Michael Dobbs – House of Cards

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Michael Dobbs – House of Cards

Nachdem die große Premierministerin Margaret Thatcher abgedankt hat, werden die Conservatives von Henry Collingridge angeführt. Ein katastrophales Wahlergebnis mit nur knappem Sieg stürzt die Parteimitglieder in ein tiefes Loch, hinzu kommen die üblichen Enttäuschungen nach den Wahlen, wenn man den erhofften Posten nicht bekommen hat. So ergeht es auch Francis Urquhart, Chief Whip, der auf die Leitung eines Ministeriums gehofft hatte und jetzt zusehen soll, wie unfähige Dumpfbacken an ihm vorbeiziehen. Doch das wird er nicht so einfach auf sich sitzen lassen und Schritt für Schritt nimmt sein Plan Formen an. Es beginnt mit kleinen Leaks und führt letztlich zum Sturz des Premierministers. Der Weg für parteiinterne Neuwahlen ist geöffnet, aber es gibt Gegenkandidaten – diese ahnen jedoch nicht, was Urquhart in den Jahren zuvor alles über sie gesammelt hat und jetzt einzusetzen bereit ist.

Michael Dobbs kennt den innersten Kreis der Conservatives, hat selbst ab 1977 für die Partei gearbeitet und war unter Thatcher ein hoher Parteifunktionär. Der Rausschmiss durch die Eiserne Lady hat in seinem eigentlich als Erholung gedachten Urlaub zu dem schier unglaublichen Politthriller geführt, der mehrfach verfilmt wurde und als Netflix Serie große Erfolge feierte.

Im Zentrum der Handlung steht Francis Urquhart, dessen Machenschaften vor dem Hintergrund von Dobbs realen Erfahrungen noch erschreckender wirken als sie es schon sind. Es wird mit harten Bandagen gekämpft und vor nichts Halt gemacht. Jede noch so kleine Verfehlung kann den großen Sturz auslösen und ein cleverer und intelligenter Strippenzieher wie Urquhart weiß die Schwächen seiner Gegner zu nutzen. Er hat Geduld und Überblick, agiert nie hastig, sondern wartet geschickt seine Chancen ab, die er mal herbeiführt und mal einfach nutzen kann. Für die Macht geht er bis zum Äußersten und man hat nicht den geringsten Zweifel daran, dass dies alles genau so geschehen könnte. Seine einzige ernstzunehmende Gegenspielerin ist die junge Journalistin Mattie, die jedoch ebenfalls geschickt kaltgestellt werden kann, was sie jedoch nicht daran hindert, weiterhin Nachforschungen anzustellen und dem wahren Täter der Verschwörung auf die Schliche zu kommen.

Nicht nur die Handlung ist überzeugend konstruiert und bietet genau die Spannung, die man von einem Buch in diesem Genre erwarten würde. Auch Dobbs Schreibstil zwischen süffisanter Ironie und kaltherziger Abrechnung konnte mich schnell packen. Besonders die kurzen Zitate, die jedem Kapitel vorangestellt sind, zeigen nicht nur, dass der Autor genau weiß, wovon er schreibt, sondern dass er seine Worte auch punktgenau platzieren kann:

Kapitel 18: The world of Westminster is driven by ambition and exhaustion and alcohol. And lust. Especially lust.

Kapitel 27: A politician should never spend too much time thinking. It distracts attention from guarding his back.

Die Motti stimmen hervorragend ein und Dobbs folgt ihnen dann nur noch konsequenterweise. Beste Unterhaltung, die keine Wünsche offen lässt und auch nach fast 30 Jahren nichts an Relevanz und Überzeugungskraft verloren hat.

Daniel Silva – Der Drahtzieher

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Daniel Silva – Der Drahtzieher

Schon wieder ein Anschlag des IS auf britischem Boden, hunderte Tote und Verletzte, das Westend in Schutt und Asche. Drahtzieher ist offenkundig Saladin, der Islamist, den es nicht gelungen war zu eliminieren nach dem Angriff auf das Weinberg Center in Paris. Gabriel Allon, inzwischen Chef des israelischen Geheimdienstes, will ihn endlich unschädlich machen und stellt eine nie gesehene internationale Koalition zusammen: MI5 und MI6 aus England, der französische Geheimdienst und sogar die USA, selbst Opfer Saladins geworden, erklären sich zur Zusammenarbeit bereit, um dem größten Feind des Westens mit vereinten Kräften zu begegnen. Die Spuren führen nach Marseille, Einfallsort für die Drogenversorgung Europas. Als Lockvögel werden der beste Spion der Briten und alter Bekannter Allons, sowie Natalie, die Saladin bereits schon einmal sehr nah kam und ihm damals das Leben rettete, auf den Kontaktmann angesetzt. Dann ist Warten angesagt, bis sich die Chance ergeben wird.

