Olivia Rayne – My Mother the Psychopath

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Olivia Rayne – My Mother the Psychopath

When children grow up, they do this in the believe that their parents know best and that they only want the best for their children. Since they hardly have any insight in other children’s homes, they forcibly must come to the conclusion that what they experience is how things in a family should be. Olivia has always known that her mother isn’t easy, they have changed home so many more times than any other kid she knows and even as a small child, she knew what to avoid and what to do around her mother for fear of her reaction. But it took her many years to understand the woman who gave birth to her and to find an explanation for her mother’s behaviour: she is a psychopath.

Olivia Rayne tells her experiences of growing up with a psychopathic mother. The chapters are dedicated to typical clinical features that a person diagnosed with this mental illness shows and a short explanation. Then, she outlines how this realised in her mother’s case. It is unbelievable to read what the girl had to endure and how she was left alone while her father watched and could clearly see what was happening. Not only did he not provide any help or shelter, he even supported his wife’s erratic behaviour. Outside the family, hardly anybody had the chance to do anything about the situation since the facade portrayed a totally different picture of the events that at times made people wonder.

The book is highly informative since you get a lot background information of how a psychopath operates. You can also recognise the patterns of manipulation they use and thus, at least I hope, get an idea of how they remain undiscovered for a long time. Yet, first and foremost, it is very moving and heart-breaking and should startle anybody who works with children to provide them with help and clear ideas of what is acceptable and what is unacceptable parental behaviour.

Charles Lewinsky – Der Stotterer

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Charles Lewinsky – Der Stotterer

Johannes Hosea Stärckle ist ein Meister des Wortes. Aber nur des geschriebenen Wortes, gesprochen bekommt er kaum mehr eine Silbe heraus, bevor das Stottern losgeht. Das war mal anders, aber Geschehnisse aus seiner Kindheit haben ihn zu dem gemacht, was er ist und das geschriebene Wort wurde zu seinem Beruf. Jedoch nicht als Journalist oder Schriftsteller, sondern als Betrüger, weshalb er auch jetzt eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Dies hindert ihn jedoch nicht am Schreiben und der Padre wird sein Publikum. Ihm vertraut er sich, erzählt aus seiner Kindheit in der Sekte, den Umgang des Vaters mit seinem Stottern, aber auch dem Betrug, den er begangen hat – was klingt wie die Beichte eines Geläuterten, stellt sich jedoch bald schon als weitere Manipulation heraus. Seinen Mitinsassen bleibt sein Talent nicht verborgen und wissen ebenfalls daraus Profit zu schlagen, den Wehren kann sich der Stotterer kaum.

Charles Lewinsky ist seit vielen Jahren eine feste Größe in der Schweizer Literaturwelt. Zahlreiche seiner Romane wurden für hochrangige Preise nominiert und ausgezeichnet. Sein neuer Roman zeichnet sich für mich durch eine pointierte und treffgenaue Sprachgestaltung aus, inhaltlich konnte mich sein Protagonist nicht ganz überzeugen.

Genaugenommen gibt es nur eine Erzählstimme, die des Johannes Hosea Stärckle, der sich jedoch mal in Briefen an seinen Padre wendet, mal in seinem Tagebuch Trost sucht, mal als Geschichtenerzähler und auch als Briefeschreiber auftritt. Je nach Adressat wandelt sich Ton und Ausdruck, wirkt glaubwürdig und überzeugend. Dass die Straftäter sein Ausdrucksvermögen in seinem Sinne nutzt und auch im Gefängnis die Möglichkeiten von Manipulation und mitleiderregender Dramatik voll ausspielt, ist bei der Anlage des Charakters nachvollziehbar. Man muss sich am Anfang am Riemen reißen, um seinen Schelmenmärchen nicht zu glauben und in ihm nicht das Opfer zu sehen, als das er sich stilisiert.

