Laura Lippman –Lady in the Lake

laura-lippman-the-lady-in-the-lake
Laura Lippman –Lady in the Lake

Just one evening with an old school friend and Maddie’s life is not what it was anymore. Her life with her husband Milton and their son Seth simply isn’t what she wants anymore and so she makes a courageous decision for the year 1966: she leaves. Now completely on her own, she wants to make real another dream: becoming a journalist and when she, by pure chance, comes across the body of a young girl and soon after again of a woman, she seizes the opportunity of her first contact with the press. It is especially the second case of the “Lady in the Lake” as she was named that turns in her mind. Nobody seems to be really care about who murdered Cleo Sherwood, just because Cleo was black. Maddie knows that there must be a story behind it and that this can be her chance to really become a reporter.

Laura Lippman’s novel is one of the most talked about books of 2019 and it only takes a couple of pages to understand why all this praise is more than justified. “Lady in the Lake” is the perfect combination of a crime novel and the story of a woman who follows her will and is brave enough to do this against all societal conventions. The setting is all but favourable for such an undertaking and Lippman’s lively portrait of Baltimore of the 1960s underlines with which severe consequences such an attitude came in these days.

The most outstanding aspect of the novel is surely the protagonist. Maddie Schwartz is the perfect Jewish housewife – until she isn’t anymore. She remembers the young woman she once was, surely a bit stubborn, but to put it positively: she knew what she wanted and she got it. So why should she be pleased with the second best life? She definitely is a bit naive, but her sympathetic authenticity is the key to the people and this makes her story convincing and plausible. Times were harsh, above all for black people and the novel gives a good impression of what this meant in everyday life. It is not an open accusation of segregation and the different kind of treatment of people of colour or even a political statement, but simply a fact and thus an integral part of what the characters experience.

I also liked the constant change of perspective and how Lippman integrated different points of view which also gives a good idea of someone like Maddie was perceived in her time. This also make the narrative lively and varied. I had some high expectations due to the masses of admiring reviews I had read, but nevertheless, the novel surpassed them easily.

Toni Morrison – Jazz

toni-morrison-jazz
Toni Morrison – Jazz

Eine ausgelassene Party in Harlem, 1926. Plötzlich wird die feiernde Schar von einem Schuss aufgeschreckt, der die junge Dorcas niederstreckt und tötet. Der Täter ist bekannt: Joe Spur, ihr 50-jähriger Geliebter. Dorcas wird beerdigt, dabei kommt es zum Eklat, als Violet, Joes Frau, den Gottesdienst stört. Gerechtigkeit gibt es nicht, Polizei will man nicht und Dorcas kann eh niemand wieder lebendig machen. Das Leben in Harlem geht weiter. Doch wie soll es weitergehen für Joe, der Dorcas noch immer liebt; für Violet, die man nun Violent nennt und die sich fragt, was Joe an dem Mädchen fand; für Dorcas‘ Tante Alice Manfred, die sie großgezogen hat und für ihre Freundin, die die sich anbahnende Liebelei beobachtete. Harlem Mitte der 1920er Jahre folgt seinen eigenen Gesetzen und die führen die Menschen bisweilen auf ungeahnte Wege.

„Jazz“ ist Toni Morrisons zweiter Roman der sogenannten „Beloved“ Trilogie, für den ersten Band hatte sie 1988 den Pulitzer Preis gewonnen. Wie sich unschwer am Titel erkennen lässt, spielt die Handlung im schwarze Harlem der Jazz-Ära, jedoch erschafft Morrison eine ganz andere Atmosphäre als die der Roaring Twenties, wie sie von weißen Autoren wie F. Scott Fitzgerald oder Edith Wharton beschrieben werden. Es ist nicht die Zeit des ausgelassenen Feierns mit Frauen in exquisiten Kleidern, sondern der alltägliche Kampf ums Überleben:

„Jede Woche seit Dorcas‘ Tod, den ganzen Januar und Februar hindurch, legte irgendeine Zeitung die Knochen einer gebrochenen Frau frei. Mann tötet Frau. Acht der Vergewaltigung angeklagte Männer freigesprochen. Frau und Mädchen Opfer von. Frau begeht Selbstmord. Weiße Angreifer angeklagt. Fünf Frauen festgehalten. Frau sagt, Ehemann prügelt sie. In eifersüchtiger Wut hat ein Mann. Wehrlos wie Federvieh, dachte sie. Oder doch nicht?”

 Morrison schildert aus abwechselnden Perspektiven die Vorgänge in der Lenox Avenue. Die großen Hoffnungen, die Violet und Joe einst in die Stadt geführt haben, wo das Leben so viel einfacher sein sollte als das Dasein als Sklave auf den Feldern der Plantagenbesitzer. Die Enttäuschungen darüber, auch in New York als Schwarze nur Menschen zweiter Klasse zu sein. Die feinen Unterschiede, die durch die Nuancen der Hautfarbe bedingt sind – es ist eine eigene Welt, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert.

„Als wir von der 140th Street in eine größere Wohnung in der Lenox zogen, da haben die hellhäutigeren Mieter versucht, uns draußen zu halten. Ich und Violet haben gegen sie gekämpft, als wenn es Weiße gewesen wären. Und wir blieben Sieger. Es waren schlechte Zeiten, und weiße wie schwarze Vermieter haben sich um die Farbigen geschlagen wegen den hohen Mieten, die für uns in Ordnung waren (…)“

Morrison legt den Finger in die Wunde und riss mit ihrem historischen Roman Anfang der 1990er Jahre nochmal vieles auf, was noch lange nicht überwunden war und heute, mehr als 50 Jahre nach dem Civil Rights Movement und dem formalen Ende der Segregation, wieder infrage gestellt wird. Neben der brisanten Thematik besticht der Roman vor allem durch die Atmosphäre und die klare, geradezu nüchterne Sprache, mit der sie grausamste Situationen zu schildern weiß. Ein Roman, der wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden sollte, trotz oder vielleicht gerade wegen seines Alters von nunmehr fast 30 Jahren. Einziger Kritikpunkt ist eine Übersetzungsunsitte: die Namen wurden für die deutsche Ausgabe „angepasst“, was ich nicht nur überflüssig, sondern ärgerlich finde. Die Anspielung hätte durch eine Fußnote einfach gelöst werden können.

