Marc Elsberg – Der Fall des Präsidenten

Marc Elsberg – Der Fall des Präsidenten

Kaum ist er aus dem Flieger gestiegen, wird der ehemalige US Präsident Douglas Turner in Athen verhaftet. Der Internationale Gerichtshof hat Anklage erhoben und einen Haftbefehl ausgestellt, der durch die lokalen Behörden ausgeführt werden muss. Dana Marin ist als Vertreterin des ICC vor Ort, um den Vorgang zu überwachen, gerät aber auf das Bildmaterial, das heimlich angefertigt wird und sich sogleich online verbreitet. Damit beginnt dann auch das Kräftemessen: auf der einen Seite der ICC, der die Gerechtigkeit auf seiner Seite hat, jedoch über wenig Macht verfügt, lediglich auf die öffentliche Meinung hoffen kann. Gegenüber steht die mächtigste Nation der Welt, die sogleich die ganze Maschinerie anwirft, nicht nur um das ehemalige Oberhaupt schnell aus griechischer Haft zu befreien, sondern auch um im aktuellen Wahlkampf nicht das Gesicht zu verlieren. Gerade das Land, das für Freiheit und den Kampf gegen den Terrorismus steht, soll nun dafür angeklagt werden?

Marc Elsberg hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit spannenden Thrillern gemacht, die insbesondere dadurch herausstechen, dass er aktuelle Themen für seine Szenarien wählt. Sei es die prekäre Stromversorgung im Notfall in „Blackout“ oder auch Gentechnik in „Helix“ – immer treibt er das Gedankenspiel bis an die aushaltbare Grenze. In „Der Fall des Präsidenten“ wirft er nun die ethisch-moralische Frage auf, wie viel den Ländern Recht und Gerechtigkeit wert sind und wie in Zeiten von Deep Fakes und Fake News die öffentliche Meinung beeinflusst und Wahrheit immer perfekter gefälscht werden kann.

Die eigentliche Handlung an der Oberfläche umfasst nur wenige Tage, in denen wiederholt das Gericht tagt, das über die Rechtmäßigkeit des ICC Haftbefehls und der damit verbundenen Auslieferung an Den Haag entscheiden soll. Spannend wird die Angelegenheit durch die Nebenschauplätze, an denen ganz verschiedene Aspekte eskalieren. Die Amerikaner nutzen ihre Vormachtstellung und drohen sogleich mit wirtschaftlichen Sanktionen, erlassen Einreisebeschränkungen und positionieren sich im Streit zwischen Griechen und Türken, um so den Druck auf das Land zu erhöhen. Von der Unabhängigkeit eines Gerichts kann kaum mehr die Rede sein, wenn eine ganze Nation in Sippenhaft genommen wird.

In der Sachfrage steht natürlich die komplexe Problematik im Fokus inwieweit ein Präsident für die Taten der Armee und einzelner Soldaten in Kriegen verantwortlich ist. An Kollateralschäden bei der Zivilbevölkerung hat man sich leider gewöhnt, der vorgebliche Zweck scheint sehr viele Mittel zu rechtfertigen, insbesondere seit 9/11. Einzig der Internationale Gerichtshof könnte hier Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erheben, aber er wirkt wie ein zahnloser Tiger und zahlreiche Ausnahmen und die Nicht-Anerkennung durch Länder wie die USA lassen vernünftige Arbeit kaum zu.

Die noch junge und wenig erfahrene Vertreterin des ICC erfährt die volle Härte der eigentlich juristischen Auseinandersetzung auf ganz anderer Ebene: sofort tauchen Bilder von ihr online auf, die in tendenziöse Zusammenhänge gepackt werden, andere werden direkt skrupellos gefälscht, um so die Öffentlichkeit zu täuschen und Meinungsmache zu betreiben. Verschwörungstheoretiker und verquere Denker lassen sich zudem ungehemmt mit ihren Theorien aus.

Ins Rollen bringt alles ein Whistleblower, der seiner Intuition folgte und sich nun größter Gefahr ausgesetzt sieht. Man weiß, wie insbesondere die USA mit in ihren Augen Vaterlandsverrätern umgeht. Schützen kann ihn kaum wer in dieser Situation, denn bei dem mächtigen Gegner ist sich jeder selbst am nächsten.

Auch wenn das Ende vielleicht durch die plötzliche Action etwas zu dick aufgetragen ist, ein spannender Thriller, dem es gelingt, die Komplexität des Konflikts und der Wirklichkeit unterhaltsam abzubilden.

Ein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Blanvalet Verlag sowie das Bloggerportal. Mehr Informationen zu Autor und Titel finden sich auf der Verlagsseite.

Marc Elsberg – Blackout [Hörbuch]

BLACKOUT von Marc Elsberg
Marc Elsberg – Blackout

Zuerst scheint es nur ein unbedeutender winterlicher Stromausfall, doch bald schon wird klar, dass in ganz Europa die Stromnetzte zusammengebrochen sind und das mit verheerenden Folgen. Nicht nur frieren die Menschen schon bald in ihren Wohnungen und die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln wird knapp, sondern auch die Kraftwerke, insbesondere die AKWs melden erschreckende Fehlfunktionen. Piero Manzano, Informatiker und ehemaliger Hacker, vermutet einen heimtückischen Angriff und versucht den Behörden seine Erkenntnisse mitzuteilen. Doch dort zögert man lange einem Mann mit seiner Biographie zu vertrauen. Je länger der Ausfall andauert, desto mehr liegen die Nerven blank. Piero Manzano kämpft dennoch weiter und findet schließlich die entscheidende Lücke.

Das Szenario ist clever konstruiert und durchaus glaubwürdig dargelegt. Die sich nach und nach zuspitzende Situation anhand unterschiedlicher Privatmenschen, die Verzweiflung und Hilflosigkeit der Staatsoberhäupter und auch die Motivation der Täter lassen die Geschichte nachvollziehbar und durchaus real erscheinen. Der Komplott erscheint mir durchaus realistisch und naheliegend als perfider Angriff auf die Zivilisation. Durch unterschiedliche Schauplätze und parallel verlaufende Handlungen wird auch die Spannung über weite Teile erhalten. Einziger Kritikpunkt wie so oft in dererlei Büchern: der völlig überzogene und in keiner Weise glaubwürdige Superheld, der die Welt quasi im Alleingang rettet, obwohl er verprügelt und angeschossen wurde, seit Tagen weder Schlaf noch wirkliche Nahrung erhält und dennoch geistige und physische Höchstleitung erbringen kann. Unabhängig von der völligen Überzogenheit dieser Figur erschient es mir in der heutigen Welt auch wenig glaubhaft, dass eine einzelne Person ernsthaft ein Hackernetz zu Fall bringen könnte und tausenden Experten immer voraus ist.

Fazit: interessante Thematik unterhaltsam dargeboten.