Martin Edwards – Gallows Court

Martin Edwards – Gallows Court

Mehrere ungewöhnliche Todesfälle erschüttern das London des Jahres 1930. Ein Journalist wird angefahren und tödlich verletzt, ein angesehener Banker richtet sich selbst, nachdem sein Mord an einer jungen Frau scheinbar aufgedeckt wurde. Der aufstrebende Reporter Jacob Flint von „The Clarion“ ist nach anonymen Tipps wiederholt zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kann darüber berichtet. Bald schon entdeckt er, dass diese und weitere mysteriöse Todesfälle mit der unnahbaren Miss Rachel Savernake zusammenzuhängen scheinen, jener Frau, die jüngst einen spektakulären Fall lösen konnte, an dem die Polizei sich die Zähne ausbiss. Flint ahnt nicht, dass er nur Mittel zum Zweck ist und ebenso schnell wieder geopfert werden soll, wie er die Chance zum großen Durchbruch bekommt. Denn die Fälle sind kein Zufall, sie haben eine Verbindung, die unter allen Umständen geheim bleiben soll, denn niemand darf wissen, was im Gallows Court vor sich geht.

Martin Edwards, seit 2015 Präsident des Detetction Club, jenes illustren Zirkels von Kriminalroman-Autoren des Golden Age of Crime Fiction, schreibt in guter Tradition seines Clubs. Teil 1 der Serie um Rachel Savernake ist eine komplizierte Geschichte um einen Geheimbund, die als unzählige lose Fäden beginnt und sich langsam zu einem Netz von Intrigen und allerlei Verbrechen zusammenwebt. Die Menge an Figuren auseinanderzuhalten und bei den mannigfaltigen Beziehungen nicht den Überblick zu verlieren, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, aber es lohnt sich, denn am Ende liegt eine clever konstruierte Geschichte vor einem, deren Lösung herausfordert aber gleichermaßen unterhält.

Ganz in der Tradition von Autoren wie Agatha Christie oder Georges Simenon liegen auf dem Weg der Handlung zahlreiche Hinweise und Spuren, die man als Leser fleißig einsammelt und wie Puzzlestücke versucht zusammenzusetzen. Interessanterweise greifen jedoch naheliegende Annahmen – die Herren der besseren Gesellschaft sind böse, die Damen sind die bedauernswerten Opfer – schnell zu kurz und gerade der Kontrast von Gut und Böse wird immer wieder herausgefordert, denn so klar ist keineswegs, wer auf welcher Seite steht. Am Ende werden jedoch alle Unklarheiten restlos geklärt und der Fall sauber gelöst.

Ein traditioneller Krimi mit zahlreichen Toten jedoch ohne detaillierte Grausamkeiten, der vor allem mit der Figurenzeichnung punkten kann.