Kopano Matlwa – Du musst verrückt sein, wenn du trotzdem glücklich bist

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Kopano Matlwa – Du musst verrückt sein, wenn du trotzdem glücklich bist

Fünfundzwanzig Jahre ist es nun her, dass in Südafrika die Apartheid gesetzlich beendet wurde. Zu kurz, um auch in den Köpfen den Rassismus zu beenden. Masechaba arbeitet als Ärztin in einem Krankenhaus, wo sie jeden Tag mit ansehen muss, wie Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe nicht nur diskriminiert werden, sondern man sie bisweilen auch einfach sterben lässt. Dass System ist chronisch unterfinanziert und bald schon muss sich die junge Frau fragen, weshalb sie sich das überhaupt antut, immer weitermacht und wo ihre Ideale geblieben sind, denn wenn sie sich nicht anpasst, kann sie den harten Alltag nicht durchstehen. Eine Vergewaltigung durch mehrere Männer in der Klinik wirft sie schließlich völlig aus der Bahn.

„Manchmal möchte ich irgendwas empfinden. Ich führe eine Reanimation durch und weiß, ich sollte etwas dabei empfinden, aber ich weiß nicht mehr, wie das geht. Etwas in mir ist blockiert, steckt fest. Auf meiner Brust liegt ein Gewicht, ich will es wegatmen, aber das kann ich nicht. Deswegen bin ich auch erleichtert, wenn die Patienten sterben.”

Den Klinikalltag, den Kopano Matlwa schildert, ist für unsere Verhältnisse unvorstellbar. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, sie ist selbst Ärztin und neben ihrer bereits mehrfach ausgezeichneten Schreiberei ist sie als Aktivistin für die Rechte von Frauen engagiert. Die großen Erwartungen ihrer Generation, der sogenannten „Born Free“, nach der Wende und die ebenso große Enttäuschung, da diese in keiner Weise erfüllt wurden, sind ihr literarisches Hauptthema.

„Ich weiß gar nicht, was ich eigentlich erwartet habe, wie sich »Gutes tun« anfühlen würde. Auf jeden Fall nicht so. Da ist kein Zauber, keine göttliche Erleuchtung. Es ist genauso schwer wie Böses tun”

Das Innenleben der Erzählerin ist schwer zu ertragen. Nicht nur der Rassismus, der in der Klinik offen zur Schau getragen wird, sondern auch die Ohnmacht gegenüber einem System, dem sie nichts entgegenzusetzen hat, sind entsetzlich und werden von der Autorin ungeschönt offengelegt. Masechaba will sich weder den gesellschaftlichen noch den medizinischen Gegebenheiten hingeben, sondern Menschen helfen, Leben retten, aber sie kommt an ihre Grenzen. Wenn sie nicht ebenso abstumpft wie alle anderen um sie herum, wird sie zugrunde gehen. Gewalt ist allgegenwärtig, nicht nur landen die Opfer auf ihren Behandlungsstühlen, sondern die Ärzte und Schwestern selbst müssen immer und überall damit rechnen.

„Doch als ich dort am Boden lag, in jenem dunklen Gang, während sich das Blut langsam um meine Hose sammelte, konnte ich nur noch an Kaliumchlorid denken, 7,46 % in der 10-ml-, 20 % in der 20-ml-Ampulle und viel zu wenig in der vorgefertigten Lösung, um einen tödlichen Herzstillstand auszulösen.”

Nicht nur dass dieses unglaubliche Verbrechen an ihrem Arbeitsplatz geschieht macht einem sprachlos. Es sind vor allem die Reaktionen darauf. Blutend mit zerrissenen Hosen und verstört von dem Erlebnis kritisiert man sie für ihre langsame Arbeit. Der Priester sieht es als göttliche Fügung, ihr persönliches Umfeld bittet sie, die Tat zu verschweigen, eigentlich solle sie froh sein, immerhin lebe sie ja noch und genaugenommen war es doch eh nur ein kurzer Vorgang, der nichts mit irgendwelchen Emotionen zu tun hat. Wie schlecht es ihr damit geht, ist in dieser Welt egal, denn Gewalt gegenüber Frauen gehört so sehr zur Tagesordnung, dass sie nur noch zu Schulterzucken führt.

Ein grausamer Blick in ein Land, dessen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die Schilderungen sind brutal und entsetzlich, dennoch folgt man dem Bericht der Erzählerin gebannt. Immer wenn man denkt, jetzt könne es nicht mehr schlimmer werden, kommt es schlimmer und dennoch gibt es am Ende ein Fünkchen Hoffnung, gerade da, wo man es am wenigsten erwarten würde. Gerade weil die Geschichte eine Herausforderung ist, sollte man sie lesen, um den eigenen Blick auf die Welt und unseren Alltag wieder etwas gerade zu rücken.

