Georges Simenon – Madame Maigrets Liebhaber

Georges Simenon – Madame Maigrets Liebhaber

Madame Maigret betrügt ihren Gatten? Unvorstellbar! Und auch nicht wahr, wie schon im ersten Kapitel schnell aufgelöst wird. Der Kommissar neckt seine Gattin lediglich damit, denn seit Tagen beobachtet sie vom Fenster ihrer Wohnung aus einen Mann, der täglich morgens über die Place des Vosges spaziert und nachmittags stundenlang regungslos auf einer Bank sitzt. Auch Maigret kann einen Blick auf ihn werfen, etwas kommt ihm jedoch seltsam vor und tatsächlich: der Mann ist nicht mehr nur regungslos, sondern mausetot. Am helllichten Tag inmitten von spielenden Kindern und Dienstmädchen erschossen. Ein Mord direkt vor seiner Haustür und dieses Mal ist die wichtigste Zeugin genau jene Frau, die er am besten kennt: seine Gattin. Diese nutzt die seltene Gelegenheit und wird zur Assistenzkommissarin im Viertel.

Der vielversprechende Titel sowie das Cover – zwei nicht erkennbare Personen, die sich in einem Metrogang innig küssen – scheinen so gar nicht zu den biederen Kommissar Maigret Geschichten zu passen. Einen schönen Spaß hat sich der Autor mit dem irreführenden Titel da für seine Novelle erlaubt, die ansonsten im typischen Stil des französischen Polizisten gehalten ist. Eine Podcastfolge von „Shedunnit“ hat in mir die Lust auf einen klassischen Krimi geweckt. In Folge 45„The Detection Club“ berichtet Caroline Crampton von einer Vereinigung Krimiautoren, die sich Ende der 20er Jahre regelmäßig zu exklusiven Dinner Meetings trafen und die klare Regeln für das Genre aufstellten. Unter den Gründungsmitgliedern waren so prominente Namen wie Agatha Christie, G.K. Chesterton und Dorothy L. Sayers. Auch wenn Simenon kein Mitglied war, erfüllt sein Werk doch ziemlich perfekt Ronald Knox‘ 10 Anforderungen an einen fairen Kriminalroman.

»Nein, nein und noch mal nein!«, rief er, sich halb im Bett aufrichtend. »Fang gar nicht erst an, mir gute Ratschläge zu erteilen, nur weil du beinahe die richtige Fährte aufgenommen hast. Jetzt ist es an der Zeit, zu schlafen …«

Maigret erlebt eine ungewöhnliche Herausforderung, nicht nur geschieht ein Mord direkt vor seiner Nase und Wohnung, nein, seine Gattin ermittelt mindestens genauso geschickt wie er, was er natürlich nicht zugeben kann. So höflich und liebeswürdig er sie behandelt, das würde nun wahrlich zu weit gehen. Zu dem Fall lässt sich nur wenig sagen ohne zu viel zu verraten: ein Mord, klassische Befragung, Lesen von Spuren und zielgerichtete Lösung des Falles. Herausragend dieses Mal die Rolle von Madame, die sogar einen Tick flotter ist als ihr Mann.

Ein schnelles Vergnügen, das keine Wünsche offenlässt.

Sorj Chalandon – Wilde Freude

Sorj Chalandon – Wilde Freude

Als die Buchhändlerin Jeanne die Diagnose Krebs erhält, fällt sie in ein tiefes Loch. Schon wieder ein Schicksalsschlag, erst verliert sie ihren Sohn, jetzt ist sie selbst betroffen. Ihr Mann Matt kann mit der Situation kaum umgehen und zieht sich schnell zurück. Nur bei den anderen Frauen, die wie sie tapfer die Therapie ertragen, findet sie Trost und bald auch Freundinnen. Die tapfere Brigitte, die nichts im Leben umwerfen zu können scheint; die emotionale Assia, die Jeanne lange misstraut und Mélody, die ihrer entführten Tochter nachtrauert. Jede hat Schicksalsschläge hinter sich, doch das eint sie und lässt sie in der Not zusammenstehen und eine richtige Dummheit begehen.

Sorj Chalandon ist seit vielen Jahrzehnten ein bekannter französischer Reporter, aus seinen Berichten heraus sind auch Romane entstanden, so habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit ihm als Autor gemacht. Sein neustes Werk „Wilde Freude“ ist allerdings gänzlich anders als das, was ich bisher von ihm kannte. Komplizierte Lebenssituationen sind sein Markenzeichen, dieses Mal bewegt er sich aber in höchstprivaten Sphären und macht gleich vier Frauen zu ungewöhnlichen Heldinnen.

