from an old friend. Joanna. Her former best friend with whom she has lost contact, but now, Joanna wants to meet her to get to know the man she’s going to marry. Could there be a better excuse to leave everything behind at least for a couple of days? Obviously, Joanna must be quite successful living in one of the new posh apartment blocks which must be super expensive. However, when, Alice knocks on the door, there is just Mark, Joanna’s husband to be and he knows nothing of a visitor. Joanna is not there, also the next day, she doesn’t show up. Alice feels increasingly uncomfortable until Mark tells her that Joanna has been kidnapped and that he needs her help to get her back.

Told from Alice’s point of view, you go through a horrendous mass of emotions – emotions which could hardly be more contradictory. Wendy Clarke leads the reader through a tour de force of lies, secrets and very spooky and distressing moments that, at times, give you the creeps. Just like her protagonist, you do not know whom to believe or trust, the whole situation she is caught in feels like a big ghost train rushing towards a giant obstacle without preparing for the impact.

I totally adore plots which keep you alert throughout the whole narration. It is those seemingly insignificant side notes that reveal that there’s so much you do not know, that all characters have some blind spots you don’t see and that everything might be completely different from what you expect or believe. Even though I found Alice a bit too naïve and shallow, I liked to follow her.

The further the plot gets, the higher the pace and suspense, thus a true page-turner that entertained me well.

Sarah Vaughan – Little Disasters

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Sarah Vaughan – Little Disasters

Jess is the absolute role model of a mother, her friends have always admired her diligence and devotion to care for her two sons. When she unexpectedly gets pregnant with a third kid, her husband is over the moon but she does not really share his enthusiasm, she knows how demanding kids can be even for a home-stay-mom. When Betsey indeed turns out to be a rather challenging child, Jess loses her temper, the less she can control the girl, the easier she freaks out until she even gets close to wanting her dead. Her friends Liz, a paediatrist, senses that things do not go too well, but with her own kids and her job, she does not have the time to really take look into the situation. When one evening Jess turns up in the emergency room with Betsey showing obvious signs of neglect and being severely hurt, Liz is trapped between being a friend for Jess and informing the police. How well does she actually know what is going on at her friend’s home?

Sarah Vaughan masterly plays with truths, half-truths and all the things her characters consider truths. Told from different points of view, the reader over and over again gets caught in a trap by making sense of what you know and deciding on what and how the tragic incident happened. Forget it, you are completely wrong since – just as in real life – there is so much more.

Even though the main focus is on the one big question around Betsey’s injuries, the author addresses a lot of questions going far beyond the crime plot. The struggle of women who feel pressure to be the perfect wife, perfect mother, have a successful career and who easily prepare parties with exquisite food is palpable throughout the novel. The four women at the centre all struggle with complying with expectations and their very own goals and ideals. Showing weakness does not seem to be an option, just like asking for help and thus, precarious and even dangerous circumstances are silently endured. Additionally, the question of how far a friendship should or must go is tackled. Liz’ remorse is easy to understand and certainly nobody could ever wish to get into such a situation.

I totally adored the novel, after “Anatomy of a Scandal”, another thoroughly convincing plot with authentic characters and a lot of suspense.

Jackie Kabler – The Perfect Couple

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Jackie Kabler – The Perfect Couple

Life has been perfect for Gemma and her husband Danny. The successful journalist and IT specialist have decided to flee busy London and settle in Bristol in a nice home where the quality of living is higher. When Gemma returns one Friday evening only three weeks after their move, she expects Danny to be at home waiting for her with dinner. However, their house is deserted, no sign that her partner has been at home after work. First, she is only slightly concerned, working overtime is not unusual in his job, but not getting hold of him makes her wonder. After changing his job, he hasn’t gotten a new mobile phone and thus, they only communicate via e-mail which he doesn’t answer. Gemma bravely waits two days, becoming increasingly frightened before she contacts the police for filing a missing persons’ report. What she learns then is that two men looking like Danny’s twins have been murdered in the area and soon she finds herself prime suspect in a serial killer case as strangely, there is not the least sign in her home of Danny ever having lived there with her. What is she actually hiding?