Toni Morrison – Jazz

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Toni Morrison – Jazz

Eine ausgelassene Party in Harlem, 1926. Plötzlich wird die feiernde Schar von einem Schuss aufgeschreckt, der die junge Dorcas niederstreckt und tötet. Der Täter ist bekannt: Joe Spur, ihr 50-jähriger Geliebter. Dorcas wird beerdigt, dabei kommt es zum Eklat, als Violet, Joes Frau, den Gottesdienst stört. Gerechtigkeit gibt es nicht, Polizei will man nicht und Dorcas kann eh niemand wieder lebendig machen. Das Leben in Harlem geht weiter. Doch wie soll es weitergehen für Joe, der Dorcas noch immer liebt; für Violet, die man nun Violent nennt und die sich fragt, was Joe an dem Mädchen fand; für Dorcas‘ Tante Alice Manfred, die sie großgezogen hat und für ihre Freundin, die die sich anbahnende Liebelei beobachtete. Harlem Mitte der 1920er Jahre folgt seinen eigenen Gesetzen und die führen die Menschen bisweilen auf ungeahnte Wege.

„Jazz“ ist Toni Morrisons zweiter Roman der sogenannten „Beloved“ Trilogie, für den ersten Band hatte sie 1988 den Pulitzer Preis gewonnen. Wie sich unschwer am Titel erkennen lässt, spielt die Handlung im schwarze Harlem der Jazz-Ära, jedoch erschafft Morrison eine ganz andere Atmosphäre als die der Roaring Twenties, wie sie von weißen Autoren wie F. Scott Fitzgerald oder Edith Wharton beschrieben werden. Es ist nicht die Zeit des ausgelassenen Feierns mit Frauen in exquisiten Kleidern, sondern der alltägliche Kampf ums Überleben:

„Jede Woche seit Dorcas‘ Tod, den ganzen Januar und Februar hindurch, legte irgendeine Zeitung die Knochen einer gebrochenen Frau frei. Mann tötet Frau. Acht der Vergewaltigung angeklagte Männer freigesprochen. Frau und Mädchen Opfer von. Frau begeht Selbstmord. Weiße Angreifer angeklagt. Fünf Frauen festgehalten. Frau sagt, Ehemann prügelt sie. In eifersüchtiger Wut hat ein Mann. Wehrlos wie Federvieh, dachte sie. Oder doch nicht?”

 Morrison schildert aus abwechselnden Perspektiven die Vorgänge in der Lenox Avenue. Die großen Hoffnungen, die Violet und Joe einst in die Stadt geführt haben, wo das Leben so viel einfacher sein sollte als das Dasein als Sklave auf den Feldern der Plantagenbesitzer. Die Enttäuschungen darüber, auch in New York als Schwarze nur Menschen zweiter Klasse zu sein. Die feinen Unterschiede, die durch die Nuancen der Hautfarbe bedingt sind – es ist eine eigene Welt, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert.

„Als wir von der 140th Street in eine größere Wohnung in der Lenox zogen, da haben die hellhäutigeren Mieter versucht, uns draußen zu halten. Ich und Violet haben gegen sie gekämpft, als wenn es Weiße gewesen wären. Und wir blieben Sieger. Es waren schlechte Zeiten, und weiße wie schwarze Vermieter haben sich um die Farbigen geschlagen wegen den hohen Mieten, die für uns in Ordnung waren (…)“

Morrison legt den Finger in die Wunde und riss mit ihrem historischen Roman Anfang der 1990er Jahre nochmal vieles auf, was noch lange nicht überwunden war und heute, mehr als 50 Jahre nach dem Civil Rights Movement und dem formalen Ende der Segregation, wieder infrage gestellt wird. Neben der brisanten Thematik besticht der Roman vor allem durch die Atmosphäre und die klare, geradezu nüchterne Sprache, mit der sie grausamste Situationen zu schildern weiß. Ein Roman, der wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden sollte, trotz oder vielleicht gerade wegen seines Alters von nunmehr fast 30 Jahren. Einziger Kritikpunkt ist eine Übersetzungsunsitte: die Namen wurden für die deutsche Ausgabe „angepasst“, was ich nicht nur überflüssig, sondern ärgerlich finde. Die Anspielung hätte durch eine Fußnote einfach gelöst werden können.

Leïla Slimani – Warum so viel Hass?

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Leïla Slimani – Warum so viel Hass?

