Paolo Cognetti – Acht Berge

Acht Berge von Paolo Cognetti
Paolo Cognetti – Acht Berge

Die Begeisterung seiner Eltern für die Berge bekommt Pietro schon als Junge mit. Als sie sich endlich entschließen, eine eigene Hütte zu kaufen, ist klar, dass er die kommenden Sommer dort verbringen wird. Schnell freundet er sich mit Bruno an, der schon als Kind seine Eltern beim Hüten der Kühe unterstützen muss. Gemeinsam erkunden Bruno und Pietro die Wälder, Wiesen und Berge – eine Leidenschaft, die sie ihr Leben lang teilen werden und die ihr wichtigstes Verbindungsglied sein wird. Als junge Männer trennen sich zwar ihre Lebenswege, nicht jedoch die Freundschaft. Als Erwachsene teilen sie neben der Liebe zu den Bergen auch das Leid, das beide auf unterschiedliche Weise erfahren. Obwohl sie verschiedener kaum sein könnten, ist das Band, das sie als Jungen geknüpft haben, fest und reißt nie.

Man kann in Paolo Cognettis Roman in jeder Zeile seine Leidenschaft für die Walliser Alpen spüren. Ich habe selten einen Roman mit derart intensiven Landschaftsbeschreibungen gelesen, die jedoch niemals langweilen, sondern im Gegenteil durch ihre Poesie und Strahlkraft problemlos die Begeisterung des Autors vermitteln und den Leser buchstäblich miterleben lassen.

Im Zentrum der Handlung stehen Pietro und Bruno. Es ist kein ganz typischer Roman über das Erwachsenwerden. Zwar hat man ganz charakteristische Phasen – die Auseinandersetzung mit den Eltern, ihren Werten und den gewählten Lebenswegen; die beruflichen Überlegungen und Entscheidungen; die erste Liebe und die große Liebe – aber letztlich ist es die Freundschaft, die all dies überdauert und die beiden Jungen und später Männer immer wieder zueinander führt. Gemeinsame Erlebnisse können verbinden und um für einander da zu sein und sich zu unterstützen bedarf es keiner dauernden Präsenz.

Auch wenn der Roman auf der Handlungsebene viele interessante und beachtenswerte Aspekte bietet, sind es letztlich die Landschaftsbeschreibungen, die Erlebnisse in der Natur und die Gewalt selbiger, die bisweilen keine Gnade kennt, die hervorstechen und in Erinnerung bleiben. Manch ein Leser man diese überfliegen, lässt man sich auf sie ein, nimmt das Lesen einen anderen Rhythmus ein, wird langsamer und intensiver.

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Beka Adamaschwili – Bestseller

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Beka Adamaschwili – Bestseller

Pierre Sonnage ist ein mäßig erfolgreicher Autor. Er weiß, dass um seine Aura zu vergrößern, ein großes Ereignis erforderlich ist. Suizid erscheint ihm eine passable Lösung und der 33. Geburtstag ein passender Termin. Nach reiflicher Überlegung, welche Art des Selbstmords die erstrebte Wirkung erzielen könnte, beschließt er, sich in Dubai von einem Hochhaus zu stürzen. Als er wieder zu sich kommt, ist er jedoch weder gerettet in einem Krankenhaus noch im Himmel, sondern direkt in der Literaturhölle gelandet. Dort wird jeder gemäß seiner literarischen Sünden bestraft, d.h. er wird dieselben Qualen erleben müssen, die er auch seinen Lesern zufügte. Doch immerhin ist er in bester Gesellschaft: Camus, Beckett, Saint-Exupéry, Hemingway, Poe, Conan Doyle – you name it. Pierres erste Aufgabe ist das Lösen einen Rätsels, das jedoch deutlich kniffliger gestaltet ist, als zunächst geahnt. Aber die illustre Runde der Literaturhölle kann ihm sicher hilfreich zur Seite stehen.

Beka Adamaschwili hat einen unglaublich unterhaltsamen Roman geschrieben, der Kennern der klassischen Literatur eine große Freude bereitet. Nicht nur das Auftreten unzähliger Größen der Schriftstellerwelt ist per se schon spannend, vor allem lebt das Buch durch die kleinen Anspielungen, die der Autor en passant einzufügen weiß, bspw. wenn er Camus‘ illustre Vereinigung vorstellt:

In den Club traten Schriftsteller ein, die sich im Stillen, von der Welt unbeachtet, umgebracht hatten und deren Selbstmord als natürlicher Tod eingestuft worden war. Vorsitzender war Albert Camus. Er hasste es wie die Pest, wenn sich Fremde im Club sehen ließen.

