Joshua Cohen – Buch der Zahlen

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Joshua Cohen – Buch der Zahlen

All seine Erwartungen und Hoffnungen stürzen mit den Türmen des World Trade Centers in sich zusammen. Sein neues Buch ist einfach uninteressant ob der Entwicklungen und seine Frau hat sich auch endgültig von ihm verabschiedet. Joshua Cohen ist am Tiefpunkt seiner Karriere und seines Privatlebens angekommen. Dass zeitgleich alte Freunde so richtig durchstarten, macht es auch nicht besser. Ein unerwarteter Auftrag scheint die Rettung zu sein: sein Namensvetter und Gründer von „Tetration“ engagiert ihn als Ghostwriter, um seine Autobiographie zu verfassen. Während die beiden um die Welt jetten, erzählt der Millionär in zahlreichen Interviews von seinem Aufstieg vom kleinen Mathematikstudenten zum Herrscher über das Internet.

Joshua Cohen zählt unbestritten zu einer der wichtigsten jungen Stimmen Amerikas. In seinem „Buch der Zahlen“ hat er sich für ein gewagtes Konstrukt entschieden, das sicherlich für nicht wenige Leser eine Herausforderung stellen wird. Schaut man jedoch unter die Oberfläche der Erzählung, finden sich zahlreiche interessante und kritische Momente, bisweilen sogar geradezu zynische Kommentare. In Anbetracht des Verfassungszeitraums muss man anerkennen, dass Cohen viele der Wikileaks Enthüllungen vorwegnahm und die Gefahren, die uns Nutzern erst mit den Veröffentlichungen bekannt wurden, sehr klar formulierte.

Die Figur des Firmengründers Cohen ist ohne große Schwierigkeiten als Kopf hinter dem Google Konzern zu erkennen. Die Entstehungsgeschichte der die Welt beherrschenden Suchmaschine, die aus einer Idee von Studenten entstand und sich zum gigantischen Unternehmen entwickelte, nimmt den Hauptteil der Handlung ein. Immer wieder unterbrechen Nebenhandlungen, Einwürfe und Kommentare den Erzählfluss, was eine mehrschichtige Erzählstruktur schafft. Vor allem die technischen und mathematischen Hintergründe, die detailliert seitenweise aufgeführt werden, machen es nicht ganz einfach am Ball zu bleiben – zugegebenermaßen: ich habe weder Ahnung noch Interesse an Algorithmen und habe die ausufernden Erklärungen bisweilen nur noch überflogen.

Spannender sind die Passagen über das Internet und wie die Nutzer es zum einen durch ihr Verhalten formten, nun aber umgekehrt durch selbiges beschränkt und gelenkt werden. Und vor allem: was macht das Unternehmen mit den Informationen, die es von den Nutzern erhält? Gibt es moralische Verpflichtungen zu hinterfragen, weshalb sie nach bestimmten Begriffen suchen? Wie einfach sich Cohen der Millionär aus der Verantwortung stiehlt, dürfte symptomatisch für viele Unternehmer dieser Branche stehen. Gleichzeitig sehen sich die Riesen einer neuen Konkurrenz ausgesetzt: jeder private Blog kann frei alles veröffentlichen – ob es richtig ist oder nicht. Das Phänomen der „Fake News“ wird hier schon lange vor seiner globalen Popularität thematisiert.

Die langsame Entwicklung hin zu einem durch und durch technologisierten Leben wird im „Buch der Zahlen“ nachgezeichnet, sogar ein Vorreiter von Alexa und Cortana tauchen bereits auf. Obwohl es ein Roman ist, oder gerade weil es ein Roman ist, kann Cohen seine Kritik und Warnung geschickt platzieren. Der Titel ist hierfür ausgesprochen treffend gewählt. Die Numerologie, die den Zahlen Bedeutung zuweist, ist in ein neues Zeitalter eingetreten: die Algorithmen und Codes hinter dem Internet sind die Zahlen, die unser Wissen und unseren Glauben bestimmen. Ob dieses für die Ewigkeit sein wird, darf bezweifelt werden.

