Emily Henry – Book Lovers

Emily Henry – Book Lovers

Nora Stephens, in the book industry also known as “shark”, is a successful New York agent whose life is dedicated to her job. Accordingly, relationships have not been that successful so far, but that’s ok for her. When her sister Libby asks her for a four-week stay in Sunshine Falls, North Carolina, the place where one of her best-selling books is located, Nora is reluctant, she cannot stay away from work so long; yet, Libby is pregnant and Nora does not want to refuse her sister’s greatest wish, she is the only family she has. Nora knows all the stories about New Yorkers coming to small towns and falling in love, she has read them all, even published some of them, therefore, she can only ironically comment the fact that on her first day, she runs into Charlie Lastra – her biggest nemesis.

Admittedly, I am not really a fan of rom-coms, no matter if they come in form of books or movies. However, I really enjoyed Emily Henry’s “Beach Read” and as there was so much talk about “Book Lovers”, I was looking forward to reading it. Of course, the bestselling author did not disappoint, quite the contrary, I thoroughly enjoyed how she does not take the genre too seriously but lets her characters comment on it mockingly again and again throughout the novel.

“We know how this ends.”

Libby squeezes my arm. “You don’t know. You can’t until you try.”

“This isn’t a movie, Libby,” I say.

You do not need to find the typical tropes, Nora will find them for you and Emily Henry does not leave out a single one: the big city girl who looks down in small town life, the sister who mysteriously vanishes during daytime and does not tell what is doing or where she is going, the incidental meeting with the one man she does not want to see far away from home, the charming bookshop, cringeworthy small town activities, another attractive man – who does not like the first, of course – you name it. Even though there are no big surprises, I totally enjoyed diving into the story and seeing all the clichés unfold.

As a book lover, it was easy to fall for this one, a lot of references and hints to the industry offer the perfect setting for the two protagonists to fight their feelings which, needless to say, they cannot admit at first. Another perfect summer read by Emily Henry.

Agnès Desarthe – Die Chance ihres Lebens

Agnès Desarthe – Die Chance ihres Lebens

Eine Chance, die sie nicht ausschlagen können. Hector erhält das Angebot einer Gastprofessur an einer amerikanischen Universität. In Paris fühlen sie sich nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo ohnehin nicht mehr wohl und so brechen sie gemeinsam in die neue Welt auf. Hector lebt sich sofort an seinem neuen Arbeitsplatz ein, der sonst eher zurückhaltende und unscheinbare Philosoph wird plötzlich bewundert, die Frauen scharen sich nur so um den 60-Jährigen. Seine Frau Sylvie hingegen hat größere Schwierigkeiten in der neuen Umgebung anzukommen, ihr bisherigen Dasein wird durcheinandergeworfen und darin verliert sie sich selbst. Ihr Sohn Lester, der im Flugzeug einer Eingebung folgend beschlossen hat, sich zukünftig nur noch „Absalom Absalom“ nennen zu lassen, lebt sich auf ganz eigene Weise in seiner High-School ein.

„Das Leben von ihnen dreien würde so radikal auf den Kopf gestellt, dass das Motto von Edwina, ihrer Schwiegermutter, hier doch einmal passte: „Sich immer wundern, aber nie die Fassung verlieren.““

Agnès Desarthe folgt in ihrem Roman dem klassischen dramatischen Aufbau. Der verheißungsvolle Aufbruch, erste Störungen des Gleichgewichts, der dramatische Höhepunkt und das etwas übereilte Ende, das einen Punkt hinter das Abenteuer Amerika setzt. Dazwischen explorieren die Figuren wo sie angekommen sind in ihrem Leben, vor allem Sylvie analysiert und hinterfragt, wo nach fast vier Jahrzehnten ihre Ehe steht, die sich in Paris noch in einer perfekt austarierten Balance befand, die durch Hectors unerwartete neue Popularität ins Wanken gerät.