Bisweilen gibt es auch deutlich weniger subtile Anspielungen, wie etwa das Wettbüro „MacBet“, das von keinem geringeren als William Shakespeare persönlich geleitet wird.

Zur Unterhaltung gibt es in dieser Hölle einen einzigen Fernsehsender: BBC – Big Brother’s Channel, dessen erfolgreichste Show nach folgendem Schema abläuft:

Jeder konnte sich einen Schriftsteller aussuchen, den er überwachen wollte, und im Fernseher liefen dann automatisch Ausschnitte aus dessen Leben. Anders ausgedrückt war es der erste Fernsehsender überhaupt, der seinen Zuschauern selbst zuschaute und gegebenenfalls die Zuschauer wiederum anderen Zuschauern zeigte.

Pierre arbeitet sich gemeinsam mit Arthur Conan Doyle durch sein Rätsel und die Handlung, wird dabei jedoch auch immer vom Autor begleitet, der kontinuierlich nebenbei mit Einschüben kommentiert:

Hier entschuldigt sich der Autor für den Gebrauch eines so sinnlosen Phraseologismus wie »er hatte einen Geistesblitz«, rechtfertigt dies aber damit, dass Pierre das für die Fortsetzung der Geschichte benötigte Passwort partout nicht ohne Hilfe herausfinden sollte. Auch standen dem Autor nicht genug Zeilen zur Verfügung.

Dem Autor selbst unterlaufen gelegentlich jedoch auch böse Fehler:

»Woher kommt denn das Telefon?«, fragte Claude verwundert. »Ich hatte noch nie eins …«

[Hier schlägt sich der Autor an die Stirn, und ihm fällt ein, dass er vergessen hat, das vor Kurzem ausgedachte Telefon wieder wegzudenken, deshalb verlässt er, von seinem unverantwortlichen Verhalten beschämt, schnellstens das Zimmer und lässt im Herausgehen noch die Gardine herunter – für alle Fälle.]

Neben der Handlung rund im Pierre Sonnage in der Hölle findet sich jedoch noch eine weitere einer gewissen Lucy, mit der Pierre einst noch lebendig korrespondierte und die nun die beiden Realitäten langsam vermischt.

Ein Roman mit mehreren Ebenen, viel Wortwitz und cleveren Anspielungen – ein herrliches Spiel mit Literatur, um Literatur und über Literatur. Alles nicht ganz ernst zu nehmen und dadurch ein amüsantes Zwischenspiel, das einem in der Masse der Neuerscheinungen leicht durchgehen könnte.

Nathan Englander – Dinner at the Center of the Earth

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Nathan Englander – Dinner at the Center of the Earth

Berlin 2002. A young Palestinian helps out a Canadian businessman to sail on one of the lakes. The more often they meet, the more intimate they get. Paris, the same year. Prisoner Z falls in love with a waitress. A young woman who turns out to be a super-rich daughter with unlimited opportunities. Israel 2014. The General is in hospital, dying, it is just a question of time until he passes away. The same year, the same country, but in a secret prison cell. Prisoner Z sets all his hopes on the General unsuspecting of the latter’s poor state of health. Slowly, all pieces fit together to narrate a story of spying and love in one of the most conflict-laden regions of the earth.

The short description of the novel was really appealing and promising. I was expecting a suspenseful and tedious story which brings the characters to their limit and in which they oscillate between ethical values and commitment to their country and personal interests and emotions. Yet, the plot is slowly flowing without any remarkable peaks in suspense. It took me quite some time to get an idea of the characters and their connection, how they relate isn’t obvious at all.

The narrative style is quite enticing, the dialogues are vivid, also the presentation of the single characters is effective and thriving. However, due to the various places and side plots, the red thread got lost a bit. We have just fractions of the Israel history of which I really would have liked to read much more. Yet, as it is, there are a lot of narrative paths lain out which, unfortunately, nobody ever walked.

