Jo Baker – The Body Lies

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Jo Baker – The Body Lies

After having been assaulted on her way home a couple of years before, a young writer never feels secure in her London house anymore. When she is offered a job by a remote university, this could not only solve the small family’s financial problems but also bring her away from the bad memories. She is supposed to take over a creative writing course and soon figures out that she is completely left alone since her colleague who was supposed to mentor her is on a leave. The trimester starts slowly but she gets along well with her students even though they seem to be quite unique. When they read out their first writing attempts, the situation becomes complicated since one of them, Nicholas Baker, insists on only telling the truth and not inventing anything which is not taken very well by his fellow students. As the time advances, the professor feels more and more uncomfortable around him and his texts as they become increasingly more personal and Nicholas develops into a real stalker who is ready to turn his bizarre fantasies into reality making her the protagonist of his weird story.

“The Body Lies” is completely different form Jo Baker’s novel “Longbourn” which I read and enjoyed a couple of years ago. Reading it was not easy at times since, due to her vivid style of writing, you can imagine the event narrated without any problem and some of the violence really gets under the skin. This is really a psychological thriller as you follow the invasion of the protagonist’s private life and you are not sure if there could actually be a happy ending.

What I liked most about the novel was that, apart from being suspenseful and entertaining as a psychological thriller, it also conveys an authentic picture of reality and an important message. The unnamed professor is exposed to violence and does not really have a chance to fight the men who assault her. Defending herself would have led to more injuries in the first case and in the second, she feels ashamed for what happened to her which, unfortunately, is quite common. But not only the physical violence hurts her, it is first and foremost the psychological threat that slowly hurts her and the fact that she has nobody to believe her version of the story makes it even worse. Sadly, I have no doubt that the story told could happen anywhere everyday.

A great read even though it is at times hard to support.

Antje Herden – Keine halben Sachen

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Antje Herden – Keine halben Sachen

Das Leben ist nicht einfach, wenn man 15 ist und große Erwartungen hat, stattdessen aber in der Kleinstadt festsitzt, den Alltag der alleinerziehenden Mutter betrachtet und einem Freunde und Lehrer anöden. Auch Robin geht es so bis er Leo trifft, der ihn aus seiner Lethargie herausreißt. Mit ihm lernt er neue Leute und ein neues Lebensgefühl kennen. Zum ersten Mal trinkt er Alkohol, zum ersten Mal kifft er und irgendwann probiert er auch noch andere Drogen, die ihn in einen unglaublichen Rausch versetzen. Durch seine neue Clique lernt er auch Anna und Karla kennen, in letztere verliebt er sich sofort und neben den ganzen neuen Emotionen, die ihm die Trips besorgen, rauscht sein Blut auch wegen der Verliebtheit. Die Welt um ihn herum gibt es nicht mehr, nur noch Karla und die Drogen.

Antje Herden hat für ihr Jugendbuch den Peter Härtling Preis erhalten, die Jury begründete ihre Wahl unter anderem damit, dass sie glaubwürdig den Weg in die Drogenabhängigkeit schildert und jeden pädagogischen Eifer vermeidet. Dem kann man nur zustimmen, die Autorin lässt ihren Protagonisten immer weiter abrutschen und am Ende gar gänzlich abstürzen, vermeidet aber jeden Kommentar, der Robins Handeln wertet oder gar verurteilt oder – noch schlimmer – besserwisserisch kommentiert.

Mich hat das Buch überzeugen können. Robins Null-Bock-Haltung zu Beginn ist ebenso glaubwürdig wie sein eigentlich gutes Verhältnis zur Mutter, das er in diesem Alter natürlich nicht nach außen tragen kann. Er ist kein falscher Kerl und wirkt absolut durchschnittlich. Der Zufall führt ihn scheinbar mit Leo zusammen, der ihn zielsicher auf die schiefe Bahn leitet. Leos Verhalten ist seltsam, als erwachsener Leser ahnt man recht schnell, was es mit ihm auf sich hat, für Jugendliche dürfte sich das am Ende eher als Überraschung herausstellen, die ich in der Konstruktion so recht gelungen finde. Auch wenn der Text recht kurz ist und das Abdriften in die wirklich harten Drogen dadurch sehr schnell vonstattengeht, wirkt dies auf mich nachvollziehbar und stimmig. Vor allem die bildhaften Beschreibungen der Halluzinationen und der damit verbundenen Ängste dürften Eindruck bei jungen Lesern hinterlassen.