Das Schreiben steht im Zentrum, dafür werden andere interessante Aspekte – die Hackordnung im Gefängnis, die Mechanismen, mit denen dort Macht demonstriert wird u.a. – an den Rand gedrängt, was ich etwas schade fand. Vor allem, da diese ihm letztlich seinen großen Wunsch ermöglichen.

Man kann sich mit Stärckle nicht identifizieren. Er ist zweifelsohne ein intelligenter Zeitgenosse, der geschickt die Fäden in der Hand hat, aber als Sympathieträger taugt er nicht. Eher als noch abschreckendes Beispiel, denn seine Manipulationsversuche machen vor nichts und niemandem halt.

Für mich war es letztlich etwas zu viel des Protagonisten. Keine andere Sicht, kein Schritt zurück durch eine neutrale Erzählinstanz, nicht einmal Antworten auf die zahlreichen Briefe erhält man als Leser, was einen ein wenig erdrückt. Zumal die Märchen Stärckles auch sehr viel Raum einnehmen. Sprachlich gelungen, auch die zentrale Figur interessant in der Anlage, aber letztlich genau dadurch etwas übers Ziel hinaus geschossen.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Roman und Autor finden sich auf der Verlagsseite.

Thomas Sautner – Fremdes Land

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Thomas Sautner – Fremdes Land

Jack Blind ist sich sicher, dass er und seine Partei nicht nur schon sehr bald die Regierung übernehmen, sondern dass sie auch das Leben für die Menschen verbessern werden. Als der regierende Präsident unerwartet zurücktritt und Neuwahlen ausgerufen werden, tritt das ersehnte Ereignis ein und Jack wird Stabschef und enger Vertrauter des Präsidenten. Sowohl er wie auch sein Freund und Neu-Staatsoberhaupt Mike Forell sind gänzlich unerfahren, aber eine hilfsbereite Gräfin nimmt sie unter ihre Fittiche und erleichtert ihnen den Start im Amt. Sie stellt ihnen auch den „Vertreter“ vor, der für eine Gruppe von wichtigen Wirtschaftsbossen spricht und die neue Regierung vor allem in ihrem Kampf gegen den islamistischen Terror unterstützen möchte. Nein, Gegenleistungen möchten sie dafür nicht, sie haben zwar den einen oder anderen vernachlässigbaren Wunsch, aber das sind doch Petitessen, die man im Vorbeigehen erledigen kann. Obwohl Jack eindringlich von seiner Schwester gewarnt wird, läuft er sehendes Auges ins Unglück – und reißt das ganze Land mit.

Thomas Sautners Roman ist bereits einige Jahre alt, was der Aktualität jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, vieles, was er beschreibt, kann man inzwischen in der Realität beobachten: die Angst vor islamistischem Terror, die Möglichkeiten der völligen Überwachung, die der Endverbraucher schon gar nicht mehr nachvollziehen kann und spätestens seit der Euro- und Banken-Krise von 2008 sollte auch dem letzten aufgegangen sein, dass nicht die gewählten Volksvertreter die wesentlichen Entscheidungen treffen. Die Tatsache, dass der entscheidende Vertreter der Wirtschaftsinteressen nicht einmal einen Namen bekommen hat, spricht hierbei Bände.

An vielen Stellen hat mich „Fremdes Land“ an bekannte Dystopien erinnert, die gefühlsverstärkten Kinos und die Feelgood-Pillen kommen einem stark aus „Brave New World“ bekannt vor, die staatliche Überwachung und Gedankenkontrolle kennt man aus „1984“. Auch der Aufbau der Figurenkonstellation ist recht typisch für eine Dystopie: der naive und im Umgang mit anderen Menschen gehemmte Protagonist, der nicht durchschaut, was eigentlich geschieht und nur die Vorteile des Systems sehen möchte, obwohl ihm eine nahestehende Person versucht vor der Gefahr zu warnen. Die Zuspitzung der Situation, die letztlich private und öffentliche Interessen konfrontieren und eskalieren lässt. Trotz der leicht erkennbaren Versatzstücke schmälert dies in keiner Weise den Roman. Inhaltlich hat er einige neue Aspekte zu bieten und der starke Fokus auf den politischen Entscheidungen machte ihn für mich interessanter als viele Romane des Genres, die ihren Schwerpunkt eher auf die persönlichen Entwicklungen einzelner Figuren legen.

