Sara Larsson – Die erste Lüge

sara-larsson-die-erste-lüge
Sara Larsson – Die erste Lüge

Fünf Jugendliche, ausgelassene Stimmung mit viel Alkohol und Ecstasy. Am nächsten Morgen die Ernüchterung: als Josefin wach wird und sich blutverschmiert mit zerrissenen Klamotten und unsäglichen Schmerzen im Bett wiederfindet, kommt auch die Erinnerung an das, was geschehen war zurück. Trotz der eigentlich klaren Sachlage werden Jonas, Oskar und Rikard freigesprochen, das Opfer muss neben den Schmerzen auch noch den Spott ertragen. Fast zwanzig Jahre sind vergangen und aus den Jungs sind inzwischen Männer mit beachtlichen Karrieren geworden; an die Geschehnisse ihrer Jugend verschwenden sie keine Gedanken mehr. Doch dann holt sie die Vergangenheit ein und sie müssen sich nicht nur den Tatsachen stellen, die sie damals die Wahrheit zu ihren Gunsten verdrehen konnten, sondern ihr ganzes Leben steht auf dem Spiel, wenn herauskommt, dass sie rücksichtslose Vergewaltiger sind.

Sara Larsson greift eines der beschämendsten Themen überhaupt auf: ein junges Mädchen wird misshandelt mit dokumentierten Spuren der Gewalt, aber statt ihr zu Recht zu verhelfen, erlebt sie bei den Ermittlungsbehörden eine Vorverurteilung und steht am Ende als Schuldige da, die es selbst zu verantworten hat, in diese Situation gekommen zu sein. Auch die anderen Frauenfiguren erleben Situationen, die zwar nicht dieses drastische Ausmaß annehmen, aber in denen sie ebenso letztlich männliche Gewalt erdulden und sogar (vor sich) rechtfertigen. Inzwischen hat Schweden die strengsten Gesetze was Gewalt gegen Frauen angeht, aber es sind immer noch die Menschen, die sie ausgestalten und was nicht zur Anzeige gebracht wird oder von der Polizei schon bei der Beweisaufnahme schlampig bearbeitet wird, findet auch damit keine Gerechtigkeit.

Es ist recht schnell sehr offenkundig, woher die anonyme Bedrohung kommt, lediglich Details im Wie sind noch aufzudecken. Es ist daher nicht die spannende Frage nach dem Täter oder dem, was geschehen war, das fesselt. Mich konnten vor allem die Figuren mit ihren Emotionen überzeugen. Langsam wird die arrogante Überheblichkeit Oskars demontiert. Stück für Stück verliert sein strahlendes öffentliches Bild an Glanz und er muss erkennen, dass man mit Geld nicht alles kaufen und Gewalt nicht jedes Problem lösen kann. Er fasziniert, weil er ein abgrundtief verabscheuenswerter Charakter ist, für den Frauen nur ein Mittel zu Befriedigung sind und der über keinerlei Empathie zu verfügen scheint. Gerade aber, weil er ansonsten doch ziemlich durchschnittlich wirkt, erschrickt er einem so sehr, denn das Böse kann offenbar unbehelligt mitten unter uns leben. Jonas und Rikard sind typische Mitläufer ohne Rückgrat und moralischem Gewissen, erst als sich die Schlinge auch um ihren Hals zuzieht, versuchen sie halbherzig was zu retten, aber mehr um ihrer selbst Willen und sicher nicht der Opfer wegen.

Ein drastisches, aber, wenn man sich mit der Materie befasst, durchaus realistisches Bild der westlichen Gesellschaft. Das Ganze in eine unterhaltsame fiktive Geschichte eingebettet, die zwar recht leicht durchschaubar, aber dennoch insgesamt überzeugend und spannungsgeladen ist.

