Zaza Burchuladze – Der aufblasbare Engel

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Zaza Burchuladze – Der aufblasbare Engel

Langeweile ist der Grund, weshalb Nino und Niko in ihrer Küche eine Geisterbeschwörung durchführen. Ernsthaft daran glauben tun sie beide nicht und als der Geist von George Gurdjieff vor ihnen steht, sind sie einigermaßen überrascht. Dieser würde gerne nach einer kurzen Stippvisite wieder verschwinden, aber das will einfach nicht klappen und so muss er wohl notgedrungen für ein paar Tage bei dem georgischen Pärchen unterkommen. Nino und Niko sind fasziniert von dem Mann und seinen Fähigkeiten, eine Internetrecherche enthüllt ihnen, dass sie es wahrhaftig mit einem erstaunlichen Mann zu tun haben und als dieser ihnen Reichtum in Aussicht stellt, können sie das kaum ablehnen – auch wenn dafür eine Entführung notwendig wird.

Zaza Burchuladze konnte mich mit „Der aufblasbare Engel“ einmal mehr durch seinen lakonischen Schreibstil mir subtilem Humor begeistern. Die Handlung ist hochgradig absurd, aber viel entscheidender als das, was erzählt wird, ist das wie und damit kann der Schriftsteller, der seit Jahren im deutschen Exil leben muss, punkten.

Die Figuren sind allesamt auf ihre Weise schräg, allen voran der Geist: ehemaliger Gymnast, Heiler und auch Magier, der nun ein therapeutisches Korsett tragen muss, da er eben auch nicht mehr der Jüngste ist. Seine magische Mütze hilft ihm leider nicht aus dem Dilemma aus der Wohnung der Gorosias verschwinden zu können. Aber das ist nicht das Einzige, was ihn akut belastet, denn auch seine Erinnerung funktioniert nur noch mäßig, wenn er seinen unfreiwilligen Gastgebern seine Lehren nahebringen will, zeichnen sich immer wieder große Lücken ab:

Insbesondere vom vierten Weg. Neben dem Weg des Fakirs, dem Weg des Mönchs und dem Weg des Yogis, sagte er, der sich von den anderen dreien prinzipiell unterscheide. Doch an den Unterschied könne er sich leider nicht mehr erinnern. Übrigens könne er sich ebenfalls nicht erinnern, wie die letzte Folge von Dr. House ausgegangen war, die er am Vorabend gesehen habe.

Das schnelle Geld ist verlockend für Nino und Niko und so stimmen sie der Entführung Nugsar Tschikobawas zu, der in ihrem Haus immer seine Geliebte besucht. Um eine Million reicher halten sie Ausschau nach einer besseren Wohnung, aber nun haben sie neben dem Geist auch noch einen weiteren Mann an der Backe und dieser beginnt auch schon zu stinken und die Polizei wird ebenfalls auf das Treiben in der Wohnung aufmerksam…

Eine kurzweilige Geschichte, die von der Situationskomik und vor allem dem trockenen Humor des Autors lebt. Die Absurditäten und Ironien des Alltags in Georgien, das zwischen Vergangenheit und Zukunft steckt und wo Aberglaube und Kriminalität genauso ihren Platz haben wie das rechtschaffene Leben der einfachen Leute, wird so glaubwürdig abgebildet.

Zaza Burchuladze – Adibas

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Zaza Burchuladze – Adibas

Stell Dir vor, es ist Krieg und niemand interessiert es. Die Fernseh- und Radionachrichten melden es, doch eigentlich schert sich keiner drum. Die Russen sind einmarschiert? Stehen kurz vor Tiflis? Egal, das Leben geht weiter. Man tut das, was man in den Jahren davor auch schon getan hat, man zieht um die Häuser, hat Sex, konsumiert was an Drogen so verfügbar ist und versucht an coole Klamotten zu kommen. Designerware. Also nicht die, die man für teures Geld in Westeuropa verkauft, sondern das, was für das kleine Portemonnaie auf den Straßen von Georgien den Besitzer wechselt. Was soll man auch sonst tun? Zukunft hat keiner und wenn die Russen tatsächlich einmarschieren, kann das Leben ohnehin ganz schnell vorbei sein, da sollte man die kostbare Zeit nicht mit ernsthaften Dingen verplempern.

