Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

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Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Samantha Kingstons Leben ist perfekt: sie gehört zur angesagten Clique der High-School, hat mit Rob einen Freund, um den sie viele beneiden, ist hübsch und reich. Der 12. Februar soll alles perfekt machen: morgens die Valentinstagsgrüße in der Schule und abends wird sie endlich mit Rob schlafen. Alles beginnt ganz normal: die Schule hat nichts Ungewöhnliches zu bieten, dann bereitet sie sich mit den Freundinnen auf eine Party vor. Doch der Abend endet anders als geplant: bei einem Unfall kommen sie ums Leben. Doch am nächsten Morgen wacht Sam wieder auf. Es ist nochmal der 12. Februar und sie kann ihren letzten Tag nochmals erleben und vielleicht was ändern. Sieben Mal wird sich dies für sie wiederholen.

Das Grundkonzept ist eher ungewöhnlich, wenn auch nicht wirklich innovativ, allerdings hat die Autorin genug Humor, die Protagonistin selbst auf „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hinweisen zu lassen. Ansonsten bietet der Roman alles, was das Young Adult Herz begehrt: die High-School mit ihren typischen Alltagssorgen, die von allen bewunderte Mädchen-Clique, die erste große Liebe, viel Gerede über Klamotten und Schminke. Und natürlich der obligatorische erhobene Zeigefinger, dass man doch bitte nicht gemein, sondern nett zu den Mitmenschen sein soll und sich für die Außenseiter einsetzen muss. Alle Stereotypen erfüllt, Leser des Genres werden es danken.

Was jedoch auffällt, ist die Figurenzeichnung, wobei ich mich gefragt habe, ob ich einfach zu alt bin, um die Figuren so wahrzunehmen, wie sie sein sollen. Für mich ist die Protagonistin einfach ein verwöhntes Gör, dem es viel zu gut geht und die in ihren Egotrip sieben Mal erfolgreich durchzieht und dafür auch noch belohnt wird. Vermutlich soll sie cool und bewundernswert wirken, dabei wirken ihre Kleidungsbeschreibungen auf mich eher billig bis nuttig und dass sie sich permanent darüber beklagt, dass sie von den Eltern zu kurzgehalten wird (man bedenke: sie bekommt im Jahr nur zweimal 500 Euro zum Kleidershoppen!), macht sie auch nicht gerade sympathischer. Da ihre Empathiefähigkeit nur gering ausgebildet ist, braucht sie auch mehrere Anläufe um zu verstehen, dass sie genau das ist, was ein anderes Mädchen ihr vorwirft: ein Miststück. Selbst als ihr langsam aufgeht, dass ihr Verhalten vielleicht eher suboptimal ist, wird ihr Handeln immer noch von dem Gedanken geleitet, möglichst selbst zu profitieren oder zumindest kein ganz so schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen. Das macht das Lesen zu einer gewaltigen Quälerei, da man permanent den Gedanken hegt, dass die Welt einfach eine bessere wäre, wenn sie endlich tot wär. Dass die anderen ihr da in nichts nachstehen, macht es kaum besser.

Alles in allem ein Buch, dass hervorragend auf die zu liefernden Klischees abgestimmt ist, durch besonders widerwärtige Figuren besticht und weiter nichts zu bieten hat, was für eine Leseempfehlung sprechen würde.

Shannon McCrimmon – The Summer I Learned to Dive

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Shannon McCrimmon – The Summer I Learned to Dive

Was sind die typischen Versatzstücke von Young Adult Romanen?

  1. die Protagonistin:

– sehr strebsam und intelligent

– sehr hübsch, ohne sich dessen bewusst zu sein

– lebt fernab der Realität und ist sich des Lebens eines Teenagers nicht bewusst

– keinerlei Erfahrung mit Alkohol, Jungs, Sex, Partys etc.

  1. Der Protagonist:

– schüchterner Junge, auf den alle Mädchen stehen, der aber auf „die Eine“ wartet

– makelloser Charakter

– würde nie Alkohol anrühren

– absolut selbstlos gegenüber seiner Familie

  1. die Handlung:

– Protagonistin kommt an fremden Ort, wo Protagonist lebt

– gerät zunächst an die falschen Freunde, Protagonist muss sie retten

– macht erste Erfahrungen im echten Leben, lernt: Alkohol ist böse

– durchlebt Familienkrise, Protagonist steht zu ihr

– Krise war eigentlich nur ein Missverständnis und wird so schnell erfolgreich gemeistert

– am Ende: alles Friede, Freude, Eierkuchen

Prüft man Shannon McCrimmons Roman „The Summer I Learned to Dive“ auf diese Punkte, erhält sie vollen Zuschlag. Die 18-jähige Finn erfährt zufällig von einem lange gehüteten Familiengeheimnis. Sie reist nachts heimlich ab, um ihre unbekannten Großeltern zu besuchen. Dort verliebt sie sich in den wunderbaren Jesse und erlebt im Schnelldurchlauf alles, was Teenager sonst in ein paar Jahren durchmachen. Gegen Ende noch großes Familiendrama, lange Aussprache, alles gut.

