Ariel Levy – Gegen alle Regeln

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Ariel Levy – Gegen alle Regeln

Ariel Levy ist eine erfolgreiche Journalistin, deren Leben offenbar aufregend und glücklich ist. Doch hinter der öffentlichen Fassade sieht vieles anders aus, als man erwarten könnte. In ihrem Buch „Gegen alle Regeln“, das auf einem Artikel basiert, der bereits 2013 im New Yorker erschienen ist, zeichnet sie ihren Weg bis zum völligen Kollaps ihres Lebens nach. Ihre Kindheit, in der sie schon früh von den starken Mädchen- und Frauenfiguren fasziniert war und bereits im Grundschulalter den Wunsch entwickelte, Journalistin zu werden. Ihre Anfänge im der Zeitungsbranche, die von Sexismus geprägt war und jungen Kollegen kaum Chancen bot. Daneben ihr Privatleben, für das die gängige Vorstellung einer heterosexuellen Monoehe nicht funktionierte; wechselnde Partner, männlich wie weiblich, bis sie schließlich in Lucy ihre Lebenspartnerin gefunden zu haben scheint. Doch auch diese Verbindung muss Höhen und Tiefen durchleben und mit Mitte 30 drängt sich die Frage nach Kindern immer mehr auf. Die Schwangerschaft verläuft zunächst glücklich, die Freude über das Kind ist groß, doch dann kommt es fernab der Heimat zu einer Notgeburt, die das Baby nicht überlebt und Ariel völlig aus der Bahn wirft.

Das Buch wird zwar insbesondere mit der Episode um den Verlust des Kindes und die daraus resultierenden Folgen für Ariels komplettes Leben beworben, tatsächlich ist dies aber nur ein kleiner Teil und für mich noch nicht einmal der Interessanteste. Ariel Levy hat im Prinzip zweierlei geschafft: zum einen erlaubt sie einen Blick in die New Yorker Scheinwelt, die von außen glamourös und sorgenfrei erscheint; zum anderen hat sie eine sehr persönliche Abrechnung mit ihrem eigenen Leben und Schicksal zu Papier gebracht, was in Anbetracht der geschilderten Episoden sehr mutig und interessant zu lesen ist.

Für mich faszinierend für allem ihr Weg im Journalismus. Die ersten Jahre, der harte Kampf um gute Reportagen und Anerkennung ihrer Arbeit. Die Glasdecke, die vor allem für Frauen in der Branche eine harte Realität darstellt und die zu durchbrechen nicht nur viel Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit, sondern auch Glück erfordert. Die Geschichten und Menschen, die Ariel anlocken zeigen, dass sie ein Händchen für außergewöhnliche Stories hat und es ihr auch gelingt, diese rüberzubringen. Auch ihr Privatleben, vor allem die Schwierigkeit, mit einem süchtigen Partner zusammenzuleben, ist eine Offenbarung, die in dieser Deutlichkeit viel Mut erfordert. Das Leugnen der Zeichen, die Hoffnung, dass doch alles gut werden könnte und die schleichend sich doch einstellende Erkenntnis, dass dieser Wunsch womöglich nicht erfüllt werden wird. Hier wird das Buch bis an die Schmerzgrenze persönlich.

Insbesondere die Thematik rund um die Schwangerschaft wird sehr authentisch geschildert. Immer wieder scheint das Thema Kinder durch das Buch. Als Teenager gilt es eine ungewollte Schwangerschaft unbedingt zu verhindern; in den 20er ist Frau mit Karriere beschäftigt und nicht bereit, alles gerade Errungene wieder aufzugeben. Mit 30 langsam treten das bürgerliche Leben und ausreichende finanzielle Mittel ein, die eine Familiengründung erlauben würden und plötzlich spielt die Natur nicht mehr mit und der Wunsch nach einem Kind kann nur noch mit medizinischer Unterstützung erfüllt werden – wenn überhaupt. Viele Frauen ab Ende 30 werden diese Geschichten aus eigene Erfahrung oder ihrem Umfeld kennen und einer unschönen Realität ins Auge blicken müssen: Karriere und Kinder sind schlichtweg nicht so einfach vereinbar, wie man es uns immer vorgaukelt und manche Entscheidung bereut man vielleicht einige Jahre später bitter.

„Gegen alle Regeln“ ist die Lebensgeschichte einer Frau, die viel Licht, aber auch viel Schatten kennengelernt hat und in vielerlei Hinsicht symptomatisch für moderne Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist.