Ein urteilfreies Jugendbuch, das Drogenkonsum darstellt, wertungsfrei, aber doch mit einer klaren Message.

Sayed Kashua – Lügenleben

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Sayed Kashua – Lügenleben

Sein Vater liegt im Sterben. Eilig hastet der Ich-Erzähler aus Illinois zurück nach Israel, um ihn noch einmal zu sehen, vielleicht sogar endlich die Dinge auszusprechen, über die sie seit vierzehn Jahren geschwiegen haben. Die Mutter gibt ihm den Schlüssel zum elterlichen Haus, damit er in seinem alten Zimmer übernachten kann, doch er kann nicht zurück in das Dorf, aus dem man ihn verstoßen hat. Erst musste er mit seiner Frau Falestin nach Jerusalem fliehen, dann sind sie nach Amerika ausgewandert, wo man ihr eine Dozentenstelle angeboten hat. Mit der Rückkehr kommen auch die Erinnerungen wieder auf, an seine Zeit als arabischer Journalist für eine hebräische Zeitung, als Ghostwriter für Autobiografien und als Schriftsteller, der eine Kurzgeschichte in einer Studentenzeitung veröffentlichte. Und das Unheil, das es damit nahm.

Sayed Kashua lebt heute in den USA, nachdem er als Kolumnist für die „Haaretz“ gearbeitete hatte und sich einen Namen als Drehbuchautor und Filmkritiker gemacht hatte. „Lügenleben“ ist das fünfte Buch des arabischstämmigen Israelis und zugleich das letzte Übersetzungswerk von Mirjam Pressler, das sie kurz vor ihrem Tod im Januar 2019 noch beendete.

Wie auch andere seiner Romane trägt auch der aktuelle Roman autobiografische Züge und thematisiert nicht nur das schwierige Verhältnis von jüdischen und arabischen Israelis miteinander, sondern auch die Familienzwänge und Traditionen, aus denen es vor allem in ländlichen Gebieten kein Entkommen zu geben scheint. Die Kinder haben sich dem Diktat der Eltern, Dorfältesten und Scheichs zu fügen – egal, ob die Urteile gerecht und richtig sind oder nicht.

Die Erinnerungen des Erzählers folgen keiner chronologischen Struktur und so bleibt lange offen, was es genau war, das zu seiner Vertreibung geführt hat. Auch das seltsame Verhältnis zu seiner Frau Falestin ist eher mysteriös denn nachvollziehbar. Sie leben in zwei Wohnungen, ein echtes Familienleben scheint es nicht zu geben. Auch die drei Kinder erhalten keine Antworten auf ihre Fragen – alles, was die Familie und die Zeit vor der Flucht aus dem Dorf betrifft, bleibt nebulös. Dabei liebt er, bewundert Falestin, aber diese weist ihn ab, akzeptiert ihn jedoch als ihren Mann. Erst nach und nach fügt sich das Bild zusammen und offenbart ein trauriges Schicksal, das man so in der Gegenwart kaum mehr glauben mag.

Ein vielschichtiger Roman, der persönliches Leid, Familie und Tradition, die politische Lage in Israel und auch Emigration und Flucht thematisiert und vor allem die innere Zerrissenheit einer ganzen Generation offenbart, die doch nur glücklich und in Sicherheit leben möchte und auf der Suche hiernach getrieben ist und weder eine klare Vergangenheit noch eine Zukunft zu haben scheint. Und es ist vor allem die Frage danach, was Wahrheit ist und was sie ausmacht und inwieweit wir uns unsere eigene Wahrheit gestalten, um uns in unserem Leben zurechtzufinden. Ein großartiger Roman, ganz sicherlich auch wegen der hervorragenden Übersetzerin.