Elena Ferrante – Die Geschichte der getrennten Wege

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Elena Ferrante – Die Geschichte der getrennten Wege

Italien, 1970er Jahre. Elena Grecos Buch wird ein großer Erfolg in Italien, selbst im Rione hat man es gelesen und die Leute schwanken zwischen Bewunderung und Ablehnung ob der für ihr Empfinden expliziten Szenen. Nur Lila will der Freundin keine Anerkennung zollen. Sie ist jedoch auch zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat und in einer Wurstfabrik schuftet. Die Strömungen der Zeit machen auch vor Neapel nicht Halt und die Gewerkschaften werden zunehmend stärker. Lila liefert ihnen Futter und bringt sich damit in höchste Gefahr. Auch Elena lässt sich von der Kampfeslust anstecken und schreibt erfolgreich über die Ausbeutung und schlechte Behandlung der Arbeiter, doch schon kurz nach ihrer Hochzeit mit Pietro ändert sich ihr Leben vollends: ungewollt schwanger wird sie mehr und mehr in das Leben einer Hausfrau und Mutter gedrängt, das an ihren Nerven zerrt und sie vom Schreiben abhält. Während ihrerseits Lila nun ihre Karriere als Programmiererin vorantreibt, geht Elenas Stern langsam unter. Der Rione versinkt im Chaos von Gewalt und Korruption, keine Familie kann sich dem Supf entziehen, nur Elena bleibt fernab der Heimat Zaungast. Und plötzlich tut sich die Chance zum Ausbruch aus dem inzwischen verhassten Leben auf.

Elena Ferrantes Saga um die beiden Kindheitsfreundinnen geht mit Band drei weiter. Aus den beiden Mädchen sind erwachsene Frauen und Mütter geworden. Das Leben schenkt keiner von ihnen etwas. Beide haben unterschiedliche Kämpfe auszutragen und es scheint fast, als sei ihr Schicksal aneinandergeknüpft: geht es bei der einen bergauf, geht es mit der anderen bergab, bis das Rad der Zeit sich weiterdreht und die Verhältnisse wieder umkehrt. Immer noch besteht zwischen ihnen eine Art Hass-Liebe: sie unterstützen sich und sie bekämpfen sich. Keine kann sich von der anderen lösen, argwöhnisch beäugen sie sich gegenseitig und geradezu gehässig schlagen sie immer wieder zu und verletzten sich gegenseitig.

Es ist vor allem die Faszination der Erzählerin für ihre Freundin, die einen gewissen Reiz ausmacht und man versteht, weshalb diese nun erwachsene Frau, die immer noch so bösartig und hinterhältig sein kann, wie man sie als Kind bereits erlebt hat, sie nicht loslässt. Auch andere Figuren spüren das Unbegreifliche an Lila, „das zugleich verführte und beunruhigte, die Kraft einer Sirene.“ (S. 169). Alle verfallen ihrem Charme eher oder später und bezahlen für die Zuneigung, die sie ihr entgegenbringen. Auch Pietro ist nicht gefeit davor, versucht sich jedoch durch seine distanzierte Analyse davor zu schützen, was auch ihm nur mäßig gelingt.

In diesem Band fand ich neben der geradezu bizarren Freundschaft der beiden vor allem Elenas Loslösung von der Familie interessant. Sie heiratete in eine andere Welt, lebt fernab von Neapel und bekommt von den Alltagssorgen nichts mit. Sie eilt jedoch immer wieder nach Hause, wenn erforderlich, nur um dort auf Ablehnung zu stoßen: sie gehört nicht mehr dazu, sie versteht ihre eigene Familie nicht mehr und kann vor allem nicht nachvollziehen, wie sich die Strukturen wandeln. Hier greift die Autorin geschickt die politischen Entwicklungen und vor allem das Erstarken der Mafia auf, das immer nur am Rande thematisiert wird. So wie man vor Ort niemals darüber sprechen kann, wird dies auch im Buch nicht offen thematisiert. Elena erfährt immer nur am Telefon von den Morden und den möglichen Verdächtigen, nie ist sie präsent, die Taten bleiben an der Peripherie.

Der Schreibstil Elena Ferrantes ist unverkennbar und knüpft nahtlos an den Vorgängerband an. Die Seiten fliegen einmal mehr nur so dahin und wie gewohnt bleibt auch am Ende ein großes Fragezeichen bezüglich der Zukunft der Figuren. Man darf auf den Abschluss der Reihe gespannt sein.