 

Simon Lelic – The House

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Simon Lelic – The House

Finding a house in London is more or less impossible; therefore, Sydney and Jack are happy when they finally get one. It is not what they have dreamt of, but, with the time, they became realistic about what is possible and accepted the offer. Soon after they move in, strange things start to happen and they become more and more alert: is the house haunted or is somebody playing tricks on them? Is it because they interfered with the neighbour? His daughter confided herself in Sydney and awoke bad memories in her: just like Betsi, Sydney was suffering under her father’s temper and violence throughout her childhood. Unable to find help, she ran away at the age of 14 and left her younger sister with the situation at home alone. A bad conscience makes Sydney support the young neighbour, but obviously, her father is going to stop this. Or is the threat coming from somewhere completely different? No matter what is behind, soon Sydney and Jack find themselves in danger and even start losing faith in each other.

Simon Lelic’s novel starts a bit as a surprise, it’s not the typical third person narrator we have, but a kind of diary entries or letters that the two protagonists write to each other. So we have Jack’s and Sydney’s perspective in alternation which makes it quite lively and authentic, especially since you get the impression of the highly stressful situation they are in and which has gone out of control. The way they write reflects their emotional state, it is repetitive, not well organised and thought through but rather like a stream of consciousness just coming out of their mouth.

The plot itself has many surprises to offer, at first you are with the protagonists, not knowing what is happening and always trying to make sense of what they write. Then, slowly, you realise that Sydney and Jack have hidden some useful and important information from you, too, and you start getting sceptical about actually trusting them. As the novel moves on, you have to adjust your idea of the characters and the action again and again which I liked a lot since you could never feel absolutely secure about it.

 

“The House” really deserves the label “thriller”. Quite often, you feel a cold shiver running down your spine when again something strange happens in the house. The characters’ actions are all credibly motivated and the plot itself is convincingly constructed. The strongest aspect for me was the psychological construction behind the story; knowing what Sydney went through, you can understand her reaction when she finds out about Betsi’s life at home. But also Sydney’s mother – even though she is a rather tragic figure – can be understood in her way of behaving. So, the novel is not just playing on your nerves with a thrilling plot, but also offer some insight in emotionally induced actions and decisions.

Bernhard Stäber – Kein guter Ort

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Bernhard Stäber – Kein guter Ort

Eine gelungene Festnahme eines gesuchten Verbrechers bringt Kari Bergland auch mit Janne, der Tochter ihres Vorgesetzten in Verbindung. Diese ist offenkundig schwer drogenabhängig und therapiebedürftig. In Bergen wird das nur schwer zu realisieren sein, daher schlägt Kari vor, Janne zum Psychologen Arne Eriksen zu bringen, der der Polizei in der Vergangenheit bereits wiederholt geholfen hat und nun in Südnorwegen praktiziert. In der Nähe seiner neuen Heimat befindet sich auch die sogenannte Rabenschlucht, ein unheimlicher Ort, der heute nur noch ein verlassenes Hotel beherbergt, in dem zehn Jahre zuvor ein junges Mädchen und ihr Vater unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Janne ist ebenfalls sofort fasziniert von diesem verwunschenen Ort und begibt sich in größte Gefahr. Offenbar haben sie schlafende Geister geweckt, die noch nicht mit der Vergangenheit abgeschlossen haben.

„Kein guter Ort“ ist bereits der dritte band in der Reihe um den deutsch-norwegischen Psychologen Arne Eriksen. Der Quereinstieg in die Reihe ist unproblematisch möglich, dass Arne und Kari vorher bereits in Kontakt standen, wird kurz umrissen, Details sind aber für das Verständnis der Figuren und der Handlung nicht weiter erforderlich.

Der Roman holt erst sehr weit aus, bevor der tatsächliche Fall überhaupt in den Fokus kommt. Dies fand ich verwunderlich und auch nur teilweise gelungen, da man sich schon fragt, weshalb so ausführlich auf einen anderen Fall eingegangen wird, der dann gänzlich in Vergessenheit gerät. Nur um Janne ins Spiel zu bringen – das hätte vielleicht auch stringenter und schneller geschehen können. Hat man aber endlich den Hauptschauplatz erreicht, besticht der Krimi vor allem durch die Atmosphäre. Bernhard Stäber gelingt es überzeugend, das verfallende Hotel und die Schlucht als geradezu mystisch Ort darzustellen, der von übersinnlichen Mächten regiert wird und für die Menschen große Gefahren in sich birgt. Immer wieder wird im Roman Bezug genommen auf nordischen Sagen und den alten Glauben an die Kraft bestimmter Orte. Dies trifft nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere haben scheinbar ein Empfinden für diese nicht greif- und verstehbaren Naturgewalten.

Die Figuren agieren glaubwürdig und nachvollziehbar, vor allem die Protagonistin Janne kann hier mit einer überzeugenden Charakterzeichnung punkten. Der Fall ist nicht übertrieben komplex und wird entsprechend zielgerichtet und plausibel gelöst. Auch wenn die Handlung speziell gegen Ende deutlich an Fahrt gewinnt, ist es jedoch kein Krimi, der sich durch permanente Hochspannung auszeichnet. Er kann mehr durch das Setting punkten, das sehr gelungen dargestellt und in die Handlung eingebaut wird.

