Aloïs Guinut – Dress like a Parisian. Der Style-Guide für perfekten französischen Chic

alois-guinet-dress-like-a-parisian
Aloïs Guinut – Dress like a Parisian

Wer hat sie nicht schon einmal bewundert, die aparten Französinnen, die so lässig unglaublich chic daherkommen und den Eindruck erwecken, als wenn sie gar nichts für ihr Aussehen und Styling tun müssten. Nicht umsonst gelten sie weltweit als Modeinstanz, die neidisch von den Geschlechtsgenossinnen beäugt und von den Männern begehrt wird. „How to be Parisian wherever you are“ von Anne Berest, Caroline De Maigret, Audrey Diwan und Sophie Mas schlug 2015 bereits große Wellen, nun also Aloïs Guinuts Anleitung, die zunächst stark in Aufmachung und Titel an den Bestseller erinnert, aber inhaltlich doch ganz andere Wege geht.

Die Autorin ist nicht nur Pariserin – was sie natürlich vorm Zug für diese Aufgabe qualifiziert – sondern hat auch am Institut Français de la Mode studiert und ist seit Jahren in der Modebranche unterwegs. Als Stylecoach begleitet sie ihre Kunden bei der Zusammenstellung der perfekten Garderobe und dem jeweils passenden Outfit.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung darüber, was eigentlich die typischen Kennzeichen der französischen Mode sind: von lässigem Chic über Eleganz und Individualität bis hin zum Bruch mit verfestigten Regeln. Danach folgen sehr praktisch orientierte Kapitel zu Farben, Mustern, Stoffen und Schnitt bevor sie sich den erforderlichen Basics und Accessoires zuwendet. Jede Entscheidung für oder gegen ein Kleidungsstück fällt zwingend mit der Figur der Trägerin, weshalb auch dieser ein Kapitel gewidmet wurde bevor das Buch mit den Geheimnissen der Pariserinnen endet.

Die Texte sind kurz und informativ gehalten und mit passenden Illustrationen oder Fotos bebildert. Mir gefällt die Aufmachung sehr gut, auch die Tatsache, dass immer wieder Interviews und Portraits von Frauen aus der Modebranche eingeschoben wurden. Es ist keine Anleitung, die man von vorne bis hinten durchliest, sondern die einlädt, immer mal wieder reinzulesen und Neues zu entdecken.

Pure Unterhaltung oder taugt das Buch tatsächlich was? Ganz klare Antwort: auf jeden Fall. In Ermangelung von natürlichem Talent und tiefgehendem Interesse an Mode bevorzuge ich beruflich wie privat den konservativen Büro-Look aus Rock plus Bluse und Pumps in den bekannten Farbkombinationen schwarz-weiß-grau-dunkelblau. Erfordert morgens nicht viel Nachdenken und passt immer. Ist aber auch etwas langweilig. Ich habe tatsächlich einige Anregungen gefunden, wie ich meine Outfits etwas aufpeppen kann und sie trotzdem arbeits- und alltagstauglich bleiben. Bekanntermaßen sind es ja die kleinen Dinge, die den Unterschied machen, die muss man aber erst einmal erkennen. Damit hält das Buch genau das, was es auch verspricht.

Das perfekte Geschenk für Frauen, die nicht jedem Modetrend hinterherrennen, sondern sich zeitlos-chic und dennoch modisch kleiden und ein gewisses Faible für Styling haben.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal und den Prestel Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Seite der Verlagsgruppe Random House.

