Luba Goldberg-Kuznetsova – Lubotschka

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Luba Goldberg-Kuznetsova – Lubotschka

Nicht mehr lange bis Lubotschka und ihre Mutter das geliebte Sankt Petersburg gen Deutschland verlassen werden. Doch ein paar Ereignisse stehen noch an: der Schulabschluss mit dem Ball, der 18. Geburtstag, die erste Nach mit einem Mann, noch einmal Silvester. Obwohl sich das Mädchen auf das neue Leben freut, wird sie doch fast vom Wehmut übermannt. Kann man sich angemessen von der Heimatstadt verabschieden? Sie birgt so viele Erinnerung an das Internat, die Schuljahre, die Freundinnen und natürlich all die Wege, die sie in den vielen Jahren gegangen ist: auf dem Newski Prospekt, an der Newa entlang oder der Fontanka, in die teuren Boutiquen und auf die billigen Märkte.

Es liegt auf der Hand, dass in ihrem Debüt sehr viel von der Autorin selbst liegt. 1982 im damaligen Leningrad geboren, hat sie genau wie die Protagonistin den großen Wandel und die Öffnung gen Westen in den 1990er Jahren als junges Mädchen erlebt und ist 2001 nach Deutschland gekommen, wo sie Philosophie und literarisches Schreiben studierte.

Zwei Aspekte haben mich im Roman besonders begeistert. Zum einen ist der Erzählton authentisch, man glaubt wirklich einem jungen Mädchen gegenüberzusitzen, das die Welt entdeckt. Die große politische Welt interessiert sie nicht, es sind die unmittelbaren Dinge um sie herum, die ihre Gedanken ausfüllen: die Freundschaften mit den Klassenkameradinnen, die internationalen Zeitschriften mit ihren meist oberflächlichen Themen rund ums Aussehen, die neueste Mode und Schminke und vor allem das perfekte Kleid für den Abschlussball. Gleichzeitig liest sie aber klassische Literatur und beobachtet und analysiert messerscharf das Treiben auf den Petersburger Straßen. Sie kommt aus einem typischen Elternhaus, das gebildet aber arm ist. Die Mutter muss als Lehrerin trotzdem noch auf der Straße Kwas verkaufen und triebt einen kleinen Handel mit Waren aus Polen. Designermode ist nicht drin, ebenso nur eine kleine Wohnung in einer Chruschtschowka.

Daneben kommt der Petersburger Atmosphäre zu Beginn des Jahrtausends eine große Rolle zu. Immer wieder bewegt sich das Mädchen durch die Stadt, die so langsam zu einem Bild entsteht. Zwischen den großen klassizistischen Gebäuden wie der Eremitage oder Gostiny Dwor, den Boulevards und den Ufern der Newa bewegt sie sich häufig in Trolleybus oder Metro und blickt bereits nostalgisch auf das, was sie verlassen wird. Es begegnen ihr die reichen Ausländer wie die armen Russen, erste lesbische Liebespaare zeigen sich öffentlich und im Fernsehen spricht der neue starke Mann an der Macht. Die Westmarken sind bekannt, auch die Waren kann man kaufen – könnte man, wenn man sie sich leisten könnte. Es war die Zeit voller Hoffnung, die noch nicht von den harten Jahren kündete, die vor dem Land standen.

Luba Goldberg-Kuznetsova ist eine neue Stimme im Literaturbetrieb, die eine ähnliche Geschichte wie Lena Gorelik oder Alexandra Friedmann hat und sich wie die beiden anderen zwischen Journalismus und Literatur bewegt. Ganz definitiv eine Generation von beachtenswerten Frauen, die auf Deutsch schreiben, aber ihr (weiß)russisches Erbe durchscheinen lassen, dass ihnen einen ganz eigenen Ton verleiht.

Katrine Engberg – Blutmond

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Ktrine Engberg – Blutmond

„(…) die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.“ [Joel 2:31]

Unheil kündigt der Blutmond an und Unheil kommt über die Kopenhagener Modeszene. Es beginnt mit dem Mord an dem Designer Alpha Bartholdy, der bei einer Veranstaltung im Rahmen der Fashion Week eine giftige Substanz getrunken hat, die seinen Körper verätzte und zu einem raschen Tod führte. Nur zwei Tage später geschieht ein weiterer Mord auf dieselbe Weise. Die Mordkommission hat allerhand zu tun und Jeppe Kørner beschleicht ein komisches Gefühl. Sein Freund Johannes hatte als letzter Kontakt zu Bartholdy, schnell stellt sich auch raus, dass beide eine Affäre hatten und sich am fraglichen Abend öffentlich gestritten hatten. Jetzt ist Johannes unauffindbar. Hat er etwas mit den Morden zu tun? Jeppes Nerven sind bis zum Reißen angespannt, da bietet auch seine neue Freundin kaum Entspannung, noch dazu da immer offenkundiger wird, dass sie im Alltag nicht so gut harmonieren wie im Urlaub. Jeppes Kollegin Anette hat derweil wenig Sinn für die Sorgen des Kollegen, ihr Gesundheitszustand macht ihr zunehmend zu schaffen und sie freundet sich fast mit dem Gedanken an, direkt auf einen Herzinfarkt zuzurasen. Aber jetzt ist nicht der richtige Moment für eine Auszeit, sie muss wohl oder übel durchhalten.