Amélie Nothomb – Töte mich

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Amélie Nothomb – Töte mich

Jugendlicher Leichtsinn oder doch ein Zeichen für ihren schlimmen Zustand? Der Graf Neuville muss seine Tochter Sérieuse bei einer Wahrsagerin abholen, nachdem diese das Mädchen völlig durchgefroren nachts im Wald auffand. Zum Abschied prophezeit sie dem Vater, dass er bei einem Empfang einen seiner Gäste töten werde. Die beeindruckt Neuville zunächst nur mäßig. Geldsorgen plagen ihn und am 4. Oktober 2014 wird seine letzte große Garden Party im Château du Pluvier steigen, bei der alles perfekt sein muss. Danach wird das Schloss veräußert und die Familie sich in ein kleineres Domizil zurückziehen. Doch die Voraussagungen der Frau lassen ihm keine Ruhe. Vielleicht wäre es besser, sich auf das Ereignis vorzubereiten. So beschließt er eine Liste derjenigen Gäste zu machen, der Tod nicht nur verzeihlich, sondern sogar wünschenswert wäre. Bald hat er auch einen passenden Kandidaten ausgemacht. Doch dann überrascht ihn Sérieuse mit einem Vorschlag: er solle sie doch töten. Seit fünf Jahren bereits ist sie unglücklich und hat den Eindruck, nie mehr etwas fühlen zu können. Der Tod wäre eine Erlösung und durchaus in klassischer Tradition und somit verzeihlich. Wie kann der Graf aus dieser unsäglichen Geschichte entkommen?

Amélie Nothombs aktueller Roman ist ein herrliches Spiel mit den Klassikern der Literatur. Sie macht sich gar nicht erst die Mühe, dies groß zu verschleiern, sondern spielt ihre Persiflage en détail aus. Der verarmte Graf, geradezu ein Musterbeispiel einer Figur, die gerade zu der Commedia dell’arte entsprungen sein könnte in ihrer Schablonenhaftigkeit und Eindimensionalität der verarmten Noblesse. Er weiß um die Konventionen und was man von ihm erwartet und zelebriert die Kunst des Gastgebens in extremo, so dass diese Absurdität kaum mehr zu überbieten ist. Seine Kinder nennt er Oreste und Électre – beide schuldig gewordene Figuren der griechischen Mythologie, doch er schreckte davor zurück die Jüngste nach Iphigénie zu benennen, die durch die Hand des Vaters starb – doch wo endet er? Genau wie Agamemnon sieht er sich schon als Kindsmörder. Doch auch der Grundkonflikt ist ohne Verschleierung übernommen, die Autorin treibt ihren Spaß sogar so weit, dass sie Neuville die Geschichte Oscar Wildes um das Verbrechen von Lord Arthur Savile lesen lässt, dem von einem Wahrsager ein Mord angekündigt wurde. Ob er in Anbetracht der Hiobs-Botschaft zum Mörder zu werden wohl in der Bibel Trost und Hilfe finden kann?

Hätte sie ihren Roman in fünf Akten geschrieben, er wäre in bester Tradition sehr gut auf der Bühne aufgehoben gewesen. Doch auch zu lesen macht eine herrliche Freude nicht nur ob der zahlreichen Anspielungen und Figuren, sondern auch die gelungenen Formulierungen sind ein Genuss:

Neuville weiß um seinen Status und seine Perfektion als Gastgeber: „Ich bin der letzte Vertreter dieser altmodischen Höflichkeit und exquisiten Kunst des Zusammenseins. Nach mir wird es nur noch Events geben.“ Und Kritik an der Namensgebung seines Nesthäkchens weist er deutlich von sich und verweist darauf, dass „Ernest“ auch nichts Anderes bedeute als Sérieuse, die zwar selbst auch nicht hübsch, aber wenigstens bezaubernd sei und damit nicht wie ihre Eltern einen Namen wie „Hinz und Kunz“ trage.

Ein kurzer Spaß, der in der französischen Ausgabe mit dem Satz « Ce qui est monstrueux n’est pas nécessairement indigne. » begleitet wird. Nur weil etwas monströs ist, muss es nicht würdelos sein. Die Figuren wahren den Schein und die Contenance. Der Leser bekommt ein riesiges Bouquet, in dem er vieles wiederkennen kann oder an dessen äußerer Erscheinung er sich einfach erfreut.

Mehr Informationen zum Roman und zur Autorin finden sich auch auf der Seite des Diogenes Verlags.

