Jandy Nelson – I’ll Give you the Sun

Jude and Noah are twins and artistically gifted. Both of them intend to go to a special art school, but their life collapses when their mother dies in a car accident. She was their mentor and always pushed and supported them. After she’s gone, life is not what it was before and the rest of the family slowly moves further and further apart. Noah finds relief in partying and taking risks, Jude seeks it in the arts but somehow all she creates is destroyed. She needs to find the key to get back the connection she had to her brother to be happy again.
The story is not told in chronological order, we skip backwards and forward and sometimes know that certain things happen, but we do not know why which creates a certain suspense. Otherwise this is a classic coming of age novel. Two gifted teenagers who nevertheless make mistakes and try to find out who they are and what really matters to them. It all is told through the metaphors of the arts which I really liked. The author found a way of also touching rather sensitive matters in a natural and unobtrusive way which made the novel even more valuable for me.

Ruth Ware – The Woman in Cabin 10

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Ruth Ware – The Woman in Cabin 10
After haven been burglarized, travel journalist Laura is happy to board a luxury cruiser to Norway. The small ship can host only a very limited number of guest who immediately get to know each other. Woken in her first night by screams, Laura rashes to her balcony where she believes to have been witness to an atrocious crime: a body has been thrown over the railing. Nobody wants to believe her because the cabin next to hers is meant to be empty. She is sure to have met a young woman early in the afternoon. Laura follows the signs of this unknown passenger and soon finds herself in real danger. When she ignores all warnings, she suddenly finds herself locked up in dark room.
This thriller plays on the readers’ nerves. Starting with a scene in which the protagonist has to face an intruder in her apartment, you can imagine that her nerves are on edge. This makes it difficult to say if you believe her and her perception. Added to this her proneness to too much alcohol and antidepressants – you have to question her story at some point. This keeps you alert all the time, you look out for signs to decide if you are with her or against her. Cliff-hangers, twists and turns keep the plot going and do not give you any time to relax while reading.

I really enjoyed reading the novel. The protagonist is a strong character who definitely can trigger something in you (I can easily imagine that some readers will hate her, but nevertheless – this is also some emotion). The plot could convince me, it is all set and cleared up without leaving any questions unanswered and all could happen in reality. There is a lot of suspense and thrill – all you need for an entertaining page-turner.

Johannes Ehrmann – Großer Bruder Zorn

Aris braucht den ganz großen Coup, um endlich wieder zu Geld zu kommen. Eine „Fight Night“ im Wedding ist sein Plan, Ende der Woche soll der große Kampf steigen. Jessi, Kassiererin im Netto, träumt auch von einem besseren Leben für sich und die fünfjährige Tochter, die ihren Vater nicht kennt und viel zu früh kam. Der Flaschensammler träumt nicht mehr von einem besseren Leben, sondern lebt immer noch in der Vergangenheit, als er dienen konnte und als vorbildlicher Soldat sein Dasein bestritt. Serdar vom Späti muss sich mit ganz anderen Fragen beschäftigen: wie soll er damit umgehen, dass seine Freundin Ella schwanger ist aber keinen Sinn mehr in ihrer Beziehung sieht? Unterdessen plant ein weiterer Kiez Bewohner das ganz große Dinge, um mit einem lauten Knall der tristen Existenz ein großartiges Ende zu bereiten.

Johannes Ehrmann lässt den Leser eintauchen in den Berliner Kiez mit seinen kuriosen Gestalten, mit denen es das Leben nicht besonders gut gemeint hat. Verpasste Chancen, falsche Entscheidungen, keine Perspektiven: alle leben nicht das Leben, das sie eigentlich erwartet hatten, sondern versuchen irgendwie zu überleben und hoffen auf einen besseren Tag morgen. Parallel verlaufen die Geschichten um die Figuren, gelegentlich kreuzen sich ihre Wege und trennen sich wieder. Was dem Autor wirklich überzeugend gelingt, ist die Atmosphäre einzufangen und den etwas rotzigen Ton wiederzugeben. Obwohl wir uns im recht sozialschwachen Milieu befinden, wird es trotzdem nicht flach, sondern einfach authentisch und so kann der Roman überzeugen, denn er stellt die Menschen in den Mittelpunkt, die einfach sind wie sie sind und nicht bewertet, sondern schlichtweg portraitiert werden. Als Studie einer selten in der anspruchsvolleren Literatur auftauchenden Welt absolut gelungen und sprachlich an vielen Stellen pointiert und authentischem Flair.

