Max Seeck – The Ice Coven

Max Seeck – The Ice Coven

The disappearance of a famous blogger does not seem to be a too interesting case for Jessica Niemi and her team of Helsinki police. After a big music business event, she did not come home and has since vanished into thin air. Her roommate also cannot contribute anything to Lisa Yamamoto’s whereabouts. When the body of a Ukrainian prostitute in Manga clothing is washed ashore, the investigators do not link the two events immediately, but, bit by bit, they untangle the complex web and soon find themselves confronted with a network of ill doings which goes far beyond the city limits. While working on the most challenging case of her career, Jessica is still mourning the loss of her former boss and friend while Erne’s successor openly hates and threatens to expose her, thus destroying her carefully constructed life.

Already in the first case for Jessica Niemi, Max Seeck masterfully crafted a highly complex plot which was great to follow as a reader. “The Ice Coven”, too, seems to be not too mystifying at the beginning but then it slowly unfolds its whole potential and turns into a high-paced thriller. The short chapters add to the suspense which rises and only climaxes at the very end even though long before you were fooled to believe you know what is going on.

Apart from the crime story, the book’s most outstanding element is the protagonist. Being familiar with the first instalment, you already know her backstory, the things she hides from her colleagues and the demons that haunt her. Still, there are some white spaces to be discovered in further stories which I am eagerly looking for.

A multi-layered thriller which is hard to put down once you started.

Judith Merchant – Schweig!

Judith Merchant – Schweig!

Heiligabend, ein Tag, den man eigentlich entspannt mit der Familie verbringen sollte. Auch bei Esther laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern einen Abend wie im Bilderbuch verbringen kann. Das ist ihr Anspruch, weniger ist nicht akzeptabel. Aber sie muss vorher noch etwas erledigen, einen Besuch, vor dem sie sich fürchtet. Bei ihrer Schwester, die in einem einsamen Haus knapp eineinhalb Stunden entfernt lebt. Sie weiß, dass es ihr nach der Trennung von ihrem Mann schlecht geht, umso wichtiger ist es, dass sie als ältere Schwester sie besucht und sich kümmert. Sie hat sich immer schon um Schnecke gekümmert, wie sie sie liebevoll seit Kindheitstagen nennt. Sie weiß aber auch, dass sie wieder in Streit geraten werden. Und so kommt es auch, doch es bleibt nicht beim Streit, die Lage wird völlig eskalieren.

Judith Merchant lässt ihre beiden Protagonistinnen frei aufeinander losgehen. Es ist der Kampf zwischen zwei Schwestern, die geübt sind im Kämpfen. Von klein auf haben sie nichts Anderes getan. Für den Leser scheint die Lage klar, obwohl abwechselnd die beiden Perspektiven präsentiert werden, nimmt man schnell Position ein und hofft, dass die Lage vielleicht doch nicht völlig aus dem Ruder läuft, auch wenn von der ersten Seite an klar ist, dass das der Fall sein wird.

Bald schon bekommt die Klarheit jedoch Risse, das Verhältnis der Schwestern differenziert sich und die Fronten sind bei weitem nicht mehr so eindeutig, wie sie vorher schienen. Wie so oft gibt es zwei Wahrheiten, zwei Sichtweisen und Kategorien wie richtig und falsch greifen nicht mehr. Man beginnt zu zögern, zu hadern: wem will man mehr glauben, welche Sichtweise ist überzeugender? Als Leser gerät man zwischen die beiden, versucht sich für eine Seite zu entscheiden und weiß doch nicht, was richtig ist.

Perfekt orchestriert die Autorin die Eskalation, immer, wenn man denkt, gerade die Lage zu fassen zu bekommen, präsentiert sie ein neues Puzzleteilchen, das nur zu einer weiteren Eskalationsstufe führt und die Beziehung der beiden Frauen komplexer gestaltet. Ein Drama in zig Akten, das in einer Tragödie endet, bei der alle irgendwie schuldig und unschuldig zugleich sind, aber auf jeden Fall alle zum Verlierer werden.

Ein Psychothriller, der unter die Haut geht. Mit minimaler Ausstattung – zwei Frauen, ein Haus, ein Wintertag – ein Maximum an Emotion und psychologischer Kriegsführung.