Nur sechs kurze Texte enthält der Sammelband „Warum so viel Hass?“ der französisch-marokkanischen Schriftstellerin und Journalistin Leïla Slimani. Alle sind in der Wochenzeitschrift „Le 1“ erschienen, in der gesellschaftspolitische Fragen unserer Zeit diskutiert werden. Entsprechend thematisiert sie Rassismus, Hass, das Aufwachsen in einer fremden Kultur, die Rolle von Literatur in der Gesellschaft und immer wieder sind Religion und Fundamentalismus Dinge, die sie bewegen und wütend machen. In einem muslimischen Land aufgewachsen hat sie in Frankreich eine völlig neue Art von Freiheit entdeckt, die man ihr aus ihrer fernen Heimat heute zum Vorwurf macht und für die man sie verurteilt. Ganz persönlich ist sie oftmals betroffen und das merkt man auch ihren Essays an, die voller Emotionen stecken und dennoch scharfsinnig reflektiert sind.

Vor allem die Anschläge auf Charlie Hebdo und das Bataclan haben bei Leïla Slimani Spuren hinterlassen. Sie als Wandlerin und Vermittlerin zwischen den Kulturen ist betroffen und getroffen als wenn sie selbst unmittelbar zum Opfer geworden wäre. Scharf verurteilt sie die Anschläge, sucht aber auch nach Erklärungen und Ursachen. Eine liegt ganz sicher in patriarchalen Unterdrückungssystemen:

„Alle arabischen Diktatoren wissen es nur zu gut: Wer den Menschen Zugang zu Bildung verschafft, riskiert, dass sie ihn stürzen. Und dass sie eines Tages, mit einem Stift in der Hand, aufmarschieren.”

Die Welt ist aber nicht einfach schwarz und weiß oder gut und böse. Die westlichen Freiheiten werden erkauft durch Zugeständnisse an diejenigen, die diese auch bedrohen und damit wird Unterdrückung in diesen Ländern wiederum gefördert und toleriert. Diesen Widerspruch muss man aushalten oder bekämpfen.

Doch wer ist es, der offen den Finger erheben und das Wort ergreifen kann? Für die Autorin ist dies ganz eindeutig die Aufgabe der Literatur.

„Autoren wird bald die Aufgabe zufallen, ein paar Schritte zurückzutreten, Abstand zu nehmen, um beurteilen zu können, was hier geschieht. Weil die Literatur ein grenzenloser freier Raum ist, in dem man alles sagen kann, in dem man mit dem Bösen liebäugeln, das Grauen erzählen, die Regeln der Ethik und des Anstands missachten kann, ist sie wichtiger denn je. Sie zeigt die Welt in all ihrer unliebsamen Komplexität und Mehrdeutigkeit.”

Sie weiß, dass noch kein einziger Roman den Lauf der Welt verändert hat – aber Leser können dies und es ist daher die Pflicht von Autoren, die Dinge zu benennen, Denkanstöße zu geben und die Menschen in ihrem Kampf für Toleranz zu ermutigen und zu unterstützen. An ihrem Kollegen Michel Houellebecq hat sich in Frankreich so manche Debatte entzündet, da er wenig Rücksicht auf Empfindlichkeiten nimmt und sich gerne als Enfant terrible und Provocateur bezeichnen lässt. Natürlich ruft er entsprechende Reaktionen bei Andersdenkenden hervor, die auch drastisch ausfallen können, aber sollte er daher aufhören zu sagen, was er für wichtig hält? Slimani beantwortet dies für sich:

„Dabei kam eine Frage auf: Welche Verantwortung trägt Literatur? Ist ein Schriftsteller mitverantwortlich für die politische Situation in einem Land, für das, was dort passiert? Muss er sich selbst zensieren, wenn er weiß, dass seine Aussagen in einer ohnehin gereizten Gesellschaft wie ein Brandsatz wirken könnten? Ich glaube nicht.”

Nicht nur als Autorin schätze ich Leïla Slimani, sondern gerade auch als Journalistin, die mutig aufsteht und sich positioniert, schätze ich sie und vor allem, weil sie kluge Gedanken äußert, mit denen man sich immer wieder auseinandersetzen sollte.

Abbas Khider – Deutsch für alle

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Abbas Khider – Deutsch für alle

Deutsche Sprache – schwere Sprache. Den Spruch kennen wir alle, als Muttersprachler kann man zwar nachvollziehen, aber wie komplex unsere Sprache als Fremdsprache zu erlernen ist, darüber macht man sich im Allgemeinen kaum Gedanken. Abbas Khider lässt anlässlich der vielen Geflüchteten der letzten Jahre seinen eigenen Lernprozess Revue passieren. Seit 20 Jahren lebt er bereits in Deutschland, hat Literatur und Philosophie studiert und beherrscht die deutsche Sprache ohne Frage. Aber es gibt nach wie vor Aspekte, die ihn in den Wahnsinn treiben und von denen er fürchtet, dass er sie nie wirklich beherrschen wird. Was ist zu tun? Ein einfacheres Deutsch muss her, ein Deutsch, das alle lernen können.

