Tony Parsons – #taken

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Tony Parsons – #taken

When Jessica Lyle is abducted in front of her apartment, the kidnappers obviously made a big mistake. It was not the lovely mother of a baby-boy, but her flatmate Snezia Jones who was the target since she is the mistress of London’s drug dealer number one: Harry Flowers. This is personal, the woman has been taken to get to the underworld boss who is so distressed that he comes personally to DC Max Wolfe to offer his assistance. It does not help the police that Jessica’s parents immediately go public with the case, they want their daughter back and they give their mission a hashtag to spread the word: #taken. Yet, this media hype only leads to more people who have waited a long time for their chance to take revenge on Harry Flowers. Jessica remains missing and obviously, the time is running out.

I absolutely love Tony Parson’s series about DC Max Wolfe, the sixth instalment actually was one of the best so far. The author has created a plot that can really surprise due to the astonishing twists and turns.

This time, Max Wolfe’s team really has a hard job to do since they need the cooperation of the drug dealer Harry Flowers and have to rely on his information – which not only is all but reliable but also brings Max and also his daughter Scout in the highest danger. The threat comes from a very unexpected side but it was absolutely credible from a human point of view. Apart from the missing person’s case, Max has to struggle again with his ex-wife Anne and the question of how to educate Scout. Surprisingly, the loss of Max’s lover Edie Wren which happened at the end of the last book in the series did not really play a big role even though I expected this to have a large impact on him.

Again, a masterly crafted plot around a set of very unique characters makes a great read.

Tony Parsons – Die Essenz des Bösen

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Tony Parsons – Die Essenz des Bösen

Detective Max Wolfe ist nur kurz im Einkaufszentrum Lake Meadows als die Hölle über ihn hereinbricht: ein Hubschrauber, von einer Drohne abgeschossen, stürzt in das Gebäude und löst ein Inferno aus. Es dauert nicht lange, bis die beiden Khan Brüder als Täter identifiziert sind, doch bei der Festnahme kommt es zum Schusswechsel und eine Polizistin stirbt durch die Waffe des Islamisten. Die Bevölkerung ist außer sich und schwankt zwischen Trauer um die junge Polizistin und Mutter von zwei Kindern und Hass auf die Khan Familie. Die Eltern der Attentäter und eine Nichte wollen trotz ausdrücklicher Warnung nicht unter Polizeischutz bleiben, sondern in ihr altes Haus, in ihr altes Leben zurück und so passiert, was passieren muss: ein weiteres Leben wird ausgelöscht. Nur dieses Mal findet die Polizei den Täter nicht so schnell.

Auch im fünften Teil seiner Reihe um den Londoner Detective greift Tony Parsons aktuelle Themen auf und baut um diese eine überzeugende und vor allem spannende Geschichte. Pünktlich zum Erscheinungstermin könnte die Story auch kaum aktueller sein, ist doch mit London Gatwick einer der wichtigsten europäischen Flughäfen wegen wiederholter Störungen durch Drohnen für mehrere Tage lahmgelegt worden. Und an der unmittelbaren Gefahr, die von fanatischen Islamisten auch in Europa ausgeht, zweifelt inzwischen ohnehin niemand mehr.

Neben der Aktualität hat mich vor allem die Differenziertheit, mit der Parsons die Problematik darstellt, überzeugt. Einerseits jagt die Polizei Terroristen, aber nicht alle Familienmitglieder sind Täter und dürfen nicht als solche behandelt werden. Der Vater, der auf sein Recht auf sein altes Leben pocht, weil er alles für seine Integration getan hat, tut einem Leid. Neben den Opfern, die durch die Attentate zu beklagen sind, ist er der Hauptleidtragende, denn so sehr er sich auch bemüht, die englische Gesellschaft wird ihn nie aufnehmen und seine Söhne versetzen diesem Wunsch den letzten Dolchstoß. Die Polizei muss ihn vor den eigenen Leuten schützen – wahrlich kein leichtes Unterfangen, weder praktisch noch moralisch.

Auch Layla, die 16-jährige Nichte ist gefangen zwischen den Erwartungen und kann letztlich keine erfüllen. Niemand hilft ihr, nimmt sie an die Hand, um ihren Weg zu finden und so bleibt ihr nur die Verzweiflungstat als letzter Ausweg.

Auch Max Wolfe steckt in einem Dilemma: seine Ex will nach Jahren plötzlich die gemeinsame Tochter zurück. Er will sie nicht aufgeben, will aber auch ihr Bestes und ihr vor allem nichts vorenthalten. Gleichzeitig liebt er seinen Beruf – doch als alleinerziehender Vater Verbrecher jagen ist zeitlich nicht immer koordinierbar und geht unweigerlich zu Lasten des Mädchens. Was also tun?

Auch wenn Max Wolfe so einiges einstecken kann, er ist nicht der Superheld, der im Alleingang alle Gegner besiegt. Gerade sein kompliziertes Privatleben hindert ihn an dieser Rolle. Das macht aber die Reihe aus und liefert immer das kleine bisschen mehr, das Tony Parsons‘ Romane auszeichnet.

