Leon de Winter – Malibu

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Leon de Winter – Malibu

Am Morgen gratuliert Joop Koopman seiner Tochter Mirjam noch zum 17. Geburtstag und die Welt ist in Ordnung. Nur wenige Stunden später sieht er sich einem Angebot des Mossad ausgesetzt und seine Tochter ist nicht mehr am Leben. Während Koopman noch versucht, den tödlichen Unfall zu verstehen – wobei God, der sich mitschuldig daran fühlt ihm zunächst auf die Pelle rückt, dann aber unterstützt – muss er gleichzeitig eine wichtige Mission erfüllen und einen vermeintlichen Terroristen aushorchen. Ganz nebenbei taucht auch eine alte Bekannte wieder auf, die sich der Spiritualität verschrieben und angeblich wichtige Hinweise zu Koopmans Vergangenheit aufgetan hat. Das einst geordnete Leben des niederländischen Drehbuchaustors gerät vollends aus den Fugen.

De Winter ist für mich ohne Frage einer der besten Gegenwartsautoren, der Spannung und anspruchsvolle, komplexe Handlung geschickt zu verknüpfen weiß. Auch „Malibu“ ist so angelegt, aber dennoch beschlich mich bisweilen der Verdacht, dass er hier etwas zu viel gewollt hat: die jüdische Weltverschwörung, der Lone Wolf Terrorist, der von den Saudis finanziert wird, der mysteriöse Tod der Tochter zu genau diesem Zeitpunkt, die vermeintliche Seelenwanderung eines Schweizer Bankiers und dann auch noch ein Fitness Trainer namens „God“ – ja, irgendwie findet alles seinen Platz und wird miteinander verknüpft, aber etwas weniger hätte auch gereicht. Die subtilen Anspielungen – Koopman, der Kaufmann, der sich in Venice Beach den Künstlernamen „Merchant“ gegeben hat und als Jude Gegenspieler zu God und dem muslimischen Terroristen wird, man kann drüber schmunzeln und dass das berühmt Pfund Fleisch dann auch noch auftaucht… nun ja: unterhaltsam, durchaus durchdacht, aber doch a bit too much.

Melissa Broder – Fische

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Melissa Broder – Fische

Lucy ist fast vierzig und irgendwie herrscht in ihrem Leben Stillstand: seit Jahren arbeitet sie an ihrer Arbeit über Sappho, aber hat den Faden verloren und kommt schon länger nicht mehr voran. Dasselbe gilt für ihre Beziehung mit Jamie, der sich nicht zwischen Zusammenziehen und Familiengründung und mehr Freiheit für sich selbst entscheiden kann. Als ihre Uni Lucy droht, sie rauszuwerfen, und Jamie eine Entscheidung ablehnt, kommt es zu einem dramatischen Beziehungsende und Lucy flüchtet in das Haus ihrer Schwester Annika in Venice Beach. Da diese für mehrere Wochen unterwegs sein wird, bietet Lucy an, sich um ihren Hund und das Haus zu kümmern. Mithilfe einer Liebe/Sex-Therapiegruppe und Tinder beschließt Lucy ihre Probleme zu lösen und herauszufinden, was sie eigentlich wirklich im Leben will. Als sie eines Abends einen attraktiven Schwimmer am Strand trifft, könnte dies genau das Signal sein, auf das sie gewartet hat.

Melissa Broders Roman klingt recht vielversprechend und die Protagonistin machte zunächst auch auf mich den Eindruck, recht sympathisch zu sein und sich leicht mit ihr identifizieren zu können: sie steht an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben, stellt Job und Beziehung in Frage, dazu ist sie als intellektuelle weibliche Figur ein eher seltener Charakter, die einen interessanten Zugang zu der Thematik verspricht. Auch ihre etwas schräge Therapiegruppe verheißt beste Unterhaltung.

Leider war ich von dem Ergebnis nicht ganz so angetan, weil leider das Potenzial für meinen Geschmack nicht wirklich ausgeschöpft wurde und der Roman doch sehr zur seichten Frauenunterhaltung abdriftet. Es war vor allem die Protagonistin, die trotz oder gerade wegen ihrer guten Anlage die Erwartungen nicht erfüllen konnte, da sie sich recht schnell von der intellektuellen Literatin zur oberflächlichen Frau wandelt, deren Ziele im Leben sich auf Kleiderkaufen (noch dazu zu horrenden Preisen), Make-Up und Männern gefallen beschränkt. Sie wirkt einfältig und naiv, was in keiner Weise zu der Figur passt, die zu Beginn des Romans gezeichnet wird. Auch die ausufernden Detailbeschreibungen ihrer Sexpraktiken konnte mich nur mäßig begeistern.

Nach etwa der Hälfte des Romans, die durchaus eine unterhaltsame und komische Zwischenfälle und Dialoge zu bieten hat, die mich begeistern konnten, trifft Lucy auf den mysteriösen Schwimmer, der das Wasser nicht verlassen möchte. Zuerst dachte ich, dass ich etwas falsch verstanden haben müsste. Dann wartete ich auf den Moment, dass Lucy aufwacht und feststellt, dass sie dies alles nur geträumt hat. Doch der kam nicht, die Autorin hat sich tatsächlich eine ausgesprochen bizarre Idee einfallen lassen, die mir jedoch etwas zu phantastisch war, um damit etwas anfangen zu können.

Der Roman polarisiert, es ist leicht nachvollziehbar, dass er Leser von typischer Frauenliteratur gut ansprechen dürfte und ebenso solche, die Phantastik oder magischen Realismus gerne lesen. Mir hätte eine in sich stimmigere Figurenzeichnung und etwas mehr Wirklichkeitsnähe besser gefallen.