Ein herzlicher Dank geht an den Verlag Schöffling & Co. für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autor finden sich auf der Verlagsseite.

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Bernhard Stäber – Vaters unbekanntes Land

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Bernhard Stäber – Vaters unbekanntes Land

Nach einem schrecklichen Vorfall verlässt der Psychologe Arne Eriksen Berlin, um in der norwegischen Heimat seines Vater Entspannung und Abstand zu finden. Doch kaum ist er angekommen, wird er um Mithilfe in einem Mordfall gebeten: der Sohn des wichtigsten Zeitungsverlegers wurde ermordet aufgefunden. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck, kann jedoch keine nennenswerten Spuren finden. Arne soll sie mit einem Täterprofil unterstützen, doch der Psychologe wird immer wieder durch seine Panikattacken gelähmt. Er muss erst diese überwinden, um wieder klar sehen und die Lösung für den Fall erkennen zu können.

Nachdem ich vor einigen Monaten bereits den dritten Band der Reihe um Arne Eriksen gelesen hatte, der mich mit interessanten Charakteren und spannenden Handlung überzeugen konnte, habe ich mir nun den Auftakt der Serie gegönnt. Leider ist dieser etwas holpriger als Band drei geraten.

Der Kriminalfall, zu dem der Protagonist etwas überraschend kommt, ist vom Ende her gesehen, überzeugend konstruiert, glaubwürdig motiviert und wird sauber gelöst ohne irgendwelche Fragen offen zu lassen. Dass neben der Suche nach einem Mörder hier auch übersinnliche bzw. paranormale Phänomene einen Platz finden, hebt die Reihe ein wenig aus der Masse skandinavischer Krimis ab und ist für mich nachvollziehbar mit der besonderen Umwelt Nordnorwegens durchaus gut vereinbar.

Ärgerlich fand ich jedoch zahlreiche Unstimmigkeiten im Roman. Mal stammt Arnes Vater aus Oslo, dann wiederum aus Bergen. Zu Beginn betont Arne immer wieder, dass er zwar ganz gut Norwegisch verstehen, es aber kaum sprechen kann. Dies hält aber weder ihn noch die Polizei davon ab, ihn an komplexen Ermittlungen, die eine hohe sprachliche Kompetenz gerade von einem Psychologen erfordern, zu beteiligen. Allerdings treten die mangelnden Sprachkenntnisse nach den ersten Seiten nie mehr zu Tage und er kommuniziert reibungslos und ausgesprochen differenziert mit allen Beteiligten. Der Protagonist erscheint als geschätzter Psychologe, verhält sich aber diametral zur guten Praxis seines Berufsstandes – auch ohne ein traumatisierendes Erlebnis wäre Supervision bei seinem Job zwingend erforderlich und würde auch von jedem halbwegs professionellen Psychologen selbstverständlich angenommen. Daneben unsinnige Wortschöpfungen wie „Mitkommilitone“, die einem beim Lesen stolpern lassen. Zwar kann die Handlung überzeugen, diese Nachlässigkeiten sind jedoch schon ein Ärgernis.

Isabelle Carré – Les rêveurs

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Isabelle Carré – Les rêveurs

L’actrice Isabelle Carré nous raconte sa vie dans son premier roman « Les rêveurs ». Elle parle de sa mère qui, tombée enceinte trop jeune, oppose sa famille et décide de garder son enfant. Ainsi elle reste seule à trouver sa place dans la vie avec un enfant et sans appui familial. La petite fille rêve toujours d’être vue, remarquée, aimée – mais la mère ne peut pas lui donner l’amour dont elle a tant besoin. Puis, les rêves – être danseuse, être actrice, vivre des aventures… comment vivre dans la réalité si les rêves sont beaucoup plus intéressants et fascinants ? D’autre côté : comment réussir dans la vie sans les rêves qui motivent et nous animent ?

