Tammy Cohen – The Wedding Party

Tammy Cohen – The Wedding Party

All her life Lucy has dreamt of the perfect wedding. It took her 18 months to plan everything to detail so that her nuptials to Jason would be the most spectacular moment. The wedding party arrives on the beautiful Greek island of Kefalonia already a couple of days prior to enjoy themselves and to prepare for the big day. Yet, from the start, things do not run as smoothly as expected. Lucy’s sister Jess appears with a stranger in tow, her parents behave strangely and her wedding planner Nina is asking repeatedly for the pay of the last bill which Lucy simply couldn’t settle as she has been overspending and is totally broke. It is only her best friend Shelly who supports her unconditionally. But this is only the beginning, with the strange woman Vivian, a doomy omen seems to have arrived at their luxurious hotel threatening not only to destroy the best day of her life but her whole family.

I have been a huge fan of Tammy Cohen for years and thus was looking forward to reading her latest novel. Again, she did not disappoint me but created a gripping plot which had me struggle to put the book down once I had started. Brilliantly crafted, suspense is high from the beginning as you know that something absolutely terrible is going to happen, yet, the big question is: what?

Lucy just wants her wedding to be perfect, not necessarily for herself, but much more for her Instagram followers and colleagues. She seems to be doing everything right except for spending money she does not have and not telling her husband-to-be about it. Her sister, on the contrary, is more on the rebel side of life not caring too much about outer appearances and following her own ideals. That she might spoil her sister’s wedding by bringing a total stranger does not really occur to her, it is just her way of having a bit of fun. Their parents, too, seem to have fallen apart, even though the girls do not have a clue why this might be. Just for the sake of the wedding, they all try at least to play their assigned role for a couple of days longer.

Even though it could be a carefree week under the sun, smaller and bigger secrets surface one after the other leading to an increasingly dense atmosphere among the party and opening up all doors for speculation about what might happen. From the police interviews interjected, you can only guess so much, but this is this theorising that makes reading the novel great fun.

Wonderfully depicted characters who all have their flaws and shortcomings mixed with a lot of drama and suspense – a perfect summer read.

Klaus Modick – Fahrtwind

Klaus Modick – Fahrtwind

Nach gerade so bestandenem Abitur und einigen Semestern halbherzigem Studium allerlei Geisteswissenschaften, weiß der Ich-Erzähler, dass das nicht seine Welt ist, ebenso wenig wie jene der Eltern, die ihn gerne als Nachfolger im Heizungsbaubetrieb sehen würden. Doch Anfang der 70er ruft die große weite Welt und so packt er Rucksack und Gitarre und hebt den Daumen gen Süden. Er muss nicht lange warten bis er den ersten Chauffeur findet, den Hauptpreis scheint er jedoch mit zwei Damen gezogenen zu haben, in die eine verliebt er sich sofort und die andere entpuppt sich als Gräfin, die ihm in einem Wiener Luxushotel einen Job als Musiker anbietet. Die Avancen der älteren Dame sind jedoch eher aufdringlicher Natur und die namenlose Angebetete scheint bereits vergeben, so dass er sich schon bald wieder auf den Weg macht. Doch dieses Mal gerät er an zwei Rocker, die sich als in Hommage an „Easy Rider“ als Wyatt und Billy vorstellen und offenbar in illegaler Mission unterwegs sind und in dem Tramper genau jenes Puzzleteilchen gefunden haben, das ihnen für ihren verrückten Plan noch fehlte…

Klaus Modicks Roman ist ein bisweilen aberwitziger Roadtrip, der jedoch wunderbar den Geist der Zeit trifft. Hippies, der Traum der großen Freiheit, ein Taugenichts als Protagonist, der eigentlich vor nur nichts tun möchte und schnell versteht, dass manchmal weniger zu fragen und verstehen zu wollen die bessere Alternative ist. Auf seiner persönlichen Magical Mystery Tour frei nach Eichendorff begegnen ihm neben diverser kurioser Figuren auch halluzinogene Drogen jeglicher Art, die alles nur noch bunter erscheinen lassen als es ohnehin schon ist.