Ein herzlicher Dank geht an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autor und Titel finden sich auf der Verlagsseite.

Wladimir Kaminer – Die Kreuzfahrer

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Wladimir Kaminer – Die Kreuzfahrer

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön – so oder so ähnlich hatte sich Wladimir Kaminer das Reise auf einem Kreuzfahrtschiff vorgestellt, was ihn erwartete, war der Alptraum aller Individualurlauber. Vier Reisen unternimmt er, bei dreien eingeladen im Kulturprogramm als Vorleser zu fungieren und erstaunlicherweise nach den Erfahrungen noch eine private Reise. Er durchquert den Atlantik, schippert durch Mittelmeer und Ostsee, bevor er die Karibik erkundet. Mit pointierter Ironie beschreibt er die Reisenden und die Gepflogenheiten auf dem Schiff und bei Landgang, kann irgendwann treffsicher Nationalitäten zuordnen und verbringt ansonsten sehr viel Zeit mit Essen und Trinken und dem Trällern der offenbar obligatorischen Schlager.

Das perfekte Buch, um einem jede Lust aufs Urlauben auf einem Kreuzfahrtschiff zu verderben – und zugleich köstliche Unterhaltung. Auf engstem Raum werden die unterschiedlichsten Menschen zusammengepfercht, um dann schaukelnd durch den Seegang und schunkelnd durch Ballermannmusik von A nach B transportiert zu werden. Man hat den Eindruck als wenn es sich um die komprimierte Form des Massenurlaubs rund ums Mittelmeer handelt und die bekannten Verhaltensweisen der Touristen sind dort natürlich genauso zu finden wie auf Mallorca:

„Obwohl Olga und ich als erste Reisende an Bord gingen, lagen bereits fremde Badetücher an strategisch wichtigen Plätzen: auf dem Sonnendeck, vor der Grillstation und am Pool. Fliegende Badetücher waren wahrscheinlich eine neue Reiseoption, die man bei AIDA buchen konnte, dachten wir. Noch bevor der Inhaber des Badetuches an Bord kam, wurde ihm ein warmes Plätzchen auf dem Sonnendeck reserviert.”

Auch wenn er in erster Linie unterhalten will – und das tut er ohne Frage – sind doch auch kritische Untertöne herauszuhören. Der seit Jahren boomende Tourismus auf allen Ozeanen und Binnenmeeren der Welt ist zu einer gnadenlosen Industrie geworden. Das Personal im Dauergrinsezustand bleibt stets freundlich und lässt den durchschnittlichen Urlauber nicht hinter die ausbeuterische Fassade in den unteren Stockwerken blicken, wo die geringverdienenden Philippinos schuften. Ebenso an Land, wo man selten noch auf Einheimische trifft, sondern sich Flüchtlinge und Migranten aus aller Welt der Nachfrage angepasst haben und die Kundschaft mit dem bedient, was sie sehen will: verkleidete Götter, Eseltreiber und heimatliche Tänze. Perfekt orchestriert, um in wenigen Stunden Aufenthalt das unmittelbare Erlebnis zu garantieren, wenn sie dies überhaupt noch wollen:

„(..) glich unsere AIDA einer schwimmenden Kneipe. Ihre Gäste – die meisten davon Stammgäste auf dem Schiff – hatten schon längst jede Lust aufs Festland verloren. Man konnte sie nur mit Gewalt zu den Sehenswürdigkeiten Griechenlands zwingen. Manche wurden von den Unterhaltungsoffizieren buchstäblich von Bord geschubst.”

Kaminers unverkennbarer Stil führt unweigerlich dazu, dass man im ersten Moment laut loslachen möchte, das Lachen einem dann aber doch im Halse stecken bleibt. Spätestens jetzt ist man von der Idee, eine Kreuzfahrt zu unternehmen völlig geheilt. Perfekte Sommerlektüre für den vollbepackten Strand, wo man neben Touristen aus aller Herren Ländern auf engstem Raum gemeinsam schwitzt.