Jackie Kabler’s mystery novel starts quite typical for a thriller, you are immediately thrown into the plot and discover the vanishing of her husband together with Gemma. Thus, you get her growing concern first hand and can easily follow her thoughts. When the police’s side of the story is told, the author switches the point of view and leaves you quite quickly in the positing where you wonder if either you were fooled by Gemma who seemingly has set up some very good murder plot or if the woman suffers from some kind of serious mental troubles and even only imagined to have a husband whom strangely hardly anybody seems to have known. On the other hand, there is some creepy feeling that Danny might have taken advantage of Gemma for some scheme of his own, they haven’t been married that long and he proposed only weeks after they had gotten to know each other.

I totally adored the constant insecurity about whom to trust and what to believe; the more you learn about the characters and the further the events develop, you have to adapt your opinion and change sides more than once. Some unexpected twists and turns keep you hooked to the novel and make it hard to put it down. “The Perfect Couple” is a psychological thriller with an interestingly drawn protagonist and a surprising storyline which make a thrilling and gripping read.

Amy Engel – The Familiar Dark

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Amy Engel – The Familiar Dark

Two 12-year-old girls have been murdered, but except for their parents, nobody really seems to care about it. Maybe they had it coming, that’s how it is with girls their age, they should have paid more attention to whom they mingle with. Eve Taggert is not willing to simply accept that her daughter Junie has gone and nobody is hold responsible for the senseless death. What did she and her friend Izzy do in the park at that time and bad weather? She starts to ask questions even though her brother Cal, a policeman and close to the investigation, tries to keep her away and out of trouble which her private research soon causes. The more Eve learns, the closer she also gets to her own family and especially her mother with whom she had cut all contact before Junie was born because she never wanted to be like her. But in the course of the events, Eve must realise that she shares more traits with her mother than she ever expected.

Amy Engel’s mystery novel deals with the greatest horror that parents could ever go through: learning about the death of their beloved child and having the impression that nobody bothers to find the culprit and to bring him or her to justice. However, it is also about life in small and remote community where poverty and precarious standards of living are a daily occurrence. Growing up in trailer homes or small, run-down apartments where children only get a nook for themselves and see the adults drink alcohol or being addicted to drugs of all kinds – this is not the childhood one could ever wish for. Even if some want the best for their children, just like Eve, getting out of this isn’t as easy as it seems.

The story is narrated from Eve’s point of view which gives you a deep insight in the emotions she goes through. Not just losing her daughter and thus the sense of life, but she also falls back into old patterns she had given up and totally loses her footing. Even though she could not offer Junie much, she put an effort in her daughter’s education and she lead a decent life and loved her – more than she herself had experienced as a kid. To see such a woman being hit by fate is especially bitter.

Amy Engel does a great job in showing the development of Eve, going from being totally blinded by mourning and anger to gaining strength – even if she becomes a bit too reckless and headless at times – and in the end, fearlessly doing what she needs to do.

Notwithstanding that a lot is going wrong in the small town of Barren Springs, what I liked a lot is that the author did not paint the characters in black and white. The greatest villains do also show their positive and human sides – just as the “good” ones suddenly are capable of quite some crime.  Albeit a murder investigation is at the centre of the novel, for me it was much more a psychological study of small town life and people who struggle in life. It does not lack suspense though and several unexpected twists and turns keep you reading on.