Zaza Burchuladze lebt seit einigen Jahren in Deutschland, nachdem er in seiner georgischen Heimat angegriffen und bedroht wurde. Er gilt als eine der wichtigsten jungen Stimmen des Landes und seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. „Adibas“ entstand als Reaktion auf den Kaukasuskrieg im August 2008 als dessen Folge die Regionen Südossetien und Abchasien die Unabhängigkeit erlangten.

Der Roman hat eigentlich keine wirkliche Handlung, womit auch schon viel über insbesondere die Jugend in dem Land zwischen West und Ost gesagt ist. „Adibas“ steht – wie sich leicht auch am Cover erkennen lässt – für Fake-Ware, die meist in asiatischen Ländern produziert und illegal in Europa verkauft wird. Es geht jedoch noch darüber hinaus und wird somit symptomatisch für die Generation, über die Burchuladze schreibt: nichts ist mehr echt, weder Gefühle, noch die Nachrichten, man kann den Menschen unmittelbar um einen herum genauso wenig Glauben schenken, wie der Presse.

So müssen die Figuren mit den Widersprüchen des Alltags umgehen, sie hören und sehen Gefechte, ihre Politiker leugnen sie. Auch wenn es sie beunruhigt, sie bleiben cool und wahren den Schein der Unbekümmertheit. Mehr bleibt ihnen auch nicht, denn sie alle kennen die georgische Weisheit:

  1. Was gut anfängt, endet schlecht;
  2. Was schlecht anfängt, endet schrecklich;
  3. Was schrecklich anfängt, endet nie.

Die 90er sind vorbei, die Zeit des Aufbruchs hatte den meisten nichts zu bieten und oftmals geht es den Menschen nach der Jahrtausendwende schlechter als zu Sowjetzeiten. Und so fliegen die Tage dahin, ohne dass etwas passiert, was sie aus der Lethargie erwecken könnte.

In diesem Jahr ist Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ich bin gespannt auf mehr Literatur aus dem kleinen Land, von dem man hierzulande so gut wie nie etwas erfährt.

Beka Adamaschwili – Bestseller

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Beka Adamaschwili – Bestseller

Pierre Sonnage ist ein mäßig erfolgreicher Autor. Er weiß, dass um seine Aura zu vergrößern, ein großes Ereignis erforderlich ist. Suizid erscheint ihm eine passable Lösung und der 33. Geburtstag ein passender Termin. Nach reiflicher Überlegung, welche Art des Selbstmords die erstrebte Wirkung erzielen könnte, beschließt er, sich in Dubai von einem Hochhaus zu stürzen. Als er wieder zu sich kommt, ist er jedoch weder gerettet in einem Krankenhaus noch im Himmel, sondern direkt in der Literaturhölle gelandet. Dort wird jeder gemäß seiner literarischen Sünden bestraft, d.h. er wird dieselben Qualen erleben müssen, die er auch seinen Lesern zufügte. Doch immerhin ist er in bester Gesellschaft: Camus, Beckett, Saint-Exupéry, Hemingway, Poe, Conan Doyle – you name it. Pierres erste Aufgabe ist das Lösen einen Rätsels, das jedoch deutlich kniffliger gestaltet ist, als zunächst geahnt. Aber die illustre Runde der Literaturhölle kann ihm sicher hilfreich zur Seite stehen.

Beka Adamaschwili hat einen unglaublich unterhaltsamen Roman geschrieben, der Kennern der klassischen Literatur eine große Freude bereitet. Nicht nur das Auftreten unzähliger Größen der Schriftstellerwelt ist per se schon spannend, vor allem lebt das Buch durch die kleinen Anspielungen, die der Autor en passant einzufügen weiß, bspw. wenn er Camus‘ illustre Vereinigung vorstellt:

In den Club traten Schriftsteller ein, die sich im Stillen, von der Welt unbeachtet, umgebracht hatten und deren Selbstmord als natürlicher Tod eingestuft worden war. Vorsitzender war Albert Camus. Er hasste es wie die Pest, wenn sich Fremde im Club sehen ließen.

