Roddy Doyle – Love

Roddy Doyle – Love

A summer evening, two old friends meeting in a Dublin restaurant. They haven’t seen each other for quite some time, Joe still lives in Ireland, David and his family have moved to England. They have grown up with each other, shared all firsts of life and stayed in contact for several decades, now coming close to the age of 60. What starts as a joyful evening of old pals turns into an introspection and questioning of values, of memories which suddenly do seem to differ and of a friendship which after all those years is threatened to break up.

Roddy Doyle’s novel is really astonishing with regard to the liveliness and authenticity with which it is told. The text consists in large parts of dialogue between Joe and David which gives you really the impression of sitting at the table with them, listing to their conversation and taking part in the evening – just without all the drinking. It was all but difficult to imagine the scene and also the way they interact is totally genuine. This is only interrupted by insights in David’s thoughts, while he is talking to his friend, he is reassessing what he hears and, as a reader, you soon get aware that there are things he does not share with Joe albeit the latter is supposedly his best friend.

Even though I liked to learn about the two characters’ points of view, their pondering and wondering, the novel did not really get me hooked. First of all, I guess the imbalance between the two, getting access to one’s thoughts whereas the other is only shown from outside, did not really convince me. Quite naturally, the plot is highly repetitive which is absolutely authentic and believable, yet, not that interesting when you read it. There are funny moments as there is a very strong ending which really made up for a lot in my opinion. In the end, I remain of mixed opinion concerning the novel.

Sally Rooney – Normal People

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Sally Rooney – Normal People

Sie könnten verschiedener kaum sein: Marianne ist die Tochter reicher Eltern, die in einem großen Anwesen lebt und kaum Kontakt zu ihren Mitschülern hat. Connell ist Everybody’s Darling in der Schule, seine alleinerziehende Mutter ist die Putzfrau von Marianne. Die offensichtlichen Gegensätze ziehen sich an, aber schnell merken sie, dass sie beide eine große Verunsicherung in sich tragen und das Gefühl haben, nur vom jeweils anderen verstanden zu werden und nur in dieser Zweisamkeit wirklich sie selbst sein zu können. Sie gehen gemeinsam ans Trinity College, dort wenden sich die Dinge, Marianne ist plötzlich populär unter ihresgleichen und Connell hat große Schwierigkeiten sich anzupassen, zu fremd fühlt er sich. Jahre vergehen, sie haben andere Partner, aber immer wieder kommen sie zu einander zurück, denn es verbindet sie weiterhin die Frage, wie man einfach nur „normal“ sein kann, was sie falsch machen, dass sie sich auf dieser Welt so fremd fühlen.

Sally Rooneys zweiter Roman war 2018 „Best Novel“ der Costa Book Awards und sowohl für den Man Booker Prize wie auch für den Women’s Prize for Fiction nominiert. So sehr mich „Gespräche mit Freunden“, das Debüt der Autorin begeisterte, ihr zweiter Roman ist in der Figurenzeichnung weitaus ausgereifter und tiefgründiger. Nicht nur, weil Marianne und Connell deutlich komplexer sind, sondern weil Rooney auch diese spezielle Dynamik zwischen den beiden wundervoll in Worte zu transferieren vermag.

Marianne und Connell, beide gleichermaßen intelligent und intellektuell ihren Mitschülern weit entfernt, vollführen einen seltsamen Tanz: mal schwingen sie perfekt im Rhythmus, mal treten sie einander unwillentlich auf die Füße und geraten ins Stolpern. Ihre jeweiligen Familien haben sie geprägt und Spuren hinterlassen, in Mariannes Fall hat sie Gewalt und Verachtung kennengelernt, worauf sie nur mit emotionalem Rückzug zu antworten wusste, um sich selbst zu schützen. Connell hat all die Zuwendung und Liebe seiner Mutter erfahren, die ihn trotz aller Widrigkeiten zu einem guten Menschen gemacht hat, der niemals jemanden verletzen könnte. Beide sind unvollständig, erst miteinander erleben sie so etwas wie Vollkommenheit, auch wenn diese nie störungsfrei verläuft. Es ist keine obsessive, destruktive Liebe, sondern mehr der Strohhalm, der ihnen beiden Halt gibt in einer Welt voller Erschütterungen, die jeden Moment droht einzustürzen. Die Angst davor ist jedoch so übermenschlich, dass sie ausgelassene Sorgenfreiheit verhindert.

Ein sehr emotionsgeladenes Buch, das jedoch auch ein Loblied auf Freundschaft und deren Kraft singt.