Ruth Lillegraven – Tiefer Fjord

Ruth Lillegraven – Tiefer Fjord

Als das nächste Kind in der Notaufnahme deutliche Spuren von häuslicher Gewalt aufzeigt, reißt bei dem Arzt Haavard der Geduldsfaden. Wie lange soll er noch tatenlos mitansehen, wie Kinder vor seinen Augen leiden müssen, oftmals mit dem Leben bezahlen und niemand etwas unternimmt? Auch seine Frau Clara ist schockiert ob des neuerlichen Falles, schon lange versucht sie einen Gesetzentwurf zum Schutz misshandelter Kinder durchzubringen, doch wieder einmal wird ihr Vorhaben abgeschmettert. Haavard beginnt seine Beobachtungen zu sammeln und hat bald schon eine Liste mit eindeutig verdächtigen Eltern zusammen. Doch genau diese wird ihm zu Verhängnis, denn jemand nimmt die Sache, vor der die Öffentlichkeit die Augen verschließt, in die Hand und ausgerechnet Haavard war gleich zwei Mal in unmittelbarer Nähe, als brutal Rache geübt wurde.

Die norwegische Autorin Ruth Lillegraven wurde bereits mehrfach für ihre Bücher ausgezeichnet, „Tiefer Fjord“ ist ihr erster Thriller, der nicht nur wegen der brutalen Thematik nahegeht, sondern auch clever konstruiert wurde und so unerwartete Überraschungen und Wendungen bietet. Auch die Einblicke in den Politikbetrieb sind überzeugend integriert, da sie nebenbei der Krimihandlung mit informativen Hintergründen mehr Tiefe verleihen.

Man kann die Wut der Figuren nachvollziehen. Immer wieder erleben zu müssen, wie scheinbar alle staatlichen Institutionen versagen, wenn es um den Kinderschutz geht, kann niemanden kaltlassen. Das Motiv des Mörders liegt auf der Hand, moralisch kann man ihm durchaus folgen, auch wenn das gewählte Mittel jenseits aller Legalität ist.

Haavard erscheint zunächst als liebender Vater und engagierter Arzt, doch bald schon bekommt das perfekte Image Risse und reißt ihn von dem gerade errichteten Sockel. In seiner Ehe kriselt es schon lange, weshalb er sich heimlich mit seiner Kollegin trifft, fest davon überzeugt, dass Clara davon nichts ahnt. Doch diese ist deutlich aufmerksamer und vor allem cleverer darin etwas zu verbergen. Die pflichtbewusste Beamtin des Justizministeriums erscheint zunächst etwas blass, offenbart im Laufe der Handlung jedoch unerwartete Abgründe.

Ein Psychothriller, der seinen Namen verdient. Komplexe Figuren, deren Handeln jedoch überzeugend durch ihre Erlebnisse motiviert ist und die widersprüchliche Emotionen aushalten müssen, was sie authentisch und glaubwürdig wirken lässt.

Carlos Montero – Après toi le chaos

Carlos Montero – Après toi le chaos

La jeune professeure de littérature Raquel accepte un poste à Novariz, ville natale de son mari en région de Galicie au nord de l’Espagne. La collègue qu’elle remplace s’est suicidée, au moins c’est ce que tout le monde croit, sauf son mari, lui aussi prof du même lycée, qui est convaincu que sa femme a été tuée. Raquel n’a pas l’impression d’être bienvenue, dès le premier jour, les élèves se montrent hostiles et peu après, elle aussi est menacée directement. Elle commence à douter, est-ce que Viruca, sa prédécesseuse, a vraiment décidé de mettre fin à sa vie ou est-ce que son mari a raison et c’était un crime parfait ? Plus elle est menacée, plus elle cherche des réponses ne sachant qu’elle est en train d’ouvrir la boîte de Pandore.

« Après toi le chaos » est le deuxième roman de l’auteur et scénariste espagnol Carlos Montero pour lequel le prix Premio Primavera de Novela 2016 lui a été attribué. En 2020, Netflix a adapté le thriller psychologique. Une fois commencé, on ne peut plus arrêter la lecture, le roman capture immédiatement et il est remplis de suspense du début jusqu’á la fin.