Tony Parsons – In eisiger Nacht

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Tony Parsons – In eisiger Nacht

Als die Polizei zu einem verlassenen LKW im Londoner Chinatown gerufen wird, können sie nur noch den Tot von elf jungen Frauen feststellen. Eine einzige hat die Fahrt in dem Kühltransporter überlebt, aber die Chancen für Hana sind ebenfalls schlecht und nur wenige Stunden später erliegt auch sie den Erfrierungen. Detective Max Wolfe muss ermitteln und kommt schnell einer Bande von Menschenschmugglern auf die Spur. Offenbar wurden die Frauen illegal ins Land gebracht, um in Bordellen zu arbeiten und die Wünsche der Freier zu erfüllen. Die Handlanger sind schnell ausgemacht, aber an die Hintermänner zu kommen wird ein gefährliches Unterfangen, das den Ermittlern alles abverlangt.

Band 4 um den alleinerziehenden Londoner Ermittler kann nahtlos an die Vorgänger anknüpfen und überzeugt einmal mehr mit einem starken Protagonisten, der erfreulicherweise so gar nicht die gängigen Klischees bedient, und einer ebenso komplexen wie sauber gelösten Geschichte.

Tony Parsons greift ein aktuelles Thema auf: der Wunsch vieler junger Menschen, insbesondere junger Frauen, in Westeuropa ein besseres Leben zu finden. Unter falschen Versprechungen vertrauen sie sich skrupellosen Schmugglern an, denen das einzelne Menschenleben egal ist, da nur das Geld zählt, das sie mit der Ware machen können. Dass der Traum von ehrlicher und guter Arbeit sich selten erfüllt und oftmals zum Alptraum in Prostitution und ähnlichem wird, ist hinlänglich bekannt. Wie verzweifelt die illegalen Einwanderer sind, dass sie ihr Leben riskieren und wie prekär ihre Lage ist, sofern sie die Reise überhaupt überstehen, wird an vielen Stellen des Krimis deutlich. Dass sie aber nur kleine Rädchen in einem großen Gebilde sind, kann man sich denken und so kommt es auch hier, dass der Anlass der Ermittlungen in immer neue Richtungen führt und so manch unerwartete Überraschung zu bieten hat.

Für mich war einmal mehr die Figur von Max Wolfe am stärksten. Schon die Anlage als alleinerziehender Vater, der permanent zwischen Tochter und Beruf zerrissen ist und sich Vorwürfe macht, das Kind zu vernachlässigen – ein sehr modernes Bild, das man in Krimis selten findet. Seine Sensibilität gegenüber den Kollegen ist ebenfalls bemerkenswert, vor allem, weil sie authentisch und nicht kitschig wirkt. Ein insgesamt stimmiger und runder Krimi, der mit soliden Figuren und guter Story punkten kann und auf effekthascheriger Cliffhanger und übertriebene Spannungsmomente verzichtet.

Tony Parsons – Wer Furcht sät

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Tony Parsons – Wer Furcht sät

Wenn das Gesetzt die Falschen schützt und Unschuldige letztlich die Opfer sind; wenn die Polizei nur da ist, um Täter zu schützen und keine Gerechtigkeit mehr erwartet wird; dann braucht es eine Bürgerwehr. Aufrechte Londoner nehmen in die Hand, was die Justiz nicht vermag: sie führen Kinderschänder und Mörder ihrer gerechten Strafe zu. Die Internetöffentlichkeit kann teilhaben, wenn sie die Straftäter ganz wie in alten Zeiten hängen. Mit Albert Pierrepoint Masken verschleiern sie ihre Identität, vom Volk werden sie schnell als Helden gefeiert und Detective Max Wolfe muss nicht nur gegen eine Gruppe von selbsternannten Rettern ermitteln, sondern gegen eine ganze Nation, die die moralische Überlegenheit auf ihrer Seite sieht. Der Club der Henker scheint nicht zu stoppen.

Ein rasanter Fall für den Londoner Ermittler. Das Thema ist gut gewählt, denn hier geht es nicht nur um einen Mordfall, sondern der Leser muss sich selbst fragen, wie er eigentlich dazu steht, wenn Gerichtsurteile keine wirklich gefühlte Gerechtigkeit mit sich bringen, wenn Strafen eher gering ausfallen oder es gar zu Freisprüchen oder Bewährungsstrafen kommt. Man kann sich dieser moralischen Zwickmühle nicht entziehen in diesem Roman und muss sich positionieren – gegebenenfalls gegen den sympathischen Protagonisten. Ein Krimi, der einem nicht nur weiterlesen lässt, weil es spannend ist und man wissen möchte, wer der Täter ist, sondern der einem mit der Grundfrage an den Text kettet, sofern man sich nur ein klein wenig darauf einlässt.

Der Fall an sich bietet viele Spuren, unzählige Motive und doch lange Zeit keine klaren Schuldigen und er wird spannend aufgebaut und überzeugend gelöst. Interessant fand ich insbesondere die Polizeiarbeit, die mit ungewöhnlicher Unterstützung in Form eines Historikers und einer erblindeten Stimmanalystin arbeitet, das sind sicher keine ganz alltäglichen Ermittlungen, die den Roman aus der Masse hervorheben. Der Schreibstil gefällt mir, das Buch lässt sich auch in der Übersetzung einfach gut lesen.