Jens Steiner – Mein Leben als Hoffnungsträger

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Jens Steiner – Mein Leben als Hoffnungsträger

Nachdem er seine Mechatronikerlehre abgebrochen hat, taumelt Philipp etwas planlos durchs Leben. Aus seiner WG ist er ebenfalls geflogen, sein Putzfimmel hat die Mitbewohner so sehr unter Druck gesetzt, dass sie im Rauswurf den einzigen Ausweg sahen. Eines Tages spricht ihn Uwe an und zeigt ihm den städtischen Recyclinghof, den er leitet. Philipp findet wieder Erwarten in dem ernsten Uwe, der Recycling als nicht nur wichtige, sondern auch sehr ernsthafte Sache begreift, seinen Mentor und mit den beiden portugiesischen Mitarbeitern João und Arturo zwei angenehme wenn auch eigenwillige Kollegen. Sein Leben gewinnt einen neuen Rhythmus und die kleine Zweckgemeinschaft wird bald durch ein aus dem Ruder laufendes Nebengeschäft Joãos auf eine ernste Probe gestellt.

„Mein Leben als Hoffnungsträger“ ist kein Buch, das einem sofort anspringt und sich aufdrängt – was ein echter Fehler ist. Das Cover erschließt sich nicht zwingend auf den ersten Blick, das Recylingzeichen ist zwar gut erkennbar, aber schon die andere Farbwahl, orange statt grün, schafft einen Bruch. Der Titel des „Hoffnungsträgers“ bezieht sich auf Philipp: zunächst war er der Hoffnungsträger für den Vater, dessen Erwartungen er jedoch in keiner Weise erfüllen konnte oder wollte. Später sieht Uwe in ihm den Recyclingnachwuchs, der mit demselben Elan wie er selbst die Abfallwirtschaft wird vorantreiben können.

Das Buch lebt von den Figuren, die liebevoll gezeichnet wurden und echte Persönlichkeit haben und sich nicht nur auf wenige Charakterzüge beschränken. Die Mischung auf dem Recyclinghof schafft eine besondere Spannung: der ernsthaften Chef, der fast pedantisch korrekt ist und in seiner Arbeit zugleich einen Bildungsauftrag an den Bürgern sieht; João, der den Hauptberuf als günstige Quelle für seine Nebengeschäfte nutzt; Arturo, der einfältige Gehilfe, der jedoch unerwartet über künstlerische Fähigkeiten und pragmatische Lösungen verfügt; Philipp, der eher zurückgezogene Träumer, der nicht genau weiß, was er im Leben möchte und sich mehr für Dinge als für Menschen begeistern kann. Diese Zweckgemeinschaft reibt sich immer wieder, zeigt jedoch im Moment der größten Not als funktionierendes Gespann, wo das Einspringen für den anderen und die notwendige Schützenhilfe selbstverständlich sind. Durch und durch menschlich erscheinen sie, keiner ohne Macke und Fehler und gerade dadurch so sympathisch.

Daneben sind es die kleinen Beobachtungen, die im Buch zutage treten und einem durchaus innehalten lassen: die Frage danach, in welchem Überfluss wir leben und es uns erlauben, sogar noch funktionstüchtige Apparate zu entsorgen. Die selbstverständliche Erwartung, dass jeder eine Karriere anstreben muss und das Einkommen als natürlicher Maßstab für Erfolg und Glücklichsein.

Philipp als Erzähler wurden von Jens Steiner auch passende Formulierungen in den Mund gelegt, die immer wieder zu einem Schmunzeln führen. Das holprige Deutsch der Portugiesen ist herrlich ohne diese zu verunglimpfen, wenn sie beispielsweise „die Sache von die Angelegenheit“ besprechen und sie den „Wegwerf rezikeln“.  Bisweilen wird es gar philosophisch und ernsthaft, denn mit Philipp hat Steiner einen beobachtenden Protagonisten geschaffen, der mit einer innerlichen Distanz unsere Welt betrachtet und infrage stell: „Die Niedertracht der Welt, in der ich lebte, bestand darin, dass jede Generation noch ein bisschen mehr aus sich herauszuholen hatte als die vorherige“ (S. 135)

Ein unterhaltsamer Roman, der durchaus auch zum Nachdenken anregt.

Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

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Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

Ein letztes Mal wollen die Brüder Botho und Arno van Dijk in das belgische Dörfchen Doel fahren, wo einst ihre Großeltern lebten. Das Dorf wird bald nicht mehr sein, der Hafen wird ausgebaut und die Bewohner mussten weichen. Doch die Jungen haben noch ihre Kindheitserinnerungen dort, jeden Sommer haben sie an der Küste verbracht. Angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass von ihrer Kindheit nicht mehr viel geblieben ist. Die Menschen sind weggezogen oder gestorben und auch ansonsten erkennen sie nicht mehr viel wieder. Doch dann werden Botho und Arno eingeholt, der eine spricht zum ersten Mal über das, was nie gesagt wurde und doch sein ganzes Leben bestimmt hat. Der andere macht sich auf das Mädchen nochmals zu treffen, die vielleicht seine Partnerin fürs Leben hätte werden können. Der Schritt nach vorne im Leben beginnt zunächst für beiden mit vielen Schritten zurück in die Vergangenheit.

Stefan Ferdinand Etgeton hat keinen leichten Roman geschrieben. Die beiden Brüder tragen ein schweres Erbe, das jedoch völlig verschieden ist, sie aber jeweils daran hindert, das Leben zu leben, das sie leben wollen. Mit Anfang 30 sind sie eigentlich erwachsen und doch verharren sie noch in der Jugend. Der Zeitpunkt, sich den Dämonen zu stellen, scheint gekommen und damit werden sie recht typische Vertreter ihrer Generation: immer geht es automatisch weiter und das Leben findet in einem so hohen Tempo statt, dass für Innehalten keine Zeit bleibt. Bis der Tag gekommen ist, an dem die essentiellen Fragen gestellt werden: wer bin ich? Wo komme ich her? Wer will ich sein?

Viele Themen werden fast nebenbei angerissen, sind aber für die zentrale Frage dessen, was die Persönlichkeit bestimmt, von wesentlichem Belang. Missbrauchserfahrungen aus der Kindheit, die nie verarbeitet wurden und nicht zwangsweise aber doch häufig in Suchtverhalten und einer gewissen Lebensunfähigkeit enden. Das Verhältnis von Eltern und Kindern, das dann problematisch wird, die Erwartungen der einen Seite und die Träume der anderen auseinanderklaffen. Das Verharren im was-hätte-sein-können, das lähmt und einem daran hindert das zu tun, was man eigentlich tun möchte.

„Das Glück meines Bruders“ – man fragt sich am Ende, wer von den beiden das Glück gefunden hat und worin es besteht. Es scheint als würde die Ausgangskonstellation umgekehrt und der geerdete Botho mit dem bürgerlichen Job als Lehrer gerät in die Rolle des Verlorenen, des Suchenden, dem alle Bezüge zur Realität fehlen, während Arno sich in einer funktionierenden Beziehung mit geregelter Arbeit und einem offenbar hohen Maß an Zufriedenheit wiederfindet.

Wie fragil ist das Glück, das wir empfinden, wenn es durch einen Besuch an einem Ort der Vergangenheit zerbrechen kann? Und wie stabil ist unser Selbstbild – oder ist es doch nur eine gesellschaftliche Rolle, die wir annehmen und die uns gerade passt, vielleicht aber irgendwann zu eng wird? In einer Zeit, die von schnellem Wandel geprägt ist, in der von uns allen erwartet wird, dass wir flexibel und mobil sind, unsere Zelte hier ab und anderer Stelle wieder aufbauen und uns immer wieder auf Neues einstellen sollen, wird die Frage der Identität möglicherweise viele Menschen in einen ähnlichen Strudel stürzen wie Etgetons Protagonisten. Dies könnte tatsächlich eine der Hauptfragen unserer Gesellschaft werden. Bemerkenswert, wie man ein solches Thema doch in einem lockeren und oftmals unterhaltsamen Ton umsetzen kann.

Lawrence Osborne – Beautiful Animals

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Lawrence Osborne – Beautiful Animals

Summertime, best to spend on the Greek island of Hydra where the Codringtons possess a villa up on the hill. Yet, while the art collector Jimmy and his second wife Phaine are relaxed, Jimmy’s daughter Naomi seems to have fled London where she just lost her job under mysterious circumstances. First timers on the island are the American family Haldane who enjoy themselves among other compatriots. Their daughter Samantha, slightly younger than Naomi, is soon impressed by the English young woman who not only knows every corner of the island, but who is also self-confident and slightly intimidating. One day, they meet a young man, obviously one of the refugees from the Middle East. Sam would prefer to retreat and not to make contact whereas Naomi’s interest is aroused. For days, they meet him repeatedly until Naomi, out of ennui, draws up a plan of how to support the poor refugee: her family is super-rich, so getting rid of a couple of things in their house does not harm anybody. With the help of the housekeeper, the Arab is to break in and rob the Codringtons. Yet, the scheme does not work out as planned and the girls suddenly have to think of what to do with two bodies.

