Marieke Nijkamp – Before I let go

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Marieke Nijkamp – Before I let Go

For sixteen years, Corey and Kyra have been friends. Together they roamed the forests of Lost Creek, Alaska, went to school together and spent their free time together. Then, six months ago, Corey moved away with her mother and younger brother and left Kyra alone. Alone in a town who hated the girl because she was different. Her maniac-depressive behaviour irritated the 250 inhabitants of the small city; she was at best invisible, at worst an outsider. Two days before Corey is due to visit, Kyra is found dead. Beneath the ice of a lake in mid-winter. For Corey this is not only a shock, but unbelievable. Kyra cannot be dead and she would never have killed herself so shortly before her arrival. Her suspicion grows the closer she comes to her former hometown and finally there, she is not greeted with unanimous joy.

Marieke Nijkamp’s novel is set against the Alaskan winter which perfectly reflects the mood of the novel. The atmosphere is gloomy and often spooky throughout the story and at times it actually gave me the creeps. It is a wonderful merge of a young adult novel and a thriller.

Yet, first of all, it is a novel about friendship. Corey remembers her time with Kyra, the good ones and the bad ones and she is ruminating about the question if she has left her friend, left her alone with the ill-natured people of Lost Creek who resented her with her escapades. Could she have prevented a possible suicide or even murder of her friend? A tough question for a sixteen-year-old girl alone and face to face with a whole hostile town.

On the other hand, it is a novel about life in a reclusive community who considers people who moved away outsiders after only a short time and who are hard to anybody who does not fit in their world-view. Where people do not talk much to somebody who does not belong to the inner circle. And a community who lives to its own laws and values. After only a couple of months, Corey does not understand them anymore, does not recognise the people she once loved anymore.

Looming above all this is the question what happened to Kyra. Did she really change after Corey left? Did the people actually change in the last couple of weeks? Or is this just the story Corey is told to hide the truth.

The author has a great talent in making you feel with the protagonist, I experienced this when I read her novel “This is where it ends” about a school shooting, too. “Before I let go” is a quick read that I enjoyed a lot.

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Gideon Samson – Der Himmel kann noch warten

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Gideon Samson – Der Himmel kann noch warten

Viel passiert nicht rund um Belle, wie auch, immerhin liegt sie im Krankenhaus und wird dort auch noch einige Wochen bleiben müssen. Aber auch in einem abgeschiedenen Ort kann man das, was sich tut, festhalten und vielleicht sogar berühmt werden, so wie Anne Frank. Deshalb schreibt sie ihre Gedanken und Erinnerungen auf. Vor allem Erinnerungen aus der Zeit als ihre Eltern noch zusammen waren, es aber schon Anzeichen dafür gab, dass es nicht mehr gut läuft. Besuch erhält sie vor allem von ihrer Mutter, die es immer noch nicht geschafft hat, das Rauchen aufzugeben und auf keinen Fall Belles Vater begegnen will. Der kommt auch regelmäßig vorbei, ein Ausbruch aus seinem neuen Leben. Als Jan zu Belle ins Zimmer gelegt wird, wird sie mit der Frage konfrontiert, was nach dem Leben auf der Erde kommt. Jan ist trotz seines jungen Alters überzeugt, dass es einen Himmel gibt – und dass er nicht mehr lange warten muss, bis er dort auch sein wird.

Obwohl die Krankheit Belles zentral in ihrem Leben ist, wird diese im Buch gar nicht thematisiert. Immer wieder geht es ihr schlecht, sie muss sich übergeben, was sie aber genau hat, bleibt ungesagt, man weiß nur, dass es eine Operation gab und es Belle eigentlich von Tag zu Tag bessergehen sollte. Sie geht tatsächlich mit ihrer Situation besser um, als die Erwachsenen, die sie besuchen kommen. Ihre Mutter ist völlig überfordert, ihre Lebenssituation gibt ihr auch wenig Halt und außer der Tochter hat sie offenbar kaum jemanden, der sie stützen kann. Der Vater scheint im Umgang mit dem langsam zum Teenager heranreifenden Mädchen insgesamt nicht entspannt umgehen zu können. Den Großeltern fällt dies noch am leichtesten, sie akzeptieren das Schicksal und was es mit sich bringt., Leben und Tod gehören nun einmal zusammen, aber man muss ja nicht gleich das Schlimmste erwarten.