Das erste Kapitel des Romans wirft viele Fragen auf, die Handlung muss erst einige Monate zurückspringen, um zu verstehen, was sich zutragen wird. Zunächst steht Jeanne im Zentrum der Handlung. Eine niederschmetternde Diagnose nachdem sie noch immer die Trauer um den Sohn nicht ganz verwunden hat. Mehr noch als ihr emotionaler Zustand den Leser berührt, macht das Verhalten ihres Mannes wütend.

„Ganz schön widerlich“, murmelte er.

Mehr fällt ihm zum Haarausfall seiner Frau nicht ein. Statt Stütze zu sein, verschlimmert er die Situation und er erweckt den Anschein, als wenn er ihr die Schuld für den Krebs zuschreiben würde. Die Männer ihrer Leidensgenossinnen sind derweil noch schlimmere Betrüger, was die Frauen rasch zusammenführt. Zu wissen, dass es Frauen in einer ähnlichen oder gar noch ärgeren Situation gibt, spendet ein gewisses Maß an Trost. Besonders beeindruckend fand ich, wie sie mit den kleinen, aber doch bedeutenden Fragen wie den ausfallenden Haaren umgehen und Jeanne dabei begleiten, sich mit der neuen, nicht mehr vorhandenen Frisur, anzufreunden. Sie leisten genau das, was gute Freundinnen in diesem Moment tun müssen. Obwohl sie sich kaum kennen.

Das gegenseitige Geben und für einander einstehen geht noch einen Schritt weiter, als sie beschließen, das Lösegeld für Mélodys Tochter durch einen Überfall auf einen Juwelier zu beschaffen. Clever planen sie den Coup und geradezu abgebrüht können sie ihren Plan umsetzen. Mir erscheint diese Episode zwar etwas abenteuerlich, aber in der Grundaussage – was haben sie denn noch zu verlieren? – fügt sie sich ins Bild.

Man kann den Roman schwer zusammenfassen, zu facettenreich und vielseitig ist das, was er auslöst. Die Krebs-Erkrankungen und die Schicksalsschläge stimmen eher traurig-melancholisch, die Männer machen wütend, bei dem Überfall schwanke ich zwischen Kopf schütteln und auch einer Portion Bewunderung für die waghalsige Courage. Ein durch und durch gelungener Roman, der letztlich zeigt, dass am Ende der Verzweiflung immer noch Mut kommt, um alles in die Hand zu nehmen und das Leben neu anzupacken.

Karine Tuil – Menschliche Dinge

Karine Tuil Menschliche DInge
Karine Tuil – Menschliche Dinge

Einfluss und Macht, darum geht es im Paris 2016. Jean Farel ist seit Jahrzehnten angesehener Journalist und Moderator der wichtigsten politischen Diskussionssendung im Land. Alle Präsidenten kennt er, alle wichtigen Franzosen hat er interviewt. Seine Frau Claire ist ebenfalls gefragt als Journalistin und Essayistin, dass ihre Ehe schon lange nur noch Show für die Öffentlichkeit ist, ist für beide mit ihren jeweiligen Partnern in Ordnung. Ihr gemeinsamer Sohn Alexandre ist ebenfalls mehr als wohlgeraten: mit besten Noten die Schule abgeschlossen, an der besten Universität Frankreichs angenommen und nun Student in Stanford. Doch der Abend, an dem Jean Farel eine der höchsten Ehren des Landes zuteilwird, wird ihr Leben durcheinanderwirbeln. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür mit einem Durchsuchungsbeschluss, es liegt eine Anzeige vor: Alexandre soll die Tochter von Claires Lebensgefährten brutal vergewaltigt haben.

Karine Tuil greift in ihrem Roman eine reale Begebenheit auf, den sogenannten „Fall Stanford“, der die allseits bekannte Verbindungskultur an den amerikanischen Universitäten mit ihren alkoholreichen Partys und den zahlreichen, meist verschwiegenen, Übergriffen auf oft noch minderjährige Studentinnen über die Landesgrenzen hinaus in den Fokus der Öffentlichkeit brachte. Tuil nähert sich dem eigentlichen Geschehen auf höchst interessante Weise, stehen zunächst Alexandres Eltern im Zentrum der Handlung, immer jedoch auch schon mit Bezug zu dem, was heute unter dem Hashtag #metoo-Debatte subsumiert wird. Facettenreich wird das Thema beleuchtet und der Komplexität dadurch auch im Rahmen von Fiktion durchaus gerecht, weshalb der Roman erwartungsgemäß 2019 gleich für mehrere angesehene französische Literaturpreise nominiert war.