Toni Morrison – Heimkehr

toni-morrison-heimkehr
Toni Morrison – Heimkehr

USA, 1950er Jahre. Der Soldat Frank Money ist aus dem Krieg in Korea zurückgekehrt. Allein, seine Freunde, mit denen er voller Erwartung zur Army ging, hat er auf dem Schlachtfeld verloren. Die Erlebnisse des Krieges haben ihre Spuren hinterlassen und die Illusion, dass man als Schwarzer, der für das Land sein Leben riskiert hat, nun gesellschaftlich anerkannt wird, muss er schon bald ebenfalls begraben. Ziellos zieht er umher bis ihn die Nachricht erreicht, dass seine Schwester Cee schwerkrank ist. Zum ersten Mal seit Jahren wird er zurück nach Lotus in Georgia gehen, dem Ort, vor dem er einst flüchtete.

Nachdem ich mit großer Begeisterung Toni Morrisons letztes Buch „Gott, hilf dem Kind“ gehört hatte, war ich gespannt auf frühere Werke, die dieselbe Thematik zu anderen Zeitpunkten in der Geschichte der USA thematisieren. Jedoch konnte mich „Heimkehr“ nicht im selben Maße überzeugen, wie dies ihr aktueller Roman getan hat.

Die Geschichte erzählt die aktuelle Situation der beiden Geschwisterkinder parallel im steten Wechsel. Unterbrochen werden beide durch Kindheitserinnerungen, die auch wesentliche Erfahrungen, die für bestimmte Entscheidungen in ihrem Leben relevant waren, aufdecken. Franks Schwierigkeiten, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten, die fehlende medizinische Unterstützung und dadurch ausgelöst immer wieder Zusammen- oder Ausbrüche, zeigen besonders gut, wie traumatisiert Soldaten zurückkehren und eine Integration in die Zivilgesellschaft für sie fast unmöglich ist. Cee wiederum, von der Stief-Großmutter von klein auf psychisch wie physisch gequält, wählt die erste Möglichkeit zur Flucht und sieht sich schon bald mann- und mittellos auf sich alleingestellt. Ohne Schutz wird sie als Schwarze, der auch niemand zu Hilfe kommen kann und will, Opfer böser Machenschaften, was sie beinahe ihr Leben kostet.

Die Erfahrungen, die die beiden Geschwister wie auch ihre Freunde aufgrund ihrer Hautfarbe machen, sind vielfältig. Vorurteile und Beleidigungen sind noch das geringste Übel; man versagt ihnen Wohnungen, da man sie in bestimmten Gegenden nicht wünscht. In der Armee, wenn sie ihr Leben riskieren, sind Schwarze wie Weiße gleich, aber im normalen Leben ist in den 1950er ist Segregation nach wie vor eine Realität.

Thematisch interessant mit vielen unschönen Einblicken hätte ich gerne mehr von Cee gehört; mit Frank kann man sich als Leser schwerlich identifizieren, was vermutlich zu dem nicht ganz begeisterten Eindruck beigetragen hat.

Paul Beatty – The Sellout

Review, Novel, Man Booker Prize 2016

A man is in Washington, waiting for his trial before the Supreme Court. He has never done anything wrong so why is there a case of the United States of America vs. himself? The narrator has to go back to his childhood days when he, the son of a black psychologist, was his father’s prime study object. His isolated upbringing always against the background of racial hated has left its marks and when is father is shot and he is faced with the police’s lack of interest, he understands that he has to do something for Dickens, his hometown which has vanished from the maps, and for his father’s memoir. A fight for equality and to find out who is really is and who he wants to be starts.
Paul Beatty’s novel has been shortlisted for the Man Booker Prize 2016 and it is obvious why it has been nominated. At the end of two terms of a black president, the country has to raise the question if anything has changed in the last eight years. Considering the last months’ riots and street fights in many cities between the police and the black community, the answer might be “no” – or even: things are worse today. Thus, Beatty has chosen his topic well, it could not fit more to the current debate. But apart from its societal relevance, what does the novel have to offer?
First of all, the irony is just captivating. The best example for me is the search for a sister city when Juárez, Chernobyl and Kinshasa refuse to be linked to Dickens due to diverse reasons. You have to laugh until the laughter gets stuck to your throat because you understand what has been said about this black town in this scene. Its situation close to the LA metropolis is worse than the most violent city in Norther America, worse than the most polluted and dead place in Europe and worse than the poorest town in Africa. Is there anything to top this? Yes, of course there is – and that’s what makes this novel so outstanding. The narrator invents an upside-down version of segregation and has the white pupils expulsed from the local schools. This reminds you of something in history? Yes, but now things are different. Or not so different at all. The absurdity sharpens the observer’s view on the current state this small town is in.
At times, Beatty has his narrator reflect on what he is doing and what is happening and he comes to very sharp conclusions on why things are the way they are and why people just cannot act differently.  This sounds quite serious, that’s what it is at the end of the day, but Beatty found a unique style ignoring all taboos to bring across his message.