Peter Mohlin/Peter Nyström – Der andere Sohn

Peter Mohlin/Peter Nyström – Der andere Sohn

Nach einem gefährlichen Einsatz gegen ein Drogenkartell muss John Adderley durch das FBI-Zeugenschutzprogramm eine neue Identität erhalten. Er bittet darum, nach Schweden versetzt zu werden, das Land, in dem er die ersten 12 Jahre seines Lebens verbracht hat. Widerstrebend stimmen seine Vorgesetzten zu, da sonst der Prozess platzen würde. Es ist jedoch keine Nostalgie, die ihn zurücktreibt, seine Mutter bittet um seine Hilfe. 10 Jahre zuvor wurde sein Halbbruder des Mordes an der Erbin eines Klamottenimperiums beschuldigt, aus Mangel an Beweisen jedoch wieder freigelassen. Nun wird der Fall erneut aufgerollt und die Mutter fürchtet, dass es wieder keine fairen Ermittlungen gibt. John wird in das Ermittlungsteam eingeschleust und kann bald nicht nur die Leiche finden, sondern auch nachweisen, dass es Manipulationen bei den Ermittlungen gab. Offenbar sitzt der Täter in den Reihen der Polizisten.

Das Autorenteam Mohlin/Nyström kennt sich bereits seit Kindheitstagen und hat mit „Der andere Sohn“ nun zum ersten Mal gemeinsam einen Kriminalroman verfasst, den Auftakt einer Reihe, die in der schwedischen Stadt Karlstad angesiedelt ist. Die Geschichte liefert genau das, was man von skandinavischer Spannungsliteratur gewohnt ist: eine sauber gestrickte, komplexe Handlung, die jedoch auch Raum lässt, um einen Blick in die Gesellschaft und kulturellen Eigenheiten zu gewähren.  Der Protagonist John nimmt dabei eine interessante Zwischenposition ein: weitgehend in den USA sozialisiert und beruflich durch die Arbeit beim FBI geprägt, spricht er zwar die Sprache seiner neuen Kollegen, hadert jedoch mit so mancher Eigentümlichkeit, an die er sich nur schwer gewöhnen kann.

Was geschah mit Emelie in der Nacht vor 10 Jahren? Und wo ist die Leiche der jungen Frau? Nach einer Party wollte sie noch einen mysteriösen Mann treffen, doch ihre Spur verliert sich, das letzte Lebenszeichen ist eine große Menge Blut an einem Felsen, ganz in der Nähe finden sich Spermaspuren, die zu Johns Halbbruder führen. Doch dieser leugnet die Tat und auch die junge Frau gekannt zu haben. Sobald John sich näher mit ihr befasst, zeigt sich, dass die Studentin zwei ganz unterschiedliche Seiten hatte, die offenbar zu ihrem Verhängnis wurden. Als John die Manipulationen am Beweismaterial entdeckt, nimmt die Handlung nicht nur eine Wende, sondern auch das Tempo ordentlich Fahrt auf. Und immer muss der Ermittler auch damit rechnen, dass seine wahre Identität entdeckt wird, was ihn das Leben kosten könnte.

Ein überzeugender Auftakt, auch wenn der Anfang mit John Vorgeschichte in Baltimore etwas ausführlich war und nicht in unmittelbarem Zusammenhang zum Cold Case steht. Jedoch scheint dies in den Folgebänden wieder relevant zu werden. Der Fall bietet einige überraschende Wendungen, die durch akribische Polizeiarbeit und nicht durch bloßen Zufall ausgelöst werden. Die Spannung wird gelegentlich durch kleine interkulturelle Missverständnisse – Gott bewahre: Küchendienst für den ehemaligen FBI–Ermittler und viel zu kleine Autos mit Gangschaltung– unterbrochen, die zur Abwechslung auch zum Schmunzeln einladen.

Lauren Wilkinson – American Spy

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Lauren Wilkinson – American Spy

When one night a man breaks into her New York apartment and tries to kill her, Marie knows that it is time to flee and to take her twin boys out of the country since they will not be secure there anymore. As a former member of the FBI she knows how to defend herself, she went through worse, but not her kids. She flees to a tiny village on Martinique where her mother has been living for decades, hoping to earn some time to write down everything that happened years before for her kids to understand one day when they are old enough. Marie thinks back to her beginnings at the agency when she had the impression of being stuck and then the unexpected chance to be a part of something bigger, of doing something good – which ended in an African bloodbath and forced her into hiding.

“American Spy” is Lauren Wilkinson’s first novel after some highly appraised shorter writings. What is quite fascinating about the thriller is that apart from the action part, it offers many different layers and aspects that can be discussed. It is set in the time of the Cold War and of course, first and foremost, the role of the two big players and their proxy wars in Africa obviously take a major part in the book. Yet, it can also be read as a feminist novel since the protagonist struggles to find her place in an all-male federal agency where people are openly sexist. Marie and her Caribbean background also qualify the novel under the label of a Black History book.

The thriller is full of suspense and provides insight into the world of spies. The complicated political situations they are in and the fact that the world is much more greyish than black and white at times forces them to either give up their ideals or simply quit their job. I liked a lot how the author combined Marie’s family history and the ghosts that haunt her with the bigger picture of world politics that, in the end, also can be broken down to personal relationships and enmities. The protagonist makes it easy to sympathise with her and thus you instantaneously immerse into the novel. Additionally, I learned a lot about Burkina Faso’s history, something that I was highly ignorant about.