„Sylvie weiß es nicht. Ich liebe dich, sagt sie in Gedanken, an Hector gerichtet. Dann sagt sie: Ich liebe dich nicht. Ihr scheint, dass keiner der beiden Sätze richtig ist.“

Die Ehe von Sylvie und Hector folgt ganz eigenen Gesetzen. Er der denkende Intellektuelle, der seine Frau benötigt, um ihm die Bestätigung zu geben, die ihm sonst verwehrt wird. Zwar hat er eine hohe Position erreicht, aber in Paris scheint er eher unscheinbar. Die eigensinnige Definition Sylvies von Freiheit – kein Beruf engt sie ein, keine Tätigkeit schreibt ihr einen Tagesablauf oder Gemütszustand vor – hat ihn von je her fasziniert und lässt Sylvie trotz der körperlichen Veränderungen, die mit dem Alter unweigerlich einhergehen, immer noch eine begehrenswerte Frau für ihn sein. Nichtsdestotrotz verfällt er der Bewunderung der Amerikanerinnen, stellt jedoch seine Ehe zu keinem Zeitpunkt in Frage.

„Sind Sie auch Professorin?“ „Nein“, antwortete Sylvie leise. „Ich bin nichts.“

Auch Sylvie empfindet ihre Verbindung ähnlich, sie weiß bald von den Affären, beobachtet diese sogar, doch mehr noch als an der Ehe zu zweifeln, hinterfragt sie ihr Selbstbild und die Art, wie sie ihr Leben eingerichtet hat. Sie ist nicht Hausfrau und Mutter, verweigert sich diesen Definitionen ganz aktiv, doch in der Ferne, herausgerissen aus dem bekannten Umfeld, stellt sie ihr Lebensmodell infrage und fühlt sich genötigt, neue Wege zu gehen.

Lester erfindet sich selbst völlig neu. In einem religiösen Wahn glaubt er, erleuchtet zu sein und schart seine Mitschüler wie ein Sektenführer um sich. Hörig folge sie ihm und lassen sich von seinem Geist beseelen.

Drei Figuren, die gemeinsam ausbrechen und sich selbst ganz neu erleben oder definieren. Eine Chance fürwahr, doch ob dieser Neuanfang auch Glück bringt? Ein ruhiger Roman, der sehr eng bei den Gedanken der Familienmitglieder ist und ihre Zweifel und Emotionen offenlegt. Außergewöhnliche Charaktere, von denen ebenso eigenwillig erzählt wird.

Delia Owens – Where the Crawdads Sing

delia owens where the crawdads sing
Delia Owens – Where the Crawdads Sing

Einer nach dem anderen geht. Erst die älteren Geschwister, dann die Mutter und zuletzt auch der gewalttätige Vater. Kya bleibt mit sechs Jahren allein zurück in der Hütte im Marschland von North Carolina. Anfang der 1950er Jahre ist der White Trash, der sich dort niederlässt, weitgehend vom Alltagsleben des benachbarten Örtchens ausgeschlossen, Eltern bringen ihren Kindern früh bei, sich von diesen Wilden fernzuhalten und auch der Staat unternimmt nur wenig, um die Fürsorge für Kinder wie Kya zu sichern. So wächst das Mädchen inmitten der Natur mit den Tieren auf. Formale Bildung kennt sie nicht, aber die Landschaft und Vögel bringen ihr alles bei, was sie zum Überleben wissen muss. In Tate findet sie schon in jungen Jahren einen Verbündeten, er ist der einzige, zu dem sie Vertrauen fasst und der wie sie fasziniert ist, von der Vielfalt, die das Land zu bieten hat. Sie lebt weitgehend isoliert, doch das menschliche Bedürfnis nach Zuwendung ist manchmal stärker und kommt auch ohne Enttäuschungen nicht aus.

Delia Owens Debutroman trägt unverkennbare Spuren ihrer früheren Arbeiten, hat sie bereits mehrere Bücher über die afrikanische Savanne geschrieben. Die Natur ist der Dreh- und Angelpunkt des Romans, durch die Augen des jungen Mädchens, das im Einklang mit dieser versucht zu überleben, wird die Geschichte erzählt. Die Menschen sind dabei nur eine weitere, wilde Spezies, die genau wie Vögel und Flusstiere auch, ihre guten und die verabscheuenswürdigen Seiten zeigen.