Simon Strauß – Römische Tage

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Simon Strauß – Römische Tage

Zwei Monate verbringt der junge Autor in der ewigen Stadt. Lernt die Sprache, beobachtet die Menschen und wandelt auf den Spuren Goethes, der einst seine italienische Reise dokumentierte und in dessen ehemaliger Wohnung gegenüber der Casa die Goethe er residiert. Er erlebt die Hitze und die Lebensfreude, sieht aber auch die Schattenseiten. Jahrtausende Menschenleben haben ihre Spuren hinterlassen, weltliche wie geistliche, er besucht die Touristenziele und findet abgeschiedene Orte. Kitsch und Kunst liegen bisweilen nah beieinander und ebenso altes Gedankengut wie moderne Ansichten. Während er immer wieder in sich hineinhorcht, ob sein krankes Herz noch im Takt schlägt, erinnert er sich auch an seinen Studienfreund, der viel zu früh verstorben ist und mit dem er gerne seine Erlebnisse geteilt und diskutiert hätte, die er nun nur niederschreiben kann.

Simon Strauß lässt seinen Erzähler zwischen Altem und Neuem wandeln, Rom als Geburtsort großer Männer und Imperien, aber auch als todbringender Schlund wahrnehmen. Die allgegenwärtige Krise, die Relikte einer längst vergangenen großen Zeit kämpfen mit dem Lebensgefühl junger Menschen, die die Schönheit der Ewigen Stadt genießen wollen und können. Und immer wieder hat es auch große Dichter und Denker dorthin gezogen, deren Spuren er sucht und findet.

In den Feuilletons wird der kurze Band heftig diskutiert, von großer Begeisterung ob der jungen Stimme bis zum totalen Verriss findet sich so ziemlich alles, was zu einem Buch nur gesagt werden kann. Ich bin ein wenig unentschlossen, einerseits liefert er die klassische Bildungsreise mit den touristischen Zielen, die bei Romkennern Erinnerungen wecken und ein wenig des typische römischen Flairs aus den Seiten wehen lassen.

Andererseits scheint der Erzähler das ureigene Ziel einer solchen Reise zu verfehlen: was hat Rom mit ihm gemacht, wie hat es ihn geprägt, welche Erkenntnis trägt er von dieser Reise mit nach Hause? Diese Fragen kann man nur mit: wenig bis gar nichts beantworten. Er will ein Buch über Europa schreiben und begibt sich an eines der Zentren der europäischen Sinnkrise, doch davor verschließt er letztlich die Augen bzw. richtet den Blick auf das Alte, Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende alte Steine begeistern ihn, die Gegenwart erreicht ihn aber nicht.

Aus Rom als Ausgangspunkt für die Analyse des Zustands der alten Welt hätte sicher noch mehr bieten können, so ist es ein durchaus unterhaltsamer kurzer Blick zurück geworden.

Jenna van Berke – Weiße Nacht/Moa Graven – Die Puppenstube

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Jenna van Berke – Weiße Nacht/Moa Graven – Die Puppenstube

Doppelrezension, da zwei glücklicherweise kurze Krimis. Eigentlich haben sie beide nicht die Zeit für eine Rezension verdient, aber da es nun mal auch diese Bücher gibt, hier die nicht-amtliche Warnung.

Zuerst mit Jenna van Berke in die USA, wo sich Litza von ihrem gewalttätigen Mann trennt und dann die absolut naheliegende Idee ergreift, in einem ostfinnischen Dorf eine seltene Robbe zu erforschen, die nur dort in einem See vorkommt. Also Sachen packen und auf Nach good old Europe. Dort sind Jan und Lisa schon, als Ermittler lösen sie sie Fälle im gefährlichen Ostfriesland und gerade haben sie sich ebenfalls entschieden, sich doch lieber zu trennen und wegen akuter Einsamkeit melden sich beide unabhängig voneinander bei Dating Plattformen an – man ahnt schlimmstes…

