Sarah Vaughan – Little Disasters

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Sarah Vaughan – Little Disasters

Jess is the absolute role model of a mother, her friends have always admired her diligence and devotion to care for her two sons. When she unexpectedly gets pregnant with a third kid, her husband is over the moon but she does not really share his enthusiasm, she knows how demanding kids can be even for a home-stay-mom. When Betsey indeed turns out to be a rather challenging child, Jess loses her temper, the less she can control the girl, the easier she freaks out until she even gets close to wanting her dead. Her friends Liz, a paediatrist, senses that things do not go too well, but with her own kids and her job, she does not have the time to really take look into the situation. When one evening Jess turns up in the emergency room with Betsey showing obvious signs of neglect and being severely hurt, Liz is trapped between being a friend for Jess and informing the police. How well does she actually know what is going on at her friend’s home?

Sarah Vaughan masterly plays with truths, half-truths and all the things her characters consider truths. Told from different points of view, the reader over and over again gets caught in a trap by making sense of what you know and deciding on what and how the tragic incident happened. Forget it, you are completely wrong since – just as in real life – there is so much more.

Even though the main focus is on the one big question around Betsey’s injuries, the author addresses a lot of questions going far beyond the crime plot. The struggle of women who feel pressure to be the perfect wife, perfect mother, have a successful career and who easily prepare parties with exquisite food is palpable throughout the novel. The four women at the centre all struggle with complying with expectations and their very own goals and ideals. Showing weakness does not seem to be an option, just like asking for help and thus, precarious and even dangerous circumstances are silently endured. Additionally, the question of how far a friendship should or must go is tackled. Liz’ remorse is easy to understand and certainly nobody could ever wish to get into such a situation.

I totally adored the novel, after “Anatomy of a Scandal”, another thoroughly convincing plot with authentic characters and a lot of suspense.

Sarah Vaughan – Anatomie eines Skandals

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Sarah Vaughan – Anatomie eines Skandals

Holly kommt dank eines Vollstipendiums aus der nordenglischen Provinz nach Oxford, wo sie Literatur studieren will. Große Erwartungen hat sie an das Studentenleben, doch bald schon muss sie erkennen, dass sie nicht in diese Welt passt. Sie bemüht sich, passt sich an, findet in Sophie und Alison auch zwei Freundinnen. Ein Ereignis am Ende des ersten Studienjahres lässt ihre Welt jedoch zusammenbrechen. Von einem Kommilitonen, der zu den berühmt-berüchtigten Libertines gehört, die sich dank des Geldes ihrer Familien alles erlauben können, wird sie vergewaltigt und ergreift schließlich die Flucht. Zwanzig Jahre später ist sie nicht mehr das naive Mädchen, sondern eine knallharte Prozessanwältin und es scheint als sei endlich der Tag der Abrechnung gekommen.

Sarah Vaughns Roman lebt von den unterschiedlichen Perspektiven auf die Ereignisse. Im Wechsel werden die Protagonisten beleuchtet: die Anklägerin, der Angeklagte und dessen Frau. Obwohl es zunächst um den Vergewaltigungsvorwurf gegen den Politiker James Whitehouse geht, wird bald schon klar, dass eigentlich die beiden Frauen mit ihren widersprüchlichen Emotionen und Überzeugungen die interessantesten Figuren sind.

Zwei Aspekte hat Vaughan für mein Empfinden sehr überzeugend in ihrer Geschichte dargestellt: zum einen die ausufernden Partys, die die Sprösslinge der Oberschicht in den Elitelehranstalten feiern und die Arroganz, mit der sie schon in jungen Jahren den Menschen gegenübertreten, wo sie selbst noch nichts im Leben geleistet oder erreicht haben. Ihnen gehört die Welt, sie kaufen sie sich und drehen die Wahrheit wie es ihnen passt. Als Studenten und später im Berufsleben. Die dort geknüpften Bande sind hart wie Stahl und durch nichts zu erschüttern. So sichern sie sich gegenseitig ab und garantieren auch, dass niemand den Schutzwall, der sie scheinbar umgibt, durchdringt.

Der zweite Punkt liegt in der Figur von Ehefrau Sophie, die zwar nicht die cleverste Studentin zu sein scheint, aber durchaus über ausreichend Weitblick verfügt, zu durchschauen, was James mit ihr macht. Sie spielt mit, weil das die Rolle ist, zu der sie erzogen wurde und kann lange Zeit nicht über ihren Schatten springen, obwohl die Zweifel an ihr nagen. Ein wenig mehr Mut hätte es gebraucht, etwas mehr Rückgrat und die Dinge hätten anders verlaufen können. Ihre passive Schicksalsergebenheit macht sie schuldig.

Kein Gerichtsthriller, kein Drama, sondern eine Menschenstudie, die sehr gut gelungen ist und trotz des Hoffnungsschimmers am Ende ein wenig Frust zurücklässt, weil nämlich die Wahrheit nicht immer den Weg ans Licht findet und nicht jede Tat angemessen bestraft wird.