Isabelle Carré raconte son histoire en alternant entre sa vie et ses pensées d’aujourd’hui et ceux de la jeune fille qu’elle était. Elle arrive bien à créer l’atmosphère de son enfance quand elle se sentait seule et abandonnée, en même temps, et comprend sa mère et pourquoi celle-ci n’était pas capable d’être la mère dont elle avait besoin. Une vie bâtie sur la conclusion qu’elle n’arrivera jamais à attirer l’attention de sa mère et que celle-ci ne la sauvera d’aucun danger – il ne surprend pas qu’un suicide tenté et un séjour dans un hôpital psychiatrique sont le résultat.

L’auteur suit ses souvenirs, ainsi le récit n’est pas tout à fait chronologique, mais il a un rythme particulier qu’on aime suivre. Le narratif m’a plu beaucoup, parfois très direct sans cacher où embellir quelque chose, parfois vraiment rêveur et poétique et plein de mélancolie.

Karen Cleveland – Need to know

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Karen Cleveland – Need to Know

Vivian is one of the CIA’s strongest analysts. For years she’s been working on Russian sleepers and now she is close to digging out a complete cell. When she finally enters the document with the information she has been searching for for such a long time, her heart skips a beat: she knows one of the five sleepers. She knows him very well. He shares her life with him. He is her husband and father of their four kids. Looking back at the years they have spent together, a lot of things now appear in a completely new light. What is to be done? Can she really turn her husband in or is there a way out?

Karen Cleveland has written a masterful debut with a very classic setting that combines the typical spy and double agent/sleeper plot with a very personal dilemma which cannot really be solved. You can hardly put down the novel since it moves at such a high pace adding one crisis to the next that, quite often, you just wish for the protagonist that everything is just over.

At the centre of the novel is a very cleverly created catch-22 dilemma. Vivian can be either loyal to her employer and her country or to her husband – whom she cannot actually trust anymore, but he is the father of her kids. Once fallen into the trap of the Russians herself, she cannot get out without risking not only to lose her husband but also her kids and go to jail. It is a vicious circle, the more she tries to get out of it all, the deeper she entangles herself in it all. Apart from this great impasse, Cleveland has some interesting turns to offer which come unexpected and hit you hard.

Emily Koch – If I Die Before I Wake

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Emily Koch – If I Die Before I Wake

When Alex wakes up in hospital, he finds himself locked-in in his body. His mind is absolutely clear, but he cannot communicate with his surroundings; neither can he move his body the least bit, nor can he show the doctors or his family that he is not in a coma. It takes some time for him to figure out what actually happened. Since he cannot ask, he has to rely on what his visitors share with him. First of all, his girlfriend Bea, but also his father and his sister. He obviously was climbing when he fell from the rock. Since is never wore a helmet, the impact left a serious damage to his brain. But slowly he comes to the conclusion that the different pieces of information he gathers while listening do not really fit together. There must be more about it.

Emily Koch surely has chosen a very special point of view for her novel. Giving a voice to a locked-in character is something you do not read that often. Yet, it made the story especially appealing since you as the reader were completely with Alex and had no chance of getting more information than the protagonist. Not all you learnt made sense, at times, you even suspected the girlfriend of having tried to murder him – just like Alex did. Thus, the choice the author has made is simply great and adds a special bit to the story.

It was an attempted murder, this becomes clear quite early in the novel, yet, it takes some time to really understand what was behind it all. The limited access to information really supports the suspense here. At some points I got a bit annoyed, wishing it all to advance a bit more quickly. However, imagining this as a real life event, there is nothing one could do to accelerate it, so even though I was curious to get to the solution, it was a good decision to delay it.

A risky point of view which I find quite innovative. The plot was solved convincingly and the author found a way out of the story that I absolutely liked.

Jo Nesbø – The Snowman

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Jo Nesbø – The Snowman

Es ist relativ ruhig in Oslo als zwei vermisste Frauen die Aufmerksamkeit von Harry Hole wecken. Ein anonymer Brief, den er wenige Wochen zuvor erhalten hat, ließ ihn damals noch etwas ratlos zurück, doch jetzt fürchtet er, dass ein Serienkiller am Werk sein könnte. Außer seinem Team ist niemand so recht von der Idee überzeugt, aber vor allem Katrine Bratt, die Neue, findet schnell weitere Hinweise, die diese These stützen. Gemeinsam haben die ungeklärten Fälle immer eine Sache: am Tag des ersten Schneefalls wird eine Frau Opfer und immer findet sich in der Nähe des Tatorts ein Schneemann. Die fieberhafte Suche nach dem Täter beginnt, doch das Team ahnt nicht, in welche Richtung die Ermittlungen führen werden.