Band 17 der Gabriel Allon Reihe setzt nahtlos da an, wo der Vorgänger aufhörte. Immer noch ist der Islamist Saladin das Ziel des Israelis. Auslöser für alle Aktivität ist wieder einmal ein Attentat in Europa, dem die westlichen Sicherheitskräfte nichts entgegensetzen konnten.

Insgesamt legt „Der Drahtzieher“ über weite Strecken ein recht gemächliches Tempo an den Tag. Der Fokus liegt dieses Mal ganz entschieden auf der Arbeit der Geheimdienste, was jedoch kein bisschen an Spannung einbüßt. Anwerbung, Ausbildung, Kontrolle im Hintergrund – detailliert schildert Silva, wie eine große Operation geplant und umgesetzt wird, was dazu erforderlich ist und was offenkundig so alles bewegt werden kann. Ebenso interessant sind natürlich die Befindlichkeiten der einzelnen Länder, wie jeder den großen Sieg einfahren möchte, wie alte Animositäten fast die ganze Aktion gefährden. Hier bewegt sich Silva tatsächlich im klassischen Spionage-Milieu und kann an einen John LeCarré heranreichen.

So interessant dies alles ist, führt es jedoch unweigerlich auch dazu, dass die Handlung langsamer verläuft als man das von Silva gewöhnt ist. So manche Länge bleibt ebenfalls nicht aus. Auch Gabriel Allon bleibt dieses Mal im Hintergrund, die tragenden Figuren sind die Agenten und ihre Zielpersonen. Diese sind überzeugend gezeichnet und auch lebendig in ihrem Handeln. Allerdings habe ich mich doch gefragt, ob sich zwielichtige Personen tatsächlich so leicht anwerben lassen und uneigennützig kooperieren würden. Auch der finale Showdown in Marokko war zwar rasant und einem Thriller würdig, aber hatte doch mehr Hollywood Potential als Überzeugungskraft.

Insgesamt eine solide Fortsetzung mit großem Unterhaltungswert, die die Erwartungen an die Reihe voll erfüllt.

Holly Bourne – Am I Normal Yet?

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Holly Bourne – Am I Normal Yet

Alles, was Evelyn, genannt Evie, möchte, ist normal sein. Zur Schule gehen, Freunde haben und zum ersten Mal einen Jungen küssen. Einmal wöchentlich geht sie noch zu ihr Therapeutin Sarah, ansonsten hat sie ihr Leben wieder gut im Griff. Die Medikamente kann sie langsam reduzieren und in Amber und Lottie findet sie am neuen College auch schnell zwei gute Freundinnen. Sie hat sogar ihr erstes Date, das jedoch etwas anders verläuft als gedacht. Auch das zweite ist eher ein Reinfall. Alles macht den Anschein als wenn Evie eine völlig durchschnittliche 16-Jährige wäre. Doch in ihrem Kopf rasen die Gedanken: kann sie ihren Freunden sagen, dass sie an OCD leidet und regelmäßige Panikattacken erleidet aus Angst, sich mit irgendwelchen Keimen zu infizieren? Nein, sie würden sicher nicht verstehen, weshalb sie permanent Desinfektionsmittel mit sich herumträgt und sie nur Glück hat, wenn sie bestimmte Dinge sechs Mal wiederholt. Die Therapie schlägt gut an und Evie kann zunehmend die Dosis reduzieren, doch sie merkt, dass ihre Gedanken sich zunehmend wieder stärker um ihr obsessives Verhalten drehen und ihr ein Rückfall droht. Aber der darf nicht kommen, sie will nicht versagen, sie will normal sein, daher darf niemand merken, wie schlecht es ihr tatsächlich geht.

Holly Bournes Roman hat zahlreiche Preise gewonnen und es auch auf die Shortlist unzähliger weiterer geschafft, was sich sehr leicht nachvollziehen lässt, denn es ist ihr gelungen ein Jugendbuch über eine psychische Erkrankung zu schreiben, das weder die Krankheit verharmlost, noch einfache Antworten gibt und dabei auch viele lustige Seiten aus dem Leben der Mädchen zeigt. Ihre Geschichte wirkt durch und durch authentisch und glaubwürdig, was sie nicht nur wegen der Thematik aus der Masse der Coming-of-Age-Romane abhebt.