Da es ein amerikanischer Roman war noch die üblichen Moralpredigten: Alkohol ist böse, vergib Deinen Liebsten auch wenn sie dich jahrelang belogen haben, kein Sex im Teenagerroman.

Der Roman bietet wenig Überraschungen und ist so locker geschrieben, dass er sich entspannt an einem Nachmittag lesen lässt. Wie er zu 900 3-5 Sterne Bewertungen auf Goodreads kommt, bleibt für mich jedoch schleierhaft. Überbordende Lobeshymnen über das Buch, das so anders ist als all die anderen im Genre (?!?).

Berechtigte Frage: warum liest jemand ein YA Roman, wenn er das Genre offenbar doof findet? Kurz vorm Zubettgehen habe ich gestern einen neuen Roman benötigt und lustlos meinen Kindle nach etwas Leichtem und Sommertauglichen durchblättert. Das Cover war hübsch (und so passend zum Sommer) und wenn ich schon mal angefangen habe, lese ich ein Buch auch fertig, noch dazu wenn es so kurz ist. Fazit: manche Prinzipien sollte man vielleicht über Bord werfen.

Adi Alsaid – Let’s Get Lost

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Adi Alsaid – Let’s Get Lost

Ein Road Trip der etwas anderen Art. Leila lässt in einer amerikanischen Kleinstadt ihren Wagen testen und lernt so Hudson kennen, der sofort von dem Mädchen fasziniert ist. Es wird die schönste Nacht seines Lebens, die jedoch auch einen jahrelang gehegten Traum zerstören wird. Leilas Reise geht weiter und unterwegs sammelt sie Bree auf. Die Mädchen finden sich sofort sympathisch, doch die kleine Ausreißerin Bree kann vom Diebstahl nicht lassen und so landen beide im Gefängnis. Für Elliot wird die Begegnung mit Leila zur Realisierung einer nur dem Fernsehen gekannten Geschichte und Sonia hatte schon aufgegeben, ihr Leben in Trümmern, aber Leila kommt ihr zu Hilfe. Vier Menschen, vier Geschichten und vier Begegnungen, die das Leben verändern. Doch wer ist Leila eigentlich und warum hat sie sich auf den Weg nach Alaska zu den Polarlichtern? Auch Leilas Leben wird durch diese Reise verändert werden.

Eine überzeugende Geschichte über das Erwachsenwerden. Die vier Figuren, denen die Protagonistin begegnet sind sehr verschieden, was immer wieder neue Aspekte in den Roman bringt und vier letztlich eigenständige Geschichten entstehen lässt. Alle vier sind an einem wichtigen Punkt ihres Lebens und benötigen genau den einen Impuls benötigen, um weiterzugehen und ein Kapitel abzuschließen. So auch die Protagonistin, die jedoch lange Zeit erstaunlich blass bleibt. Man erfährt sehr viel über die Figuren, mit denen sie interagiert, von sich selbst gibt sie jedoch nichts preis und mehr und mehr fragt man sich, was es mit ihr auf sich hat. Dieses Mysterium wird im letzten Kapitel recht überraschend, aber überzeugend gelöst.

Angie Thomas – The Hate U Give

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Angie Thomas – The Hate U Give

Garden Heights – ein Vorort, der sich überall in den USA befinden könnte. Die sechzehnjährige Starr und ihre Stiefschwester Kenya sind auf einer Party, auf der sie besser nicht wäre. Wie erwartet kommt es zu Ärger und als Schüsse abgefeuert werden, verlässt Starr mit ihrem Kindheitsfreund Khalil den Ort des Verbrechens. Auf dem Weg nach Hause werden sie von einem Polizisten gestoppt – grundlos. Oder ist ihre Hautfarbe etwa schon Grund genug? Starr hat von klein auf gelernt, wie sie sich in einer solchen Situation zu verhalten hat: nicht schlauer sein wollen, als man ist; kooperativ zeigen; keine schnellen Bewegungen. Sie hofft, dass Khalil diese Regeln auch beherzigt, doch seine Frage nach dem Warum lässt den Officer schon ausrasten. Er holt den Jungen aus dem Wagen und kurz darauf passiert das Unglaubliche: mehrere Schüsse durchsieben Khalils Körper. Starr traut ihren Augen nicht, wie konnte das passieren? Und wird Officer 115 zur Rechenschaft gezogen werden?

