Marie Benedict – The Only Woman in the Room

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Marie Benedict – The Only Woman in the Room

Hedy Lamarr – Hollywood Star of the glorious 1940s with an unknown past. She grew up in Vienna where she had her first successful performances which attracted the attention of Fritz Mandl, an influential military arms manufacturer. Being Jewish wasn’t that big a problem at the time, but her father already felt that refusing a man like Mandl added to their religion wasn’t a good idea and thus, she first accepted the invitation to dinner and finally married him. But soon after their honeymoon, things changed drastically and the only role she was allowed to play was that of the silent wife who was nice to look at. What her husband did underestimate was her quick wit and her capacity of listening. And listen she did when he met the big players who prepared for a new world order with the help of her husband’s weapons. After her successful escape to the US, she used her intelligence and her knowledge for revenge: she developed a radio guidance system for torpedoes.

Admittedly, I had never heard of Hedy Lamarr before starting to read the novel. And even at the beginning I supposed the protagonist was simply a fictional character. When I became aware of the actual background, the woman’s life felt even more impressive than just the narration which I already liked a lot.

The actress is the narrator and centre of the novel and it does not take too long for the reader to figure out that she isn’t just the nice face and talented actress but a smart woman interested in everyday politics with a sharp and alert mind. She follows her father’s line of thoughts about Mandl’s advances and understands that she isn’t in a position to freely decide. The way she planned her escape shows not only how clever she can plot but also her courage. In America she is first reduced to the beautiful actress and it surely hit her hard when her invention was refused by the navy. If it rally was because she was a woman as the novel suggests or if there were other motives doesn’t really matter – she wasn’t recognised for what she was, but only for what people saw in her. Hopefully narratives of these kind of women help to change the mind of those who still believe that the looks go hand in hand with a simple mind.

Éric Vuillard – Die Tagesordnung

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Éric Vuillard – Die Tagesordnung

Gut drei Wochen nach Hitlers Machtergreifung lädt er die Granden der deutschen Industrie und Wirtschaft nach Berlin ein. Am 20.2.1933 sitzen alle von Rang und Namen an einem Tisch: Krupp, Opel, Quandt – eine illustre Runde von 24 Reichen, die gerne bereit sind, die Vorhaben des Führers mit großzügigen Spenden zu unterstützen. So leicht wie Hitler und Göring das Geld und die Unterstützung der Industrie bekommen, läuft die Annexion Österreichs fünf Jahre später nicht ab. Aber auch hier zeigen sie taktisches Geschick und den notwendigen Druck, um den kleinen Nachbarn zu überrumpeln und zum Anschluss zu zwingen. Es läuft zwar vieles nicht so wie geplant, aber am Ende zählt das Ergebnis. Planmäßig wiederum gelingt die Täuschung Englands, die der ehemalige Botschafter in London, Joachim von Ribbentrop, dank seiner Menschenkenntnis clever umsetzt. Der Rest ist Geschichte und findet beim Nürnberger Prozess sein Ende.

Éric Vuillard erhielt für seine Erzählung über Hitlers Machtergreifung 2017 den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Er liefert keine neuen Erkenntnisse zu den historischen Ereignissen, diese sind weitgehend erforscht und bekannt, was das Buch jedoch lesenswert macht, ist die Selektion von Einzelereignissen, die Vuillard nebeneinanderstellt, um so eine neue Geschichte zu erzählen: die große Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hatte sich lange zuvor angekündigt, man hätte eine Chance gehabt zu reagieren, aber die Welt hat nur zugeschaut.

Für mich weniger interessant sind die historischen Fakten, auch wenn hier Aspekte geschildert werden, die im Allgemeinen nicht zu den wesentlichen Eckdaten der Geschichte gehören. Spannend und reizvoll sind die menschlichen Züge, die Vuillard aufgreift. Wie geschmeichelt fühlen sich die Industriellen, persönlich vom Führer empfangen zu werden. Obwohl er sie warten lässt und sie bereits unruhig zu werden drohen, vergessen sie all dies ob der Hommage, die ihnen dieser Besuch bringt. Sind sie im Alltag Herren über tausende Beschäftigte, machen sie sich hier zum braven Untertan, der sogleich großzügig die Brieftasche zückt. Auch der verzweifelte Versuch Schuschniggs noch ein wenig an seiner Macht festzuhalten, ist bemerkenswert. Die Schmach und Blamage kann er nicht verhindern, aber vielleicht lässt sich doch noch ein wenig Schein wahren. Ganz groß wird Vuillard dann bei dem britischen Premierminister Lord Chamberlain, dessen gute Erziehung von Ribbentrop ausnutzt und den er in eine höchstpeinliche Situation bringt, in der der Lord dennoch die Contenance wahrt.

Auch wenn das Thema schon oft behandelt wurde und auch literarisch immer wieder in neu en Varianten erscheint, lohnt sich Vuillards Text aufgrund seines ganz eigenen Schwerpunkts. Mich haben andere Preisträger des Prix Goncourt schon mehr angesprochen, aber „L’ordre du jour/Die Tagesordnung“ ist durchaus ein Würdiger Sieger.