„Menschliche Dinge“ ist ein vielschichtiger Roman, der zahlreiche Diskussionspunkte liefert. Obwohl die Vergewaltigung im Mittelpunkt steht, ist für mich aber die Figur Jean Farel fast noch zentraler. Er ist als Inbegriff des alten, mächtigen Mannes, der in seinem Narzissmus hervorragend skizziert ist. Es vergeht kaum eine Seite, auf der man nicht über ihn den Kopf schütteln muss, sein verächtlicher Umgang mit Frauen, die Paranoia bezüglich seines Aussehens und Ansehens, exzentrisch plant er die Ordensverleihung, sein Parallelleben mit Françoise, seine rücksichtslose Kindererziehung – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Eine hochinteressante Persönlichkeit hat die Autorin geschaffen, wobei es zahlreiche reale Vorlagen gegeben haben dürfte, man denke nur an Dominique Strauss-Kahn, den Farel an einer Stelle bewundert. Aber es gibt auch einen Bruch, der sich in seiner Langzeit-Geliebten zeigt: als Françoises Demenz immer weiter voranschreitet, verlässt er sie nicht, sondern behandelt sie liebevoll und zärtlich, fast besser als zuvor.

Auch Claire ist als Gegenpart spannend geraten, beginnt ihre Geschichte mit dem Monica Lewinsky Skandal und wird sie später durchaus als Vertreterin des Feminismus präsentiert. Sie gerät in das ganz persönliche Dilemma zwischen ihren Ansichten als öffentliche Frau und ihrem Sohn als Beschuldigtem. Dieses lässt sich nicht auflösen und sie ist es letztlich, die die ganz große Verliererin ist. Immer wieder hat sie wie viele erfolgreiche Frauen Sexismus und übergriffiges Verhalten schweigend ertragen, um ihre Karriere nicht zu gefährden und weil sie wusste, dass dies nun einmal der Preis ist, den sie als Frau dafür zu zahlen hat. Am Ende hat sie alles verloren, während ihr Mann immer noch in die Kameras lächelt.

„Ihr ganzes Leben lang hatte ihr Handeln im Widerspruch zu den Werten gestanden, zu denen sie sich öffentlich bekannte. Auch das war Gewalt: die Lüge, das verfälschte Bild des eigenen Lebens. Die Verleugnung. Der Weg, den sie abseits der Realität eingeschlagen hatte, um diese ertragen zu können.“

Den Großteil der Handlung nehmen die Ermittlungen und der Prozess ein. Zwei sich widersprechende Aussagen, die beide wahr und falsch sein können. Gewinner gibt es hier keine, Alexandre ist seelisch gebrochen hat sein Studium und seine Berufsaussichten aufgeben müssen. Mila ist psychisch gezeichnet von den Erlebnissen und fern davon, in so etwas wie Normalität zurückkehren zu können. Es bleiben Zweifel an beiden Darstellungen, was ich von Karine Tuil sehr gelungen finde, denn genau hier liegt oftmals die Krux: Selbst- und Fremdwahrnehmung können voneinander abweichen, die gleiche Situation unterschiedlich beurteilt werden. Das darf kein Freibrief für Gewalt sein, aber ebenso wenig für spätere Anklagen aus Scham vor dem eigenen Handeln. Die Nicht-Auflösung wird dem Konflikt daher mehr als gerecht.

Noch viel mehr ließe sich sagen zu diesem herausragenden Roman, der neben den Figuren und komplexen Problematik auch durch eine pointierte Sprache überzeugt. Für mich ein Lesehighlight in jeder Hinsicht.

André Aciman – Find Me/Finde mich

andre aciman find me
André Aciman – Find Me/Finde mich

Die ruhige Zugfahrt, die Samuel nach Rom zu seinem Sohn Elio führen soll, wird durch die Ankunft einer jungen Frau mit Hund, die sich zu ihm setzt, jäh gestört. Was der Professor nicht ahnt, ist, dass diese Begegnung sein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Vorsichtig beginnt das Gespräch mit Miranda, doch bald schon merken sie beide, dass sie sich viel zu sagen haben, ebenso viel aber auch gar nicht gesagt werden muss, weil sie sich blind verstehen, fast so als würden sie sich schon ewig kennen. Sie könnte seine Tochter sein, Zurückhaltung ist geboten, doch am Ende des Tages werden sie gemeinsam durch Rom schreiten. Elio wird gleichermaßen durch eine zufällige Begegnung bei einem Konzert in einer Pariser Kirche von Amors Pfeil getroffen und genau wie sein Vater findet auch er den Mut, scheinbar vorhandene Schranken zu ignorieren und dem Herzen zu folgen.

„Find me/Finde mich“ führt die Geschichte fort, die André Aciman in „Fünf Lieben lang“ begonnen hat. Wieder geht es um die Liebe und wieder sind die einzelnen Kapitel nur lose miteinander verwoben und auch in diesem Roman schreibt der Autor über Grenzen, die die Figuren wahrnehmen, die sie jedoch überschreiten, ohne Rücksicht darauf, wie ihr Umfeld reagieren wird. Die beiden ersten, langen Kapitel sind detailreich, emotional, intensiv und lassen damit die beiden kürzeren etwas verblassen.