Bisweilen gibt es auch deutlich weniger subtile Anspielungen, wie etwa das Wettbüro „MacBet“, das von keinem geringeren als William Shakespeare persönlich geleitet wird.

Zur Unterhaltung gibt es in dieser Hölle einen einzigen Fernsehsender: BBC – Big Brother’s Channel, dessen erfolgreichste Show nach folgendem Schema abläuft:

Jeder konnte sich einen Schriftsteller aussuchen, den er überwachen wollte, und im Fernseher liefen dann automatisch Ausschnitte aus dessen Leben. Anders ausgedrückt war es der erste Fernsehsender überhaupt, der seinen Zuschauern selbst zuschaute und gegebenenfalls die Zuschauer wiederum anderen Zuschauern zeigte.

Pierre arbeitet sich gemeinsam mit Arthur Conan Doyle durch sein Rätsel und die Handlung, wird dabei jedoch auch immer vom Autor begleitet, der kontinuierlich nebenbei mit Einschüben kommentiert:

Hier entschuldigt sich der Autor für den Gebrauch eines so sinnlosen Phraseologismus wie »er hatte einen Geistesblitz«, rechtfertigt dies aber damit, dass Pierre das für die Fortsetzung der Geschichte benötigte Passwort partout nicht ohne Hilfe herausfinden sollte. Auch standen dem Autor nicht genug Zeilen zur Verfügung.

Dem Autor selbst unterlaufen gelegentlich jedoch auch böse Fehler:

»Woher kommt denn das Telefon?«, fragte Claude verwundert. »Ich hatte noch nie eins …«

[Hier schlägt sich der Autor an die Stirn, und ihm fällt ein, dass er vergessen hat, das vor Kurzem ausgedachte Telefon wieder wegzudenken, deshalb verlässt er, von seinem unverantwortlichen Verhalten beschämt, schnellstens das Zimmer und lässt im Herausgehen noch die Gardine herunter – für alle Fälle.]

Neben der Handlung rund im Pierre Sonnage in der Hölle findet sich jedoch noch eine weitere einer gewissen Lucy, mit der Pierre einst noch lebendig korrespondierte und die nun die beiden Realitäten langsam vermischt.

Ein Roman mit mehreren Ebenen, viel Wortwitz und cleveren Anspielungen – ein herrliches Spiel mit Literatur, um Literatur und über Literatur. Alles nicht ganz ernst zu nehmen und dadurch ein amüsantes Zwischenspiel, das einem in der Masse der Neuerscheinungen leicht durchgehen könnte.

Buchmesse Frankfurt 2017 – die zweite

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Der Buchmessefreitag stand ganz unter dem Motto Autoren politisch und Bloggerveranstaltungen.

Im Ehrengastpavillon fand am 13.10. ein sogenanntes European Lab Forum statt, bei dem die Rolle von Kultur und Wissen als Mittel zur Wiedererfindung der demokratischen Idee Europas diskutiert bzw. eher betont wurde (schöner ausgedrückt: arme de reconstruction massive au service de la reconquête démocratique et de la revalorisation citoyenne du projet européen/weapon of mass reconstruction for the democratic reinvention of the European project). Ziel der European Lab Foren ist von der passiven Beobachtung wieder in zur aktiven Unterstützung des europäischen Gedankens zu kommen. In Frankfurt gab es dazu 12 Veranstaltungen mit 35 Rednern. Ich hatte mir die mit dem Titel „Democratic crisis, emergency of literature“ angehört, bei der Négar Djavadi, Gaël Faye, Kamel Daoud und Patrick Chamoiseau als Redner geladen waren. Alle vier schreiben auf Französisch, haben aber unterschiedlichen Migrationshintergrund und starke Bezüge auch zu außereuropäischen Ländern, nehmen also eine Zwischenposition ein. Viel Wichtiges und Richtiges wurde gesagt, am meisten hat mich dabei Négar Djavadi beeindruckt, deren Buch „Desorientale“ ich nun wirklich zeitnah lesen möchte. Insgesamt würde ich mir Seiten des Literatur- und Kulturbetriebs in Deutschland mehr politische Einmischung wünschen, in Frankreich ist das deutlich verbreiteter (was man auch daran sieht, dass beim European Lab keine deutschsprachigen Autoren waren).