Lawrence Osborne – Beautiful Animals

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Lawrence Osborne – Beautiful Animals

Summertime, best to spend on the Greek island of Hydra where the Codringtons possess a villa up on the hill. Yet, while the art collector Jimmy and his second wife Phaine are relaxed, Jimmy’s daughter Naomi seems to have fled London where she just lost her job under mysterious circumstances. First timers on the island are the American family Haldane who enjoy themselves among other compatriots. Their daughter Samantha, slightly younger than Naomi, is soon impressed by the English young woman who not only knows every corner of the island, but who is also self-confident and slightly intimidating. One day, they meet a young man, obviously one of the refugees from the Middle East. Sam would prefer to retreat and not to make contact whereas Naomi’s interest is aroused. For days, they meet him repeatedly until Naomi, out of ennui, draws up a plan of how to support the poor refugee: her family is super-rich, so getting rid of a couple of things in their house does not harm anybody. With the help of the housekeeper, the Arab is to break in and rob the Codringtons. Yet, the scheme does not work out as planned and the girls suddenly have to think of what to do with two bodies.

Lawrence Osborne’s novel starts like the perfect summer read. He depicts the atmosphere of the island in a colourful and authentic way. How the people move around, how relaxed everybody seems to be, but also the way in which the local people slightly stay away from the holidaymakers. The girls spend their days in the water, enjoying the sun – it’s almost too perfect. With the appearance of the refugee, the tone changes and we get to see another side of Naomi. This is where the novel starts to become really interesting.

It is especially this character that is fascinating to observe. She can be the loving daughter – she plays this role perfectly for her father who is aware of it, but on vacation he can ignore negative thoughts and he can still see his wife in the girl. Her stepmother Phaine is less easy to impress, but here, Naomi chooses the open confrontation. Towards the islanders, she is rather cold-shouldered and arrogant. She makes use of the people just as her needs demand it, she openly exploits the housekeeper and forces her to become an accomplice. In contrast, Sam has an innocent air, she is a bit naive and quickly impressed. Thus, she easily becomes Naomi’s victim and is blackmailed by her. Only when it is too late, Sam learns that people on the island consider Naomi possessed, even demonized. Naomi herself knows exactly what she is doing and why she treats people in the way she does:

“It was just an attraction. It was a matter of gravity. It was her influence over them that was attractive too, their reluctant malleability. She couldn’t understand why people were like that.“

She makes use of them simply because she can. When the situation gets out of hand, she keeps calm and manages everything. There is no regret, not even a tear – considering the fact that she has lost her father, she seems to be really cold-blooded here. As a gifted liar, she does not mean to much effort for her to set up a story. Just like the mythological Hydra, Naomi is some kind of poisonous serpent and no loss is a real defeat. Sam, on the contrary, will be haunted her whole life.

The story around Naomi is really enthralling and her behaviour and manipulation repellent at the same time. When the focus shifted away from her to the refugee fleeing from Hydra, it therefore became a bit uninteresting for me. Even though this part is important and definitely full of suspense, it was more centred around the action and less around the character.

It is often said that the initial sentence of a novel is most decisive. Here, however, in my opinion, it’s the opposite. Lawrence Osborne find a remarkable closing of the novel which concentrates much of the story in just three sentences:

“Life was full of such people. One didn’t know anything about them, even though they occupied a position of utmost importance in one’s life for a time. They were like shooting starts, flaring up for a brilliant moment, lighting up the sky even for a few lingering seconds, then disappearing forever.“

 

Jaroslav Kalfař – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

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Jaroslav Kalfař – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Die Welt steht kurz vor einer Katastrophe: die Chopra Wolke nähert sich und wie gefährlich sie wirklich ist, scheint kaum absehbar. Ein Flug mit einem Affen zu ihr war erfolgreich und nun muss eine bemannte Raumsonde sich dem Phänomen nähern und es untersuchen. Ausgerechnet Tschechien wird diese Mission unternehmen. Das kleine Land sieht seine Chance für internationalen Ruhm gekommen und Jakub Procházka soll Böhmen in dieser schwierigen Unternehmung vertreten. So richtig geeignet ist er mit seinem labilen Magen nicht, aber die Aussicht auf Berühmtheit ist verlockend. Nur wenige Wochen nach Anbruch der achtmonatigen Reise ins Ungewisse gerät jedoch Jakubs Welt aus der Ferne aus den Fugen: seine Frau Lenka verlässt ihn völlig unerwartet und verweigert den Kontakt. Einsam fern des Heimatplaneten beginnt Jakub zu phantasieren und philosophische Gespräche mit außerirdischen Wesen zu führen. Mit dem Eintritt in die Wolke scheint jedoch sein Schicksal besiegelt: das Raumschiff ist der Materie nicht gewachsen und Jakub wird wohl für sein Land sein Leben geben müssen.