Seine Vorschläge zur Vereinfachung unserer Sprache sind nicht ganz ernstzunehmen, wenn auch nachvollziehbar. Drei Artikel, die ohne jegliche Logik verteilt und anzuwenden sind, der unsägliche Satzbau in Nebensätzen, der das Verb ans Ende schiebt oder gar auseinanderreißt, daneben die unterschiedlichen Fälle mit ihren spezifischen Deklinationen und die Umlaute erst: wie soll man zwischen Fee und Vieh oder Mönche und München denn wirklich so einfach unterscheiden kennen, wenn es nur Nuancen sind? – man will sich gar nicht vorstellen, wie lange es tatsächlich dauert all das zu beherrschen. Und tatsächlich bleibt der Sinn nachvollziehbar, wenn man so einiges wegstreicht. Die Sprache macht es aber auch nicht schöner, also ist es vielleicht doch keine so gute Idee.

Neben seinen Überlegungen zur Komplexität der deutschen Sprache lässt Khider auch viele seiner eigenen Erfahrungen einfließen, von absurd-komisch bis erschreckend sind die Begebenheiten, von denen er berichtet. Von Unterstützung und Hilfe schreibt er ebenso wie von offenem Rassismus, der ihm als Iraker entgegenschlug.

Für mich eine gelungene Mischung von linguistischer Betrachtung und Anekdoten und meines Erachtens auch ein wichtiger Beitrag in der unsäglichen Immigrationsdebatte, denn wie schwer es vielen gemacht wird, die sich hier ein Leben aufbauen wollen und hochmotiviert sind, wird leider oft vergessen und auf die Negativbeispiele fokussiert.

Reni Eddo-Lodge – Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

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Reni Eddo-Lodge – Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

Europa zu Jahresbeginn 2019: die Briten versuchen krampfhaft am Brexit festzuhalten und sich gegenüber dem Rest der Welt abzuschotten. In Frankreich toben Gelbwesten gegen die herrschende Elite. In weiten Teilen des Rests des Kontinents erfreuen sich Parteien mit rechten, ausländerfeindlichen und rückwärtsgewandten Parolen großer Zustimmung. Liberale, multikulturelle Ideen der 1990er und des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends haben ausgedient. Die fragile weltpolitische und prekäre ökonomische Lage vieler befördern scheinbar alte Ressentiments und Rassismus. Aber war der Rassismus jemals wirklich überwunden?

Die britische Journalistin Reni Eddo-Lodge bezieht eine deutliche Position in ihrer Streitschrift. Nicht nur war der Rassismus nie überwunden, im Gegenteil, das sogenannte White Priviledge ist immanenter, struktureller Bestanteil der britischen Gesellschaft. Nach einem historischen Abriss und der Definition dessen, was sie unter White Priviledge versteht, widmet sie sich auch der Feminismusfrage und der sozialen Klasse unter diesem Gesichtspunkt. Ihr Fazit ist ernüchternd. Und bisweilen schwierig auszuhalten.

Differenziert legt sie ihre These dar, nachvollziehbar erläutert sie, wie sie und andere persons of colour im Alltag Rassismus und Benachteiligung erleben, auf welchen Grundlagen diese basieren und wieso manchmal gut gemeinte Absichten doch unterschwellig rassistisch sind. Es ist für beide Seiten ein schmaler Grat, weder will sie allen Weißen Rassismus unterstellen, noch negiert sie die Nachteile, die auch Weiße Frauen oder Arbeiter erleben. Aber sie unterstreicht doch, wie leicht Menschen mit weißer Hautfarbe über ihr Privileg hinwegsehen, es als gegeben hinnehmen, dass die Helden in Film und Literatur selbstverständlich weiß sind, dass ihnen die Vorstellungskraft fehlt, um das nachzuvollziehen, was BME (black and minority ethnic) erleben und dass die Rassenfrage oft auf die USA begrenzt ist und die europäische Dimension ausgeblendet wird.

Es ist nicht leicht, sich beim Lesen des Buchs nicht angegriffen und ungerecht behandelt zu fühlen. Man möchte der Autorin an vielen Stellen laut widersprechen, Einhalt gebieten und ihre Thesen verwerfen. Viele der Beispiele sind jedoch auch wiederum so eindeutig, dass man reflexartig zu Scham neigt und sich fragt, wie es so weit kommen konnte. Aber letztlich ist das Paradoxon des Titels und des Inhalts ein ganz wesentlicher Punkt: wir müssen darüber reden.

