Mitja Vachedin – Engel sprechen Russisch

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Mitja Vachedin – Engel sprechen Russisch

Mit Anfang 30 fragt sich Mitja Vachedin, wer er eigentlich ist. Am besten passt die Metapher der Zahnpasta, die aus drei Schichten besteht, so ist nämlich auch er: eine Schicht russischer Kommunismus der 80er Jahre. Eine Schicht russischer Kapitalismus nach dem Zusammenbruch und dann noch einmal 10 Jahre in Deutschland. Diese Erfahrungen haben ihn zu dem Mann gemacht, der er heute ist. Er lässt sein noch kurzes Leben episodenhaft Revue passieren: Die Kindheit, die aus endlos langen Sommern am See und der Datscha bestanden. Die Jugendjahre im chaotischen Leningrad, das plötzlich St. Petersburg hieß und wo alle versuchten, schnell Geld zu machen. Seine Zeit in Deutschland, zunächst umgeben von unzähligen Russen, die alle im Westen das Glück suchten und dann das Studium, das aber wiederum in ein Nichts führt.

Die Grundidee von Mitja Vachedins Buch ist nicht wirklich neu. Zahlreiche (auch anekdotische) Romane über russische Spätaussiedler sind in den letzten Jahren erschienen, am bekanntesten dürfte wohl Wladimir Kaminer sein, der inzwischen unzählige Bücher veröffentlicht hat, aber auch Alexandra Friedmanns „Besserland“ oder Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ nehmen diese Thematik auf. Was macht Mitja Vachedins Geschichte dann lesenswert?

Für mich waren seine Episoden deutlich nachdenklicher und weniger auf den humorigen Aspekt abzielend als vergleichbare Romane. Auch wenn das Leben in Russland vielerlei Entbehrungen erforderte, dies kommt sehr klar raus, wird es aber nicht als negativ empfunden, auch dort konnte ein Kind oder Jugendlicher Spaß haben und ganz normal wie auch im Westen mit den Freunden die Sommer verbringen und sich ausprobieren. Auch die Ankunft in Deutschland ist nicht so sehr von den negativen Erlebnissen geprägt, was jedoch auch bei Vachedin zwischen den Zeilen herauskommt, ist der lange Zeit fehlende Kontakt tatsächlich zu Deutschen. Die ausgewanderten Russen oder Russlanddeutschen bleiben weitgehend unter sich und bilden eine ganz eigene Kultur heraus.

Vieles ist heiter und lädt zum Lachen ein ob der Absurdität, an vielen Stellen wird man jedoch auch nachdenklich, vor allem stellte sich für mich die Frage, inwieweit diese zerrissene Identität ursächlich für die wenig zielgerichtete berufliche Planung ist. Ein abgeschlossenes Studium und dann im Supermarkt Regale einräumen?

Mitja Vachedin erzählt keine außergewöhnliche Geschichte, kein besonderes Leben, das sich von allen anderen abhebt. Und darin liegt seine Stärke: er findet das Interessante im Alltag, die banalen Situationen können entscheidend werden und sind es auch wert, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Vor allem gelingt es ihm, Stimmungen und Atmosphären zu transportieren, man kann seinen Figuren nachempfinden, wie es ihnen ergangen ist. Er hat das Buch seiner Familie gewidmet, diese ist das Band, das auch die Episoden zusammenhält und zu einem Ganzen werden lässt.

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Jean-Luc Seigle – Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

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Jean-Luc-Seigle – Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

Pauline Dubuisson, einer der bekanntesten Kriminalfälle im Frankreich der 1950er Jahre. Jeder kennt ihre Geschichte, denn sie wurde unter dem Titel „La Vérité“ von Henri-Georges Clouzot mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle verfilmt. Doch ist das wirklich die Geschichte der Pauline Dubuisson? Jean-Luc Seigle hat sich des Stoffes noch einmal angenommen und lässt Pauline nun selbst erzählen. Das Mädchen, in das die Eltern so hohe Erwartungen setzten, da sie überdurchschnittlich intelligent war und das Medizinstudium immer vor Augen hatte. Nach dem Tod ihrer älteren beiden Brüder im Zweiten Weltkrieg zieht sich die Mutter immer mehr zurück. Die Not ist groß im besetzten Frankreich und Paulines Vater, den sie abgöttisch verehrt und dessen Aufmerksamkeit alles für sie bedeutet, kann für das Mädchen eine Stelle als Krankenschwester bei einem deutschen Arzt finden, was der Familie Zugang zu Lebensmitteln verschafft. Nach dem Krieg fällt das Urteil hart über das Mädchen aus. Eine Deutschenhure wurde sie genannt, mehrfach vergewaltigt als Strafe dafür, dass sie mit dem Feind kollaboriert hat, und letztlich zum Tode verurteilt. Doch dieses Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt. Hart kämpft sie sich zurück ins Leben und lernt im Studium zum ersten Mal die richtige Liebe kennen. Doch sie möchte nicht, dass ihre Vergangenheit zwischen ihnen steht und offenbart sich ihrem zukünftigen Mann. Dessen Ablehnung und Demütigung kann sie nicht ertragen. Sie will sich das Leben nehmen, doch ihre letzte Begegnung verläuft anders als geplant und am Ende ist sie eine Mörderin.