Catherine Ryan Howard – Rewind

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Catherine Ryan Howard – Rewind

Andrew, manager of Shanamore Cottages, does not trust his eyes when he watches the camera he secretly installed in the bedroom of the cottages: his only guest has just been murdered. Yet, he surely cannot call the police but has to cope with the situation. Rewind. Strange things seem to happen in the life of influencer Natalie. However, her husband Mike does not believe her, supposedly because he himself is behind it all. He not only seems to have an affair but also wants her to believe that she has gone nuts. The key to it all seems to lie in the cottages where her obviously spent several days, so she packs her bag and spontaneously goes there. She knows immediately that this has been a mistake, the place is not only remote but more than literally abandoned in November and the people out there more than creepy. She does not know how correct her assessment of the place is and how wrong she was about the connection between this village and herself.

I have read Catherine Ryan Howard’s former novel “The Liar’s Girls” about Dublin’s Canal Killer and had liked it a lot. That’s why I was eager to read another of her thrillers and I wasn’t disappointed. Again, she starts with a murder and the reader has to figure out how this character ended up killed. “Rewind” is cleverly constructed and it takes some time to connect the dots and to make sense of it all. Yet, suspense does not decline once you see through the plot as there is still a chance that the actual culprit might simply walk away without ever being discovered and charged.

What I found strongest apart from the carefully composed plot, was the atmosphere the author creates. The small village of Shanamore really gives you the creeps only when reading about it. This place – added the time of the year, November, which is in itself often spine-chilling due to the cold and darkness – is perfect for hideous murders and you wouldn’t expect anybody else than weird and dubious characters walking around there. But also the action taking place in Dublin that makes Natalie feel increasingly hesitant and insecure about herself adds to the overall frightening ambiance of the novel.

Catherine Ryan Howard provides a lot of wrong leads that make you readjust the picture again and again and ponder how all can possibly fit into the picture. The solution is plausible and does not leave any question unanswered. “Rewind” is a perfect page-turner that I read in just one sitting since it hooked me immediately.

Sally Rooney – Gespräche mit Freunden

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Sally Rooney – Gespräche mit Freuden

Mit einundzwanzig liegt die große Welt noch vor einem. So auch vor Frances, Litersturstudentin und angehende Schriftstellerin aus Dublin. Gemeinsam mit ihrer Freundin Bobbi tritt sie bei Poetry Slams auf, sie werden bewundert, bejubelt. Aber das ist nur wegen Bobbi, die sofort jeden verzaubert mit ihrer Schönheit und Offenheit. Neben ihr bleibt Frances blass, denkt sie. Als die Fotografin Melissa ihnen anbietet, ein Porträt über sie zu machen, öffnet sich eine neue Welt für die junge Frau aus bescheidenen Verhältnissen. Während die Uni in die Sommerpause geht, bewegen sich Bobbi und Frances sich plötzlich in der Welt der im Kunst- und Literaturbetrieb bereits Arrivierten. Scheu bewundert Frances diese Menschen, die sie um ihr Leben beneidet. Zurückhaltend und kühl erscheint sie, um ihre Unsicherheit und Selbstzweifel zu verdecken und doch interessiert man sich für sie, vor allem Nick, Melissas gutaussehender Ehemann, und völlig unvorbereitet wird Frances von ihren Gefühlen überrannt.

Die irische Autorin Sally Rooney gilt als der neue Star am Literaturhimmel, das Feuilleton bejubelt sie und ihr Debutroman war gleich für mehrere Preise nominiert. Man kann nur spekulieren, wie viel von ihrer Protagonistin Frances selbst in ihr steckt, viele Parallelen liegen auf der Hand und eines lässt sich ganz sicher sagen: sie ist eine der stärksten Stimmen ihrer Generation, und das, was sie mit ihrem Debut abliefert, schraubt die Erwartungen an die folgenden Werke hoch.

Einen Sommer und den Anfang des Herbstes begleitet die Geschichte Frances. Auch wenn die weiteren Figuren, Bobbi und vor allem auch das komplizierte Verhältnis von Melissa und Nick, durchaus auch viele interessante Aspekte liefern, so dreht sich doch allen nur um die Gedankenwelt der jungen Studentin. Viele Bücher gibt es, die die Unsicherheit einer jungen Frau, vor allem auch gegenüber älteren und selbstbewussteren Frauen, thematisieren. Rooney gelingt es aber insbesondere Frances‘ Gedankenstrudel einzufangen und dabei den Leser mitzunehmen. Man betrachtet sie nicht nur von außen, das Mädchen, das erst erwachsen werden und lernen muss, ihre Wirkung auf andere richtig einzuschätzen. Viel mehr hat man das Gefühl direkt in ihr zu stecken und die widersprüchlichen Emotionen mit ihr zu durchleben.