Ebenso wie die fast 200 Jahre alte Vorlage kontrastiert Modick die (Lebens-)Künstler, die unbeschwert den Tag genießen und das Leben auf sich zukommen lassen und dort sind, wo sie hingespült werden. Ihnen gegenüber stehen die Spießbürger, die moralisierend den Zeigefinger erheben und sich in ihrem kleingeistigen und vorhersehbaren Dasein eingerichtet haben. Wie auch Eichendorff nutzt Modick den Ich-Erzähler, um den Leser für eine Lesart der Lebensgestaltung zu gewinnen.

Trotz oder gerade wegen der offenkundigen Parallelen zu dem klassischen Vorbild liest sich Modicks Geschichte als modernes Märchen vom Traum von Freiheit und Liebe, der gefahrlos ausgelebt werden kann. Die Sehnsucht nach dem unbestimmten „Südwärts“ in ein neues Leben transferiert er unterhaltsam mit leichtem Ton und italienischem Flair, wobei auch immer auch ein Hauch Musik in der Luft hängt.

Philipp Stadelmaier – QUEEN JULY

Philipp Stadelmaier – QUEEN JULY

Gluthitze, ein Pariser Badezimmer, eine Badewanne, zwei Frauen und ausreichend Wein. Das war es im Prinzip. Aber nur im Prinzip, denn das ist lediglich der Rahmen für einen Roman voller Energie, Leidenschaft, Liebeskummer und Wein. Und Gin. Und Martinis. Seit Jahren schon lebt Aziza in Dschibuti, nach Abitur und Medizinstudium hat es sie in die pulsierende ostafrikanische Metropole verschlagen. Nach Paris kehrt sie regelmäßig zur Familie zurück und zu ihrer Freundin Jeannine, die sie im Moment des schlimmsten Liebeskummers als Jugendliche begleitet hatte und seither beste Freundin ist. Da diese gerade Mutter wurde, hat sie Aziza bei July einquartiert, die die ungewohnte Hitze nur in der kühlen Badewanne ertragen kann. Dort lässt sich Aziza neben ihr nieder und berichtet von den letzten 18 Jahren und Anselm Strehler, ihrer großen Liebe, den sie nur wenige Tage später wieder treffen wird.

„»Der Teppich. Ich kapier nicht, wie so ein alter Berberteppich nicht schön sein kann. Er war doch sicher schön, oder?« »Ich hab ihn mir nicht angesehen. Ich hab nur drauf gekotzt.«“

Mit dem alten Berberteppich, auf den Aziza kurz nach dem Abitur auf einer Party ihren Mageninhalt entleert, beginnt ihre Freundschaft mit Jeannine und endet ihre Beziehung zu Strehler. Es sind diese beiden Eckpunkte, die Azizas Leben zusammenhalten. Dschibuti ist mehr eine Flucht, die Arbeit im Krankenhaus ist anstrengend, der Feierabend im internationalen Hotel mit reichlich Alkohol wechselnden Bekanntschaften beiderlei Geschlechts ebenso. Aber nichts kann sie letztlich vor dieser immer noch unbeantworteten Frage retten: warum hatte er sie damals verlassen?

„Typen, Frauen, Körper, whatever – alles gewann zunehmend an Flow und Leichtigkeit. Strehlers Phantom, das so lange nicht aus ihrem Leben gewichen war, hatte sich tatsächlich verpisst, (…). Bis sie eines Morgens vor drei Jahren aufwachte, schlaftrunken Facebook öffnete und dort eine Freundschaftsanfrage von Anselm Strehler auf sie wartete.“

Philipp Stadelmaier lässt Aziza Revue passieren, wie sie immer wieder versucht hat, nach vorne zu blicken, doch dann kam jedes Mal Strehler wieder dazwischen. Eine vage, unbestimmte Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft, die sie nie aufgeben wollte oder konnte. Der fremden July schüttet sie ihr Herz aus, diese hört sich das Leid an, nippt dabei an ihrem Wein – »Nippen würde ich das nicht nennen, Honey. Das kann man schon als ehrliches Trinken bezeichnen. « – und analysiert knallhart die Fakten.

