William Boyd – Restless [Ruhelos]

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William Boyd – Restless [Ruhelos]

Ruth Gilmartin, alleinerziehende Mutter, die ihr Lebensunterhalt als Fremdsprachenlehrerin für Privatschüler in Oxford verdient, macht sich zunehmend Sorgen um ihre Mutter. Diese verhält sich seltsam und fühlt sich offenbar verfolgt. Ruth nimmt das nicht ernst, bis ihre Mutter ihr Tagebücher zum Lesen gibt, in denen sie eine unglaubliche Geschichte niedergeschrieben hat: Sally Gilmartin ist nicht immer die brave britische Hausfrau und Mutter gewesen, als geborene Eva Delectorskaya wurde sie 1939 von den Briten als Spionin engagiert und hat gleich mehrere Anschläge überlebt. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges gelang es ihr unterzutauchen und sich eine neue Identität zu verschaffen, diese, befürchtet sie, ist nun aufgeflogen und mit ihrem ehemaligen Liebhaber Lucas Romer ist noch eine Rechnung offen. Um diese zu begleichen, benötigt sie die Hilfe ihrer Tochter.

William Boyds neunter Roman gewann 2006 den renommierten Costa Book Award, der eher die populären Romane und weniger die hohe Literatur honoriert. Nichtsdestotrotz reiht er sich damit in eine beachtliche Anzahl bekannter Autoren wie Ali Smith, Hilary Mantel, Kate Atkinson, Colm Tóibin, A.L. Kennedy, Ian McEwan oder Salman Rushdie ein. Mit der Spionagegeschichte erfüllt er auch wieder genau das, was ich von ihm erwartet hatte: eine spannende Geschichte mit interessanten Figuren und einer Hintergrundstory, die durchaus einiges zum Nachdenken liefert.

Sally/Evas Spionagevergangenheit wird in Rückblenden durch die Tagebücher erzählt, die die Handlung der Gegenwart unterbrechen, diese aber unweigerlich in einem gewissen Licht erscheinen lassen. Ihre Tochter Ruth hatte eine Affäre mit einem Deutschen, aus der ihr Sohn Jochen hervorgegangen ist. Unerwartet nistet sich ein anderer Deutscher bei ihr ein, vorgeblicher Onkel des Jungen, und kurz danach sucht auch noch eine zwielichtige junge Frau Unterschlupf. Im Oxford des Jahres 1976 sind die Ereignisse der RAF in Deutschland durchaus bekannt und je tiefer sich Ruth in die schmutzigen Angelegenheiten der Agenten vertieft, desto naheliegender ist es auch, dass ihre beiden ungebetenen Gäste nicht ohne Grund nach England geflüchtet sind. Das Auftauchen der Polizei und deren vage Fragen schüren nur noch ihren Verdacht.

Das Spiel mit Identitäten und Wahrheiten gelingt Boyd meisterhaft. Die Spannung – die gleich in beiden Handlungssträngen vorhanden ist – dosiert er wohlüberlegt bis zum Höhepunkt und der unausweichlichen Konfrontation. Dem großen Erzähler von Spionageromanen John Le Carré steht er meines Erachtens in nichts nach. Auch wenn der Plot durchaus gewisse Ähnlichkeiten zu anderen Romanen wie Jennie Rooneys „Red Joan“ [dt. Geheimnis eines Lebens] oder Kate Atkinsons „Transcription“ [dt. Deckname Flamingo] aufweist – wobei Boyd seinen bereits 2006 verfasste und damit vor den anderen genannten lag – kann mich das Setting immer wieder faszinieren, vor allem wissend, dass es zahlreiche dieser Geschichten real gab und gibt und viele Spione des Zweiten Weltkrieges später ein  unbehelligtes Leben mitten unter uns führten.

William Boyd – The Dreams of Bethany Mellmoth

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William Boyd – The Dreams of Bethany Mellmoth

William Boyd’s collection of stories “The Dreams of Bethany Mellmoth“ is not easy to review. As it often with such an assembly of very various texts, differing in length and topic, not connected in any way, you cannot pay them all the due respect in a review. The opening is great, I absolutely liked the the story about the art dealer and womanizer Ludo who immediately after having married one is looking for the next wife. The story about the thief did not really appeal to me, it was a mere enumeration without a real story, whereas the story of the freeing of the monkey had some deeper message. The longest and title providing story was the one about Bethany Mellmoth. Actually, I think it would have also made a good novel if extended a bit. Bethany is an interesting character and I think her make-up could have provided more to fill the pages of a whole book. In the last story, we even get a kind of short thriller which I also liked a lot. You sense that there is something odd about the woman and job for Dunbar, but it is hard to say what is wrong about it. William Boyd knows how to tell a story and he definitely is best in longer narrations such as the one about Bethany’s dreams.

One reoccurring topic in several stories is love, or rather: unfulfilled love. The characters are looking for the one person with whom they can spend the rest of their life, but they only encounter the ones who do not really match or who have mischievous plans. Or they themselves are actually unable to love and to be faithful. Loneliness can be found in many of them which gives the whole collection a kind of underlying melancholy.

All in all, there is something in every single story and a lot of wit in Boyd’s writing make reading the stories a great pleasure. In the narration of Bethany’s dreams he somehow sums at a point what life and the core of his stories are about, what he not only tries but masterly manages to portray:

Bethany is suspicious – this is not normal: everything seems to be going well and this is not how the world works – no. Life is a dysfunctioning system, she knows: failure, breakdown, disappointment, frustration – where are you hiding?