Eine Dystopie, die so wirklichkeitsnah und authentisch daherkommt, dass man vergessen könnte, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Ein herausragender Roman des Genres, der leider viel zu wenig Beachtung erfahren hat.

Greer Hendricks/Sarah Pekkanen – The Wife Between Us

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Greer Hendricks/Sarah Pekkanen – The Wife Between Us

Vanessa ist ein psychisches Wrack. Nach der Scheidung von Richard kommt sie nicht mehr auf die Füße. Aber sie muss die junge Frau warnen, die geradewegs ins Verderbern rennt und ebabsichtigt, ihre Nachfolge anzutreten. Sie kennt Richard nicht so, wie sie ihn kennt. Auch zu ihr war er charmant und nett. Anfangs. Doch dann hat er sich in einen Kontrollfreak verwandelt, der keinen ihrer Schritte unbeobachtet ließ. Und nun hat er wieder eine junge Frau gefunden, die er bezaubern kann und die für ihn die perfekte Ehefrau spielen soll. Nellie fühl sich beobachtet, irgendetwas ist seltsam, auch die Anrufe, bei denen offenbar jemand am anderen Ende der Leitung ist, jedoch nie ein Wort sagt, beunruhigen sie zunehmend. Langsam wird ihr ihr eigenes Leben unheimlich. Und noch eine dritte Frau beobachtet die Szenerie, doch was ist ihr geheimer Plan?

Sarah Pekkanen arbeitet bereits seit Jahren als Autorin und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, Greer Hendricks war mehrere Jahre Lektorin bei Simon & Schuster und ist ausgebildete Journalistin. Für „The Wife Between Us“ arbeiteten die beiden Frauen erstmals zusammen und herausgekommen ist ein clever konstruierter Krimi, der immer wieder überraschen kann.

Der Roman beginnt ohne viel Vorgeplänkel, unmittelbar ist man in der Geschichte, die alternierend die Vanessas Erlebnisse nach der Trennung von Richard und Nellies Vorbereitungen auf die Hochzeit mit ebendiesem erzählt. In welchem Verhältnis die beiden Frauen stehen, glaubt man recht schnell zu wissen, einzig der Moment des Zusammentreffens und der Offenbarung von Vanessas Leid stehen noch aus. Doch dann zeigt sich, dass der Roman deutlich geschickter aufgebaut ist, als es zunächst den Anschein macht und die leichte Verschiebung der Erzählung lässt einen neuen Blickwinkel zu.

Durch die raffinierte Erzählkonstruktion wird ein bizarres und gefährliches Abhängigkeitsverhältnis geschildert, in dessen Zentrum ein charmanter Mann steht, der durch geschickte Manipulation die Kontrolle über seine junge Frau gewinnt und nicht nur ihren Alltag überprüfen und lenken kann, sondern der sie auch psychisch unbemerkt nach und nach in eine Abhängigkeit bringt, aus der sie allein so einfach nicht mehr ausbrechen kann.

Dies ist kein ganz neues Thema, bisweilen auch etwas durchschaubar und leicht vorherzusehen. Es ist tatsächlich die Anlage der Erzählung, die die Schwächen hier locker ausgleicht und so zu dem überzeugenden Ergebnis führt. Dass es am Ende noch eine weitere Überraschung gibt, war allerdings nicht abzusehen, wäre für mich auch nicht mehr erforderlich gewesen.

