Monika Held – Sommerkind

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Monika Held – Sommerkind

Nur ein paar Minuten Ruhe vor seiner Schwester und schon nimmt sein ganzes Leben eine andere Wendung. Weil er nicht auf das Mädchen aufgepasst hat, ist sie nun im Wachkoma. Die Familie zerstört, sein eigenes Leben sinnlos. Kolja versucht zu verstehen, was in Malu vor sich geht, genau wie auch Max, dessen Cousin ein ähnliches Schicksal erlitten hat. Aus der Zufallsbekanntschaft wird Freundschaft, doch Koljas Suche nach dem Sinn im Dasein wird diese überschatten. Dreißig Jahre später begibt sich eine Frau auf die Suche nach ihren Erinnerungen, sie hatte einst das Mädchen aus dem Wasser gezogen, noch an eine wundersame Rettung geglaubt, doch dann reißt ihr innerer Film ab. Eine Suche nach Sinn und eine Suche nach dem, was wirklich war.

Monika Helds Roman hat kein leichtes Thema im Zentrum der Geschichte. Die Frage nach dem Umgang mit Schuld, nicht zugeschriebener, aber empfundener Schuld.  Mit Leid, das das Leben zerstört und Menschen kalt werden lässt. Mit dem Schicksal, das unbarmherzig zuschlägt und die Menschen ratlos zurücklässt. Wie geht man damit um? Der Vater verzweifelt, sucht sich ein neues Leben. Die Mutter fügt sich dem Schicksal und findet in anderen die Schuldigen, auf die sie ihren Hass richten kann.

Für mich die stärkste Passage der Umgang des jugendlichen Kolja mit dem Zustand seiner Schwester und den anderen Patienten der Klinik. Von der Außenwelt abgeschnitten leben sie in ihrer eigenen Welt, die niemandem Zugang gewährt. Kolja lebt vermeintlich in der Außenwelt, doch seine Eltern haben zwischen sich und ihm eine unüberwindbare Mauer errichtet und zunehmend ist auch ehr emotional isoliert. Er versucht den Zustand der Kinder nicht nur zu verstehen, sondern nachzuahmen – bis zum letzten Schritt. Die Extreme der Gefühle, vor allem der Schuld, und die Versuche des Freundes ihn nicht auch in eine Parallelwelt abdriften zu lassen – nicht oft gelingt es Autorin dies weder klischeehaft noch zu gefühlsduselig oder gar rührselig zu beschreiben.

Der Schreibstil ist es, der für mich den Roman zu einem echten Highlight werden lässt. Er spiegelt überzeugend die genaue Beobachtung Koljas und die Sensibilität für das Ungesagt, das nur minimal Wahrnehmbare wieder. Die Naturmetaphern, keine von ihnen abgedroschen, beschreiben die menschlichen Beziehungen, sie zeigen das Ausgeliefertsein der Naturgewalten gegenüber, gegenüber den Dingen, die der Mensch nicht verhindern und nicht beeinflussen kann.

Ein Roman, der die Balance zwischen tieftraurig und doch glücklich findet.