Lukas Rietzschel – Mit der Faust in die Welt schlagen

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Lukas Rietzschel – Mit der Faust in die Welt schlagen

Um die Jahrtausendwende sieht die Welt noch rosig aus, auch wenn in Neschwitz bei Dresden die blühenden Landschaften ausgeblieben sind und die Reste der DDR Industrie nach und nach abgerissen werden. Die Eltern bauen ein Haus, die Söhne Philipp und Tobias sind noch klein und haben das Leben vor sich. Dieses Leben folgt jahrein jahraus denselben Bahnen. Angriff auf das World Trade Center, Hochwasser in Dresden – woanders geschieht etwas, nicht aber in Neschwitz. Die Jungs werden älter, Philipp gerät an falsche Freunde, spielt den Halbstarken, Tobias zieht sich immer mehr zurück, bewundert ein Mädchen seiner Klasse, doch nach der Grundschule trennen sich die Wege, für Kinder wie ihn bleibt nur die Hauptschule. Die versprochenen Perspektiven bleiben aus und zunehmend lehnt sich die Jugend auf, erst gegen die Sorben, dann gegen die anderen Ausländer, die den Westen ihrer geliebten Heimat schon erobert haben. Irgendjemand muss doch etwas dagegen tun, das ist doch reine Selbstverteidigung!

Lukas Rietzschels Roman zeichnet eine Welt nach, von der man weiß, dass sie existiert, aber die man eigentlich nicht sehen will, weil man sich schämt, dass es sie gibt, weil man sie verachtet, weil man nicht weiß, was man dagegen tun soll. Aus zwei schüchternen Jungs, wohlerzogen und bescheiden, werden Mitläufer und Täter, Rassisten und gewaltbereite Kriminelle. Hätte es eine Alternative zu dieser Entwicklung geben können? Die Oma wusste schon, dass sie keine Chance bei der Lehrerin haben, die hatte die Mutter schon auf dem Kieker, da kann man sich noch so bemühen, es ist ohnehin umsonst.

„Dieses ganze System ist am Arsch“, sagte Menzel. „Diese Gesellschaft, wo niemand mehr sagen kann, was er will. Wo dir vorgeschrieben wird, was du essen, wie viel du trinken und wie schnell du fahren darfst. Du bist ein Rassist, du bist ein Sexist! Die sollen alle mal die Fresse halten!“

„Weißt du, was ich glaube?“, sagte Tobias.

„Hm?“, fragte Menzel.

„Es braucht mal wieder einen richtigen Krieg.“

Dieser kurze Dialog gegen Ende des Romans fasst zusammen, was die Figuren empfinden: sie sind abgehängt, haben keinen Einfluss, nicht einmal auf die banalsten Dinge des Alltags, keiner versteht sie, sie werden sofort abgestempelt und wissen nicht, wie sie aus der Nummer rauskommen sollen.

Rietzschel weckt kein Mitleid für seine beiden Protagonisten, er verurteilt sie auch nicht, er beschreibt neutral einen Schritt nach dem anderen, der dazu führt, dass sie da enden, wo sie schließlich sind. Eine Geschichte, wie es leider zu viele gibt. Kein schöner Roman, auch „unterhaltsam“ trifft es nicht. Brutal bildet er auf seine Weise die Realität ab und wird so zu einem Zeitzeugnis, einem, das niemand sehen will, das man aber nicht ignorieren sollte.

Maya Angelou – I Know Why the Caged Bird Sings

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Maya Angelou – I Know Why the Caged Bird Sings

Marguerite und ihr älterer Bruder Bailey werden schon als kleine Kinder von den Eltern weggeschickt und wachsen bei der Großmutter und dem behinderten Onkel in Arkansas auf. Die ländliche Gegend ist geprägt vom Rassismus gegenüber den Schwarzen, davor schützt auch der relative Reichtum der Großmutter nicht und schon in jungen Jahren müssen die beiden Geschwister lernen, dass sie in diesem Land nur Menschen zweiter Klasse sind. Unerwartet können sie die lieblose Zuflucht bei der Großmutter beenden und wieder zu ihrer Mutter, die Marguerite wegen ihrer Schönheit immer bewundert, ziehen. Dort jedoch wird das Mädchen vom Freund der Mutter vergewaltigt und soll vor Gericht aussagen. Zu sehr eingeschüchtert kommt es so nur zu einer geringen Strafe des Mannes, der jedoch unmittelbar nach dem Urteil der Selbstjustiz zum Opfer fällt. Auch als Jugendliche wird das Leben nicht einfacher, zwar entwickelt sich Marguerite nach einer Phase des Verstummens ob der grausamen Erlebnisse zu einer belesenen und intelligenten jungen Frau, aber weiterhin begleiten Rassismus und offener Hass auch innerhalb der Familie ihren Weg. Verwirrt von ihren Gefühlen glaubt sie schließlich lesbisch zu werden; um dieses abzuwenden, bittet sie einen Nachbarsjungen sie zu entjungfern, was prompt in der Schwangerschaft des Teenagers endet.

