Alfred Hackensberger – Letzte Tage in Beirut

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Alfred Hackensberger – Letzte Tage in Beirut

Das Attentat, das eine krisengebeutelte Region einmal mehr erschüttert: am 14. Februar 2005 wird der ehemalige Premierminister des Libanon, Rafiq Hariri, mit einer Autobombe im Zentrum Beirut getötet. Zahlreiche weitere Menschen kommen bei dem verheerenden Anschlag ebenfalls ums Leben oder werden verletzt. Bis heute ist unklar, wer hinter der Tat steckt, Verdächtige gibt es viele: Israelis, Syrer, die Hisbollah, sonstige Feinde des Unternehmers. Alfred Hackensberger zeichnet die Tat nach: die Täter, der Hintermänner, der Journalist, der für den Westen darüber berichtet. In rascher Folge wechseln die Perspektiven und die Unübersichtlichkeit der Handlung spiegelt das Chaos des Landes eins zu ein wider.

Basierend auf den realen Ereignissen zeichnet der Autor ein mögliches Szenario des Anschlags. Der Reiz liegt vor allem in der Person des Opfers, bis heute wird Hariri in seiner Heimat verehrt, einer seiner Söhne hat inzwischen sein politisches Erbe angetreten. Er ist wohl eines der prominentesten Beispiele für die komplexe Lage im Mittleren Osten, wo Geschäftsinteressen und politische Ambitionen sich vermischen, wo Geheimdienste ebenso wie Terrororganisationen versuchen ihren Einfluss geltend zu machen. Und kaum ist einer der Big Player von der Bildfläche verschwunden, rückt der nächste schon nach.

Als Buch nicht ganz einfach zu beurteilen, „Letzte Tage in Beirut“ ist als Thriller gekennzeichnet, rein dem Inhalt nach mag dies zutreffen, jedoch bleibt der Schreibstil fern jeder Spannung, sondern wirkt geradezu nüchtern. Für mich überzeugt Hackensberger eher durch eine authentisch wirkende Darstellung der Atmosphäre und politischen Lage des Libanon im Jahr 2005.

James Rayburn – Fake

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James Rayburn – Fake

Die Friedensverhandlungen versprechen endlich etwas Ruhe in das kriegsgebeutelte Syrien zu bringen. Ein Drohnenangriff der Amerikaner tötet jedoch nicht nur ein beabsichtigtes Ziel, sondern auch Catherine Finch, Ärztin, die seit längerem als Geisel in der Hand des IS ist und durch aufsehenerregende Videos zu einer Berühmtheit in ihrer Heimat wurde. Kommt dies an die Öffentlichkeit, wird der ganze Prozess gefährdet. Die Regierung entscheidet, dass dies ein Auftrag für den Ex-Agenten Pete Town ist, der zu Finchs Ehemann beordert wird und diesen instruiert, das Überleben seiner Frau gegenüber den Medien zu beteuern. Ein kleiner Auftrag scheint es, der schnell abgeschlossen sein wird, doch dann läuft einiges aus dem Ruder und Pete Town ist ebenso in Lebensgefahr wie seine Frau und unzählige weitere Unschuldige.

Roger Smith hat unter dem Pseudonym „James Rayburn“ seinen zweiten Spionagethriller veröffentlicht, der eigentlich nichts zu wünschen übriglässt: ein hochkomplexes internationales politisches Geflecht; Agenten, die schneller die Fronten wechseln als man sich umsehen kann; Zivilisten, die sich maßlos überschätzen und dadurch in Lebensgefahr bringen und ein paar Menschen, die einfach nur aus der Lage der Welt Geld machen wollen.

Der Roman hat ein extrem hohes Tempo und die unterschiedlichen Parteien, die in den Fall involviert und deren Absichten und Motive nicht unmittelbar zu durchschauen sind, sorgen für die notwendige Spannung, die man von einem Thriller erwarten würde. Dabei verzichtet der Autor auf einfache schwarz-weiß-Malerei; ähnlich komplex wie die globalen-geführten Konflikte sind auch die Beweggründe der Figuren, vor allem die beiden Protagonisten entwickeln im Laufe der Handlung immer mehr ungeahnte Facetten, die sie realistisch und authentisch wirken lassen, denn kaum einmal ist die Wirklichkeit einfach zu erklären und verläuft nur höchste selten geradlinig. So entsteht eine Story, die alle Erwartungen an einen glaubhaften Spionagethriller voll erfüllt.