So traurig diese Liebesgeschichte eigentlich ist, so herrlich verpackt der Autor sie in Worte. Man kann sich die beiden bildlich vorstellen, zwei Mitt-30erinnen schwitzend in einem Badezimmer, gutem Alkohol und Essen zusprechend und das vermaledeite Liebesleben beklagend. Es ist herrlich ihnen zu folgen, pointiert bringt Stadelmaier ihre Gedanken auf den Punkt und erweckt vor allem bei Azizas Schilderungen aus Dschibuti den Eindruck eines lebendigen, bunten, energiegeladenen Landes, wo sich die unterschiedlichsten Menschen ansammeln und vor Ort sind, bis ihre Reise eben weitergeht.

Ein kurzer Roman, der von der ersten Seite an begeistert und genau an der richtigen Stelle auch den Schluss findet. Hier stimmt für mich schlichtweg alles, ich hätte stundenlang weiterlesen können, aber Azizas Geschichte war erzählt. Kurz vor Jahresende nochmals ein absolutes literarisches Highlight.

Agatha Christie – Evil Under the Sun/Murder in Mesopotamia

Agatha Christie – Evil Under the Sun / Murder in Mesopotamia

In diesen sehr speziellen Zeiten fällt es mir manchmal schwer, mich auf außergewöhnliche Geschichten einzulassen, wenn der Alltag schon sehr anstrengend ist, soll es wenigsten bei Büchern etwas entspannter zugehen und da sind die Klassiker wieder ganz weit vorne. Mit Agatha Christie und vor allem den John Moffatt Hörspiel-Versionen ist gute Unterhaltung jedenfalls gesichert.

In „Evil Under the Sun“ urlaubt der belgische Privatdetektiv in einem exklusiven englischen Seebad, wo jedoch nach der Ankunft der Schauspielerin Arlena Stuart die Ruhe empfindlich gestört wird. Nicht nur drehen sich alle Männer nach ihr um, ihr unerwartetes Ableben bringt die Urlaubspläne Poirots dann vollends durcheinander. Ein Hotelgast nach dem anderen wird verhört und genauestens durchleuchtet bis der Schuldige und sein perfider Mord schließlich offengelegt werden.

Einen ganz anderen Schauplatz wählt Christie für den Mord an Louise Leidner, die bereits seit einiger Zeit fantasierte und scheinbar Geister sah: die nervöse Ehefrau eines Archäologen befindet sich bei einer Ausgrabungsstätte in Mesopotamien und ist erleichtert über die Ankunft von Krankenschwester Amy Leatheran, der sie sofort vertraut. Doch auch diese neue Freundschaft kann die Bluttat nicht verhindern. Glücklicherweise befindet sich Poirot in der Nähe auf Durchreise und kann zu dem ungewöhnlichen Fall hinzugezogen werden. Klar ist: nur einer aus dem Ausgrabungsteam kommt als Mörder in Frage.

Die BBC hat insgesamt 25 Krimis der Grande Dame mit John Moffatt intoniert, in denen der Schauspieler in die Rolle des berühmten Ermittlers schlüpft. Mit charmantem Akzent und der gewohnt zurückhaltend aber dennoch überlegenen Art nähert er sich souverän der Lösung und deckt jede Lüge auf, die man ihm unverfroren präsentiert. „Murder in Mesopotamia“ fand ich insgesamt etwas raffinierter und allein schon aufgrund des Handlungsortes in der irakischen Wüste interessanter. Noch dazu bietet Poirot am Ende eine herrliche Querverbindung zu anderen Werken: er plane nun, nachdem der Fall aufgeklärt ist, zurück nach England zu kehren. In Istanbul will er den berühmten Orient Express nehmen, ein wenig Luxus soll man sich ja gönnen. Dass der bekannte Mord in selbigen bereits Jahre zuvor beschrieben wurde, kann man hier getrost ignorieren.