Colleen Hoover – Verity

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Colleen Hoover – Verity

Als man Lowen Ashleigh anbietet eine erfolgreiche Reihe der bekannten Autorin Verity Crawford fortzusetzen, weil diese nach einem Unfall dazu nicht mehr in der Lage ist, zögert sie nur kurz. Zwar kennt sie die Werke nicht, aber nachdem sie ein Jahr lang nur ihre Mutter gepflegt hat, kaum das Haus verließ und ihre finanzielle Situation mehr als prekär ist, bleibt ihr kaum eine Alternative als zuzusagen. Veritys Mann Jeremy empfängt sie freundlich in ihrem Zuhause und überlässt ihr das Arbeitszimmer mit allen Notizen der bisherigen und weiteren Bücher seiner Ehefrau. Lowen versucht sich in die Gedankenwelt der anderen, die ein Stockwerk über ihr gefangen in ihrem Körper und pflegebedürftig liegt, einzufinden. Als sie das Manuskript zu dem Roman „So be it“ findet, ist sie verwundert, dieser Titel ist ihr völlig unbekannt und schon nach wenigen Seiten erkennt sie, dass sie eine Autobiographie in Händen hält. Es dauert nicht lange, bis Lowen erkennt, dass Verity nicht die Frau war, die alle zu kennen glauben, sondern dass sie ein böses Geheimnis in sich trägt. Je tiefer sie in die Welt von Verity einsteigt, desto beängstigender wird dies und bald schon kann sie sich in dem Haus auch nicht mehr sicher fühlen, denn kaum etwas dort ist offenbar so, wie es scheint.

Vor vielen Jahren hatte ich einen Roman von Colleen Hoover gelesen und die Autorin danach als Schreiberin ganz seichter Jugendromane für mich abgehakt. Nach den überschwänglichen Lobgesängen wurde ich jedoch neugierig auf „Verity“ und die Kurzbeschreibung klang vielversprechend. So ganz kam die Autorin nicht aus der Romance Ecke heraus, großzügig kann man die Massen an Bettszenen überspringen, das war aber auch schon der einzige wirkliche Kritikpunkt. Ansonsten ein guter Krimi, der zwar in vielen Bereichen für geübte Leser des Genres vorhersehbar ist, aber auch überraschen kann.

Nach dem etwas verqueren Anfang beginnt die eigentliche Handlung mit der Ankunft Lowens im Haus der Crawfords. Das Manuskript mit Verity autobiografischer Erzählung wird der Dreh- und Angelpunkt. Nicht nur scheint die Autorin besessen von ihrem Mann gewesen zu sein, nein, viel mehr noch erschreckt ihre Kälte gegenüber den eigenen Kindern, die bis zum Hass reicht. Man kann sich kaum vorstellen, dass jemand derart kaltherzig und egoistisch sein kann, aber vermutlich zeichnete sie genau das aus und verlieh ihr die Kraft, die Bücher zu schreiben, mit denen sie erfolgreich war. Alle sind sie aus der Sicht des Übeltäters geschrieben – offenbar eine Paraderolle für Verity. Lowen wird zunehmend beunruhigt durch das, was sie liest. Ihre Angst steigert sich langsam und wird glaubwürdig geschildert.

Man hat natürlich einige Zweifel und rätselt, was genau in dem Haus vor sich geht. Spielt Verity ihre Rolle als pflegebedürftiges Unfallopfer nur oder ist der scheinbar liebende Ehemann Jeremy der eigentliche Übeltäter und Lowen schon längst in größter Gefahr? Die Auflösung ist überraschend, aber dennoch nachvollziehbar und glaubwürdig. Insgesamt solide Unterhaltung, wenn auch mit einigen Versatzstücken gearbeitet wurde und der Plot nicht wirklich innovativ ist.