Es ist vor allem die junge Protagonistin und Erzählerin, die die Geschichte trägt. Evie ist einerseits völlig normal und ist mit den Dingen beschäftigt, die Gleichaltrige ebenso umtreiben: Freundschaften, erste Liebe, Schule und die Familie. Sie ist nicht nur ihre Krankheit, auch wenn diese regelmäßig in ihr Leben eingreift und es verkompliziert. Vor allem die Sorge, als „gestört“ abgestempelt zu werden, hält sie davon ab, offen mit ihrer Situation umzugehen. Ein Erlebnis mit einem Klassenkameraden, der ebenfalls an Angststörungen leidet, scheint auch zu unterstreichen, dass trotz aller Fortschritte der Gesellschaft in den letzten Jahren psychische Erkrankungen ein Stigma bleiben.

Sehr gut gelungen ist der Autorin auch, den Club der der Freundinnen zum einen sehr unterschiedlich zu gestalten und sie zum anderen mit essentiellen Fragen nach der Rolle von Frauen und Mädchen auseinandersetzen zu lassen: welche widersprüchlichen Erwartungen haben Jungs an sie und inwieweit wollen sie gefallen und sich selbst und ihre Ideale dafür hintenanstellen. Es kommt tatsächlich etwas unerwartet, die Feminismus-Debatte in einem Jugendbuch zu finden, aber es wirkt weder gezwungen noch wäre es unpassend, denn die Mädchen finden in ihrem Alltag bereits unzählige Beispiele für kritische Situationen, in denen junge Frauen offenkundig benachteiligt werden und dies zum Teil auch selbst fördern und aufrechterhalten. Auch diese Diskussionen werden völlig altersgemäß und aus dem Blick von 16-Jährigen geführt.

Der Originaltitel des Buches „Am I Normal Yet“ geht noch etwas offensiver an die Thematik als der deutsche „Spinster Girls- Was ist schon normal?“, was ich eigentlich besser finde. Ein rundherum gelungener Roman, der nicht nur jugendliche Leser überzeugen dürfte.

Stuart Evers – If this is Home

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Stuart Evers – If this is Home

When he left the UK, Mark Wilkinson also left behind his name and entered the US as Joe Novak. By now, he is known as Mr Jones and selling apartments in Las Vegas. But something from his past is haunting him, he has episodes, hears voices or better: one voice: the one of Bethany, his girl-friend when he was still a teenager and living in England. He is thirty now and Bethany has been dead for thirteen years. He had wanted to leave their sad hometown together with her, to build a life together in New York, but then, she was murdered. After an incident with a client, he returns to England, now to find out the truth about Bethany’s death.

I was eager to read the novel due to the high praise I could read everywhere. After having finished, I am somewhere between disappointed and deeply confused. Either I didn’t get it at all or it absolutely didn’t work for me.

First of all, I had the impression that the first and the second half of the novel didn’t work together at all. It’s like having completely different characters and two independent stories told. In the beginning, we get a lot of clichés about men who are by far too rich and who think they own the world. It might be quite realistic, but not very interesting and ultimately, it leads to nothing for me. The second part, when Mark tries to figure out what happened to Bethany made a lot more sense, even though he hears her ghost talking constantly. I was waiting for the stunning moment when the circumstances of Bethany’s death are revealed, I expected something unusual, unforeseen and really surprising. Yet, this didn’t come. Actually, I didn’t even understand why he had to change his name all the time and what he was running from after all.

Juno Dawson – Clean

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Juno Dawson – Clean

Auf dem Rücksitz eines Autos wird sie entführt, denkt sie zumindest. Aber sie kann sich kaum wehren, zu sehr wirken die Reste der Drogen noch in ihr. Wo geht es hin und vor allem: warum? Die Clarity-Klinik auf einer einsamen Insel ist das Ziel, dass Nikolai für seine Schwester Lexi ansteuert, denn nach dem ersten Schock darüber, dass sie tot sein könnte, muss er etwas unternehmen, damit das Teenager-Mädchen endlich von den Drogen wegkommt. Lexi ist erwartungsgemäß wenig begeistert von dieser Idee, lächerlich, sie als süchtig zu bezeichnen, nur, weil sie wie alle anderen auch beim Feiern mal ein wenig Koks oder Pillen konsumiert. Doch bald schon muss sie erkennen, dass sie sehr wohl abhängig ist und die Tage des Entzugs zehren hammerhart an ihr. Wird sie es durchhalten?