Maya Angelou, geboren 1928 und eines der Gesichter des Civil Rights Movements, verarbeitet in dem Roman ihre Erlebnisse als Kind und Jugendliche. „I Know Why the Caged Bird Sings“ ist der erste von sieben Bänden ihrer Autobiographie und steht repräsentativ für das Leben vieler Schwarzer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie war mit Martin Luther King ebenso befreundet wie mit Malcolm X und wurde Anfang der 1980er Jahre zu einer der ersten schwarzen Frauen mit einer Professur.

Der Titel ist einem Gedicht von Paul Laurence Dunbar entnommen, das beschreibt, wie der verletzte Vogel sich dennoch in seinem Käfig auflehnt und nach Freiheit begehrt; sein Schrei ist nicht einer der Freude, sondern ein Gebet an den Himmel geschickt und aus tiefstem Herzen kommend. So wie der Vogel ist auch die junge Marguerite gefangen in einer Gesellschaft, die ihr nicht die Möglichkeiten gibt, von denen sie träumt, sondern brutal immer wieder vorführt, welche Rolle man für sie vorgesehen hat. Angelou lässt nichts aus an Hass und Gewalt, die das Mädchen miterleben muss. Auch die Folgen dieser Erlebnisse, wie etwa das Verstummen des Mädchens für mehrere Jahre, werden sehr deutlich nachgezeichnet. So wie sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Stimme wiedererlangt, wird sie auch zu einer Stimme für die Unterdrückten werden und ein Leben lang ihren Kampf für Gerechtigkeit kämpfen.

Leider steht Maya Angelou meist im Schatten Harper Lees und Toni Morrisons, wenn es um weibliche Stimmen im Kampf gegen den Rassismus in den USA geht. Völlig zu Unrecht, denn die Tatsache, dass ihre Romane autobiographischer Natur sind verleihen ihnen noch mehr Aussagekraft. Auch sprachlich kann sie mit ihrem direkten und in diesem Roman noch etwas naiven Stil überzeugen, trifft sie doch genau den Ton der jungen Marguerite, die ihren Platz im Leben erst noch finden muss.

Tracy Chevalier – Der Neue

Der Neue von Tracy Chevalier
Tracy Chevalier – Der Neue

Osei kennt die Situation schon, denn regelmäßig muss seine Familie wegen des Diplomaten-Jobs des Vaters umziehen. Wieder einmal ist er der Neue an einer Schule. Und wieder einmal ist er nicht nur neu und kennt niemanden, sondern so wie auch auf den letzten Schulen wird er der einzige Schwarze sein und argwöhnisch beäugt werden. Im Washington der 1970er ist nicht zu erwarten, dass er mit offenen Armen empfangen wird. Doch er scheint sich geirrt zu haben, denn Dee, das hübscheste Mädchen der Schule ist freundlich und offen und nimmt sich seiner an. Das gefällt nicht jedem – Schüler wie Lehrer beobachten diese seltsame Freundschaft und noch am ersten Schultag gelingt es dem missgünstigen Ian, bekannte Mechanismen in Kraft zu setzen und durch geschickte Manipulation ein schlimmes Drama zu provozieren.

Tracy Chevalier hat sich, wie vor ihr schon Anne Tyler, Howard Jacobson oder Margaret Atwood, an der Hogarth Shakespeare Reihe beteiligt, die anlässlich des 400. Todesjahres des Barden große zeitgenössische Autoren aufrief, die bekannten Werke des Dichters in die Gegenwart zu verlagern und neu zu erzählen. In „Der Neue“ greift Chevalier die Tragödie um Othello auf, der als einziger Schwarzer unter den Intrigen Iagos im Veneziens um 1600 leiden muss.

Sowohl die grundlegende Figurenkonstellation – die verliebten Osei und Dee gegen den intriganten Ian und seinen Gehilfen Rod, die unerwartet von Dees Freundin das entscheidende Hilfsmittel im Kampf gegen den Außenseiter erhalten – hat Chevalier leicht erkennbar übernommen, ebenso wie die Namen, die ohne große Mühe der Vorlage Shakespeares zuzuordnen sind. Die Gliederung des Romans in fünf Kapitel, der zudem der klassischen Dramenstruktur folgt, ist eine gelungene Anspielung an das Original.

Das Setting ist jedoch gänzlich verschieden, vom beschaulichen Venedig verlegt die Autorin die Handlung in das weiße Washington der 70er Jahre und lässt etwa 12-jährige Schulkinder die Rollen übernehmen. Die klingt zunächst abstrus, es zeigt sich aber schnell, dass die menschlichen Beweggründe sich in den 400 Jahren nicht verändert haben und welche Kraft Neid, Missgunst und Rache auch nach so langer Zeit immer noch haben und dass sich trotz der zwischenzeitlichen Aufklärung und der gesetzlichen Gleichbehandlung in der Realität nur wenig in den Köpfen bewegt hat.

Eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen gepaart mit einem ohne erkennbares Motiv bösartig handelnden Charakter sind die Triebfedern in der Geschichte um den schwarzen Außenseiter. Chevalier gelingt es überzeugend trotz der Nähe zu Othello, eine eigene Geschichte zu erzählen, die auch völlig losgelöst von der Tragödie funktioniert. Ihre Schulkinder agieren genau so, wie man es von Kindern in diesem Alter erwarten würde. Ihr zentraler Konflikt entzündet sich an einem Mäppchen und wirkt absolut glaubwürdig, ebenso wie alle Folgehandlungen, die sich hieraus ergeben. Auch in diesem jungen Alter haben sie schon eine Vorstellung von der Ordnung der Welt, die klar zwischen schwarz und weiß unterscheidet, und sie handeln bereits im vollen Bewusstsein, dass jede Entscheidung, die sie treffen, gewisse Folgen für ihr Ansehen in der Gruppe haben wird. Sie können sogar antizipieren, was geschehen wird, so vertraut sind sie mit den Charakterzügen ihrer Mitschüler. Das Kindsein hindert sie nicht daran, in dieselben Fallen zu treten wie auch Erwachsene.

„Der Neue“ konnte meine recht hohen Erwartungen voll erfüllen. Nach den letzten Adaptionen von Atwood und St Aubyn hingt die Messlatte hoch, aber Tracy Chevalier ist es ebenfalls gelungen aus einem alten Stoff eine neue Geschichte zu entwerfen, die von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.

Ein Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zur Autorin und dem Buch finden sich auf der Seite des Verlags Random House.

Eine Übersicht über die bislang erschienenen Adaptionen und die Links zu meinen Rezensionen findet sich hier.

Bianca Marais – Summ, wenn Du das Lied nicht kennst

Summ wenn du das Lied nicht kennst von Bianca Marais
Bianca Marais – Summ, wenn Du das Lied nicht kennst

Südafrika, 1976. Das Land ist durch die Apartheit klar geteilt, die Rollen der Schwarzen und Weißen unumstößlich festgeschrieben und wenn sich ihre Wege kreuzen, weiß jeder, wo er steht. Doch die kleine Robin muss schon jung miterleben, dass womöglich doch nicht alles in Stein gemeißelt ist. Als ihre Eltern von Schwarzen ermordet werden, kommt sie bei ihrer recht progressiven Tante Edith unter. Diese ist gänzlich ungeeignet, sich um ein Kind zu kümmern und möchte auch ihren Job als Stewardess nicht aufgeben. Eine Lösung finden sie in Beauty, einer schwarzen Lehrerin aus der Transkei, die in Johannesburg nach ihrer Tochter sucht, die sich dem Kampf gegen die Unterdrückung angeschlossen hat. Im Laufe der Zeit lernt Robin, dass es Gut und Böse auf beiden Seiten gibt und dass im Leben nicht die Hautfarbe das Entscheidende ist.

„Summ, wenn du das Lied nicht kennst“ ist ein etwas sperriger Titel, der sich jedoch recht schnell im Roman erklärt. Letztlich ist es das, worum es geht: sich im Leben zu helfen wissen und sich mit der Situation zu arrangieren. Dies ist jedoch im Apartheits-Setting Südafrikas nicht ganz einfach, der Autorin ist jedoch gelungen, eine passende Perspektive zu finden, um die Positionen klar zu machen, ohne sich einseitig gegen die Unterdrückung zu stellen. Durch Robins kindlich-naiven Blick, der Dinge erst einmal als gegeben nimmt, was sie aber nicht daran hindert, sie zu hinterfragen, kann sie umso besser unterstreichen, wie absurd die Vorurteile waren.

Die beiden Protagonistinnen könnten verschiedener nicht sein: nicht nur ihre Hautfarbe trennt sie, auch das Alter und ihre gesellschaftlich zugewiesenen Rollen sollten eigentlich jede Art von Zuneigung verhindern. Doch beide, Robin wie Beauty, sind einfach Menschen, was sich positiv in Bezug auf ihre Freundschaft auswirkt, wie auch negativ, indem sie ihren Emotionen folgen und so Fehler machen. Beide sind auf ihre Art jedoch sympathisch und tragen die Handlung.

Besonders gut gefallen hat mir, dass nicht nur die Unterdrückung der Schwarzen thematisiert wurde, sondern auch Juden und Homosexuelle als Randgruppen und Opfer von Ausgrenzung und Gewalt thematisiert wurden. Selten ist es in einem Unterdrückungsstaat nur eine Minorität, die den Anfeindungen ausgeliefert ist.