Es ist unglaublich wie sehr sich Seigle in diese Figur eindenken konnte und wie glaubwürdig dieser Bericht erscheint. Er ist fiktiv, nur die Eckdaten sind belegt, und dennoch kann man sich nur vorstellen, dass dies die Gedanken und Gefühle waren, die Pauline durch den Kopf gingen, sondern entwickelt auch ein gänzlich anderes Bild der Frau als das, das in der Öffentlichkeit von ihr gezeichnet wurde. Vor allem durch die Verfilmung wurde die Vorstellung von ihr geprägt und das, wo weder sie noch ihr Umfeld daran mitgearbeitet haben. Seigle fasst dies so zusammen:

„Ein Drehbuch über meine Geschichte kam mir umso unwahrscheinlicher vor, als ich bisher überhaupt nichts von der Wahrheit gesagt hatte, nicht einmal bei meinem Prozess; niemand außer mir wusste, was in der Nacht des Verbrechens vorgegangen war.“

Symptomatisch für ihr Leben wird folgender Satz:

„Ich glaube, man kann nur daran sterben, dass man nicht mehr geliebt wird. Und das bedeutet nicht, aus Liebe zu sterben, sondern eher das Gegenteil.“

Als Kind und Jugendliche liebt sie ihren Vater und befolgt seine Befehle unhinterfragt, was ihr zum Verhängnis wird. Als Erwachsene wird sie wiederum von zwei Männern, die sie liebt, zurückgewiesen und als Konsequenz wünscht sie sich den Tod. Nur dieser kann sie erretten. Mehrfach misslingen ihre Suizide, Pauline ist zum Leben verdammt scheint es:

„am Tag vor der Eröffnung meines Prozesses, als ich zum dritten Mal versucht habe, mir das Leben zu nehmen. Alle sagten, ich sei abermals «gerettet» worden, während ich dachte, ich sei abermals am Sterben «gehindert» worden.“

Besonders bestürzend waren die Lynchjustiz und Racheakte der vorgeblichen Résistance. Erbarmungslos schildert der Autor, was man dem jungen Mädchen antut. Die Zeilen sind drastisch, kaum zu ertragen vor Brutalität und man fragt sich, ob der Krieg wirklich alles Menschliche in der Bevölkerung ausgelöscht hat und dass sie vorgefertigte Wahrheiten der tatsächlichen Realität vorziehen. Vieles im Leben von Pauline ist durch die Umstände und vor allem den Krieg bestimmt. Ihr Leben wäre ein gänzlich anderes gewesen, wäre sie in anderen Zeiten großgeworden. Aber so funktioniert nun einmal das Schicksal, es sind die Umstände, die die Menschen zu dem werden lassen, was sie letztlich sind. Und es sind die Worte, die wir gebrauchen, um sie zu beschreiben, die sie zu dem werden lassen, was wir in ihnen sehen wollen. Doch manchmal ist auch die Sprache nicht ausreichend:

„Die Vorsätzlichkeit qualifiziert das Verbrechen als Mord, als assassinat. Doch das Substantiv assassine, mit dem eine Frau zu bezeichnen wäre, die vorsätzlich gemordet hat, existiert in der französischen Sprache nicht; die Form ist nur als Adjektiv gebräuchlich. Maître Floriot und die anderen arrangierten sich mit dieser Unzulänglichkeit des Französischen.“

Aber man findet Wege, sich zu arrangieren.

Ein beeindruckend und nachhaltig wirkendes Buch über eine Frau, die so viel Hoffnung hatte und die in ihrem Leben einfach kein Glück finden konnte. Wie es wirklich war, wird sich nie herausfinden lassen. Ihr Abschiedsbrief, in dem sie sich offenbar erklärte, ist verschollen und so bleiben nur die Prozessakten, ein Film und das, was wir uns über sie zusammenreimen. Aber das ist nicht wichtig, Jen-Luc Seigle hat ihr eine Stimme gegeben, endlich ihre Version der Wahrheit zu erzählen.