„Clean“ ist bereits das 14. Jugendbuch der Transgender-Autorin Juno Dawson, die vor allen mit ihren LGBT Büchern für Jugendliche bekannt geworden ist. Auch in diesem Roman wird die Transgender-Thematik gestreift, im Zentrum steht jedoch der Drogenkonsum bzw. die nicht realisierte Abhängigkeit. In der Gesamtbeurteilung des Romans bin ich zwiegespalten, einerseits gefällt mir Dawsons Schreibstil sehr gut, der Text und vor allem die Dialoge wirken lebhaft und authentisch, andererseits ist der Roman recht klischeebeladen vor allem moralisierend, was ihn auf der Handlungseben deutlich hinter den Möglichkeiten zurückbleiben lässt.

Die Figur der Lexi ist zunächst sehr plakativ eindimensional angelegt: superreiches Töchterchen eines russischen Oligarchen, die von den Eltern vernachlässigt wird und sich schlichtweg alles erlauben kann. Drogenkonsum und folgende Abhängigkeit sind die logische Konsequenz. Auch die anderen Patienten der Klinik bestechen durch schematische Charakteristika, die wenig Raum für Persönlichkeit lassen. Obwohl die Figuren etwas enttäuschen, kann der Roman zunächst absolut überzeugen, denn die Darstellung der physischen Begleiterscheinungen des Entzugs und des Kontrollverlusts in dieser Zeit wirkt realistisch und vor allem abschreckend. Dies ist die mit Abstand stärkste Phase des Romans. Die unglücklich endende Love-Story zwischen Lexi und Brady ist leider zu vorhersehbar als dass sie ein Gewinn für die Handlung wäre. Auch der Weg zurück ins Leben wird leider wenig differenziert geschildert, sondern führt direkt in die sich lauthals ankündigende Misere, bevor dann noch ein Happy-End drangeklatscht wird. Hier hat die Autorin eine Menge Chancen vergeben.

Dies ist auch der etwas fade Unterton, der nach dem Lesen bleibt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es weniger darum ging, eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen, als ein moralisch einwandfreies Jugendbuch zu schreiben, das messerscharf zwischen schwarz und weiß unterscheidet und auf die in der Realität vorhandenen Grautöne verzichtet. Ich bezweifle, dass die Zielgruppe – Leser ab 14 Jahren – so naiv ist, dieses Märchen-Schema zu akzeptieren und die mit dem Holzhammer eingeprügelte Moral „Drogen sind böse!“ für sich als Lebensweisheit mitnimmt. Man hätte jungen Lesern durchaus mehr zumuten können und so eine komplexere Geschichte, die jedoch realistischer gewesen wäre, kreieren können. So bleibt eine schwache Geschichte, die jedoch toll erzählt wird.

Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall

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Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall

Der Autor, von dessen Büchern die Existenz des Verlags abhängt, ist tot. Alan Conway war unheilbar an Krebs erkrankt und hat sich das Leben genommen. Aber glücklicherweise hat er seinen letzten Roman noch kurz vor seinem Ableben in den Verlag gebracht. Seine Lektorin Susan Ryeland freut sich auf die Lektüre, doch mitr Entsetzen muss sie feststellen, dass die letzten Kapitel des Romans fehlen. Der Protagonist Atticus Pünd kann den Mord in Pye Hall nicht aufklären. Susan Ryeland findet nicht nur das, sondern auch die Umstände von Conways vermeintlichen Selbstmord seltsam und beginnt selbst zu ermitteln. Im Stile von Hercule Poirot oder auch Atticus Pünd befragt sie das Umfeld von Conway und stößt gleich auf eine ganze Reihe Menschen, die ein Interesse daran hätten haben können, den Autor aus dem Weg zu schaffen.

Anthony Horowitz kann immer wieder überraschen. Mit „Die Morde von Pye Hall“ hat er einen Roman im Roman geschaffen und geschickt beide Handlungen ineinander verwoben. Er wechselt spielerisch die Erzählebenen und lässt seine Rahmenhandlung dadurch umso authentischer wirken. Die Tatsache, dass er auch dem Leser dieses Romans das Ende des fiktiven Krimis (zunächst) vorenthält, verstärkt unter anderem diesen Effekt und lässt einem munter mitfiebern und ermitteln.