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Auf der arte Bühne würde zusammen mit Leïla Slimani und Kamel Daoud ihr Film aus der Reihen „Durch die Nacht mit…“ vorgestellt, der morgen, am Sonntag 15.10. um 23:40 laufen wird. Beide sind als Vertreter maghrebinischer Kultur und Literatur Ausnahmen im französischen Literaturbetrieb und zudem als Journalisten mit den spezifischen Fragen rund um Migration und Gesellschaft beschäftigt. Zwei Autoren, die sehr viel zu sagen haben, was man sich durchaus anhören sollte.

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Speziell für Blogger hatten auch mehrere Verlage ein Programm im Rahmen der Buchmesse vorbereitet. Als erstes war ich bei Diogenes, wo man uns einen ausführlichen und sehr interessanten Blick auf das neue Programm gegeben hat. Viele reizvolle Bücher sind in Planung, z.B. wird Diogenes Katrine Engberg auf den deutschen Markt bringen und ein neuer Martin Suter ist angekündigt. Überraschend kam dann plötzlich Klaus Cäsar Zehrer zur Veranstaltung, der über die Entstehung seines Romans „Das Genie“ gesprochen hat.

Kiepenheuer & Witsch hatte für die Blogger eine kleine Gesprächsrunde mit Dagmar Ploetz organisiert, die Gabriel García Márquez Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ neuübersetzt hat. Sie hat viel über die Arbeit eines Übersetzers, auch die Entwicklungen der letzten Jahre und zu Gabriel García Márquez im spezielle berichtet.

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Abschließend hatte Random House noch zur Happy Hour auf der Buchmesse geladen. Der Stand war mit Autoren, Lesern und Verlagsmitarbeitern gut gefüllt und die Stimmung feucht-fröhlich.

Da für mich die Buchmesse damit zu Ende gegangen ist, noch ein Fazit zu zwei Aspekten: Begleitung der Buchmesse im Feuilleton und natürlich Gastland Frankreich.

Etwas enttäuschend fand ich die diesjährigen Literaturbeilagen. Dieselben 4-5 großen Namen französischer Autoren, die auch aktuell bei den großen deutschen Verlagen erscheinen wurden überall besprochen. Außer Houellebecq, Slimani oder Reza fand sich quasi nichts zu entdecken oder was abseits des Mainstreams noch lesenswert wäre. Eine rühmliche Ausnahme bildet jedoch die F.A.Z., die nicht nur sehr ausführlich die aktuelle französische Literatur unter die Lupe genommen hat, sondern auch einen Blick auf die noch nicht übersetzten Bücher, die gerade in Frankreich in aller Munde sind, geworfen hat. Interessant in diesem Zusammenhang ein Artikel in Le Monde, weshalb deutsche Autoren in Frankreich so wenig gelesen werden, hier ist nämlich grade die Diskussion um die Qualität der Übersetzungen entbrannt.

Frankreich als Gastland war meiner subjektiven Empfindung nach einfach überwältigend. Ich glaube so viele hochkarätige Vertreter waren selten bei der Buchmesse präsent und auch das Programm abseits der Messe in und um Frankfurt kann man kaum überbieten. Der Pavillon ist eher eigenwillig gestaltet – zugegebenermaßen wird vermutlich kein Land den Auftritt von Island vor einigen Jahren toppen können – auf den Bühnen waren aber facettenreiche und interessante Veranstaltungen und Gespräche, die auch richtig Lust auf die französische Literatur machten. Die Verkündigung der 2e  Sélection für den Prix Goncourt durch die Jury war hierbei auch deutlicher Ausdruck für den Stellenwert, den man bei unseren Nachbarn der Gastland-Rolle zugesprochen hat.