Bellas Freundschaften hingegen werden durch ihre Abwesenheit fragil, ihre Freundinnen entfremden sich, die Freundschaft wird infrage gestellt. In einem Alter, in dem physische Nähe zum Erhalt der Verbindung essentiell ist, kann eine wochen- oder gar monatelange Trennung Risse und einen Bruch verursachen. Belle hat noch viel vor, die hat noch nie geliebt, noch nie geküsst, aber sie weiß auch, dass sie das möglicherweise nie erleben wird, auch wenn ihre Familie versucht Optimismus auszustrahlen.

Ein kurzes und intensives Buch, dass für mich sehr glaubwürdig die Stimme einer 12-Jährigen einfängt, mit all ihren Sorgen, Wünschen und Träumen. Immer vor dem Hintergrund, dass das junge Leben womöglich schon bald ausgelöscht wird.

Lois Lowry – The Giver

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Lois Lowry – The Giver

Jonas erwartet sehnsüchtig, aber auch mit etwas Angst seinen 12. Geburtstag. Wie alle Kinder in seiner Stadt wird auch er an diesem Tag seine zukünftige Bestimmung erfahren. Über Jahre hat der Ältestenrat sie beobachtet, ihre Stärken und Schwächen analysiert, um dann zu einem Ergebnis zu kommen. Bei der großen Zeremonie wird Jonas jedoch übergangen, Unruhe macht sich breit, so etwas gab es noch nie, doch am Ende wird klar, weshalb: Jonas wird zum Receiver of Memory, einem Hüter der Erinnerung, ernannt. Davon gibt es nur einen und er hat für die Gemeinschaft eine wichtige Funktion. Wie wichtig erfährt Jonas schon bald nachdem er seine Ausbildung begonnen hat. In einer Umgebung, die frei ist von Farbe, in der alle gleich sind, in der es weder Krankheit noch Krieg gibt, muss ein einziger Mensch alles aushalten, was die gesamte Menschheit je erlebt hat. Die neuen Erfahrungen sind faszinierend und erschreckend zugleich und bald schon stellt sich Jonas die Frage, ob der Verzicht auf Emotionen wirklich das erstrebenswerteste Ziel sein sollte.

Lois Lowry hat in ihrem dystopischen Jugendbuch die Sicht eines Kindes gewählt, um eine scheinbar perfekte Welt zu dekonstruieren. Sowohl der Beginn wie auch das Ende des Lebens werden staatlich verordnet, Familien sind nur temporäre Konstrukte, die eine gesellschaftliche Funktion erfüllen und nicht durch Zuneigung und Liebe bestehen. Außerhalb dieser kleinen Einheit läuft das Leben absolut konform. Bis hin zur Sprache ist alles vereinheitlicht, so sehr, dass die Menschen in all der Gleichheit schon gar keine Unterschiede zwischen sich mehr wahrnehmen können. Obwohl die negativen Aspekte des Lebens eliminiert sind, allen geht es gleichermaßen gut, alle scheinen mit ihrem Schicksal zufrieden, ist doch offenkundig, dass etwas fehlt, auch wenn dies zu Beginn noch nicht greifbar ist. Die Schwere des Eingriffs durch die absente Regierung wird erst durch Jonas‘ Training offenkundig, wenn er plötzlich Zugang zu Gefühlen – positiv wie negativ – erhält. Zwar leidet er nun auch, aber die Kraft dieser Schwankungen, die das Leben so viel erfüllter macht, überwältigt ihn.