Trotz der Ernsthaftigkeit der Geschichte wird diese mit einem lockeren, oft sogar lustigen Ton erzählt, was nur unterstreicht, dass es keinen Sinn macht, den Kopf in den Sand zu stecken, egal wie verzweifelt man ist.

Ein gelungener Roman, der zudem vom Verlag wunderschön gestaltet wurde und so auch optisch richtig etwas hermacht.

Ein herzlicher Dank geht an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Verlagsseite.

Livia Klingl – Der Lügenpresser

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Livia Klingl – Der Lügenpresser

Karl arbeitet seit Jahrzehnten als Journalist in Wien. In der Außenpolitik hat er sich einen Namen gemacht, über den Zusammenfall Jugoslawiens berichtet, ebenso wie über die Kriege im Irak und Afghanistan. Inzwischen ist er, wenn auch nur mäßig zufrieden damit, bei der aktuellen lokalen Tagesberichterstattung und muss dokumentieren, wie seine geliebte Heimat vor die Hunde geht. Kein Politiker hat mehr den Schneid, das auszusprechen, was gesagt gehört. Asylanten überfluten das Land und man erkennt seine eigene Stadt nicht mehr. Aber das denkt er alles nur, schreiben kann man so etwas ja nicht. Zum Glück hat er Sonja, die nicht viel von ihm verlangt, vor allem nicht an ihm rummäkelt und zu einem anderen Mann machen will. Eigentlich könnte er sie heiraten, was er mit seiner ersten Partnerin versäumt hatte. Doch dann kommt alles anders, als Karl es geplant hatte.

Livia Klingl weiß, worüber sie schreibt, als erfahrene und gestandene Journalistin ist sie bestens damit vertraut, wie das Business läuft und dass zwischen dem, was so mancher ihrer Kollegen gerne veröffentlicht hätte, und dem, was dann tatsächlich in der Zeitung zu lesen ist, bisweilen ein großer Graben klafft.

Ihr Protagonist Dr. Karl Schmied ist entsprechend dann auch nicht das, was man von einem angesehenen Reporter erwarten würde. Er sieht nicht die großen Zusammenhänge und kann die aktuellen Entwicklungen einordnen. Er steht nicht über den Dingen und vertritt kein links-intellektuelles Weltbild, das vom Streben nach Weltverbesserung geprägt ist. Ganz im Gegenteil, er ist ein Kleingeist, ein Egoist und ein Mensch, der an einem vergangenen Bild Wiens klebt, das schon längst überholt ist und auch nie mehr wiederkehren wird. Sein innerer Monolog ist geprägt von Banalitäten, die grenzwertig rassistisch sind, von einfachsten Erklärungen und Lösungen, wie man sie am rechten Rand des politischen Spektrums findet. Und von der Abwesenheit jeglicher Reflektiertheit und realistischer Selbsteinschätzung. Er streift die großen Themen, die sowohl Österreich wie auch Deutschland in den letzten 2-3 Jahren bewegt haben und ordnet diese in sein klar und einfach strukturiertes Weltbild ein.

Da dieses auf tönernen Füßen steht, kann es auch recht schnell erschüttert werden. Es beginnt in seinem Privatleben, wo die Frau, die er liebt und ehelichen möchte, sich als eine andere erweist als er dachte. Sein verblendeter Blick auf die Welt hat es ihm verwehrt zu erkennen, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Diese Scheuklappensicht fordert nun ihren Preis.

Klingl führt Karl Schmied vor, entlarvt die einfachen Erklärungen und legt damit den Finger in die Wunde, die an der Stelle klafft, wo man so leicht das rechte Gedankengut abqualifiziert, weil es eh nur die Zurückgebliebenen und Dummen anspricht. Ganz im Gegenteil, auch vermeintlich Gebildete sind dafür empfänglich.

Auch wenn der Roman von einem gänzlich unsympathischen Charakter getragen wird, dessen Weltsicht bisweilen heftige Reaktionen bei einem als Leser auslöst, ist er doch durch und durch gelungen, weil er in sich völlig stimmig ist. Hierzu passt auch das überraschende Ende, das sich aber nahtlos in die Figurenzeichnung einfügt. Daneben besticht Livia Klingel mit einer ausgefeilt-pointierten Ausdrucksweise, die einem mehr als einmal schmunzeln lässt. Mal wird über „Menschen mit ohne Intelligenzhintergrund“ gelästert, dann wiederum lässt sie Karl erkennen, dass die Politik auf die Journalisten als Vordenker angewiesen ist und die endlich mal wieder „Altdeutsch“ mit jenen reden sollten, die die hiesige Ordnung nicht verstehen wollen.

Eine literarische Abrechnung mit den Kleingeistern und Ewiggestrigen, die jedoch nicht mit dem Holzhammer plakativ, sondern gelungen subtil erfolgt.