Man kommt im englischsprachigen Raum derzeit kaum an Angie Thomas‘ Roman vorbei. Mit Lobeshymnen wird die Autorin für ihren Debütroman überhäuft. Ohne Frage trifft das Thema des Jugendromans den Nerv der Zeit. Die Black Lives Matter Bewegung prangert völlig zurecht den Umgang der überwiegend weißen Polizisten mit den jungen Schwarzen an und selbst diejenigen, die wie Starr ein redliches und friedfertiges Leben führen, geraten schnell ins Visier.

Interessant sind vor allem die Kontraste, die im Roman geschaffen werden. Zum einen die überwiegend von Schwarzen bewohnte Nachbarschaft, in der der raue Ton der Straße bestimmt, wer und was man ist. Wo niemand wirklich frei ist und Gefängnisaufenthalte zum Alltag gehören. Dagegen steht Starrs Schule, 45 Minuten entfernt in einer rein weißen Umgebung, die von typischen Teenagerproblemen und relativer Sorglosigkeit geprägt ist. Das Mädchen kann die beiden Welten nicht unter einen Hut bringen, sie sieht sich selbst als gespalten und völlig verschiedene Personen, je nachdem, wo sie sich gerade aufhält. Dass ihre Schulfreundinnen ihren Alltag in Garden Heights nachvollziehen könnten, erwartet sie nicht, weshalb das, was sie dort erlebt, außen vor bleibt und sie wie nach einem langweiligen Wochenende montags wieder die Schule besucht, obwohl sie weniger als 48 Stunden vorher mit angesehen hat, wie einer ihrer besten Freunde erschossen wird.

Es ist jedoch weniger Starrs Umgang mit den Erlebnissen und die Trauerarbeit – das kennt sie schon, hat sie bereits einige Jahre zuvor ihre beste Freundin durch einen Schuss verloren – als die Frage, ob es in diesem Fall Gerechtigkeit geben kann und wird. Bezeichnend ihr verhör bei der Polizei. Obwohl die befragende Polizistin selbst als Latina beschrieben wird, macht sich doch das unangenehme Gefühl breit, dass der Fall bereits abgeschlossen ist und einmal mehr die Welt ein wenig besser wurde, weil ein junger schwarzer Gangster weniger auf den Straßen rumläuft.

Der Roman ergreift nicht einseitig Partei. Khalil ist nicht der ganz unschuldige Junge, auch Starrs Familie kann mit einige Straftaten aufwarten. Dennoch zeigt der für unsereins groteske Verlauf der Polizeikontrolle, in welcher Situation sich gerade die Jugendlichen befinden und wie sie versuchen, zwischen Akzeptanz der Gegebenheiten und berechtigtem Hinterfragen des Handelns, einen Ausgleich zu finden, bei dem sie jedoch am Ende die Verlierer sind.

Ein kurzes Buch, das viel Food for Thought bietet und sicherlich die nächsten Monate noch berechtigterweise im Fokus stehen wird.

Jason Rekulak – The Impossible Fortress

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Jason Rekulak – The Impossible Fortress

Bill Marvin is a typical 14-year-old in the year 1987. When the Playboy publishes photographs of Vanna White, presenter of the famous „Wheel of Fortune“ show, Bill and his friends Alf and Clark are discussing strategies of how to buy the magazine at their age. Their master plan includes the security code to a small store owned by Mr Zelinsky. But how to get hold of it? The owner’s daughter Mary is the key. Bill is to befriend her to acquire the code from her. But when Bill gets to know Mary, he finds out that they both share the love for computer programming and that Mary is an expert in operating a C 64. She can help him to finalize his computer game The Impossible Fortress, Billy’s submission to an important competition. They more the two work on the programme, the more their mutual affection grows and Billy has already forgotten his initial mission while slowly falling in love. But then he is reminded of it and he takes an important decision.

I liked Jason Rekulak’s story immediately because the author sends you straight back into the 80s. I have rarely read a novel set in the not too far away past in which the setting is that well established and plays such an important role. It is the music played in the shop, the TV programmes the boy watch, the heroes they discuss – and especially the Stone Age of computers that made me remember the time 30 years ago. All the small bits and pieces work well together to create an authentic setting for the plot.