Band 7 der Reihe um den norwegischen Kriminalkommissar Harry Hole erfüllt einmal mehr alle Erwartungen: ein komplexer Fall, ein interessanter Protagonist, eine gelungene Mischung von Kriminalfall und persönlichem Schicksal. Hole ist gerade trocken und dabei sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, als er mit diesem Fall konfrontiert wird, aber die Geister der Vergangenheit lauern an jeder Ecke, was ihn zugleich beruflich wie privat an seine Grenzen bringt.

Was mich einmal mehr bei Jo Nesbø überzeugen kann, ist die Atmosphäre, in der er seinen Roman ansiedelt. Der norwegische Winter spielt im „Snowman“ eine entscheidende Rolle und dringt auch zum Leser durch. Die Kälte, die man zu dieser Jahreszeit vermutet wird gepaart mit jener, die durch den Grusel vor den Taten entsteht. Dazu ist der Autor ein Meister im Spuren legen und lesen, so manches, was man nebenbei überlesen könnte, stellt sich hinterher als wesentliches Element heraus, man ist gefordert als Leser und wird dafür bestens unterhalten.

 

Chloe Benjamin – The Immortalists

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Chloe Benjamin – The Immortalists

In summer 1969, the four Gold kids are still young. Varya is only 13, Daniel 11, Klara 9 and Simon just 7. It is the last summer they spend together before the eldest do not want to play with younger ones anymore. But it is also the summer that will change their lives and determine their fates. Having eavesdropped a couple of boys they head to a house where a gipsy woman is telling the future. The kids all just have one question: when will I die? They each get an answer, an exact date. But instead of just laughing and forgetting about it and not taking it seriously, this information will always loom over them.

The novel received a lot of attention and was highly acclaimed before being published. What starts as a story about four kids and a strange prediction, turns into one of the best novels of the last years. After the opening scene, Chloe Benjamin tells the siblings‘ stories, starting with the youngest who is predicted to die first. Each has a singular life, an interesting character and their story blends perfectly with societal developments of their times. Not only a cleverly constructed plot, but also relevant questions about what is important in life, how much do family bonds count and how free are you in shaping your life -and what is determined by fate?

You always wait in a story staring with the presentation of a group of characters for who will turn out to be the most intriguing, the most interesting and the one with the biggest crisis. Benjamin treats the four kids equally. Astonishingly, the moment when each is taking over, he or she becomes really the centre, the focus of everything. Thus, we do not get the development if the others which makes a lot of secrets revealed only later as well as many situations being judged from one perspective when there are actually several points of view which allow you to see a situation also in a completely different way.

The story is often sad, full of despair and emotion. It is hard to say how Benjamin makes you completely indulge in it, but you feel with the characters, you can sense their loss and thus get a wonderful novel to read. Exceptional writing paired with a cleverly constructed novel, carefully drawn characters and the smooth insertion of important topics – is there anything more a reader could wish for?

Matt Haig – How to Stop Time

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Matt Haig – How to Stop Time

Er sieht zwar aus wie ein durchschnittlicher 41-Jähriger, aber Tom Hazard ist älter. Viel älter- mehr so 400 Jahre alt. Geboren gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf einem französischen Schloss wurde seine Mutter schon früh der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt. Seither ist Tom vorsichtig. Nur ein einziges Mal hat er sich verliebt, in Rose, und mit ihr hat er eine Tochter bekommen, die dasselbe Schicksal erlitten hat wie er. Doch schon seit ewigen Zeiten hat er sie nicht mehr gesehen, weiß auch nicht, ob sie noch lebt. Alle paar Jahre muss sich Tom von seinem gewohnten Leben verabschieden, um nicht aufzufallen. Gerade hat er wieder eine neue Identität angenommen und arbeitet als Lehrer für Geschichte – was auch sonst. Doch am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, denn Tom droht etwas zu tun, was er nicht darf: sich verlieben.