Interessanterweise habe ich gestern ein Feature über „Erfundene Wahrheiten“ in der Fiktion gehört. Es scheint seit einiger Zeit einen Trend auf dem Buchmarkt zu geben, dass sich Bücher, die auf realen Begebenheit beruhen, besonders gut verkaufen. Welche Gefahren darin liegen, wird dabei sehr schön auch aufgezeigt. Letztlich ist aber doch Realität eine Konstruktion, die sich jeder selbst macht. Wir kreieren unsere Welt und darin ist glücklicherweise auch Platz für lesenswerte Geschichten.

Sonja Heiss – Rimini

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Sonja Heiss – Rimini

Eine ganz normale Familie. Barbara und Alexander, seit über 40 Jahren verheiratet, eine Ehe nach klassischem Muster. Ihr Sohn Hans erfolgreicher Anwalt und ebenfalls mit Vorzeigefamilie gesegnet, Gattin Ellen plus zwei Kinder, nur Tochter Masha scheint das mit der Familie nicht ganz so hinzubekommen, dabei ist sie auch schon fast 40. Doch hinter der schönen Fassade knirscht es. Barbara und Alexander haben sich schon lange nichts mehr zu sagen und ihre Interessen könnten kaum weiter auseinander liegen. Auch Hans unterhält sich mehr mit seiner Analytikerin als mit Ellen, als er dann glaubt sich in erstere verliebt zu haben, werden nicht mehr nur seine Obsessionen zum Problem. Und Probleme hat er eigentlich schon genug in der Kanzlei. Auch Masha ist frustriert. Sie wünscht sich ein Kind, aber ist ihr Partner Georg der Richtige? Oder doch ein anderer? Aber wo soll der so schnell herkommen?

Sonja Heiss‘ Roman sprüht nur so vor Witz und Situationskomik zu Beginn. Das unsägliche Weihnachtsfest – das vermutlich jeder in ähnlicher Weise schon erlebt hat – wird zu einem Krampf für alle Beteiligten und nicht nur Ellen hat Kopfschmerzen, nachdem Hans ihr in nächtlicher Verbrecherjagd ordentlich eins übergebraten hatte. Man muss schon an sich halten nicht laut loszulachen. Doch eigentlich ist es nicht komisch, sondern eher tragisch, wie die Menschen miteinander umgehen und sich kaum mehr ertragen können.

Fast verhält es sich wie im richtigen Leben. Je besser man die Figuren kennenlernt, desto mehr blickt man hinter das Bild der perfekten Familien. Aus feinen Rissen werden unüberbrückbare Spalte. Und es gibt Geheimnisse, die alle in der Familie mit sich rumtragen und nicht teilen. Dort, wo man sie am wenigsten erwartet, sind sie am schwerwiegendsten. Die Figuren vertrauen sich dem Leser an, denn er ist der einzige, der wirklich zuhört. Miteinander sprechen sie kaum und wenn, dann nur oberflächliches Alltagsgedöns. Sie nehmen einander auch kaum mehr wahr und sehen nicht, wie die engsten Familienmitglieder langsam immer weiter abbauen.

Der Roman hat etwas von einer Realsatire. Vieles, was Sonja Heiss schildert, wird so genau so in vielen Familien landauf, landab so zutragen. Nichtsdestotrotz ist die Häufung an Tragik in einer einzelnen Familie schon grenzwertig hoch, passt aber zu den Figuren und stört das Gesamtbild nicht. Man fühlt mit ihnen, hat Mitleid, verabscheut sie dann wieder für ihr egoistisches Verhalten – nein, diese Armins lassen einem nicht kalt und genau das erwarte ich von einem guten Roman. Er soll mich mitreißen und einspannen und nicht einfach an mir vorbeigehen. Das ist der Autorin auf jeden Fall geglückt und an so mancher Stell hält man doch inne, um zu reflektieren, was da gerade im Buch und bei einem selbst vorgeht.

Jane Harper – The Dry

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Jane Harper – The Dry

Zwanzig Jahre lang war Aaron Falk nicht mehr in Kiewarra, den kleinen Ort im australischen Outback, in dem er aufgewachsen ist. Doch nun wurde sein Jugendfreund Luke, dessen Frau und ihr Sohn erschossen aufgefunden. Alles deutet auf einen erweiterten Suizid hin. Doch nicht nur diese schreckliche Tragödie beschäftigt die Menschen; als sie Aaron sehen, kocht auch wieder die Gerüchteküche um den Mord an einem Mädchen zwanzig Jahre zuvor hoch. Luke war damals Aarons Alibi und beide wussten, dass ihre gegenseitigen Entlastungen Lügen waren. Offenbar weiß davon aber noch jemand etwas. Aaron hat Zweifel an Lukes Selbstmord und beginnt Fragen zu stellen, was nicht von allen gerne gesehen wird.