The Giver kann sicherlich nicht mit den ganz großen Dystopien wie Brave New World, Fahrenheit 451 oder 1984 mithalten, dafür ist er zu wenig komplex in seiner politisch-gesellschaftlichen Ausgestaltung. Nichtsdestotrotz ist er für die junge Zielgruppe ein guter Einstieg in das Genre, da wichtige Aspekte thematisiert werden – Relevanz von Erinnerungen, Verbindung von Schmerz und Freude, Individualität vs. Gleichheit, Umgang mit Leben und Tod. Die Sprache ist ebenfalls passend gewählt, wenig Ironie, Verzicht auf sublime Anspielungen und gleichzeitig spiegelt sie auch die Vorgaben dieser gleichgeschalteten Welt wieder, die möglichst präzise und direkt sein sollte. So ist der Roman in sich stimmig und durchaus eine lohnende Lektüre.

Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten

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Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten

Mitten in die Mathearbeit platzt die Durchsage, dass es einen Vorfall gäbe und die Klassen die Türen verschließen und auf weitere Anweisungen warten sollen. Was ist los? Doch nicht etwas ein Amoklauf? An die Klausur ist nicht mehr zu denken. Herr Filler, selbst mir 32 noch recht jung, weiß auch nicht, was zu tun ist. Auf so etwas wurde er nicht vorbereitet. Mark ist froh, dass wenigstens die Arbeit ausfällt, wohingegen Fiona durch die Situation mehr als irritiert ist. Als es an der Tür klopft und offenbar ein junges Mädchen Hilfe sucht, öffnen sie und müssen schnell ihren Fehler erkennen: nun ist der Amokläufer mit ihnen im Raum und er hat ein perfides Spiel vorbereitet, damit dieser Tag für alle zum unvergesslichen Trauma wird.

Lea-Lina Oppermann greift in ihrem Debütroman auf ein immer noch aktuelles Thema zurück, das viele Schüler bewegt und vor dem sie eine schwer greifbare Angst empfinden: einen Angriff auf die Schule, dem Ort, wo sie Schutz finden und in Ruhe lernen sollten und der sich schlagartig in einen Tatort der schlimmsten Sorte verwandeln kann. Reale Vorbilder geben genügend Ideen, was alles geschehen kann.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven des Lehrers und der beiden Schüler. Alle anderen Figuren lernen wir nur durch ihre Augen und Kommentare kennen. Diese Konstruktion bietet zwar eine gewisse Abwechslung und erhöht auch das Tempo, allerdings blieben mir beim Lesen die Figuren fremd. Dies lang vor allem daran, dass sie für mein Empfinden überhaupt nicht adäquat auf die Situation reagiert haben. Eigentlich müssten sie voller Angst und Panik sein, bleiben aber erstaunlich gelassen und gar mutig. Die Bedrohung, die sie an den Rand der Handlungsfähigkeit bringen und im Normalfall klares Denken verhindern müsste, hindert diese drei nicht daran, ganz normal weiterzumachen. Schnell wird die Gesamtlage auf von dem vermeintlichen „Spiel“ des Täters überlagert und auch die anderen Figuren sind mehr auf sich konzentriert und die Aufgaben als auf die Gefahr, die von dem Menschen mit den Schusswaffen ausgeht.

Die Emotionen, die bei diesem Setting das wichtigste sind, verlagern sich auf alltägliche Schulkinkerlitzlichen, den üblichen Streitigkeiten unter Jugendlichen, den Sorgen darum, wer am hübschesten und am schlanksten ist.  Diese haben zwar in Jugendbüchern auch ihre Berechtigung sind hier aber völlig deplatziert. Der Lehrer ist ebenfalls gänzlich überzeichnet in seinem egoistischen Streben nach akademischen Weihen und seiner Verachtung für und Belustigung über alle Schüler.

Es gibt viele Vorbilder in der Jugendliteratur, die dieses Thema ebenfalls behandelt haben und die ich allesamt deutlich gelungener finde. Anna Seidl hat in „Es wird keine Helden geben“ sehr eindrücklich die Situation aus der Sicht einer Überlebenden geschildert, die das Erlebte kaum verarbeiten kann. Marieke Nijkamp wählt in „This is where it ends“ eine minutiöse Beschreibung eines Überfalls, der unmittelbar die Angst der Betroffenen einfängt, ähnlich wie auch Heather Gudenkauf in „One Breath Away“, die mich beide viel betroffener machten als Lea-Lina Oppermanns kurzer Roman.

Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

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Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Samantha Kingstons Leben ist perfekt: sie gehört zur angesagten Clique der High-School, hat mit Rob einen Freund, um den sie viele beneiden, ist hübsch und reich. Der 12. Februar soll alles perfekt machen: morgens die Valentinstagsgrüße in der Schule und abends wird sie endlich mit Rob schlafen. Alles beginnt ganz normal: die Schule hat nichts Ungewöhnliches zu bieten, dann bereitet sie sich mit den Freundinnen auf eine Party vor. Doch der Abend endet anders als geplant: bei einem Unfall kommen sie ums Leben. Doch am nächsten Morgen wacht Sam wieder auf. Es ist nochmal der 12. Februar und sie kann ihren letzten Tag nochmals erleben und vielleicht was ändern. Sieben Mal wird sich dies für sie wiederholen.

Das Grundkonzept ist eher ungewöhnlich, wenn auch nicht wirklich innovativ, allerdings hat die Autorin genug Humor, die Protagonistin selbst auf „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hinweisen zu lassen. Ansonsten bietet der Roman alles, was das Young Adult Herz begehrt: die High-School mit ihren typischen Alltagssorgen, die von allen bewunderte Mädchen-Clique, die erste große Liebe, viel Gerede über Klamotten und Schminke. Und natürlich der obligatorische erhobene Zeigefinger, dass man doch bitte nicht gemein, sondern nett zu den Mitmenschen sein soll und sich für die Außenseiter einsetzen muss. Alle Stereotypen erfüllt, Leser des Genres werden es danken.

Was jedoch auffällt, ist die Figurenzeichnung, wobei ich mich gefragt habe, ob ich einfach zu alt bin, um die Figuren so wahrzunehmen, wie sie sein sollen. Für mich ist die Protagonistin einfach ein verwöhntes Gör, dem es viel zu gut geht und die in ihren Egotrip sieben Mal erfolgreich durchzieht und dafür auch noch belohnt wird. Vermutlich soll sie cool und bewundernswert wirken, dabei wirken ihre Kleidungsbeschreibungen auf mich eher billig bis nuttig und dass sie sich permanent darüber beklagt, dass sie von den Eltern zu kurzgehalten wird (man bedenke: sie bekommt im Jahr nur zweimal 500 Euro zum Kleidershoppen!), macht sie auch nicht gerade sympathischer. Da ihre Empathiefähigkeit nur gering ausgebildet ist, braucht sie auch mehrere Anläufe um zu verstehen, dass sie genau das ist, was ein anderes Mädchen ihr vorwirft: ein Miststück. Selbst als ihr langsam aufgeht, dass ihr Verhalten vielleicht eher suboptimal ist, wird ihr Handeln immer noch von dem Gedanken geleitet, möglichst selbst zu profitieren oder zumindest kein ganz so schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen. Das macht das Lesen zu einer gewaltigen Quälerei, da man permanent den Gedanken hegt, dass die Welt einfach eine bessere wäre, wenn sie endlich tot wär. Dass die anderen ihr da in nichts nachstehen, macht es kaum besser.

Alles in allem ein Buch, dass hervorragend auf die zu liefernden Klischees abgestimmt ist, durch besonders widerwärtige Figuren besticht und weiter nichts zu bieten hat, was für eine Leseempfehlung sprechen würde.

Shannon McCrimmon – The Summer I Learned to Dive

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Shannon McCrimmon – The Summer I Learned to Dive

Was sind die typischen Versatzstücke von Young Adult Romanen?

  1. die Protagonistin:

– sehr strebsam und intelligent

– sehr hübsch, ohne sich dessen bewusst zu sein

– lebt fernab der Realität und ist sich des Lebens eines Teenagers nicht bewusst

– keinerlei Erfahrung mit Alkohol, Jungs, Sex, Partys etc.

