Gilly Macmillan – Die Nanny

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Gilly Macmillan – Die Nanny

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes kehrt Jo mit ihrer Tochter Ruby zurück nach England. Eigentlich wollte sie nie mehr einen Fuß in ihr Elternhaus Lake Hall setzen, nur schlechte Erinnerungen hat sie an die kaltherzige Mutter und den ebenso wenig empathischen Vater. Nur ihre ehemalige Nanny, die hat sie geliebt, doch Hannah verschwand eines Tages plötzlich und die Eltern sagten ihr, ihr schlechtes Benehmen sei der Grund dafür. Das Verhältnis zwischen Jo und ihrer Mutter Virginia ist angespannt, die Dame der Oberschicht scheint an allem etwas zu kritisieren zu haben und pflegt einen Lebensstil, wie man ihn nur noch auch Fernsehserien wie Downton Abbey kennt. Beim Spielen entdecken Jo und Ruby zufällig einen Schädel im Teich des Anwesens, Virginia ist entsetzt, kommt jetzt etwas ans Licht, das sie seit vielen Jahrzehnten sicher im Wasser versteckt dachte? Jo hat einen bösen Verdacht und dieser befeuert ihr Misstrauen gegenüber der eigenen Mutter noch mehr. Doch dann steht eine unerwartete Besucherin vor der Tür.

Gilly Macmillans Roman merkt man an, dass die Autorin Kunst studiert hat, denn diese spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte auf dem herrschaftlichen Landsitz. Dieser schafft auch die passende Atmosphäre für einen Kriminalfall, der mit erstaunlichen Wendungen aufwartet. Das große alte Haus mit seinen vielen Zimmern und geheimen Gängen bietet die passende Kulisse für ein Familiendrama, in dem der äußerliche Schein wichtiger zu sein scheint, als echte Emotionen und Zuneigung, wo angemessenes Verhalten – gemessen an einer seit Jahrhunderten tradierten Etikette – über echtem Empfinden steht und somit die Figuren keine Bindung eingehen und schon gar kein Vertrauen zueinander aufbauen kann. Darin liegt der größte Reiz: keine der drei Frauen kann den anderen trauen und auch als Leser weiß man nicht, welcher Perspektive man folgen soll.

Zugegebenermaßen sind alle drei gleichermaßen unsympathisch. Virginia als grantige alte Hausdame, die auf den Pöbel herabschaut und dies auch offen zeigt; Jo, die ziemlich naiv nach dem Tod ihres Mannes hilf- und mittellos dasteht und ganz offenkundig mit eigenständiger Lebensführung und Kindererziehung maßlos überfordert ist und sich in ihrer grenzenlosen Vertrauensseligkeit wirklich jeden Bären an die Backe binden lässt; und zuletzt die Nanny Hannah, die lange in ihrer Motivation mysteriös bleibt. Unausgesprochene Vorbehalte, Erinnerungen, die mal richtig, bisweilen aber auch falsch sind, und ein grundlegendes Misstrauen befeuern den subtilen Kampf – ja, worum eigentlich? Auch das wird erst nach und nach klar und ist dann doch ganz anders als man vermutet hätte.

Ein clever konstruierter Plot, der geschickt mit Sein und Schein spielt. Ein paar Brüche in der Figurenzeichnung lassen diese für mich nicht ganz authentisch wirken, die unerwarteten Wendungen machen dies aber locker wieder wett.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autorin und Buch finden sich auf der Internetseite der Verlagsgruppe Random House.

Lucy Atkins – Magpie Lane

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Lucy Atkins – Magpie Lane

When Dee returns from an overnight trip to London, the Oxford College Master’s Lodging is a mess: Felicity, the girl she nannies and who suffers from selective mutism has vanished. Her Danish stepmother Mariah never bonded with the girl and since she has given to her own boy, she is totally exhausted and incapable of taking care of this extraordinary 8-year-old. Felicity must have sleepwalked, something she frequently does during her nightmares which have intensified since they moved to the old spooky house. For the police, Dee is one of the prime suspects because Nick Law, Felicity’s father, is convinced of her guilt. So they interview her over several days to get an understanding of the girl’s special situation and the relationship she had with her loving nanny who could never do her any harm, could she?

Lucy Atkins’s “Magpie Lane” is a very clever and creepy novel which brilliantly conveys the atmosphere of an old, dark house where you immediately believe ghosts could wander and haunt the inhabitants. Apart from this, she has created lovely characters who are not only very peculiar but with whom you bond straightaway even though some doubt about Dee’s involvement in Felicity’s vanishing is looming over the story.

I totally adored how Atkins uses the old university town in her novel. First of all, the house itself which provides a long and spine-chilling history, but also the cemeteries and walk ways which have a lot to tell. Apart from the surrounding, the people there also seem to live in the past which is especially tricky for a modern woman like Mariah. Even though she, on the one hand, is kind of “evil stepmother”, things are not that simple. I can understand how frustrating her situation is there: she is just “the wife of”, ignored for not being a real part of the Oxford community and everything with which she normally can charm people does not work here. Additionally, the situation with Felicity is undoubtedly highly challenging for her and then, things become even more dire with her own child crying day in, day out from colic.

Even though Dee is telling the story through the police interviews, Felicity is at the centre. This girl is surely a challenge for everybody but due to Dee’s sensibility you come to love and understand her increasingly. Her nightmares and obsession with death is somehow bizarre and unnerving yet understandable when you get to know her story. My personal highlight was the character of Linklater. The eccentric historian who seems to be completely unaware of the world outside his head fits perfectly in a place like Oxford and plays an important part in creating the somehow Gothic atmosphere.

Atkins’s way of foreshadowing adds to the suspenseful atmosphere and makes it a wonderful read that I enjoyed thoroughly.