Daniel Silva – The Cellist

Daniel Silva – The Cellist

A poisoned Russian dissident, an investigative journalist on the run and a non-descript German banker. Linking these three is not easy for Gabriel Allon but he will most certainly not just watch when one of his friends who once saved his life is killed with Novichok. The traces soon lead to Isabel Brenner who works at RhineBank in Zurich, the world’s dirtiest bank. Apart from calculating risks and laundering money, she also plays the cello like a professional. Deceived by her misogynist co-workers, she starts to leak information about the “Russian Laundromat”, the bank’s way of cleaning Russian oligarchs’ rubles. It does not take long for her to be convinced to work with Gabriel Allon to bring the bank and the Russians to fall. Their main target is Arkady Akimov but he himself is actually only a small figure, it is somebody much bigger and much more influential who is behind the Russian money.

In the twenty-first novel of the series about the legendary Israeli spy and art restorer turned into director-general of the world famous intelligence service, Daniel Silva focusses on another current topic: the political influence which money can buy, especially money which was acquired illegally and washed through layers of fake firms by banks which are only too willing to profit. The author also managed to incorporate the Covid restrictions as well as the challenges to the American democracy that we have witnessed in January 2021 making it highly topical.

The cellist is a remarkable character, on the one hand, she is a highly intelligent cool mathematician who knows how to juggle with numbers and money. On the other hand, as a woman, she experiences the misogynist behaviour of her colleagues in a dominantly male business and despite her skills is prevented from unfolding her full potential. She finds solace in music, the cello she can play on her own and the impact the tone has on her own mood but also on others is amazing.

The Russians are an old but nevertheless still interesting topic in spy novels. It is not the cold war scenario of piling up destructive weapons anymore, the war between the systems is fought a lot more subtly today. Nerve agents like Novichok have become broad knowledge and the fact that money makes the world go round is also well-known. Having the financial means leads to the necessary power to rule the world, regardless of democratic systems and boundaries which only seem to exist on paper.

Silva proves again that he is a masterful storyteller. He brilliantly interweaves different plot lines to create a high paced and suspenseful novel. Still after so many instalments, one does not get exhausted by the protagonist since the author always finds a completely new story to tell.

Oyinkan Braithwaite – Das Baby ist meins

Oyinkan Braithwaite – Das Baby ist meins

Nachdem seine Freundin in seinem Handy mehr als belastendes Material gefunden hat, wirft sie Bambi kurzerhand raus. Doch wohin am Abend, noch dazu im Lockdown, wo er sich eigentlich gar nicht draußen aufhalten darf? Ihm fällt sein Onkel ein, ein Opfer des Virus, dessen Frau mit dem Baby sicherlich nicht in ihrem Bungalow alleine geblieben ist. Und Bambi weiß, wo sie den Ersatzschlüssel verstecken. Er hatte Recht mit seiner Vermutung: seine Tante Bidemi ist nicht alleine dort, denn bei ihr ist auch Esohe, die Geliebte seines Onkel Folu, und Baby Remi, von dem beide Frauen behaupten, dass es ihres sei. Der Lockdown hat sie gemeinsam eingesperrt, die wiederholten Stromausfälle machen die Situation nicht leichter. Die Stimmung ist aufgeheizt und angespannt. Bambi steht zwischen beiden und weiß nicht, wem er glauben soll. Die einfache Lösung, ein DNS Test, ist wegen der Pandemie und der Überlastung der Krankenhäuser nicht möglich, also ist aushalten angesagt. Und darauf achten, dass die Frauen weder sich noch das Baby umbringen.

„Falls diese beiden Frauen beschließen sollten, aufeinander loszugehen und einander umzubringen, würde ich hinterher saubermachen müssen. Und ich hatte genug Blut für einen Tag gesehen.“

Oyinkan Braithwaite konnte mich mit ihrem skurrilen Debüt „My Sister, the Serial Killer“ 2018 bereits mehr als begeistern, in ihrem aktuellen Roman findet sich derselbe lakonisch-pointierte Erzähstil wieder, der die absurde Situation, in der sich die drei Protagonisten befinden, fabelhaft unterstreicht. Die Autorin hat den aktuellen Lockdown zum Ausgangspunkt genommen, was sich hervorragend eignet, um die durch das zwangsweise Aufeinandersitzen bis an die Grenzen gespannten Nerven darzustellen. Eine Flucht ist ebenfalls unmöglich. Ein Locked-Room-Szenario der ganz besonderen Art.

Der lebenslustige Bambi, der mit seinen 28 Jahren nichts anbrennen lässt und weit davon entfernt ist, das gesetzte Leben eines Erwachsenen zu führen und eine Familie zu gründen, findet sich plötzlich in der Rolle des König Salomo wieder, der entscheiden soll, wer die Mutter des Kindes ist. Es steht Aussage gegen Aussage und beide Versionen sind gleichermaßen glaubhaft. Ein salomonisches Urteil jedoch ist nicht wirklich möglich und so gilt es auszuharren. Während die beiden Furien sich am liebsten die Augen auskratzen würden, versucht Bambi zu schlichten und das Wohl des Kindes im Auge zu behalten. Bidemi wie auch Esohe zeigen sich rücksichtslos und gewaltbereit: ein Hahn muss dran glauben, auch Baby Remi bleibt nicht ganz unverschont, ebenso mehrere Türen, Massen von Blut im Flur – und immer wieder fällt auch noch der Strom aus.

Obwohl die Lage, wie auch in ihrem ersten Roman, dramatisch ist, herrscht doch ein oft humorvoller Ton, denn Erzähler Bambi kann alles nur mit einer gehörigen Portion Galgenhumor ertragen. Die Absurdität dessen, was er in dem Bungalow erlebt, lässt sich nur so in Worte fassen, auch wenn ihm das Lachen mehr als einmal im Halse stecken bleibt. Etliche Aspekte bringt der Roman jedoch brillant auf den Punkt: die Pandemie und vor allem der Lockdown geht an die Substanz. Hinzu der Verlust eines geliebten Menschen und dazu noch die üblichen Stressoren – die Figuren sind im emotionalen Ausnahmezustand und fern davon, rational und großzügig zu agieren. Auch die Verzweiflung von Bidemi ist leicht nachzuvollziehen, lange dauerte es sie, bis sie endlich schwanger wurde und dann das sehnsüchtig erwartete Kind, das ihr eine andere wegnehmen möchte. Letztlich hätte man sich auch nicht gewundert, wenn die Geschichte in einem Gemetzel geendet hätte.

Wieder einmal unterstreicht Braithwaite ihre Gabe, ernste Themen noch weiter zuzuspitzen, der Dramatik jedoch über die Absurdität eine heitere Note zu verpassen, die das Lesen unterhaltsam macht, ohne jedoch den Ernst der Lage herunterzuspielen.