La protagoniste raconte les événements de son point de vue, parfois, sa narration est interrompue par des récits au troisième personnage ce qui ajoute au suspense comme le lecteur est un peu avancé par rapport à Raquel.

« Toutes les pires horreurs que tu peux imaginer, quelqu’un les a déjà commises. »

J’ai aimé le double crime, d’un côté, il y a la question de ce qui s’est passé avec Viruca, de l’autre, Raquel, elle aussi, est sous menace et on ne sait ni de quel côté ni où cela mènera. Parfois, j’avais envie de lui crier d’arrêter et de s’enfuir le plus vite possible, mais, c’est grâce à son courage que, peu à peu, un réseau incroyable est découvert et c’est seulement sur les dernières pages que l’ampleur se révèle totalement et fait preuve de la citation.

Exactement ce qu’on attend d’un thriller psychologique.

Anna-Lou Weatherley – The Woman Inside

Anna-Lou Weatherley – The Woman Inside

Shortly after her fiancé left her, Daisey gets drunk during a professional event. The same evening, she is attacked in her flat but unexpectedly can survive. Yet, he has no memory at all of what happened and of who her assailant might be. She is not the first, London is haunted by a clever man that much some DNA finding can confirm, more is not known. A complicated case for Detective Dan Riley and a lot of time pressure since they are sure that Daisey is not the last. But then, things seem to fall into place, all evidence hints at Daisey’s ex Luke who behaves highly suspiciously, too. Dan remains sceptical, he is sure that there is much more behind the coward murders, however, who might have a reason to direct police’s attention towards Luke? Can the forensic psychologist whom Dan is forced to consult shed new light on what the investigators have found?

I totally adored Anna-Lou Weatherley’s novel “The Stranger’s Wife” and her latest thriller did not disappoint me, either. It is not just the classic play of who is quicker and cleverer – the police or the murderer – it is the psychological profile of the wanted person which is extremely interesting and cleverly drafted to make it a really exceptional thriller.

Daisey is hit twice, first, her fiancé leaves her for a younger woman, then, she is attacked and seriously injured. Additionally, she cannot pay the expensive flat alone, this is why a new colleague moves in with her. She isn’t alone anymore, but her mental state is unstable. She seems to hear voices or people moving around in the flat, mixes up what her new flatmate tells her and she has some flashbacks which bring back fragments of the evening in question. She is really not doing fine and quite palpably, the horror isn’t over for her even though many friends and the police take care of her.

The narration is interrupted time and again by a second line of the plot which is set about two decades in the past and tells the story of twins who are quite close but also mysteriously witness some serious misadventures. It is obvious from the start that this part gives insight in the murderer’s childhood and provides the reason for his strange behaviour. However, you cannot link this narration to any of the characters of the present.

A mysterious plot which remains blurry for a long time but does not lose its suspense. A superb read which I enjoyed from the first to the last page.

David Jackson – Der Bewohner

David Jackson – Der Bewohner

Nachdem er – wieder einmal – brutal gemordet hat, ist Thomas Brogan auf der Flucht vor der Polizei. Ein unmögliches Unterfangen in dem kleinen Wohngebiet. Doch dann findet er ein offenbar verlassenes Haus, in dem er sich verstecken kann. Bei seinem Erkundungsgang entdeckt er, dass die Dachböden der Nachbarhäuser zugänglich sind und so kann er die alte Elsie besuchen, aber auch Pam und Jack und natürlich Martyn und Colette. Diese fasziniert ihn besonders und er sucht sie sogleich als neue Spielgefährtin aus. Denn Brogan tötet nicht einfach, ein gibt seinen Opfern eine ehrliche Chance. Doch zunächst einmal muss er sich um Nahrung kümmern und die neuen Nachbarn beobachten. Bald schon kann das Spiel aber beginnen, wenn auch nicht ganz so wie er und die Stimme in seinem Kopf das geplant hatten.

