Meg Wolitzer – Das ist dein Leben

Meg Wolitzer – Das ist dein Leben

Dottie Engels ist in den 1980ern alleinerziehende Mutter zweier Töchter und ein Star am Comedy Himmel. Überall erkennt man sie sofort, extrovertiert wie sie ist, wird sie sofort zum Zentrum jeder Gesellschaft. Erica und Opal müssen häufig auf sie verzichten, während Dottie in Los Angeles auf der Bühne steht, werden sie von Babysittern, die sich jedoch kaum um sie kümmern, in New York betreut. Was Dottie zu ihrem Markenzeichen gemacht hat – der selbstironische Umgang mit ihrem Übergewicht und dem offenkundig weit entfernten Schönheitsideal – wird für die 16-jährige Erica zunehmend zum Problem. Sie kann mit ihrem Körper nicht so entspannt umgehen wie die Mutter, mehr und mehr zieht sie sich zurück, bis irgendwann der völlige Bruch kommt. Auch für Opal und Dottie beginnen schwere Zeiten, als der Publikumsgeschmack sich ändert und der Stern der Mutter langsam sinkt.

Meg Wolitzer ist erst in den letzten Jahren in Deutschland als Autorin der Durchbruch gelungen, „Das ist dein Leben“ hat sie im Original schon 1988 veröffentlicht und man merkt dem Roman an, dass er noch nicht über die sprachliche Raffinesse und die überzeugende Figurenzeichnung verfügt, mit denen ihre späteren Romane „The Interestings“, „Belzhar“, „Die Ehefrau“ oder „The Female Persuasion“ mich restlos begeistern konnten.

Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Mutter und den Töchtern. Dottie liebt diese über alles, trotz ihrer häufigen Abwesenheit wird sie ihrer Rolle als schützende Mutter gerecht, allerdings kann sie auf die zunehmenden Depressionen Ericas nicht wirklich reagieren. Opal, die 5 Jahre jünger ist, vergöttert die Mutter, was auch zu dem Auseinanderdriften der Schwestern führt. In Opal und Erica werden zwei gänzlich verschiedene Seiten von femininer Jugend aufgezeigt, die sich jedoch um die zentralen Aspekte des Umgangs mit dem eigenen Körper und auch den innerfamiliären Beziehungen drehen.

Es ist ein Roman seiner Zeit, das Kabelfernsehen mit seinen eigenen Regeln gibt es in der Form heute nicht mehr, auch die später gerade in New York zentrale Drogenproblematik, die ebenfalls aufgegriffen wird und vor allem der Lebensstil mit Fast Food und ohne die geringste Rücksichtnahme auf Körper und Gesundheit sind heute für Personen des Showbiz und öffentlichen Lebens kaum mehr vorstellbar.

Thematisch hat der Roman vieles zu bieten, nichtsdestotrotz konnte er mich leider nicht im erwarteten Maße für sich gewinnen. Es liegt eine Schwermut über der Handlung, die bisweilen erdrückend wirkt, so manche Länge forderte auch die Geduld heraus.  Auch die Figuren blieben mir oft zu eindimensional und reduziert auf wenige Aspekte, um überzeugend zu wirken.

Liane Moriarty – Nine Perfect Strangers

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Liane Moriarty – Nine Perfect Strangers

Tranquillum House, ein Gesundheits- und Wellness Resort in der australischen Pampa, verspricht die völlige Transformation. Genau das, was Frances Welty jetzt braucht. Gerade hat ihr Verlag ihr aktuelles Buch abgelehnt und auch ansonsten läuft es nicht so gut. Zehn Tage ohne Handy, Internet und nur auf ihr Wohlbefinden ausgerichtet, scheinen perfekt. Auch die anderen Gäste haben Erholung nötig: der Lehrer Napoleon, der mit seiner Frau Heather und der Tochter Zoe den Tod des Sohnes verarbeiten will; Carmel, die mit vier Töchter plötzlich alleingelassen dasteht; der Scheidungsanwalt Lars, der nicht weiß, ob er mit seinem Partner wirklich ein Kind will und grundsätzlich nur Frauen vertritt; Ben und Jessica, die schon nach kurzer Ehe vor einem Scherbenhaufen stehen und Tony, ex Football Star, der seinem Hund nachtrauert. Sie alle begeben sich in die heilenden Hände von Masha und ihrem Team, auf der Suche nach der ultimativen Heilung. Doch der Trip wird zum bösen Erwachen führen.

Nachdem mich das letzte Buch von Liane Moriarty – „Truly, Madly, Guilty“ – nur mäßig begeistern konnte, hat sie nun mit „Nine Perfect Strangers“ wieder genau meinen Nerv getroffen. Nicht nur, weil sie bösartige Charaktere geschaffen hat, denen man mit größter Freude zusieht, sondern auch, weil sie perfekte Spannung aufbaut durch Andeutungen („NIEMAND verlässt uns vorzeitig…“), die die Vorfreude auf die Handlung nur steigen lassen.

Das Setting ist perfekt gewählt: fernab der Welt, ohne Zugang zu Telefon und Internet und mit lauter Figuren, die alle ihre Geschichte mitbringen, von der die anderen nichts ahnen und die sich erst nach und nach einander offenbaren. Dass die Chefin des Resorts völlig gestört ist, merkt man recht schnell und dass die Transformation ihrer Gäste sicherlich aus dem Ruder läuft, ist auch absehbar. Natürlich ist vieles völlig überzogen – die Gesundheitssmoothies, die Noble Silence während der jede Form von Gespräch verboten ist – wobei man sich durchaus vorstellen kann, dass es so etwas in der Realität auch gibt.

Beste Unterhaltung durch eine virtuose Verbindung von Spannung und ironischem Humor, genau das, was ich bei Liane Moriarty schätzen gelernt habe.