Lawrence Osborne’s novel starts like the perfect summer read. He depicts the atmosphere of the island in a colourful and authentic way. How the people move around, how relaxed everybody seems to be, but also the way in which the local people slightly stay away from the holidaymakers. The girls spend their days in the water, enjoying the sun – it’s almost too perfect. With the appearance of the refugee, the tone changes and we get to see another side of Naomi. This is where the novel starts to become really interesting.

It is especially this character that is fascinating to observe. She can be the loving daughter – she plays this role perfectly for her father who is aware of it, but on vacation he can ignore negative thoughts and he can still see his wife in the girl. Her stepmother Phaine is less easy to impress, but here, Naomi chooses the open confrontation. Towards the islanders, she is rather cold-shouldered and arrogant. She makes use of the people just as her needs demand it, she openly exploits the housekeeper and forces her to become an accomplice. In contrast, Sam has an innocent air, she is a bit naive and quickly impressed. Thus, she easily becomes Naomi’s victim and is blackmailed by her. Only when it is too late, Sam learns that people on the island consider Naomi possessed, even demonized. Naomi herself knows exactly what she is doing and why she treats people in the way she does:

“It was just an attraction. It was a matter of gravity. It was her influence over them that was attractive too, their reluctant malleability. She couldn’t understand why people were like that.“

She makes use of them simply because she can. When the situation gets out of hand, she keeps calm and manages everything. There is no regret, not even a tear – considering the fact that she has lost her father, she seems to be really cold-blooded here. As a gifted liar, she does not mean to much effort for her to set up a story. Just like the mythological Hydra, Naomi is some kind of poisonous serpent and no loss is a real defeat. Sam, on the contrary, will be haunted her whole life.

The story around Naomi is really enthralling and her behaviour and manipulation repellent at the same time. When the focus shifted away from her to the refugee fleeing from Hydra, it therefore became a bit uninteresting for me. Even though this part is important and definitely full of suspense, it was more centred around the action and less around the character.

It is often said that the initial sentence of a novel is most decisive. Here, however, in my opinion, it’s the opposite. Lawrence Osborne find a remarkable closing of the novel which concentrates much of the story in just three sentences:

“Life was full of such people. One didn’t know anything about them, even though they occupied a position of utmost importance in one’s life for a time. They were like shooting starts, flaring up for a brilliant moment, lighting up the sky even for a few lingering seconds, then disappearing forever.“

 

Peter Høeg – The Susan Effect

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Peter Høeg – The Susan Effect

Susan Svendsen is everything but an ordinary woman. And she and her family are in danger. She is offered a bad deal by the Danish government: use her special ability to provide them with an important information to have all charges against her dropped. Thinking of her twin kids, she has to agree and thus brings herself and her family even more in danger. But what is it about her gift? In Susan’s presence, everybody feels relaxed and comfortable, people cannot keep from sharing their best concealed secrets with her and she is to exploits this for the government. But the politicians have not counted on her intelligence and survival instinct and a most unfair battle begins.

Peter Høeg has made special women his protagonist before. Individuals with a supernatural sense and an extraordinary will to survive. In his latest novel, Susan is equipped with a skill that allows her to manipulate the people unperceivably which in itself is quite remarkable. But what make the character even more interesting is the combination with a straight down-to-earth intellect which does not accept anything outside the world of natural sciences. Susan can explain anything with her knowledge of physics and chemistry or biology, other fields such as music or religion just don’t reach her. This makes her contradictory and ambiguous in a very fascinating way.

The story itself is a fast-paced thriller which combines political complotting with action-packed chases and quite high number of cruel murders. However, the author never forgets his characters and their complicated relationships. The emotional facet blends in smoothly and thus adds to the cleverly constructed plot.

Underlying the whole story is a scenario which nowadays might still be considered something of the faraway future: parts of the planet will not be inhabitable due to climate change. How will we, how will our politicians react to this? If just a limited number of persons can be saved, who will be the selected few? As in other novels before, Høeg creates an extreme setting in which his characters are brought to the edge and have to make hard decisions, decisions about life and death. It seems to be a topic he liked, to play with how human being react in extreme situations. Thus, he provides us with the opportunity the think it through ourselves. Definitely a thriller with a lot of food for thought.