Anthony Horowitz – Moonflower Murders

Anthony Horowitz – Moonflower Murders

Former editor Susan Ryeland is running a hotel on Crete with her partner when one day she is contacted by the Trehearnes who themselves also run a hotel in England. On their premises, a dreadful murder had taken place years ago which was used by writer Alan Conway as the basis for a successful novel. Since Susan edited Conway’s novels before he died, she might help them because their daughter Cecily has vanished. Immediately before her disappearance, she had read Conway’s novel and obviously was come across some important information related to the crime. As his editor, Susan must know the novel very well so she might be the one to help solve the case. Since she is rather short of money, she consents to come to Suffolk to investigate the circumstances.

After the “Magpie Murders”, “Moonflower Murders” is the second instalment in the Susan Ryeland series featuring the literary detective Atticus Pünd invented by the deceased novelist Alan Conway. Just like in the first novel, we have a novel within a novel which helps to solve a mystery and links two lines of narration. As a reader, you really have to pay attention not to mix up everything since you have a bunch of fictional characters who are represented in the second narration.

Over the last couple of years, Anthony Horowitz has become one of my favourite authors who never disappoints me. He most certainly is a master of complex plots which pay homage to the great crime writers and the Golden Age of crime fiction by respecting Ronald Knox’ “Ten Commandments” of mysteries.

Just as expected, masterly crafted and even though I liked “Magpie Murders” a bit more, an enjoyable read I can only recommend.

Dirk Schümer – Touristen sind immer die anderen

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Dirk Schümer – Touristen sind immer die anderen

Das Thema Reisen (oder eher nicht Reisen können) beschäftigt mich immer noch und wirkt sich nach wie vor auch auf meine Lektüre aus. Allerdings ging der Versuch, sich selbiges schlechtzureden mit Dirk Schümers Buch kräftig in die Hose. Denn statt sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und so echte Anreize zu schaffen, sich Gedanken über das geliebte in die Ferne Schweifen zu machen, wird der Text zu einer Selbstbeweihräucherung des Autors, der einmal die ganze Bandbreite an Klischees auspackt, um sich über die anderen lustig zu machen und verächtlich den Kopf zu schütteln. Könnte man den Titel noch als selbstironisch auffassen, wird schnell klar, dass er es ernst meint mit seiner Tirade gegen Pauschalreisende und kulturelle Banausen, die ihm nicht das Wasser reichen können.

Nach und nach handelt er die typischen vorurteilsbehafteten Themen ab: das Verhalten am Flughafen und im Flugzeug, Benehmen im Hotel, der Umgang mit fremden Speisen, natürlich darf auch der Strand nicht fehlen wie auch sein winterliches Pendant Schneepiste. Selbstverständlich ist die Frage berechtigt, wie viel ein Tourist wirklich an Eindrücken aus einem fremden Land mitnimmt, wenn er in Windeseile ein Touristenziel nach dem nächsten abhakt, ohne zu wissen, was er da gerade anschaut und dann bei Abendessen die bekannten Nudeln den unbekannten Speisen vorzieht. Jeder hat sich sicherlich auch schon einmal über so manchen rücksichtslosen Mitreisenden geärgert, der noch dazu in unverschämtem Ton das Personal in Flieger und Hotel anraunzt.