Olivier Adam – Falaises/Klippen

Ein Mann ist mit seiner Frau Claire und dem Baby Chloé im Urlaub in der Bretagne. Es ist dasselbe Hotel, in das er immer fährt, derselbe Ort, in dem er seine Urlaube der Kindheit verbracht hat, er blickt auf dieselben Klippen, die sich seine Mutter hinunterstürzte. Die Erinnerungen kommen wieder in dieser einen Nacht – an den Tod der Mutter, die Depression davor und das Unvermögen des Vaters, nach dem Tod mit den beiden Jungs allein das Leben zu ertragen. Die Erinnerung an Antoine, größerer Bruder und Vorbild, der den Tod der Mutter nicht verkraftet und erst mit Krankheit, dann mit Ausbruch aus dem bürgerlich-zivilen Leben reagiert. Die Freunde, die die beiden in dieser Zeit begleiten und auch aus dem Leben scheiden – wie die Mutter. Nicolas, Lorette, Léa – alle, die dem ich-Erzähler etwas bedeuten, verlassen ihn früher oder später, mal auf mehr, mal auf weniger grausame Weise. Sein Leben scheint eng mit dem Tod verbunden. Doch er hat Hoffnung und nachdem er selbst immer wieder kurz davor stand, ebenfalls alles hinter sich zu lassen, hat er nun mit Chloé zum ersten Mal eine Aufgabe, für die es sich lohnt zu leben.

Ein intensives, stimmungsvolles Buch über den Verlust von Menschen und die Schwierigkeit, damit umzugehen. Intensive Bindungen, die jäh zerbrochen werden, Erinnerungen, die verwischen, nicht mehr zugänglich sind und plötzlich wieder an die Oberfläche drängen. Olivier Adam ist unbestreitbar einer derjenigen zeitgenössischen französischen Autoren, die mit einer enormen Sprachfertigkeit Schmerz und Glück auszudrücken wissen, die den Leser in die Geschichte ziehen und die Erfahrungen der Figuren regelrecht am eigenen Körper spüren lassen.

*****/5

Francoise Sagan – Aimez-vous Brahms?

„Aimez-vous Brahms?“ ist der Satz, der Buch die entscheidende Wendung gibt. Paule, Ende 30, lebt im Paris der 50er Jahre einen etwas unkonventionellen Stil. Sie ist locker mit Roger liiert und ansonsten ziemlich frei. Die Beziehung wird hauptsächlich vom Mann bestimmt, der sich meldet, wann er Zeit hat und die Vereinbarung der offenen Beziehung nutzt und nebenbei diverse Liebschaften pflegt. Bei der Arbeit lernt Paule zufällig den 25-jährigen Simon kennen, Sohn ihrer Auftraggeberin. Trotz des Altersunterschieds ist der Anwalt sofort von ihr bezaubert und macht ihr den Hof. Anfangs von Paule belächelt merkt sie recht bald, wie angenehm es sein kann, wenn ein Mann sich um sie bemüht und ihr Aufmerksamkeit schenkt. Eine Einladung zu einem Brahms-Konzert, als Roger sich zeitgleich mit einer jungen Amerikanerin vergnügt, lässt sie derart zweifeln, dass sie sich zu Simon bekennt und Roger aus ihrem Leben verbannt. Ihr wird klar, dass sie gar nicht mehr weiß, was ihr gefällt und wofür sie sich interessiert, da sie blind Roger gefolgt war. Was folgt, ist nicht die glückliche neue Liebe, sondern auch die Erkenntnis, dass trotz aller Schwierigkeiten eine innige Verbindung zu Roger da war. Für diesen ist die Trennung weitaus schmerzlicher als er sich vorstellen konnte.

Francoise Sagan ist eine Meisterin des Ausdrucks tiefer Gefühle und Zerrissenheit ohne dabei platt oder obszön zu wirken. Es ist ein Genuss ihren Roman zu lesen und den Gedanken der Figuren zu folgen, die sie messerscharf erfasst, wobei sie  auch unangenehme Seiten nicht verschweigt.

*****/5

Yasmina Khadra – Les sirènes de Bagdad

Les sirènes de Bagdad ist der dritte und abschließende Teil von Khadras Serie zum Dialog zwischen Orient und Okzident, die Vorgänger sind Les hirondelles de Kaboul und L’attentat. Dieses Mal ist die Geschichte im Irak zu Zeiten der amerikanischen Angriffe nach der Jahrtausendwende angesiedelt. Der eigentlichen Geschichte ist ein Prolog vorangestellt, in dem wir den Ich-Erzähler erleben, der la plus grande opération jamais observée en terre ennemie plant. In der Folge blickt er zurück und legt erzählerisch dar, wie aus einem jungen optimistischen Studenten mit großer Zukunftsplänen ein lebensverneinender Gotteskrieger werden konnte.