Schon der Titel des Romans weckt ob der Kuriosität das Interesse, kopiert er einerseits die typischen Sachbuchtitel und ruft doch sofort ungläubiges Stutzen hervor: Böhmen? Raumfahrt? Was soll dieser Unfug denn? Und es ist ein herrlicher Unfug, den Jaroslav Kalfar da verfasst hat. Sein Protagonist Jakub ist ein etwas kauziger Astronaut, der mit der ebenfalls leicht verschrobenen Lenka eine passende Partnerin gefunden zu haben scheint. Auch das außerirdische Wesen, von Jakub Hanuš getauft und sein einziger Begleiter und Gesprächspartner, ist ein interessanter Charakter, der die Welt und ihre Bewohner mit einem herrlich neugierig-distanzierten Blick beobachtet und versucht diese Spezies zu verstehen.

Vor diesem kuriosen Hintergrund breitet Kalfar jedoch noch eine ganz andere Geschichte aus, die dem Buch eine ungeahnte Tiefe verleiht. Jakubs Vater war einst als Diener des einst kommunistischen Staates für Folterungen zahlreicher Mitmenschen verantwortlich. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erlebt die Familie einen Umschwung: jahrelang haben sie finanziell von der Position profitiert, doch nun werden sie verachtet und bedroht. Der kleine Jakub wird Opfer nicht nur von verbalen Beschimpfungen, sondern auch von Angriffen, die ihn schwer verletzten. Ein auf Rache sinnender Mann vertreibt die Großeltern gar aus ihrem Haus, das sie jahrzehntelang bewohnten. Dies hinterlässt Spuren und Jakub ist vermutlich repräsentativ für eine ganze Generation von Kindern, die den Umbruch erlebten und die in unterschiedlicher Weise Verantwortung tragen müssen für Dinge, die ihre Eltern getan hatten.

Die Beziehung zwischen Lenka und Jakub ist ebenfalls interessant zu beobachten. Auch wenn hier ein extremer Ausnahmefall geschildert wird, bleibt die Grundkonstellation doch ein tagtägliches Phänomen: der Mann macht Karriere und die Frau muss alle damit verbundenen Entbehrungen ungefragt ertragen. Lenka hatte keine Wahl, sie durfte noch nicht einmal eine Meinung haben und nun steht sie allein zurückgelassen auf der Erde. Ich fand ihren Einwand im Gespräch mit Dr. Kuřák, dass eine Ehe ein Vertrag darüber sei, dass man das Leben gemeinsam meistern wolle und dann nicht einfach einer abhauen kann, durchaus nachvollziehbar und richtig. Ihre Rolle als Penelope, die als treue Ehefrau die Hände in den Schoß legen und auf die Rückkehr des Mannes warten muss, lehnt sie zurecht ab und folgt so dem Vorbild moderner Frauen.

All dies wird in einem charmanten Ton erzählt. Kalfar und die Übersetzerin Barbara Heller finden Formulierungen, die einem immer wieder schmunzeln lassen. Vor allem Hanuš werden wunderbare Beobachtungen in den Mund gelegt:

„Wenn du mich fragst, stehen die soziokulturellen Rituale deiner Gesellschaft im Widerspruch zur biologischen Realität.“ oder

„Das kardiovaskuläre Organ, das deine biologischen Funktionen steuert, löst unregelmäßige Vibrationen aus – ein schlechtes Zeichen, nehme ich an.“

Ganz nebenbei wird auch noch die Geschichte des tschechischen Nationalheiligen Jan Hus erzählt, die unerwartete parallelen mit Jakub aufweisen wird und so einem breiten Publikum auch außerhalb des kleinen Nachbarlandes bekannt wird.

Ein überraschend vielschichtiger Roman, der jedoch vor allem durch den lockeren, bisweilen fast ironischen Ton zu einer unterhaltsamen Lektüre wird.