Ich bin nun wahrlich kein Fan von übernatürlichen Vorkommnissen und Untoten, aber zugegebenermaßen konnte mich Matt Haig mit seiner Geschichte fesseln. Auch wenn das Grundkonzept völlig absurd ist, sein Protagonist trägt durch die Handlung, die immer wieder Episoden seiner Vergangenheit evoziert und so sein Leben nicht nur interessant, sondern auch spannend werden lässt. Wen hat er alles getroffen, den großen Shakespeare ebenso wie Scott F. und Zelda Fitzgerald. Aber es sind nicht die großen Namen und die Begegnungen, die die Geschichte so außergewöhnlich machen, es ist die Figur Tom selbst.

Weder ist er verbittert ob all der schlimmen Dinge, die er erleben musste – die Pest ebenso wie zwei Weltkriege neben all den kleinen Katastrophen – noch wird er zynisch. Er ist im positiven Sinne weise und melancholisch. Er mag die Menschen, auch wenn er weiß, dass er jeweils nur eine kurze Zeit mit ihnen teilen kann. Und er ist treu. Obwohl seine Beziehung mit Rose 400 Jahre zurückliegt, hat doch nie eine andere sein Herz in dem Maße erobern können wie diese einfache Verkäuferin. Auch wenn sich die Zeiten gewaltig verändert haben, die Menschen sind geblieben wie sie immer waren und er kann noch so viel Geschichte unterrichten – sie werden nicht aus ihr lernen, da ihr Blick in der Gegenwart verhaftet ist.

Eine geradezu bittersüße Geschichte, ideal, um den Alltag zu vergessen.

Julia Sutton – A Sea of Straw

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Julia Sutton – A Sea of Straw

1966, Jody, a Manchester designer, and her baby girl Anna come to Lisbon to enjoy themselves far away from her estranged husband. When she meets the Portuguese painter Zé, she immediately falls for him. Soon they are making plans even though Zé is supposed to join the military, but he is positive that his father can bail him out. Jody and Anna need to return to England, but this is only meant for leaving her husband finally and packing her belongings before she can ultimately settle in Lisbon. Zé is waiting for her, but she never embarks the ferry she is supposed to take. Zé is desperate, not only because of longing for Jody but also for wanting to escape from the approaching date of his marching order. He does not want to become a supporter of the Salazar system; thus he decides the risky way across the border to join Jody in England.

Julia Sutton’s novel is set against the complicate political situation in Portugal at the end of the 1960s. Even though the protagonist Zé seems to be a bit naive and not a leader of any underground movement to overthrow the oppressive system, you get an insight in how the rulers and especially the secret service worked at the time. Even though the love story is the main motor to drive the story, the political aspects dominate over large parts of the story.

It is especially the moment when Zé is captured by PIDE that the novel becomes most interesting and convincing. What he experiences in prison, the treatment and methods of making prisoners not only betray their friends and comrades but also how they are tricked and how little a human life is worth – repellent and disgusting. However, this is neither unusual nor especially brutal, it is just how these kind of systems work.

On the other hand, I found the societal or rather familial pressure which Jody experiences back in England almost as cruel as what Zé suffers in Portugal. How clearly her husband makes decisions and can enforce them – unbelievable for us today, but in the 1960s women were far from enjoying the rights they do today.

Even though the novel had many though-provoking aspects and was surely well researched, I found it was a bit long drawn-out at times and going round in circles. It lacked a bit of focus, was it meant to tell or love story or rather depict life in Portugal under the Salazar regime or show how limited female freedom was at that time? The author seems to be a bit undecided about it.