Joakim Zander – Der Freund

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Joakim Zander – Der Freund

Klara musste ihren geliebten Großvater beerdigen, ihre Freundin Gabriella ist wie immer an ihrer Seite. Doch Gabriella ist abgelenkt, irgendetwas belastet sie. Am nächsten Morgen wird sie vor den Augen Klaras in ihrer Kanzlei verhaftet. Diese agiert schnell und kann eine geheime Nachricht der Freundin entdecken: sollte Gabriella etwas geschehen, muss Klara einen geheimen Informanten in Brüssel treffen. Dieser ominöse Mensch ist ein Praktikant der schwedischen Botschaft in Beirut. Jacobs Zeit dort ist geprägt von Langeweile im Büro und umso mehr Aufregung durch seinen Freund und Liebhaber Yassim. Dieser gibt kaum etwas von sich preis, verschwindet immer wieder für Wochen spurlos und trifft sich mit zwielichtigen Personen. Jacob ahnt selbst, dass mit Yassim etwas nicht stimmt, als er von einer mysteriösen Frau kontaktiert wird, die behauptet, dass Yassim ein Terrorist sei, weiß er nicht mehr, was er glauben soll. Doch dass er sich in größte Gefahr begeben hat, wird Jacob nicht erst klar, nachdem seine Wohnung verwüstet wurde und sein Leben bedroht wird. Helfen kann ihm wohl nur die Frau, die er Monate zuvor im Fernsehen bewundert hat: Gabriella.

Band drei von Joakim Zanders Reihe um Klara Walldéen knüpft nahtlos an die beiden Vorgänger an und ist in ebensolchem Tempo geschrieben. Auch in der Thematik bleibt sich Zander treu, ohne sich zu wiederholen oder zu langweilen. Einmal mehr dreht sich die Handlung um das Pulverfass Naher Osten und den Terror, der von dort ausgeht. Dieses Mal lehnt er sich an die Attentate von Paris am 13. November 2015 an, die er geschickt in die Geschehnisse rund um Jacob in Beirut und Klara zwischen Stockholm und Brüssel einbaut.

Seine Protagonistin entwickelt er hierbei überzeugend weiter. Klara ist nicht die fehlerlose Superheldin, der alles spielend gelingt. Nach den letzten Erlebnissen bekam sie ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, trank zu viel, um sich zu betäuben. Auch der Tod des Großvaters wirft sie aus der Bahn und ihre Gefühlswelt hat sie gar nicht unter Kontrolle. Doch merkt man, wie sie geradezu von den Erfahrungen profitiert, dadurch reifer wirkt als in vorherigen Bänden. Ähnlich verhält es sich mit Georg Lööw, ihrem Partner in der Krise und offenbar am Ende auch im Privatleben. Jacob als neue Figur ist ebenfalls vielschichtig und authentisch angelegt. Strebsam und doch verunsichert; einerseits emotionsgeleitet und dann doch wieder rational-zweifelnd. Sich mit ihm zu identifizieren und seine Zwickmühle nachzuvollziehen, macht einem Joakim Zander sehr leicht.

Die kurzen Kapitel mit schnellen Ortswechseln sorgen für ein hohes Tempo in der Geschichte. Die zeitversetzte Handlung, die vom Ende und dann wieder vom Anfang an erzählt wird, erhöht die Spannung zudem. Der Roman entbehrt nicht einer gewissen Komplexität, die die Wirklichkeit glaubwürdig widerspiegelt und bestimmte real nicht aufzulösende Spannungen und Verwicklungen in der internationalen Diplomatie und Politik ebenfalls als solche stehenlässt. So erfüllt Joakim Zander einmal mehr voll die Erwartungen an einen anspruchsvollen Thriller und bleibt derzeit einer der besten schwedischen Autoren im Genre.

 

Ein Dank geht an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autor finden sich auf der Verlagsseite.