Claire Douglas – Still Alive

claire-douglas-still-alive
Claire Douglas – Still Alive

Nach einer Fehlgeburt und einem Brand in ihrer Schule ist Libby ziemlich ausgelaugt. Auch ihrem Mann Jamie geht es seit dem Schritt in die Selbstständigkeit nicht viel anders. Da kommt das Flugblatt mit dem Angebot eines Haustauschs gerade recht. Ein paar Tage in Cornwall an der See werden ihnen guttun. Als sie das Haus sehen, fehlen ihnen die Worte: es ist eine regelrechte Villa mit direktem Zugang zum Meer. Doch bald schon häufen sich unerklärliche Vorfälle und Libby wird das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden. Nach einer Lebensmittelvergiftung entscheiden sie sich vorzeitig zurück nach Bath zu kehren, doch auch dort tragen sich immer mehr komische Dinge zu und zunehmend verlieren Jamie und Libby das Vertrauen zueinander. Als man eine Leiche in ihrem Garten findet, sieht Libby ein, dass sie nicht mehr länger schweigen kann: sie muss ihrem Mann von ihrer Vergangenheit erzählen, denn dort liegt offenbar der Schlüssel zu den aktuellen Ereignissen.

Inzwischen mein vierter Roman von Claire Douglas, der weitgehend auch die Erwartungen erfüllen konnte. Einmal mehr gelingt es der Autorin, die Angst der Figuren auf den Leser zu übertragen und das Unwohlsein und drängende Gefühl, von jemandem beobachtet zu werden, setzt sich aus dem Buch heraus fort. Eine Geschichte, die einem direkt packt, sodass man den Roman am liebsten in einem Zug durchlesen möchte.

Die Handlung ist in drei Abschnitte gegliedert: Gegenwart, Libbys Vergangenheit in Thailand und zurück zu den eigentlichen Geschehnissen. Der erste Teil ist hierbei mit Abstand am besten gelungen, das außergewöhnliche Haus und mit den verdächtigen Menschen und unerklärlichen Begebenheiten ist Claire Douglas hervorragend gelungen. Als Leser weiß man die Situation überhaupt nicht einzuschätzen und fühlt das Unbehagen der Figuren unmittelbar mit. Deutlich schwächer fand ich den mittleren Teil, was vermutlich auch daran lag, dass er mich sehr stark an Fiona Bartons Roman „The Suspect“ erinnerte, wo ebenfalls zwei befreundete junge Engländerinnen und ein Hostelbrand in Thailand eine wesentliche Rolle spielen. Im abschließenden Teil klären sich schließlich alle offenen Fragen, allzu viel Überraschendes kommt hierbei leider nicht rum; zwar baut die Autorin noch zwei recht gute Wendungen ein, aber Spannung oder gar Thrill kommen hier nicht mehr auf.

Insgesamt ein stimmiger Plot, der keine Fragen offen lässt und clever angelegt ist. Nach Hochspannung lässt der Roman aber der Mitte aber etwas nach und arbeitet im Wesentlichen die Geschichte ab.

Fiona Barton – The Suspect

fiona-barton-the-suspect
Fiona Barton – The Suspect

It was supposed to be the best time of their life: Alex and Rosie fly to Thailand after their A-levels to travel and party. But then, things go completely wrong and now the two girls are dead. What happened in the burnt-down-guesthouse? And where is that English boy who might have seen them last and is obviously closely linked to the fire? The parents fly to Bangkok and reporter Kate Waters comes with them to cover the story. But what they find out isn’t what they had expected: Kate’s son Jake is the wanted English boy who is now on the run and prime suspect in the murder of Alex and Rosie.

Again, Fiona Barton could well entertain me with a plot with many twists and turns and a story full of suspense. The narrative does not follow chronology and is told from alternating perspectives which I found great since it provides a lot more depth for the characters on the one hand and keeps suspense high on the other. In the end, the case is solved without leaving any questions open.

What I liked most were actually the very different characters who seemed all quite authentic to me: first of all the two young women who could hardly be more different. Quiet Alex who wants to see the country and learn about the culture and Rosie just expecting to have a good time partying. That this combination wouldn’t work out too long is pretty obvious. The girls behave like typical teenagers do on their first trip alone far away from the parents, they are careless and easily fall prey to all kind of wrong-doers. Also their mothers are portrayed in convincing ways, especially Jenny who is very bitter after her husband left her alone with the daughter.

Most interesting of course is Kate whose role changes massively throughout the story: from the nosy reporter she herself becomes the target of the press and has to endure what is written about her boy without being able of doing anything against it.

Altogether, a perfectly pitched thriller that keeps you reading on and on and on to find out the truth about what happened in Thailand.