Wie auch in den ersten beiden Bänden erzählt Khadra eine intensive, traurige Geschichte, die dem Leser aus dem Westen eine völlig neue Welt eröffnet. Das Leben und die Perspektive der irakischen Bevölkerung im Kriegszustand, die kleinen Bausteine, die zu Frustration und Hass führen, die Verzweiflung und Aussichtslosigkeit sind erdrückend. Auch wenn eine fiktive Geschichte erzählt wird, ist es doch so realistisch, dass man nur mit Verständnis auf vieles reagieren kann, was wir in Westeuropa aus der gegnerischen Perspektive aus den Nachrichten kennen.

Khadra ist für mich schon lange die Entdeckung wenn es um Literatur aus dem arabischen Raum geht. Den Titel als Vermittler zwischen den Kulturen hat er als in französischer Sprache schreibender Algerier zu hundert Prozent verdient.

*****/5

David Foenkinos – Nos séparations

Fritz – Spross alternativer Antiglobalisierungsgegener – trifft Alice, gutbürgerlich angepasste Tochter. Sie verlieben sich ineinander – wie immer bei Foenkinos passiert dies nicht einfach wie bei anderen Schriftstellern, sofort hingerissen, unglaublich attraktiv, die tollen Augen – nein, es ist eine Geste von Alice, die Fritz klar macht, dass sie die Frau seines Lebens ist. Die Germanistikstudentin und der Lexikon-Korrekturleser sind für einander geschaffen, ohne Frage. Es ist nicht die stürmische alles überdeckende Liebe, sondern die leise intensive. Trotzdem kommt es immer wieder zu Trennungen und beiden haben im Laufe des Lebens auch andere Partner, sogar Kinder. Aber auch 10 oder 20 Jahre der Trennung können das Band, das sie zusammenhält, nicht durchschneiden. In intensiven Momenten suchen und finden sie einander.

Foenkinos erzählt einen Liebesroman, der ohne Kitsch und  große Worte auskommt. Auch bedarf es keiner ausufernder Sexszenen, um die Intensität dieser Verbindung zu zeigen. Ein Meister der leisen Worte erzählt eine Liebe, die einem durch die Sprache  mit aufsaugt und den Schmerz der Trennungen ebenso intensiv spüren lässt wie das Glück des Wiedersehens.

Unbedingt im Original zu lesen. Der deutsche Titel ist (ähnlich wie auch bei „La délicatesse“ einmal wieder banal-dumm und lässt erwarten, dass auch hier dilettantisch schlecht übersetzt wurde).

*****/5

Caryl Férey – L’innocence par Arturo Bandini (Hörspiel)

Arturo trifft beim Casting für eine Statistenrolle auf die junge Chinesin. Die beiden kommen ins Gespräch, wobei Arturo seine Erfahrung im Kino-Business maßlos übertreibt. Nicht nur Schauspieler sei er, sondern auch Drehbuchschreiber und Regisseur. Unerwartet fällt ihm die Doppelrolle Schauspieler und Regisseur bei dem aktuellen Film von Cécil B. zu. Was er jedoch nicht ahnt, ist dass dieser mit dem Film zwei ganz andere DIige bezweckt: Geld waschen und sich an der ehemals populären Schauspielerin Joane mit einer furchtbaren Rolle und Misserfolg rächen. Doch diese hat bereits einen eigenen Racheplan, bei dem Arturo leider auch auf der Strecke bleibt.