Eine gruselige Vorstellung hat David Jackson in seinem Thriller umgesetzt: ein heimlicher Mitbewohner, der in die Häuser schleicht, wenn keiner Zuhause ist, sich an den Lebensmitteln bedient, die Dusche benutzt und in Schulbladen rumschnüffelt. Er hinterlässt keine Spuren, manchmal ein ungutes Gefühl, aber lange Zeit bleibt er unentdeckt. Es ist zunächst ein einseitiges Katz-und-Maus-Spiel, doch unerwartet zeigen sich auch andere Seiten des Killers, die das Bild eines kaltblütigen Mörders differenzierter zeichnen.

Bisweilen hat der Thriller auch humorvolle Passagen, wenn Brogan droht entdeckt zu werden und auf der überhasteten Flucht in sein Versteck auf so manches Hindernis trifft. Ganz anders gestalten sich seine Besuche bei Elsie, die schwerhörige Dame überrascht ihn eines Nachts und glaubt ihr verstorbener Sohn sei zurückgekehrt. Fortan bekocht sie den Mörder und erweicht sogar sein Herz. Zum ersten Mal erfährt dieser Zuneigung, was er nicht einfach beenden kann und will. Bei Colette gestaltet sich der Fall anders, er findet sie attraktiv, aber da ist noch ein anderer Reiz, den er nicht einordnen kann, der ihn jedoch immer wieder zu der jungen Frau zieht. In seinen Entscheidungen ist er jedoch nicht frei, die Stimme in seinem Kopf, treuer Begleiter, der ihm stets Gesellschaft leistet, ist es, die die Entscheidungen trifft.

Ein Psychothriller, der seinen Namen verdient hat. Als Leser fühlt man sich sogleich unwohl bei der Vorstellung, dass jemand unbemerkt im eigenen Haus umherschleichen könnte, aber ebenso interessant ist diese Stimme, die eine traurige Ursache hat und Brogan letztlich genauso zum Opfer werden lässt. Gänsehaut und Unbehagen beim Lesen und ein unerwartetes Ende – eindeutige Leseempfehlung.

Arno Strobel – Die App

Arno Strobel – Die App

Hendrik und Linda stehen nur wenige Tage vor der Hochzeit als die junge Frau spurlos verschwindet. Hendrik kehrt von einem nächtlichen Notfalleinsatz in der Klinik zurück und sieht sich mit einem leeren Haus konfrontiert. Kein Hinweis auf den Verbleib der zukünftigen Gattin. Die Polizei interessiert sich auch nur mäßig für den Fall, doch ein Aufruf bei Facebook bringt Erfolg: Linda ist nicht die einzige, die in Hamburg spurlos verschwunden ist, die mysteriösen Vermisstenfälle häufen sich und alles deutet darauf hin, dass die SmartHome Software Adam das verbindende Element der Fälle ist. Die App sichert nicht nur das Haus, sie scheint die Kontrolle übernommen bzw. jemandem genau zu dem verholfen zu haben, was mit ihr eigentlich verhindert werden sollte: Zugang zu den geschützten, privaten Räumen.

Nach den ersten 100 Seiten der Leseprobe war ich angefixt und wollte unbedingt wissen, wie der Fall gelöst wird. Leider konnte der überzeugende, starke Auftakt die Erwartungen nicht erfüllen. Bedauerlicherweise wandelt sich der Psychothriller von einem spannenden Wettstreit Mensch gegen Computer zu einer sehr ehrvorsehbaren und reichlich abstrusen Posse, die leider jeglicher Glaubwürdigkeit entbehrt.

Konnte ich über Kleinigkeiten zunächst noch geflissentlich hinwegsehen – Hendriks Vermisstenmeldung landet nicht bei der Polizei, sondern direkt bei den Hauptkommissaren des LKA – haben mich zahlreiche Plattitüden und Nachlässigkeiten zunehmend geärgert. Der Psychologin, die Hendrik hilft und den entscheidenden Verbindungsaspekt der Fälle erkannt hat, wird mit großem Erstaunen konstatiert, dass sie ja selbstständig denken kann; Hendrik stellt drei banale Fragen und man attestiert ihm das Potenzial zum LKA Kommissar; niemand wird stutzig, als der Kommissar die zwei aufbrausende und leichtsinnige Zivilisten zu seinen Verbündeten macht, um gemeinsam mit ihnen gegen das Böse zu kämpfen. Kleine Szenen nur, die jedoch einfach ärgerlich sind, weil sie mich als Leser nicht ernst nehmen, soll man wirklich einfach alles glauben und hinnehmen?

