Patricia Highsmith – The Cry of the Owl

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Patricia Highsmith – The Cry of the Owl

Nach einer schrecklichen Scheidung von seiner Frau Nickie verlässt Robert Forester New York und zieht in das beschauliche Langley in Pennsylvania. Dort beobachtet er eines Abends die junge Jenny, die er fortan regelmäßig durch ihr Küchenfenster ausspioniert. Als Jenny merkt, dass jemand draußen ist, reagiert sie nicht verängstigt, sondern lädt Robert ein und bald entwickelt sich eine Freundschaft zwischen beiden. Für Jenny ist das Auftauchen Roberts jedoch noch weit mehr, sie sieht darin ein Zeichen und löst ihre Verlobung mit Greg Wyncoop, der seinerseits Rache schwört. Er schließt sich mit Nickie zusammen und beide wollen Robert bezahlen lassen. Geschickt bauen sie ihm eine Falle, doch ihr Plan geht nicht ganz auf.

 

„The Cry of the Owl“ (Der Schrei der Eule) wurde von Patricia Highsmith 1961 verfasst und der Titel spielt auf Jenny’s Aberglaube an, demzufolge die Eule ein Überbringer von schlechten Nachrichten ist, weshalb sie recht bald Robert sehr stark mit dem Tod assoziiert. Der Roman ist weit mehr ein Psychogramm seiner Figuren als das andere Werke von Highsmith sind, wir haben hier keinen geschickten Betrüger, der die ganze Welt narrt (wie in The Talented Mr Ripley oder The Two Faces of January), sondern ein komplexes Miteinander sehr verschiedener Charaktere. Heute gilt es als einer der weniger relevanten Romane Highsmiths, mir persönlich hat er vor allem wegen der düsteren und oft bedrohlichen Atmosphäre sehr gut gefallen.

 

Der Roman startet in gemäßigtem Tempo, kann aber schon von Beginn an durch das heimliche Beobachten Jenny mit starker Spannung punkten. Mit fortschreitender Handlung wird auch das Tempo immer höher und die Ereignisse folgen immer schneller aufeinander. Interessant sind alle Figuren auf ihre Weise, bei Robert stand für mich vor allem seine Verzweiflung ob der Bedrohung, die von der Polizei ignoriert wird, im Vordergrund. Wehrlos muss er mitansehen, wie sein Leben offen bedroht wird. Bei Jenny hingegen habe ich mich bisweilen gefragt, wie gesund ihr Geisteszustand tatsächlich ist, ihre Manie in allem unheilbringende Zeichen zu lesen war schon verstörend. Nicki und Greg treten zwar überwiegend als bösartige Racheengel in Erscheinung, haben aber auch ihren interessanten Seiten.

 

Der Stil kommt unverkennbar aus einer anderen Zeit, was aber dem Unterhaltungswert in keiner Weise einen Abbruch tut, ganz im Gegenteil.

Jo Piazza – Charlotte Walsh Likes to Win

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Jo Piazza – Charlotte Walsh Likes to Win

She is one of the most successful women in the Silicon Valley, but now she wants more: Charlotte Walsh is running for Senate in her home state Pennsylvania. She has got a great team, her campaign manager Josh has won several times before and is an experienced spin doctor and her assistant Laila has been with her in San Francisco before. But the most important are her husband Max and their three young daughters. So, the family leaves the bay area and moves in the house in the small town Charlotte grew up and that thirty years before she had sworn never to come back to again. Once the campaign starts, Max and Charlotte have to realise that they had no idea what these eighteen months would mean and the brittle marriage is getting closer to breaking. And their well-kept secrets suddenly threaten to come out when the fight for the win becomes ugly.

I really adored the character of Charlotte from the start. On the one hand, she is the successful businesswoman who made her way from a poor background to the top and is not afraid of taking hard decisions. On the other hand, we get her thoughts and years of success and a place at the top cannot prevent her from self-doubt and insecurity. She never really could get rid of the small town girl coming from a non-academic family.

