Akil Kumarasamy – Half Gods

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Akil Kumarasamy – Half Gods

What is decisive for your character: your upbringing? your parents? the place you grow up? your friends? your skin colour? Your ancestors? And can you ever overcome the lives that your fathers and grand-fathers lived, the experiences they have had? Akil Kumarasamy’ debut “Half Gods” is a collection of ten stories some of which are linked since we encounter the same characters at a different stage of their life, one time as the protagonist, next time as a minor character. What links them, too, is the characters pondering about who they are, where they belong, where they go to and who the people are they call family.

I really liked some of the stories, others were a bit more difficult for me. The situation of immigrants who want to fit in, make an effort, try to assimilate but never really get the same status as the natives, that’s something I found a lot more interesting than those war scenes in Sri Lanka. It is especially the grandfather, remembering his life in Asia and who had never really arrived in the USA that I could identify with and that I felt pity for.

Even though the short stories are wonderfully written, with many beautiful metaphors and many phrases that are perfectly to the point, they only party worked for me. I appreciated that some are connected and that characters reoccur, even if this wasn’t in chronological order, but then there are also stories that stand completely alone which make it all a bit strange for me. Also the fact that there wasn’t a clear red thread recognizable was something I did not especially appreciate.

Emmanuel Carrère – D’Autres Vies Que La Mienne

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Emmanuel Carrère – D’autres vies que la mienne

Es sind zwei einschneidende Erlebnisse, die den Autor Emmanuel Carrère dazu bringen, den Roman „D’autres vies que la mienne“ zu verfassen: erst erlebt er bei dem verheerenden Tsunami 2004, wie ein befreundetes Ehepaar seine Tochter verliert, dann stirbt seine Schwägerin an Krebs und hinterlässt drei kleine Töchter. Irgendwer fordert ihn auf, er sei doch Autor, weshalb schreibt er nicht die Tragödien auf, die sich vor seinen Augen abspielen? Er wird Jahre brauchen für die Aufzeichnungen, emotional ist dies sowohl für ihn wie auch für seine Gesprächspartner kein leichtes Unterfangen. Das Buch erzählt wahre Geschichten, daher auch passend der deutsche Titel: „Alles ist wahr“.

Emmanuel Carrère beginnt seinen Bericht denn mit dem tatsächlichen chronologisch passenden Ausgangspunkt in Sri Lanka 2004. Die Erlebnisse der Überlebenden gehen einem nahe. Ohne dass der Autor selbst direkt von der Welle betroffen gewesen wäre und einen geliebten Menschen verloren hätte, wird das Leid und die Trauer derer, die nicht so viel Glück hatten, doch förmlich greifbar. Man ahnt noch nicht, dass dies noch einer der leichteren Berichte im Buch sein wird.

Die Geschichte seiner Schwägerin Juliette und ihres Kollegen Étienne sind vielschichtiger und noch greifbarer. Hat der Tsunami weltweit einen Schrecken eingejagt, sind dies nun die Geschichten des Alltags, die sich um uns herum abspielen. Juliette und Étienne sind schon als junge Menschen vom Krebs getroffen und tragen offenkundige Zeichen der Krankheit mit sich. Das bringt sie einander näher, denn sie teilen ein Schicksal und können miteinander mit einer Offenheit sprechen, die sie zu keinem anderen Menschen finden. Dies gibt ihnen aber auch die Stärke, ihren Beruf als Richter in einer ganz bestimmten Weise zu verstehen und das Leben, das ihnen wieder geschenkt wurde, nützlich zu verbringen: sie kämpfen für diejenigen, die alleine für ihre Rechte nicht einstehen können.

Als sich abzeichnet, dass Juliette nicht mehr lange wird leben können, beginnt der am schwersten zu ertragende Teil des Buches. Ihr Mann Patrice berichtet von ihrem Kennenlernen, wie sie ihre Familie gegründet haben, von der Verbindung, die trotz aller Widersprüche zwischen ihnen bestand und von den schlimmen Tagen und Stunden am Ende von Juliettes Leben. Wie sich die Familie und Étienne verabschiedet haben, die Beerdigung und den drei Töchtern, die mit dem Verlust ebenfalls klarkommen müssen.

Diese Passagen gehen nicht spurlos an einem vorbei. Es ist bewundernswert, wie Carrère es schafft, die Gefühle von Patrice wiederzugeben ohne voyeuristisch zu wirken. Er schlachtet das Schicksal nicht aus, sondern findet die richtigen Worte, um der Zuneigung und gleichsam dem Schmerz Ausdruck zu verleihen.