Husch Josten – Hier sind Drachen

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Husch Josten – Hier sind Drachen

Wieder ein Anschlag, wieder ein Job für die Journalistin Caren. Nach dem verheerenden Attentat am Abend des 13. November 2015 in Paris, macht sich die junge Reporterin auf von London in die französische Hauptstadt, um für ihre Zeitung vor Ort zu recherchieren. Anschläge wurden ihr Spezialgebiet, nachdem sie unerklärlicherweise den 11. September in New York und auch den Boston Marathon unversehrt überlebt hat. In Heathrow wartet sie auf das Boarding, doch es kommt zu einer Verzögerung.  Plötzlich wird ihr Gate umstellt, die Fluggäste sind abgesperrt und eingesperrt und eine Zwangsgemeinschaft entsteht. Caren kommt mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der die Lage mit stoischer Ruhe über sich ergehen lässt. Er liest weiterhin in Wittgensteins „Tractatus“ als wenn es die Welt um ihn herum nicht gäbe. Caren versucht mit ihrem Presseausweis etwas in Erfahrung zu bringen, doch die Mitarbeiter des Flughafens sind angespannt, also plaudert sie weiter wartend mit „Wittgenstein“ über dessen Zufallsforschung und die Frage, wie ein Journalist die eine Geschichte, die noch nie berichtet wurde, finden und erzählen kann. Und plötzlich ist sie da, die unglaubliche, nie erzählte Geschichte.

Husch Jostens Roman „Hier sind Drachen“ weckt zunächst Erwartungen, die sich völlig in sich auflösen. Der Titel, der alte Seefahrerspruch zur Kennzeichnung der noch nicht betretenen und erforschten Gebiete, lässt auf eine Reise hoffen, durchaus an einen unbekannten Ort und der Flughafen ist ein passender Ausgangspunkt. Tatsächlich verlassen wir diesen jedoch quasi nicht, fast die komplette Handlung spielt sich im Wartebereich ab. Die zweite Falschannahme ergibt sich aus der Seitenzahl, die mit 160 Seiten einen kurzes Lesevergnügen erwarten lässt. Allerdings weist der Roman eine solche inhaltliche Dichte auf, dass ein Lesen ohne Pausen für mich nicht möglich war und ich viele Passagen – insbesondere die philosophischen Gedanken der beiden Protagonisten – mehrfach lesen musste, damit mir nichts entgeht.

Es ist auch nicht einfach zu bestimmen, worum es in dem Buch eigentlich geht. Gerade durch das unerwartete Ende wird der Fokus nochmals völlig verschoben und es bleiben unzählig viele Themen und Gedankenansätze, die alle in sich wichtig und beachtenswert sind. Der Roman beginnt mit der Frage, was der Terror, wie wir ihn seit einigen Jahren in Europa erleben, mit uns als Beobachter oder gar Zeugen macht. Caren leidet zunehmend. Konnte sie die beiden Ereignisse in den USA noch erstaunlich gut durch ihren Job verarbeiten und sogar fruchtbar damit umgehen, war ihr der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo unerklärlich nahegegangen – vor allem vor dem Hintergrund, dass sie dieses nicht unmittelbar miterlebte. Niemand wird die Nachrichten dieser Horrorszenarien verfolgen können ohne nicht an einem Punkt ganz persönlich auch getroffen zu werden. Doch wie soll man als Individuum und wir als Gesellschaft damit umgehen?

Der weniger konkrete, nicht auf den unmittelbaren Alltag bezogene Aspekt, der sich durch das ganze Buch spinnt, ist die philosophische Frage nach dem Geschichtenerzählen und die Frage, ob es noch eine Geschichte geben kann, die noch nie erzählt wurde. Welcher Journalist träumt nicht davon, mit dieser einen Reportage zu Ruhm und Anerkennung zu gelangen? Doch Geschichten gab es schon lange vor dem Journalismus, das Erzählen ist so alt wie die Menschheit selbst und eines der wenigen kulturübergreifenden und –verbindenden Dinge. Doch die Geschichte lebt nicht nur von ihrem Erzähler, denn sie erhält ihren Sinn erst durch den Zuhörer oder Leser, der etwas damit anfangen kann und den Worten einen Sinn zuschreibt.

Neben diesen beiden ganz großen Themen, werden Fragen nach Werten im Leben, der Lebensgestaltung als solches und den Beziehungen aufgerissen. Mit Carens Lebensgefährten wird der Figur und damit dem Leser gnadenlos vor Augen geführt, wie wenig man manchmal seine Mitmenschen und Liebsten kennt. Nach all der Philosophiererei über Geschichten: hören wir einander zu? Und ist das, was bei uns ankommt auch das, was gesagt werden wollte?

Ein durchaus herausfordernder Roman, der dem Leser, der sich auf ihn einlässt, viel zu bieten hat und weit über die Lektüre hinaus begleitet. Der Sinn entsteht beim Lesen im Leser und Husch Josten macht ein sehr großes Angebot. Daneben bietet er sogar noch einen Plot mit Spannung und recht unerwarteten Wendungen – im Ganzen ein Roman, wie er eigentlich unmöglich zu schreiben ist.