Man kann all diesem Ärger mit den Mitmenschen sicher Luft machen, muss es aber mit dieser Arroganz geschehen, dass man gleich jeden Strandurlauber und Pauschalreisenden derart aburteilen? Der Autor schreckt noch nicht einmal davor zurück, sich über Bermuashorts und bunte Hemden lustig zu machen, geradeso als ob er die Hoheit über die korrekte Kleidung innehätte. Ich käme sicherlich auch nicht auf die Idee, eine Bustour mit geführtem Programm, eine TUI und Co Pauschalreise ins Massenhotel oder gar eine Kreuzfahrt zu buchen, aber warum sollte ich andere dafür verurteilen? Dass genau diese Form es vielen erst ermöglicht, überhaupt rauszukommen (preislich kalkulierbarer als Individualreisen, i.d.R. geführt, was in Ländern mit Sprachen, die man nicht spricht, eine echte Erleichterung sein kann und zudem auch entlastet, da sich ein anderer um alles mögliche kümmert), liegt nicht innerhalb des Denkhorizonts des Autors.

Fazit: eine völlig überflüssige Tirade eines ziemlich überheblichen Autors, dem jede Selbstreflexion fehlt.

Andreas Acker – Castingshow

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Andreas Acker – Castingshow

Nach einem Bestseller hat der Autor Arne nicht mehr viel aufs Papier gebracht. Zwischenzeitlich sind auch Ehefrau und Sohn ausgezogen und er vegetiert mehr vor sich hin als dass er kreativ schaffend werden würde. Sein Agent sieht die letzte Chance in der Teilnahme an einer Fernsehshow: im Big Brother Stil ziehen zehn Autoren in ein Hotel, liefern täglich eine bestimmte Wortanzahl ihres neuen Romans ab und die Zuschauer entscheiden zusammen mit einer Expertenjury, wer am Abend rausfliegt. Arne ist wenig begeistert und bemüht sich auch gar nicht erst, seinen Unmut zu verstecken. Es dauert nicht lange, bis die Reibereien zwischen den Kandidaten starten und bis sich im Hotel mysteriöse Begebenheiten zutragen. Offenbar geht so einiges nicht mit rechten Dingen zu und Arne richtet sich jedoch zunehmend in seiner Außenseiter- und Nörglerrolle ein. Aber so ganz kann er den Stress, der der Wettbewerb und die gegenseitigen Anfeindungen verursacht, auch nicht von sich schieben und es dauert einige Zeit, bis er merkt, dass er nicht nur in einer Castingshow ist, sondern sich der Hotelaufenthalt zu einem wahren Thriller entwickelt.

Zugegebenermaßen klang das Szenario von Andreas Ackers Thriller zunächst eher nach seichtem Privatfernsehen der Voyeurismus-Kategorie, was mich an sich nur wenig begeistern kann. Ich wurde jedoch positiv überrascht, entwickelt der Roman eine ungeahnte Spannung und kann mit unerwarteten Wendungen und Überraschungen punkten. Besonders überzeugend ist dem Autor die Darstellung des ganzen Castingshow Firlefanz gelungen, Trash TV in Höchstform, was jedoch dank der distanziert abgeklärten Erzählperspektive des Protagonisten und der dokumentarischen Einschübe einen ungeahnten Unterhaltungswert erhält.

Natürlich werden viele Klischees bedient, why not, für das Setting ist es passend und hat zumindest meine Erwartungen damit vollends erfüllt. Es sind andere Punkte, die mich tatsächlich viel mehr gereizt haben. Besonders die Figureninteraktion und ihre Entwicklung unter diesen Laborbedingungen können überzeugen. Schnell bleibt die Höflichkeit auf der Strecke, wenn der Konkurrenzkampf beginnt. Arne ist dabei nicht unbedingt Sympathieträger, kann aber mit seiner distanzierten Haltung die Geschehnisse unterhaltsam wiedergeben und kommentieren. Seine kleinen Gemeinheiten laden ein, bösartige Schadenfreude zu empfinden und entspannt über bisweilen überzogene und fast schon karikaturhafte Darstellungen hinwegzusehen und den Text einfach auf einen wirken zu lassen.