„Die Liebe ist einfach“, sagte ich. „Was zählt, ist der Mut zu lieben und der Mut zu vertrauen, und nicht jeder hat beides.

„Tempo“ und „Cadenza“, die beiden ersten Kapitel, weisen viele Parallelen auf: beide Male eine zufällige Begegnung, beide Male eine unmittelbare Vertrautheit, zwei ungleiche Partner, die sich zu einander hingezogen fühlen und merken, dass sie jetzt mutig sein müssen, wenn sie nicht wollen, dass diese einmalige Begegnung verpufft und nur Erinnerung bleibt. Beide Male sind es auch die Beziehungen zwischen Vater und Sohn, die ganz wesentlich für die Entwicklung der Charaktere sind. Samuel gibt Elio das Vertrauen, das er benötigt, um offen mit seiner Liebe umzugehen. Michel hat diese tiefe Verbundenheit zu seinem Vater ebenfalls gespürt, wenn ihre auch durch ein Geheimnis, von dem nicht einmal die Mutter etwas ahnt, für immer besiegelt wurde.

Diese literarisch saubere Struktur wird durch das musikalische „Capriccio“, Kapitel drei, unterbrochen. Das Kapitel folgt dem, was der Titel ankündigt: ein Ausbruch aus der Norm, der erwartbaren Struktur, das eigensinnig das Gegenteil berichtet: Elios früherer Geliebter, Oliver, erkennt plötzlich, dass er sich nicht für die richtige Liebe entschieden hat, dass seine Wahl für ein bürgerliches Leben falsch war und er nur das Leben eines toten Mannes führt. Kapitel vier, „Da Capo“ kehrt zurück an den Anfang, den Moment, als die eigentliche Geschichte begann.

Erzählerisch wie sprachlich schlichtweg wundervoll. Um bei den Metaphern aus der Musik zu bleiben: ein großes Stück, das viele Variationen eines einzigen Themas aufweist, mal beschwingt, mal melancholisch daherkommt, ausbricht und wieder zurückkehrt. Es kommt mit zarten Noten wie sie Streichinstrumente leise produzieren, die einem förmlich die Vibrationen der Saiten erleben lassen, und ebenso mit großem Paukenschlag. Man muss am Ende einen Schritt zurücktreten, um das Ganze in Augenschein nehmen zu können und sich nicht in den einzelnen Teilen zu verlieren und noch den Nachhall dessen, was man gelesen hat, spüren zu können.

Lætitia Colombani – Das Haus der Frauen

laetitia colombani das haus der frauen
Lætitia Colombani – Das Haus der Frauen

Nachdem ein Mandant sich vor ihren Augen in den Tod gestürzt hat, fällt die Anwältin Solène in eine tiefe Depression. Ihr ganzes Leben scheint keinen Sinn mehr zu haben, wozu all die Stunden Arbeit, wo ihr ihre tolle Wohnung und die aparten Kostüme jetzt nichts nutzen, keinen Trotz spenden und keine Hoffnung bieten. Ihr Psychiater empfiehlt ihr ein Ehrenamt und so kommt sie in das „Haus der Frauen“, einer beinahe 100-jährigen Institution in Paris, in der notleidende Frauen jeden Alters Unterschlupf und Hilfe finden. Zunächst sind die Bewohnerinnen skeptisch, halten Abstand, doch nach und nach kommen sie mit ihren kleinen und großen Anliegen zu Solène. Diese erkennt zunehmend, dass sie mit all ihrem Wissen jenen Bedürftigen wirklich helfen kann, aber auch, dass ihr eigenes Leben so wieder eine Sinnhaftigkeit erhält, die sie lange vermisst hat.

Die französische Autorin und Regisseurin Lætitia Colombani hat mit ihrem Roman nicht nur eine bittersüße Geschichte geliefert, sondern vor allem Blanche Peyron ein Denkmal gesetzt. Die Gründerin des Hauses der Frauen und unerschütterliche Kämpferin der Heilsarmee hat vorgelebt, wie wichtig es ist, für seine Ideale zu kämpfen und den Glauben an die Überwindung der sozialen Unterschiede nicht aufzugeben.

Im Zentrum der Geschichte steht die erfolgreiche Anwältin, die unerwartet aus dem Hamsterrad des Lebens gerissen wird und dieses gnadenlos hinterfragen muss. Was von außen beneidenswert erscheint, fühlt sich hinter der schönen Fassade ganz anders an. In der Begegnung mit den Frauen und ihren Schicksalen –  vertrieben vom Krieg, Flucht vor Verstümmelung, Transsexualität und Obdachlosigkeit, die ganze Bandbreite menschlicher Schicksale laufen vor ihr auf – erkennt sie nicht nur, dass sie ihr eigenes Leben in der Hand hat, sondern vor allem auch, wie sie selbst wirksam werden und so wieder einen Sinn in ihrem Tun finden kann.