Carrie Snyder – Die Frau, die allen davonrannte

Aganetha Smart ist schon als Kind viel gelaufen und als sie als Jugendliche die Möglichkeit erhält, professionell zu trainieren und vielleicht sogar an den Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 teilzunehmen, ergreift sie diese Chance. Zum ersten Mal waren Frauen in der Leichtathletik zugelassen und Aganetha wird zum kanadischen Goldmädchen. Doch der Ruhm ist kurz und er kann die Probleme in ihrer Familie nur kurzzeitig für die ausblenden. So schnell sie immer laufen konnte – es gibt Dinge, den sie nicht davonlaufen kann.
Leider konnte mich der Roman nicht wirklich packen. Die fiktive Geschichte um Aganetha Smart ist zwar durchaus interessant, wirkt aber in weiten Teilen zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein. Zu viele Zufälle kommen zusammen und die Autorin wollte auch unzählige Geschichten erzählen. Das Happy End kommt urplötzlich und völlig abgehakt, macht wenig Sinn und hat mich eher verärgert als gefreut. Was mich am meisten störte waren die zeitlich schwer zu verortenden Rückblenden, nie wusste man, wann man sich in etwa befindet, die Autorin springt vor und zurück und diese Diskontinuität wirkt nicht erfrischend, sondern verwirrt. Daneben kommen noch so ärgerliche Nachlässigkeiten wie immer wieder von der „Olympiade zu sprechen“, wenn eigentlich „Olympische Spiele“ gemeint sind – so viel Recherche und Genauigkeit kann von einem Autor (oder Übersetzer?) erwartet werden.

Wendy Walker – Nichts ist je vergessen

Eine typische Party, Unmengen Alkohol, ein junges Mädchen, ein unglaubliches Verbrechen. Die 15-jährige Jenny Kramer wird im Wald in der Nähe der Party vergewaltigt. Als sie gefunden wird, hat sie bereits das Bewusstsein verloren und als man ihren Eltern ein neues Medikament anbietet, das Jenny nach dem Aufwachen die Erinnerung an die Tat löschen soll, stimmen sie dem zu. Allerdings bedeutet dies auch, dass der Täter nicht identifiziert werden kann, da das Opfer keine Aussage wird machen können. Die Familie entscheidet sich schließlich nach einigen Monaten, mit Hilfe eines Therapeuten die Erinnerung zurückzuholen. Dieser gräbt tief und entdeckt nicht nur Details der Tat, sondern bringt auch Familiengeheimnisse ans Licht. Langsam wird klar, dass auch er Geheimnisse hat, die er lieber gut versteckt wissen würde.
Wendy Walkers Thriller bietet alles, was man vom Genre erwartet: viel Spannung, unerwartete Wendungen, Abgründe der menschlichen Psyche. Immer wenn man als Leser denkt, dass man durchschaut hat, wie sich das Verbrechen zugetragen hat, kommt ein neuer Schuldiger daher. All dies erscheint gut und glaubwürdig motiviert und so muss man seine Theorien wieder anpassen. Erst ganz am Ende zeigt sich das Gesamtbild und alles löst sich auf.

