Stuart Nadler – Die Unzertrennlichen

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Stuart Nadler – Die Unzertrennlichen

Eine Familie, drei Frauen, dreimal Probleme mit Männern: Henrietta Olyphant, die Großmutter, einst erfolgreiche Feminismus-Dozentin und Autorin, hat vor knapp einem Jahr ihren Mann verloren und muss nun das Haus verlassen, in dem sie über 40 Jahre gelebt haben und wo ihre Tochter zur Welt kam. Die Trauer überwiegt alles bis sie plötzlich mit Dingen konfrontiert wird, die das Bild von ihrem Mann gehörig ins Wanken bringen. Oona ist gerade wieder bei ihrer Mutter eingezogen, da sie sich von ihrem Mann Spencer trennen will. Als erfolgreiche Chirurgin kann sie nicht länger mit ansehen, wie er dauerbekifft seine Tage in Unproduktivität verbringt. Als der Paartherapeut ihr Avancen macht, scheint ein Neuanfang möglich. Die Jüngste im Bunde, Lydia, ist ebenfalls auf dem Weg nach Hause, weg aus ihren Luxusinternat, wo gerade ein Nacktbild von ihr die Runde macht, das ihr vermeintlicher Freund von ihrem Handy geklaut und verbreitet hat. So finden sie sich zusammen, jede mit ihren ganz eigenen Problemen und der Erkenntnis, dass sie einander mehr brauchen als sie dachten.

Was womöglich nach einem sehr seichten Frauenbuch klingt, ist tatsächlich ein wahrer erzählerischer Schatz, den man ob des unsäglich aussagelosen Covers leicht übersehen könnte – was vermutlich auch der Fall ist, denn mir ist der Roman bislang selten begegnet. Dabei hat der Roman wirklich viele Leser verdient, ist er doch die perfekte Symbiose aus ernsthafter Thematik, die in ihrer Komplexität auch überzeugend herausgestellt wird, und einem leichten, oftmals geradezu komischen Erzählton.

Die drei Frauenfiguren sind miteinander verwandt, damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Sie zeichnen sich jeweils als recht typische Vertreterinnen ihrer Generation aus ohne dabei stereotyp zu werden. Henrietta erscheint zunächst als klassische Großmutter, die ihren Beruf und Karriereträume für den Mann und die Familie geopfert hatte, weil es die Gesellschaft so von ihr erwartete. So einfach ist der Fall jedoch nicht. Es ist ihr gar nicht so schwergefallen, New York und die Universität zu verlassen und ein ganz anderes Leben zu leben als sie geplant hatte. Die Tatsache, dass sie als junge Frau ein Buch über den weiblichen Körper mit expliziten Zeichnungen veröffentlichte, das immer noch nachgefragt wird, lässt sie in einem interessanten Licht erscheinen. Heute ist ihr das Buch peinlich, vor allem gegenüber ihrer Tochter und Enkelin.

Letztere wiederum amüsiert sich geradezu über die großmütterliche Scham, hat sie im Internet schon weitaus Eindeutigeres gesehen. Das mindert aber in keiner Weise die Scham, die sie selbst empfindet ob der von ihr verbreiteten Fotos. Auch sie steckt in einem Zwiespalt, denn eigentlich mag sie Charlie, auch jetzt noch, obwohl er sie hintergangen hat. Auch hier wieder der Fall eines Mädchens, das in eine für ihre Generation recht typische Situation gerät und doch keine 08/15-Lösung sich anbietet. Zu komplex sind ihre Gefühle und die familiäre Lage mit den sich trennenden Eltern. Sie findet Unterstützung und Rat – aber sind der kiffende Vater und die gerade fremdgehende Mutter die besten Ansprechpartner in Beziehungsfragen?

Oona letztlich als Frau im mittleren Alter vereinigt ebenfalls die Komplexität von Beziehung, Familienbande und Beruf in einer Figur. Weder hasst sie ihren Noch-Mann, noch kann sie mit ihm so weiterleben. Sie will sowohl ihrer Mutter wie auch ihrer Tochter beistehen und das, wo sie selbst gerade im emotionalen Chaos steckt. Da hilft nur die sachlich-nüchterne Seite der Ärztin rauskehren, aber wenn man gerade eine Umarmung braucht, ist das auch nicht so hilfreich.

Das Buch lebt von seinen Figuren und ihren Dialogen. Sie sind Familie, da wird der Ton auch mal harsch und man mutet dem anderen mehr zu als man dies bei Fremden tun würde. Und doch: sie sind für einander da und wissen, was sie gerade brauchen. Und dabei verlieren sie auch Humor und Sarkasmus nicht. Ein in jeder Hinsicht gelungener Roman.