Insgesamt ein runder Roman, der eine neue Variante einer bekannten Geschichte erzählt. Den beiden Autorinnen ist hier ein kleines Kunststück gelungen, indem sie einen völlig unerwarteten Aufbau geschaffen haben, der sich erst langsam entfaltet und dadurch überzeugen kann.

Ein herzlicher Dank geht an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu den Autorinnen und dem Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Michael Nast – #egoland

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Michael Nast – #egoland

Ein Bekannter hat sich das Leben genommen. Eigentlich hatten sie schon lange keinen Kontakt mehr, aber er hat Michael Nast das Manuskript seines Romans mit der Bitte, dieses zu veröffentlichen, hinterlassen. Je tiefer Nast in die Geschichte eindringt, desto unbehaglicher wird ihm. Das, was da vor ihm liegt, ist nicht nur Fiktion, es ist die Dokumentation eines gemeinen Plans, der immer mehr Opfer forderte, zuletzt das des Schöpfers. Aus dem Spiel mit flüchtigen Bekannten hat Andreas Landwehr ein reales Szenario gemacht, hat sich selbst zum Autor und Regisseur aufgeschwungen und die Menschen wie Spielfiguren bewegt. Immer mehr hat es ihn fasziniert, wie sie ihm gehorchten, wie einfach sie zu manipulieren waren und ihm Glauben geschenkt haben. Doch plötzlich läuft sein Spiel nicht mehr wie vorgesehen, die Figuren agieren plötzlich anders, als er es geplant hat, und das Ganze nimmt einen verhängnisvollen Verlauf.

Michael Nast versucht in seinem Roman gleich mehrere Grenzen zu überschreiten. Nicht nur die Buch-im-Buch-Geschichte, die den Autor zum Erzähler macht und eine quasi Realität des Textes suggeriert, sondern auch die Verwischung zwischen realer und online Welt, zwischen echtem Sein und medial dargestelltem Ich wird thematisiert. Wer sind wir wirklich? Der Mensch in Fleisch und Blut oder das online Profil mit den ansprechenden Umgebungen und sympathischen Posen?

Für mich hätte es den etwas zu sehr künstlich wirkenden Rahmen mit dem Manuskript des angeblichen Freundes, der nun verstorben ist, nicht gebraucht. Die Story selbst hat genügend Potenzial, als dass man ihr den Anschein von Realität künstlich hätte konstruieren müssen.

Nimmt man nur diese Handlung – der Cameo des Autors wäre ihm ja gegönnt gewesen – hat diese durchaus einige interessante Facetten. Andreas‘ Manipulationen setzen an den Schwachstellen seiner Co-Figuren an. Er braucht sich noch nicht einmal besonders viel Mühe zu geben, um sie leicht zu lenken, mit ein wenig Zeit kann er dank ihrer online Profile und dem, was sie ihm zusätzlich beichten, genau die Schalter drücken, die sie zum Agieren in seinem Sinne veranlassen. Die Grundhaltung der unbestimmten Unzufriedenheit mit Beziehung, Job und Leben im Allgemeinen und dem Eindruck, dass andere immer mehr und tollere Sachen erleben als man selbst, ist ja inzwischen so verbreitet, dass man keinerlei Schwierigkeiten hat, sich vorzustellen, dass die Ereignisse tatsächlich so hätten stattfinden können. Ebenso die Tatsache, wie schnell sich ein recht vollständiges Bild eines Menschen über seine Bewegungen im Internet erstellen lässt.

Dadurch, dass der Verlauf sich langsam zuspitzt und man ja letztlich weiß, wie es endet, entsteht auch eine gewisse Spannung, da man gebannt auf den großen Knall wartet. Auch hier die kurze Nebenhandlung des Berliner U-Bahn-Treters – ein wenig zu viel gewollt und zu dick aufgetragen für meinen Geschmack.

Alles in allem aber eine durchaus lesenswerte Geschichte, die vor allem durch die recht authentisch wirkenden Figuren überzeugt. Ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, aber sieht man darüber hinweg, gute Unterhaltung.