Es ist ein besonderer coming-of-age Roman, der insbesondere durch das Milieu ein ganz eigenes Flair entwickelt. Frances‘ Reflektiertheit steht ihr bisweilen im Weg, alles zu analysieren und zu hinterfragen, hält sie bisweilen vom Leben ab und treibt sie in einen gefährlichen Strudel. An dieser Stelle hat mich die junge Autorin ganz besonders überzeugt: ihr ist es gelungen, psychische Ausnahmezustände und auch manifeste Erkrankungen in einer ausgesprochen unaufgeregten Weise in die Handlung einzubauen, so dass diese nicht als Determinante der Figur erscheinen und diese dadurch nicht als bemitleidenswertes Opfer gezeichnet wird. Charakter und Persönlichkeit treten nicht hinter diese zurück, sondern nehmen sie als eine Facette auf.

Es genügen wenige Seiten und man wird von dem Sog, den der Roman entfaltet, mitgezogen. Ihr Stil ist ironisch bis metaphorisch und vor allem sehr reflektiert. Dazu bietet sie neben der Haupthandlung unzählige Themen und Denkanstöße, die die Breite ihres Repertoires nur noch weiter unterstreichen. Zweifelsfrei einer DER Romane 2019.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. mehr Informationen zu Autorin und Buch finden sich auf der Seite der Random House Verlagsgruppe.

Louise O’Neill – Almost Love

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Louise O’Neill – Almost Love

Things are not going too well between Sarah and her partner. Is it just because her job as a teacher exhausts and frustrates her? She is an artist, but has never been good enough to really succeed with her paintings, not like her mother-in-law to be or her best friend. When she flees their home one afternoon, she by coincidence meets Matthew and all comes up again. The man she loved like never before, the man she would have given up everything for – the man she has given up everything for and destroyed so much. But he is still Matthew and there is something in her that makes the old feeling, she thought she had overcome, show up again.

After reading the blurb, I expected a story with an unhealthy love addiction and intense feelings on the part of the female protagonist. I was quite sure to feel compassion for her obsessive love and what it makes with her, yet, I mainly hated Sarah, even more than Matthew, which made it a bit difficult to really enjoy the novel.

So, why didn’t I feel pity for her? First of all, she is incredibly arrogant. When still young, her best friend from university gets the big chance of an exhibition, but instead of being happy for him, she envies him and is convinced that it should have been her. Second, her father obviously is quite lonely in their remote village and he always tries not to put her under pressure and to tolerate her awful behaviour, but she treats him like an old imbecile. Yes, he might not have been the perfect dad when her mother died – yet, he also lost his beloved wife and needed time for himself and his grief. Her school friends are just places she can dump her personal dramas, she doesn’t care about their problems and feelings and even doesn’t realise when she spoils her former best friend’s wedding. The current relationship is marked by her evil behaviour towards her boyfriend. No, he cannot do anything right, she only snaps at him and looks down on him. All of this is not necessarily linked to her obsessive love, not, she is just a very mean person.

When it comes to her flashbacks and memories of the time with Matthew, well, it is the classic constellation: a successful man in the middle of his life meets the naive girl who falls for him and somehow she succumbs to the illusion that he might also fall in love with her. Her whole behaviour – bombarding him with text messages, dropping everything when he calls, accepting all his wishes in their shabby hotel room, being subservient in any imaginable way – well, that’s something that might happen, but over months without understanding what is going on? That she is never at his side in public, but hidden in a hotel room where he doesn’t even have the time for a proper conversation with her? At least, she can serve as a cautionary tale.

I am not sure if I find Sarah’s character authentic and thus could really believe the story. Nevertheless, it captivated me somehow and I almost read it in just one sitting which definitely speaks for Louise O’Neill.

Catherine Ryan Howard – Ich bringe dir die Nacht

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Catherine Ryan Howard – Ich bringe dir die Nacht

Nichts hat Alison weniger erwartet als Besuch von der Polizei. Von der irischen Polizei und das, wo sie seit zehn Jahren in den Niederlanden lebt. Nach den schrecklichen Vorfällen war sie geflohen und hat sich mühsam ein neues Leben aufgebaut und versucht zu vergessen. Doch jetzt beginnt alles scheinbar von Neuem. Der so genannte Kanalkiller von Dublin hat wieder zugeschlagen, aber eigentlich sitzt dieser doch im Gefängnis? Sie selbst hatte auch keine Zweifel mehr an der Schuld ihres Freundes Will, nachdem dieser die Morde an den Studentinnen gestanden hatte. Doch nun werfen die neuerlichen Tötungen Fragen auf und Will möchte reden, aber nur mit einer einzigen Person: mit Alison. Ist er womöglich doch unschuldig?