Ein kurzer Roman, melodramatisch mit einer gewissen Realitätsferne ohne Frage, aber dafür ideal als leichte Sommerlektüre, die einem mit einem wohligen Gefühl zurücklässt.

Rebecca Makkai – Die Optimisten

rebecca makkai die optimisten
Rebecca Makkai – Die Optimisten

„Sie hatte so viele Schuldgefühle, wenn sie an ihre Freunde zurückdachte – sie wünschte, sie hätte einige von ihnen überredet, sich früher testen zu lassen, wünschte, sie könnte die Zeit zurückdrehen (…)“

 2015, Fiona sucht nach ihrer Tochter, schon seit Jahren hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihr, jetzt gibt es Hinweise darauf, dass sie sich in Paris aufhalten könnte. Während der Suche quartiert sie sich bei ihren alten Freunden ein, die sie schon in den 80er Jahren kannte, als es in Chicago eine Gruppe von jungen Künstlern gab, vorwiegend Männer und schwul, die nicht nur die Liebe zur Kunst teilten, sondern auch die Angst vor dem noch unbekannten, todbringenden Virus, der nach und nach den Kreis der Freunde dezimierte, unter anderem auch Fionas Bruder Nico und ihren guten Freund Yale. Zwischen Erinnerungen an die damalige Zeit und der Nachforschungen nach Claire muss sich Fiona der Frage stellen, was sie in ihrem Leben richtig und falsch gemacht hat und vor allem, wie sie die Verbindung zu ihrer eigenen Tochter verlieren konnte.

Rebecca Makkais dritter Roman gehörte 2018 zu einem der erfolgreichsten Bücher des Jahres und war unter anderem Finalist für den Pulitzer Prize in der Kategorie Fiction. Es ist eine berauschende Geschichte, die voller Leben und voller Leben in Angst vor dem Tod ist. Viele Figuren existieren nur noch in der Erinnerung und gleichzeitig fällt es jenen, die zeitgleich leben schwer, zueinander zu finden. Auf mehreren Ebenen angesiedelt – 2015 sucht Fiona nach ihrer Tochter in Paris, 1985 lebt die Kunst-Clique in Chicago, Nora erinnert sich an die Zeit der 1920er in Paris im Kreis der großen Maler und Autoren – zeigen sich wiederkehrende Verhaltensweisen und das Leben in Angst wird gespiegelt. Das verbindende Element ist fraglos die Kunst, denn diese überdauert und kann gestern wie heute Emotionen auslösen, Momente konservieren und vergessene Episoden wieder aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorbringen.

Sowohl die Nachwehen des 1. Weltkrieges wie auch die Anschläge auf das Bataclan 2015 sind nur die Leinwand, auf der die Handlung und das Lebensgefühl gezeichnet werden. Sie verschwinden unter dem Leben der Figuren, verblassen und bilden nur mehr einen Schatten. Ganz anders sieht die Bedrohung durch das noch unbekannte und damit unkontrollierbare AIDS Virus der 1980er Jahre aus.  Dieses lässt sich nicht verdrängen oder übermalen, geradezu übermächtig bestimmt es immer wieder die Gedankenwelt der Figuren und lässt sich nur kurz vergessen, um zu leben.

Eine ausdrucksstarke Erzählung, die mich stark an Donna Tartt oder auch Paul Auster erinnert. „Die Optimisten“ steht durch und durch in der Tradition der Great American Novel, denn Makkai fängt überzeugend den Geist und das Lebensgefühl der 80er Jahre Kunstszene ein. Zwischen einerseits großer Begeisterung für die Malerei oder auch Fotografie und Film und andererseits der lähmenden Angst vor der unheilbaren Immunschwäche, liefern sich Leben und Sterben einen Wettkampf, der jedoch das irdische Dasein überdauert und sowohl in den Werken, der Erinnerung wie auch in den Nachkommen letztlich fortbesteht.

Vielschichtig und komplex, dabei wunderbar erzählt – ein Buch, das tief bewegt.

Delphine de Vigan – Dankbarkeiten

delphine de vigan dankbarkeiten
Delphine de Vigan – Dankbarkeiten

Ihr Leben lang hat sie mit Worten gearbeitet, als Journalistin und Korrektorin, doch nun entweichen sie ihr, verschwinden einfach, die falschen tauchen auf, wo sie nicht sollen. Michèle Seld, genannt Michka, muss sich der Wahrheit stellen: sie kann nicht mehr alleine wohnen, muss ihre Unabhängigkeit aufgeben. Marie, um die sich Michka häufig gekümmert hat als das Mädchen klein war, ist nun diejenige, die sich um Michka kümmert und sie ins Wohnheim begleitet. Die Umstellung fällt der alten Dame schwer, sie entwickelt Wahnvorstellungen, fühlt sich vom Personal und den anderen Bewohnern bedroht und wird zunehmend ängstlicher. Aber einen Wunsch hat sie noch, so viel kann sie dem Logopäden Jérôme mitteilen: sie will denjenigen danken, die sie einst gerettet und beschützt haben.