The characters are also well drawn and interestingly designed. Both Billy and Mary are outsiders without being the typical misfits. They are under the radar somehow, inconspicuous in a way but remarkable when you take a closer look. The nerd girl who is interested in typical boyish pastimes, the boy raised by a single mom who is clever on the one hand, but maximum negligent of school and his marks and even running the risk of having to leave high school without any degree. Seeing both of them immerse in programming, teaching themselves and pursuing their goal of the perfect programming for the computer game without realising what is happening to them, is a joy to read.

Besides the story which is convincing and quickly captivating, it is Jason Rekulak’s style of writing which I genuinely enjoyed. He has a subtle humour and a way of describing situations that made me grin more than once and adore reading the novel.

Even though the protagonists are young teenagers and the story somehow is a kind of love story, I would not call it a classic of the genre since particularly the setting could make the novel also interesting and appealing to people who remember the 80s and who would like to indulge in their memories of that time.

Marieke Nijkamp – This is where it ends

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Marieke Nijkamp – This is where it ends

Teachers and pupils are gathering in the auditorium to listen to the principal. When she has finished, they stand up to leave and head back to their classes. But the doors are locked. Nobody can get out. Only Tyler gets in and soon has everybody’s attention since he is heavily armed. He is seeking revenge for what has been done to him in the last months. When the first teachers and classmates are shot, they realise that this is real. But who can stop him? His sister Autumn? But she is meant to be the next.

The story is told from different perspectives. We are thrown immediately into the action, there is no slow approach, nothing to prepare you. In small chapters covering two to three minutes, we learn what happens and what the different characters think and feel at that specific moment. We get to know Autumn, Tyler’s sister who remembers their mother who died a year before and thus triggered a lot of problems for the whole family. Sylvia, Autumn’s girlfriend, who had a fierce quarrel with Tyler a couple of weeks before. Tomás, Sylvia’s brother who is actually not inside the auditorium because he was about to break into the principal‘ s office with his friend when all started and now he tries to help is sister and classmates. Claire and the running team who did not attend the meeting and now are left to watch and wait.

There are many novels about school shootings, but most of them focus either on the motives of the shooter or what happens to the victims after this experience. „This is where it ends“ stands out since is only covers the minutes of the shooting and the immediate feelings and thoughts. The different perspectives from inside and outside and their diverse links to the shooter give not only a broad but also interesting views on the situation. We do not get any clever explanations and tips of how to prevent it, the action speaks for itself and leaves it to the reader to make up their mind about this topic.

Susan Perabo – The Fall of Lisa Bellow

A robbery, and abduction and a girl who remains behind…

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Susan Perabo – The Fall of Lisa Bellow

Meredith Oliver is a 13-year-old rather non-descript girl. The only moment, when she was put on the spotlight was when her older brother Evan, a baseball prodigy, was severely injured and his nascent career came to an end. One afternoon after school, she passes by a deli when suddenly a gunned man enters and robs the market. Meredith finds herself on the floor together with Lisa Bellow, the most popular girl of her school. Lisa is full of fear and trembling all the time. Then the robber orders Lisa to accompany him. When Meredith wakes up again in hospital, she cannot recall the last minutes and give the police important information to find Lisa. The next weeks become hard, on the one hand, her parents put Meredith into a kind of golden cage, on the other hand, Meredith is adopted by the popular girls due to her fascinating experience and since one place in the group was free now. But Lisa remains missing. And does Meredith really not recall anything of that afternoon?

The novel was advertised as hair-rising and thrilling. This I could not really find in it. Of course, there is some suspense, you want to find out what happened in the deli and how much Meredith remembers. She fantasises about what might happen to Lisa in the robber’s house, at times, I wondered if this really was all fantasy or if she might actually know more than she did. But the crime case was not really in the focus of the novel. Actually, I was wondering while reading, what the novel is essentially about. We have Meredith’s case, her way of coping with the experience, the behaviour of not only her parents but also her classmates after the event. However, a lot of time was spent on narrating her brother’s story, his way of coping with his injury and finding his way back into life. It is not as if I did not like that part, but since the title suggests that Lisa Bellow should somehow be the centre of the narration, I was highly astonished to read that much about the boy.

Susan Perabo did a great job in the way he has her characters develop after the robbery. The parents as well as the girl and Lisa’s mother have different ways of handling it, all different, but all authentic, plausible and differentiated. This is definitely the strongest aspect of the novel. Especially Meredith’s thoughts and fantasies were an interesting insight in her mind and particularly the strange way guilt might work on you. To me, the book is not a thrilling crime story, but a close examination how a family has to come to terms with tragic events.

