David Foenkinos – Das geheime Leben des Monsieur Pick

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David Foenkinos – Das geheime Leben des Monsieur Pick

Im kleinen bretonischen Dorf Crozon will die Literaturagentin Delphine Despero mit ihrem Ehemann, seinerseits Autor, nur ein wenig Urlaub bei den Eltern machen. In der lokalen Bibliothek stoßen sie auf eine Kuriosität, die auf den früheren Leiter, einen gewissen Jean-Pierre Gourvec, zurückgeht: er sammelte Manuskripte abgelehnter Romane. Unter jeder Menge unbrauchbarem Text stoßen sie jedoch auf einen Schatz, der die Literaturlandschaft Frankreich verändern sollte: Henri Picks Roman „Die letzten Stunden einer großen Liebe“. Schnell machen sie auch den Autor ausfindig: der lokale Pizzabäcker, bereits seit zwei Jahren tot, hatte offenbar noch eine zweite, literarische Seite, die niemand kannte. Mit dem Erfolg des Romans steigt auch das Interesse am Autor bzw. seinen Hinterbliebenen, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Doch Erfolg ruft bekanntermaßen auch böse Geister auf den Plan, die mit daran verdienen wollen bzw. denen hauptsächlich daran gelegen ist, das Glück der anderen zu zerstören.

David Foenkinos ist bekannt für seine leichtfüßig Wohlfühl-Romane, die geschickt eben nicht seicht, sondern einfach begeisternd sind. Auch mit seinem Monsieur Pick kann er diesem Ruf wieder gerecht werden. Dieses Mal steht jedoch nicht die liebe oder die Unmöglichkeit selbiger im Zentrum, sondern der Literaturbetreib als solcher. Der Roman, der offenbar unheimlich gut ist – worum es geht, erfahren wir leider nie – und nicht ohne Wirkung auf die Leser bleibt, aber auch auf alle, die mit der Entstehung oder Veröffentlichung selbigen befasst sind. Bemerkenswert entwickelt sich die Geschichte um den verkannten Pizzabäcker zum Selbstläufer und kann von niemandem mehr kontrolliert werden. Ein regelrechter Medienhype entsteht. An dieser Stelle ist Foenkinos nicht nur sehr glaubwürdig und authentisch, sondern geradezu von der Realität überholt worden. Sein Satz

„Er würde (…) eine Gesellschaft kritisieren, in der alles auf eine gut verkäufliche Idee ankam und der eigentliche Text in den Hintergrund trat.“ (S. 189)

Zwingt dem Leser den Gedanken um die italienische Autorin Elena Ferrante geradezu auf (wobei die Jagd nach der Auflösung des Pseudonyms im großen Stil nach der Veröffentlichung von Foenkinos Roman aufgenommen wurde). Man hat keine Schwierigkeiten mehr sich vorzustellen, dass das Interesse an der mysteriösen Person hinter dem Roman größer ist als der literarische Wert des Werkes selbst.

Daneben spielt natürlich wieder die Liebe in all ihren positiven wie negativen Schattierungen eine Rolle. Des Autors wiederkehrendes Thema wird auch hier nicht als die rosarot verklärte Verliebtheit geschildert, sondern als komplexe Angelegenheit, die meist nicht ohne schmerzliche Erfahrungen auskommt. Alle Figuren lieben, auf ihre Weise, mal mehr, mal weniger, aber einfach ist es nie. Und doch finden sie irgendwie wieder ein bisschen Glück.

Auch wenn der Roman krimihafte Aspekte – die Suche nach dem wahren Autor – hat, stehen für mich doch eher die Figuren mit ihren unterschiedlichen Empfindlichkeiten sowie natürlich die etwas überzeichnete Darstellung des Literaturbetriebs im Vordergrund als die Auflösung des Mysteriums (das leider im deutschen Titel nicht übernommen wurde). In einem Interview mit der französischen Magazin Express sagte Foenkinos, dass er zeigen wollte, dass ein Manuskript das Leben der Menschen verändern kann, egal ob sie auf Seite der Autorenschaft oder als Leser damit in Berührung kommen. Eine Hommage an die Literatur und die Liebe habe er beabsichtigt – das ist ihm sehr überzeugend und unterhaltsam gelungen.

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