Am meisten haben mich die psychologischen Aspekte überzeugen können, insbesondere die Funktionsweise der Erinnerung; die Autorin hat diese Erläuterungen sinnvoll eingebunden und so neben dem Thriller auch einiges an Sachwissen mitgeliefert. Die Erzählweise ist ungewöhnlich und doch überzeugend, der Therapeut war in das Geschehen eingebunden und doch mit einer gewissen Distanz. Dass er selbst mehr und mehr in den Tathergang verwickelt wird, ist sicherlich keine alltägliche Verwicklung von Erzähler und Handlung.

Gina B- Nahai – Bons baisers de Téhéran

Le Fils de Raphael a été tué aux Etats-Unis. Le businessman important avait beaucoup d’ennemies qui lui en voulaient. Entre eux sa femme. Le plus la police essaie de comprendre ce qui s’est passé, le plus long la liste des suspects devient. Et il leur faut retourner au passé et en Iran où tout a commencé.
Le roman commence comme un policier classique avec l’assassin d’un personnage connu. Mais l’histoire se développe en drame familial, en histoire juive et histoire de l’Iran. Tout est lié et la situation politique se montre plusieurs fois comme moteur pour l’histoire. Le roman raconte aussi l’histoire du rêve américain, d’une meilleure vie en Amérique du Nord – et de la réalité comme un membre d’une communauté en exile où les lois du patrimoine existent toujours et où la famille et les liens sont plus importants que ce qu’on sait faire.

Bien sûr, l’aspect de l’assassin avait du suspense, mais pour moi, l’histoire des Juifs iraniens (dont l’existence ne m’était pas trop évidente) et leur problèmes d’acceptation au Moyen Orient et aux Etats-Unis était nettement plus intéressante et impressionnante.

Amy Stuart – Still Mine

A young woman from a remote village in England is missing. Clare is sent there to investigate the case privately, under the cover of a photographer interested in the mountains and woods, she starts to ask questions about Shayna Fowles. All seem to know something but nobody is eager to talk to the stranger. Shayna might be hiding from her husband, or her drugs dealer, her parents or even her doctor. Or she just might be dead. Clare is the best person to uncover what happened in Blackmore since she herself is on the run from the life she lead before.

Amy Stuart’s psychological thriller lives on the setting of the novel. This solitary small village with its strange inhabitants, the woods which seem to hide lots of stories and the protagonist who tries to hide her past – these factors put together create an atmosphere of suspense, danger and just give you the creeps. I really liked Clare since she combines two opposing characteristics: being vulnerable and running away on the one hand, being tough and dauntlessly standing her ground on the other. This makes her not only interesting but shows many different facets of an authentic human being. The case of Shayna is also convincingly designed and the solution provided makes absolute sense. All in all, everything you would expect from a psychological thriller.

Jonas Karlsson – Das Zimmer

Ein modernes Büro, der klassische Großstadtalltag. Doch Björn, der neu zum Team gestoßen ist, entdeckt eines Tages ein geheimes Zimmer, zwischen Aufzug und Altpapiersammelstelle. Ein dunkler Kabuff, das offenbar den Kollegen bis dato verborgen blieb. Immer wieder zieht er sich dahin zurück, um Kraft zu sammeln. Doch je mehr er sich dort umsieht, desto seltsamer werden seine Kollegen – und er für seine Kollegen. Bald schon muss er beim Chef Rede und Antwort stehen. Aber weder dieser noch die anderen wollen das Zimmer wahrhaben und drohen mit Repressionen. Björn kann nicht glauben, wie alle die Augen vor der Realität verschließen und so tun, als wenn es das Zimmer gar nicht gäbe.

Ein bizarrer Roman, der mit der Realität, der geglaubten und der vermeintlichen spielt. Man weiß nicht genau, ob der Erzähler klarsieht oder doch in einer psychischen Falle steckt, die ihm die klare Wahrnehmung unmöglich macht. Immer wieder ist man als Leser versucht den typisch verkannten Mitarbeiter, dessen Engagement und gut Vorschläge abgebügelt und ignoriert werden, zu erkennen, doch dann wiederum zeigen sich andere Seiten, die einem an dem Protagonisten und seiner Sicht der Dinge zweifeln lassen. Ein nicht aufzulösender Zwiespalt, der jedoch auch verdeutlicht, wie sehr man oftmals limitiert ist in seiner eigenen Welt und zwischen innen und außen kaum zu unterscheiden vermag.