Jane Harpers Debüt „The Dry“ (unter demselben Titel inzwischen auch auf Deutsch erschienen), ist ein atmosphärisch düsterer Thriller im australischen Nirgendwo zur Zeit einer Jahrhundertdürre, der den Menschen bereits an den Nerven zehrt. Hier liegt für mich die größte Stärke des Romans, man spürt förmlich, wie die Stimmung am Zerreißen ist und kurz vorm Kippen steht. Geradezu wartet man auf ein furchtbares Gemetzel, dem noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Der Kriminalfall lässt einem lange auf falschen Spuren wandern und die Tatsache, dass man auch nicht weiß, ob man Aaron Falk trauen kann oder ob er selbst an einem Mord beteiligt war, erhöht die Spannung zudem. Erst langsam nähert man sich der Wahrheit, die dann ganz andere Aspekte zu bieten hat als man zunächst vermuten sollte und mit diesen Überraschungen kann die Autorin bei mir wirklich punkten.

Ein Thriller, wie man ihn sich wünscht. Aufgrund Harpers gelungenem Setting finde ich hier auch die Hörbuch-Version besonders empfehlenswert, da man das Flirren der Hitze und die Anspannung der Figuren geradezu greifen kann.

Buchmesse Frankfurt 2017 – die zweite

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Der Buchmessefreitag stand ganz unter dem Motto Autoren politisch und Bloggerveranstaltungen.

Im Ehrengastpavillon fand am 13.10. ein sogenanntes European Lab Forum statt, bei dem die Rolle von Kultur und Wissen als Mittel zur Wiedererfindung der demokratischen Idee Europas diskutiert bzw. eher betont wurde (schöner ausgedrückt: arme de reconstruction massive au service de la reconquête démocratique et de la revalorisation citoyenne du projet européen/weapon of mass reconstruction for the democratic reinvention of the European project). Ziel der European Lab Foren ist von der passiven Beobachtung wieder in zur aktiven Unterstützung des europäischen Gedankens zu kommen. In Frankfurt gab es dazu 12 Veranstaltungen mit 35 Rednern. Ich hatte mir die mit dem Titel „Democratic crisis, emergency of literature“ angehört, bei der Négar Djavadi, Gaël Faye, Kamel Daoud und Patrick Chamoiseau als Redner geladen waren. Alle vier schreiben auf Französisch, haben aber unterschiedlichen Migrationshintergrund und starke Bezüge auch zu außereuropäischen Ländern, nehmen also eine Zwischenposition ein. Viel Wichtiges und Richtiges wurde gesagt, am meisten hat mich dabei Négar Djavadi beeindruckt, deren Buch „Desorientale“ ich nun wirklich zeitnah lesen möchte. Insgesamt würde ich mir Seiten des Literatur- und Kulturbetriebs in Deutschland mehr politische Einmischung wünschen, in Frankreich ist das deutlich verbreiteter (was man auch daran sieht, dass beim European Lab keine deutschsprachigen Autoren waren).

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Auf der arte Bühne würde zusammen mit Leïla Slimani und Kamel Daoud ihr Film aus der Reihen „Durch die Nacht mit…“ vorgestellt, der morgen, am Sonntag 15.10. um 23:40 laufen wird. Beide sind als Vertreter maghrebinischer Kultur und Literatur Ausnahmen im französischen Literaturbetrieb und zudem als Journalisten mit den spezifischen Fragen rund um Migration und Gesellschaft beschäftigt. Zwei Autoren, die sehr viel zu sagen haben, was man sich durchaus anhören sollte.

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Speziell für Blogger hatten auch mehrere Verlage ein Programm im Rahmen der Buchmesse vorbereitet. Als erstes war ich bei Diogenes, wo man uns einen ausführlichen und sehr interessanten Blick auf das neue Programm gegeben hat. Viele reizvolle Bücher sind in Planung, z.B. wird Diogenes Katrine Engberg auf den deutschen Markt bringen und ein neuer Martin Suter ist angekündigt. Überraschend kam dann plötzlich Klaus Cäsar Zehrer zur Veranstaltung, der über die Entstehung seines Romans „Das Genie“ gesprochen hat.

Kiepenheuer & Witsch hatte für die Blogger eine kleine Gesprächsrunde mit Dagmar Ploetz organisiert, die Gabriel García Márquez Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ neuübersetzt hat. Sie hat viel über die Arbeit eines Übersetzers, auch die Entwicklungen der letzten Jahre und zu Gabriel García Márquez im spezielle berichtet.

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Abschließend hatte Random House noch zur Happy Hour auf der Buchmesse geladen. Der Stand war mit Autoren, Lesern und Verlagsmitarbeitern gut gefüllt und die Stimmung feucht-fröhlich.