Die Themen SmartHome und Gefahren durch KI und deren Fernsteuerung durch böse Darknet Nutzer waren noch nicht groß genug für den Roman, es musste noch ein weiterer Reißer draufgesetzt werden, der für mich zu sehr bemüht war, um ernsthaft glaubwürdig die gesamte Handlung zu motivieren. Auch das Laien innerhalb weniger Tage gelingt, woran das LKA offenkundig über Monate scheiterte – das mag es mal geben, mich überzeugen jedoch mehr realistische Handlungen.

Fazit: leider am Ende große Enttäuschung. Der Roman hatte mehr versprochen, sich dann aber leider in typischen Krimi-Versatzstücke und konstruierter Logik verloren.

JP Delaney – Playing Nice

jp delaney - playing nice
JP Delaney – Playing Nice

Theo’s birth is highly dramatic, much too early, the young boy has to be taken to intensive care while his mother Maddie is still weakened by the C-section. So, it’s Pete’s task to get familiar with all the machines and to take care of his little son. Despite the turbulent start, Theo develops much better than expected and Pete turns out to be the perfect father while Maddie struggles with her new role. Quite naturally, they decide to have Pete stay at home since his job is less well paid and he totally likes taking care of the boy. When one day Miles and his wife Lucy are in front of their door, they only have faint memories of the couple whose boy was born on the same day as Theo and who was also taken to an incubator. The reason for their visit will shake their lives: the boys were swapped and Theo actually is their biological son. What starts as a friendly encounter, since they all sit in the same boat, quickly turns into the most evil fight no parent would ever like to be in. And just like in war, Miles is willing to use any weapon available to get his boy.

A novel like a roller coaster ride, emotionally challenging and breath-taking, reading it caused me almost a night without sleep since I couldn’t put it away. It is a conflict which is unsolvable, yet, the way it all turns out is unbearable to read and makes you wonder the whole time: could this happen to me, too? What incriminating material would police find if they checked on my computer and mobile phone? And at the same time: this is so absolutely unfair, this cannot be true, but how often do you hear of those stories where institutions are simply wrong and easily fooled?

At the beginning, I was wondering if Maddie’s difficulties of bonding with her son would become the major focus of the novel, quite soon, this shifted when the core problem became known. You cannot say what to do in such a case and just like the protagonists, I would never have expected it all to turn out that way. It is sheer unbelievable how everything that happens is turned against Pete and Maddie, even the most harmless incidents become major reproaches and raise questions about their parenting. It isn’t illogical at all, that is the terrible realisation, from the characters’ point of view, they hardly have any other option than interpreting the signs in this way. It hurts reading it, it really hurts, first and foremost when you look at what the situation does to Pete and Maddie. I guess, at some point, I might have given up had I been in their shoes.

To call it a wonderful read would somehow be awkward, yet, it is a brilliantly crafted novel with a very interesting conflict and, above all, authentic and lively characters who could just be you or me. Even though it is fiction and as a thriller mainly aims at making you feel a cold shiver running down your spine, it is also a novel that makes you ponder a lot.

Valerie Keogh – The Three Women

valerie keogh the three women
Valerie Keogh – The Three Women

Sie sind beste Freundinnen seit Beginn ihres Studiums, doch nun zwanzig Jahre später wird die Freundschaft auf eine schwere Probe gestellt. Ein verhängnisvoller Abend, als sie nur ihren Abschluss feiern wollten, holt die Polizistin Beth, Staatsanwältin Megan und Agenturinhaberin Joanne wieder ein. Es war nur eine falsche Annahme, eine kleine Lüge, doch diese hat den Lebensweg aller drei Frauen bestimmt. Eine unbedarfte Bemerkung bringt alles ans Licht und nun müssen sich die drei Freundinnen dem stellen, worauf sie ihr Leben aufgebaut haben: Lügen.