****/5 (Hörspiel)

René Frégni – On ne s’endort jamais seul

Ein liebender Vater, alleinerziehend. Immer holt er seine Tochter Marie pünktlich von der Schule ab, die 7-jährige hat ja nur noch den Vater, den sie heiß und innig liebt. Doch an einem Nachmittag wird Antoine aufgehalten und als er zur Schule kommt, ist Marie verschwunden. Ein schwarzer Wagen und eine elegant gekleidete Frau wurden in der Nähe der Schule beobachtet. Alle Suche bleibt vergeblich: Marie ist verschwunden. Und sie ist bereits das dritte Mädchen, das innerhalb weniger Monate in Marseille einfach verschwindet. Für Antoine ist der Verlust unerträglich. Das Warten darauf, dass etwas passiert, zermürbt ihn. Die Polizei kommt nicht weiter. Da trifft er seinen Kindheitsfreund Jacky wieder – der gerade 10 Jahre Knast abgesessen hat, aber über beste Kontakte in alle Milieus sowie eine gewisse finanzielle Freiheit verfügt. Sie beschließen die Suche selbst in die Hand zu nehmen. Tania, die „blaue Hure“, hilft ihnen dabei mit der entscheidenden Idee.

Ein vielschichtiger Krimi. Einerseits ist die Zerrissenheit und das Leiden Antoines für den Leser ebenfalls fast unerträglich. Andererseits bringen die fragwürdigen Personen, auf die Antoine und Jacky im Laufe der Geschichte stoßen, eine unheimliche Brutalität mit sich, die ebenfalls fast nicht auszuhalten ist.

Das Ende ist mir ein wenig zu dick aufgetragen, Frégni hätte besser bei seiner angelegten Geschichte bleiben sollen, warum noch einmal eine Wendung und andere Motive, erschließt sich mir nicht. Das letzte Kapitel war zwar völlig enttäuschend, dafür ist das Gesamtwerk aber sehr überzeugend und vor allem glaubwürdig.

****/5

Jean-Baptiste Destremau – La sonate de l’assassin

Laszlo Dumas ist ein berühmter Pianist, dem man lange Zeit nach sagt, dass er zwar gut aber nicht überragend talentiert sei. Eines Tages, als ihm während eines Konzerts ein minimaler Fehler unterläuft, der jedoch von einem Zuschauer in der ersten Reihe bemerkt wird, wird sein Genie herausgefordert: er kann die Existenz dieses Mannes nicht ertragen und begeht einen Mord. Sofort verändert sich sein Spiel und er wird besser und besser. Um diesen Effekt und seinen Ruhm zu retten, muss er jedoch immer wieder töten. Die Auswahl seiner Opfer folgt dabei immer demselben Muster: er baut kleine Fehler in sein Spiel ein und wer sie bemerkt, muss dafür mit dem Leben bezahlen. Eines Tages jedoch lernt er Lorraine kennen und lieben – sie bemerkt seine Fehler jedoch auch…

****/5 (Hörspiel)

Brigitte Giraud – Une année étrangère

Trauer um ihren geliebten Bruder Léo, der bei einem Mofaunfall ums Leben kam veranlassen die 17-jährige Laure dazu, aus ihrem Leben auszubrechen. Erst schmeißt sie die Schule, dann geht sie für 6 Monate als Au Pair nach Deutschland, da sie es in ihrem Elternhaus nicht mehr ertragen kann. Es verschlägt sie in den 80er Jahren nach Lübeck zu einer für sie seltsamen Familie in eine völlig neue Welt. Sie muss dort ihre neue Rolle finden, ihre Trauer bewältigen, sich in einer fremden Sprache ausdrücken lernen und Vertrauen zu den Familienmitgliedern gewinnen. Keine leichte Angelegenheit.

Das Buch ist aus der Sicht der Ich-Erzählerin geschrieben. Erst nach und nach wird ihre Familiensituation und die Gründe für die Flucht offenbar. episodenhaft, teilweise wie ein Tagebuch berichtet sie von ihrer Zeit in Deutschland, der Unsicherheit, die Sprachbarriere, aber auch die Trauer. Viele typische Erfahrungen, die junge Menschen in einer neuen Umgebung machen und die einem bisweilen schier verzweifeln lassen könnten. Sehr eindrucksvoll und nah erzählt mit ganz viel Blick in die Schwierigkeiten dieser Situation.

****/5