Da für mich die Buchmesse damit zu Ende gegangen ist, noch ein Fazit zu zwei Aspekten: Begleitung der Buchmesse im Feuilleton und natürlich Gastland Frankreich.

Etwas enttäuschend fand ich die diesjährigen Literaturbeilagen. Dieselben 4-5 großen Namen französischer Autoren, die auch aktuell bei den großen deutschen Verlagen erscheinen wurden überall besprochen. Außer Houellebecq, Slimani oder Reza fand sich quasi nichts zu entdecken oder was abseits des Mainstreams noch lesenswert wäre. Eine rühmliche Ausnahme bildet jedoch die F.A.Z., die nicht nur sehr ausführlich die aktuelle französische Literatur unter die Lupe genommen hat, sondern auch einen Blick auf die noch nicht übersetzten Bücher, die gerade in Frankreich in aller Munde sind, geworfen hat. Interessant in diesem Zusammenhang ein Artikel in Le Monde, weshalb deutsche Autoren in Frankreich so wenig gelesen werden, hier ist nämlich grade die Diskussion um die Qualität der Übersetzungen entbrannt.

Frankreich als Gastland war meiner subjektiven Empfindung nach einfach überwältigend. Ich glaube so viele hochkarätige Vertreter waren selten bei der Buchmesse präsent und auch das Programm abseits der Messe in und um Frankfurt kann man kaum überbieten. Der Pavillon ist eher eigenwillig gestaltet – zugegebenermaßen wird vermutlich kein Land den Auftritt von Island vor einigen Jahren toppen können – auf den Bühnen waren aber facettenreiche und interessante Veranstaltungen und Gespräche, die auch richtig Lust auf die französische Literatur machten. Die Verkündigung der 2e  Sélection für den Prix Goncourt durch die Jury war hierbei auch deutlicher Ausdruck für den Stellenwert, den man bei unseren Nachbarn der Gastland-Rolle zugesprochen hat.

Lois Lowry – The Giver

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Lois Lowry – The Giver

Jonas erwartet sehnsüchtig, aber auch mit etwas Angst seinen 12. Geburtstag. Wie alle Kinder in seiner Stadt wird auch er an diesem Tag seine zukünftige Bestimmung erfahren. Über Jahre hat der Ältestenrat sie beobachtet, ihre Stärken und Schwächen analysiert, um dann zu einem Ergebnis zu kommen. Bei der großen Zeremonie wird Jonas jedoch übergangen, Unruhe macht sich breit, so etwas gab es noch nie, doch am Ende wird klar, weshalb: Jonas wird zum Receiver of Memory, einem Hüter der Erinnerung, ernannt. Davon gibt es nur einen und er hat für die Gemeinschaft eine wichtige Funktion. Wie wichtig erfährt Jonas schon bald nachdem er seine Ausbildung begonnen hat. In einer Umgebung, die frei ist von Farbe, in der alle gleich sind, in der es weder Krankheit noch Krieg gibt, muss ein einziger Mensch alles aushalten, was die gesamte Menschheit je erlebt hat. Die neuen Erfahrungen sind faszinierend und erschreckend zugleich und bald schon stellt sich Jonas die Frage, ob der Verzicht auf Emotionen wirklich das erstrebenswerteste Ziel sein sollte.

Lois Lowry hat in ihrem dystopischen Jugendbuch die Sicht eines Kindes gewählt, um eine scheinbar perfekte Welt zu dekonstruieren. Sowohl der Beginn wie auch das Ende des Lebens werden staatlich verordnet, Familien sind nur temporäre Konstrukte, die eine gesellschaftliche Funktion erfüllen und nicht durch Zuneigung und Liebe bestehen. Außerhalb dieser kleinen Einheit läuft das Leben absolut konform. Bis hin zur Sprache ist alles vereinheitlicht, so sehr, dass die Menschen in all der Gleichheit schon gar keine Unterschiede zwischen sich mehr wahrnehmen können. Obwohl die negativen Aspekte des Lebens eliminiert sind, allen geht es gleichermaßen gut, alle scheinen mit ihrem Schicksal zufrieden, ist doch offenkundig, dass etwas fehlt, auch wenn dies zu Beginn noch nicht greifbar ist. Die Schwere des Eingriffs durch die absente Regierung wird erst durch Jonas‘ Training offenkundig, wenn er plötzlich Zugang zu Gefühlen – positiv wie negativ – erhält. Zwar leidet er nun auch, aber die Kraft dieser Schwankungen, die das Leben so viel erfüllter macht, überwältigt ihn.