Es war für mich nur schwer vorstellbar, dass mich eine Geschichte um ein einsames Mädchen im Marschland der 1950er Jahre interessieren könnte. Der Autorin gelingt es jedoch, die Naturbeschreibungen spannend und interessant zu gestalten, so dass man ihnen gerne folgt. Myas Überleben hingegen ist von einer unsäglich traurigen Einsamkeit geprägt, die eine kindliche Naivität nie ablegt, aber gerade durch das Unrecht, das man ihr tut, berührt und nicht wirklich kitschig wird. Der Roman spielt mit starken Emotionen auf der individuellen wie auch gesellschaftlichen Ebene, denn neben Kyas Geschichte wird auch klar, wie stark eine kleine Gemeinschaft sein kann und wie schwer das Leben für Randgruppen – Außenseiter im Marschland, Schwarze – durch diese wird und wie Vorurteile das Denken bestimmen. 

Ob dies alles authentisch und glaubwürdig ist, ist nachrangig, denn der Roman überzeugt durch eine poetische Sprache, die einem als Leser nicht kaltlässt.

Marybeth Mayhew Whalen – The Things We Wish Were True

marybeth-mayhew-whalen-the-things-we-wish-were-true
Marybeth Mayhew Whalen – The Things We Wish Were True

Die Bewohner von Sycamore Glen in North Carolina haben sich in ihrem Leben eingerichtet. Jeder kennt jeden, weiß alles über die anderen und so geht jeden Morgen die Sonne auf und abends wieder unter. Als Jencey nach vielen Jahren plötzlich wieder zurückkehrt, irritiert das ihre früheren Freunde. Urplötzlich hatte sie den Ort verlassen, niemand wusste wohin und was in der Zwischenzeit aus ihr geworden war. Dass sie nun mit zwei Kindern aber ohne Vater wieder bei der Mutter wohnt, weckt Fragen. Ihre damals beste Freundin Bryte hat Jenceys Ex-Freund Everett geheiratet und einen wundervollen Sohn mit ihm bekommen, als Hausfrau und Mutter lebt sie ein beneidenswertes und sorgenfreies Leben. Ein schrecklicher Unfall würfelt die berechenbare und überschaubare Ordnung der Kleinstadt durcheinander, neue Verbindungen reißen alte Wunden auf und bringen ungeahnte und wohl gehütete Geheimnisse an die Oberfläche. Und siehe da: mehr als einer der biederen Bewohner hat eine Leiche im Keller.

Marybeth Mayhew Whalens Roman folgt dem Rhythmus des heißen Südstaatensommers. Eigentlich wollen alle ihre Sorgen vergessen und beim Baden im Pool die Zeit genießen. Doch genau dieser friedliebende Ort ist Ausgangspunkt für das Drama, dass die Kleinstadt einholen wird. Man lernt die Figuren kennen, doch bald schon sind es die kleinen, geradezu nebensächlich dahingeworfenen Andeutungen, die einen aufhorchen und schon ahnen lassen, dass hinter den Fassaden noch eine ganz andere Geschichte lauert. In gemächlichem Tempo nähert sich die Autorin den Figuren, keineswegs zu langsam oder gar langweilig, sondern clever aufgebaut, den Leser in Sicherheit wiegend, bevor eine nach der anderen Keule ausgepackt wird.

Das Figurenkabinett ist breit gefächert und psychologisch durchdacht und überzeugend. Die ehemals besten Freundinnen, die jedoch der anderen schon immer vieles neideten und ihre Freundlichkeit nur vorgeschoben haben; die Mütter, die lieber wegschauen und leugnen, als sich der harten Realität zu stellen; Väter, denen die Rolle sichtlich zu groß ist und natürlich jede Menge Nachbarn, die gerne hilfsbereit sind, aber noch lieber herumschnüffeln, um die kleinen und großen Geheimnisse aufzudecken.

Ein unterhaltsamer Roman über normale, durchschnittliche Menschen, die den äußeren Schein zu wahren versuchen und sich plötzlich doch der Realität stellen müssen.