Kaum in Finnland, stolpert Litza über den hochattraktiven Parkranger Niilo, der sie mit auf seine einsame Insel nimmt und ihr von dem mysteriösen Robbensterben berichtet, das die Region erschüttert. Bald ist außer dem Ranger nicht mehr viel zu erforschen…. Unterdessen häufen sich bei Lisa und Ja komische Vorkommnisse: eine Frau, die scheinbar verwirrt ist und nicht spricht, eine andere wird tot auf dem Friedhof abgelegt und dann auch noch ein Mann ermordet – und niemand vermisst sie. Naja, mal abwarten, am einfachsten zu Hause, also packen sie die Überlebende einfach ein und nehmen sie mit zu Jan.

Während man in Ostfriesland halbherzig ermittelt, kämpft Litza mit finnischen Gepflogenheiten wie Nacktbaden und Saunieren, was natürlich der attraktive Mann erleichtert. Warum war sie eigentlich dort? Ach, ist auch egal, oder nö, einfach mal nachts allein mit dem Kanu auf dem nebligen See rumschippern, was sollte man sonst auch tun in der Einsamkeit? Oh oh …. Gefahr! Und in Ostfriesland wird dann die stumme Frau entführt und mal eben noch ein Bauernpaar erschlagen, ach so, ja danke, da liegt ja dann auch die Lösung auf dem Präsentierteller, was die Ermittlung deutlich vereinfacht.

Fälle gelöst, Liebe gefunden – Friede, Freude, Eierkuchen. Spannung ist eher nicht so angesagt, in Finnland fehlt vor lauter Ranger-Anschmachten schlichtweg die Zeit dafür, in Ostfriesland soll sie durch die Vorkommnisse auf dem Hof aufgebaut werden, doch hier beschränkt sich die Autorin auf ziemlich platte Gewalt, die nicht für Kribbeln sorgt, sondern schlichtweg abstoßend ist und nicht überzeugt, vor allem, da einem die Figuren nicht wirklich packen und man so wenig Empathie für sie entwickelt. Daneben so viel unlogische Details und eine wenig plausible Handlung – zwei Mal Daumen runter.

Claire Douglas – Then She Vanishes

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Claire Douglas – Then She Vanishes

A double murder shakes the small seaside town of Tilby. Heather, a 32-year-old mother of a small boy has killed Clive Wilson, 58, and his mother Deirdre, 76, in the early hours before attempting suicide. But why did she do it? Did she even know them? Her mother is devastated and so is Heather’s childhood friend Jess, now a journalist with a newspaper in Bristol. For almost twenty years, they had not been in contact, but now she is reaching out to the family Jess once regarded as her own. How can one single family be stricken by fate that often? Heather’s father was killed in an accident when a gun was fired, her older sister Flora went missing at the age of sixteen, and now this. There’s something rotten, obviously, but can Jess figure it out?

Another page-turning mystery by Claire Douglas that hooked me immediately. I had high expectations that were totally fulfilled: many mysteries to solve, twists and turns, unexpected links and whole lot of characters that are not to be trusted. Just what you would expect from a great thriller.

What I liked most about the story were the secrets that everybody keeps, those small things that seem to be without any importance but suddenly become crucial but then it’s already too late to tell them. And then, people have to live with the knowledge that they are keeping some major facts that when being told could have saved somebody or prevented a lot of things. The plot is quite complex, at the beginning it all seems quite obvious, yet, the more it advances the more characters are added and the more multi-layered it becomes. Whenever you think you have seen through it all, your theory simply crumbles and falls – and this works out until the very last page.

Simply a great read that I could hardly put down.