Der Psychothriller beginnt eher gemächlich, das Verhältnis der Frauen scheint eher unentspannt, dafür, dass sie beste Freundinnen sein sollen. Auch die Reaktionen ihrer Partner wirken etwas überzogen. Doch dann plötzlich entfaltet der Roman sein ganzes Drama und wird zu einem überzeugenden Thriller, der einem die Geschichte nur so um die Ohren fliegen lässt. Ein Ereignis jagt das nächste und kaum glaubt man das Ausmaß der Katastrophe zu überblicken, setzt Valerie Keogh noch eins drauf. Eine unerwartete Entdeckung, die neugierig auf mehr von der Autorin macht.

Patricia Dixon – #MeToo

patricia dixon #metoo
Patricia Dixon – #MeToo

Als Billie einen langen Brief von ihrem Ex-Freund erhält, kehrt sie nach über einem Jahr auf einer griechischen Insel zurück nach Manchester. Stan sitzt im Gefängnis, verurteilt wegen einer Vergewaltigung, die er angeblich nicht begangen hat. Billie hat ihn nie als gewalttätig erlebt, aber wer weiß, was das Beziehungsende und ihre Flucht mit ihm gemacht hat? Stan bittet sie, mit einem Privatdetektiv zusammenzuarbeiten, der ebenfalls Zweifel an der Darstellung des Opfers hegt, doch bislang konnten sie noch keine stichhaltigen Beweise finden. Billie stimmt zu und nimmt über eine Opfergruppe Kontakt zu Kelly auf. Als diese ihre Sicht der Geschehnisse schildert, kommt sie ins Grübeln. Dieselbe Geschichte, detailgenau, aber in zwei völlig widersprüchlichen Versionen. Wer sagt die Wahrheit, der verzweifelte Ex im Gefängnis oder die junge attraktive Frau, die sichtlich von den Erlebnissen gezeichnet ist?

Patricia Dixon bringt in ihrem Psychothriller die Problematik der Stunde hervorragend auf den Punkt: was zwischen zwei Menschen geschieht, spielt sich häufig verschlossen vor Außenstehenden in den eigenen vier Wänden ab. Vermeintlich eindeutige Belege sprechen vielfach eine unklare Sprache und lassen sich in dieser oder jener Weise deuten. Das Leid von vielen Frauen, denen über Jahre nie Glauben geschenkt wurde, soll keineswegs in Zweifel gezogen werden, aber es ist auch eine Realität, dass gerade auch das Gegenteil passiert: falschen Anschuldigungen wird schnell geglaubt, weil sich niemand dem Vorwurf schuldig machen möchte, ein Opfer nicht ernstgenommen zu haben.

Die Protagonistin ist hervorragend geeignet, um zwischen die Stühle zu geraten. Einerseits kennt sie Stan seit Jahren, aber sie hatte auch gute Gründe ihn zu verlassen, auch wenn bei ihr der Fall etwas anders lag, aber sie wurde ebenfalls Opfer einer Gewalttat und hat von ihm nicht das Verständnis für ihre emotionale Ausnahmesituation erhalten, das sie gebraucht hätte. Andererseits hat sie ihn als Partner nie in der ihm vorgeworfenen Weise erlebt, wieso sollte er sich in so kurzer Zeit so grundlegend ändern? Kelly wiederum wirkt zunächst wie ein traumatisiertes Opfer, aber einige ihrer Verhaltensweise lassen doch aufhorchen. Schon früher gab es ähnliche Anschuldigungen ihrerseits, auch ihr Lebensstil und ihr beruf wollen nicht richtig zusammenpassen und sie scheint geradezu besessen von Selbsthilfegruppen zu sein, sie sucht pro Woche gleich mehrere auf. Hat sie da vielleicht genau das gehört, was sie sich jetzt zu eigen macht?

Als Leser nähert man sich zusammen mit Billie langsam dem, was man für die Wahrheit halten kann. Mal schlägt das Pendel mehr in diese, mal mehr in jene Richtung aus, geschickt streut die Autorin immer wieder Zweifel an beiden Seiten, so dass man wirklich lange Zeit nicht sicher sein kann, die tatsächlichen Geschehnisse zu durchschauen. Obwohl es sich um einen Thriller handelt, gelingt es Patricia Dixon auch bei guter Unterhaltung und hoher Spannung die Thematik differenziert zu beleuchten und keineswegs die eine oder andere Seite entscheidend zu bevorzugen, schwarz und weiß sind letztlich oft einfach zu wenige Farben in der Debatte.