The Giver kann sicherlich nicht mit den ganz großen Dystopien wie Brave New World, Fahrenheit 451 oder 1984 mithalten, dafür ist er zu wenig komplex in seiner politisch-gesellschaftlichen Ausgestaltung. Nichtsdestotrotz ist er für die junge Zielgruppe ein guter Einstieg in das Genre, da wichtige Aspekte thematisiert werden – Relevanz von Erinnerungen, Verbindung von Schmerz und Freude, Individualität vs. Gleichheit, Umgang mit Leben und Tod. Die Sprache ist ebenfalls passend gewählt, wenig Ironie, Verzicht auf sublime Anspielungen und gleichzeitig spiegelt sie auch die Vorgaben dieser gleichgeschalteten Welt wieder, die möglichst präzise und direkt sein sollte. So ist der Roman in sich stimmig und durchaus eine lohnende Lektüre.

Buchmesse Frankfurt 2017 – Tag 1

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Heut ganz im Zeichen von interessanten Interviews. Nachdem ich ein wenig über die Messe geschlendert war und den riesigen Asterix

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bewundert hatte, ging es schon zu einem großen Highlight der Messe: der Bekanntgabe der 2e Sélection du Prix Goncourt 2017.

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Bernard Pivot hat das Publikum nicht lange warten lassen und recht flott die Finalisten verkündet, die danach folgenden Interviews vor allem zu den Fragen, was der Gewinn des Preises verändert hat, waren sehr interessant und vor allem Leïla Slimani kam unheimlich sympathisch rüber. Auf dem Foto schlecht zu erkenne sind die ganzen Berühmtheiten, unter anderem Philippe Claudel, Tahar Ben Jelloun, Jérôme Ferrari, Leïla Slimani, Eric-Emmanuel Schmitt, Virginie Despentes u.a.

Danach ging es zum blauen Sofa, auf dem Ayelet Gundar-Goshen interviewt wurde. Sie sprach über die Hintergründe zu ihrem aktuellen Buch „Lügnerin“, ihre Erfahrungen als Therapeutin mit dem Thema Lügen und über den leider in Israel sehr verbreiteten Machismo, der es Männern erlaubt, im Falle der Beschuldigung eines sexuellen Übergriffes einfach die Frau als Lügnerin abzustempeln, was ihnen auch geglaubt wird.

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Direkt im Anschluss folgte Emmanuel Carrère, der ebenfalls über die Entstehung seinen aktuellen Romans „Brief an eine Zoowärterin aus Calais“ berichtete. Er nimmt dort einen ganz anderen Blick auf die Flüchtlingskrise, indem er den Bürgern von Calais, die über Jahre den Jungle vor ihrer Haustür ertragen mussten, eine Stimme verleiht. Er selbst schien schwer beeindruckt von seinem Besuch in dem illegalen Lager.

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Auf Édouard Louis war ich besonders gespannt. Das kurze, nicht einmal 20 Minuten dauernde Gespräch mit ihm, war viel zu kurz für all das, was der junge Autor zu sagen hatte. Beeindruckend seine offene Kritik am Literaturzirkus, der sich für besonders offen und progressiv hält und dennoch weite Teile der Bevölkerung gar nicht wahrnimmt. Erschreckend auch seine Erlebnisse mit der Presse nach dem Erfolg seines ersten Buches, ein Emporkömmling, den es so nicht hätte geben dürfen. Aus diesem Grund sind viele seiner Romane auch gar nicht fiktiv, sondern autobiografisch – in den Medien wird genug erfunden, sagt er, da kann wenigsten die Literatur die Wahrheit liefern.

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Zum Abschluss des Tages eine ähnlich starke und drastische Stimme Frankreichs: Virginie Despentes. Erwartungsgemäß deutliche Worte findet sie für die französische Gesellschaft und ihren offenen Rassismus und Ausgrenzung gegenüber nicht nur Fremden und zunehmend auch wieder Juden, sondern auch Homo- und Transsexuellen. Mit ihrem Protagonisten Vernon Subutex hat sie bewusst einen weißen Mittelschichtenmann gewählt, da sie diesen in der Krise sieht und in der Rezeption in Frankreich wurde auch ihre Vermutung bestätigt, dass das Publikum gegenüber einem maskulinen Protagonisten deutlich gnädiger ist als bei Frauen, die ein vergleichbares Schicksal erleben.

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Bevor es mich wieder in die Bahn nach Hause trieb hätte ich gerne noch die Container-Wohnung des Kein & Aber Verlags besucht, aber da hatten leider nur geladene Gäste Zugang. Freitag geht es nochmals hin, ich bin gespannt, was mich dann erwartet.

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Torsten Seifert – Wer ist B. Traven?

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Torsten Seifert – Wer ist B. Traven?