Buchmesse Frankfurt 2017 – Tag 1

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Heut ganz im Zeichen von interessanten Interviews. Nachdem ich ein wenig über die Messe geschlendert war und den riesigen Asterix

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bewundert hatte, ging es schon zu einem großen Highlight der Messe: der Bekanntgabe der 2e Sélection du Prix Goncourt 2017.

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Bernard Pivot hat das Publikum nicht lange warten lassen und recht flott die Finalisten verkündet, die danach folgenden Interviews vor allem zu den Fragen, was der Gewinn des Preises verändert hat, waren sehr interessant und vor allem Leïla Slimani kam unheimlich sympathisch rüber. Auf dem Foto schlecht zu erkenne sind die ganzen Berühmtheiten, unter anderem Philippe Claudel, Tahar Ben Jelloun, Jérôme Ferrari, Leïla Slimani, Eric-Emmanuel Schmitt, Virginie Despentes u.a.

Danach ging es zum blauen Sofa, auf dem Ayelet Gundar-Goshen interviewt wurde. Sie sprach über die Hintergründe zu ihrem aktuellen Buch „Lügnerin“, ihre Erfahrungen als Therapeutin mit dem Thema Lügen und über den leider in Israel sehr verbreiteten Machismo, der es Männern erlaubt, im Falle der Beschuldigung eines sexuellen Übergriffes einfach die Frau als Lügnerin abzustempeln, was ihnen auch geglaubt wird.

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Direkt im Anschluss folgte Emmanuel Carrère, der ebenfalls über die Entstehung seinen aktuellen Romans „Brief an eine Zoowärterin aus Calais“ berichtete. Er nimmt dort einen ganz anderen Blick auf die Flüchtlingskrise, indem er den Bürgern von Calais, die über Jahre den Jungle vor ihrer Haustür ertragen mussten, eine Stimme verleiht. Er selbst schien schwer beeindruckt von seinem Besuch in dem illegalen Lager.

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Auf Édouard Louis war ich besonders gespannt. Das kurze, nicht einmal 20 Minuten dauernde Gespräch mit ihm, war viel zu kurz für all das, was der junge Autor zu sagen hatte. Beeindruckend seine offene Kritik am Literaturzirkus, der sich für besonders offen und progressiv hält und dennoch weite Teile der Bevölkerung gar nicht wahrnimmt. Erschreckend auch seine Erlebnisse mit der Presse nach dem Erfolg seines ersten Buches, ein Emporkömmling, den es so nicht hätte geben dürfen. Aus diesem Grund sind viele seiner Romane auch gar nicht fiktiv, sondern autobiografisch – in den Medien wird genug erfunden, sagt er, da kann wenigsten die Literatur die Wahrheit liefern.

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Zum Abschluss des Tages eine ähnlich starke und drastische Stimme Frankreichs: Virginie Despentes. Erwartungsgemäß deutliche Worte findet sie für die französische Gesellschaft und ihren offenen Rassismus und Ausgrenzung gegenüber nicht nur Fremden und zunehmend auch wieder Juden, sondern auch Homo- und Transsexuellen. Mit ihrem Protagonisten Vernon Subutex hat sie bewusst einen weißen Mittelschichtenmann gewählt, da sie diesen in der Krise sieht und in der Rezeption in Frankreich wurde auch ihre Vermutung bestätigt, dass das Publikum gegenüber einem maskulinen Protagonisten deutlich gnädiger ist als bei Frauen, die ein vergleichbares Schicksal erleben.

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Bevor es mich wieder in die Bahn nach Hause trieb hätte ich gerne noch die Container-Wohnung des Kein & Aber Verlags besucht, aber da hatten leider nur geladene Gäste Zugang. Freitag geht es nochmals hin, ich bin gespannt, was mich dann erwartet.

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