Jaroslav Kalfař – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

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Jaroslav Kalfař – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Die Welt steht kurz vor einer Katastrophe: die Chopra Wolke nähert sich und wie gefährlich sie wirklich ist, scheint kaum absehbar. Ein Flug mit einem Affen zu ihr war erfolgreich und nun muss eine bemannte Raumsonde sich dem Phänomen nähern und es untersuchen. Ausgerechnet Tschechien wird diese Mission unternehmen. Das kleine Land sieht seine Chance für internationalen Ruhm gekommen und Jakub Procházka soll Böhmen in dieser schwierigen Unternehmung vertreten. So richtig geeignet ist er mit seinem labilen Magen nicht, aber die Aussicht auf Berühmtheit ist verlockend. Nur wenige Wochen nach Anbruch der achtmonatigen Reise ins Ungewisse gerät jedoch Jakubs Welt aus der Ferne aus den Fugen: seine Frau Lenka verlässt ihn völlig unerwartet und verweigert den Kontakt. Einsam fern des Heimatplaneten beginnt Jakub zu phantasieren und philosophische Gespräche mit außerirdischen Wesen zu führen. Mit dem Eintritt in die Wolke scheint jedoch sein Schicksal besiegelt: das Raumschiff ist der Materie nicht gewachsen und Jakub wird wohl für sein Land sein Leben geben müssen.

Schon der Titel des Romans weckt ob der Kuriosität das Interesse, kopiert er einerseits die typischen Sachbuchtitel und ruft doch sofort ungläubiges Stutzen hervor: Böhmen? Raumfahrt? Was soll dieser Unfug denn? Und es ist ein herrlicher Unfug, den Jaroslav Kalfar da verfasst hat. Sein Protagonist Jakub ist ein etwas kauziger Astronaut, der mit der ebenfalls leicht verschrobenen Lenka eine passende Partnerin gefunden zu haben scheint. Auch das außerirdische Wesen, von Jakub Hanuš getauft und sein einziger Begleiter und Gesprächspartner, ist ein interessanter Charakter, der die Welt und ihre Bewohner mit einem herrlich neugierig-distanzierten Blick beobachtet und versucht diese Spezies zu verstehen.

Vor diesem kuriosen Hintergrund breitet Kalfar jedoch noch eine ganz andere Geschichte aus, die dem Buch eine ungeahnte Tiefe verleiht. Jakubs Vater war einst als Diener des einst kommunistischen Staates für Folterungen zahlreicher Mitmenschen verantwortlich. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erlebt die Familie einen Umschwung: jahrelang haben sie finanziell von der Position profitiert, doch nun werden sie verachtet und bedroht. Der kleine Jakub wird Opfer nicht nur von verbalen Beschimpfungen, sondern auch von Angriffen, die ihn schwer verletzten. Ein auf Rache sinnender Mann vertreibt die Großeltern gar aus ihrem Haus, das sie jahrzehntelang bewohnten. Dies hinterlässt Spuren und Jakub ist vermutlich repräsentativ für eine ganze Generation von Kindern, die den Umbruch erlebten und die in unterschiedlicher Weise Verantwortung tragen müssen für Dinge, die ihre Eltern getan hatten.

Die Beziehung zwischen Lenka und Jakub ist ebenfalls interessant zu beobachten. Auch wenn hier ein extremer Ausnahmefall geschildert wird, bleibt die Grundkonstellation doch ein tagtägliches Phänomen: der Mann macht Karriere und die Frau muss alle damit verbundenen Entbehrungen ungefragt ertragen. Lenka hatte keine Wahl, sie durfte noch nicht einmal eine Meinung haben und nun steht sie allein zurückgelassen auf der Erde. Ich fand ihren Einwand im Gespräch mit Dr. Kuřák, dass eine Ehe ein Vertrag darüber sei, dass man das Leben gemeinsam meistern wolle und dann nicht einfach einer abhauen kann, durchaus nachvollziehbar und richtig. Ihre Rolle als Penelope, die als treue Ehefrau die Hände in den Schoß legen und auf die Rückkehr des Mannes warten muss, lehnt sie zurecht ab und folgt so dem Vorbild moderner Frauen.

All dies wird in einem charmanten Ton erzählt. Kalfar und die Übersetzerin Barbara Heller finden Formulierungen, die einem immer wieder schmunzeln lassen. Vor allem Hanuš werden wunderbare Beobachtungen in den Mund gelegt:

„Wenn du mich fragst, stehen die soziokulturellen Rituale deiner Gesellschaft im Widerspruch zur biologischen Realität.“ oder

„Das kardiovaskuläre Organ, das deine biologischen Funktionen steuert, löst unregelmäßige Vibrationen aus – ein schlechtes Zeichen, nehme ich an.“

Ganz nebenbei wird auch noch die Geschichte des tschechischen Nationalheiligen Jan Hus erzählt, die unerwartete parallelen mit Jakub aufweisen wird und so einem breiten Publikum auch außerhalb des kleinen Nachbarlandes bekannt wird.