Ein Krimi im Krimi, beide Fälle haben einen gewissen Charme und können auf ihre altmodisch-konventionelle Art überzeugen. Horowitz spielt nicht nur mit dem Genre, nein, er macht sich einen Spaß daraus, gnadenlos alles zu entlarven, was über Jahrzehnte funktioniert, obgleich es unheimlich durchschaubar ist. Agatha Christie war keine begnadete Schreiberin, trotzdem war sie enorm erfolgreich und hat Charaktere für die Ewigkeit geschaffen, die stilbildend für das Genre geworden sind. In gewisser Weise greift Horowitz genau diese Widersprüchlichkeit auf: sein fiktiver Autor ist enttäuscht, dass er sein Geld mit den Kriminalromanen, einem in seinen Augen literarisch minderwertigen Genre, verdient, wo er doch von der hohen Literatur träumt. Belächelt werden diese Autoren, kommerziell erfolgreich zwar, aber doch keine wirklichen literarischen Genies. Nichtsdestotrotz liebt sie die Leserschaft.

Beide Handlungen in „Die Morde von Pye Hall“ folgen den klassischen, vorhersehbaren Mustern und dennoch begeistern sie – deutlicher kann man seine Hommage an den Kriminalroman kaum zum Ausdruck bringen. Und ja, auch diese Bücher haben nicht nur ihre Daseinsberechtigung, sondern sind ein Gewinn in der Buchlandschaft.

Emily Koch – If I Die Before I Wake

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Emily Koch – If I Die Before I Wake

When Alex wakes up in hospital, he finds himself locked-in in his body. His mind is absolutely clear, but he cannot communicate with his surroundings; neither can he move his body the least bit, nor can he show the doctors or his family that he is not in a coma. It takes some time for him to figure out what actually happened. Since he cannot ask, he has to rely on what his visitors share with him. First of all, his girlfriend Bea, but also his father and his sister. He obviously was climbing when he fell from the rock. Since is never wore a helmet, the impact left a serious damage to his brain. But slowly he comes to the conclusion that the different pieces of information he gathers while listening do not really fit together. There must be more about it.

Emily Koch surely has chosen a very special point of view for her novel. Giving a voice to a locked-in character is something you do not read that often. Yet, it made the story especially appealing since you as the reader were completely with Alex and had no chance of getting more information than the protagonist. Not all you learnt made sense, at times, you even suspected the girlfriend of having tried to murder him – just like Alex did. Thus, the choice the author has made is simply great and adds a special bit to the story.

It was an attempted murder, this becomes clear quite early in the novel, yet, it takes some time to really understand what was behind it all. The limited access to information really supports the suspense here. At some points I got a bit annoyed, wishing it all to advance a bit more quickly. However, imagining this as a real life event, there is nothing one could do to accelerate it, so even though I was curious to get to the solution, it was a good decision to delay it.

A risky point of view which I find quite innovative. The plot was solved convincingly and the author found a way out of the story that I absolutely liked.

Matt Haig – How to Stop Time

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Matt Haig – How to Stop Time

Er sieht zwar aus wie ein durchschnittlicher 41-Jähriger, aber Tom Hazard ist älter. Viel älter- mehr so 400 Jahre alt. Geboren gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf einem französischen Schloss wurde seine Mutter schon früh der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt. Seither ist Tom vorsichtig. Nur ein einziges Mal hat er sich verliebt, in Rose, und mit ihr hat er eine Tochter bekommen, die dasselbe Schicksal erlitten hat wie er. Doch schon seit ewigen Zeiten hat er sie nicht mehr gesehen, weiß auch nicht, ob sie noch lebt. Alle paar Jahre muss sich Tom von seinem gewohnten Leben verabschieden, um nicht aufzufallen. Gerade hat er wieder eine neue Identität angenommen und arbeitet als Lehrer für Geschichte – was auch sonst. Doch am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, denn Tom droht etwas zu tun, was er nicht darf: sich verlieben.

Ich bin nun wahrlich kein Fan von übernatürlichen Vorkommnissen und Untoten, aber zugegebenermaßen konnte mich Matt Haig mit seiner Geschichte fesseln. Auch wenn das Grundkonzept völlig absurd ist, sein Protagonist trägt durch die Handlung, die immer wieder Episoden seiner Vergangenheit evoziert und so sein Leben nicht nur interessant, sondern auch spannend werden lässt. Wen hat er alles getroffen, den großen Shakespeare ebenso wie Scott F. und Zelda Fitzgerald. Aber es sind nicht die großen Namen und die Begegnungen, die die Geschichte so außergewöhnlich machen, es ist die Figur Tom selbst.