Also the fact that she is constantly torn between having a career and being a mother seems to be quite authentic. Max takes a sabbatical to support her, but he is considered a wonderful and extraordinary husband – yet, he only does what thousands of women have done for their husbands and he still expects her to take over household duties. Even though they have quite an equal partnership, some traditional roles just cannot be abdicated that easily and more than once Charlotte wonders why this is the case and why she is treated differently from any male candidate.

Apart from those serious topics, the novel is first and foremost hilarious to read. There are so many comical situations that I several times wanted to laugh out loud, like e.g. when Charlotte picks a random pair of shoes for her first big speech since she is late and her baby daughter had “eaten” the one she wanted to wear and the media make a hype out of the question why she refuses to wear high heels and consider this an important statement – what she actually said was of only minor interest.

“Charlotte Walsh wants to win” is the perfect summer read, it gives insight in a political campaign which is fought with all means, also the very hideous ones, and adds to the discussion of gender roles and the question if women actually can achieve everything that men can.

Robin Wasserman – Girls on Fire

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Robin Wasserman – Girls on Fire

Hannah Dexters Leben ist ereignislos, wenn man es positiv ausdrücken möchte. Langweilig, wenn man es realistisch betrachtet. Sie hat keine wirklichen Freunde und wird weitgehend ignoriert. Das ist nicht schlecht, denn so vermeidet man auch alles, was einen verletzten oder später im Leben schaden kann. Nachdem ein Mitschüler sich das Leben genommen hat, sucht Lacey Champlain Kontakt zu ihr. Die neue, wilde Mitschülerin, von der man noch nichts weiß, obwohl sie schon seit Monaten in dieselbe Klasse geht. Die beiden Mädchen könnten kaum verschiedener sein: Hannah das brave, wohlerzogene Mädchen, Lacey äußerlich wie innerlich rebellisch. Lacey zeigt Hannah, wie sie auch sein kann, bringt ihr Musik nahe, vor allem Nirvana, und trinkt zum ersten Mal mit ihr. Langsam wird auch dem gehorsamen Teenager ein eine aufsässige junge Frau, die in einen Strudel von Lügen und Betrug gerät, ohne es zu merken. Das Mädchen wird zum Spielball und für hinterhältige Zwecke missbraucht. Aber ist es wirklich Lacey, die hinter allem steckt?

Robin Wasserman hat ihren Roman in die Anfänge der 1990er verlegt und den Ursprüngen des Grunge und der aufstrebenden Band Nirvana so ein kleines Denkmal gesetzt. Ihr Roman ist bezogen auf das Genre nicht ganz einfach einzuordnen, einerseits geht es um zwei Mädchen, die langsam erwachsen werden – mit allen schönen und hässlichen Seiten, da liegt Young Adult nahe. Gleichzeitig schildert sie aber auch sehr drastisch psychologische „Kriegsführung“, emotionaler Missbrauch und Gewalt, was nicht wirklich für Jugendliche geeignet ist. Ein interessanter Genremix, der sich am Ende zu einem wahrhaftigen Psychothriller entwickelt.

Die beiden Protagonistinnen sind glaubwürdig gezeichnet und könnten verschiedener kaum sein, was von Beginn an die Frage aufwirft, was sie verbindet. Das Band wird erst ganz zum Ende sichtbar, zwar deutet sich einiges an, aber clever wird immer wieder eine leichte Variante erzählt, andere Aspekte kommen hinzu und indem Robin Wasserman die beiden im Wechsel erzählen lässt – immer wieder kurz unterbrochen von Einwürfen anderer Figuren – dauert es, bis man als Leser durchschaut, welches Spiel gespielt wird und welche Koalitionen sich im Hintergrund bzw. vor der eigentlichen Handlung gebildet hatten. Vor allem die psychologischen Aspekte, die Motive und die erkennbaren Störungen der Mädchen sind der Autorin glaubwürdig gelungen.

Ein spannendes Buch über ausgesprochen destruktive Figuren, spannend geschrieben und mit einer cleveren Handlungsführung, die die amerikanische Provinz zum Tatort hinterhältigster Verbrechen macht.