Delphine de Vigan hat mit ihrem Roman „Dankbarkeiten“ eine Hommage an all jene geschrieben, die die Alten und Gebrechlichen nicht vergessen, sondern sie in den letzten Jahren zugewandt und fürsorglich begleiten, um den Abschied vom Leben möglichst angenehm zu gestalten. Wie schwer dieser Weg für die Betroffenen ist, wird am Beispiel von Michka unmittelbar klar. Das, was ihr besonders wichtig war, droht sie nun zu verlieren: den scharfen Verstand, die Worte, die Kommunikationsfähigkeit mit der Welt. All dies ist aber kein Grund, das Wesentliche zwischen den Menschen zu vergessen, Michka hält durch, bis erledigt ist, was noch getan werden muss: Dank aussprechen.

Ein kurzer Roman, der viele offenen Stellen bietet, die man als Leser füllen kann. Wie will man seinen Lebensabend zubringen, wie geht man damit um, wenn man seine Eigenständigkeit verliert und auf andere angewiesen ist? Allein die Hilflosigkeit ist schon gedanklich schwer zu ertragen, ebenso das vertraute Umfeld verlassen zu müssen, um in fremder Umgebung mit fremden Menschen leben zu müssen und das zu einem Zeitpunkt, wo man sich an alles Bekannte klammert, weil dies noch Halt bietet.

Die Gespräche zwischen Michka und Jérôme bringen aber auch diesen zum Nachdenken. So manches Porzellan wird zu Lebzeiten zerschlagen, aber kann und sollte man nicht über den Scherben stehen? Es braucht vielleicht die Erkenntnis, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um diesen Punkt zu erreichen.

Michkas Aphasie wirkt natürlich bisweilen charmant, gerade dieses stelle ich mir jedoch als besonders belastend vor. Zwar kompensieren Marie und Jérôme hervorragend, aber das Gefühl sich zunehmend nicht mehr verständlich zu machen und selbst auch die Welt nur noch begrenzt zu verstehen, schmerzt doch ungeheuerlich. Ihre Lebensgeschichte wird nur angerissen, das Schicksal des jüdischen Mädchens, das gerettet werden konnte, trotz aller Widrigkeiten. Es wäre eine interessante Geschichte gewesen und genau dadurch, dass Delphine de Vigan sie nicht erzählt, wird umso deutlicher, was wir verlieren, wenn wir den Menschen nicht zuhören und ihre Erinnerungen nicht bewahren. Auch wenn man den Roman recht rasch gelesen hat, ist er doch einer, der noch nachwirkt und bei einem bleibt, auch wenn die letzte Seite umgeblättert wurde.

Marion Messina – Fehlstart

marion-messina-fehlstart
Marion Messina – Fehlstart

Das Abitur bestanden, steht ihr die Welt im egalitären Frankreich offen. Sie weiß, wofür sie all die Jahre hart gearbeitet hat, doch dann muss Aurélie Lejeune eine herbe Enttäuschung nach der anderen erleben. Das Jurastudium an der Universität von Grenoble ist uninspiriert, mit ihren Kommilitonen verbindet sie nichts und zunehmend begreift sie sich als Außenseiterin. Mit den kolumbianischen Austauschstudenten scheint sie viel mehr zu verbinden und in Alejandro, den sie bei ihrem Nebenjob als Putzfrau kennenlernt, verbindet sie bald schon eine innige Liebe. Doch als dieser der Enge der Kleinstadt entflieht, fällt auch Aurélies Leben in sich zusammen, es stand ohnehin nur auf tönernen Füßen. In Paris hofft sie auf einen Neuanfang und die Realisierung ihrer Träume, die sie eigentlich schon gar nicht mehr hat. Sie will ihre soziale Herkunft als Kind einer Arbeiterfamilie hinter sich lassen, sieht sich bald aber schon einer viel prekäreren Situation ausgesetzt als ihre Eltern es jemals erlebt hatten.

In ihrem Debutroman stellt Marion Messina gleich mehrere Mythen ihres Heimatlandes infrage. An ihren jungen Protagonisten zeigt sie auf, dass das voller Versprechen begonnene Leben sich oftmals anfühlt, als sei es schon vorbei, bevor es überhaupt begonnen hat, wie die ungeliebte B-Seite einer Schallplatte, die niemand hören will und die nur die Aufgabe hat, einen eben noch vorhandenen Platz zu füllen, an die jedoch nicht die geringsten Erwartungen gestellt werden. Wofür soll man in dieser Existenz kämpfen? Die Wirtschaftskrise von 2008, die ganz Europa unerwartet und heftig packte, hat vor allem die Jungen und Gebildeten getroffen, die sich nach jahrelanger Mühe um beste Startchancen um ihr Leben betrogen sahen, ein klassischer „Fehlstart“, sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.