Shari Lapena – Der zehnte Gast

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Shari Lapena – Der zehnte Gast

Es sollte ein entspannendes Wochenende in einem abgelegenen Hotel in den Catskills werden. Candice White will dort an ihrem neuen Roman arbeiten, der Strafverteidiger David Paley einfach nur ein wenig Abstand vom stressigen Alltag finden. Die hübsche Dana und ihr ebenbürtiger Verlobter Matthew, Spross einer reichen New Yorker Familie, entfliehen dem Hochzeitsvorbereitungsstress, während Lauren und ihr Partnern Ian einfach nur ein Wochenende ausspannen wollen. Für die Journalistinnen und Freundinnen Gwen und Riley beginnt der Ausflug schon nicht glücklich, im Schneegestöber rutschen sie von der Fahrbahn, bleiben jedoch glücklicherweise unverletzt. Für Beverly und ihren Ehemann Henry ist der Kurzurlaub vielleicht die letzte Chance ihre Ehe zu retten. Sie alle kommen bei Bradley und seinem Vater James unter. Doch was mit großen Erwartungen beginnt, entwickelt sich schnell zum Alptraum. Nicht nur haben sie keinen Internetzugang, als der Schneesturm zu einem Stromausfall führt und man Dana tot auffindet, verwandelt sich der Hotelaufenthalt zum Horrortrip. Doch die junge Frau sollte nur das erste Opfer sein, weitere werden folgen.

Mein vierter Roman der kanadischen Autorin hat mich etwas überrascht. Nicht, dass es ihm an Spannung gemangelt hätte, nein, in diesem Punkt wurden die Erwartungen einmal mehr voll erfüllt. In einem anderen Aspekt weicht dieser Thriller vom bekannten Muster der Autorin ab: Shari Lapena hat ein geradezu klassisches Setting à la Agatha Christie gewählt, das in Perfektion umgesetzt wird. Eine überschaubare Menge an Figuren, die sich an einem unerreichbaren, abgeschiedenen Ort aufhalten und über 2 Tage damit leben müssen, dass ein Mörder unter ihnen weilt. Die Tatsache, dass es nicht nur ein einziges, sondern am Ende sogar gleich mehrere, glaubwürdig motivierte Opfer gibt – gepaart mit einer zum Schmunzeln einladenden Wendung, die man jedoch erahnen konnte – unterstreicht jedoch einmal mehr, dass Lapena gegenwärtig zu den ganz großen Autoren der Spannungsliteratur zählt.

Man würde zu viel verraten, wenn man näher auf den Plot einginge. Die Handlung folgt einem bekannten Schema, das jedoch der Spannung und der Unterhaltung keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil, mir hat die moderne Variante des altbewährten Krimisettings gut gefallen. Besonders der kleine Spaß mit der Tatsache, dass nur eine Figur wiederholt Mordgelüste zumindest in Gedanken hegt und für diese teuer bezahlt, liefert neben dem Kriminalfall auch geradezu ironisch-schadenfreudige Aspekte.

Eine spannende Geschichte, in die man leicht eintaucht und dann genüsslich dem Morden folgt.

Eric Ambler – Epitaph for a Spy

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Eric Ambler – Epitaph for a Spy

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gönnt sich Josef Vadassy seinen ersten Urlaub seit vielen Jahren. Lange lebte der Sprachenlehrer in England, die zunehmend schwierige politische Lage brachte ihn schließlich nach Paris und nun an die Côte d‘Azur. Der gebürtige Jugoslawe mit ungarischem Pass will seine geliebte Kamera testen, auf die er lange gespart hat. Als er jedoch seine entwickelten Bilder abholen will, wird er verhaftet. Auf den Bildern waren nämlich nicht nur Eidechsen, wie er angab, sondern auch Aufnahmen von militärischen Einrichtungen, was den Mann mit der ungeklärten Nationalität sehr verdächtig macht. Offenkundig hat jemand die Kameras vertauscht und wenn er kein Spion ist, dann muss es einer der anderen Gäste sein. Der französische Geheimdienst zwingt ihn zur Zusammenarbeit und droht mit der Deportation, die unweigerlich im Tod enden wird. Josef Vadassys Ermittlertätigkeiten sind mehr als dilettantisch und statt dem wahren Täter auf die Spur zukommen, scheint er viel eher sein eigenes Grab zu schaufeln.