Meg Haston – Alles so leicht

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Meg Haston – Alles so leicht

Stevie weiß nicht, wo sie sich befindet. In einem Auto, mit einer unbekannten Frau. Doch wo bringt diese sie hin? Und was ist geschehen? Egal, nur noch wenige Wochen, dann ist der große Tag und ihr Ziel ist erreicht. Doch so einfach wird es nicht werden zu verschwinden, schon gar nicht, wenn man sich tothungern möchte. Denn die Unbekannte liefert sie gerade in eine Fachklinik für essgestörte Mädchen ein. Die Regeln sind streng und die anderen alle doof. Stevie wird ihrer Psychologin zeigen, wie stark sie ist und dass bei ihr die Therapie nicht anschlagen wird, denn das ist sie ihrem Bruder schuldig, dem Bruder, der nicht mehr da ist. Wegen ihr. Genau wie ihre Mutter.

Meg Haston hat mit „Alles so leicht“ ein durchaus relevantes Thema aufgegriffen und ihm ein Gesicht gegeben. Essstörungen sind nach wie vor insbesondere bei jungen Mädchen ein wichtiges und auch erschreckendes Thema. Wie sie schön anhand Stevie und der anderen Mädchen aufzeigt, können die Ursachen vielfältig sein und doch zu derselben Krankheit führen. Insbesondere das verquere Weltbild ist eine große Hürde, um Heilung oder zumindest Besserung zu verlangen. Dies sieht man in dem Roman, wenn der Vergleich nie zu den Gesunden erfolgt, sondern immer nur zu den noch dünneren Mädchen, wenn die Diagnose Bulimie eine Katastrophe darstellt, denn noch die Anorektischen gelten als willensstark und diszipliniert, was man gerne sein möchte. Der Kampf um jede Kalorie, der Kampf mit sich, seinem Körper und den Menschen, die einem eigentlich helfen wollen – all das gelingt der Autorin glaubwürdig darzustellen.

Die größte Stärke des Romans ist für mich die Figurenzeichnung. Nach und nach wird die Vergangenheit Stevies aufgerollt und unterschiedliche Aspekte als Auslöser und Verstärker der Anorexie/Bulimie hervorgebracht. Die Arbeit der Psychologen kann ich schwer einschätzen, möglicherweise sind die Arbeitsweisen in diesen Fachkliniken auch anders als außerhalb, bisweilen erschien mir der Kontakt zu nach, zu persönlich und zu wenig professionell. Auch die Tatsache, dass nur wenige Tage im Prinzip ausreichen, um zu einem Therapieerfolg zu führen, bei einer Jugendlichen, die seit über einem Jahr darunter leidet, erscheint mir nicht ganz überzeugend und realistisch.

Alles in allem jedoch ein lesenswertes Jugendbuch, das die Thematik Essstörungen gut umsetzt und zum Nachdenken anregen kann.

Jessie Ann Foley – Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm

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Jessie Ann Foley – Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm
Die Mutter der 16-jährigen Maggie ist mal wieder verliebt und heiratet ihren deutlich jüngeren Liebhaber sogar. Damit nicht genug verpflanzt sie die Familie von Chicago in das irische Örtchen Bray. Maggie findet nur schwer Anschluss, ihr einiger Vertrauter ist der 99-jährige Nachbar. Sie vermisst vor allem ihren Onkel Kevin, der sich als Musiker durchschlägt. Als dieser Selbstmord begeht, fällt sie in ein Loch. Nur der zurückhaltende Eoin, zu dem eine zarte Liebe entsteht, kann ihren Schmerz etwas lindern. Als Maggie zusammen mit einem Abschiedsbrief ihres Onkels zwei Tickets für ein Nirvana Konzert in Rom findet, machen die beiden Teenager sich auf in die ewige Stadt.

Ein Jugendbuch, das mehr als 20 Jahre in die Vergangenheit reist und die legendäre Grunge Band wieder auferstehen lässt. Der zeitliche Sprung ist der Autorin sehr gut gelungen, keine Handys, kein Internet bestimmen die Kommunikation der Jugendlichen und das Wissen um Coolness und die richtigen Bands (und Bücher!) wird wie Geheimwissen weitergegeben. Die Autorin spart auch nicht an schweren Themen: das oftmals schwierige Verhältnis zu den Eltern, deren unerfülltes Liebesleben, der Selbstmord einer geliebten Person. Dennoch bleibt der Roman eher leicht und hinterlässt einem in einer positiven Stimmung – insbesondere, wenn man 1993 Teenager war und Nirvana verehrt hat.