Messina zeichnet ein erbarmungsloses Portrait einer Gesellschaft und einer Generation, das wenig Mut und Hoffnung macht. Wo sich Alejandro einer omnipräsenten Xenophobie in einem sich selbst als weltoffen und tolerant wahrnehmenden Land ausgesetzt sieht, fühlt sich Aurélie aufgrund ihrer sozialen Herkunft ausgeschlossen, sie kennt die Codes der Kleidung, des Verhaltens und der Sprache nicht und ihre Eltern sind schon lange nicht mehr in der Lage, sie zu unterstützen. Sie soll doch mit dem bescheidenen Dasein, wie sie es selbst führen, zufrieden sein. All die Bemühungen und der Verzicht werden sich nicht auszahlen, das elitär organisierte Land hat keinen Platz für Emporkömmlinge. Das muss auch Benjamin erkennen, der einzige Freund, den Aurélie in der 12 Millionen Metropole gefunden hat und der nach jahrelangem Ackern bereit ist, aufzugeben und in die Provinz zurückzukehren.

Insbesondere das Bild der Arbeitswelt, in der die Angestellten in den niedrigen Positionen nicht nur schnell austauschbar sind, sondern die durch vorgegebene Kleidung, Make-up und Phrasen auch austauschbar wirken und dafür mit dem Mindestlohn abgespeist werden, der kaum ausreicht, um Wohnung und ausreichend Nahrung zu finanzieren, wirkt brutal, aber authentisch. Die prekäre Existenz mit Zweit- und Drittjob laugt sie so dermaßen aus, dass sie gar nicht mehr am Leben teilnehmen und von Paris außer den Gängen der U-Bahn nichts mehr sehen. „Métro-Boulot-Dodo“ wird so nicht mehr nur ein ironisches Wortspiel, sondern schlichtweg Realität.

Marion Messina untermauert die falschen Versprechungen sprachlich versiert, in kursiv erscheinen die immer wieder bemühten Phrasen, die sich jedoch als leere Worthülsen entpuppen. Ihr Roman erschien 2017 noch vor den aktuellen Protesten der Gilets Jaunes, sie legt aber den Finger in genau dieselbe Wunde und erfüllt damit eine der wesentlichen Aufgaben der Literatur: sie hält der Gesellschaft und vor allen denjenigen, die diese lenken, den Spiegel vor, in dem sie bei genauen Hinschauen eine schmerzverzerrte Fratze erkennen können. Auch 2020 noch einer DER Romane der Stunde.

Ein herzlicher Dank geht an den Hanser Literaturverlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Verlagsseite.

Fred Vargas – Bei Einbruch der Nacht

fred-vargas-bei-einbruch-der-nacht
Fred Vargas – Bei Einbruch der Nacht

Ein Wolf geht um im Mercantour, den Seealpen zwischen Frankreich und Italien. Zahlreiche Schafe hat er bereits gerissen und er wird immer mutiger. Als in einem Dörfchen die Schäferin Suzanne ermordet wird, nimmt der Fall eine neue Dimension an und Suzannes Adoptivsohn und ihr Wacher wollen die Tat nicht ungesühnt lassen. Inzwischen hat sich nämlich die Überzeugung breitgemacht, dass nicht ein wildes Tier, sondern nur ein Werwolf für die grausamen Tötungen verantwortlich sein kann. Auch die Handwerkerin Camille und ihr kanadischer Freund und Tierforscher Lawrence sind hiervon überzeugt. Nur ein Mann kommt hierfür infrage: der Eigenbrötler Massart war jahrelang verschwunden und tauchte plötzlich wieder in der Gegend auf, ohne jedoch den Bewohnern zu nahe zu kommen. Aus der Ferne beobachtet Kommissar Adamsberg den Fall, nicht nur die Geschichte des Wolfs findet er spannend, er erkennt, dass dies ein Fall für ihn wird, denn er hat Camille wiedererkannt.

Kein typischer Adamsberg Roman aus der Feder von Fred Vargas; der Kommissar bleibt zu lange Randfigur, die eigentliche Handlung spielt sich in den Bergdörfern mit ihren kuriosen Bewohnern ab. Diese sind es auch, die den großen Reiz der Geschichte ausmachen, denn sie sind jede einzelne detailreich gezeichnet und herrlich verschroben: Suzannes afrikanischer Adoptivsohn Soliman, der stets im Wörterbuch liest und Definitionen liefert; Camille mit ihrem „Katalog für handwerkliches Arbeitsgerät“ und ihrer pragmatischen Herangehensweise auch an größte Katastrophen oder der Wacher, der abends mit seinen Schafen telefoniert, um deren psychische Gesundheit zu sichern.