Eric Ambler gehört zu den Erfindern der Spionageromane, die sich insbesondere durch einen hohen Grad an Realismus auszeichnen. „Epitaph for a Spy“ (in der ersten Übersetzung „Die Stunde des Spions“, in der späteren „Nachruf auf einen Spion“) war sein dritter Roman, den er 1938 verfasste und der die angespannte Lage auf den europäischen Kontinent authentisch einfängt. Kein Urlaubsgast kann einfach mehr die französische Riviera genießen, alle beobachten argwöhnisch die Mitbewohner und stellen Vermutungen über deren Hintergründe und Motive an.

Der Roman folgt erwartungsgemäß einem sehr klassischen Setting und sowohl die Figuren wie auch das Setting sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Der über allem drohende Weltkrieg macht die Hotelgäste nervös. Die schweizer Besitzerin führt offenbar mit dem deutschen Schimler oder Heimberger – weshalb benutzt er zwei Namen? verdächtig! – etwas im Schilde, die Geschwister Skelton werden plötzlich küssend am Strand gesehen, die Liste der Verdächtigen wird immer länger, je näher Vadassy sie kennenlernt. Auch wenn die Geschichte klar ein Spionageroman ist, muss man doch immer wieder über die Unfähigkeit des Protagonisten, aber auch über das seltsame Vorgehen der scheinbar korrumpierten Polizei schmunzeln. Allein schon der Gedanke eine Person wie Vadassy ermitteln zu lassen, erscheint absurd. Doch die wahre Verstrickung zeigt sich erst am Ende der Geschichte und alle Fragen lösen sich sauber auf.

Unterhaltsamer Krimi aus längst vergangener Zeit. Eher mit humorvollen Passagen und auch durch die politischen Anspielungen überzeugend als durch eine hochspannende und komplexe Story. Erwartungen dennoch voll erfüllt.

Sadie Jones – The Snakes

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Sadie Jones – The Snakes

Bea and Dan are frustrated with their London life and jobs and therefore decide to take a couple of months off. They start their tour across Europe in France where Bea’s brother Alex runs a hotel. Yet, when they arrive in the Burgundy village, it seems completely deserted. The hotel has never seen any guests and the house is completely run down. However, Alex is happy with the way things are. Bea is all but close to her family and when her parents announce to visit their children, she is all but amused. Dan cannot understand his wife’s hostility towards her parents, but there is a lot more that he doesn’t know and when they are hit by a major incident, he finally gets to know his real in-laws.

It’s the third novel by Sadie Jones that I have read and just like the other two before, again I really enjoyed her style of writing. The full extent of the story only slowly reveals and even though it is not a classic suspense novel, you know that there is a lot buried that will be uncovered sooner or later and you eagerly wait for it to show.

The strongest aspect were the complicated family ties. It is not clear at the beginning why Bea resents her parents so much, only when these two characters show up you start to understand her hatred and why she tried to cut all bonds. It is clearly a dysfunctional family in all respects: a strong and stubborn father who, self-centred as he is, just ignores the needs of the other family members and egoistically subordinates all to his wishes. The mother, however, is rather weak and clearly has a very unhealthy relationship with her children, even though they vary a lot. Alex and Bea seem to get along quite well even though there is a big gap in their age, yet, their different attitude towards the parents makes it impossible for them to really unite.

And the novel is about money. It is difficult to talk about it without revealing too much of the plot, thus, quite obviously, it doesn’t really help to make you happy. Even if you got masses of it. All in all, a very compelling read that I enjoyed a lot.