Hollywood, Ende der 1940er Jahre. Leon Borenstein hat ein gutes Händchen für die großen Storys und weiß zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Er hofft auf eine Gehaltserhöhung als sein Chef ihn zum Gespräch bittet, stattdessen bekommt er einen ungeahnten Auftrag: Er soll die Identität von B. Traven aufdecken. Dessen Roman bricht in Europa gerade alle Rekorde und wird in Mexiko mit Humphrey Bogart verfilmt. Leon wird an das Filmset geschickt, um zu ermitteln. Doch mehr als die Vermutung, dass Hal Croves, ein beauftragter Vertreter Travens, der Autor selbst ist, kann er nicht in Erfahrung bringen. Eine Reise nach Wien scheint der Durchbruch zu sein, Traven hat seine Wurzeln im deutschsprachigen Raum, aber auch von dort kommt Leon mit leeren Händen zurück. Abermals macht er sich auf nach Mexiko und sein Gespür für Geschichten scheint ihm dieses Mal hold zu sein.

Torsten Seiferts Roman basiert auf der Legende des deutschen Schriftstellers, dessen echter Name, Geburtsdatum und weite Teile seines Lebens auch heute noch mysteriös sind. Bekannt hingegen sind seine Romane, allen voran Der Schatz der Sierra Madre, heute ein Klassiker des Westerns und mit drei Oscars und drei Golden Globes geehrt. Der Roman um den geheimnisvollen Autor wurde durch den Gewinn des Blogbuster Preises ermöglicht. Torsten Seifert konnte sich in der ersten Vergabe gegen 250 andere Nachwuchsautoren durchsetzen und hat einen Vertrag mit Klett-Cotta erhalten.

Weshalb dieser Roman die Jury überzeugen konnte, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Ein reales Mysterium, dem seit Jahrzehnten viele Journalisten nachforschen, ist ein reizvolles Thema. Der Protagonist Leon Borenstein ist ebenfalls ein Gewinn für die Geschichte: er ist hartnäckig und clever, wie es für seinen Berufsstand gehört, doch er zeigt auch Schwächen und Brüche, die jüdische Herkunft und die Flucht aus dem Nazideutschland bleiben nicht ohne Spuren. Seine größte Stärke ist jedoch sein Gespür für Menschen und die Fähigkeit, ins Gespräch zu kommen. Ein gänzlich durchdachter Charakter, dem man gerne folgt.

Die Handlung lebt nicht nur von der Jagd nach dem großen Geheimnis, ganz im Gegenteil, immer wieder verzögert der Autor das Fortschreiten und verlangsamt die Geschehnisse. Er lässt Leon und Bogart Schach spielen und das Dasein unter mexikanischer Sonne genießen. Dann plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Der schnelle und oft unerwartete Wechsel lässt die Handlung lebendig werden und das Zeitgefühl wirkt authentisch, ganz ähnlich wie im realen Leben, wenn sie mal stillzustehen scheint und dann wiederum fliegt.

Am stärksten waren für mich jedoch die Episoden mit den Mexikanern, vor allem im letzten Drittel des Buches. Auch wenn Leon ihre Sprache beherrscht, ihre Kultur ist ihm fremd und er muss erst in die Gepflogenheiten eingeführt werden. Auch hierfür hat Seifert sich kuriose, aber überzeugende Figuren ausgedacht, die beim Lesen eine herrliche Freude bereiten.

Ob die Lösung, die uns Seifert für den Hintergrund Travens liefert, nun stimmt, ist letztlich egal. In seinem Roman gibt es wichtigere Figuren und Geschehnisse und letztlich soll Fiktion unterhalten und nicht unbedingt Wahrheiten liefern. Und unterhaltsam ist die Suche nach B. Travens Identität allemal.

Graham Swift – Ein Festtag

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Graham Swift – Ein Festtag

Wie alle Hausmädchen hat auch Jane Fairchild am Muttertag des Jahres 1924 frei. Nur hat sie keine Mutter, zu der sie fahren könnte; als Kind ausgesetzt, wuchs sie in einem Heim auf, bevor sie ihre erste Anstellung aus Hausmädchen annahm. Doch an diesem Tag hat sie etwas vor, sie wird sich mit Paul Sheringham treffen, dem Sohn eines befreundeten Ehepaares ihrer Arbeitsgeber, den Nivens. Es wird vermutlich eines der letzten Treffen mit Paul sein, denn in zwei Wochen wird er Emma Hobday heiraten, ein Mädchen, das aus denselben Kreisen stammt und eine angemessene Gattin sein wird. Paul hat sie gebeten zu ihm zu kommen, ganz offiziell auch den Vordereingang zu benutzen. Ihr Treffen wird etwas Besonderes werden, das spürt Jane und ahnt noch nicht, dass sie diesen Tag in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergessen wird.