  1. Der Protagonist:

– schüchterner Junge, auf den alle Mädchen stehen, der aber auf „die Eine“ wartet

– makelloser Charakter

– würde nie Alkohol anrühren

– absolut selbstlos gegenüber seiner Familie

  1. die Handlung:

– Protagonistin kommt an fremden Ort, wo Protagonist lebt

– gerät zunächst an die falschen Freunde, Protagonist muss sie retten

– macht erste Erfahrungen im echten Leben, lernt: Alkohol ist böse

– durchlebt Familienkrise, Protagonist steht zu ihr

– Krise war eigentlich nur ein Missverständnis und wird so schnell erfolgreich gemeistert

– am Ende: alles Friede, Freude, Eierkuchen

Prüft man Shannon McCrimmons Roman „The Summer I Learned to Dive“ auf diese Punkte, erhält sie vollen Zuschlag. Die 18-jähige Finn erfährt zufällig von einem lange gehüteten Familiengeheimnis. Sie reist nachts heimlich ab, um ihre unbekannten Großeltern zu besuchen. Dort verliebt sie sich in den wunderbaren Jesse und erlebt im Schnelldurchlauf alles, was Teenager sonst in ein paar Jahren durchmachen. Gegen Ende noch großes Familiendrama, lange Aussprache, alles gut.

Da es ein amerikanischer Roman war noch die üblichen Moralpredigten: Alkohol ist böse, vergib Deinen Liebsten auch wenn sie dich jahrelang belogen haben, kein Sex im Teenagerroman.

Der Roman bietet wenig Überraschungen und ist so locker geschrieben, dass er sich entspannt an einem Nachmittag lesen lässt. Wie er zu 900 3-5 Sterne Bewertungen auf Goodreads kommt, bleibt für mich jedoch schleierhaft. Überbordende Lobeshymnen über das Buch, das so anders ist als all die anderen im Genre (?!?).

Berechtigte Frage: warum liest jemand ein YA Roman, wenn er das Genre offenbar doof findet? Kurz vorm Zubettgehen habe ich gestern einen neuen Roman benötigt und lustlos meinen Kindle nach etwas Leichtem und Sommertauglichen durchblättert. Das Cover war hübsch (und so passend zum Sommer) und wenn ich schon mal angefangen habe, lese ich ein Buch auch fertig, noch dazu wenn es so kurz ist. Fazit: manche Prinzipien sollte man vielleicht über Bord werfen.

Adi Alsaid – Let’s Get Lost

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Adi Alsaid – Let’s Get Lost

Ein Road Trip der etwas anderen Art. Leila lässt in einer amerikanischen Kleinstadt ihren Wagen testen und lernt so Hudson kennen, der sofort von dem Mädchen fasziniert ist. Es wird die schönste Nacht seines Lebens, die jedoch auch einen jahrelang gehegten Traum zerstören wird. Leilas Reise geht weiter und unterwegs sammelt sie Bree auf. Die Mädchen finden sich sofort sympathisch, doch die kleine Ausreißerin Bree kann vom Diebstahl nicht lassen und so landen beide im Gefängnis. Für Elliot wird die Begegnung mit Leila zur Realisierung einer nur dem Fernsehen gekannten Geschichte und Sonia hatte schon aufgegeben, ihr Leben in Trümmern, aber Leila kommt ihr zu Hilfe. Vier Menschen, vier Geschichten und vier Begegnungen, die das Leben verändern. Doch wer ist Leila eigentlich und warum hat sie sich auf den Weg nach Alaska zu den Polarlichtern? Auch Leilas Leben wird durch diese Reise verändert werden.

Eine überzeugende Geschichte über das Erwachsenwerden. Die vier Figuren, denen die Protagonistin begegnet sind sehr verschieden, was immer wieder neue Aspekte in den Roman bringt und vier letztlich eigenständige Geschichten entstehen lässt. Alle vier sind an einem wichtigen Punkt ihres Lebens und benötigen genau den einen Impuls benötigen, um weiterzugehen und ein Kapitel abzuschließen. So auch die Protagonistin, die jedoch lange Zeit erstaunlich blass bleibt. Man erfährt sehr viel über die Figuren, mit denen sie interagiert, von sich selbst gibt sie jedoch nichts preis und mehr und mehr fragt man sich, was es mit ihr auf sich hat. Dieses Mysterium wird im letzten Kapitel recht überraschend, aber überzeugend gelöst.