Was die Figuren einerseits liebenswert macht, strengt beim Lesen jedoch auch etwas an. Sie sind die Einsamkeit der Berge gewohnt und neigen eher zu einsilbiger Kommunikation. Das hat Fred Vargas glaubwürdig umgesetzt, macht aber die Dialoge der Figuren zum Teil zu einer echten Herausforderung, da sie vielfach nur aus Fragmenten und abgehackten Sätzen bestehen.

Der Fall letztlich ist clever konstruiert und die Spannung steigert sich stetig. Erst mit Adamsbergs Einmischung lichtet sich langsam der Nebel und der perfide Plan des Mörders kommt zum Vorschein. Viele Indizien und Spuren wurden gelegt, die man jedoch als Leser nicht unmittelbar wahrnimmt und erst spät erkennt, wie präzise alles geplant war und miteinander zusammenhängt. Ein Regionalkrimi der ganz besonderen Art, da er geschickt den mystischen Glauben der naturverbundenen Menschen mit einem Kriminalfall verbindet.

Jakuta Alikavazovic – Das Fortschreiten der Nacht

jakuta-alikavazovic-das-fortschreiten-der-nacht
Jakuta Alikavazovic – Das Fortschreiten der Nacht

Das Architekturstudium in Paris bringt ihn in eine ganz neue Welt. Paul ist fasziniert und genauso wie er an der Universität alles aufsaugt, verliert er sich auch in der mysteriösen Amélia. Gerüchte umgeben sie, sie würde in einem Hotel leben und genau dort sieht er sie auch bei seinem Job als Nachtportier, der ihm das Studieren erst ermöglicht. Eine blinde Amour fou beginnt, die beide aus der irdischen Welt entfernt und nur noch den Blick aufeinander richten lässt. Einzig ihre Professorin Albers hat Zugang zu beiden, die Stararchitektin war bereits mit Amélias Mutter befreundet, die das Mädchen und ihren Vater schon vor langer Zeit verlassen hat und eine Lücke riss. Genau diese ist es auch, die Amélia schließlich von Paul wegtreibt. Es fehlt ihr etwas Unbestimmtes, das sie suchen muss, es treibt sie auch wieder zurück, denn das Band, das sie beide verbindet, lässt sich nicht so einfach kappen.

„Sie, Amélia Dehr, war eine Romanfigur und offensichtlich auch entschlossen, es zu bleiben. Und ob sie diese Figur selbst erschaffen hatte oder ob sie das Werk von jemand Anderem war, war nicht ganz sicher, blieb noch herauszufinden.“

Amélia ist eine schwer zu greifende Figur, die mich stark an André Bretons Nadja erinnert, die ebenfalls eine undefinierte Faszination ausübt und immer wieder aus dem Nichts auftaucht, nur um dann doch wieder zu verschwinden. Genauso wie die surrealistische Liebe Bretons, der klassischen Amour fou, kann in „Das Fortschreiten der Nacht“ nur exzessiv und intensiv gelebt werden, eine Art, die nicht alltagstauglich ist und von einer Frau ausgeht, die Menschen bezaubert und in ihren Bann zieht, die selbst aber nur begrenzt liebensfähig ist.

„(…) was sie schließlich später, viel zu spät, verstehen würde: Paul hatte sie geliebt und er hatte nur sie geliebt, und selbst als er sagte, dass er sie nicht liebte, als er sie nicht lieben wollte, liebte er sie immer noch. Sie war das Herz, das in seiner Brust schlug, dieses kräftige Herz, scheinbar unermüdlich, während sie, Amélia, so erschöpft war.“

Beide sind Kinder ihrer Eltern und tragen das in sich, was ihnen wissentlich oder unwissend mitgegeben wurde. Pauls einfach Herkunft, die er in jungen Jahren verschämt verbirgt, wird er später als Geschenk erkennen und in seinem Vater einen Fixpunkt sehen, der ihm viele Jahre fehlte. Amélia ist durch die Abwesenheit der Mutter geprägt, so wie diese von der Grausamkeit des Krieges angezogen wurde, sucht auch die Tochter das Unheil und nimmt es in sich auf.

Die Missglückte Liebe zwischen Paul und Amélia steht im Zentrum der Handlung, dieses singuläre Beispiel ist aber letztlich nur der Spiegel einer Gesellschaft von zerrissenen Menschen, die Kriege und Flucht erleben und sich auch ihrer Vergangenheit und jener ihrer Eltern nicht entziehen können. Wie kann mit dem, was heutige Generationen in sich tragen, überhaupt noch eine Beziehung auf Augenhöhe und frei von all diesem Ballast gelingen? Ein intensiver Roman, der vor allem durch die überzeugende sprachliche Umsetzung der Emotionen und die zirkuläre Struktur überzeugt.