Norbert Gstrein – Als ich jung war

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Norbert Gstrein – Als ich jung war

Franz wächst in den Tiroler Bergen auf, wo seine Eltern ein Hotel haben, in dem regelmäßig Hochzeiten ausgerichtet werden. Dass die Kinder mithelfen müssen, steht außer Frage und so wird der Junge schon früh zum Hochzeitsfotograf, der den schönsten Tag im Leben der Verliebten für immer festhalten soll. Ein mysteriöser Suizid einer Braut lässt ihn jedoch aus der Enge der Berge nach Jackson, Wyoming, flüchten, wo er sich als Skilehrer durchschlägt. Ach in der Ferne kann er jedoch Sarah nicht vergessen, offenbar seine große Liebe. Dem tschechischen Professor, der ihn engagiert hat, erzählt er von ihr, kurz bevor dieser verunglückt. Überhaupt häufen sich seltsame Todesfälle in Franz‘ Umgebung, so dass auf beiden Seiten des Atlantik ermittelt wird. Doch Franz kann sich die Vorkommnisse nicht erklären, Zufälle wohl, und kehrt nach einer schweren Verletzung zurück in die Heimat und das Familienhotel, wo er erneut mit der Vergangenheit konfrontiert wird.

Man muss Norbert Gstreins Roman erst sacken lassen, bevor man das, was man da gelesen hat, so richtig begreifen kann. Die Nominierung für den österreichischen Buchpreis verwundert zunächst, je weiter die Gedanken jedoch um die Geschichte kreisen, desto klarer sieht man jedoch, welch genialer Einfall hier literarisch umgesetzt wurde. In Romanen geht es immer darum, was erzählt wird, bei Gstrein geht es jedoch viel mehr um das, was nicht erzählt wird, die Leerstellen sind es, die besonders interessant sind, die Lücken in der Erinnerung bzw. auch die bewussten Verdrängungen in der eignen Biografie.

Der Ich-Erzähler schildert seine zunächst eher unspektakuläre Kindheit und die unzähligen Hochzeiten, die er erlebt und für die Ewigkeit festhält. Was er hier einfängt, weist schon daraufhin, dass ihm auch als Erzähler nicht zu trauen ist, denn nicht alles, was man sieht, entspricht der Wirklichkeit hinter dem Bild:

„sie wollten alle auf den Fotos besser dastehen als in Wirklichkeit, aber dazu brauchte es nicht viel, dazu brauchte ich nur die billigsten Tricks anzuwenden, oder ich fotografierte an ihren Unvollkommenheiten und Menschlichkeiten vorbei.“

So wie er die Frischvermählten im besten Licht einfängt, schildert er auch sein eigenes Leben, das voller Unschuld zu sein scheint, bis am Rand die Zweifel ins Bild drängen. Der Tod der Braut, das Verschwinden einer Frau in den USA, die vermeintlich unschuldige Schwärmerei für Sarah, die sich jedoch dramatisch in eine ganz andere Richtung entwickelt – Franz erzählt sein Leben, wie er es sich zurechtgerückt hat. Doch Wesentliches scheint er dabei auszulassen.

So wird der Roman fast zu einem Krimi und das Unbehagen beim Leser wächst. Mit was für einem Erzähler hat man es da zu tun, was hat er getan? So wie Franz nach dem Tod des Professors erkennt, dass er diesen eigentlich gar nicht kannte und nichts über ihn wusste, geht es einem mit dem Protagonisten ebenfalls. Ob er sich und die Welt bewusst täuscht und sich seine Realität so erschafft, wie er sie gerne hätte, oder ob seine Wahrnehmung tatsächlich so ist, bleibt ebenso offen wie vieles andere auch. Das nicht Gesagte, die Fragezeichen, die bleiben, machen den Reiz der Geschichte aus, deren klare Sprache eine Eindeutigkeit suggeriert, die jedoch keineswegs vorhanden ist. Und so muss man als Leser selbst die Ereignisse konstruieren und steckt damit mitten in der Geschichte.

Jodi Picoult – A Spark of Light

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Jodi Picoult – A Spark of light

An ordinary day at the so called Center in Jackson, Mississippi. Women come there to get information about how to prevent a pregnancy, others to end an unwelcome one. Protesters outside belong to the everyday work as well as security measures before getting inside. But on this sunny days, things go wrong when a man with a gun walks in to revenge the grand-child he never had. How can these women dare to decide on another person’s life? George Goddard will teach them a lesson. Outside, Hugh McElroy will try everything to keep the number of victims low, especially since his sister and daughter are in the Center.

When I started the novel, I was fairly astonished even before getting to the first chapter: the novel is told from the end and starts in the late afternoon of that day. This is quite an interesting idea and admittedly I had some doubts if this might actually work out. But it does and suspense is not diminished at all, since there is still a lot to be revealed even when going through the story the wrong way around.

I read other novels of Jodi Picoult before and again, the author did completely fulfil my expectations. She once more chose a highly controversial topic to which you cannot find an easy solution. The women as well as the doctors who are in the Center at the moment the shooter enters all have their individual stories that led them there: a pro-life activist in disguise, a nurse who doubts her boyfriend’s motivation of marrying her and who wants to offer him the possibility of going on in life without her, another young woman who herself had to grow up knowing how it feels if you are not loved and only a burden, a girl who just wants to get a pill – you don’t feel like they didn’t think about what they do before they decided to go to the Center on that day. But the situation between life and death – their life and death – puts the decision they had taken to another test. Especially poignant is the constellation of having the detective in charge’s daughter in the clinic. This adds another very personal aspect to the whole story.

It is not a story about pro-life vs. abortion advocates. Even though this is the initial starting point, Picoult focuses on the individual characters and their respective situation. Neither does she put their decision to the test nor excuse any decision taken. It could have been another connecting element that brings those characters together, what they experience is the moment in life where all could be over and when you inevitably have to question yourself about what is important for you and if it has been worth living. I really like her style of wiring and particularly the characters she creates, thus for me, another remarkable novel not to be missed.