Weder ist er verbittert ob all der schlimmen Dinge, die er erleben musste – die Pest ebenso wie zwei Weltkriege neben all den kleinen Katastrophen – noch wird er zynisch. Er ist im positiven Sinne weise und melancholisch. Er mag die Menschen, auch wenn er weiß, dass er jeweils nur eine kurze Zeit mit ihnen teilen kann. Und er ist treu. Obwohl seine Beziehung mit Rose 400 Jahre zurückliegt, hat doch nie eine andere sein Herz in dem Maße erobern können wie diese einfache Verkäuferin. Auch wenn sich die Zeiten gewaltig verändert haben, die Menschen sind geblieben wie sie immer waren und er kann noch so viel Geschichte unterrichten – sie werden nicht aus ihr lernen, da ihr Blick in der Gegenwart verhaftet ist.

Eine geradezu bittersüße Geschichte, ideal, um den Alltag zu vergessen.

Julia Sutton – A Sea of Straw

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Julia Sutton – A Sea of Straw

1966, Jody, a Manchester designer, and her baby girl Anna come to Lisbon to enjoy themselves far away from her estranged husband. When she meets the Portuguese painter Zé, she immediately falls for him. Soon they are making plans even though Zé is supposed to join the military, but he is positive that his father can bail him out. Jody and Anna need to return to England, but this is only meant for leaving her husband finally and packing her belongings before she can ultimately settle in Lisbon. Zé is waiting for her, but she never embarks the ferry she is supposed to take. Zé is desperate, not only because of longing for Jody but also for wanting to escape from the approaching date of his marching order. He does not want to become a supporter of the Salazar system; thus he decides the risky way across the border to join Jody in England.

Julia Sutton’s novel is set against the complicate political situation in Portugal at the end of the 1960s. Even though the protagonist Zé seems to be a bit naive and not a leader of any underground movement to overthrow the oppressive system, you get an insight in how the rulers and especially the secret service worked at the time. Even though the love story is the main motor to drive the story, the political aspects dominate over large parts of the story.

It is especially the moment when Zé is captured by PIDE that the novel becomes most interesting and convincing. What he experiences in prison, the treatment and methods of making prisoners not only betray their friends and comrades but also how they are tricked and how little a human life is worth – repellent and disgusting. However, this is neither unusual nor especially brutal, it is just how these kind of systems work.

On the other hand, I found the societal or rather familial pressure which Jody experiences back in England almost as cruel as what Zé suffers in Portugal. How clearly her husband makes decisions and can enforce them – unbelievable for us today, but in the 1960s women were far from enjoying the rights they do today.

Even though the novel had many though-provoking aspects and was surely well researched, I found it was a bit long drawn-out at times and going round in circles. It lacked a bit of focus, was it meant to tell or love story or rather depict life in Portugal under the Salazar regime or show how limited female freedom was at that time? The author seems to be a bit undecided about it.

Lisa Jewell – Then She Was Gone

Lisa Jewell – Then She Was Gone

Ellie just wants to go to the library to study for her GCSEs. But she never arrives there and is never seen again. Her mother Laurel is sure that her daughter is still alive, but where? Ten years pass by, the family splits up and Laurel is alone with her grief. When she meets Floyd, she experiences happiness for the first time in many years. Can this be true? Finding love at the age of 55? But why is the famous writer in love with her, this old, nondescript woman? When she meets Floyd’s daughter Poppy for the first time, a vile thought is planted in her head. Was their encounter really a coincidence? Who is that man in reality?

Lisa Jewell tells the story of the vanished girl from different perspectives at different points of time. Thus, the full picture is only revealed bit by bit throughout the story and the tension is constantly kept high. You never know whom you can really trust, what is true and what isn’t, you can guess, but at times, you might be completely wrong.

I especially liked the mystery about Floyd and his daughter. At the first glance, they appear to be a bit too perfect, too lovely and likeable to be real. Just because of this you become suspicious. Is Floyd the nice loving man or is he simply evil? What might happen to Laurel when she keeps on dating him? From the experience of reading thrillers you are convinced that sooner or later something really wicked will happen, you simply wait for it to happen all the time – of course you still hope that by some miracle the nice and decent woman is spared another nightmare in her life.

“Then she was gone” is not a too bloody thriller, but it is creepy due to the characters and you always teeter on a knife edge about what is going to happen next. So, Lisa Jewell successfully plays on the reader’s nerves – just what I would expect from a good thriller.