Katrine Engberg – Glasflügel

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Katrine Engberg – Glasflügel

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter ist Anette Werner im Erziehungsurlaub und so muss Jeppe Kørner allein in einem schwierigen Fall ermitteln. In einem Kopenhagener Brunnen wird eine Leiche gefunden, an den Armen seltsame Schnittverletzungen, die zum Ausbluten geführt hatten. Schon am nächsten Morgen die zweite Leiche, anderer Fundort, dieselbe Vorgehensweise. Die Kripo ermittelt auf Hochtouren, bald schon scheint sich auch eine Verbindung zwischen den Opfern aufzutun, doch am dritten Tag schon müssen sie die dritte Leiche bergen. Wenn der Mörder in diesem Tempo weitermacht, wird dies das grausamste Szenario, das Dänemark je gesehen hat. Alle Anzeichen weisen auf ein inzwischen geschlossenes Heim für psychisch kranke Jugendliche hin. Es scheint als wolle sich jemand an den ehemaligen Mitarbeitern rächen – aber wer und vor allem warum?

Der dritte Teil von Katrine Engbergs Serie um das dänische Ermittlerduo Werner/Kørner hat mir bislang am besten gefallen. Die beiden Protagonisten blieben mir immer etwas zu wenig greifbar, in diesem Roman nun werden sowohl Jeppe wie auch Anette von ihrer menschlich-verletzlichen Seite gezeigt, was ihnen deutlich mehr Profil und Authentizität verleiht. Der Fall überzeugt ebenfalls, bis kurz vor der Enthüllung des Täters hatte ich eine ganz andere Figur im Verdacht, noch eine zweite als weitere Option und bei beiden lag ich völlig daneben. Was zu den Vorgängerromanen auffällt, ist das Fehlen eines ganz spezifischen Ortes Kopenhagens, an den die Handlung geknüpft wird, dafür greift sie nun ein gesellschaftskritisches Thema auf, das überzeugend in den Krimi integriert wird.

Einmal mehr sind die Figuren, die völlig normalen Menschen der dänischen Hauptstadt, der eigentliche Star und verleihen dem Buch die typisch dänische Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit. Anette Werner kämpft mit ihrer neuen Rolle als Mutter, die sich emotional an ihre Grenzen bringt. Das Stillen des Kindes allein lastet sie gedanklich nicht aus und zunehmend unruhiger wird sie ob der spannenden Ermittlungen der Kollegen. Jeppe hingegen leidet ebenfalls unter seiner privaten Lebenssituation, notgedrungen nach der Trennung bei seiner Mutter untergeschlüpft, drängt diese ihn wieder in die Rolle eines Kindes, das auf Schritt und Tritt überwacht werden muss. Auch ihre Freundin, die Autorin und ehemalige Professorin Esther de Laurenti wird mit ihren Unzulänglichkeiten konfrontiert als der neue Nachbar ihr schöne Augen macht und sie seinem Charme sofort erliegt.

Die Handlung rund um Sommerfuglen, das Heim für psychisch kranke Jugendliche weist auf einige diskussionswürdige Fakten hin: die chronische Unterfinanzierung des Gesundheitssektors, die die überlasteten und teilweise überforderten Mitarbeiter zu fragwürdigen bis illegalen Handlungen verleitet, die keineswegs im Sinne einer Besserung der Kranken sind, sondern lediglich der Versuch, mit den vorhandenen Rahmenbedingungen irgendwie zurechtzukommen. Rücksichtsloses Personal, das sich auf Kosten derjenigen, die sich nicht wehren können, entweder finanziell bereichert oder gar die Karriere aufbaut. Junge Menschen in schwierigen Situationen, denen man kein Gehör schenkt und keine adäquate Hilfe zukommen lässt. Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen, die keine eine fundierte Basis haben, aber erklären, weshalb eine Rückkehr in die Gesellschaft nach einem längeren stationären Aufenthalt quasi unmöglich wird.

All dies wird in eine spannende Handlung zusammengeführt und überzeugt restlos. Die Reihe war als Trilogie angekündigt, was ausgesprochen bedauerlich wäre, denn dann hätte sie mit „Glasflügel“ bereits den Abschluss erreicht. Für mich dürften noch zahlreiche weitere Bände folgen.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Titel und Autorin finden sich auf der Verlagsseite.