Margaret de Rohan – Night Train to Berlin

The correct answer to a strange question and a whole set of events is set into motion. Megan does not have the faintest idea of what she has triggered a couple of days before she is leaving Paris to spend some days in Berlin with her grandson. Her husband., Chief Inspector with the French police, soon will find out what his wife actually did and that she is in danger. When wife and grandson disappear from their train, the situation becomes critical and international cooperation is necessary not only to free them but to prevent one of the most horrible attacks on the German capital.

Margaret de Rohan’s novel is declared a thriller, yet thrill can hardly be found. Of course there is a crime story, some spying and international entanglement, but to me the novel lacked suspense throughout the story. One reason might be that I was constantly wondering about unbelievable facts. How can grandparents still be quite fit and work full time when they already have teenage grandchildren? And how can they have those grandchildren when they had not even met 30 years before? There is some side story in the German town of Neuwied – I still wonder how you manage to get there on your way from Paris to Berlin, it does not make sense at all, neither by car nor by train. And that you cannot make any phone call with your mobile if you do not have an Wi-Fi – sorry, with only the slightest technical knowledge I know that this is complete nonsense. Last point to mention: a French policeman staying at the hotel Adlon? Who should pay for the best and most expensive hotel in the whole country? The number of these small remarks that made me wonder and they took away most of the fun and annoyed me. Additionally, the characters did not really make the impression of being fully elaborated, too many details just did not fit. All in all, I am disappointed because from the description I had high expectations which were not fulfilled at all.

Ernest van der Kwast – Die Eismacher

Das Leben der Eismacher folgt immer demselben Rhythmus: die vier Wintermonate in den italienischen Bergen, die acht Sommermonate im fernen Holland. Der älteste Sohn übernimmt die Tradition des Vaters und gibt sein Handwerk an seinen Nachkommen weiter. Doch was, wenn einer aus der Tradition ausbricht? Sich diesem Rhythmus verweigert und die Poesie zum Inhalt seines Lebens macht und plötzlich der Zweitgeborene das Erbe antreten muss? Giovanni liebt die Lyrik von Kindesbeinen an, Luca muss das Eismachen lieben. Beide lieben Sophia, doch nur einer kann sie ehelichen und ihr ein Kind schenken – oder doch nicht?

Ein ungewöhnlicher Roman, der zwei völlig gegensätzliche Dinge verbindet: das Eismacherhandwerk, eine alte traditionsbehaftete Kunst, die innerhalb der Familie weitergegeben wird und durch die Natur bestimmt wird. Und die Poesie, der höchste Ausdruck menschlicher Emotionen, ebenfalls oftmals von der Natur inspiriert und eine hohe Kunst. Die Gegensätze in den Brüdern darzustellen, deren Wege sich immer wieder begegnen und scheiden, ist ein interessanter Kniff, der Ernest van der Kwast einfach gelingt. Er schafft es auch beide sehr unterschiedlichen Themen ansprechend und völlig verschieden zu präsentieren, so dass man die Geschichte des Eismachens ebenso bezaubernd finden kann wie die Erlebnisse der Literaturfestivals. Selbst das kurze Kapitel über immer gleiche Hotelzimmer konnte mich begeistern, weil der Autor es schafft, die kleinen Dinge zu beobachten und niederzuschreiben und in oftmals banalen Aspekten einen Zauber zu erkennen, der auch den Leser faszinieren kann. Es muss nicht die anerkannt hohe lyrische Kunst sein, auch ein Handwerk hat seine Reize und kreativen Aspekte und es zeigt sich einmal mehr, dass es den ultimativen Weg zum Glücklichsein im Leben nicht gibt.