Catherine Ryan Howards zweiter Krimi war einer der erfolgreichsten Titel im angloamerikanischen Raum 2018. Es braucht nur wenige Seiten, um dies nachvollziehen zu können: die Autorin packt einem vom ersten Moment und man ist derart gefesselt von der Geschichte, dass man den Roman kaum beiseite legen möchte. Ein Thriller, der zwar durchaus bekannte Muster zeigt, aber dennoch überraschen kann und unerwartete Wendungen aufbietet.

Auf zwei Zeitebenen werden die Ereignisse der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Interessant dabei bleibt, dass manche der Figuren doch so zweideutig und vage bleiben, dass man bis zur letzten Seite nicht sicher ist, ob man ihnen trauen kann oder ob sie ein falsches Spiel spielen. Die Protagonistin Alison bleibt dabei als 19-jährige Studentin etwas unbedarft und naiv und ist auch zehn Jahre später nicht viel weiter. Nichtsdestotrotz trägt die Figur die Handlung überzeugend und man kann ihr emotionales Hin-und-Hergerissen-sein sehr gut nachvollziehen.

Der Fall ist plausibel konstruiert und clever spielt die Autorin mit den Wissenslücken und voreiligen Deutungen der Figuren, um so nicht nur ihre Charaktere in zweifelhaftem Licht erscheinen zu lassen, sondern auch dem Leser einige Fährten zu legen, denen man bereitwillig folgt.

Kein Thriller, der an die Grenzen der Nervenanspannung geht, aber der Schreibstil hält die Ungeduld und Vorahnung konstant oben und lässt sowohl das Setting wie auch die Figuren authentisch und glaubhaft wirken. Es braucht keine brutalen Szenen mit detailreichen Schilderungen von Verletzungen und dem Aussehen der Leichen, um spannungsreich gut zu unterhalten.

Ein herzlicher Dank geht an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Autorin und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

John Boyne – The Heart’s Invisible Furies

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John Boyne – The Heart’s Invisible Furies

Ireland 1945. Catherine is 16, unmarried and pregnant. She is chased away from her village from a priest during mass in front of the whole congregation and determined to start a new life in Dublin. The baby, however, will have to be up for adoption, a loving couple will give him a better start in life than a fallen woman. Thus, baby Cyril arrives at the Averies’. Maud and Charles are not especially cordial, but they care for him and in Julian he finds a friend for his life. Even though the circumstances of his upbringing are much better than expected in the first place, Cyril’s life is not meant to be easy: already as a young teenager he realises that he is much more interested in the boys around him than in the girls – an impossibility in Catholic Ireland. Will he ever be able to find real love? Or didn’t he already find it in his best friend Julian?

John Boyne’s novel is a documentary of the 20th century and the development of morals in Catholic European countries. From the very beginning with strict rules which were much more important than the individual’s suffering, over the 60s and 70s with free love and the detachment from all moral considerations, to the 80s and the uncontrollable and unpredictable virus which threatened the world and made people think over their behaviour until our time where – at least in the novel – new ways of understanding the concepts of family and belonging have formed. The protagonist Cyril is strong enough to lead the reader through the times and to overcome obstacles with his gentle and open-minded manners and attitude towards life. He is simply lovable, still at times, you pity and feel sympathy for him because luck does not really seem to be on his side.

Apart from the plot which I found quite interesting since you get an exemplary insight into what homosexuals had to go through in the 20s century, it is Boyne’s style of writing which makes this novel stand out. Sometimes, you could just laugh out loud, e.g. when Cyril explains how his adoptive parents decided on his name: “They had named me Cyril for a spaniel they’d once owned and loved.” (pos. 875) or when he recollects how his father explains him about the birds and the bees (which is just not suitable for any quotation even though it is hilarious). Boyne has quite a limited set of characters considering the number of pages of the novel, they reappear, meet again and again, at times it seemed as if there were maybe too many coincidences to believe it, but even nevertheless it all fit together well and finished in a round and complete ending.

Admittedly, I was occasionally reminded of Hanya Yanagihara’s novel “A little life”, in both novels we find a homosexual as protagonist who has to struggle all his life due to his sexual orientation, societal standards and expectations and who is highly sensitive and perceptive for other people’s feelings and emotions. Yet, the novels are quite different. Where I could feel physical pain in Yanagihara’s, I enjoyed the light tone of Boyne’s novel and the fact that he manages to tell a serious and sometimes arduous story in such a light, amusing way.