Judith W. Taschler – Das Geburtstagsfest

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Judith W. Taschler – Das Geburtstagsfest

Eine große Überraschung haben Jonas, Simon und Lea für den 50. Geburtstag ihres Vaters geplant. Über viele Wochen haben sie Stillschweigen vereinbart und auch die Mutter nicht eingeweiht und dann ist der 17. Juni da und ebenso der unerwartete Gast: in Amerika haben sie Tevi Gardiner ausfindig gemacht, die Frau, der ihr Vater Kim Mey einst in Kambodscha das Leben gerettet hat. Mutter Ines traut ihren Augen kaum, das Mädchen, das ihre Mutter damals mit ihrem heutigen Mann als Flüchtlingskinder aufgenommen hat, steht plötzlich vor ihr. Und Kim ahnt, dass ihn die schlimmsten Heimsuchungen nun ereilen. Jahrzehntelang hat er erfolgreich verdrängt, was war, doch nun muss er sich seiner Vergangenheit stellen.

Die Glauser Preisträgerin Judith W. Taschler schafft es immer wieder mit schweren Stoffen zu begeistern. In „Das Geburtstagsfest“ schildert sie nicht nur eine tragische unerfüllte Liebe, sondern auch die Wohl schlimmste Zeit in dem südasiatischen Land: die Schreckensherrschaft der Roten Khmer und wie auch Kinder unweigerlich in den Konflikt gezogen wurden und Erfahrungen machen mussten, die sie auch Jahrzehnte später noch in ihren Alpträumen verfolgen.

So wie die Gedanken nach und nach aus den Untiefen des Gehirns plötzlich wieder ins Bewusstsein treten, erzählt die Autorin ihren Roman. Einerseits verlaufen die Tage um das Jubiläumsfest, immer wieder werden diese aber durch die Erinnerungen an die Zeit der 70er Jahre in Kambodscha unterbrochen. Sie schenkt ihren Charakteren nichts und scheut auch nicht davor zurück, größte Gräueltaten ungeschönt zu beschreiben. Was hätte es auch für einen Sinn die Realität zu verfremden? Kim Mey muss sich dem stellen, was er getan hat und ebenso wie Tausende andere auch, war er bereit zum Äußersten zu gehen, um sein eigenes Leben zu retten. Aber Taschler wird nicht plakativ schwarz-weiß in ihrer Darstellung, gerade die Zerrissenheit des jungen Kim ist ihr hervorragend gelungen. Der Junge, der Unrecht erkennt und versucht, sich zwischen den Fronten zu bewegen und denen, die ihm zuvor geholfen haben, nun auch entgegenzukommen, obwohl dies bei Tode verboten ist, muss damit leben, Entscheidungen getroffen zu haben, die falsch waren.

Ein gelungener Roman, der ein langsam aus dem Bewusstsein verschwundenes Grauensregime nochmals aufleben lässt und die private Seite von Terror beleuchtet. Kein leichter Stoff, aber unbedingt lesenswert.

Su Turhan – Die Siedlung: Sicher bist du nie

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Su Turhan – Die Siedlung: Sicher bist du nie

Der Wohnraum der Zukunft: „Himmelhof“ könnte Vorbild für die durch Technik optimierte Wohnform werden. Von überall aus der Welt kommen Besuchergruppen, um sich ein Bild von der Siedlung bei Augsburg zu machen, wo selbstfahrende Fahrzeuge, per Spracheingabe agierende Smarthomes und ausgeklügelte Überwachungssysteme das Leben nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer machen. Helen Jagdt und ihr Kollege Walter Fromm wollen sich als Gäste ebenfalls ein Bild vom Leben im Idyll machen. Aber eigentlich sind sie in geheimer Mission für die Kreuzer Holding unterwegs, die Adam Heise, dem Herrscher über die Siedlung, durch großzügige Geldgabe das Projekt erst ermöglichte. Neben den Meldungen über die fantastischen Errungenschaften treten nämlich auch eine Reihe von Gerüchten über seltsame Machenschaften, medizinische Experimente und das unerklärliche Verschwinden von Bewohnern an die Öffentlichkeit außerhalb von Himmelhof.

Su Turhan, erfolgreicher Regisseur und Autor, hat das klassische Science-Fiction Setting gewählt: eine von Technik gesteuerte Umgebung, die von einem größenwahnsinnigen Individuum überwacht und gelenkt wird. Neben den positiven Absichten wirken auch dunkle Abgründe, die jedoch tief im Untergrund verborgen sind und nie für die Öffentlichkeit gedacht waren. Eine vielversprechende Konzeption, die jedoch in der Umsetzung nicht ganz überzeugend gelungen ist.