 

C.E. Morgan – The Sport of Kings

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C.E. Morgan – The Sport of Kings

The saga of a family. A family whose life is linked to the soil on which they live and to the horses they breed. John Henry Forge raises his son Henry in the tradition of the white settlers of Kentucky. The supremacy of the white race is never questioned and on the family farm, the roles are clearly ascribed. Young Henry has a dream, already when he is just a small boy, he sees their land as the perfect place for breeding horses, but his father will hear nothing of this. When he takes over the farm, his chance arises and he becomes one of the best in the business. Yet, not only in horses is it important to take care of the blood line, he also chooses his wife with care and thus can produce the perfect white child: Henrietta. Like father like daughter does she grow up learning about the white race’s authority and rule. But times are a changing in the 20th century and creating the perfect race horse and the perfect daughter might not be enough anymore.

C.E. Morgan’s novel has been nominated for most of the important prizes for literature in 2016 and 2017: It has been shortlisted for the Baileys Women’s Prize for Fiction 2017, for the Rathbones Folio Prize 2017, for the James Tait Black Fiction Prize 2016; it was finalist for the Pulitzer Prize for Fiction 2017 and won the Kirkus fiction prize 2017 and the Windham–Campbell Literature Prize 2016. It made the second place on the BBC books of the year 2016 list. Coming with so much glory, the expectations were high and the author easily matched them.

To say what the novel is actually about, is not that easy. Quite logically considering its length, there is a lot in it. First of all, the Forge family. The way the children are raised, the relationships between the generations but also between the spouses are interesting to observe in the way not only they are at a fixed moment in time – I really pitied young Henry when he wanted to share his dreams and visions with his stubborn father – but also how they develop over the time, here Henrietta plays the most important role. Even though she is a woman and as such by nature inferior to men, she can take over the male role and successfully lead the dynasty. But there is not much affection between the characters. It is especially Henrietta who realizes that she is lacking love and warmth and since she has never learnt how to express her feelings, she seriously struggles in getting involved with somebody. It is the women who struggle most with society’s expectations and their inner feelings – not only at the beginning, but also after the year 2000:

“The irony was bare and bitter and unavoidable: she was a woman, so she was a slave to life. Never before had she understood the brutal actuality of life in a body she didn’t choose. (…) Women invited death when they let men inside their bodies! Why did they do it? Love couldn’t possibly be worth it.”

Apart from the humans, the breeding of the horses plays a major role in the plot. I am not into horses at all and know almost nothing about these animals. But it is fascinating to see how close the characters get with them, how they observe details and can communicate with and understand them Also the idea of breeding the perfect race horse is quite appealing and interesting. Admittedly, would I have been asked before if I was interested in the description of a horse race, I certainly would have disagreed, but I was wrong.

Last but not least, a major topic is also slavery, resp. the formal abolition of it but the remaining prejudices in the heads – of the whites as well as the blacks. Even in the year 2006, equally has not been established. There have been improvements, but due to inheritance, a family name and the like – unfortunately not only in literature.

Apart from the plot, it is also C. E. Morgan’s masterly writing which makes reading the novel a pleasure. To tell the stories of the different family members, she finds an individual tone for them. John Henry is reserved, unkind and rather factual. Young Henry is full of childish amazement and effervescent until he becomes the head of the family. Strongest are the women, first of all Henrietta, but also her mother Judith and the housekeeper Maryleen and Allmon’s mother. She gives them a voice and especially thoughts they share with the readers which make them really come to life. She finds metaphors as well as comments by the narrator which sometimes even addresses you directly. The tone is serious at times, funny at others, sometimes sad, rarely joyful – just as life can be.

Éric Faye – Zimmer frei in Nagasaki

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Éric Faye – Zimmer frei in Nagasaki

Erst stutzt er nur. Dann wundert er sich. Dann wird er aufmerksam. Etwas ist falsch in seiner Wohnung, als wenn in seiner Abwesenheit jemand heimlich eingedrungen wäre. Es sind nur kleine Anzeichen, aber zunehmend beschleicht Shimura Kobo doch ein ungutes Gefühl. Ok, er schließt nie ab, es wäre ein leichtes bei ihm einzudringen, aber das macht doch niemand, vor allem nicht, ohne etwas zu entwenden. Er notiert seine Beobachtungen und bringt schließlich eine Überwachungskamera an, um vom Büro aus seine Küche zu observieren. Da, plötzlich, eine Gestalt. Tatsächlich. Er informiert die Polizei und staunt nicht schlecht über das, was sie ihm berichten: schon fast ein Jahr war die Frau sein heimlicher Untermieter.