Angie Thomas – The Hate U Give

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Angie Thomas – The Hate U Give

Garden Heights – ein Vorort, der sich überall in den USA befinden könnte. Die sechzehnjährige Starr und ihre Stiefschwester Kenya sind auf einer Party, auf der sie besser nicht wäre. Wie erwartet kommt es zu Ärger und als Schüsse abgefeuert werden, verlässt Starr mit ihrem Kindheitsfreund Khalil den Ort des Verbrechens. Auf dem Weg nach Hause werden sie von einem Polizisten gestoppt – grundlos. Oder ist ihre Hautfarbe etwa schon Grund genug? Starr hat von klein auf gelernt, wie sie sich in einer solchen Situation zu verhalten hat: nicht schlauer sein wollen, als man ist; kooperativ zeigen; keine schnellen Bewegungen. Sie hofft, dass Khalil diese Regeln auch beherzigt, doch seine Frage nach dem Warum lässt den Officer schon ausrasten. Er holt den Jungen aus dem Wagen und kurz darauf passiert das Unglaubliche: mehrere Schüsse durchsieben Khalils Körper. Starr traut ihren Augen nicht, wie konnte das passieren? Und wird Officer 115 zur Rechenschaft gezogen werden?

Man kommt im englischsprachigen Raum derzeit kaum an Angie Thomas‘ Roman vorbei. Mit Lobeshymnen wird die Autorin für ihren Debütroman überhäuft. Ohne Frage trifft das Thema des Jugendromans den Nerv der Zeit. Die Black Lives Matter Bewegung prangert völlig zurecht den Umgang der überwiegend weißen Polizisten mit den jungen Schwarzen an und selbst diejenigen, die wie Starr ein redliches und friedfertiges Leben führen, geraten schnell ins Visier.

Interessant sind vor allem die Kontraste, die im Roman geschaffen werden. Zum einen die überwiegend von Schwarzen bewohnte Nachbarschaft, in der der raue Ton der Straße bestimmt, wer und was man ist. Wo niemand wirklich frei ist und Gefängnisaufenthalte zum Alltag gehören. Dagegen steht Starrs Schule, 45 Minuten entfernt in einer rein weißen Umgebung, die von typischen Teenagerproblemen und relativer Sorglosigkeit geprägt ist. Das Mädchen kann die beiden Welten nicht unter einen Hut bringen, sie sieht sich selbst als gespalten und völlig verschiedene Personen, je nachdem, wo sie sich gerade aufhält. Dass ihre Schulfreundinnen ihren Alltag in Garden Heights nachvollziehen könnten, erwartet sie nicht, weshalb das, was sie dort erlebt, außen vor bleibt und sie wie nach einem langweiligen Wochenende montags wieder die Schule besucht, obwohl sie weniger als 48 Stunden vorher mit angesehen hat, wie einer ihrer besten Freunde erschossen wird.

Es ist jedoch weniger Starrs Umgang mit den Erlebnissen und die Trauerarbeit – das kennt sie schon, hat sie bereits einige Jahre zuvor ihre beste Freundin durch einen Schuss verloren – als die Frage, ob es in diesem Fall Gerechtigkeit geben kann und wird. Bezeichnend ihr verhör bei der Polizei. Obwohl die befragende Polizistin selbst als Latina beschrieben wird, macht sich doch das unangenehme Gefühl breit, dass der Fall bereits abgeschlossen ist und einmal mehr die Welt ein wenig besser wurde, weil ein junger schwarzer Gangster weniger auf den Straßen rumläuft.

Der Roman ergreift nicht einseitig Partei. Khalil ist nicht der ganz unschuldige Junge, auch Starrs Familie kann mit einige Straftaten aufwarten. Dennoch zeigt der für unsereins groteske Verlauf der Polizeikontrolle, in welcher Situation sich gerade die Jugendlichen befinden und wie sie versuchen, zwischen Akzeptanz der Gegebenheiten und berechtigtem Hinterfragen des Handelns, einen Ausgleich zu finden, bei dem sie jedoch am Ende die Verlierer sind.

