Meg Wolitzer – Die Ehefrau

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Meg Wolitzer – Die Ehefrau

Endlich kam der Anruf, nachdem er ihn schon seit Jahren sehnsüchtig erwartet hat: Autor Joe Castelman wird mit dem Helsinki-Preis für Literatur ausgezeichnet. Nicht ganz der Nobel-Preis, aber knapp dahinter. Also begeben er und seine Frau Joan sich in die finnische Hauptstadt. Joan begleitet ihn wie immer, seit über 40 Jahren steht sie an seiner Seite und ermöglicht ihm das Leben als Autor. Ihre eigenen Ambitionen hat sie aufgegeben, ihr Leben, das im College vielversprechend begann, für den Mann und die Kinder geopfert. Doch jetzt soll Schluss sein, sie will endlich wieder frei sein. Sie wird es ihm sagen, sobald die Veranstaltung vorbei ist, wird sie ihm mitteilen, dass sie die Trennung will. In den Stunden bis dahin denkt sie zurück an ihr Kennenlernen, die Reaktionen ihrer Familie auf diese Affäre, die ersten Erfolge, ihre Kinder, Joes unzähligen Seitensprünge, die sie kommentarlos hingenommen hat. Aber das wird jetzt alles ein Ende haben – nur wird dieses Ende anders aussehen als Joan es geplant hatte.

Meg Wolitzers Figuren entstammen einmal mehr dem intellektuellen Ostküstenmilieu, was ihnen die banalen Alltagssorgen erspart und ihnen erlaubt, sich auf die zwischenmenschlichen Probleme zu konzentrieren. In „Die Ehefrau“ wählt sie nun ein zunächst sehr typisches Frauenthema, das jedoch breiter angelegt ist und nicht auf die Rolle in der zweiten Reihe beschränkt wird.

Trotz ihres resoluten Auftretens als Frau jenseits der 60 ist Joan klar, dass sie in jungen Jahren, Ende der 50er und 60er nur sehr begrenzt Möglichkeiten gehabt hätte, selbst literarische Erfolge zu feiern. Alles Talent nutzt nichts, wenn die Gesellschaft eine starke Frau ablehnt und so widerstandsfähig war sie zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie diese Rolle hätte durchhalten können. Ihre Vorwürfe, alles für Joe geopfert zu haben, laufen daher ein wenig ins nichts, was ihr aber auch klar ist. Noch dazu hat sie dieses Leben durchaus freiwillig gewählt und über viele Jahre auch keine Einwände gegen ihren Platz an seiner Seite gehabt. Doch, wann wäre denn tatsächlich der richtige Zeitpunkt gewesen, um aus diesem Leben zu fliehen?

Joans Zwickmühle wird leichtfüßig und mit viel Witz dargestellt und obwohl dies nach einem ehr deprimierenden Rückblick klingt, ist es das Buch so gar nicht, womit Meg Wolitzer die Crux auch recht gut einfängt. Die Frage nach verpassten Chancen und dem was-wäre-gewesen-wenn ist keine spezifisch feminine, aber sehr menschliche. Auch wenn „Die Ehefrau“ nicht ganz an andere Romane von ihr heranreicht, zeigt der Roman doch bereits das enorme Potenzial der Autorin.