Éric Fayes Roman basiert auf einer realen Geschichte, die sich 2008 in Japan zugetragen hat. Zunächst kennt man als Leser nur die Perspektive des Meteorologen Kobo, der eigenbrötlerisch und etwas seltsam ist. Mit festen Routinen gestaltet er seinen Tag und weicht nie davon ab. Man kann sich gut vorstellen, dass er sich seltsame Vorgänge nur einbildet, doch bald schon wird offenbar, dass dem nicht so ist.

Die Geschichte beginnt schon fast am Ende des Zusammenlebens und es ist gar nichts so sehr selbiges, das thematisiert wird. Interessant ist zum einen, was mit dem Protagonisten passiert, nachdem er den Eindringling entdeckt hat: er fühlt sich nicht mehr wohl zu Hause. Die Wohnung ist geradezu leer, es fehlt ihm etwas, von dem er zuvor gar nicht wusste, dass es da war. Und so entwickelt er regelrecht Gewissensbisse und macht sich Vorwürfe:

„Wenn ein Mensch in diesem Augenblick hinter Gittern war, dann wegen dieses Auges Anm. der Kamera]! Als ich verstand, dass ich meinen Fehler auf ein Ding abschieben wollte, wurde ich wütend auf mich und schimpfte laut.“

Immer mehr spitzt sich seine Situation zu, denn in dem Kokon, in dem er es sich emotional so schön eingerichtet hatte und der ihm ermöglichte, die Augen vor der Realität als einsamer Single ohne Freunde zu verschließen, sind Risse entstanden und er stellt irgendwann seine komplette Existenz in Frage:

„Nein, vergessen. Ich wollte nicht diese arme Frau vergessen, die mir nichts bedeutete, sondern meine ganze Existenz, deren Armseligkeit und Dürre sich mit einem Mal offenbarte. Da spross seit langem kein Ehrgeiz mehr, Erwartungen auch keine mehr. Verwünschen sollte ich diese Frau. Ihretwegen hatte sich der Nebel über meinem Leben verflüchtigt.”

Doch auch die Frau kommt zu Wort, im Gefängnis lässt sie den Leser daran teilhaben, wie sie in die unsägliche Situation kam, ihre Wohnung zu verlieren und schließlich bei Kobo einzuziehen. Geschickt hat sie beobachtet und ihr Leben um seins organisiert. So entsteht ein unsichtbares Band, das auch sie spürt, auch wenn es sicher keine Liebe war, die sie für ihn empfand. Doch es gab noch mehr Gründe für sie, genau diese Wohnung wieder zu besuchen und ihr Schreck ist groß, als sie wieder in Freiheit den Ort der Tat erneut aufsucht.

Ein Roman der leisen Töne, der zwei recht isolierte Figuren zusammenführt, ohne die reale Nähe als solche zu erleben. Die kurze Zeitungsmeldung wurde so mit sehr viel Leben gefüllt.

Paula Cocozza – How To Be Human

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Paula Cocozza – How to be Human

 

Five months after Mark has left her, Mary still lives in a kind of bubble disconnected from the world around her. She goes to work and returns home, but somehow she is numb and dehumanized. When one evening a fox appears in her garden, she is mesmerized. The animal returns regularly and a bond between the two lonely beings slowly forms. The more Mary feels connected with the wild animal, the more hysterical her neighbours become. They want to kill the foxes, they feel threatened in their own homes and their nerves are on edge. When suddenly Mark shows up again to rescue Mary and to save their relationship, she has to make a decision.

„How to be human“ – it seems to be contradictory to use the contact with a wild animal to illustrate what represents a human being. However, in Mary’s case, the beast helps her to overcome her numbness, to rediscover feelings she once had and the innocence and unassuming attitude of the fox make her become a human again. She feels sympathy with the animal, especially when the whole world seems to be against it. Just like baby Flora she can approach the fox without hesitation and reservation.

The humans apart from Mary do not really make a good impression in the novel. Her neighbours Michelle and Eric are quite egoistic and only think about their habitat and needs. I am not sure if Michelle actually suffers from postpartum depression as mentioned in the novel, to me, she is rather a neurotic egoist. Eric in contrast, is weak, servant and obeys his wife without questioning her decisions. Mark does not play a major role, but the fact that after half a year he realises that life with his wife was better, does not really speak in his favour.

What I liked most were the fox’s thoughts. The author got in his mind convincingly and portrayed his simple and natural character quite well. Considering all the beings, he is the human one, unobtrusive, decent and not demanding anything. Thus, he can help the lonesome and forlorn protagonist to find herself and her strengths again.