Zora del Buono – Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt

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Zora del Buono – Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt

Eine Reise, wie sie sie schon unzählige Male gemacht wird, endet jedoch dieses Mal vorzeitig am Flughafen. Man verweigert ihr die Einreise in die USA, dabei hat Vita doch schon seit Jahren Sommerkurse in Journalismus am Miltontown College gegeben. Es muss mit dem zusammenhängen, was im Jahr zuvor geschehen ist, weshalb sonst sollte man ihr ein Bild von Zev vor die Nase halten und fragen, wie sie zu ihm steht? Sie erinnert sich an ihren kleinen Kreis von Studenten, die alle Deutsch lernen wollten und als Projekt für die acht Wochen des gemeinsamen Lernens hatte sie eine Zeitung geplant. Basierend auf den aktuellen Meldungen der verschiedenen Ressorts sollten die Studierenden selbst Texte verfassen. Die Nachrichten wurden beherrscht von den spektakulären Enthüllungen von Edward Snowden, die auch den jungen Zev faszinierten. Doch bald schon entwickelte er Verfolgungsängste, die ihm auch Vita nicht nehmen konnte, mit der ihn vom ersten Tag an eine verbotene Anziehung verband. Waren sie beobachtet worden und weshalb war Zev verschwunden und ins Visier der Ermittler geraten?

Zora del Buono ist von Haus aus Architektin, seit zehn Jahren arbeitet sie jedoch auch als freie Autorin und sie ist Gründungsmitglied der Zeitschrift „Mare – die Zeitschrift der Meere“. „Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt“ ist ihr dritter Roman, der 2016 von der Literaturkommission der Stadt Zürich mit dem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde.

Auch wenn die Enthüllungen der Wiki-Leaks Plattform und der NSA Skandal im Roman omnipräsent sind, die Handlung entscheidend motivieren und immer wieder Meldungen der deutschen Medien hierzu einfließen, steht doch das Leben auf dem Campus im Vordergrund. Zunächst die etwas seltsam anmutende Regelung, dass nur die Sprache gesprochen werden darf, die die Studierenden lernen wollen. Dies schafft unweigerlich Abgrenzungen und lässt die unterschiedlichen Gruppen – die Deutschen, die Spanier, die Hebräer – sich gegenseitig aus der Ferne beobachten und Vermutungen über deren Gespräche arten in wilde Spekulationen aus.

Viel absurder aus europäischer Sicht jedoch sind die strengen Vorschriften, die an die Dozenten gestellt werden: keinerlei private Kontakte zu den Studierenden, keine Begegnung außerhalb öffentlich einsehbarer Orte, die Achtung religiöser Überzeugungen auch wenn diese der Forschung zuwiderlaufen. So entsteht ein Klima des Misstrauens und der Angst. Vita wird regelmäßig daran erinnert und zurechtgewiesen. Auch dürfen die Texte ihrer Studierenden nicht einfach veröffentlicht werden, sondern müssen vorab vom Dekan geprüft und genehmigt werden.

Die Unterschiede, die für die deutsche Protagonistin hier offenkundig werden, zeigen sich noch stärker in der Frage, wie man den NSA Skandal bewerten soll. Sind die Studenten zunächst interessiert und kritisch, allen voran Zev, entwickeln sie zunehmend Angst und Sorge: werden sie auch überwacht? Was bedeutet ein kritischer Text für ihre Zukunftschancen? Ist Edward Snowden ein Held oder doch eher ein Vaterlandsverräter? Die Einstellungen könnten hier kaum weiter auseinanderlaufen, vor allem als die NSA auch noch zur Akquise an den Campus kommt. Die Gerüchte, dass sich auch Geheimdienstmitarbeiter mit falschen Biographien unter die Teilnehmer gemischt haben könnten, machen ebenfalls die Runde.

Die Protagonistin sieht sich gefangen zwischen den Erwartungen und Rahmenbedingungen, die ihr kaum fremder sein könnten. Hinzu kommt die Faszination durch Zev. Ist es Liebe? Wohl (noch) nicht, aber Zuneigung empfindet sie. An einem anderen Ort hätten sie vielleicht auch ein anderes Ende gefunden. Auch wenn sie nicht alle Anweisungen akribisch befolgt, muss sie doch eine gewisse Achtung den Gegebenheiten gegenüber walten lassen, ob es ihr gefällt oder nicht.

Die Rahmenhandlung lässt einige Fragen offen, aber dies kann man als Leser problemlos mit seinen eigenen Gedanken füllen. Ein kurzer Roman und doch voll mit Denkanstößen und in seiner Dichte überzeugend und lesenswert.