Als Antagonisten stehen Adam Heise und Helen Jagdt – für meinen Geschmack eine etwas zu plakative telling name Anlage, aber das ist sicher Geschmackssache – im Zentrum der Handlung. Er der geniale Kopf hinter Himmelhof, sie die attraktive Verführerin, die ihm die Geheimnisse entlocken soll. Beide sind mir aber etwas zu wenig konsequent und unscharf angelegt; vor allem hätte ich mir von einer starken weiblichen Figur gewünscht, dass sie nicht ganz so dümmlich daherkommt, wie es bei Helen oft der Fall ist. Die anderen Figuren blieben leider völlig blass, weshalb man auch nur wenig Verbindung zu ihnen aufbauen konnte und ihr mysteriöses Verschwinden einem nicht so getroffen hat, wie es vermutlich intendiert war. Gut gefallen haben mir allerdings die Ideen für die Ausgestaltung der Smarthomes, vor allem die selbstputzenden Roboter hatten einen gewissen Charme. Die medizinische Forschung, die im Tunnelsystem unter der Siedlung durchgeführt wird, konnte mich leider gar nicht überzeugen, was vor allem daran lag, dass sie irgendwie nicht richtig zum Rest der Geschichte passen wollte. Sie blieb als Einzelaspekt immer etwas diffus und unmotiviert.

Der Plot hat durchaus Potenzial, aber irgendwie ist der Roman für mich holprig geblieben und nur teilweise plausibel und fesselnd.

Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer

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Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer

Drei Schüsse aus einer Wohnung, eine Frau ist tot, Chaos bricht aus. Das K111 hat scheinbar einen einfachen Fall, trotz schwieriger Personalkonstellation, denn Fariza Nasri ist wieder da, die einst im K112 unter Jakob Franck ermittelte und nun Polonius Fischer zugeteilt ist. Dann noch ein Mord, dieses Mal an einem Polizisten und Tabor Süden, Ex-Polizist und nun privater Detektiv, muss sich einmal mehr auf die Suche nach Vermissten machen. Derweil gerät die Polizei immer weiter unter Druck durch die Presse und die Zeugen wollen alle nichts gesehen haben und nichts wissen – die Lage ist schon kompliziert genug, da muss man sich nicht auch noch einmischen und die Ordnungsmacht auf einem aufmerksam machen.

Ein gewagtes Unterfangen unternimmt Friedrich Ani in seinem neuen Roman, der trotz der Morde und Ermittlungen nur wenig von einem Krimi hat: Er lässt dieses Mal die Wege seiner bekannten Figuren kreuzen und so treffen Tabor Süden, Polonius Fischer und Jakob Franck aufeinander und ermitteln parallel in München. Doch nicht nur das, die Fälle sind eingebunden in hochaktuelle politische Diskussionen um Ausländer, prekäre Lebensverhältnisse und die Überforderung der Polizei.

Ein anspruchsvoller Plot, den der Autor da kreiert hat und der aufgrund seiner Komplexität auch nur wenig Spannung aufkommen lässt. Ani springt zwischen den Figuren und Handlungssträngen hin und her und verliert sich so für mein Empfinden immer wieder. Die Idee und natürlich auch die Relevanz der Nebenkriegsschauplätze sind ohne Frage die Grundlage für einen großen Roman, aber mich konnte er nicht erreichen. Das Potenzial für drei unabhängige Geschichten wurde hier leider verschenkt, eigene Bücher, die durch Stringenz und ein konzertiertes Erzählen dieser Geschichte sicherlich packender und überzeugender hätten sein können. Obwohl ich ein großer Freund eines unaufgeregten Erzähltons bin und keineswegs eine ruhigere Gangart verabscheue, dieses Buch hat meinen Atem doch sehr herausgefordert und immer wieder brauchte es längere Lesepausen, weil es mich nicht wirklich begeistern konnte.