Graham Swift zählt zu den bedeutendsten britischen Gegenwartsautoren, seine Romane erhielten zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Booker Prize, den James Tait Black Memorial Prize und „Ein Festtag“ (Im Original „Mothering Sunday“) wurde mit dem Hawthornden Prize, einem der ältesten britischen Literaturpreise, ausgezeichnet.

Bemerkenswert an der Erzählung fand ich vor allem den Stil, den Swift findet. Der ganze Text erscheint sprachlich geradezu aus der Zeit gefallen und passt ganz hervorragend in das Jahr 1924, in dem die Handlung angesiedelt ist. Dabei gelingt ihm eine stilistisch bemerkenswerte Vermischung zwischen Introspektion der Protagonistin und zeitlichen Brüchen, die immer wieder in eine ferne Zukunft springen und ein Licht auf das werfen, was Jane erwarten wird, wenn dieser Tag vorbei und diese Episode ihres Lebens abgeschlossen ist.

Trotz zahlreicher Wiederholungen und Schleifen, minutiösen Detailbeschreibungen und bei realistischer Betrachtung sehr wenig Handlung bleibt der Roman immer lebendig und wird nie langatmig. Es ist dieser eine entscheidende Moment im Leben von Jane, der sich einbrennt und eine Wendung herbeiführt. Noch ist für sie alles wie gehabt, die Welt draußen ist jedoch schon einen Schritt weitergegangen, was sie noch nicht weiß. Der Leser ahnt schon, was sich zugetragen haben muss, gönnt Jane aber diese kurze Pause, die die Standesunterschiede aufhebt und ihr einen Vorgeschmack auf ihr späteres Leben gibt. Ein Leben, in dem sie viel von sich offenbaren wird, aber nicht diesen Tag im März 1924.

Graham Swift konnte mich mit diesem Roman, eher eine Novelle, vollends überzeugen. Sein Schreibstil erinnert an Ian McEwan, ebenso unaufgeregt kann er intensiv beschreiben, was seine Figur bewegt. Das Hörbuch wird von Iris Berben gelesen, was sehr gut zur reifen rückblickenden Jane passt, die die notwendige Lebenserfahrung und Weitsicht hat zu wissen, was man offenbart und was man besser als Gemeinsinns für sich bewahrt.

Sarah Perry – Die Schlange von Essex

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Sarah Perry – Die Schlange von Essex

Man erinnert sich 1893 im kleinen Dorf Aldwinter in Essex, dass dieses schon einmal von einem unheimlichen Seemonster heimgesucht wurde und nun scheint dieses zurückgekehrt und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken. Weit über die Dorfgrenzen hinaus verbreitet sich die Geschichte und lockt auch Cora Seaborne an. Die Witwe, die sich für Naturwissenschaften und die Erkenntnisse von Darwin begeistert, will die Fossilien erforschen und einen Blick auf das Seemonster werfen. Gemeinsame Freunde machen sie mit dem örtlichen Pfarrer William Ransome und dessen Familie bekannt. Dieser ist besorgt über den Aberglauben seiner Gemeinde, die mehr und mehr vom guten Glauben abzufallen scheint. Die Suche nach der Lösung des Mysteriums bringen William und Cora näher, eine Liebe, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf.

Sarah Perrys Roman war einer der großen britischen Erfolge 2016 und nominiert für zahlreiche namhafte Literaturpreise. Der Grund mag darin liegen, dass es der Autorin gelingt, eine längst vergangene Zeit zu Ende des 19. Jahrhundert einzufangen und einen Schreibstil zu finden, der an die bekannten Autoren der damaligen Zeit erinnert.

Um die Geschichte der ominösen Schlange herum reißt sie eine Vielzahl an Themen an: von der Rolle der Frau, über Gesellschaft- und sozialkritische Themen wie die Wohnsituation der Arbeiter in London bis hin zum Streit zwischen Naturwissenschaften und Religion um die Vorherrschaft. Das ganze vor dem Hintergrund einer recht modernen und resoluten Protagonistin, die ihren Weg geht und dafür auch Rückschläge und Niederlagen in Kauf nimmt.

Trotz der gewaltigen Bilder, die Sarah Perry mit ihrer poetischen Sprache erweckt, konnte mich der Roman nur zum Teil überzeugen. Die Liebesgeschichte zwischen Cora und William nahm mir zu viel Raum ein, der für die wirklich relevanten Themen hätte verwendet werden könne. Das Mysterium um die Schlange wird zwar glaubwürdig und überzeugend gelöst, hätte aber gerade wegen der düsteren Nebelumgebung, die Perry immer wieder schafft und die ihre Kunst, eine besondere Atmosphäre zu erzeugen, deutlich belegt, spannender werden können. So bleibt eine nette Geschichte, die leider ihr inhaltliches Potenzial nicht ausschöpft.