Ein kurzes Buch, das viel Food for Thought bietet und sicherlich die nächsten Monate noch berechtigterweise im Fokus stehen wird.

Jason Rekulak – The Impossible Fortress

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Jason Rekulak – The Impossible Fortress

Bill Marvin is a typical 14-year-old in the year 1987. When the Playboy publishes photographs of Vanna White, presenter of the famous „Wheel of Fortune“ show, Bill and his friends Alf and Clark are discussing strategies of how to buy the magazine at their age. Their master plan includes the security code to a small store owned by Mr Zelinsky. But how to get hold of it? The owner’s daughter Mary is the key. Bill is to befriend her to acquire the code from her. But when Bill gets to know Mary, he finds out that they both share the love for computer programming and that Mary is an expert in operating a C 64. She can help him to finalize his computer game The Impossible Fortress, Billy’s submission to an important competition. They more the two work on the programme, the more their mutual affection grows and Billy has already forgotten his initial mission while slowly falling in love. But then he is reminded of it and he takes an important decision.

I liked Jason Rekulak’s story immediately because the author sends you straight back into the 80s. I have rarely read a novel set in the not too far away past in which the setting is that well established and plays such an important role. It is the music played in the shop, the TV programmes the boy watch, the heroes they discuss – and especially the Stone Age of computers that made me remember the time 30 years ago. All the small bits and pieces work well together to create an authentic setting for the plot.

The characters are also well drawn and interestingly designed. Both Billy and Mary are outsiders without being the typical misfits. They are under the radar somehow, inconspicuous in a way but remarkable when you take a closer look. The nerd girl who is interested in typical boyish pastimes, the boy raised by a single mom who is clever on the one hand, but maximum negligent of school and his marks and even running the risk of having to leave high school without any degree. Seeing both of them immerse in programming, teaching themselves and pursuing their goal of the perfect programming for the computer game without realising what is happening to them, is a joy to read.

Besides the story which is convincing and quickly captivating, it is Jason Rekulak’s style of writing which I genuinely enjoyed. He has a subtle humour and a way of describing situations that made me grin more than once and adore reading the novel.

Even though the protagonists are young teenagers and the story somehow is a kind of love story, I would not call it a classic of the genre since particularly the setting could make the novel also interesting and appealing to people who remember the 80s and who would like to indulge in their memories of that time.

Marieke Nijkamp – This is where it ends

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Marieke Nijkamp – This is where it ends

Teachers and pupils are gathering in the auditorium to listen to the principal. When she has finished, they stand up to leave and head back to their classes. But the doors are locked. Nobody can get out. Only Tyler gets in and soon has everybody’s attention since he is heavily armed. He is seeking revenge for what has been done to him in the last months. When the first teachers and classmates are shot, they realise that this is real. But who can stop him? His sister Autumn? But she is meant to be the next.

The story is told from different perspectives. We are thrown immediately into the action, there is no slow approach, nothing to prepare you. In small chapters covering two to three minutes, we learn what happens and what the different characters think and feel at that specific moment. We get to know Autumn, Tyler’s sister who remembers their mother who died a year before and thus triggered a lot of problems for the whole family. Sylvia, Autumn’s girlfriend, who had a fierce quarrel with Tyler a couple of weeks before. Tomás, Sylvia’s brother who is actually not inside the auditorium because he was about to break into the principal‘ s office with his friend when all started and now he tries to help is sister and classmates. Claire and the running team who did not attend the meeting and now are left to watch and wait.

There are many novels about school shootings, but most of them focus either on the motives of the shooter or what happens to the victims after this experience. „This is where it ends“ stands out since is only covers the minutes of the shooting and the immediate feelings and thoughts. The different perspectives from inside and outside and their diverse links to the shooter give not only a broad but also interesting views on the situation. We do not get any clever explanations and tips of how to prevent it, the action speaks for itself and leaves it to the reader to make up their mind about this topic.