Fall zwei für das dänische Ermittlerteam, das einmal mehr von dem sympathischen Rentnerpaar Esther de Laurenti und Greger unterstützt wird, die sie im Fall des „Krokodilwächters“ kennengelernt haben. Ähnlich wie im Vorgängerband wählt Katrine Engberg einen ganz besonderen Handlungsort ihrer Heimatstadt Kopenhagen: dieses Mal wird das Geologische Museum zum Schauplatz eines hinterhältigen Mordes.

Stärker als im ersten Band der Serie steht dieses Mal das Ermittlerteam im Fokus der Geschichte, was mir gut gefallen hat, da sie vorher noch etwas zu blass blieben und jetzt ein deutlicheres Profil zeigen. Besonders Jeppe Kørner wird gefordert, ist er doch direkt mit dem Fall verbunden, da einer seiner ältesten Freunde unter Mordverdacht gerät. Diese nicht auflösbare Zwickmühle wird für ihn zur Zerreißprobe und drängt ihn immer mehr, andere Spuren zu verfolgen, so abstrus diese auch zu sein scheinen. Der Kommissar hat sich offenbar verrannt, da er die unverkennbare Erklärung nicht sehen mag. Die Lösung des Falls basiert auf einer in sich stimmigen, aber doch sehr wenig naheliegenden Verbindung, die mir ein wenig zu konstruiert erschien. Dies hat aber weder der Spannung noch dem Lesegenuss geschadet, denn einmal mehr konnte mich Katrine Engberg restlos überzeugen und die Erwartungen voll erfüllen.

Ein sauber konstruierter Fall mit einer ungewöhnlichen Mordwaffe, keine Nerven zerreißende Spannung, dafür überzeugende und authentisch wirkende Figuren, die der Handlung Leben einhauchen.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Verlagsseite.

Aloïs Guinut – Dress like a Parisian. Der Style-Guide für perfekten französischen Chic

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Aloïs Guinut – Dress like a Parisian

Wer hat sie nicht schon einmal bewundert, die aparten Französinnen, die so lässig unglaublich chic daherkommen und den Eindruck erwecken, als wenn sie gar nichts für ihr Aussehen und Styling tun müssten. Nicht umsonst gelten sie weltweit als Modeinstanz, die neidisch von den Geschlechtsgenossinnen beäugt und von den Männern begehrt wird. „How to be Parisian wherever you are“ von Anne Berest, Caroline De Maigret, Audrey Diwan und Sophie Mas schlug 2015 bereits große Wellen, nun also Aloïs Guinuts Anleitung, die zunächst stark in Aufmachung und Titel an den Bestseller erinnert, aber inhaltlich doch ganz andere Wege geht.

Die Autorin ist nicht nur Pariserin – was sie natürlich vorm Zug für diese Aufgabe qualifiziert – sondern hat auch am Institut Français de la Mode studiert und ist seit Jahren in der Modebranche unterwegs. Als Stylecoach begleitet sie ihre Kunden bei der Zusammenstellung der perfekten Garderobe und dem jeweils passenden Outfit.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung darüber, was eigentlich die typischen Kennzeichen der französischen Mode sind: von lässigem Chic über Eleganz und Individualität bis hin zum Bruch mit verfestigten Regeln. Danach folgen sehr praktisch orientierte Kapitel zu Farben, Mustern, Stoffen und Schnitt bevor sie sich den erforderlichen Basics und Accessoires zuwendet. Jede Entscheidung für oder gegen ein Kleidungsstück fällt zwingend mit der Figur der Trägerin, weshalb auch dieser ein Kapitel gewidmet wurde bevor das Buch mit den Geheimnissen der Pariserinnen endet.

Die Texte sind kurz und informativ gehalten und mit passenden Illustrationen oder Fotos bebildert. Mir gefällt die Aufmachung sehr gut, auch die Tatsache, dass immer wieder Interviews und Portraits von Frauen aus der Modebranche eingeschoben wurden. Es ist keine Anleitung, die man von vorne bis hinten durchliest, sondern die einlädt, immer mal wieder reinzulesen und Neues zu entdecken.

Pure Unterhaltung oder taugt das Buch tatsächlich was? Ganz klare Antwort: auf jeden Fall. In Ermangelung von natürlichem Talent und tiefgehendem Interesse an Mode bevorzuge ich beruflich wie privat den konservativen Büro-Look aus Rock plus Bluse und Pumps in den bekannten Farbkombinationen schwarz-weiß-grau-dunkelblau. Erfordert morgens nicht viel Nachdenken und passt immer. Ist aber auch etwas langweilig. Ich habe tatsächlich einige Anregungen gefunden, wie ich meine Outfits etwas aufpeppen kann und sie trotzdem arbeits- und alltagstauglich bleiben. Bekanntermaßen sind es ja die kleinen Dinge, die den Unterschied machen, die muss man aber erst einmal erkennen. Damit hält das Buch genau das, was es auch verspricht.

Das perfekte Geschenk für Frauen, die nicht jedem Modetrend hinterherrennen, sondern sich zeitlos-chic und dennoch modisch kleiden und ein gewisses Faible für Styling haben.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal und den Prestel Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Seite der Verlagsgruppe Random House.