Ein überraschend vielschichtiger Roman, der jedoch vor allem durch den lockeren, bisweilen fast ironischen Ton zu einer unterhaltsamen Lektüre wird.

 

José Eduardo Agualusa – Eine allgemeine Theorie des Vergessens

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José Eduardo Agualusa – Eine allgemeine Theorie des Vergessens

Ludovica, eine etwas schräge und menschenscheue junge Frau, lebt mit ihrer Schwester Odete und ihrem Schwager Orlando in Angola. Als die Revolution ausbricht und der Orlando die Flucht für alle drei plant, wird sie offenbar irgendwie vergessen. Wenige Tage später bedrohen sie Männer an der Tür, Orlando habe Diamanten, die er illegal erworben habe, in der Wohnung versteckt. Im Handgemenge tötet Ludovica einen von ihnen. Die Leichte beseitigt sie kurzerhand in einem Beet auf der Dachterrasse und, um nicht weiter von unliebsamen Besuchern gestört zu werden, mauert sie auch noch die Eingangstür zu. Dreißig Jahre wird sie nun im 11. Stock eines Hauses sitzen, sich von Vorräten und kleiner Ernte, sowie Tauben, die sie gelegentlichen einfängt, ernähren. Das Leben in Angola geht derweil seinen Weg, ohne dass sie davon etwas mitbekommt. Einige kommen zu Geld, andere versuchen auf der Straße zu überleben. Doch es kommt der Tag, an dem die Welt plötzlich in Ludovicas selbstgewählte Isolation einbricht.

Der angolanische Autor José Eduardo Agualusa hat ein fantastisches Werk geschaffen, das nicht ganz den typischen europäischen Erzählmustern folgt. Was als Drehbuch für einen Film seinen Anfang nahm, endete in einem wundersamen Roman, der 2016 auf der Shortlist des Man Booker International Prize stand und den angesehenen International Dublin Literary Award 2017 erhielt und sich dort gegen angesehene Autoren wie Margaret Atwood oder Orhan Pamuk durchsetzte.

Im Zentrum der Handlung steht Ludovica, deren Charakter zunächst seltsam bis widersprüchlich erscheint. Einerseits auf die Unterstützung von Schwester und Schwager angewiesen, zeigt sie sich doch pragmatisch-anpackend als es um ihr Überleben geht. Wie sie sich ihre eigene kleine Welt schafft, ist kurios bis bewundernswert. Einfallsreich löst sie ihr Versorgungsproblem, mit wiederkehrenden Strom- und Wasserausfällen geht sie gelassen um. Der Kontakt zur Außenwelt scheint ihr nicht weiter wichtig zu sein, erst als ein Junge in ihre Wohnung eindringt, spricht sie nach dreißig Jahren erstmals wieder mit einem Menschen. Was zu diesem Charakter geführt hat, erfährt man erst gegen Ende des Romans und ihr persönliches Schicksal erscheint nicht ganz in einem anderen Licht, aber doch erklärlich.

Um sie herum konstruiert Agualusa zahlreiche Nebenhandlungen, die ebenfalls von bunter Natur sind und bisweilen fast slapstickartige Züge haben. Ein starker Kontrast zur Isolation, der aber vermutlich das rege Treiben der Hauptstadt sehr gut darstellt. Man trifft Figuren, die Glück haben, andere haben Pech, manche sind clever, wieder andere werden Opfer des Schicksals. Es werden Lügen erzählt und wieder aufgelöst – kurz gesagt: das weltliche Treiben in allen Facetten findet Eingang, ohne dass sich die Logik und Verbindung zur Protagonistin direkt offenbaren würde. Aber hier kommt die Kunst des wahren Erzählers zum Vorschein: Agualusa führt alle noch so verschlungenen Wege zusammen und die Notwendigkeit, diese zunächst nebensächlich erscheinenden Geschichten zu erzählen, wird offenkundig. Eine ganz und gar fantastische Lösung.

Allerdings ist es nicht nur die faszinierende Persönlichkeit Ludovicas und die formvollendete Zusammenführung aller Erzählstränge, die einem beim Lesen begeistert. José Eduardo Agualusa findet treffende Formulierungen, in denen kein Wort zu viel ist und die punktgenau die Realität einfangen. Hier gehört dem Übersetzer Michael Kegler ein großes Lob. Daneben gibt es kurze Szenen, die nur wenige Sätze umfassen, die einem als Leser stocken lassen, ob der unglaublichen Grausamkeit, die sie in sich tragen. An diesem Stellen wir einem besonders bewusst, dass man sich in einem afrikanischen Land aufhält und unsere Werte und Normen vielleicht nicht anwendbar sind. Diese Brüche, die einem zum Nachdenken zwingen, machen den Unterschied zwischen einem unterhaltsamen Buch und bemerkenswerter Literatur.